High Heels und Kokosnüsse: Analoges Arbeiten im Digitalen Umfeld

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Im Reich der Schuhe

Carsten Richter kann jeder Frau Konkurrenz machen: Über 100 Paar Schuhe zählt er sein eigen. Richter ist Geräuschemacher und arbeitet vor allem für den Film. Schritte sind in seinem Business nach wie vor am meisten gefragt. Im Englischen wird der Geräuschemacher daher nicht nur „foley artist“, sondern umgangssprachlich auch „footstep artist oder „walker“ genannt.

Seit den Anfängen des Tonfilms in den 20er Jahren vertonen Geräuschemacher Bilder auf der Leinwand in Echtzeit. Auch wenn das Thema Digitalisierung heute im Filmgeschäft eine wichtige Rolle spielt, hat sich das Handwerk des Geräuschemachers kaum verändert. Bei Carsten Richter ist alles handgemacht, Klängen aus der Tonkonserve arbeitet er nicht. Es würde auch viel zu lange dauern. Mit schlafwandlerischem Gespür erzeugt Richter den passenden Klang zur richtigen Zeit.

Trickkiste mit Überraschungen

Im Interview öffnet Richter seine Trickkiste und gibt unterhaltsam Einblick in sein kreatives Handwerk: Pferdegetrappel erzeugt Richter wahlweise mit Kokosnüssen oder echten Hufen. Mit Herren- und Damenschuhen schafft er akustische „Lauf-Panoramen“ und regt mit einer Vielzahl kreativer Utensilien die Phantasie an. ER lässt Kutschen fahren, schlägt Spiegeleier mittels Tischtennisball in der Pfanne, lässt Blumen im Wind säuseln, Insekten fliegen, hüpfen, summen und schnarren, Sektkorken knallen, Türen quietschen und Verdauungsorgane rumoren.

Das Interview entstand im Rahmen des „klingt gut!-Symposiums“ im neugestalteten Tonlabor der HAW Hamburg auf dem Mediencampus Hamburg/Finkenau.

Carsten Richter, Geräuschemacher: Tonwandel (Potsdam und Berlin)

Mediencampus Hamburg/Finkenau der HAW, Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg: Klangsymposium

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