Kreative Aktionen für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

719492_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de© Wilhelmine Wulff, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 8 – Kreatives

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

629459_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives I: Integration, die durch den Magen geht

Das Berliner Projekt Über den Tellerrand kochen sorgt für interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe. Menschen verschiedener Kulturen lernen einander über ihre Küchenkultur kennen. Der Austausch wird beim gemeinsamen Kochen lebendig: Geflüchtete bereiten Gerichte aus ihrer Heimat zu. Die Teilnehmer müssen keine Zutaten mitbringen. Jeder zahlt am Ende einen Unkostenbeitrag, sodass der Einkauf refinanziert wird. Neben Kochevents bieten die weitere interkulturelle Aktivitäten, u. a. Kicken, Imkern, Tanzen, Quatschen, Tüfteln, Basteln, Gärtnern, Filmabende, Picknick, Ausflüge und Fahrradtouren. Jeder bringt sich, seine Fähigkeiten und Talente zum Nutzen aller ein. Die regelmäßigen Treffen schaffen soziale und freundschaftliche Netzwerke und legen den Grundstein für einen nachhaltigen Integrationsprozess. Inzwischen haben auch „Satelliten-Partner“ in anderen Städten das Projekt übernommen. z.B. die Künstler-Initiative und Cowork-Gemeinschaft ProjektRaum in Rostock.

Über den Tellerrand kochen_02_RostockÜber den Tellerrand kochen_01_Rostock © ProjektRaum, Rostock

337159_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives II: Fotografie, Kochen, Musik und Begegnung: DEIN NÄCHSTER

Begegnungen schaffen, Barrieren abbauen, zur Mithilfe anregen. Der Verein ART DES LEBENS organisiert Begegnungen und Gespräche mit Geflüchteten, mit „Deinem Nächsten“. Im Netzwerk sind Kreative, Künstler, Unternehmer und Medienleuten aktiv, die Kunst und Medien mit sozialem Engagement verbinden. Drei verschiedene Begegnungsabende führen Interessierte und Geflüchtete zusammen:

  • Ÿ 23. Januar 2016 ab 18 Uhr: Vernissage mit Flüchtlingsportraits, Musik & Buffet
  • Ÿ 20. Februar 2016 ab 18 Uhr: Begegnungsdinner mit gemeinsamen Kochen und Lebensgeschichten
  • Ÿ 22. März 2016 ab 19 Uhr: Info – und Themenabend mit Erfahrungsberichten und Hamburger Initiativen

Über eindrucksvolle Fotos und Geschichten soll eine persönliche Beziehung zu Geflüchteten ermöglicht werden. Viele Künstlern haben Bilder zur Verfügung gestellt, um das Foto- und Begegnungsprojekt zu realisieren, ganz nach dem Vereinsmotto: „MEHR bewegen- Kunst erleben.“ Die Fotografen Robin Jochem, Harald Geil, Tobias Hartl, Pierre Jarawan und Claudia Dewald stellen Fotos und Geschichten von Geflüchteten vor. Es geht um Unwissenheit und Angst, um Verfolgung und Unterdrückung, aber auch um Hilfsbereitschaft, Offenheit und Dankbarkeit. Die Ausstellung ist im Büro des Hamburgprojektes (Schulterblatt 73, 20357 Hamburg (Studio 2) ist vom 23.01.- 22.03.2016 kostenlos zugänglich: Die 14-17 Uhr, Mi und Do 10-17 Uhr, So von 18-21 Uhr.

527616_web_R_K_B_by_110stefan_pixelio.de © 110Stefan, Pixelio

Kreatives III: Interkulturelles Gärtnern

Der Trend zu Gemeinschaftsgärten wächst in Deutschland. Er ist ein Zeichen für das steigende Interesse an Natur, Umwelt, Teilhabe und am Austausch von Wissen. Gärten bieten eine hervorragende Chance, damit Geflüchtete und Deutsche ins Gespräch kommen, zusammen Hochbeete anlegen, säen, pflanzen und später auch gemeinsam ernten. Wenn sich jeder mit sichtbaren Ergebnissen einbringen kann, sorgt dies für eine enorme Motivation. Die Münchner Stiftungsgemeinschaft Anstiftung hat Informationen über konkrete Gartenprojekte und Anregungen gesammelt.

330359_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de  © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives IV: Musik, Kunst und Kulinaria

Das Café Zuflucht im niedersächsischen Dannenberg bietet Geflüchteten und Einheimischen Musik, Kunst, Tanz, Fotografie, internationale kulinarische Genüsse, Begegnungen und Gespräche.

590750_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de  © Juergen Jotzo, Pixelio

Kreatives V: Flüchtlingskonferenz

Die Akademie des interdisziplinären Kreativzentrums Unperfekthaus in Essen plant derzeit eine Flüchtlingskonferenz. Die Organisatoren sondieren Themen, Referentenvorschläge und Fragen, die die Tagung zu einem hochkarätigen Ereignis werden lassen. Die Konferenz soll dazu beitragen, Menschen zu vernetzen und mitzuhelfen, eine der derzeit wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft zu meistern. Es geht u. a. um diese Fragen:

  • Welche Organisationen verschaffen Flüchtlingen und gleichzeitig sich selbst Vorteile?
  • ŸHaben Privatpersonen schon Wege gefunden, um ihr eigenes Leben und gleichzeitig das der Flüchtlinge zu verbessern?
  • Wer kennt Geschäftsmodelle, die Einheimischen und(!) Flüchtlingen helfen?
  • ŸGibt es Wohnprojekte für Flüchtlinge, getrennt oder gemeinsam mit Einheimischen?
  • ŸHat der Einzelhandel schon Ideen, wie er die Flüchtlingssituation zum allseitigen Vorteil nutzt?
  • ŸGibt es Startups, die Geflüchtete unterstützen?
  • ŸWelche Ideen haben Kultureinrichtungen?
  • ŸGibt es Investoren, die konkret Geld für Flüchtlinge und deren Ideen bereitstellen?
  • ŸGibt es umgekehrt Flüchtlinge, die bei unüblichen Projekten Rendite in Aussicht stellen können, aber bisher keinen Investor finden?

Rundgang durch das UnperfektHaus und Filminterview mit Mitarbeiter Daniel R. Buchwald über die Aktivitäten, das Selbstverständnis und die Visionen der einzigartigen Kreativoase in Essen: www.massivkreativ.de/kreativquartiere/

496352_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives VI: Küche rollt zur Kultur

Eine mobile Container-Küche Refugeeskitchen, mit gebaut und mit betrieben von Geflüchteten und Neubürgern in Oberhausen, rollt seit Sommer 2015 durch verschiedene Revierstädte. Station machen die Gourmet-Experten vor allem dort, wo Kultur gespielt wird: bei Musikfestivals, an Filmschauplätzen und bei Kinderfesten. Das Motto: „Man isst, wo man ist!“ Das international besetzte Küchenteam möchte Kreative und Publikum von seiner Kochkunst überzeugen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die fliegende Küche wird mit einem 7 ½-Tonner LKW transportiert. Die Idee hatten Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark vom Oberhausener Verein Kitev – Kunst im Turm e.V., nachdem sie für die Kurzfilmtage 2010 ein Taschenkino auf einen LKW geladen hatten.

682496_web_R_K_B_by_Dirk Kruse_pixelio.de © Dirk Kruse, Pixelio

Kreatives VII: Flashmob mit Handarbeit für Geflüchtete

Brandenburger in Jüterborg haben bei einem Strick- und Häkelflashmob Decken für Flüchtlingskinder hergestellt. Die gefertigten Einzelteile wurden am Ende zusammengenäht. Das Motto der Aktion: Bunte Maschen für mehr Wärme.

400835_web_R_K_B_by_René Golembewski_pixelio.de © René Golembewski, Pixelio

Kreatives VIII: Studium im Tandem

Fachkräftemangel und fehlende Integration von Geflüchteten einerseits und Orientierungslosigkeit junger Studierender andererseits: Gründe genug für zwei junge Absolventinnen aus Frankfurt am Main, um nach einer Alternative zu suchen. Sie gründeten den Verein academic experience worldwide der mittlerweile in verschiedenen Städten aktiv ist. Die Idee: Studierende und fertig studierte Asylsuchende auf Augenhöhe zusammen zu bringen, damit sie voneinander lernen. Asylsuchende können ihre Erfahrungen an Jungstudenten weitergeben. Im Idealfall entwickeln sich aus diesen Kontakten Freundschaften, die die Integration sehr erleichtern. In „Offenen Sprechstunden“ und Coaching-Sessions steht der Verein den jungen Asylsuchenden mit Rat und Tat zur Seite, ebenso bei Sprachkorrekturen und bei bürokratischen Angelegenheiten.

531358_web_R_K_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.de © Katharina Wieland-Müller, Pixelio

Kreatives IX: Logistische Höchstleistung „Kleiderkammer“

Seit Monaten engagieren sich Ehrenamtliche deutschlandweit in Kleiderkammern, sammeln, transportieren und sortieren Kleidung bis zur Erschöpfung. In Hamburg helfen die Freiwilligen zunächst in der Messehalle B7, aktuell in einer neuen Lagerhalle auf dem OTTO Campus in Bramfeld und im Bunker Wedel. Eventuell wird ein erneuter Umzug nötig, da Annahme und Sortierung der Kleidung ein besonderes Umfeld braucht.  Doch mit kreativen Ideen und großer Eigenverantwortung meistern die Ehrenamtlichen jede logistische Herausforderungen und alle Umzüge. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Verein Hanseatic Help e.V.  Bei Vernetzung und Austausch hilft die Plattform zusammenschmeißen.

Wer helfen möchte, kann Termine über Doodle-Listen organisieren:

Bramfeld Lagerhalle
Bannwarthstraße 5 / Tor 2 / Gebäude 6 / Mo.-Fr. 10:00 – 20:00
http://doodle.com/poll/zeefk7c293ci6xex

Bunker Wedel
Pinnebergerstr.23-27 22880 Wedel / Di. + Sa.
Tel 040 – 812000
http://doodle.com/poll/hwzegnixki7msf2n

Kreatives X:   Markt der Möglichkeiten „Neue Nachbarn mittendrin“ II 
2015 hat das Theater Vorpommern in Greifswald den ersten „Markt der  Möglichkeiten“ mit viel Resonanz und Erfolg durchgeführt. Nun sollen ähnliche  Veranstaltungen auch an den Spielstätten in Stralsund und Putbus stattfinden.
Flüchtlinge sollen neue Nachbarn werden! Neben dem Spracherwerb ist das gegenseitige Kennenlernen und die Integration in die Stadtgesellschaft eine zentrale Aufgabe. Der „Markt der Möglichkeiten“ stellt Bürgern und Neubürgern konkrete Initiativen und Angebote vor, z. B. in den Bereichen Sprache,  Kultur und Sport. Akteure sollen sich vernetzen und neue Engagierte können jederzeit hinzukommen.
Nächster Termin: Theater Stralsund: MONTAG, 7. März von 14 Uhr- 18.30 Uhr, Eintritt ist frei

709014_web_R_K_B_by_Bernd Kasper_pixelio.de © Bernd Kasper, Pixelio

Sonderpreis des Bundesministeriums für Kultur und Medien für Projekte mit Geflüchteten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte drei Preise für Projekte kultureller Integration ausgelobt. Prämiert wurden am 21. Mai 2016 vom Bundesministerium für Kultur und Medien aus 150 Bewerbern und 10 Nominierten folgende drei herausragende künstlerische Projekte bzw. Netzwerke:

1. Die Dresdner Brass-Band „Banda Internationale“ setzte sich aus deutschen und geflüchteten Musikern verschiedener Länder zusammen. „Banda Internationale“ ging aus der Dresdner Kombo „Banda Comunale“ hervor, die seit vielen Jahren bei Anti-Nazi-Demos spielt und Willkommenskonzerte für Flüchtlinge gibt.

2. In der Münchner Initiative „Kino Asyl“ engagieren sich filmbegeisterte Flüchtlinge als Kuratoren eines Filmfestivals. Junge Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone präsentieren Filme über das „normale Leben“ in ihren Heimatländern.

3. Im Berliner Projekt „Multaka“ agieren Flüchtlinge als Museumsführer: Geflüchtete aus Syrien und dem Irak führen auf Arabisch durch verschiedene Museen der Berliner Museumsinsel, u. a. durch das Deutsche Historische Museum, in dem die Preisverleihung erstmals im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Kultur öffnet Welten“stattfand. Die drei Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Sympathische Videobotschaften für Social Media

© Björn Kempcke, BusinessMedien

Klassische Imagefilme sind aufwendig und kosten viel Geld. Doch es geht auch anders. Ich berichte über ein innovatives Filmprojekt, das dank kreativer Ideen auch für kleine Firmen finanzierbar wurde.

Vor 5 Jahren gründete die Journalistin Sylvia Karasch das Portal „Bei-Uns-In-Neuwulmstorf.de“, um Bürgern in der gleichnamigen Gemeinde in Niedersachsen eine Stimme zu geben: ein Serviceportal, das über Ereignisse im Ort informiert und auf dem Geschäftsleute und Unternehmen für ihre Produkte und Dienstleistungen werben können – mit Texten, Fotos und neuerdings auch mit kurzen Webfilmen und einer App.

Innovative Konzeptidee

Die Mischung aus Information und Reklame kommt bei den rund 23.000 Bürgern gut an. Das Portal verzeichnet bis zu 300 Seitenaufrufe pro Tag – mit steigender Tendenz, seit Karasch zusätzlich den Videojournalisten Björn Kempcke und den App- und Website-Experten Hannes Wirtz hinzugeholt hat. Karasch erklärt: „Zusammen haben wir die Idee entwickelt, engagierte Bürger in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort kommen zu lassen bzw. die von ihnen geleiteten Firmen oder Institutionen zu portraitieren – zu einem Preis unter 1.000 €.“

© Hannes Wirtz: Videojournalist Björn Kempcke

Neben dem Preis hat die Auftraggeber vor allem das Konzept überzeugt. Im Film kommen Geschäftsleute und Bürger in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort und portraitierten die von ihnen geleitete Firma oder Institution selbst. Björn Kempcke traf pro Tag bis zu drei Protagonisten in ihrer gewohnten Umgebung und befragte sie in kurzen Interviews über ihren Werdegang, ihren Berufsalltag, über Mitarbeiter, Kunden und Partner, über das, was sie täglich antreibt.
Die so entstandenen elf Kurzfilme wurden mit kleinen Zwischenmoderationen bei einem Spaziergang durch den Ort mit Thomas Grambow, dem 1. stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde, zu einem gemeinsamen Film verbunden. Über ein Kapitelmenü lassen sich die Portraits einzeln anwählen. Wer mag, kann sich den gesamten Film wie eine informative Stadtführung durch Neu Wulmstorf anschauen. Man lernt dabei Geschäftsführer, Handwerker, Ärzte, Apotheker, Markt- und Pflegeleiterinnen kennen, ebenso das ehrenamtliche Team des Sozialkaufhauses, den Shantychor, und man erfährt vom Vizebürgermeister auch etwas über die Geschichte des Ortes. Eingeleitet wird der Film mit einem kleinen Grußwort von Sylvia Karasch.

Still Hartmann Elektrotechnik_GF_Willi NeumannFoto Dennys Bull Physio © Björn Kempcke, BusinessMedien

Akteure im Neu Wulmstorf-Film: Hartmann-Elektrotechnik, Geschäftsführer Willi-Neumann (li) sowie Dennys Bull und sein Physiopraxis-Team (re)

Gemeinsam werben

Die Mischung aus Information und Reklame kommt gut an. Dank der gemeinsamen Werbung aller Akteure wurde der Webfilm innerhalb von 2 Monaten über 1700 mal angeklickt. Über das Portal und über youtube kann der Film auch auf den Websites der portraitierten Firmen und Institutionen eingebettet sowie auf Facebook geteilt werden. Björn Kempcke erklärt: „Ich finde es wichtig und zugleich charmant, die Kräfte auf diese Weise zu bündeln. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der erwünschte Werbeeffekt leichter erzielt werden.“

Sahnehäubchen

Hannes Wirtz hat für die Aktion als Sahnehäubchen ein mediales Zusatzangebot entwickelt. Er ist Mitbegründer der Audio-Plattform, -Community und -App „audioguideMe“. Sie bietet auf dem Smartphone tausende kleine Geschichten und wird an den Orten ihrer Handlung erzählt. Wirtz hat für Neu Wulmstorf ein Spezial-Widget entwickelt, das jeder Filmakteur auf seine Website stellen kann. Das interaktive Bedienfenster zeigt eine Landkarte – in dem Fall von Neu Wulmstorf – mit kleinen Ortsmarkierungen. Wenn man die Markierungen bzw. Pins anklickt, kann man sich kurze Audio-Ausschnitte aus den Film-Interviews anhören. „Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich sehr berührt, wie sympathisch die Protagonisten rüberkommen“, erzählt Hannes Wirtz begeistert.

Audioguiode-me-Neu Wulmstorf-WidgetAudioguiode-me-Neu Wulmstorf-Mobile © audioguideMe

Es sind gerade die O-Töne, die dieses Projekt wirkungsvoller und überzeugender machen als künstliche Werbetexte. Professionelle Sprecher spulen häufig austauschbare Slogans seelenlos herunter. Engagierte Gewerbetreibende und Bürger hingegen präsentieren ihre eigenen, kleinen Geschichten, die auch für den Zusammenhalt der Gemeinde stehen, für eine Interessengemeinschaft im besten Sinne. Sympathische Videobotschaften für Social Media strahlen Leidenschaft, Authentizität und Herz aus.

In Neu Wulmstorf ist übrigens schon ein neuer Film in Planung. 23.000 Bürger und 1.000 Gewerbetreibenden der Region freuen sich auf möglichst viele Fortsetzungen. Inzwischen hat Björn Kempcke auch ein Video über die Flüchtlinge in der Gemeinde sowie über deren Unterstützer und Helfer im Treffpunkt „Courage“ produziert. Auf sein Honorar hat er verzichtet: „Ich möchte damit zeigen, dass Neu Wulmstorf eine echte Willkommenskultur hat.“


© Björn Kempcke: Die Akteure und Initiatoren des „Courage“ waren für den NDR-Hörerpreis nominiert.

Hilfe zur Selbsthilfe

Auch das UnperfektHaus in Essen unterstützt klein- und mittelständische Unternehmer bei ihren medialen Aktivitäten und ermöglicht ihnen, mit überschaubarem Budget in der Social-Media-Welt mitzuspielen. Initiator Gerhard Schröder möchte „mediale Starthilfe“ geben. Er bietet Seminare und Veranstaltungen über Social Media an sowie Einführungskurse in das Fotografieren und Filmen. Gerade hat er eine VideoLabAcademy ins Leben gerufen. Bei kostenlosen Info- und Netzwerkabenden informiert er die Teilnehmer über das Thema „Virale Unternehmenskommunikation via Video“. „Dabei geht es nicht um einen langen teuren Imagefilm, sondern um mehrere kurze Webvideos, Clips für youtube, Instagram, Facebook, die über mehrere Wochen stetig im Netz veröffentlicht werden.“ Inhaltlich ist in diesen „Micro-Stücken“ vieles möglich: Rundgang durch die Firma, Interview mit dem Chef, ein Stellenanzeigen-Video mit einem Aufruf an neue Bewerber, Videos mit Produkterklärungen und Bedienungsanleitungen, also klassische Ratgeber-Inhalte zur Kundenbindung. „Das Interesse an dem Thema ist beim Mittelstand sehr groß“, sagt Schröder.

Suchen Sie sich in Ihrem Ort oder Ihrer Gemeinde Gleichgesinnte. Planen auch Sie das nächste Werbeprojekt gemeinsam mit anderen Unternehmen. Nutzen Sie die Kraft vieler Mitstreiter, um die virale Verbreitung zu steigern. So erreichen Sie mehr als ein Einzelkämpfer.

Inspirationstipps:

QR-Code: Das digitale Metazeichen des 21. Jahrhunderts

Weisser_QR_PoemScreen_14 © Mike Weisser: Projekt QR-ScreenArt, 2015

„Ich bin auf Empfang eingestellt!“ – Interview mit dem Medienkünstler, Musikproduzenten und Science Fiction-Autor Mike Weisser

Herr Weisser, Ihre beiden Tätigkeitsfelder beschreiben Sie mit der Formulierung „Ästhetische Feldforschung“ und „Kreative Interventionen“. Was genau verstehen Sie darunter?

Mike Weisser:

Für mich ist „Kunst“ eine Methode zu leben, d.h. die Welt zu entdecken, sie zu erforschen und meinen Platz darin zu finden. In meinen Projekten der „ästhetischen Feldforschung“ reise ich an einen ausgewählten (möglichst energetischen) Ort, erkunde diesen und halte besondere Ansichten von etwas und über etwas zuerst einmal intuitiv in Bild- und Klangaufzeichnung fest. Diese Bilder und Klänge zeigen mir anschließend, was meinen Sinnen wichtig erschien. Daraus leite ich eine Quintessenz bzw. eine Identität des Ortes ab, die ich nachfolgend gezielt zum „Spirit“ verdichte. Dieses Typische eines Ortes kondensiere ich in Bildern, Filmen, Poesie, Rezitationen, Klängen, Musiken… diese Werke stelle ich in Ausstellungen oder raumbezogenen Installationen zur Nachempfindung und zur Diskussion bereit. In einem zweiten Akt der „kreativen Intervention“ greife ich in die Orte ein und versuche sie nach meinen Kriterien zu verbessern.

Mit welchen Mitteln betreiben Sie Ihre Feldforschung?

Mike Weisser:

Meine Grundmedien sind Fotografie, Film und Tonaufzeichnung, aber ich sammle auch Objekte als sogenannte „trouvées“, dazu mache ich Interviews und suche Dokumente…

Intervenieren bedeutet eingreifen. In welche Bereiche (der Gesellschaft) greifen Sie ein und mit welchen (kreativen) Mitteln?

Mike Weisser:

Ich bin nicht festgelegt. „Orte“ können Städte, Landschaften, Objekte, Menschen oder Themen sein. Ein Beispiel: Es gab ein Projekt für ein Gymnasium in Bremen, das mit Fotografie vom Außenraum über den Innenraum als extremer Zoom bis in die Federmäppchen der SchülerInnen begann und in ganz konkreten Eingriffen, wie z. B. eine neue Namensgebung für die Schule, initiierte bauliche Veränderungen, neue Kommunikationssysteme etc. endete. Die schulische Lebenssituation wurde Lehrern, Schülern, Eltern und der Schulbehörde erst offensichtlich durch die dokumentierende Fotografie und die inszenierte Konzentration der Bildwelt.

Weisser_Kiel_Weisser_Heinze_2013 © Mike Weisser (links): Erste QR-Bank auf dem Campus der Fachhochschule Kiel, 2013 mit dem Kanzler der FH, Klaus-Michael Heinze (rechts)

Sie sind ein Universalkünstler, d. h. Sie waren bzw. sind in verschiedenen Kunstsparten tätig. Welche Bereiche sind es konkret?

Mike Weisser:

Ich arbeite mit dem Bild, dem Klang und dem Wort und verbinde diese drei Medien auf verschiedenste Weise mit verschiedenen Ergebnissen.

Wie ist es bei Ihnen zu dieser Vielseitigkeit gekommen? Die meisten Künstler spezialisieren sich auf eine Ausdrucksform …

Mike Weisser:

Neugier an der Welt ist der Antrieb, der mich in Bewegung versetzt. Und Kunst ist für mich der Weg, auf dem ich mich mit allen Sinnen empfindend bewege. Kunst ist also keine technische Disziplin, sondern eine Methode zu leben. Kunst ist für mich wie ein Chemiebaukasten, der Versuche, Überraschungen, Erfindungen zulässt – dies in sanfter Reaktion aber auch als überraschender Knall ;-)))

Ich hatte in meiner Jugend ein Praktikum in einem Forschungslabor der chemischen Industrie gemacht und wollte Alchemist werden. Als ich erlebte, das man die meiste Zeit jedoch mit Routinen verbringt, kam ich suchend durch Zufall zur Kunst, machte an der Kunsthochschule in Köln die Aufnahmeprüfung und hatte dann die Chance, die Techniken der Bildenden Kunst von der sakralen über die experimentelle Malerei, die Zeichnung, die Grafik bis zur Fotografie zu erlernen. Diese Praxis in Verbindung mit Kunsttheorie und Gesellschaftskritik waren mein Fundament.

Mike Weisser: 

Wann und wie entscheiden Sie, mit welchen Ausdruckmitteln bzw. in welcher künstlerischen Sparte Sie ein Projekt realisieren?

Mike Weisser:

Mein Ansatz ist immer der Gleiche. Ich bin auf Empfang eingestellt. Meist beginne ich mit dem Sehen, also mit der Fotografie, dann kommt das Hören, also die Klangaufzeichnung. Parallel dazu rieche, schmecke und fühle ich. Es gab ein Hochschul-Seminarprojekt von mir, bei dem ich von einem großen Hotel großzügig gefördert wurde, um in deren Showküche mit den Studierenden internationale „Snacks“ zu kochen. Als eine Versinnlichung in Optik, Geruch und Geschmack haben wir als „the taste of diversity“ das globale Thema „Vielfalt“ umgesetzt und in einem großen Gala-Essen der Hochschule gefeiert. Es war im tiefen Sinn des Wortes ein geschmackvolles Gesamtkunstwerk.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Publikum? Es gibt Menschen, die eher Musik bevorzugen und andere, die eher die visuellen Künste favorisieren …

Mike Weisser: 

Ich arbeite nicht im Hinblick auf ein Publikum, sondern im Hinblick auf ein Thema, das ich als intermediales Werk destilliere und wie ein Destillat als Kunstform präsentiere. Es steht dem Publikum frei, sich diesem Werk anzunähern und es zu erforschen….

Weisser_QR_Info_2015 © Mike Weisser: QR Info 2015, i:Code führt zur Site QR-Informationen

Ist Ihre QR-Code-Kunst vielleicht auch eine Möglichkeit, auditive und visuelle Aspekte miteinander zu verbinden? Bietet diese Hybrid-Kunst die Chance, ein Publikum mit verschiedenen Neigungen bzw. Rezeptionsvorlieben anzusprechen?

Mike Weisser:  

Seit 2007 beschäftige ich mich mit dem QR-Code und der Möglichkeit, dieses digitale Zeichen des 21. Jahrhunderts gestaltend zu verändern und doch seine Funktion der Lesbarkeit als Code zu erhalten. Der QR bietet die faszinierende Tatsache, dass seine bildnerischen Variationen gegen unendlich gehen. Mit dem QR lassen sich also alle Zustände des Universums erfassen. Weiterhin bietet er in seiner dynamischen Erscheinung die Möglichkeit alphanumerische Zeichen zu codieren, die zu Websites führen, auf denen Ereignisse abgerufen werden können.

Der Code führt über seine bildnerische Anmutung hinaus zu Musik, zu Film, zu Rezitation etc. Damit ist er für meine Arbeit ideal als Ausdruckträger und Kommunikator geeignet. Durch seine besonderen Eigenschaften bietet der QR zudem die einmalige Chance, verschiedene Medien zu vernetzen, überall und in allen Formaten präsent zu sein und genutzt zu werden.

Hier sehe ich ganz neue Möglichkeiten für eine intermediale Kunst im öffentlichen Raum oder für HybridBücher oder oder oder… diese Innovationen stehen erst am Anfang und sind in der Lage, Kunst auf überraschende Weise neu in die Öffentlichkeit zu bringen und damit viele Menschen zu erreichen. Dahin gehen meine Experimente.

Wie sind Sie auf das Thema QR-Codes gekommen und dann auf die Idee, dies künstlerisch zu bearbeiten?

Mike Weisser: 

Wie sollte es anders sein ;-))) Im Verlauf einer ästhetischen Feldforschung in den Häfen in Hamburg und Bremen bin ich auf Container mit QR-Codes gestoßen. Da mich generell das Thema „Rauschen“ fasziniert, habe ich im Code die Möglichkeit erkannt, Chaos in Ordnung zu bringen. Vermeintlicher Un-Sinn wird zu Sinn. Erste Experimente haben mich fasziniert, aber sie stießen in der Nutzung an ihre technischen Grenzen. Erst mit der Weiterentwicklung des Smartphones ab 2010 konnte praktisch jedermann den QR nutzen. Der QR-Code wurde befreit von seiner wirtschaftlichen Funktion und frei für die Kunst…

Was fasziniert Sie an QR-Codes und an Hybrid-Kunst?

Mike Weisser: 

Mich reizt die Verbindung bis zur Verschmelzung von Chaos und Ordnung, von Ratio und Emotion und von verschiedenen Anmutungen. Das macht dieses Medium hochkomplex und damit spannend. Darin liegt die Faszination. Und aus dieser Faszination heraus entwickelt sich Neugier am Fremden – dann mache ich mich auf den Weg und beginne mit Experimenten. Meine ersten drei HybridBücher, die das analoge Buch über den QR mit dem digitalen Internet verbinden, brachten Erfahrungen. Danach war es folgerichtig, dass ich mich mit dem vierten Buch dem QR-Code (Quick Response) selbst, seinen Hintergründen und Visionen widme. Hier ging es mir um die „Beschreibung, Geschichte, Technik, Nutzung, Gefahren, Grenzen, Visionen und Ästhetik der schnellen im 21. Jahrhundert“ – wie der Untertitel lautet.

Weisser_QR_Alsion_14 © Mike Weisser: Projekt „Be inspired!“ auf dem Campus der Dänischen Universität Sønderborg, 2014

Worin besteht die besondere Herausforderung, QR-Codes künstlerisch zu gestalten?

Mike Weisser: 

Der QR-Code ist das digitale Metazeichen des 21. Jahrhunderts. Dieses Zeichen in Szene zu setzen fordert heraus. So eine Herausforderung nehme ich gerne an, um Grenzen zu überschreiten und neue Räume zu betreten. Der QR ist faktisch eine Reise an einen fremden Ort, den ich erkunde und erfasse, dessen Elemente ich klassifiziere und mit denen ich spielerisch umgehe, bis meine Gestaltung so weit geht, dass der QR-Code nicht mehr lesbar sondern nur noch rätselhaft-schöne Gestalt ist.

Gibt es neue Ideen, die Sie noch mit QR-Codes realisieren möchten?

Mike Weisser: 

Ja, es gibt einige Optionen, über die denke ich nach, und während ich nachdenke, komme ich auf das neue Stichwort „Denken“ als künstlerisches, kreatives, nicht-lineares, assoziatives Denken. Und so entstand der Titel für ein neues Buch, an dem ich gerade arbeite und über das wir zusammengekommen sind, weil ich Sie und Ihr Projekt „MassivKreativ“ befragt habe (Anmerkung: Das Buch erscheint 2016).

Mein neues Buch lebt von Fragen zum Denken, die ich an Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik stelle. Wie entsteht künstlerisches Denken, was kann es bewirken und wie lässt es sich in andere Wirkungskreise wie Wissenschaft, Wirtschaft und den Lebensalltag transferieren? Das bewegt mich im Moment ;-))))

Vielen Dank für das inspirierende Interview, Herr Weisser!

 

Inspirationstipps:

● Hinweis zu den Bildern: Alle QR-Codes sind optimal zu lesen mit der kostenfreien App: i-nigma (für iOS und Android)

● Buch: Michael Weisser Der|QR|Code – pdf

● Die|QR|Edition @ p.machinery – ein gemeinsames Projekt von p.machinery = Michael Haitel und Michael Weisser: www.dieQRedition.pmachinery.de

● Video zum Projekt QR-ScreenArt, 30 Gedichtrezitation als QR-Morphs, 2015

● Biografie und Werke: www.MikeWeisser.de

Künstlerische Intervention an Lieblingsplätzen in Rendsburg

© Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de

Das Nordkolleg Rendsburg hat sich bei seiner künstlerischen Intervention auf das Innenleben fokussiert: auf das Miteinander der Menschen in der Bildungs- und Tagungsstätte. Ich habe mit Akademieleiter und Geschäftsführer Guido Froese gesprochen. Er sieht die Kommunikation als Schlüsselfrage für sein Haus. Die fast 50 Mitarbeiter seiner Bildungsstätte sind in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig: in Küche, Garten, Seminaren und Verwaltung. Verschieden sind auch die Biografien und Altersgruppen: „Daraus ergeben sich Hürden, die sich mit einer künstlerischen Intervention überwinden lassen. Es ist spannend, das selber mitzumachen. Es ist die Chance für uns, so etwas auch einmal zu tun.“

Artist in Residence

Seit November 2014 ist der Künstler Peter Klint „Artist in Residence“ am Nordkolleg. Er hat sein Atelier von der Nordseeinsel Sylt für einige Monate in einen Seminarraum der Akademie verlegt. Schnell kennt ihn auf dem Gelände jeder. Wie Björn Högsdal beginnt auch Peter Klint seine Intervention mit Mitarbeiter-Interviews. Wer kennt wen? Wer kennt sich kaum oder gar nicht?
„Sag einfach Du“, unterbindet Klint sofort jeden förmlichen Gesprächsversuch. Und sorgt dafür, dass erste Kommunikationshürden fallen. Der Künstler ist überrascht: „Die Mitarbeiter erzählten mir Dinge, nach denen ich gar nicht gefragt hatte.“

Nordkolleg Rendsburg_Peter Klint  Nordkolleg Rendsburg_Guido Froese © MassivKreativ

Peter Klint bildet aus unterschiedlichen Abteilungen Zweierteams. Der Gärtner trifft auf die Bildungsreferentin, der Haustechniker auf die Projektassistentin, der Akademieleiter auf die Köchin, die Controllerin auf die FSJlerin, die Raumpflegerin auf den EDV-Spezialisten.

Geschichten erzählen

Mit einer Spielanleitung machen sich die Tandem-Teams auf den Weg. Sie sollen sich gegenseitig einen Lieblingsplatz in Rendsburg zeigen, sich dort vom Team-Partner fotografieren lassen und dazu eine Geschichte oder Begebenheit erzählen: Was verbinde ich mit diesem Ort? Was habe ich hier erlebt? Welche Geschichte steckt dahinter? Wie fühle ich mich hier? Nicht alle sind auf Anhieb begeistert: „Muss ich da wirklich mitmachen? Ich hab doch schon genug zu tun!“ Als die ersten Teams enthusiastisch von ihren Ausflügen zurückkehren und den anderen davon erzählen, ist das Eis gebrochen. Fast 50 Fotos und Geschichten bringen die Mitarbeiter ins Nordkolleg zurück und liefern sie in Klints Atelier ab.

„Und? Wie wars?“ fragt der Künstler die Heimkehrer mit friesischer Herzlichkeit. Küchenassistentin Michaela Evert und Gärtner Jochen Bock strahlen. Sie sind sich über die Lieblingsplätze näher gekommen und haben gleichzeitig herausgefunden, was ihnen im Leben wichtig ist. Bock musste nicht lange überlegen. Er lebt für seinen Garten, hegt und pflegt ihn mit Liebe und kreativem Engagement, sorgt mit vielen Ideen dafür, dass ständig etwas Neues hinzukommt, z. B. der 100-Sortenbaum und das Insektenhotel. Bei Außenveranstaltungen steigt er regelmäßig aufs Dach des Nordkollegs, um das große Ganze im Blick zu behalten. Das Foto zeigt ihn daher in luftiger Höhe.
Michaela Evert führt ihren Tandem-Partner zur Weißen Brücke am Stadtsee von Rendsburg. Hier hat sie allen Mut zusammengenommen und ihrem Freund einen Heiratsantrag gemacht: mit Erfolg! Als Zeichen ihrer großen Liebe befestigen beide am Brückengeländer ein herzförmiges Schloss mit Namensgravur. Evert lässt sich vor diesem Motiv fotografieren.

Vertrauensbeweis

Aus fast 50 quadratischen Fotos gestaltet Klint in seinem Atelier nun ein Plakat: ein Mosaik der Mitarbeiterschaft. Einheit in der Vielfalt! Die gemeinsam mit den Intermediären von Unternehmen! KulturWirtschaft entwickelte Idee ist am Nordkolleg aufgegangen: Ich zeige Dir etwas von mir, Du erzählst mir etwas von Dir. „Wenn man etwas von sich preisgibt, ist das ja auch ein großer Vertrauensbeweis“, resümiert Peter Klint. Guido Froese ergänzt: „Bei 50 Leuten drehen sich so viele Rädchen und manche hatten bisher keine Berührungspunkte. Gerade private Themen können dabei helfen, sich besser kennen zu lernen.“

Quellen und Inspirationstipps:

Nordkolleg Rendsburg, Akademie für kulturelle Bildung
Peter Klint, Künstler
• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg
Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Ausgabe 2-2015: Künstlerische Interventionen.
Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung