„Mensch und Maschine“ – Flashmob bei der Kreyenberg GmbH

© Wojtek Kosciuk, tele-visor.info

Teilhabe motiviert und kann im Rahmen Künstlerischer Interventionen modellhaft erprobt werden. Wenn alle Mitarbeiter sich mit ihren besonderen Fähigkeiten und Talenten eigenverantwortlich einbringen und sich darüber mit ihren Kollegen austauschen können, werden kreative Prozesse in Gang gesetzt. So wie bei der Kreyenberg GmbH in Norderstedt, wo im Frühjahr 2015 eine Intervention zum Thema „Mensch und Maschine“ mit den Künstlerinnen Dany Heck und Christiane Limper stattfand.

Gespräch mit den Künstlerinnen Dany Heck und Christiane Limper

Gespräch mit der Geschäftsleitung der Kreyenberg GmbH: Clemens Kreyenberg und Anne Rose

Interviews mit Mitarbeitern der Kreyenberg GmbH in Norderstedt:

„Die offene, zugewandte Art der beiden und wie sie auf die Mitarbeiter eingehen, hat mich gleich angesprochen.“ Geschäftsführer Clemens Kreyenberg ist Feuer und Flamme, als er die Künstlerinnen bei einer Veranstaltung am Nordkolleg Rendsburg im Juni 2014 erlebt. Bei einer Rückschau auf die bisherigen Künstlerischen Interventionen von „Unternehmen! KulturWirtschaft“ präsentieren die Künstlerinnen ihr erstes Unternehmensprojekt – bei der Firma Holm & Laue. Clemens Kreyenberg sitzt im Publikum und engagiert die beiden auch für sein Unternehmen.

Bevor es richtig losgeht, werden Gespräche geführt und Konzepte erarbeitet. Die Künstlerinnen starten mit einer Forschungswoche im Unternehmen und lernen die Mitarbeiter kennen. Begleitet wird dieser Prozess vom Team von „Unternehmen! KulturWirtschaft“, das unter anderem gemeinsame Workshops mit den Projektteams anderer Künstlerischer Interventionen organisiert. „Die Workshops geben den Akteuren Gelegenheit zum Austausch, zur Reflexion und für kollegiale Rückmeldungen über Ideen und Entwicklungen“, erklärt Teamleiterin Lena Mäusezahl.

  Kreyenberg_Limper+Heck © MassivKreativ: Dany Heck (l.) und Christiane Limper

Mit Energie und Begeisterung stürzen sich Dany Heck und Christiane Limper ins Geschehen. Sie wandern durch die Werkhallen von Kreyenberg, wo mit computergesteuerten Maschinen Metalle und Kunststoffe bearbeitet, gefräst und gedreht werden. Bei ihren Gesprächen spüren sie die positive Atmosphäre im Unternehmen. Künstlerinnen und Geschäftsführung sind sich sofort einig: Alle 150 Mitarbeiter sollen kreativ werden. Unter dem Motto „Mensch und Maschine“ werden in sechs Workshop-Gruppen jeweils 20-30 Teilnehmer aus den verschiedenen Abteilungen und Berufsgruppen gemischt, z. B. Chefetage mit Azubis und Zeitarbeitern. Für Personalleiterin Anne Rose hat das inhaltliche und praktische Gründe: „So entstehen neue spannende Begegnungen über die Grenzen der eigenen Abteilung hinaus, auch zwischen unterschiedlichen Nationalitäten. Die Intervention kann gut in den Arbeitsalltag integriert werden, da nicht ganze Abteilungen zeitgleich ausfallen.“

Kreyenberg_Personalleitung_02 Kreyenberg_Wir zerspannen alles © MassivKreativ

Zunächst sammeln die Mitarbeiter Ideen, erarbeiten dann in drei Workshops ihre Gruppen-Performances, die am Ende in einen gemeinsamen Flashmob münden. Jedes der sechs Teams findet ein eigenes kreatives Thema: Das „Kreyenberg Chaos-Orchester“ groovt auf Metallfässern und Werkzeugen und schafft den rhythmischen Grundbeat. Eine Pantomime-Gruppe imitiert die verschiedenen Abteilungen und zeigt, wie ein „menschliches Zahnrad“ in das andere greift. Humorvoll wird der Fertigungsablauf bei der Materialbearbeitung präsentiert: Späne fliegen durch die Luft, es wird gefegt und Kaffee getrunken. Ein Team baut aus roten, blauen, grünen und gelben Transportkisten das Firmenlogo nach. Andere Kollegen verkörpern das Innenleben einer robotergestützten Maschine mit stockenden Bewegungen unter Stroboskop-Licht in weißen Ganzkörperschutzanzügen. Der Spaß überzeugt am Ende alle, auch anfängliche Kritiker: „Wofür soll das alles gut sein?“ Die Künstlerinnen lassen skeptische Fragen zu und fragen dann selbst: „Was passiert denn in der Firma, wenn es mal Probleme gibt, z. B. wenn Maschinen ausfallen?“ So wandeln sie Widerstand in positive Energie. Die Zweifler kreieren daraufhin begeistert einen Maschinencrash und lassen Paletten beherzt zu Boden krachen. „Humor ist ganz wichtig bei solchen Aktionen. Das gemeinsame Lachen über- und miteinander schweißt alle zusammen“, betont Dany Heck.

Kreyenberg-Kantine_1 Kreyenberg_Künstlerinnen_03_lacht © MassivKreativ

Noch in ihrer Freizeit tüfteln die Teams an Ideen und gestalten mit Schrauben und Zahnradmotiven die Kantinenwände neu. Die „visuelle Gedächtnisstütze“ wird die besondere Stimmung bei der Intervention lange aufrechterhalten. Ebenso der Imagefilm, der die Fertigungsprozesse in den Werkhallen festhält und die Höhepunkte der Intervention.„Die Kunstaktion dient als Ventil“, weiß Christiane Limper. „Die Offenheit für neue Erfahrungen und der Mut, sich auf den kreativen Prozess einzulassen, wirken nachhaltig.“

Geschäftsführer Clemens Kreyenberg prognostiziert: „Das bessere Kennenlernen wird Prozesse beschleunigen und die Zusammenarbeit verbessern. Das wirkt sich früher oder später direkt auf den Geschäftserfolg aus.“ Kreyenberg plant daher weitere Kunstaktionen: „Vielleicht das Firmengebäude anmalen, vielleicht eine Skulptur, mal sehen“, sagt Anne Rose.

Quellen und Inspirationstipps:

• Dany Heck und Christiane Limper – Kunstbasierte Interventionen: KalendArt.wordpress.com
• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg
Kreyenberg GmbH, Norderstedt
Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Ausgabe 2-2015: Künstlerische Interventionen.
Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

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