Konfetti und Kerosin: So wird lebenslanges Lernen zum Vergnügen

Konfetti und Kerosin: So wird lebenslanges Lernen zum Vergnügen

 © Jörg Brinckheger, Pixelio.de  

Unsere Arbeitswelt hat sich gewandelt. Sie wird sich in den nächsten Jahren noch rasanter und tiefgreifender verändern. Wir alle müssen auf Laufenden bleiben, neue Informationen aufnehmen, dazulernen. Einige empfinden das als Druck und Last. Doch das lebenslange Lernen kann ein anregendes Vergnügen sein, wenn wir es neugierig, offen und angstfrei angehen.

Angst als Innovationsbremse

Warum verschließen sich viele Menschen dem Wandel? Weil sie Veränderungen fürchten. Unbekanntes macht Angst, Unwissenheit lähmt. Das Fazit kann nur lauten: Möglichst viele Informationen über neue Entwicklungen sammeln, damit Unbekanntes bekannter wird. Und: Offen über Ängste sprechen, am besten mit Menschen, die Veränderungen häufig erfahren und sie nicht als Last, sondern als Bereicherung erleben.

 © Lisa Spreckelmeyer, Pixelio.de

Unsicherheiten annehmen

„Wie schaffst Du es nur, gelassen zu sein, ohne am Monatsanfang zu wissen, was Du am Monatsende in Deiner Lohntüte hast?“, werde ich häufig von Freunden in einem Angestellten-Verhältnis gefragt. Sie meinen schlaflose Nächte angesichts dieser Unsicherheit zu haben. Ich wäre unehrlich, wenn ich behaupten würde, dass mich gar keine Existenzängste beschleichen. Dennoch erlebe ich das äußerst selten. Mein Vertrauen überwiegt, in meinem Umfeld ständig spannende Menschen zu treffen, mit denen neue Projekte entstehen, die meine zukünftigen Honorare sichern. Resilienz, also die innere Widerstandsfähigkeit, lässt sich trainieren! Das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen, die Gewissheit, neue Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben zu können (und zu wollen), senken die persönliche Anfälligkeit gegenüber Krisen. Und stärken die eigene Motivation, ständig Neues zu lernen.

Motivationsrezepte

Meine Motivation, neues Wissen und neue Impulse zu erlangen, entsteht wie beim Kochen. Erst mal hineinschmecken, ausprobieren, testen, verfeinern, improvisieren, wieder probieren, nachwürzen. Die Basisprodukte für neues Wissen erhalte ich meist bei Abend-Vorträgen, bei Tagungen, Konferenzen, Messen und Labs. Ich wähle Megatrends und Fokusthemen aus, z. B. Innovation, Zukunft, Kreativität, Coworking, Gamification, Digitalisierung, Neue Arbeit, Demografie- und Kulturwandel, Regiobranding usw.

Verabreden Sie sich mit anderen, Ihnen bislang unbekannten Leuten zum Essen und tauschen Sie sich gezielt über neue Themen aus. Beim gemeinsamen Essen können Sie mit den richtigen Fragen Informationen erhalten, die Sie sonst nirgendwo oder nur auf kostenintensiven Kongressen bekommen würden. Kein Wunder, dass schon die Wissenschaft das Fachgebiet Kommensalität (Commensality: gemeinsames Essen) erforscht. Im Juni 2017 startete Kevin Kniffin eine Studie an der Cornell University’s Dyson School of Business. Die App Never Eat Alone und die Plattform Workwell können dabei helfen, den richtigen Partner für das gemeinsame Essen zu finden.

 © Rainer Sturm, Pixelio.de

Medialer Supermarkt

Was ich bei Veranstaltungen höre, sehe und erlebe, das lese und recherchiere ich nach, gehe tiefer ins Detail. Im medialen Supermarkt prüfe ich neue Informationen nach: über Bücher, gedruckte und digitale Artikel, über youtube-Filme, Podcasts, Newsletter, google alerts, Informationen aus sozialen Netzwerken. Manches rückt sich zurecht, manches muss ich durch mehr Recherche intensivieren. Die neu erworbenen Informationen, Zitate, Erkenntnisse, Gedankenflieger, Ideen sammle ich in digitalen Zettelkästen auf Evernote bzw. One Note. So kann ich meine Notizen jederzeit bequem nach Suchworten durchforsten und habe von überall aus mobilen Zugriff.

Kerosin durch analoge Mischmaschinen

Querverbindungen zwischen Themen bilden sich oft durch persönliche Gespräche. Ich treffe einen mir bis dahin unbekannten Menschen, höre ihm zu und dann macht es plötzlich klick, so als würde Kerosin Gedankenströme heftig zum Sieden bringen. Unterschiedliche Informationen vermischen sich. Eine alte Information wird mit einer neuen vernetzt. Es entstehen Verbindungen, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Die Fäden laufen überraschend zusammen und alles macht einen Sinn. Übrigens das Erfolgsrezept für Netzwerke.

 © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio.de

Konfetti an kreativen und beseelten Orten

Besondere Zutaten für meine „Lernsuppe“ hole ich mir bei kreativen Ausflügen, Reisen, Exkursionen an ungewöhnliche Orte. Das kann ein neuer Coworking Space von Kollegen oder Bekannten sein, ein kleines unabhängiges Theater, ein Künstleratelier, die Werkstatt eines Handwerkers, ein Museum, eine Ausstellung, ein neu eröffnetes Geschäft mit handgemachten Dingen, ein Industriedenkmal, ein brachliegender, verwunschener Ort, die Natur, das Meer … Ideen kommen seltener am Schreibtisch. Wenn ich meinen Körper bewege, mobilisiere ich auch meinen Geist!

  © MassivKreativ

Corporate Volunteering

Wechseln Sie einen Tag lang (oder länger) Ihren Arbeitsplatz, entweder innerhalb Ihres eigenen Unternehmens oder mit anderen Branchen. Sie erhalten Einblicke in neue Bereiche, was sich nicht nur auf fachliche Kompetenzen und Eigenverantwortung positiv auswirkt, sondern auch Empathie-Fähigkeiten stärkt. Zum Jobtausch eignen sich besonders kreative und soziale Arbeitswelten (Beispiele und Kontakte siehe unten).

Citizen Science

Engagieren Sie sich in Ihrem regionalen Umfeld, um aktiv Spezialwissen zu erschließen, dem die Profi-Wissenschaft keine Aufmerksameit schenkt. Bürgerwissen = Citizen Science liegt voll im Trend. In Geschichtswerkstätten, Umwelt- und Naturvereinen oder auf Online-Plattformen können Sie sich vernetzen, je nach eigenem Interesse intrinsisch motiviert als Laienforscher echtes Spezialwissen erschließen und an andere Menschen weitergeben. 

10 Tipps, wie lebenslanges Lernen zum Vergnügen wird und wie Sie Ihre Mitarbeiter dazu motivieren können:

Verlassen Sie ihre gewohnten Routine-Boxen und nehmen Sie Ihre Scheuklappen ab! Erweitern Sie Ihren Horizont und erobern Sie sich neue Biotope! Und so geht es:

1) Kaufen Sie sich einmal im Monat eine neue Zeitschrift, die sie sonst nicht lesen – aus einem Fachbereich, der Ihnen weitgehend fremd ist! So stoßen Sie auf neue Themen, die für Ihr Geschäfts- oder Tätigkeitsfeld neue Anregungen bieten kann. Legen Sie sie für Ihre Mitarbeiter in der Kantine oder in der Kaffeeküche aus.

2) Abonnieren Sie Newsletter (z.B. google Alert), die sie regelmäßig über neue Entwicklungen informieren, die für Ihren Beruf oder Fachbereich spannend sein könnten! Hinterlegen Sie die besten für Ihre Mitarbeiter im Intranet Ihrer Firma.

3) Tragen Sie sich in digitale und analoge Netzwerke, Gruppen, Communities ein, um neue Menschen kennen zu lernen und innovative Themen zu durchdringen! 

4) Besuchen Sie Vorträge zu Themen, die für Sie neu sind! Verbinden Sie sich dort mit Menschen, die Sie anregend und inspirierend finden. Interesse, Sympathie und persönliche Bindung sind die Haupttriebkräfte für lebenslanges Lernen.

5) Besuchen Sie Tagungen, Konferenzen, Messen, auf denen Sie Neues erfahren und interessante Menschen, Vordenker, Visionäre treffen können. Auch Schüler- und Absolventenmessen sind spannend, um mit dem potentiellen Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen und deren favorisierten Themen in Erfahrung zu bringen. Entsenden Sie sowohl neugierige als auch skeptische Mitarbeiter als Innovationsscouts zu Veranstaltungen, damit sie Neuigkeiten zurück ins Unternehmen bringen und Kollegen davon berichten.

6) Besuchen Sie Ausstellungen, Theater- und Konzertaufführungen von jungen Künstlern. Kommen sie mit ihnen ins Gespräch, stellen Sie ihnen Fragen. Künstler erspüren stets sehr früh gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen und reagieren darauf in ihren Werken. Diskutieren Sie über Themen wie Innovation, Digitalisierung, Werte, Zukunft usw. Sie werden neue Impulse für Ihr eigenes Denken und Handeln erhalten.

7) Erobern Sie sich so oft es geht neue ungewöhnliche Orte und Berufswelten.  Tauschen Sie tageweise mit anderen Menschen Ihren Job. So kommen Sie ungeplant mit Themen und Menschen zusammen, auf die Sie normalerweise nicht treffen würden. Gleichzeitig bietet sich Ihnen die großartige Chance, das „Ungesuchte“ zu finden (Serendipity-Effekt), die Voraussetzung, um innovative Impulse zu erhalten. Kostengünstiger geht es nicht!

8) Planen Sie als Gastgeber Innovations- und Kreativabende in Ihrem Unternehmen. Laden Sie sich interessante Multiplikatoren, Referenten und Künstler ein, um gemeinsam über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren. Der Austausch wird Sie und Ihre Mitarbeiter auf neue Ideen und Zukunftsstrategien bringen.

9) Mieten Sie sich tageweise in einen CoworkingSpace von Kreativschaffenden oder von Start-Ups ein. Beobachten Sie, wie Ihre Mitstreiter arbeiten, wie sie sich neues Wissen aneignen und sich vernetzen. Sprechen Sie mit ihnen über Megatrends und Zukunftsstrategien.

10) Beteiligen Sie sich an Corporate VolunteeringProjekten oder in Bürgerwissen-Vereinen (Citizen Science) in Ihrer Region. Zeigen Sie soziales Engagement und kommen mit Menschen in Ihrer Umgebung ins Gespräch. So erfahren, welche Themen ihnen unter den Nägeln brennen und erhalten Inspirationen für Ihre Geschäfts- und Tätigkeitsbereiche.

 © S. Hofschlaeger, Pixelio.de

Impulse für Lebenslanges Lernen und Corporate Volunteering 

  • 5 Redner á 555 Sekunden: Vorträge und Impulsabende der Rednergilde Hamburg 
  • Vortragsreihe 12 Minuten: spannende Themen präzise auf den Punkt gebracht mit anschließendem Networking in verschiedenen Städten, bei youtube: 12min.me 
  • Veranstaltungen, Konferenzen, Labs vom Querdenker-Club
  • Branchenübergreifende KreativLabs und Innovationswerkstätten von Kreative MV – Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern
  • DesignXport präsentiert Vorträge über Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft
  • Hamburg Kreativ Gesellschaft bietet vielfältige Netzwerkveranstaltungen und ein Jobshadowing-Programm an
  • Seitenwechsel ist ein Jobtausch-Programm der Patriotischen Gesellschaft Hamburg: Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung arbeiten eine Woche lang als Praktikanten in einer sozialen Institution (Erfahrungsberichte)
  • Freiwilligenagenturen in ganz Deutschland
  • ehrenamtliche Freiwilligenprojekte in Hamburg, häufig im Hinblick auf Bildungsförderung für Schüler und junge Menschen
  • Webportal Feel Good At Work informiert über das ehrenamtliches Engagement von Mitarbeitern in Unternehmen
  • Vermittlungsplattform Sozialgewinnt der Diakonie Düsseldorf, hier können Unternehmen nach aktuellen Projekten und Erfahrungsberichten für Corporate Volunteering suchen.
  • Webplattform Planetvalue koordiniert ehrenamtliche Aktionstage für die Wirtschaft

Die menschliche Seele: Eine Novelle über Kreativität und künstliche Intelligenz

  © MassivKreativ

Vor langer, langer Zeit schuf der Mensch sich nach seinem Abbild einen Golem. Die Nachbildung aus Lehm sollte ihm als Helfer, Freund und Befreier dienen. Einmal in der Woche erweckte der Mensch seinen Golem zum Leben. Doch einmal vergaß es der Mensch, was den Golem so erzürnte, dass er außer Kontrolle geriet und großen Schaden anrichtete. Der Mensch stellte den Golem ruhig und erweckte ihn fortan nie wieder zum Leben. Viele Jahre vergingen…

Der Traum vom künstlichen Menschen blieb

…. bis die Idee neu aufkeimte. Diesmal sollte das Wesen klüger und vernünftiger sein als sein Vorgänger. Und so schufen sich die Menschen einen Super-Computer und nannten ihn „Watson“. All das, was die Menschen bis dahin gelernt hatten, flößten sie Watson ein, der nun nicht mehr aus Lehm, sondern aus Platinen und Prozessoren bestand. Unersättlich verschlang Watson das Wissen der Welt als Datenvolumen und verdaute es als Bits und Bytes. Und die Menschen bewunderten seine strahlende Intelligenz.

Anfangs übernahm Watson nur Rechenaufgaben, die dem Menschen zu mühsam und langwierig waren. Doch dann wagten die Menschen ein Experiment. Sie fütterten den Computer mit Kunst. Und siehe da: auch Musik, Klänge, Texte, Objekte, Bilder und Pinselstriche zerlegte Watson in seinen Eingeweiden fein säuberlich in Nullen und Einsen, vernetzte sie auf seine Weise und spuckte sie als neue Werke wieder aus: Musik, Fotos, Bilder, Skulpturen, Gedichte und Geschichten. Die Menschen erschraken: Konnte ein künstliches Wesen tatsächlich kreativ sein – so wie sie selbst – oder gar besser?

… Und die Menschen diskutierten: Konnte es ein Super-Computer mit einem echten Künstler aufnehmen? Könnten die Menschen unterscheiden, ob der Urheber aus Fleisch und Blut  oder Platinen bestand? Könnte ihr Urteil gar bewertend in „besser“ oder „schlechter“ ausfallen? Und wie war es mit den Emotionen: Vermochten die Schöpfungen des Super-Computers die Menschen anzurühren, zum Weinen, zum Lachen und zum Nachdenken bringen? Und die Menschen schauten und lauschten, lasen und fühlten und: waren uneins. Bis ein kleines Mädchen beide Schöpfer nacheinander fragte: „Und wie ist Dein Werk entstanden?“ Der menschliche Künstler lächelte, beschrieb sein Wollen, Streben und Tun innerlich erregt mit leuchtenden Augen und fesselnden Worten. Er schilderte seine Inspirationen in schillernden Beispielen und seine Botschaft mit mitreißender Kraft. So viel Herzblut sei geflossen, so viel Zweifel, so viel Leidenschaft …

Und Watson?

… spulte beflissen seine Nullen und Einsen ab. „Der hat ja gar keine Seele!“, rief das kleine Mädchen enttäuscht. Da wandten sich die Menschen von Watson ab … Doch das war Watson egal. Er wertete die menschliche Ignoranz in seinem unaufhaltsamen Optimierungsplan als Fehler, als Störfaktor, und eliminierte die menschlichen Kreaturen.

Sie wünschen sich ein glückliches Ende?

Wie die Geschichte ausgeht, haben wir selbst in der Hand, übrigens: Jede/r von uns!

Eine Novelle von Antje Hinz, Erstveröffentlichung, Hamburg, April 2017.

Mehr zum Thema: 

Ist es das Ende unserer menschlichen Kreativität, wenn selbstlernende Maschinen zeichnen, komponieren, schreiben und kochen können? Ganz und gar nicht! Mit visionärem Vorausdenken, mit Haltung, Gewissen und Empathie machen wir Menschen uns unersetzlich! Zum Artikel: Wie kreativ sind Künstliche Intelligenzen wie Watson und Co? 

Wieviel Seele hat diese Kunst: Entscheiden Sie selbst!


Roboter-Kunst von cover-video-deutsch

Was sich in der Unternehmenskultur von Steinen lernen lässt

 © alle Fotos: MassivKreativ, Steine-Projekt otto-group

Steine gibt es wie Sand am Meer, überall auf der Welt. Jeder kann sie finden, aufheben, nach Hause tragen, sie zum Gestalten seines Umfeldes nutzen oder die Steine selbst nach eigenen Vorstellungen gestalten. So wie bei der Otto Group, die damit ihre  Unternehmenskultur gestärkt hat (siehe Podcast weiter unten) 

Aus Steinen lassen sich Türme, Häuser, Fabriken und Monumente bauen. Mit Steinen kann man seine Kräfte messen oder beim Werfen seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Mit Steinen lässt sich Korn mahlen. Mit aneinander schlagenden Steinen lassen sich Klänge erzeugen (Klingsteine aus China), mit steinerner Gewalt aber auch anderen Menschen Leid und Schmerz zufügen. Fakt ist…

 © MassivKreativ

Steine haben Symbolkraft!

In allen Kulturen gibt es Redensarten und Sprichworte, die sich um Steine drehen: den Stein ins Rollen bringen, Steine in den Weg legen, Steine aus dem Weg räumen usw. Viele Redewendungen über Steine lassen sich hervorragend auf die Unternehmenskultur übertragen … 

 © MassivKreativ

Anpassung

„Ein Stein schleift den anderen.“ (Redensart) Dass wir uns von anderen Menschen mitreißen, motivieren und beflügeln lassen, bestätigt im Interview Jürgen Bock, Bereichsleiter Kulturentwicklung und Corporate Values bei der Otto Group in Hamburg. Ich habe mit ihm ausführlich über das Steine-Projekt seines Unternehmens gesprochen (41:00 bis 46:00).

Jürgen Bock: „Werte können eine Unternehmenskultur nicht verändern, sondern nur eine Orientierung geben. Seid mal alle mutig! – Das funktioniert so pauschal nicht. Werte sind wie eine Gewohnheit, daher ist es schwer, Werte zu verändern. Kulturveränderung verläuft eher über Anpassung als über Wertewandel. Ich passe mich an die Personen an, die für mich wichtig und relevant sind. Vorher prüfe ich: Ist das, was die Person sagt, ernst und nachhaltig gemeint?“ (15:00-18:00)

 © Jürgen Bock (Portrait)

Filminterview mit Benjamin Otto über den Kulturwandel, die digitale Transformation und Coworking in „Collabor8“ bei der Otto Group.

Glaubwürdigkeit

Sprüche lassen sich leichter klopfen als Steine!“ …., sagt der Volksmund. Markige Parolen der Geschäftsführung lösen sich in Luft auf und führen bei Mitarbeitern zu Frustration, wenn den Worten keine Taten folgen. Glaubwürdig sind Manager in ihrem Führungsstil nur dann, wenn sie im Alltag auf Transparenz, Augenhöhe, Vertrauen und Eigenverantwortung der Mitarbeiter setzen.

 © MassivKreativ

Visionäres Denken und Kommunikation

„Ein Haufen Steine hört in dem Augenblick auf, ein Haufen Steine zu sein, wo ein Mensch ihn betrachtet und eine Kathedrale darin sieht.“ Antoine de Saint-Exupéry war ein Meister der Imagination. Er konnte mit seinen Geschichten Bilder im Kopf erzeugen und Mitmenschen zu Höchstleistungen treiben. Entrepreneure sind Menschen, die ihre zukünftigen Unternehmungen vor Augen haben. Es sind kommunikative Menschen mit Charisma, die anderen Akteuren ihre Ziele und Vorhaben lebendig vermitteln und sie begeistern können, an der Verwirklichung der Unternehmung aktiv und gestaltend mitzuwirken, dabei ggf. auch Risiken einzugehen. Mit der Kraft der Imagination können visionäre Projekte verwirklicht werden.  

„Der Mensch muss den Stein meditieren, bevor er ihn aufrichtet.“ … – so ein japanisches Sprichwort. Neue Projekte sollten genau durchdacht sein, bevor sie an das gesamte Team kommuniziert werden. „Wissen ist Macht“, heißt es. Noch machtvoller ist sorgsam recherchiertes und kuratiertes Wissen, das mit inspirierenden Geschichten in die Welt getragen und anderen vermittelt wird.

 © MassivKreativ

Fehlerkultur und Vertrauen

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ … sagte Johann Wolfgang Goethe. Fehler und Zufälle bieten neue  Chancen, neue Entdeckungen, neue Wege, wenn wir offen dafür sind und Perspektivwechsel wagen und zulassen. Wenn wir Rahmenbedingungen für Kreativität und neue Ideen schaffen, können Innovationen entstehen. Wenn wir Alternativen, Impulse, Meinungen grundsätzlich in Frage stellen, wird unsere Kreativität verkümmern, wie Autor Ekkehart Mittelberg sagte: „Raubt man der Phantasie die Flügel, fällt sie schneller als ein Stein.“

 © MassivKreativ, Steine-Projekt otto-group

Beharrlichkeit

Steter Tropfen höhlt den Stein. (Sprichwort) Veränderungsprozesse erfordern Ausdauer, Durchhaltevermögen, Weitblick und Resilienz. Herausforderungen sind lösbar, wenn man sie gemeinsam auf Augenhöhe in Angriff nimmt und in klar umrissene, überschaubare Aufgabenbereiche fasst. „Die Menschen straucheln nicht über Berge, sie stolpern über Steine.“ … sagt man in Indien. Struktur- und Kulturwandel ist kein Projekt, sondern ein langfristiger Prozess, der im Kleinen beginnt und sich stetig zu Großem weiterentwickelt. So wie die Chinesen sagen: „Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.“

 © MassivKreativ

Kernkompetenzen

„Wasser verrinnt, Steine bleiben.“ … sagt ein rumänisches Sprichwort. Was sind meine Kernkompetenzen und wahren Werte in Zeiten des Wandels?  Veränderungen bedeuten nicht, alles Bisherige über Bord zu werfen. Es geht oft nur darum, sich seiner Potentiale bewusst zu werden, sich zu fokussieren, Bewährtes neu anzuwenden. Weniger ist manchmal mehr. Schon Cicero wusste: „Gut gehauene Steine schließen sich ohne Mörtel aneinander.“ Was kann ich gut, was können Andere besser? „Man muss mit den Steinen bauen, die man hat.“ Doch: Was kann ich von Anderen lernen? Wie kann ich von den Erfahrrungen Anderer profitieren? Der Philosoph und Lernexperte Andreas Tenzer hat es so formuliert: „Die stärksten Brücken werden aus Steinen gefallener Mauern gebaut.“

 © MassivKreativ

Perspektivwechsel

„Ein rollender Stein setzt kein Moos an.“ … offenbart ein niederländisches Sprichwort. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, häufig die Perspektiven wechselt, wer eigene Erfahrungsräume häufig verlässt, Anderen aufmerksam zuhört, wer Leeerstellen und Probleme sieht, wird Lösungen finden. Wer geistig in Bewegung bleibt und sich nicht auf Erfolgen ausruht, wird auf der Welle der Veränderung surfen, statt in ihr unterzugehen.

 © MassivKreativ

Interdisziplinäres Coworking

„Man braucht zwei Steine, um Feuer zu machen.“ … bemerkte die US-amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott. Allein kommt man nicht weit, im Team erreicht man mehr. Vielfalt schlägt Talent.

 © MassivKreativ

Filminterview mit Benjamin Otto über den Kulturwandel, die digitale Transformation und Coworking in „Collabor8“ bei der Otto Group.

Wertschätzung

„Verletzende Worte sollten auf Sand geschrieben werden, lobende in Stein gehauen.“ … sagt ein arabisches Sprichwort. Und im Kaukasus weiß man: „Ein gutes Wort kann Steine brechen.“ Achtung, Lob und Anerkennung motivieren und beflügeln und sorgen dafür, dass wir zufrieden sind und gesund bleiben. Fairness und Transparenz im Unternehmen sichern eine hohe Leistungsbereitschaft.

 © MassivKreativ

Mut und Selbstvertrauen

Johann Wolfgang Goethe hat die Verkündung neuer Ideen mit einem beherzten Brettspiel verglichen: „Es ist mit Meinungen, die man wagt, wie mit (Spiel-)Steinen, die man voran im Brette bewegt: Sie können geschlagen werden, aber sie haben ein Spiel eingeleitet, das gewonnen wird.

 © MassivKreativ

Humor und Gelassenheit

Heinz Erhardt hat es auf humorvolle Weise gesagt: „Ich kann’s bis heute nicht verwinden, deshalb erzähl‘ ich’s auch nicht gern: Den Stein der Weisen wollt‘ ich finden und fand nicht mal des Pudels Kern.“

Durch Zeiten großer Unsicherheiten und Veränderungen gilt es, besonnen zu handeln und sich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen. Joachim Ringelnatz hat darüber ein Gedicht geschrieben: Der Stein: 

„Ein kleines Steinchen rollte munter von einem hohen Berg herunter. Und als es durch den Schnee so rollte, ward es viel größer als es wollte. Da sprach der Stein mit stolzer Miene: ‘Jetzt bin ich eine Schneelawine’. Er riss im Rollen noch ein Haus und sieben große Bäume aus. Dann rollte er ins Meer hinein, und dort versank der kleine Stein.“

 © MassivKreativ

Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen

Mit großen und kleinen Steinen lässt sich hervorragend demonstrieren, dass nur die über Zeitmangel klagen, die keine Prioritäten setzen können: 

Füllt man ein Glas zuerst raumgreifend mit Sand (unnütze, zeitraubende Dinge), finden größere Steine (wichtige Aufgaben / bedeutende Herausforderungen) dort keinen Platz mehr. Legt man hingegen zunächst die großen Steine (dringende Aufgaben) in das Glas, dann lässt sich wunderbar vor Augen führen, dass danach auch noch kleinere Kieselsteine (zentrale Aufgaben) und Sand (nebensächliche Aufgaben) hineinpassen und man am Ende sogar noch Wasser (für Lichtblicke/Pausen/Überraschungen) in die Zwischenräume füllen kann.  

Das Glas des Lebens

Im Film wird das Experiment mit Golfbällen, Kieselsteinen, Sand und Kaffee gezeigt und warum es Sinn macht, die wichtigen Dinge zuerst zu tun: https://www.youtube.com/watch?v=m0hqBIugr7I

 

Was das Grundeinkommen für die Kreativszene bedeuten würde …

438173_web_R_K_B_by_Jürgen Nießen_pixelio.de © Jürgen Nießen, pixelio.de

Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln … Mit welchen Hürden und Herausforderungen haben Kreativ-Akteure vor allem zu kämpfen? Was würde das bedingungslose Grundeinkommen in der Kreativszene bzw. der Kultur- und Kreativwirtschaft bewirken? Einige Gedanken dazu …

Tag für Tag verschwendet unsere Gesellschaft ihr Potenzial! Diejenigen, die eigentlich Ideen für den Aufbruch in unsere Wissensgesellschaft produzieren sollen, müssen sich mit perspektivlosen Brotjobs und sinnlosen Projektanträgen für Fördermittel über Wasser halten.

Wie viel rascher könnte unser Land (der Dichter und Denker) mit seinen sozialen und technologischen Innovationen vorankommen und sich weiterentwickeln, wenn der Grundbedarf für das Leben gesichert wäre. Wissenschaftler, Journalisten, Kreativschaffende, Designer, Architekten, Künstler und Mitarbeiter von NGOs könnten sich fokussiert den Aufgabenstellungen unserer Zeit und Gesellschaft widmen, Lösungsansätze simulieren und testen, statt um ihr tägliches Auskommen zu ringen, um Miete, Versicherung und – nicht zuletzt auch um Fördergelder für kreative Vorhaben.

Förderanträge als Zeitkiller
Anträge auf staatliche Mittel oder Stiftungsbudgets für soziale und kulturelle Projekte sind oft so umfangreich, dass die freiberuflich tätigen Initiatoren für ihre Ausarbeitung Wochen an Arbeitszeit aufwenden müssen. Dies gilt vor allem für EU-geförderte Projekte. In dieser Zeit erhalten die engagierten Kreativen kein Geld. Bis die Anträge von Behörden und Institutionen bearbeitet und im Idealfall bewilligt sind, gehen wieder Wochen ins Land. Wird der Antrag abgelehnt, haben die Akteure völlig umsonst gearbeitet und müssen nach dem nächsten Förderprogramm Ausschau halten …  eine Endlosspirale!

Aufgabenverteilung_Kultur macht Schule_Prognos © Kultur macht Schule, Evaluation Prognos AG, S. 12

Beispiel Programm „Kultur macht Schule“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat im Mai 2016 aktuelle Zahlen und Fakten sowie die Evaluationsergebnisse zum Gesamtprogramm „Kultur macht stark“ veröffentlicht, die die Prognos AG erhoben und ausgewertet hat. Demnach wandten die Bündniskoordinatoren die mit Abstand meiste Zeit für die Antragstellung sowie die finanzielle Abwicklung und Abrechnung auf. Zu den Bündniskoordinatoren zählen Vereine und kulturelle Bildungseinrichtungen, wie z. B. Musik-, Jugendkunst- und Kulturschulen sowie Volkshochschulen.

In die unmittelbare Durchführung der kulturellen Bildungsangebote, die ja primär im Fokus stehen sollte, konnten die Bündnispartner, vor allem Künstler und Kunstpädagogen, nach eigenen Angaben nicht mal ein Drittel ihrer Zeit investieren. Eine validere Statistik wäre allerdings wünschenswert, denn bei der Befragung waren Mehrfachnennungen möglich, d. h. es wurden keine absoluten Prozentzahlen erhoben.

Was das Beispiel „Kultur macht Schule“ dennoch zeigt: An öffentlichen Ausschreibungen können sich eigentlich nur Antragsteller aus festen Beschäftigungspositionen heraus beteiligen. Wegen des enormen Zeitaufwandes ist das Risiko für Freiberufler, hier vergebens unbezahlte Arbeit  leisten zu müssen, enorm hoch. Zumal die Antragsbewilligung meist völlig offen ist. Ob sich die bürokratischen und zeitlichen Hürden für Förderanträge von vornherein verringern bzw. begrenzen lassen, können die Projekt ausschreibenden Institutionen nur selbst entscheiden.

Das alles führt in der Praxis dazu, dass nicht institutionell gebundene, freiberufliche Kreativ-Akteure formal immer häufiger beim Kampf um Projekt- und Fördermittel auf der Strecke bleiben. Hinzu kommt: In den seltensten Fällen stehen reine Projekt-Koordinatoren zur Verfügung, die die administrative Arbeit komplett übernehmen.

Schlussfolgerungen für viele Branchen

Die gängige Praxis in der Kultur- und Kreativbranche zeigt:  Viele selbständige Kreativakteure gehen bei der derzeit gängigen Förderpraxis bzw. dem Antragwesen ein enorm hohes Risiko ein. Sie tun dies auf eigene Kosten, um Kultur- und Kreativprojekte überhaupt erst ermöglichen und realisieren zu können. Ein bedingungsloses Grundeinkommmen könnte den Kreativen eine große Last von den Schultern nehmen, indem es soziale Unsicherheiten  begrenzt.

Ein aufrichtiger politischer Wille ist dringend gefragt: Wenn die Zukunft der Arbeit in unserer Gesellschaft generell so geregelt sein soll, dass sich Bürger in flexiblen Netzwerken organisieren, wie derzeit in der Kultur- und Kreativbranche, muss es ein Grundauskommen geben, dass unsichere Beschäftigungsverhältnisse und schwankende Entlohnung auffängt bzw. ausgleicht. Hier lässt sich von den Erfahrungen aus der Kultur- und Kreativbranche einiges lernen!

229441_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

art but fair: Faire Arbeitsbedingungen für Künstler

Dass viele Künstlerinnen und Künstler unter prekären Bedingungen arbeiten, zeigt eine Studie vom Frühjahr 2016 der Hans Böckler Stiftung: Faire Arbeitsbedingungen in den darstellenden Künsten und der Musik?! Eine Untersuchung zu Arbeitsbedingungen, Missständen sowie Vorschlägen, die zu besseren Arbeitsbedingungen beitragen können.

Autor ist Maximilian Norz, Musiker, Politikwissenschaftler am non-profit Thinktank Global Public Policy Institute in Berlin sowie Unterstützer der Initiative art but fair. Im Fokus stehen vor allem zwei Ziele: artbutfair will alle am Kulturbetrieb Beteiligten – Künstler, Veranstalter, Intendanten, Agenten, Lehrer, Kulturpolitiker usw. – zusammenbringen und animieren, einen konstruktiven Dialog miteinander zu führen, Maßnahmen zur Verbesserung der Situation von Künstlern zu finden und diese umzusetzen. Zugleich geht es darum, die essentielle Bedeutung und den einzigartigen Wert der Kunst und der Künstler ins Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken.

Maximilan Norz hat unter 2.635 Erwerbstätigen aus den Bereichen Musik und Darstellende Kunst eine Online-Umfrage durchgeführt. Demnach rechnet eine deutliche Mehrheit mit Altersarmut. Um das zu ändern, so Norz, sollten sich Künstler stärker gewerkschaftlich engagieren, um auch beim Publikum, in der Öffentlichkeit und in den Medien für mehr Problembewusstsein zu sorgen und um einen Kurswechsel in der Kulturpolitik herbeizuführen.

 

Teil 1: BGE – Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln

Teil 2: BGE – Befürworter und Praxisprojekte mit bedingungslosem Grundeinkommen

Teil 3: BGE – Was das Grundeinkommen für die Kreativszene bedeuten würde …

 

Befürworter und Praxisprojekte mit bedingungslosem Grundeinkommen

710139_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.de © I-vista, pixelio.de

„Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln“

Die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wird oft von ideologischen Grabenkämpfen bestimmt.  Im 2. Teil der Reihe werden die Thesen prominenter Befürworter vorgestellt, best-practice-Projekte, die den Erfolg des BE darlegen, sowie künftig geplante Projekte mit dem BGE zum Weiterlesen. In Teil 3 geht es dann um Effekte und Wirkungen des BGE auf die Kreativbranche und damit für die gesamte Gesellschaft.

Befürworter von bedingungslosem Grundeinkommen und ihre Thesen

Daniel Häni, Unternehmer und Enno Schmidt, Künstler: Protagonisten der Schweizer „Initiative Grundeinkommen“ von 2006. 2008 entstand ihr Film Grundeinkommen – ein Kulturimpuls. 2012 lancierte Häni gemeinsam mit anderen die Schweizer Volksinitiative „Für ein bedingungsloses Grundeinkommen“ und schrieb gemeinsam mit Philip Kovce das Buch zur Abstimmung: „Was fehlt, wenn alles da ist?“ Häni glaubt, dass BGE sei mehr eine Frage des Vertrauens als eine Frage des Geldes: „Das bedingungslose Grundeinkommen ist die humanistische Antwort auf den technologischen Fortschritt.“ Am 5. Juni 2016 haben die Schweizer im Rahmen einer landesweiten Volksinitiative über ein bedingungsloses Grundeinkommen abgestimmt:  76,9 Prozent sind gegen ein BGE, 23 Prozent dafür. Für Daniel Häni ist es dennoch ein moralischer Sieg.

Thomas Straubhaar, eh. Direktor des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Instituts (HWWI), kritisiert am derzeitigen System, dass die Sozialbudgets zu überwiegendem Anteil durch Sozialbeiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die Lohnnebenkosten finanziert werden. Dies wirke wie eine „Strafsteuer auf Arbeit“, belaste einseitig die Schultern der Arbeitskräfte, während auf Maschinen, Automaten und Importe keine Sozialbeiträge erhoben würden. „Künftig werden Roboter nicht nur Autos montieren, sondern auch Loks fahren und Menschen operieren. Das erfordert einen neuen Sozialstaat und ein Grundeinkommen für alle.“ Die ZEIT

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, sieht das BGE als Antwort auf die Veränderungen der Arbeitswelt. „Ein bedingungsloses Grundeinkommen kann eine Grundlage sein, um ein menschenwürdiges Leben zu führen … Wir müssen unsere Gesellschaft absichern. Deswegen die Idee des Grundeinkommens … Es könnte eine Lösung sein – nicht heute, nicht morgen, aber in einer Gesellschaft, die sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat.“ ZEIT

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, sieht das BGE als soziale Absicherung für jene Menschen, die „auf der Strecke bleiben, weil sie mit der Geschwindigkeit auf der Welt einfach nicht mehr mitkommen“. Es sei wichtig, „dass die Menschen versorgt sind …  eine Art Grundeinkommen (wird) völlig unvermeidlich sein“. SZ-Wirtschaftsgipfel

Götz Werner, Gründer und eh. Geschäftsführer von dm-drogerie markt, plädiert in seinem Buch „Einkommen für alle“ für eine Konsumsteuer anstelle einer Einkommenssteuer. Denn: man müsse das Ergebnis der Wertschöpfung besteuern, also Produkte und Dienstleistungen, und nicht die Arbeit an sich. Werner vergleicht die aktuelle Situation mit einem Obstbaum: Man solle den Baum nicht vor der Ernte fällen. Wer bereits den Anbau von Äpfeln besteuert und nicht erst deren Verbrauch, betreibe „Knospenfrevel“. Und wer den Lohn der Apfelpflücker besteuere, schmälere ihre Bezahlung und damit ihre Kaufkraft. Mit der Einführung der Konsumsteuer und des BGE bei Abschaffung der Einkommen- und Lohnsteuern, so Werner, würde menschliche Arbeit endlich gesamtwirtschaftlich mit der Maschinenarbeit gleich gestellt.

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Gemeinschaftsbank sieht das Grundeinkommens vor dem Hintergrund des heutigen Verteilungsproblems positiv: „Es gibt viel zu tun, aber die Aufgaben finden nicht zu den Menschen, die sie erledigen könnten und die Menschen finden nicht die Aufgaben, die sie erfüllen wollen. Dabei wollen sich viele gerne einbringen.
Gleichzeit gibt es zu viel Geld, das sich wenige Besitzer konzentriert und bei vielen Menschen nicht ankommt. Zudem produzieren wir ein Überangebot an Produkten und schmeißen vieles weg, während anderweitig gehungert wird.
Bei diesen Verteilungsfragen könnte ein bedingungsloses Grundeinkommen ein neues Denken und neue Wege ermöglichen.” Wirtschaft für Grundeinkommen

Georg Schürmann, Geschäftsleiter der triodos Bank geht der Frage nach, wie die Arbeit der Menschen in Zukunft aussehen wird, gerade wenn im Zuge zunehmender Digitalisierung immer mehr Tätigkeiten von Robotern und Software übernommen wird und sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet. „Deswegen brauchen wir neue sozialpolitische Systeme, die eine sinnvolle Umverteilung ermöglichen. In diesem Diskurs sollten wir die Idee des Grundeinkommens ernst nehmen.“ Wirtschaft für Grundeinkommen

Adrienne Goehler, Publizistin und Kunst-Kuratorin, ehemalige Präsidentin der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, sie war Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin und Kuratorin des Hauptstadtkulturfonds. Zum BGE sagt sie: „Deutschland hat ein enormes kreatives und kulturelles Potenzial. Der Skandal ist: Es wird nicht zum Wohle der Gesellschaft genutzt. Wissenschaft und Künste bleiben im Ghetto, die Politik schottet sich ab. In ihrem gemeinsamen Buch mit Götz Werner „1000 € für jeden“ zeigt sie Alternativen.

Denis Bartelt, Geschäftsführer und Gründer der crowdfundingplattform startnext glaubt fest daran, dass ein BGE in der Lage ist, kreatives Potenzial in jedem Menschen freizusetzen: „Dieses Potenzial zu heben, muss Anspruch unserer Gesellschaft im 21 Jh. sein. Ich sehe darin ausserdem die einzige Antwort auf die fortschreitende Entwicklung, die Menschen schon heute dort ersetzt, wo Maschinen besser und effektiver Arbeit verrichten können. Kreativität kann nur gefördert werden, wenn die Existenz gesichert ist. Die Fähigkeit kreativ zu sein, unterscheidet den Mensch von einer Maschine.“ Wirtschaft für Grundeinkommen

Sebastian Koeppel, geschäftsführender Gesellschafter der beckers bester GmbH sieht das Thema BGE vor allem als eine Frage des Menschenbildes: „Unterstelle ich, dass Menschen von ihrer Natur her faule Schmarotzer sind, dann muss ich die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen als Bedrohung wahrnehmen. Bin ich aber der Überzeugung, dass der Mensch (oder zumindest die Mehrheit der Menschen) ein vernunftbegabtes und sinngetriebenes Wesen ist, werde ich an dem Gedanken eines bedingungslosen Grundeinkommens gar nicht vorbeikommen! Ich habe mich entschieden! Aus meiner Sicht sollten wir mit aller Kraft das „Wie“ und nicht  mehr das „Warum“ diskutieren!“ Wirtschaft für Grundeinkommen

Wolf Lotter, Historiker, Journalist, Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins brandeins: „Eine Grundausstattung für alle muss garantiert sein. Eine Gesellschaft braucht einen Fußboden, unter den niemand geraten darf.“ brandeins

Bernd Leukert, Vorstandsmitglied von SAP: „Ich bin der Meinung, dass man die Bedingungen für ein faires Einkommen nicht der Wirtschaft überlassen sollte. Hier ist die Politik gefragt, den richtigen Rahmen zu setzen…“ Die FAZ fragte genauer nach: Bis hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen? „Ja, davon würden langfristig auch diejenigen profitieren, die weiterhin höhere Gehälter beziehen. Wenn wir an dieser Stelle nichts tun, droht die Gesellschaft auseinanderzubrechen.“

Richard David Precht, Philosoph: „Für viele Leute wird es infolge der 4. industriellen Revolution keine Verwendung mehr geben. Wir müssen daher unseren Begriff von Arbeit neu definieren und wir müssen so etwas wie ein Grundeinkommen einführen, sonst brechen uns die Binnenmärkte zusammen. Die Wirtschaft kann wohl kaum ein Interesse daran haben, dass es keine Konsumenten mehr gibt oder dass Millionen arbeitslos sind.“ ORF 2

Elon Musk, eh. Mitgründer des Online-Bezahlsystems PayPal, Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX und Tesla Motors, prognostiziert eine Arbeitswelt mit immer mehr Robotern und künstlicher Intelligenz. Den Regierungen bliebe keine andere Möglichkeit, als den Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen auszuzahlen. Gleichuzeitig könnten sich die Menschen dann interessanteren und komplexeren Aufgaben zuwenden. CNBC

Yanis Varoufakis, griechischer Politiker, hat in seinem Buch „Das Euro-Paradox“ eine Roboterabgabe angeregt, eine Maschinensteuer, die einen Teil des finanziellen Gewinns der Unternehmen durch Technikeinsatz der Allgemeinheit zuführen soll. Darüber hinaus fordert er die Finanzierung des Grundeinkommens aus Kapitalerträgen, also „Gesetze zu beschließen, die … einen gewissen Prozentsatz des Kapitals (Aktien) aus jedem Börsengang in ein Aktiendepot der Allgemeinheit leiten … in ein Grundeinkommen.“ Um jeglicher Unterstellung von Technikkritik vorzubeugen, weist Varoufakis darauf hin, dass es „nicht um einen Protest gegen die Automatisierung (geht), sondern gegen soziale Strukturen, die sie (die Menschen) angesichts der technologischen Innovationen ihrer Lebensperspektiven beraubten.« ND

Jürgen Schmidhuber, Informatiker und Direktor des Schweizer Dalle-Molle-Forschungsinstituts für Künstliche Intelligenz (kurz: IDSIA): „Roboterbesitzer werden Steuern zahlen müssen, um die Mitglieder unserer Gesellschaft zu ernähren, die keine existenziell notwendigen Jobs mehr ausüben. Wer dies nicht bis zu einem gewissen Grad unterstützt, beschwört geradezu die Revolution Mensch gegen Maschine herauf.“ Blick

Neil Jacobstein, Experte für Künstliche Intelligenz: „Noch ist ja nicht klar, wie sich die Automatisierung der Arbeitswelt entwickeln wird. Aber eines steht fest: Diese neuen Geschäftsfelder – in Robotik, Nanotechnologie oder eben auch Künstlicher Intelligenz – werden sehr hohe Gewinne generieren. Daher macht es Sinn, über ein Grundeinkommen nachzudenken. Das würde dann bedeuten, dass jene etwa, die ihren Job verloren haben, sich mit einem Grundeinkommen über Wasser halten und entweder wieder in Ausbildung gehen können oder einfach ihren Hobbys nachgehen können.“ tagesschau

Joseph Beuys, Künstler, plädierte schon lange bevor der Begriff BGE im Umlauf war, für die Idee des Grundeinkommens, als Spiegel-Journalist Peter Brügge den Künstler fragte, was mit den in der Wirtschaft „Wegrationalisierten“ geschehen sollte: „Wenn dann einer ein Apparätchen erfindet, mit dem man 200 Arbeitsplätze spart, dann gibt es ja keine Arbeitsstrittigkeit wie heute. Sondern dann steigen die Menschen aus, um ihre Fähigkeiten höher zu entwickeln. Und sie werden für diese Fähigkeit des Sichentwickelns und Lernens bezahlt in genau derselben Weise, wie sie bezahlt würden für die Herstellung von Besenstielen.“ Spiegel-Interview, 4.6.1984  

Als Sozialstiftung befürwortet auch die deutsche Benckiser-Stiftung Zukunft das BGE: „Aus Bürokratie wird Effizienz. Aus Kontrolle das Vertrauen in die freie Entscheidung des Einzelnen. Und aus dem Bittsteller — egal ob in Kenia oder in deutschen Jobcentern — wird ein Empfänger auf Augenhöhe, der sein Schicksal selbstverantwortlich in die Hand nimmt.“ 

686228_web_R_K_B_by_Maik Schwertle_pixelio.de © Maik Schwertle, pixelio.de

Ausgewählte Praxisprojekte mit BGE

Alaska, Iran, Mongolei

Seit 1976 fließen in Alaska mindestens 25% der staatlichen Rohstoffeinnahmen in den „Alaska Permanent Fund“ (APF). Die Hälfte des jährlichen Gewinnes wird seit 1982 über eine Dividende direkt an die BewohnerInnen Alaskas (ca. 650.000) ausgeschüttet. In der Mongolei soll die Bevölkerung am Verkauf von Bodenschätzen (u. a. Gold, Kupfer) beteiligt werden. Auch im Iran sollen die Bürger an den Gewinnen der Ölförderung beteiligt werden. Pro Person wird zweimonatlich ein Betrag von umgerechnet 80 US-Dollar gezahlt, also 480 US-Dollar pro Person und Jahr. Mehr als 80 % der Iraner haben einen Bewilligungsantrag gestellt.

Brasilien

Seit 2005 bemüht sich die brasilianische Regierung mit staatlichen Programmen, das enorme Armutsgefälle mit Beihilfen zum Familieneinkommen und zur Energieversorgung auszugleichen. Bildung, Arbeit und Wohlstand heißen die Ziele. Dem jeweiligen Haushaltsjahr entsprechend soll das Familienstipendium (Bolsa Família) zuerst die „bedürftigsten Schichten“ erreichen und später graduell auf alle Einwohner ausgeweitet werden.

Kanada

In der Stadt Dauphin der kanadischen Provinz Manitoba erhielten 1.300 Familien zwischen 1975 und 1979 ein staatlich garantiertes Minimaleinkommen. Eine vierköpfige Familien mit weniger als 13.000 Dollar Einkommen im Jahr, erhielt bis zu 5.800 Dollar. Das Ergebnis: Die Menschen arbeiten auch mit dem BGE weiter, waren angstfreier, daher gesünder und motivierter. Das Besondere: Auch Teilnehmer ohne Lohnarbeit erhielten diese Förderung.

Wegen mangelnder Budget musste das Experiment vorzeitig abgebrochen werden. Erhebungen und Erkenntnisse werden erst seit 2005 im Rahmen der Studie Stadt ohne Armut analysiert und ausgewertet. Die Soziologin Evelyn Forget verglich die Daten der damaligen Bewohner von Dauphin mit denen der damaligen Mitbürger aus den Nachbarstädten. Demnach wirkt sich ein Grundeinkommen in vielerlei Hinsicht positiv auf eine Gesellschaft aus: Teilnehmer mussten seltener zum Arzt, psychische Beschwerden gingen zurück, es gab 8 Prozent weniger Krankenhausaufenthalte. Mehr Jugendliche schlossen die Schule mit dem Abitur ab, weil ihr Lebensunterhalt gesichert war.

714241_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.de © I-vista, pixelio.de

Deutschland

Schleswig-Holstein: Die neue Jamaika-Koalition  aus CDU, Grünen und FDP plant testweise ein Bürgergeld als Pilotprojekt

Brandenburg: Der 2009 von der Stuttgarter Breuninger-Stiftung angekündigte Feldversuch für ein bedingungsloses Grundeinkommens 100 mal Neues Leben – arbeiten in der Uckermark konnte bislang nicht in der ursprünglich geplanten Form stattfinden.

Mecklenburg: In Alt Rehse (Mecklenburgische Seenplatte) hatte die Gemeinschaft Tollense Lebenspark ein Konzept für ein „Grundauskommen“ entwickelt. Die bis zu 40 Lebenspark-Mitglieder wollten Einnahmen über Öko-Seminare, Tierhaltung, Gastronomie und Vermietung generieren. Das Pilot-Grundauskommen finanzierte sich aus Einzahlungen aller Bewohner durch einen prozentualen Teilbetrag aus jedem Einkommen. Weitere Gelder sollten durch  die Stiftung Lebenspark eingeworben und in einem Fond verwaltet werden. Das Projekt scheiterte an unlauteren Einzelinteressen, ebenso das angedachte Modell einer Genossenschaft. Das 2014 eingestellte Projekt litt von Anfang an unter Geldmangel, wie Gutachter feststellten. Die Betreiber des alternativen Wohnprojekts wurden 2015 wegen Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu einer Bewährungs- und einer Geldstrafe verurteilt.

Die private Initiative mein-grundeinkommen.de verlost seit 2014 – finanziert durch Bürger-crowdfunding – ein Grundeinkommen von 1000€ im Monat für ein Jahr. Die Gewinner berichten, wie Sie die Chance für eigenen Projekte genutzt haben. 

Finnland

Im Juni 2015 legte finnische Regierungsparteien in ihrem Koalitionsvertrag fest, als erstes europäisches Land ein Grundeinkommen zu testen. Laut einer Umfrage der finnischen Sozialversicherung befürworten mehr als die Hälfte der Finnen ein Grundeinkommen. In einem zweijährigen Experiment werden ab 2017 die Auswirkungen untersucht. Der Staat zahlt für nun an 2000 ausgewählte Arbeitslose zwei Jahre lang monatlich 560 Euro. Ein Forschungsteam um Sozialwissenschaftler Olli Kangas betreut das Pilotprojekt. Leiterin Toronen sagt in einem Interview in der Wirtschaftswoche: „Viele haben auch ein Unternehmen gegründet. Sie hätten sich das vorher nicht getraut, weil sie keine finanzielle Absicherung hatten.“ Mehr Infos bei der Initiative „Mein Grundeinkommen„.

Kenia

Mit dem Pilotprojekt GiveDirectly soll ab 2016 etwa 6.000 Bewohnern in etwa 12 Dörfern in Kenia 10 bis 15 Jahre lang ein Grundeinkommen ausgezahlt werden, insgesamt 30 Millionen Dollar, etwa 42 US-Dollar pro Kopf und Monat. Da in Afrika die Lebenshaltungskosten für einen mittleren Haushalt gering sind, kann schon mit diesem überschaubarem Finanzvolumen ein Grundeinkommen an so viele Menschen ausgezahlt werden, wie für eine aussagekräftige Statistik nötig sind. Es wird ohne Gegenleistung und ohne Bedingungen der Geber in die Hände der Empfänger übergeben. Es ist das bislang umfangreichste und längste BGE-Pilotprojekt weltweit. Es wird von Abhijit Banerjee, einem Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology und renommierten Entwicklungsökonom, wissenschaftlich ausgewertet. Folgende Fragen sollen u. a gestellt werden: Wie werden sich die Empfänger verhalten? Wie wird sich das soziale Leben in den Dörfern ändern?

Namibia

2008 finanzierten mehrere Organisationen, u. a. Kirchen, Aids-Hilfe und Gewerkschaften, im Dorf Otjivero-Omitara für zwei Jahre ein garantiertes bedingungsloses Grundeinkommen (Basic Income Grant). Anschließend erhielten die vorherigen Teilnhemer für weitere zwei Jahre ein Überbrückungsgeld von monatlich 80 NAD (ca. 8 EUR) aus Spendengeldern. Die Regierung sollte mit dieser Initiative dazu bewegt werden, das Grundeinkommen landesweit einzuführen. Die Bonner Initiative Grundeinkommen hat über das Projekt, seine Auswirkungen und den aktuellen Stand eine Wander-Foto-Ausstellung erstellt mit der Frage: Sind die Erfahrungen aus dem Namibia-Projekt übertragbar? Infolge des Grundeinkommens konnten die Menschen in Namibia sich besser ernähren, sie entwickelten wirtschaftliche Initiativen, die Kriminalitätsrate sank und mehr Kinder konnten zur Schule gehen. Kritische Stimmen allerdings beklagen, externe Personen würden keinen Zugang zu den gewonnen Daten erhalten.

Niederlande

Die niederländische Stadt Utrecht und die niederländische Regierung zahlen seit 2017 ein bedingungsloses Grundeinkommens in Höhe von 960 Euro an 250 arbeitslose Testpersonen.  Die Testgruppe ist unterteilt: die Forscher wollen dadurch mehr über menschliches Verhalten und Eigenmotivation erfahren. In der ersten Gruppe kann ein Arbeitsloser am Monatsende nochmals 150 Euro erhalten, wenn er sich ehrenamtlich engagiert. In der zweiten Gruppe erhält er 150 Euro im Voraus. Wenn er/sie nicht ehrenamtlich tätig geworden ist, muss er/sie den Betrag am Monatsende zurückzahlen. Begleitet wird das Vorhaben von Wirtschaftswissenschaftler Loek Groot von der Universität Utrecht. Er will diesen Fragen nachgehen: Suchen die Menschen dennoch nach Arbeit? Bilden sie sich fort? Werden sie zu Gründern? Ändern sie ihr soziales Verhalten? Steigen oder sinken die Kosten für die Stadt? 

Sambia

Das Projekt der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ (eh. GTZ) wurde 2005 in der Provinz Kalomo initiiert, deren Bewohner stark von Aids betroffen sind. Finanziert werden Familien ohne Eltern bzw. erwachsene Geschwister: Großeltern mit Kindern erhalten eine Direktzahlung ohne jede weitere Bedingung, Das Grundeinkommen bewirkte, dass sich die Gesundheitssituation deutlich verbesserte, die Unterernährung zurück ging und Kinder wieder zur Schule gehen konnten. Statt Geldmissbrauch profitierte die lokale Wirtschaft. Dennoch wurde das Projekt von der GIZ eingestellt.

Schweiz

Am 5. Juni 2016 haben die Schweizer gegen die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens gestimmt. Initiator war die Initiative um Daniel Häni und Enno Schmidt: Grundeinkommen.

USA

Bereits Ende der 1960er wollte Präsident Nixon einen sogenannten Family Assistance Plan mit einem garantierten Einkommen durchsetzen. In den 1970er Jahren gab es dann erstmals fünf große Projekte, die die Auswirkungen des Grundeinkommens untersucht haben: in New Jersey, North Carolina, Seattle, Denver und Gary. Das Modell entsprach dem der „negativen Einkommenssteuer“ – siehe Milton Friedman, 1960.

 © bedingungslos.ch

Übertragbare Erkenntnisse aus Projekten  mit Mikrokrediten

BGE-Kritiker führen häufig als Argument gegen das BGE an, ein bedingungsloses Grundeinkommen führe zu Faulheit und Untätigkeit, d.h. mit BGE würden sich viele Bürger in die soziale Hängematte legen. Die im Umfeld des Wirtschaftswissenschaftlers und Nobelpreisträgers Muhammad Yunus seit 1993 in Bangladesh gewährten Mikrokredite zeigen jedoch, dass eine finanzielle Grundausstattung gerade für Menschen ohne Einkommenssicherheit zur mehr Eigenverantwortung,  Selbstermächtigung und Unabhängigkeit führt, wenngleich die erhaltenen Zahlungen am Ende der Vertragslaufzeit mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen. Über 90 % der Mikro-Kreditnehmerinnen waren bzw. sind Frauen. Yunus hat verschiedene Beispiele dokumentiert, nach denen sich Frauen mit den Mikrokrediten in Waren für Shops, Saatgut für Felder oder Nähmaschinen investieren und so besser für das Wohl ihrer Kinder und Familien sorgen konnten.

Nach Angaben der von Yunus gegründeten Grameen Bank soll die Rückzahlquote bei den Mikrokrediten bei 98 Prozent liegen. Kritiker, wie der NGO-Aktivist aus Bangladesch Khorshed Alam, warnen allerdings, das Mikrokredit-System könne ggf. auch zu weiterer Verarmung führen. Der effektive Zinssatz, den die Grameen Bank einhebe, liege zwischen 30 bis 60%.

Fest steht: Menschen übernehmen Verantwortung für ihr Leben, wenn ihnen die Möglichkeit dazu gegeben wird, z. B.  durch eine finanzielle Grundausstattung. Es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, sich aktiv und vor allem sinnvoll in die Gesellschaft einzubringen. An Sinn fehlt es heute in nicht wenigen beruflichen Tätigkeitsfeldern. Wenn sich die Bürger dank BGE entsprechend ihrer Fähigkeiten wirklich sinnvoll in die Gesellschaft einbringen können,  wird es vermutlich weniger untätige Menschen geben als heute.

 

 

 

229441_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

 

Teil 1: BGE – Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln

Teil 2: BGE – Befürworter und Praxisprojekte mit bedingungslosem Grundeinkommen

Teil 3: BGE – Was das Grundeinkommen für die Kreativszene bedeuten würde …

 

Bedingungsloses Grundeinkommen BGE

691607_web_R_K_B_by_Denise_pixelio.de © Denise, pixelio.de

„Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln“

Die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wird oft von ideologischen Grabenkämpfen bestimmt. Wo immer es bislang mutig ausprobiert wurde, haben sich positive Effekte gezeigt. Der dreiteilige Artikel fasst bisherige Erkenntnisse zusammen. Teil 1 erklärt die verschiedenen Modelle und zeigt Argumente, die für und gegen das BGE sprechen. In Teil 2 werden die Thesen prominenter Befürworter vorgestellt, best-practice-Projekte, die den Erfolg des BGE darlegen, sowie künftig geplante Projekte mit dem BGE zum Weiterlesen. In Teil 3 geht es um Effekte und Wirkungen des BGE auf die Kreativbranche und damit für die gesamte Gesellschaft.

Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das jedem Mitglied einer politischen Gemeinschaft gewährt wird. Es wird bedingungslos garantiert, d. h. ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen. Damit stellt es einen individuellen Rechtsanspruch dar. Es sichert die Existenz und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe.

Auf dem diesjährigen Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos diskutierten die Konferenzteilnehmer, inwiefern ein Grundeinkommen das zunehmende soziale Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern könne. Nach vielen Experimenten in Ländern der Dritten Welt prüfen nun immer mehr Industriestaaten die Einführung eines Grundeinkommens, u. a. die Schweiz, Finnland und die Niederlande.

686228_web_R_K_B_by_Maik Schwertle_pixelio.de © Maik-Schwertle, pixelio.de

Finanzierbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) – aktuelle Situation:

In der Bundesrepublik hat sich eine gigantische Sozialbürokratie herausgebildet. In 38 unterschiedlichen Behörden und behördenähnlichen Institutionen werden 155 verschiedene Sozialleistungen verwaltet, allesamt steuer- und beitragsfinanziert.

Das Gesamtvolumen für diese Transferleistungen beziffert Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau im Februar 2010 auf eine exorbitante Summe: „Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro Sozialleistungen im Jahr aus.“

Die tatsächliche Summe liegt allerdings etwas niedriger: Das Arbeits- und Sozialministerium veröffentlichte jährlich seine Sozialbudgets, demnach wurden im Jahr 2015 888 Milliarden Euro an Sozialleistungen finanziert. 2015 lebten laut statista 82,2 Millionen Menschen in Deutschland. Teilt man das Sozialbudget durch die Anzahl der Einwohner ergäbe sich für das bedingungslose Grundeinkommen ein Jahresbetrag von 10.803 Euro bzw. 900,25 Euro im Monat.

Dieser Betrag soll die Grundbedürfnisse des Lebens – Wohnen, Nahrungsmittel und Kleidung – abdecken, außerdem Kranken- und Unfallversicherung. Im Gegenzug werden alle bisherigen Leistungen wie Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Sozialhilfe, Ausbildungshilfen (BAföG), Elterngeld, Kindergeld, Wohngeld usw. gestrichen.

Würde man all diese Transferleistungen aussetzen, könnten schon heute an jeden Bürger monatlich 871,30 Euro ausgezahlt werden. Das Geld langt für alle, nur die Arbeit eben nicht. Wenn keine Anträge mehr über Transferleistungen geprüft werden müssten, könnten die Löhne, die bisher in die Verwaltung flossen, dafür genutzt werden, den Beschäftigten neue Orientierung zu geben. So können sie ihre Talente, Fähigkeiten und Stärken neu bzw. erstmalig entdecken und in andere Tätigkeitsfelder verlagern, in denen die Gesellschaft dringend Bedarf hat. Mit einem BGE könnten sich die Bürger sozialen Aufgaben zuwenden, die Maschinen z. B. nicht übernehmen können und die nicht zwangsläufig in Erwerbstätigkeit führen müssen, unserer Gesellschaft aber trotzdem dienen, z.B. Forschung, Kultur, Medien.

Auf den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman geht die Idee der „negativen Einkommenssteuer“ aus dem Jahr 1960 zurück. Friedman schlug vor, dass der Staat für Erwerbseinkommen einen Schwellenwert festlegen solle: Wer darüber liege, müsse Steuern bezahlen, wer darunter liege, habe Anspruch auf einen Existenz-Zuschuss.

737529_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, pixelio.de

Was spricht für das bedingungslose Grundeinkommen?

Mehr Eigenverantwortung und Selbstermächtigung

  • Bürger erhalten mehr Eigenverantwortung statt Bevormundung und Fremdbestimmung
  • Ermutigung, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, es unabhängig und selbstbestimmt zu gestalten
  • Stärkung von Unabhängigkeit, Selbstermächtigung, Selbständigkeit und Selbstbefähigung
  • ein einzeln koordiniertes Grundeinkommensprogramm ist wesentlich effizienter ist als eine Palette von staatlichen sozialen Programmen, da die notwendige Bürokratie anders als derzeit überschaubar ist
  • Ermutigung der Bürger, die eigenen Stärken, Kreativität und Talente zu entdecken, damit ihr Potenzial besser auszuschöpfen, ihre Aufgabe im Leben und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, das würde auch die Arbeitswelt „humanisieren“

Mehr Chancen für nachhaltige Geschäftsmodelle

  • Freiheit, Ideen zu tragfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodellen reifen zu lassen
  • wenn Geschäftsideen marktfähig und nachhaltig sind, steigert das die Qualität der Produktion und mindert die negative Begleiterscheinungen eines Produktes oder einer Dienstleistung, was wiederum der Gesellschaft und der Umwelt zu Gute kommt
  • Förderung von nachhaltigem und sozialem Unternehmertum bzw. Entrepreneurship
  • mehr Existenzgründungen

Mehr Bewusstsein für soziale Herausforderungen und Probleme

  • Fokussierung auf sozialen Ausgleich in der Gesellschaft
  • mehr Förderung und Anerkennung für ehrenamtlich Tätige
  • mehr Unterstützung für Familien, Alte, Kranke, Kinder und Geflüchtete

Verbindung von Theorie und Praxis schon in Schulen

  • Bessere Bildung durch mehr Praxisnähe: Kreative könnten als Praktiker in Schulen gehen, und gemeinsam mit  Heranwachsenden Lösungsansätze und -ideen für gesellschaftliche Herausforderungen zu erarbeiten – mit echtem Praxisbezug und branchenübergreifend bzw. interdisiplinär, Schüler und Lehrer z. B. gemeinsam mit  Mittelständlern und  Handwerkern der Umgebung, mit Stadtplanern, Politikern, Wissenschaftlern. So würden die Praktiker in Kontakt mit der jungen Generation kommen und Rückmeldung auf eigene Denkansätze erhalten. Die Win-Win-Projekte würden Politikverdrossenheit, Mangel an Nachwuchskräften, Abwanderung, Verödung von Regionen sowie Wirklichkeitsferne entgegenwirken.

Vor allem für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 27 Jahren würde sich das Grundeinkommen positiv auswirken. Mit beispielsweise 1.000 € monatlich hätten sie wesentlich bessere Startbedingungen für Schule, Ausbildung und Studium als derzeit. Ältere Mitbürger, die Kinder großgezogen und dennoch von ihrer Rente nicht existieren können, könnten mit einem BGE würdevoll am gemeinschaftlichen Leben in unserer Gesellschaft teilnehmen.

Positive Mehrfach-Effekte durch „sozialen Multiplikator

  • Wenn Menschen sich stärker entsprechend ihren Befähigungen und Talenten sowie für soziale Belange einsetzen können, sind sie zufriedener. Gesundheitskosten werden durch weniger Burnout sinken: Die Menschen haben weniger Angst, werden daher vor allem psychisch weniger krank und arbeiten motivierter, wenn sie eigenverantwortlich einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen können.

Das Jugendmusical Linie 1, das jahrelang im Berliner Grips-Theater aufgeführt wurde, bringt es auf den Punkt: „Ick will jebraucht werden, vastehste?!“

Was spricht gegen das bedingungslose Grundeinkommen?

Angst: In einer Zeit, in der Sicherheiten schwinden, wächst die Angst: nicht nur vor Terrorismus, Einbrüchen und Überfällen, sondern auch vor Überforderung und sozialen Verteilungskämpfen. Nur wenn wir frei sind, verlieren wir unsere Angst. Ein Grundeinkommen würde vielen Menschen deutlich mehr soziale und geistige Freiheit geben als sie sie im Moment haben. Wer mit einem gesicherten Grundeinkommen mehr Freiheiten besitzt, hat weniger Angst. Dies würde den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft stärken. Doch Kriktiker befürchten, die Einführung eines Grundeinkommens führe zum Einstieg in die Niedriglohngesellschaft.

Daumen runter_weisser HG © MassivKreativ

Misstrauenskultur: Genau genommen ist es nicht eine Frage des Geldes, sondern eine Frage des Vertrauens und des Menschenbildes, ob man für oder gegen das BGE ist.  Vertrauen ist die stillste Art von Mut. Doch viele Bürger befürchten, dass ihre Mitmenschen bei der Zahlung eines BGE keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen würden. Wie ist es tatsächlich mit dem Thema Arbeitsmoral? Würden wir nur noch faul in der Hängematte liegen, wenn unser Einkommen gesichert wäre? Nein! Studien zufolge würden gerade mal 2 Prozent der Menschen nicht mehr arbeiten, wenn sie nicht müssten. Das sind deutlich weniger Menschen als heute, die Sozialleistungen erhalten, wobei die meisten von ihnen sicher über einen bezahlten Job froh wären. Denn: Es ist ein Urtrieb des Menschen, produktiv zu sein!

Vermutlich wird der Anreiz, Einkommen über das Grundeinkommen hinaus zu erwirtschaften, nach der Einführung des BGE größer sein als jetzt. Derzeit werden Hartz-IV-Empfängern geringste Zuverdienste gleich wieder abgezogen, was die Motivation für ein Mehrengagement schrumpfen lässt. Mit dem BGE lohnt sich jeder noch so kleine Verdienst.

Eine finanzielle Grundausstattung, insbesondere für Menschen ohne Einkommenssicherheit, führt zur mehr Eigenverantwortung, Aktivität und Unabhängigkeit, wie auch das Beispiel der Mikrokredite von Muhammad Yunus zeigt.  Auch Projekte der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ haben belegt, dass das Vorurteil der Faulheit unbegründet ist. Umfragen zeigen: Die meisten Menschen wollen arbeiten. Nicht nur wegen des Einkommens, sondern aus dem Bedürfnis heraus, in einem sozialen Umfeld nützlich zu sein und etwas zu bewirken: siehe Maslowsche Bedürfnispyramide.

Maslowsche Bedürfnispyramide Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow

Unklarheit über Vergabe-Prozedere: Soll tatsächlich jeder Bürger ein BGE erhalten, auch einer, der es gar nicht braucht? Viele Menschen sind unsicher, wie die Vergabe in der Praxis tatsächlich aussehen soll.

In der Schweiz, wo die Lebenshaltungskosten deutlich über denen in Deutschland liegen, war geplant, dass die Bürger monatlich 2500 Franken erhalten sollten aber nur diejenigen, die in ihrem Einkommen darunter liegen. Wer mehr als 2.500 Franken verdient, dem wird das Grundeinkommen komplett abgezogen. Bei der letzten Volksabstimmung über das BGE in der Schweiz am 5. Juni 2016 haben sich allerdings 76,9 % gegen das BGE ausgesprochen.

Wie werden ungeliebte Arbeiten trotzdem erledigt, wie z. B. Müllabfuhr, Pflege? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: 1) sie besser bezahlen 2) sie selbst machen 3)  sie automatisieren.

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Drei Modelle des Grundeinkommens

Der Autor Timo Reuter erläutert in einem Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT drei verschiedene Modelle für das BGE: ein neoliberales, ein humanistisch-linksliberales und ein sozialistisches.

Die Befürworter des neoliberalen Modells streben ein „solidarisches Bürgergeld“ an, das fast alle bisherigen Sozialleistungen ersetzen und den Staatshaushalt in „zweistelliger Milliardenhöhe“ entlasten soll.

Die Schweizer BGE-Initiative um die  Volksabstimmung im Juni 2016 agiert auf den Grundfesten eines linksliberalen, humanistischen Menschenbildes. Ihre Akteure sind überzeugt, dass fast alle Menschen auch mit Grundeinkommen weiterarbeiten würden – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Im Sinne der Selbstermächtigung sollen die „individuellen Entscheidungsspielräume“ der Bürger vergrößert werden.

Das sozialistische Modell wird von der Linkspartei in Deutschland propagiert. Sie fordert ein monatliches Grundeinkommen von 1.080 Euro bei Beibehaltung der Sozialleistungen und des Mindestlohnes, verbunden mit Arbeitszeitverkürzungen und einer Steuerreform. Die Finanzierung soll durch eine grundlegende Umverteilung von oben nach unten erreicht werden. Da dieser gesamtgesellschaftliche Umwandlungsprozess mit sehr hohen Kosten verbunden wäre, wird dieses Modell derzeit kaum diskutiert.

Timo Reuter erklärt in seinem Buch „Das bedingungslose Grundeinkommen als liberaler Entwurf – Philosophische Argumente für mehr Gerechtigkeit“ ausführlich, warum das BGE als liberaler Entwurf als gerecht gelten kann. Durch die gewährte materielle Grundlage ermögliche es jenseits neoliberaler Vorstellungen erst eine „wirkliche Freiheit“. Reuter zeigt außerdem, dass das BGE sehr wohl mit dem Leistungsbegriff kompatibel ist und es Chancengleichheit sowie Ressourcengerechtigkeit begünstigt: eine konkrete Vision für eine freiere und gerechtere Gesellschaft.

© Albrecht E. Arnold, pixelio.de

Erkenntnisse aus der Entwicklungshilfe

Investitionen in die klassische Entwicklungshilfe für Staaten der „Dritten Welt“ bzw. für Less Developed Countries (LDC) und Least Developed Countries (LLDC) haben weltweit zu Korruption geführt. Denn um Projekte überhaupt auf den Weg zu bringen, mussten Deals mit korrupten lokalen Machthabern geschmiedet werden, mit Despoten, Diktatoren, Clans und Warlords. All diesen Erkenntnissen zum Trotz: Wie das ARD-Magazin „Monitor“ im April 2016 berichtet, plant die EU neuerdings, Flüchtlinge in ihre ostafrikanischen Heimatländer zurückzusenden und den Regierungen dafür Rückkehrer-Kopf-Pauschalen zu zahlen sowie Ausrüstung für Überwachung und Grenzsicherung, z. B. in Eritrea, Äthiopien, Somalia und im Sudan.

Statt die Ursachen von Armut und Flucht mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle Bürger zu bekämpfen, werden seit Jahrzehnten korrupte Tyrannen gestärkt. Dabei ist in den Richtlinien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nachzulesen: „Die Rolle der Entwicklungspolitik hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 hin zu einer globalen Struktur- und Friedenspolitik verändert. Sie soll helfen, Krisen und Konflikte friedlich zu bewältigen, die knappen Ressourcen gerechter zu verteilen, die Umwelt zu bewahren und die weltweite Armut zu verringern.“ (Quelle IFA) Die Realität sieht leider völlig anders aus.

 © bedingungslos.ch

Szenarien und Forderungen für die Zukunft

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen können Menschen frei von Existenzangst in Ruhe arbeiten. Das Grundeinkommen wird an die Bürger als staatlicher Dauerauftrag ohne Prüfung entrichtet.

Verbindet man das BGE zugleich mit einer Umstellung auf die Konsumsteuer, sinken die Lohnkosten. So werden mehr Menschen ermutigt und motiviert, eine Arbeit anzubieten oder anzunehmen. Die Wirtschaftskraft der Bürger würde wachsen, durch die Konsumsteuer würde mehr Geld in die gemeinschaftliche Staatskasse zurückfließen, aus der das BGE finanziert wird.

Mit der Besteuerung des Konsums kann das Kapital in Ruhe arbeiten – bis die Wertschöpfung zu einem Abschluss gekommen ist und die Bürger die Produkte und Dienstleistungen konsumieren oder gegen Entgelte teilen können.

Die Besteuerung des Konsums schafft mehr Gerechtigkeit, vorausgesetzt Luxusprodukte und -dienstleistungen werden höher besteuert als Produkte des täglichen Bedarfs.

Armut schafft Ohnmacht und lähmende Angst. Anders als das Existenzminimum soll das höhere BGE als Kulturminimum den Menschen über den existenzsichernden Grundbetrag hinaus eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Das BGE ist kein Almosen, sondern ein Kulturimpuls!

Dank der bundesweit vertretenen Ein-Thema-Partei Bündnis Grundeinkommen ist das Vorhaben Grundeinkommen auch bei der Bundestagswahl 2017 wählbar!

229441_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

 

Teil 1: BGE – Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln

Teil 2: BGE – Befürworter und Praxisprojekte mit bedingungslosem Grundeinkommen

Teil 3: BGE – Was das Grundeinkommen für die Kreativszene bedeuten würde …

 

Inspirationstipps:

  • Schweizer Volksinitiative bedingungslos.ch, die am 5.6.2016 die Frage stellt: „Wollen Sie die Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» annehmen?“
  • Initiative Mein Grundeinkommen von Michael Bohmeyer: 2015 Jahr hat der Berliner ein Crowdfunding-Projekt, das einem Menschen ein Einkommen von monatlich 1.000 Euro ermöglichen sollte. Die monatlichen Zahlungen aus Spenderhand werden regelmäßig an Bewerber verlost.
  • Timo Reuter: Das bedingungslose Grundeinkommen als liberaler Entwurf – Philosophische Argumente für mehr Gerechtigkeit. Springer Verlag 2016.
  • Daniel Häni und Philip Kovce: Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt. Orell Füssli Verlage 2015.
  • Christian Müller, Daniel Staub, Enno Schmidt: Grundeinkommen vom A bis Z. Limmat, Zürich April 2016,
  • Götz Werner & Adrienne Goehler: 1000 € für jeden. Econ Verlag 2010.
  • Helmut Pelzer: Das bedingungslose Grundeinkommen. Finanzierung und Realisierung nach dem mathematisch fundierten Transfergrenzen-Modell. Lucius & Lucius Verlag, Stuttgart 2010. Helmut Pelzer ist Mitbegründer des seit 2004 bestehenden deutschen „Netzwerks Grundeinkommen“ und seitdem nominelles Mitglied im wissenschaftlichen Beirat.
  • Welchen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen hätte das BGE? Persönliche Gedanken eines Krefelder Journalisten – ein Erfahrungsbericht.

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Kreislaufprinzip und Gemeinwohlökonomie: Ideen für mehr Nachhaltigkeit

130984_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de  © S. Hofschläger, Pixelio.de

Die Ziele von Politik und Wirtschaft gehen nicht immer mit dem Schutz der Umwelt einher. Doch Designer, Kulturwissenschaftler und Umweltjournalisten forschen mit Überzeugung und Leidenschaft an alternativen Lösungen, die sich um Kreislaufwirtschaft, Wissensvermittlung und Gemeinwohlökonomie  drehen. Kreative branchenübergreifende Teams spielen bei der Entwicklung von Innovationen  eine maßgebliche Rolle.

Am 14./15. April findet der Kongress Work in Progress 2016 im Kulturzentrum Kampnagel in Hamburg statt, initiiert von der Hamburg Kreativgesellschaft.  Ein Impulsvortrag von Michael Braungart eröffnet die Veranstaltung. Der Ökovisionär, Chemiker, Designer und Umweltberater kämpft für eine Welt und eine Ökonomie, in der wir alle Gebrauchsgüter entweder schadstofffrei in die Natur zurückgeben oder sie endlos wiederverwerten können. Das von ihm entwickelte Konzept Cradle to Cradle (“von der Wiege zur Wiege”) entspricht dem ewigen Kreislauf der Stoffe. Anstatt Umweltverschmutzung durch immer effizientere Produktionsweisen zu reduzieren, fordert Braungart ein radikales Umdenken und „Ökoeffektivität“, d. h. eine Welt, die  Umweltverschmutzung von vornherein verhindert und vermeidet.

Viele innovative Ideen entstehen aus Unzufriedenheit mit Vorhandenem. Tetrapaks z. B. sind aufgrund ihrer Mehrschichtigkeit nicht voll recycelbar. PET-Flaschen stehen wiederum unter Verdacht, gesundheitsschädliche Stoffe freizugeben. Der Designer Carsten Buck von der MUTTER Gesellschaft für Design & Vermarktung suchte daher nach einer Alternative. Schon lange beschäftigte er sich mit dem cradle-to-cradle-Prinzip und fokussierte speziell  die vollständige Wieder- und Weiterverwertung von Verpackungsmaterial. Im Rahmen einer Konzeptstudie wollte Buck erforschen, wie sich das Prinzip auf Design und Markenentwicklung übertragen lässt. Vor den Toren Hamburgs kam er in Kontakt mit der norddeutschen Molkerei-GmbH De Öko Melkburen. In deren Auftrag kreierte Buck eine neuartige Milchflasche, die ohne Wertverlust in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert.

Logo_de_oeko_melkburen_Jahreszeitenmilch © De Öko Melkburen

Ressourcenschonende Gestaltung

Innerhalb eines Jahres entstand der Milk-Tumbler (Tumbler = Rüttler), eine Milchflasche mit rundem Boden. Er animiert zum Schütteln, damit sich Fett und Wasser in der Milch wieder vermischen. Ein interdisziplinäres Team entwickelte für die Flasche ein innovatives, polyesterartiges Material, den Bio-Rohkunststoff PLA, englisch: „polylactic acid“. PLA ist ein Abfallprodukt der Käseherstellung, kann beliebig oft und ohne Qualitätsverlust eingeschmolzen und wiederverwertet werden. Die Projektbeteiligten haben mit ihrem jeweiligen Hintergrundwissen unterschiedliche Perspektiven eingebracht: Form und Funktion durch Designer der MUTTER Gesellschaft und des BFGF Design Studios, Material und fachliche Unterstützung durch die EPEA Umweltforschung GmbH sowie Vertriebs- und Vermarktungsideen durch eine Masterstudentin der Hochschule Stuttgart und eine Hamburger Journalistin.

milk_tumbler_presse_01_RGB© MUTTER Gesellschaft

Kreislaufprinzip als Einheit aus Design und Vertrieb

Bucks Team beließ es nicht beim Prototypen, sondern dachte das Kreislaufkonzept mit Vertrieb und Vermarktung konsequent weiter. Der Verkauf des Milk-Tumblers sollte statt über den Einzelhandel über ein regionales Netz von Versorgungsautomaten erfolgen. Der Vorteil: Auf lange Lagerzeiten und weite Transportwege kann zugunsten von Lokalität und Frische verzichtet werden. Nach Vorstellungen der Designer können die Automaten aber noch viel mehr sein: eine „soziale Litfasssäule“, um Nachrichten und Annoncen auszutauschen, ein innovativer Treffpunkt für bewusst lebende Menschen. Erkenntnisse aus der Konzeptstudie zum Prototypen haben die Tüftler in strategische Tools überführt, die sie als Berater für nachhaltiges Design für Ihre Agentur Mutter nutzen.

228788_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © S. Hofschläger, Pixelio.de

Wissenstransfer: Zusammenhänge vor Augen führen

Medienproduzentin Corinna Hesse vom Silberfuchs-Verlag meint, die Diskussion um Nachhaltigkeit werde oft von ideologischen Grabenkämpfen und Lobbyismus bestimmt: „Es geht dabei nicht pauschal um Verzicht, wie viel zu oft proklamiert wird. Wenn wir alle verantwortungsbewusster leben und handeln, gewinnen wir sehr viel Lebensqualität hinzu.“ Hesse hat gemeinsam mit Studenten der Hochschule für Gestaltung Wismar das interaktives Wissensportal Zukunft-Leben-Nachhaltigkeit.org realisiert, das spielerisch und kulinarisch mit ökologischen Grundfragen vertraut macht und mit Aspekten nachhaltigen Wirtschaftens. „Die Nutzer treffen mit ihren Klicks eigene Entscheidungen“, sagt Hesse. „Sie sehen, was z. B. passiert, wenn sie den Kühen mehr zu fressen geben. Wie dann der Boden reagiert und wie das wiederum unsere Nahrung beeinflusst.“ Mit interaktiven Grafiken, Audios, Filmen und Zeichnungen auf dem Portal wird deutlich, das Prozesse miteinander in Verbindung stehen und Kreisläufe bilden. Basis für das Wissensportal ist ein Hörbuch, das der Silberfuchs-Verlag 2015 veröffentlicht hat: zukunft|leben – Nachhaltigkeit wurde für den Deutschen Hörbuchpreis 2016 nominiert. Der Jury gefiel das mediale Projekt, weil es sich einem hochaktuellen Thema sachlich und zugleich erzählerisch und philosophisch annähert. Das Sounddesign mit authentischen Klängen der Erde macht den Text auch sinnlich erfahrbar.

298574_web_R_K_B_by_Stephanie  Hofschlaeger_pixelio.de © S. Hofschläger, Pixelio.de

Gemeinwohlökonomie

Christian Felber ist Vorsitzender des globalen Bürgernetzwerkes Attac Österreich und Autor des Buches Gemeinwohlökonomie. Das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Die Anhänger dieser Wirtschaftstheorie und -praxis setzen sich wie die Mitglieder von Attac dafür ein, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, Selbstbestimmung und Demokratie zu fördern und den Schutz der Umwelt gleichberechtigt zu den Zielen von Politik und Wirtschaft zu betrachten. Es geht um eine ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung und um eine gerechte Verteilung von Gewinnen, Erträgen und Kapital.

Felber hat einen Index für gemeinwohlorientierte Unternehmensführung entwickelt. Er bewertet dabei die Kriterien soziale Sicherheit, Grad der Mitbestimmung, Regionalisierung der Wertschöpfungskette, Frauen in Führungspositionen, Transparenz, Vertrauen, Solidarität, Vielfalt usw. mit Punkten. Im Moment hat der Index nur eine ideelle Wirkung. Langfristig besteht das Ziel: Je höher die Punktzahl in der Gemeinwohl-Bilanz eines Unternehmens umso günstiger ist die steuerliche Veranlagung und um so höher die Kreditwürdigkeit bei gemeinwohlorientierten Banken, wie z. B. der GLS-Bank. In Österreich ist die Gründung einer ethischen Gemeinwohl- bzw. Alternativbank noch in Planung, derzeit können Genossenschaftsanteile gezeichnet werden.

Eigenverantwortung und Sebstwirksamkeit

Wie lassen sich diese Beispiele praktisch und ohne übermäßigen Aufwand auf den (Unternehmens-)Alltag übertragen? Holen Sie Mitarbeiter an einen Tisch und beraten Sie gemeinsam, wie Sie in Ihrer Firma nachhaltiger agieren können. Einige konkrete Tipps dazu finden Sie in weiteren Artikel von mir:

Gummi-Twist für Ihr Unternehmen: Nachhaltigkeit als Team-Projekt

© Roswitha Rösch, Silberfuchs-Verlag

Nachhaltigkeit ist längst ein Modewort geworden, bei näherer Betrachtung jedoch ein dehnbarer Gummi-Begriff. Er kann auf verschiedenste Lebensbereiche bezogen werden. Vielleicht versteht deshalb fast jeder etwas anderes darunter. Wie mittelständische Unternehmer ganz konkret im Firmenalltag nachhaltig handeln können, zeigen die folgenden, von mir zusammengetragenen Beispiele. Zum Artikel

 

Inspirationstipps:

  • Milktumbler: innovative, komplett recyclebare Milchflasche der Agentur Mutter
  • Harald Welzer: Selbst denken: eine Anleitung zum Widerstand. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2013.

Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

228791_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Mein großer Dank gilt der wissensgewaltigen Community: Viele weitere Ideen für Geflüchtete haben mich von Euch bzw. Ihnen erreicht, nachdem ich bei MassivKreativ zwei Wochen lang über engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden für Geflüchtete berichtet hatte. Dank der wunderbaren Resonanzen aus der Community kann die Liste der „guten Beispiele“ weiter wachsen …

Studieren für Geflüchtete in Deutschland

Erblina Musliu aus Mazedonien hat gemeinsam mit Studienkollegen aus Berlin hilfreiche Information zum Thema „Studieren in Deutschland“ in einem Blog zusammengetragen. Im Artikel In Deutschland als Flüchtling studieren informiert sie über Hochschulen und Studiengänge, Zulassungsvoraussetzungen, Einschreibung und Antragsverfahren sowie über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung für Geflüchtete. Darüber hinaus bietet die gemeinnützige KIRON-University Geflüchteten einen Studien-Einstieg und die Möglichkeit, nach zwei Jahren und dre Absoolvierung von Online-Kursen an eine der Partnerhochschulen zu wechseln. Kiron kooperiert mit 16 Hochschulen und Instituten (Stand: Juni 2017).

742254_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.de © I-vista, Pixelio

Refugee Law Clinics

Kostenlose juristische Beratung erhalten Geflüchtete von Studierenden der Rechtswissenschaften an verschiedenen Universitäten in Deutschland, u. a. in HamburgBerlin, München, Köln, Kiel, Leipzig, Giessen, Regensburg, Saarbrücken. Auskünfte und Rat gibt es sowohl zu universitären Fragen als auch zu alltäglichen Sachverhalten.  Die Refugee Law Clinics sind ein studentisch initiiertes Projekt.

754784_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, Pixelio

Willkommenstrunk Wendland

Das Wendland ist eine Vorzeigeregion im Hinblick auf Gemeinwohl und bürgerschaftliches Engagement. Im Umfeld des innovativen und nachhaltig handelnden Netzwerkes Grüne Werkstatt Wendland in Lüchow setzen sich unzählige Bürger für Geflüchtete ein – Unternehmer, Künstler und andere Vertretern dieser ländlichen Region, u. a. auch der ehrenamtliche Bürgermeister Manfred Liebhaber. Die Projekte sind ebenso vielfältig wie die Ideenstifter: Skateboarden, Sprach-, Musik- und Kochkurse. Eine kreative Gruppe um Webdesignerin Simone Walter erfand die Ernteaktion (und Website) Willkommenstrunk, um mit Geflüchteten aus der Lüchower Notunterkunft in Kontakt zu kommen. Gemeinsam mit Einheimischen ernteten sie Äpfel und pressten daraus einen Saft, der unter eigenem Label verkauft wird. Die Erlöse kommen den Geflüchteten zugute. Wer sich von Anfang einbringen kann, der übernimmt auch selbst Verantwortung und Risiko, so wie der ehemalige Polizist Ali Khodr. Er kam vor zwei Jahren aus dem Libanon nach Deutschland und hat jetzt einen kleinen Laden in Lüchow eröffnet, in dem er vor allem Halal-Lebensmittel nach islamischen Speisevorschriften verkauft. Vielen Dank an Nicole Servatius und Simone Walter für den Hinweis auf das Projekt.

willkommenstrunk-label_Wendland© Willkommenstrunk Wendland

In Hitzacker plant die Initiative ZuFlucht Wendland für 300 Menschen ein interkulturelles Mehrgenerationen-Dorf. Das Hitzacker-Dorf soll Heimat und Arbeitsplätze für Einheimische und Geflüchtete schaffen und dient als ebenso kreatives wie visionäres Modell für ein friedliches und gemeinschaftliches Leben mit Vorbildcharakter für andere Regionen in Europa. Das Sozialexperiment in dem extrem strukturschwachen Gebiet wächst stetig, vor allem  durch das außergewöhnliche Engagement der Bürger. Den organisatorischen und finanziellen Rahmen für die geplanten Wohnungen, Gewerbeflächen, Läden und Obstplantagen bildet die neu gegründete Genossenschaft Hitzacker Dorf eG iG, die auch das Bauland erworben hat.

Geflüchtete beim Filmfestival in Mecklenburg

2016 feiert das Internationale Dokumentarfilmfestival dokumentART im mecklenburgischen Neubrandenburg sein 25. Jubiläum. Im 24. Festivaljahr waren bereits 20 Geflüchtete ehrenamtlich im Team tätig. Dies soll nun in weitergeführt werden im Rahmen des Projektes ANKOMMER. Perspektive Deutschland mit Unterstützung des Vereins Latücht Film & Medien. Im Festivalbüro, im Kino und in der Medienwerkstatt sollen pro Jahr ca. 8-10 geflüchtete junge Menschen eine Ausbildung absolvieren bzw. einen Arbeitserfahrungsplatz“ erhalten. Geflüchtete sollen regelmäßig mit dem Neubrandenburger Publikum in Berührung kommen, ihre Deutschkenntnisse anwenden und weiterentwickeln, auf Dauer auch das Programm inhaltlich mit verantworten und als Multiplikatoren in der Flüchtlings-Community für das Festival, das Kino und die Medienwerkstatt agieren. Vielen Dank an Annelie Krumbein vom Festivalbüro dokumentART für den Hinweis auf das Projekt.

644109_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Geflüchteten Stimme und Gesicht geben

Bereits im Oktober 2015 besuchte Regisseur #Lars Becker mit einem Kamerateam das Flüchtlingslager in der Schnackenburgallee in Hamburg, sprach mit Geflüchteten und realisierte seinen Kurzfilm „Refugees Welcome“. Auszüge daraus verarbeitete er zu einem 75-sekündigen Spot, der auf dem Filmfest Hamburg jeweils vor den Hauptfilmen gezeigt wurde. Vielen Dank an die Journalistin Caroline Schmidt-Gross für den Hinweis.

Mode von Geflüchteten

Im Rahmen des Stipendienprogramms „Ankommer“ möchte die KfW Stiftung gemeinsam mit Social Impac Lab Flüchtlingen die Ankunft auf dem deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Unterstützt wird auch das Start-up-Projekt Stitch by Stitch – deutsch „Stich für Stich“. Die beiden Frankfurter Modedesignerinnen Claudia Frick und Nicole von Alvensleben wollen gemeinsam mit geflüchteten Frauen eine Schneider-Werkstatt aufbauen, dabei die besonderen Fähigkeiten und Fachkenntnisse der Näherinnen nutzen und vor allem mit kleineren, deutschen Mode-Labels zusammenarbeiten. Vielen Dank an das Kreativ-Netzwerk Kreative Deutschland für diesen Hinweis.

 © Hasan Anac, Pixelio

Familienkonzert für Geflüchtete

Das NDR Jugendsinfonieorchester hatte Familien aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Kenia und Hamburg in das Rolf-Liebermann-Studio eingeladen. Die kürzlich in Hamburg eingetroffenen Neubürger erlebten ein einzigartiges Konzert: Auf einer großen Leinwand lief der Stummfilm Der Schneemann – eine Geschichte, die sich auch ohne Worte vermittelte. Die Musik, gespielt vom NDR Jugendsinfonieorchester, sorgte für große Emotionen. Orchester wurde 2012 von der Akademie des NDR Sinfonieorchesters gegründet. Zwei Mal im Jahr können begabte Nachwuchsmusiker unter Leitung renommierter Dirigenten wichtige Orchesterwerke professionell erarbeiten und vor Publikum aufführen. Vielen Dank an die Musikerin Katrin Scheitzbach für diesen Hinweis.

Hightech-Praxis im Container

Seit Anfang November steht in Hamburg ein Container für die medizinische Versorgung von Geflüchteten. Das Refugee First Response Center (RFRC) ist ein Prototyp und wird derzeit im Praxisalltag auf Herz und Nieren geprüft. Das Besondere: Bislang mussten Übersetzer und Ärzte gemeinsam bei der Behandlung vor Ort sein. Im neuen Hightech-Container werden die Übersetzer über Breitband-Internet und Videoübertragung zugeschaltet. Kooperationspartner ist das Universitätsklinikum Eppendorf UKE. Kreative, engagierte Hamburger haben den Medizincontainer entwickelt und gebaut. Die gemeinnützige Hamburger Dorit und Alexander-Otto Stiftung spendete 900.000 Euro für Container und Videotechnik. Wenn die Testphase erfolgreich verläuft und sich Sponsoren finden, könnten bald mehrere Medizincontainer an Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete eingesetzt werden. Vielen Dank an Harald Neidhardt von MLOVE Future City Campus für den Hinweis auf das Projekt.

 © MLOVE

Aktionsbündnis mit vielen Talenten: „Wir machen das!“

Tag für Tag flüchten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Europa. Die Folgen und das Versagen der Politik werden auf diese Weise für uns alle erfahrbar. Das Aktionsbündnis WIR MACHEN DAS reagiert und macht sich für Geflüchtete stark. Das Bündnis von zunächst 100 Frauen um die Autorin Annika Reich aus Kunst, Wissenschaft und öffentlichem Leben wächst täglich weiter zu einer Gemeinschaft von Neuankommenden und Einheimischen, unterstützt von zahlreichen Initiativen, Personen und Institutionen. Jede und jeder macht das, was er oder sie kann: „vom Kleiderfalten bis zum Lobbyismus, von Sammelklage bis Seenotrettung, vom Beherbergen bis zum Bauvorhaben, von Rechtsberatung bis Sprachvermittlung, von kultureller Teilhabe bis Arbeitsplatzvermittlung vom persönlichen Statement bis zur breiten Medienkampagne.“ Die Akteure sind überzeugt von der Kultur des Teilens und der selbstbestimmten Gestaltung unserer Welt. Vielen Dank an die Journalistin Eva Györkös von Alsterklicks für den Hinweis auf die Initiative.

130984_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Unternehmer und Geflüchtete unter einem Dach

Murnau am Staffelsee ist mit rund 12.000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Jetzt erhält Murnau ein Kreativquartier. Das ehemalige Gemeindekrankenhaus soll zunächst bis Ende 2018 gemischt als Arbeits- und Wohnraum von Kreativen und von bis zu 50 Geflüchteten genutzt werden. Murnau setzt damit ein Zeichen für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung im kreativen und innovativen Bereich. Bürgermeister Rolf Beuting nennt mehrere Gründe für seine Entscheidung: „Wir wollen uns als Premium-Wirtschaftsstandort positionieren, als Motor für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Wir wollen Flüchtlinge schnell integrieren und ihnen Perspektiven in Murnau aufzeigen. Wir müssen Murnau für junge Menschen attraktiv halten, um so die Folgen des demografischen Wandels abzumildern.“ Vielen Dank an das Netzwerk bayerkreativ für den Hinweis.

709747_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Blogger-Engagement für Geflüchtete

Blogger für Flüchtlinge ist eine Initiative der Blogger Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing auf betterplace.org. Die vier haben ursprünglich Spenden für den Verein Moabit hilft gesammelt und dann die Netzcommunity gebeten, ihre Botschaft der Spendenwerbung mit zu verbreiten. Die Aktion hat mit eingeworbenen knapp 100.000 € bis heute großen Erfolg. Jeder, der eine eigene Website betreibt, kann mitmachen: seine/ihre Meinung zur Flüchtlingssituation kundtun, z. B. darüber, warum es für unsere Gesellschaft und unser Land sinnvoll ist, sich für Geflüchtete einzusetzen. Verweise auf diese Spendensammlung. Bitte dafür Hashtag nutzen: #BloggerFuerFluechtlinge.

144075_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Der Sozialpsychologe Harald Welzer führt deutschlandweit einen interdisziplinären Austausch über unsere Werte und Visionen in Zeiten aktueller Umbrüche, wie wir sie gerade erleben. Die von ihm mitinitiierten und mitgetragenen Initiativen Futurzwei und Die-Offene-Gesellschaft sowie die Politikberater von adelphi geben Denkanstöße und Impulse, nicht zuletzt um Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung mit konkreten Handlungshilfen zu unterstützen. Getragen werden die Aktivitäten von der Überzeugung, dass Veränderung zu mehr Gemeinwohl(-Ökonomie) und Gerechtigkeit durchaus möglich ist und einen Gewinn an Lebensqualität für alle bedeutet. Vielen Dank an Harald Welzer für seine erhellenden Bücher, u. a. „Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand“, „Transformationsdesign: Wege in eine zukunftsfähige Moderne“ und „Autonomie: Eine Verteidigung“.

415953_web_R_K_B_by_Uli Carthäuser_pixelio.de © Uli Carthäuser, Pixelio

Patenschaften gesucht! Frage an Sie und Euch …

Welche (Online-)Netzwerke gibt es, die Geflüchteten einheimische Paten vermittelt? Zehn Familien oder Einzelpersonen könnten sich zusammentun und gemeinsam eine Patenschaft über eine/n Geflüchtete/n bzw. eine geflüchtete Familie übernehmen. So würden Verantwortung und Zeit auf mehrere Schultern verteilt werden. Schreibt mir, wenn Ihr davon wisst. Vielleicht gibt es bereits eine Patenschafts-App bzw. evtl. wird gerade daran gearbeitet?! Infos bitte an: massivkreativ(et)gmail.com

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

725775_web_R_K_B_by_Christina Schmid_pixelio.de © Christina Schmid, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 10 – Medien für Geflüchtete

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

740411_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de © Wilhelmine Wulff, Pixelio

Medien I: „Refugee Guide“ der ARD

Die ARD bietet Geflüchteten als Wegweiser und erste Orientierungshilfe einen Refugee Guide, d. h. eine Sammlung von Texten, Audios und Filmen zum Ankommen in Deutschland, Spracherwerb, berufliche Orientierung und Alltagssituationen:

630464_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de © Juergen Jotzo, Pixelio

Medien II: Logo und Kiraka – Fernsehen und Radio für Kinder

Die Kindernachrichtensendung LOGO von KiKa und ZDF komplettiert ihre Meldungen mit englischen und arabischen Untertiteln für Flüchtlingskinder und erwachsene Migranten in Deutschland. Komplizierte Sachverhalte werden in einer leicht verständlichen und anschaulichen Sprache erklärt.

KiRaKa ist ein Angebot der Hörfunk-Kinderprogramme des WDR. Im Programm Flüchtlinge bei uns berichten Kinder über die Flüchtlingsthematik.

Medien III: „Lasst uns loslegen!“ – Fernsehen für syrische Flüchtlingskinder

„Yallah Nehna“ heißt: „Lasst uns loslegen!“ So begrüßt die Moderatorin ihre jungen Zuschauer. Die neue arabischsprachige Sendung möchte syrischen Flüchtlingskindern auf spielerische Weise die Welt der Wissenschaft und Technik näher zu bringen. Sie möchte den oftmals traumatisierten Kindern zugleich ein wenig Normalität bieten, auch in den Flüchtlingscamps außerhalb Syriens. Es sollen auch Fragen und Themen aus dem Flüchtlingsalltag thematisiert werden. Das Konzept für die Sendung hat das Team der Deutsche Welle-Akademie 2013 entwickelt und gemeinsam mit dem Sender Orient TV umgesetzt. Das Auswärtige Amt finanziert das Projekt mit rund 500.000 Euro.

678251_web_R_K_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)_pixelio.de © Initiative „Echte Soziale Marktwirtschaft“ IESM, Pixelio

Medien IV: Mobiles Angebot für Geflüchtete von ZDF und Telekom

Die Website für Flüchtlinge ZDFarabic bzw. ZDFenglish ist für Smartphones optimiert und soll deutsche Politik, Kultur und wichtige Themen für die Orientierung im Land vermitteln. Mit arabischen und englischen Untertiteln will das ZDF möglichst viele Flüchtlinge erreichen. Die Telekom, mit der das ZDF kooperiert, will bis Jahresende kostenloses WLAN an 60 Standorten zur Verfügung stellen. Das ZDF-Angebot wird Schritt für Schritt auf den Lokalseiten von Refugees Telekom verlinkt.

422888_web_R_K_B_by_Jerzy Sawluk_pixelio.de © Jerzy Sawluk, Pixelio

Medien V: Alltagssituationen für Geflüchtete aus der arabischen Welt

Der Nachrichtensender n-tv hat das arabische Videoangebot Marhaba – Ankommen in Deutschland gestartet – als erstes Programm in Deutschland, das sich in arabischer Sprache speziell an Flüchtlinge und Zuwanderer aus dem Nahen Osten richtet. Moderator Constantin Schreiber erklärt in der wöchentlichen Sendung auf Arabisch den Alltag in Deutschland und die Lebensgewohnheiten der Deutschen und gibt dazu praktische Orientierungshilfen und Informationen.

560166_web_R_K_B_by_twinmo_pixelio.de © twinmo, Pixelio

Medien VI: Artikel-Serie – Mein Einsatz für Flüchtlinge

Die Deutsche Welle hat Kulturschaffende in Deutschland zu Ihrem Engagement für Geflüchtete befragt: Schauspieler, Schriftsteller, Musiker, Künstler, Theaterleute, Designer berichten über ihre Aktivitäten, Meinungen und Gedanken.

297590_web_R_K_B_by_knipseline_pixelio.de © knipseline, Pixelio

Medien VII: Deutsch lernen – Erste Schritte

Die Deutsche Welle hat das kostenloses Angebot Erste Schritte zum Erlernen der deutschen Sprache ins Netz gestellt und bietet darüber hinaus auch langsam gesprochene Nachrichten.

172748_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien VIII: Hören und Lernen mit Musik

Der Ankommen und sich heimisch fühlen, geht leichter, wenn man die Sprache versteht. welcomegrooves ist ein ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt von 70 Kreativen aus Köln, das Deutschlektionen zum Hören bietet. Mit kurzen Audio-Lektionen können Geflüchtete erste Wörter, Sätze, Redewendungen und Fakten über die deutsche Kultur erlernen. Damit sich die Lektionen besser einprägen, enthält der kostenlose Einstiegskurs neben Sprache auch Musik. Zusätzlich zu den Audios hat die Initiatorin Eva Brandecker gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen die Sprachlektionen auch zweisprachig in schriftlicher Form erstellt – inzwischen in knapp 30 Sprachen. Audios (mp3) und Texte (pdf) können kostenlos heruntergeladen werden:

363441_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio© Tobias Zimmermann, Pixelio

Medien IX: Visuelle Orientierungshilfen für Flüchtlinge

Amelie Kim Weinert hat an der Hochschule Pforzheim Visuelle Kommunikation studiert. Weil sie auch in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, hat sie als Abschlussarbeit ein Set mit Infoblättern entwickelt, dass Flüchtlingen hilft, Deutsch zu lernen. Mein Deutschland ist eine visuelle Orientierungshilfe, mit der sich Asylbewerber auf einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs vorbereiten können. Sechs den sechs Kapiteln geht es zunächst um das gemeinsame Kennenlernen: Woher komme ich? Wie ist Deutschland? Was ist in unserer Kultur wichtig? Welche Sprache verwenden wir? usw. Anders als es mit herkömmlichen Lehrmitteln setzt die junge Kommunikationsdesignerin auf Bildern und Illustrationen. Sie will Wissen und Sprache spielerisch vermitteln im Austausch über die eigene Kultur. Ihre Mittel sind Würfel, Icons und Sticker, die die Lernenden an Gegenstände heften können.

315567_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Medien X: Überblick über ehrenamtliche Hilfsprojekte

Die Tagesschau der ARD hat einen deutschlandweite Liste erstellt – mit guten Ideen und hilfreichen Projekten für Geflüchtete:

293832_web_R_K_B_by_Stephanie  Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XI: Online-Sprachkurse und Sprachlernspiele

Das Goethe-Institut hat einen kostenlosen Online-Sprachkurs für verschiedene Sprachniveaus für Geflüchtete und Neubürger ins Netz gestellt. Mit einem spielerischen Konzept soll ferner das Deutschlernen erleichtert und ehrenamtliche Helfer bei der Spracharbeit unterstützt werdenn. Die „Sprachlernspiele. Deutsch für den Anfang“ lassen sich hier herunterladen: goethe.de/willkommen.

75317_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XII: Hinweise für den Alltag in Deutschland

Studenten und Doktoranden aus ganz Deutschland mit verschiedensten geographischen und kulturellen Hintergründen haben einen Alltagsführer in 15 verschiedenen Sprachen erstellt. Der Refugee-Online-Guide soll Besuchern, Geflüchteten und zukünftigen Bürgern in Deutschland als Orientierungshilfe dienen, vor allem in der ersten Zeit des Aufenthaltesm, in denen Geflüchtete noch nicht an staatlichen Integrations- und Deutschkursen teilnehmen können. Das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) bietet derzeit keine vergleichbare Orientierungshilfe an.

660764_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim reckmann, Pixelio

Medien XIII: Digitale Medien für Geflüchtete

Die Hamburg Media School bietet Geflüchteten – unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsstatus – ab April 2016 eine gebührenfreie Fortbildung im Bereich Digitale Medien an. Das sechsmonatige Weiterbildungsprogramm richtet sich an Geflüchtete, die in ihren Herkunftsländern einen Medienberuf gelernt, ein medienaffines Fach studiert oder mediale Berufserfahrung gemacht haben. Unterrichtssprache ist Deutsch. Dem modularen Kursprogramm an der HMS schließt sich ein Praktikum in einem Hamburger Medienunternehmen bzw. einer Filmproduktion an.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Kreative Aktionen für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

719492_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de© Wilhelmine Wulff, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 8 – Kreatives

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

629459_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives I: Integration, die durch den Magen geht

Das Berliner Projekt Über den Tellerrand kochen sorgt für interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe. Menschen verschiedener Kulturen lernen einander über ihre Küchenkultur kennen. Der Austausch wird beim gemeinsamen Kochen lebendig: Geflüchtete bereiten Gerichte aus ihrer Heimat zu. Die Teilnehmer müssen keine Zutaten mitbringen. Jeder zahlt am Ende einen Unkostenbeitrag, sodass der Einkauf refinanziert wird. Neben Kochevents bieten die weitere interkulturelle Aktivitäten, u. a. Kicken, Imkern, Tanzen, Quatschen, Tüfteln, Basteln, Gärtnern, Filmabende, Picknick, Ausflüge und Fahrradtouren. Jeder bringt sich, seine Fähigkeiten und Talente zum Nutzen aller ein. Die regelmäßigen Treffen schaffen soziale und freundschaftliche Netzwerke und legen den Grundstein für einen nachhaltigen Integrationsprozess. Inzwischen haben auch „Satelliten-Partner“ in anderen Städten das Projekt übernommen. z.B. die Künstler-Initiative und Cowork-Gemeinschaft ProjektRaum in Rostock.

Über den Tellerrand kochen_02_RostockÜber den Tellerrand kochen_01_Rostock © ProjektRaum, Rostock

337159_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives II: Fotografie, Kochen, Musik und Begegnung: DEIN NÄCHSTER

Begegnungen schaffen, Barrieren abbauen, zur Mithilfe anregen. Der Verein ART DES LEBENS organisiert Begegnungen und Gespräche mit Geflüchteten, mit „Deinem Nächsten“. Im Netzwerk sind Kreative, Künstler, Unternehmer und Medienleuten aktiv, die Kunst und Medien mit sozialem Engagement verbinden. Drei verschiedene Begegnungsabende führen Interessierte und Geflüchtete zusammen:

  • Ÿ 23. Januar 2016 ab 18 Uhr: Vernissage mit Flüchtlingsportraits, Musik & Buffet
  • Ÿ 20. Februar 2016 ab 18 Uhr: Begegnungsdinner mit gemeinsamen Kochen und Lebensgeschichten
  • Ÿ 22. März 2016 ab 19 Uhr: Info – und Themenabend mit Erfahrungsberichten und Hamburger Initiativen

Über eindrucksvolle Fotos und Geschichten soll eine persönliche Beziehung zu Geflüchteten ermöglicht werden. Viele Künstlern haben Bilder zur Verfügung gestellt, um das Foto- und Begegnungsprojekt zu realisieren, ganz nach dem Vereinsmotto: „MEHR bewegen- Kunst erleben.“ Die Fotografen Robin Jochem, Harald Geil, Tobias Hartl, Pierre Jarawan und Claudia Dewald stellen Fotos und Geschichten von Geflüchteten vor. Es geht um Unwissenheit und Angst, um Verfolgung und Unterdrückung, aber auch um Hilfsbereitschaft, Offenheit und Dankbarkeit. Die Ausstellung ist im Büro des Hamburgprojektes (Schulterblatt 73, 20357 Hamburg (Studio 2) ist vom 23.01.- 22.03.2016 kostenlos zugänglich: Die 14-17 Uhr, Mi und Do 10-17 Uhr, So von 18-21 Uhr.

527616_web_R_K_B_by_110stefan_pixelio.de © 110Stefan, Pixelio

Kreatives III: Interkulturelles Gärtnern

Der Trend zu Gemeinschaftsgärten wächst in Deutschland. Er ist ein Zeichen für das steigende Interesse an Natur, Umwelt, Teilhabe und am Austausch von Wissen. Gärten bieten eine hervorragende Chance, damit Geflüchtete und Deutsche ins Gespräch kommen, zusammen Hochbeete anlegen, säen, pflanzen und später auch gemeinsam ernten. Wenn sich jeder mit sichtbaren Ergebnissen einbringen kann, sorgt dies für eine enorme Motivation. Die Münchner Stiftungsgemeinschaft Anstiftung hat Informationen über konkrete Gartenprojekte und Anregungen gesammelt.

330359_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de  © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives IV: Musik, Kunst und Kulinaria

Das Café Zuflucht im niedersächsischen Dannenberg bietet Geflüchteten und Einheimischen Musik, Kunst, Tanz, Fotografie, internationale kulinarische Genüsse, Begegnungen und Gespräche.

590750_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de  © Juergen Jotzo, Pixelio

Kreatives V: Flüchtlingskonferenz

Die Akademie des interdisziplinären Kreativzentrums Unperfekthaus in Essen plant derzeit eine Flüchtlingskonferenz. Die Organisatoren sondieren Themen, Referentenvorschläge und Fragen, die die Tagung zu einem hochkarätigen Ereignis werden lassen. Die Konferenz soll dazu beitragen, Menschen zu vernetzen und mitzuhelfen, eine der derzeit wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft zu meistern. Es geht u. a. um diese Fragen:

  • Welche Organisationen verschaffen Flüchtlingen und gleichzeitig sich selbst Vorteile?
  • ŸHaben Privatpersonen schon Wege gefunden, um ihr eigenes Leben und gleichzeitig das der Flüchtlinge zu verbessern?
  • Wer kennt Geschäftsmodelle, die Einheimischen und(!) Flüchtlingen helfen?
  • ŸGibt es Wohnprojekte für Flüchtlinge, getrennt oder gemeinsam mit Einheimischen?
  • ŸHat der Einzelhandel schon Ideen, wie er die Flüchtlingssituation zum allseitigen Vorteil nutzt?
  • ŸGibt es Startups, die Geflüchtete unterstützen?
  • ŸWelche Ideen haben Kultureinrichtungen?
  • ŸGibt es Investoren, die konkret Geld für Flüchtlinge und deren Ideen bereitstellen?
  • ŸGibt es umgekehrt Flüchtlinge, die bei unüblichen Projekten Rendite in Aussicht stellen können, aber bisher keinen Investor finden?

Rundgang durch das UnperfektHaus und Filminterview mit Mitarbeiter Daniel R. Buchwald über die Aktivitäten, das Selbstverständnis und die Visionen der einzigartigen Kreativoase in Essen: www.massivkreativ.de/kreativquartiere/

496352_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives VI: Küche rollt zur Kultur

Eine mobile Container-Küche Refugeeskitchen, mit gebaut und mit betrieben von Geflüchteten und Neubürgern in Oberhausen, rollt seit Sommer 2015 durch verschiedene Revierstädte. Station machen die Gourmet-Experten vor allem dort, wo Kultur gespielt wird: bei Musikfestivals, an Filmschauplätzen und bei Kinderfesten. Das Motto: „Man isst, wo man ist!“ Das international besetzte Küchenteam möchte Kreative und Publikum von seiner Kochkunst überzeugen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die fliegende Küche wird mit einem 7 ½-Tonner LKW transportiert. Die Idee hatten Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark vom Oberhausener Verein Kitev – Kunst im Turm e.V., nachdem sie für die Kurzfilmtage 2010 ein Taschenkino auf einen LKW geladen hatten.

682496_web_R_K_B_by_Dirk Kruse_pixelio.de © Dirk Kruse, Pixelio

Kreatives VII: Flashmob mit Handarbeit für Geflüchtete

Brandenburger in Jüterborg haben bei einem Strick- und Häkelflashmob Decken für Flüchtlingskinder hergestellt. Die gefertigten Einzelteile wurden am Ende zusammengenäht. Das Motto der Aktion: Bunte Maschen für mehr Wärme.

400835_web_R_K_B_by_René Golembewski_pixelio.de © René Golembewski, Pixelio

Kreatives VIII: Studium im Tandem

Fachkräftemangel und fehlende Integration von Geflüchteten einerseits und Orientierungslosigkeit junger Studierender andererseits: Gründe genug für zwei junge Absolventinnen aus Frankfurt am Main, um nach einer Alternative zu suchen. Sie gründeten den Verein academic experience worldwide der mittlerweile in verschiedenen Städten aktiv ist. Die Idee: Studierende und fertig studierte Asylsuchende auf Augenhöhe zusammen zu bringen, damit sie voneinander lernen. Asylsuchende können ihre Erfahrungen an Jungstudenten weitergeben. Im Idealfall entwickeln sich aus diesen Kontakten Freundschaften, die die Integration sehr erleichtern. In „Offenen Sprechstunden“ und Coaching-Sessions steht der Verein den jungen Asylsuchenden mit Rat und Tat zur Seite, ebenso bei Sprachkorrekturen und bei bürokratischen Angelegenheiten.

531358_web_R_K_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.de © Katharina Wieland-Müller, Pixelio

Kreatives IX: Logistische Höchstleistung „Kleiderkammer“

Seit Monaten engagieren sich Ehrenamtliche deutschlandweit in Kleiderkammern, sammeln, transportieren und sortieren Kleidung bis zur Erschöpfung. In Hamburg helfen die Freiwilligen zunächst in der Messehalle B7, aktuell in einer neuen Lagerhalle auf dem OTTO Campus in Bramfeld und im Bunker Wedel. Eventuell wird ein erneuter Umzug nötig, da Annahme und Sortierung der Kleidung ein besonderes Umfeld braucht.  Doch mit kreativen Ideen und großer Eigenverantwortung meistern die Ehrenamtlichen jede logistische Herausforderungen und alle Umzüge. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Verein Hanseatic Help e.V.  Bei Vernetzung und Austausch hilft die Plattform zusammenschmeißen.

Wer helfen möchte, kann Termine über Doodle-Listen organisieren:

Bramfeld Lagerhalle
Bannwarthstraße 5 / Tor 2 / Gebäude 6 / Mo.-Fr. 10:00 – 20:00
http://doodle.com/poll/zeefk7c293ci6xex

Bunker Wedel
Pinnebergerstr.23-27 22880 Wedel / Di. + Sa.
Tel 040 – 812000
http://doodle.com/poll/hwzegnixki7msf2n

Kreatives X:   Markt der Möglichkeiten „Neue Nachbarn mittendrin“ II 
2015 hat das Theater Vorpommern in Greifswald den ersten „Markt der  Möglichkeiten“ mit viel Resonanz und Erfolg durchgeführt. Nun sollen ähnliche  Veranstaltungen auch an den Spielstätten in Stralsund und Putbus stattfinden.
Flüchtlinge sollen neue Nachbarn werden! Neben dem Spracherwerb ist das gegenseitige Kennenlernen und die Integration in die Stadtgesellschaft eine zentrale Aufgabe. Der „Markt der Möglichkeiten“ stellt Bürgern und Neubürgern konkrete Initiativen und Angebote vor, z. B. in den Bereichen Sprache,  Kultur und Sport. Akteure sollen sich vernetzen und neue Engagierte können jederzeit hinzukommen.
Nächster Termin: Theater Stralsund: MONTAG, 7. März von 14 Uhr- 18.30 Uhr, Eintritt ist frei

709014_web_R_K_B_by_Bernd Kasper_pixelio.de © Bernd Kasper, Pixelio

Sonderpreis des Bundesministeriums für Kultur und Medien für Projekte mit Geflüchteten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte drei Preise für Projekte kultureller Integration ausgelobt. Prämiert wurden am 21. Mai 2016 vom Bundesministerium für Kultur und Medien aus 150 Bewerbern und 10 Nominierten folgende drei herausragende künstlerische Projekte bzw. Netzwerke:

1. Die Dresdner Brass-Band „Banda Internationale“ setzte sich aus deutschen und geflüchteten Musikern verschiedener Länder zusammen. „Banda Internationale“ ging aus der Dresdner Kombo „Banda Comunale“ hervor, die seit vielen Jahren bei Anti-Nazi-Demos spielt und Willkommenskonzerte für Flüchtlinge gibt.

2. In der Münchner Initiative „Kino Asyl“ engagieren sich filmbegeisterte Flüchtlinge als Kuratoren eines Filmfestivals. Junge Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone präsentieren Filme über das „normale Leben“ in ihren Heimatländern.

3. Im Berliner Projekt „Multaka“ agieren Flüchtlinge als Museumsführer: Geflüchtete aus Syrien und dem Irak führen auf Arabisch durch verschiedene Museen der Berliner Museumsinsel, u. a. durch das Deutsche Historische Museum, in dem die Preisverleihung erstmals im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Kultur öffnet Welten“stattfand. Die drei Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com