Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

725775_web_R_K_B_by_Christina Schmid_pixelio.de © Christina Schmid, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 10 – Medien für Geflüchtete

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

740411_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de © Wilhelmine Wulff, Pixelio

Medien I: „Refugee Guide“ der ARD

Die ARD bietet Geflüchteten als Wegweiser und erste Orientierungshilfe einen Refugee Guide, d. h. eine Sammlung von Texten, Audios und Filmen zum Ankommen in Deutschland, Spracherwerb, berufliche Orientierung und Alltagssituationen:

630464_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de © Juergen Jotzo, Pixelio

Medien II: Logo und Kiraka – Fernsehen und Radio für Kinder

Die Kindernachrichtensendung LOGO von KiKa und ZDF komplettiert ihre Meldungen mit englischen und arabischen Untertiteln für Flüchtlingskinder und erwachsene Migranten in Deutschland. Komplizierte Sachverhalte werden in einer leicht verständlichen und anschaulichen Sprache erklärt.

KiRaKa ist ein Angebot der Hörfunk-Kinderprogramme des WDR. Im Programm Flüchtlinge bei uns berichten Kinder über die Flüchtlingsthematik.

Medien III: „Lasst uns loslegen!“ – Fernsehen für syrische Flüchtlingskinder

„Yallah Nehna“ heißt: „Lasst uns loslegen!“ So begrüßt die Moderatorin ihre jungen Zuschauer. Die neue arabischsprachige Sendung möchte syrischen Flüchtlingskindern auf spielerische Weise die Welt der Wissenschaft und Technik näher zu bringen. Sie möchte den oftmals traumatisierten Kindern zugleich ein wenig Normalität bieten, auch in den Flüchtlingscamps außerhalb Syriens. Es sollen auch Fragen und Themen aus dem Flüchtlingsalltag thematisiert werden. Das Konzept für die Sendung hat das Team der Deutsche Welle-Akademie 2013 entwickelt und gemeinsam mit dem Sender Orient TV umgesetzt. Das Auswärtige Amt finanziert das Projekt mit rund 500.000 Euro.

678251_web_R_K_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)_pixelio.de © Initiative „Echte Soziale Marktwirtschaft“ IESM, Pixelio

Medien IV: Mobiles Angebot für Geflüchtete von ZDF und Telekom

Die Website für Flüchtlinge ZDFarabic bzw. ZDFenglish ist für Smartphones optimiert und soll deutsche Politik, Kultur und wichtige Themen für die Orientierung im Land vermitteln. Mit arabischen und englischen Untertiteln will das ZDF möglichst viele Flüchtlinge erreichen. Die Telekom, mit der das ZDF kooperiert, will bis Jahresende kostenloses WLAN an 60 Standorten zur Verfügung stellen. Das ZDF-Angebot wird Schritt für Schritt auf den Lokalseiten von Refugees Telekom verlinkt.

422888_web_R_K_B_by_Jerzy Sawluk_pixelio.de © Jerzy Sawluk, Pixelio

Medien V: Alltagssituationen für Geflüchtete aus der arabischen Welt

Der Nachrichtensender n-tv hat das arabische Videoangebot Marhaba – Ankommen in Deutschland gestartet – als erstes Programm in Deutschland, das sich in arabischer Sprache speziell an Flüchtlinge und Zuwanderer aus dem Nahen Osten richtet. Moderator Constantin Schreiber erklärt in der wöchentlichen Sendung auf Arabisch den Alltag in Deutschland und die Lebensgewohnheiten der Deutschen und gibt dazu praktische Orientierungshilfen und Informationen.

560166_web_R_K_B_by_twinmo_pixelio.de © twinmo, Pixelio

Medien VI: Artikel-Serie – Mein Einsatz für Flüchtlinge

Die Deutsche Welle hat Kulturschaffende in Deutschland zu Ihrem Engagement für Geflüchtete befragt: Schauspieler, Schriftsteller, Musiker, Künstler, Theaterleute, Designer berichten über ihre Aktivitäten, Meinungen und Gedanken.

297590_web_R_K_B_by_knipseline_pixelio.de © knipseline, Pixelio

Medien VII: Deutsch lernen – Erste Schritte

Die Deutsche Welle hat das kostenloses Angebot Erste Schritte zum Erlernen der deutschen Sprache ins Netz gestellt und bietet darüber hinaus auch langsam gesprochene Nachrichten.

172748_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien VIII: Hören und Lernen mit Musik

Der Ankommen und sich heimisch fühlen, geht leichter, wenn man die Sprache versteht. welcomegrooves ist ein ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt von 70 Kreativen aus Köln, das Deutschlektionen zum Hören bietet. Mit kurzen Audio-Lektionen können Geflüchtete erste Wörter, Sätze, Redewendungen und Fakten über die deutsche Kultur erlernen. Damit sich die Lektionen besser einprägen, enthält der kostenlose Einstiegskurs neben Sprache auch Musik. Zusätzlich zu den Audios hat die Initiatorin Eva Brandecker gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen die Sprachlektionen auch zweisprachig in schriftlicher Form erstellt – inzwischen in knapp 30 Sprachen. Audios (mp3) und Texte (pdf) können kostenlos heruntergeladen werden:

363441_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio© Tobias Zimmermann, Pixelio

Medien IX: Visuelle Orientierungshilfen für Flüchtlinge

Amelie Kim Weinert hat an der Hochschule Pforzheim Visuelle Kommunikation studiert. Weil sie auch in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, hat sie als Abschlussarbeit ein Set mit Infoblättern entwickelt, dass Flüchtlingen hilft, Deutsch zu lernen. Mein Deutschland ist eine visuelle Orientierungshilfe, mit der sich Asylbewerber auf einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs vorbereiten können. Sechs den sechs Kapiteln geht es zunächst um das gemeinsame Kennenlernen: Woher komme ich? Wie ist Deutschland? Was ist in unserer Kultur wichtig? Welche Sprache verwenden wir? usw. Anders als es mit herkömmlichen Lehrmitteln setzt die junge Kommunikationsdesignerin auf Bildern und Illustrationen. Sie will Wissen und Sprache spielerisch vermitteln im Austausch über die eigene Kultur. Ihre Mittel sind Würfel, Icons und Sticker, die die Lernenden an Gegenstände heften können.

315567_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Medien X: Überblick über ehrenamtliche Hilfsprojekte

Die Tagesschau der ARD hat einen deutschlandweite Liste erstellt – mit guten Ideen und hilfreichen Projekten für Geflüchtete:

293832_web_R_K_B_by_Stephanie  Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XI: Online-Sprachkurse und Sprachlernspiele

Das Goethe-Institut hat einen kostenlosen Online-Sprachkurs für verschiedene Sprachniveaus für Geflüchtete und Neubürger ins Netz gestellt. Mit einem spielerischen Konzept soll ferner das Deutschlernen erleichtert und ehrenamtliche Helfer bei der Spracharbeit unterstützt werdenn. Die „Sprachlernspiele. Deutsch für den Anfang“ lassen sich hier herunterladen: goethe.de/willkommen.

75317_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XII: Hinweise für den Alltag in Deutschland

Studenten und Doktoranden aus ganz Deutschland mit verschiedensten geographischen und kulturellen Hintergründen haben einen Alltagsführer in 15 verschiedenen Sprachen erstellt. Der Refugee-Online-Guide soll Besuchern, Geflüchteten und zukünftigen Bürgern in Deutschland als Orientierungshilfe dienen, vor allem in der ersten Zeit des Aufenthaltesm, in denen Geflüchtete noch nicht an staatlichen Integrations- und Deutschkursen teilnehmen können. Das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) bietet derzeit keine vergleichbare Orientierungshilfe an.

660764_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim reckmann, Pixelio

Medien XIII: Digitale Medien für Geflüchtete

Die Hamburg Media School bietet Geflüchteten – unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsstatus – ab April 2016 eine gebührenfreie Fortbildung im Bereich Digitale Medien an. Das sechsmonatige Weiterbildungsprogramm richtet sich an Geflüchtete, die in ihren Herkunftsländern einen Medienberuf gelernt, ein medienaffines Fach studiert oder mediale Berufserfahrung gemacht haben. Unterrichtssprache ist Deutsch. Dem modularen Kursprogramm an der HMS schließt sich ein Praktikum in einem Hamburger Medienunternehmen bzw. einer Filmproduktion an.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Kreative Aktionen für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

719492_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de© Wilhelmine Wulff, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 8 – Kreatives

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

629459_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives I: Integration, die durch den Magen geht

Das Berliner Projekt Über den Tellerrand kochen sorgt für interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe. Menschen verschiedener Kulturen lernen einander über ihre Küchenkultur kennen. Der Austausch wird beim gemeinsamen Kochen lebendig: Geflüchtete bereiten Gerichte aus ihrer Heimat zu. Die Teilnehmer müssen keine Zutaten mitbringen. Jeder zahlt am Ende einen Unkostenbeitrag, sodass der Einkauf refinanziert wird. Neben Kochevents bieten die weitere interkulturelle Aktivitäten, u. a. Kicken, Imkern, Tanzen, Quatschen, Tüfteln, Basteln, Gärtnern, Filmabende, Picknick, Ausflüge und Fahrradtouren. Jeder bringt sich, seine Fähigkeiten und Talente zum Nutzen aller ein. Die regelmäßigen Treffen schaffen soziale und freundschaftliche Netzwerke und legen den Grundstein für einen nachhaltigen Integrationsprozess. Inzwischen haben auch „Satelliten-Partner“ in anderen Städten das Projekt übernommen. z.B. die Künstler-Initiative und Cowork-Gemeinschaft ProjektRaum in Rostock.

Über den Tellerrand kochen_02_RostockÜber den Tellerrand kochen_01_Rostock © ProjektRaum, Rostock

337159_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives II: Fotografie, Kochen, Musik und Begegnung: DEIN NÄCHSTER

Begegnungen schaffen, Barrieren abbauen, zur Mithilfe anregen. Der Verein ART DES LEBENS organisiert Begegnungen und Gespräche mit Geflüchteten, mit „Deinem Nächsten“. Im Netzwerk sind Kreative, Künstler, Unternehmer und Medienleuten aktiv, die Kunst und Medien mit sozialem Engagement verbinden. Drei verschiedene Begegnungsabende führen Interessierte und Geflüchtete zusammen:

  • Ÿ 23. Januar 2016 ab 18 Uhr: Vernissage mit Flüchtlingsportraits, Musik & Buffet
  • Ÿ 20. Februar 2016 ab 18 Uhr: Begegnungsdinner mit gemeinsamen Kochen und Lebensgeschichten
  • Ÿ 22. März 2016 ab 19 Uhr: Info – und Themenabend mit Erfahrungsberichten und Hamburger Initiativen

Über eindrucksvolle Fotos und Geschichten soll eine persönliche Beziehung zu Geflüchteten ermöglicht werden. Viele Künstlern haben Bilder zur Verfügung gestellt, um das Foto- und Begegnungsprojekt zu realisieren, ganz nach dem Vereinsmotto: „MEHR bewegen- Kunst erleben.“ Die Fotografen Robin Jochem, Harald Geil, Tobias Hartl, Pierre Jarawan und Claudia Dewald stellen Fotos und Geschichten von Geflüchteten vor. Es geht um Unwissenheit und Angst, um Verfolgung und Unterdrückung, aber auch um Hilfsbereitschaft, Offenheit und Dankbarkeit. Die Ausstellung ist im Büro des Hamburgprojektes (Schulterblatt 73, 20357 Hamburg (Studio 2) ist vom 23.01.- 22.03.2016 kostenlos zugänglich: Die 14-17 Uhr, Mi und Do 10-17 Uhr, So von 18-21 Uhr.

527616_web_R_K_B_by_110stefan_pixelio.de © 110Stefan, Pixelio

Kreatives III: Interkulturelles Gärtnern

Der Trend zu Gemeinschaftsgärten wächst in Deutschland. Er ist ein Zeichen für das steigende Interesse an Natur, Umwelt, Teilhabe und am Austausch von Wissen. Gärten bieten eine hervorragende Chance, damit Geflüchtete und Deutsche ins Gespräch kommen, zusammen Hochbeete anlegen, säen, pflanzen und später auch gemeinsam ernten. Wenn sich jeder mit sichtbaren Ergebnissen einbringen kann, sorgt dies für eine enorme Motivation. Die Münchner Stiftungsgemeinschaft Anstiftung hat Informationen über konkrete Gartenprojekte und Anregungen gesammelt.

330359_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de  © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives IV: Musik, Kunst und Kulinaria

Das Café Zuflucht im niedersächsischen Dannenberg bietet Geflüchteten und Einheimischen Musik, Kunst, Tanz, Fotografie, internationale kulinarische Genüsse, Begegnungen und Gespräche.

590750_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de  © Juergen Jotzo, Pixelio

Kreatives V: Flüchtlingskonferenz

Die Akademie des interdisziplinären Kreativzentrums Unperfekthaus in Essen plant derzeit eine Flüchtlingskonferenz. Die Organisatoren sondieren Themen, Referentenvorschläge und Fragen, die die Tagung zu einem hochkarätigen Ereignis werden lassen. Die Konferenz soll dazu beitragen, Menschen zu vernetzen und mitzuhelfen, eine der derzeit wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft zu meistern. Es geht u. a. um diese Fragen:

  • Welche Organisationen verschaffen Flüchtlingen und gleichzeitig sich selbst Vorteile?
  • ŸHaben Privatpersonen schon Wege gefunden, um ihr eigenes Leben und gleichzeitig das der Flüchtlinge zu verbessern?
  • Wer kennt Geschäftsmodelle, die Einheimischen und(!) Flüchtlingen helfen?
  • ŸGibt es Wohnprojekte für Flüchtlinge, getrennt oder gemeinsam mit Einheimischen?
  • ŸHat der Einzelhandel schon Ideen, wie er die Flüchtlingssituation zum allseitigen Vorteil nutzt?
  • ŸGibt es Startups, die Geflüchtete unterstützen?
  • ŸWelche Ideen haben Kultureinrichtungen?
  • ŸGibt es Investoren, die konkret Geld für Flüchtlinge und deren Ideen bereitstellen?
  • ŸGibt es umgekehrt Flüchtlinge, die bei unüblichen Projekten Rendite in Aussicht stellen können, aber bisher keinen Investor finden?

Rundgang durch das UnperfektHaus und Filminterview mit Mitarbeiter Daniel R. Buchwald über die Aktivitäten, das Selbstverständnis und die Visionen der einzigartigen Kreativoase in Essen: www.massivkreativ.de/kreativquartiere/

496352_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives VI: Küche rollt zur Kultur

Eine mobile Container-Küche Refugeeskitchen, mit gebaut und mit betrieben von Geflüchteten und Neubürgern in Oberhausen, rollt seit Sommer 2015 durch verschiedene Revierstädte. Station machen die Gourmet-Experten vor allem dort, wo Kultur gespielt wird: bei Musikfestivals, an Filmschauplätzen und bei Kinderfesten. Das Motto: „Man isst, wo man ist!“ Das international besetzte Küchenteam möchte Kreative und Publikum von seiner Kochkunst überzeugen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die fliegende Küche wird mit einem 7 ½-Tonner LKW transportiert. Die Idee hatten Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark vom Oberhausener Verein Kitev – Kunst im Turm e.V., nachdem sie für die Kurzfilmtage 2010 ein Taschenkino auf einen LKW geladen hatten.

682496_web_R_K_B_by_Dirk Kruse_pixelio.de © Dirk Kruse, Pixelio

Kreatives VII: Flashmob mit Handarbeit für Geflüchtete

Brandenburger in Jüterborg haben bei einem Strick- und Häkelflashmob Decken für Flüchtlingskinder hergestellt. Die gefertigten Einzelteile wurden am Ende zusammengenäht. Das Motto der Aktion: Bunte Maschen für mehr Wärme.

400835_web_R_K_B_by_René Golembewski_pixelio.de © René Golembewski, Pixelio

Kreatives VIII: Studium im Tandem

Fachkräftemangel und fehlende Integration von Geflüchteten einerseits und Orientierungslosigkeit junger Studierender andererseits: Gründe genug für zwei junge Absolventinnen aus Frankfurt am Main, um nach einer Alternative zu suchen. Sie gründeten den Verein academic experience worldwide der mittlerweile in verschiedenen Städten aktiv ist. Die Idee: Studierende und fertig studierte Asylsuchende auf Augenhöhe zusammen zu bringen, damit sie voneinander lernen. Asylsuchende können ihre Erfahrungen an Jungstudenten weitergeben. Im Idealfall entwickeln sich aus diesen Kontakten Freundschaften, die die Integration sehr erleichtern. In „Offenen Sprechstunden“ und Coaching-Sessions steht der Verein den jungen Asylsuchenden mit Rat und Tat zur Seite, ebenso bei Sprachkorrekturen und bei bürokratischen Angelegenheiten.

531358_web_R_K_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.de © Katharina Wieland-Müller, Pixelio

Kreatives IX: Logistische Höchstleistung „Kleiderkammer“

Seit Monaten engagieren sich Ehrenamtliche deutschlandweit in Kleiderkammern, sammeln, transportieren und sortieren Kleidung bis zur Erschöpfung. In Hamburg helfen die Freiwilligen zunächst in der Messehalle B7, aktuell in einer neuen Lagerhalle auf dem OTTO Campus in Bramfeld und im Bunker Wedel. Eventuell wird ein erneuter Umzug nötig, da Annahme und Sortierung der Kleidung ein besonderes Umfeld braucht.  Doch mit kreativen Ideen und großer Eigenverantwortung meistern die Ehrenamtlichen jede logistische Herausforderungen und alle Umzüge. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Verein Hanseatic Help e.V.  Bei Vernetzung und Austausch hilft die Plattform zusammenschmeißen.

Wer helfen möchte, kann Termine über Doodle-Listen organisieren:

Bramfeld Lagerhalle
Bannwarthstraße 5 / Tor 2 / Gebäude 6 / Mo.-Fr. 10:00 – 20:00
http://doodle.com/poll/zeefk7c293ci6xex

Bunker Wedel
Pinnebergerstr.23-27 22880 Wedel / Di. + Sa.
Tel 040 – 812000
http://doodle.com/poll/hwzegnixki7msf2n

Kreatives X:   Markt der Möglichkeiten „Neue Nachbarn mittendrin“ II 
2015 hat das Theater Vorpommern in Greifswald den ersten „Markt der  Möglichkeiten“ mit viel Resonanz und Erfolg durchgeführt. Nun sollen ähnliche  Veranstaltungen auch an den Spielstätten in Stralsund und Putbus stattfinden.
Flüchtlinge sollen neue Nachbarn werden! Neben dem Spracherwerb ist das gegenseitige Kennenlernen und die Integration in die Stadtgesellschaft eine zentrale Aufgabe. Der „Markt der Möglichkeiten“ stellt Bürgern und Neubürgern konkrete Initiativen und Angebote vor, z. B. in den Bereichen Sprache,  Kultur und Sport. Akteure sollen sich vernetzen und neue Engagierte können jederzeit hinzukommen.
Nächster Termin: Theater Stralsund: MONTAG, 7. März von 14 Uhr- 18.30 Uhr, Eintritt ist frei

709014_web_R_K_B_by_Bernd Kasper_pixelio.de © Bernd Kasper, Pixelio

Sonderpreis des Bundesministeriums für Kultur und Medien für Projekte mit Geflüchteten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte drei Preise für Projekte kultureller Integration ausgelobt. Prämiert wurden am 21. Mai 2016 vom Bundesministerium für Kultur und Medien aus 150 Bewerbern und 10 Nominierten folgende drei herausragende künstlerische Projekte bzw. Netzwerke:

1. Die Dresdner Brass-Band „Banda Internationale“ setzte sich aus deutschen und geflüchteten Musikern verschiedener Länder zusammen. „Banda Internationale“ ging aus der Dresdner Kombo „Banda Comunale“ hervor, die seit vielen Jahren bei Anti-Nazi-Demos spielt und Willkommenskonzerte für Flüchtlinge gibt.

2. In der Münchner Initiative „Kino Asyl“ engagieren sich filmbegeisterte Flüchtlinge als Kuratoren eines Filmfestivals. Junge Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone präsentieren Filme über das „normale Leben“ in ihren Heimatländern.

3. Im Berliner Projekt „Multaka“ agieren Flüchtlinge als Museumsführer: Geflüchtete aus Syrien und dem Irak führen auf Arabisch durch verschiedene Museen der Berliner Museumsinsel, u. a. durch das Deutsche Historische Museum, in dem die Preisverleihung erstmals im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Kultur öffnet Welten“stattfand. Die drei Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

491912_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 7 – Web, Apps, Games

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

Flüchtlinge-Willkommen.de © Flüchtlinge Willkommen

Web I: Internet-Portal vermittelt WG-Zimmer für Asyl-Suchende

Flüchtlinge Willkommen – so heißt ein Webportal von Mareike Geiling, Jonas Kakoschke und Golde Ebding. Die drei Kreativen möchten Geflüchteten mit der Vermittlung von WG-Zimmern eine Alternative zu Massenunterkünften bieten: „Wir sind der Auffassung, dass geflüchtete Menschen durch Massenunterkünfte nicht stigmatisiert und ausgegrenzt werden sollten, sondern dass wir ihnen einen warmen Empfang bieten sollten. Wir sind der Meinung, dass wir gemeinsam eine andere Willkommenskultur in Deutschland etablieren sollten.“ Freie Zimmer können auf der Website angemeldet werden. Die drei Initiatoren stellen dann den Kontakt zwischen dem Vermieter und dem Geflüchteten her. Die Miete wird mit Hilfe von Spenden finanziert. Knapp 250 Geflüchtete fanden bisher mit Hilfe des Portals ein WG-Zimmer.

Workeer.de  © workeer, Foto: Alessandra Schelnegger

Web II: Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse

Die Plattform workeer soll dabei helfen, dass arbeitssuchende Geflüchtete und passende Arbeitgeber zueinander finden. Die Jobbörse entstand als Abschlussprojekt im Rahmen des Bacheler-Kommunikationsdesignstudiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die Studenten und Absolventen planen, das Portal dauerhaft weiterzuentwickeln. Die Betreiber schreiben auf der Website „5 gute Gründe, Flüchtlingen Jobs zu geben“:

  • Geflüchtete sind motivierte und engagierte Arbeitskräfte.
  • Eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt fördert auch die weitere erfolgreiche Integration von Menschen.
  • Geflüchtete haben oft eine besondere Lebensgeschichte und bereichern dadurch Unternehmen mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihren unterschiedlichen kulturellen Prägungen.
  • Geflüchteten wird es durch einen Arbeitsplatz ermöglicht, ein eigenständiges Leben zu führen ohne von Sozialleistungen abhängig zu sein. Das hat für sie positive psychische Effekte und entlastet außerdem das deutsche Sozialsystem.
  • Viele von ihnen verfügen über Ausbildungen oder Studienabschlüsse in Branchen, in denen es in Deutschland an Fachkräften mangelt.“

Willkomenkultur-Hamburg.de © Willkommenskultur Hamburg

Web III: Willkommensplattform

In Hamburg kommen aktuell täglich bis zu 260 Flüchtlinge an (1-2016). Die Hamburger Kultur will Geflüchtete mit Herz und Kompetenz willkommen heißen. Mit Hilfe der Plattform Willkommenskultur Hamburg können sich Akteure und Unterstützer vernetzen, die kulturelle Angebote für Geflüchtete planen und organisieren – mit Infos zu Aktionen, Terminen, Förderstrukturen u.v.m. Die Website ist ein gemeinsames Projekt von STADTKULTUR HAMBURG, Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, und der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur.

680484_web_R_K_B_by_Maik Schwertle_pixelio.de © Maik Schwertle, Pixelio

Web IV: Freies WLAN für Geflüchtete

Das Mobiltelefon ist für viele Geflüchtete oft die einzige Verbindung zu Angehörigen und Freunden in der Heimat. Umso wichtiger ist ein guter Internetzugang in den Unterkünften. Die Initiative Freifunk versorgt Geflüchtete in verschiedenen deutschen Städten per WLAN mit einem Internetzugang. Die Kosten werden meist aus Spenden finanziert. Die Freifunker installieren die WLAN-Infrastruktur und versorgen ganze Einrichtungen mit Netz. Die Mitglieder von Freifunk engagieren sich seit Jahren für offene Funknetze.

bei-uns-in-neuwulmstorf-fluechtlinge © Bei uns in Neu Wulmstorf

Web V: Internet-Portal mit Aktionen und Filmberichten über Flüchtlingsfragen

Videojournalist und Toningenieur Björn Kempcke hat ehrenamtlich Geflüchtete, deren Helfer und Politiker in Neu Wulmstorf bei Hamburg befragt – für das Regionalportal Bei uns in Neu Wulmstorf. Der Film entstand in Kooperation mit Portalgründerin Sylvia Karasch, dem Silberfuchs-Verlag und dem SEO-Berater Hannes Wirtz.

„Hauptdarsteller“ dieses Filmprojekts sind u. a. Majid Shuqer, der aus Syrien flüchtete und seit einem Jahr in Deutschland lebt, Dr. Constanze Hock-Warmuth, Leiterin des Mehrgenerationenhauses COURAGE in Neu Wulmstorf, die das Flüchtlingsnetzwerk Willkommen in Neu Wulmstorf mit ins Leben gerufen hat, sowie Thomas Grambow, 1. stellv. Bürgermeister der Gemeinde. Björn Kempcke, der auch als Schlagzeuger in verschiedenen Musikprojekten aktiv ist, organisiert aktuell ein großes Benefizkonzert, zu dem Geflüchtete und Einheimische eingeladen sind.

App Ankommen © Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Mobile I: App „Ankommen“ soll Geflüchteten helfen

Mit der umfangreichen App Ankommen sollen Geflüchtete Unterstützung beim Einleben in Deutschland erhalten. Der Wegbegleiter dient der schnellen Orientierung und ist auf die Lebensbedürfnisse der Geflüchteten während der ersten Wochen zugeschnitten: Was muss ich beim Asylverfahren beachten? Wie finde ich Arbeit? Wann muss mein Kind zur Schule? Für das Absolvieren des Sprachkurses und das Lesen der Informationstexte wird der Nutzer mit kleinen runden Plaketten (badges) belohnt. Das kostenfreie Angebot wurde für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vom Bayerischen Rundfunk und vom Goethe-Institut entwickelt, derzeit auf Arabisch, Farsi, Deutsch, Französisch und Englisch.

App helphelp2 © helphelp2

Mobile II: App für Spenden

Der Münchner Fotograf Rüdiger Trost hat die App helphelp2 initiiert, die Organisationen mit Menschen zusammen bringt und dabei unterstützt, genau mit den Spenden zu helfen, die gebraucht zu werden. Startet man die App, sieht man die Annahmestellen für Spenden in seiner Gegend und was dort aktuell gebraucht wird. Möchte man etwas Gutes tun, startet man während seines Einkaufs die App, kauft benötigte Produkte ein und bringt sie an den angezeigten Standort der Spendenannahme. Organisationen können tagesaktuell hinterlegen, welche Spenden gebraucht werden. Zusätzlich wird angezeigt, wo man welche Spenden zu welchen Uhrzeiten abgeben kann.

App_Iconery © Iconary

Mobile III: App als Bildwörterbuch

Wo Sprache (noch) fehlt, können Bilder Brücken bauen. Iconary ist eine einfache Sprach-App, mit der Geflüchtete die allerersten Basis-Vokabeln für den Alltag erlernen können. Als reines Bildwörterbuch basiert die App auf Zeichen bzw. Symbolen, die mit echten Audio-Sprachaufnahmen verknüpft sind. So können sich die Nutzer die einzelnen Begriffe „vorsprechen lassen“. Die erste Version bietet rund 300 Begriffe in 10 Kategorien, wie Zahlen, Farben, Transport, Lebensmittel, in fünf Sprachen: deutsch, englisch, spanisch, italienisch, französisch. iconary ist kostenlos, werbefrei und offline nutzbar sowie verfügbar für Android und iOS. Die App wurde in einem ehrenamtlichen Team in Bremen ohne Budget realisiert.

Piaget_Educarpet Lingo © PIAGET Institute

Games – analog: Wissen auf dem Lernteppich

Der Lernteppich EduCarpet Lingo bietet auf einer Fläche von 3 x 1 Meter viel Spielfreude. Er erleichtert Geflüchteten das Erlernen der deutschen Sprache, garantiert Lernen mit Geist und Geschicklichkeit und berücksichtigt sowohl sprachpädagogische Aspekte als auch Geschicklichkeitselemente. der Lernteppich wird in Gruppen unter Beteiligung einer Lehrkraft bespielt. Unterschiedliche Buchstaben, Wort- und Bildarten lassen auf dem EduCarpet immer neue Spiel- und Lernwelten entstehen. 15 Zielplatten aus weißem Plexiglas können beliebig beschriftet bzw. zum Aufkleben von Bildern und Symbolen genutzt werden. Wurfbälle aus Stoff motivieren zur Bewegung. Der EduCarpet wurde vom PIAGET Institute in Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Beruflichen Schule 5 Nürnberg und dem Verband SpieleGilde entwickelt.

Game_Cloud Chasers © Blindflugstudios

Games – digital: Exkurs Schweiz

Das engagierte Entwicklerstudio aus der Schweiz Blindflugstudios hat ein serious game entwickelt, das die Sorgen und Nöte von Geflüchteten nachvollziehbar und nachfühlbar macht. Beim Tablet-Spiel Cloud Chaser spielt der User die Flucht eines Vater mit seiner kleinen Tochter durch die Wüste nach. Mit den beiden Protagonisten Francisco und Amelia durchlebt man den gefahrvollen Weg und ihre ständige Angst vor dem Tod unmittelbar mit. „Cloud Chaser“ erzählt vom Traum zweier Menschen, in einem entfernten Land besser zu leben. Es sensiblisiert für die Situation von Menschen auf der Flucht.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

709747_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 6 – Architektur

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

Instant-Haus_TU Darmstadt_Prof-Ariel Auslender_Innenansicht © TU-Darmstadt, Projektleitung: Prof. Ariel Auslender

Instant-Haus_TU Darmstadt_Prof-Ariel Auslender_Entwurf Leila Chu_Foto_Sandra Junker © TU-Darmstadt, Entwurf: Leila Chu, Foto: Sandra Junker

Architektur I: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Die TU Darmstadt hat in einem ein faltbares Haus aus Wellpappe entwickelt, das Flüchtlinge temporär beherbergen soll. Das Projekt entstand in einem interdisziplinären Team der Fachbereiche Chemie, Architektur und Maschinenbau. Eine Beschichtung aus Wachs garantiert, dass das Instant Home wetterfest, zu 100% ökologisch und nach etwa 1jähriger Nutzung kompostierbar ist. Bett, Tisch und Regal im Inneren sind ebenfalls aus Wellpappe. Sie werden gleich mit eingefaltet und sorgen für zusätzliche Stabilität. Kosten pro Haus etwa 2.000 €. Die Suche nach Geldgebern für die Serienproduktion läuft. zum Filmbeitrag

More than Shelters_01_Antje Hinz More than Shelters_01_Domo_Antje Hinz © Fotos: Antje Hinz

Architektur II: Modulunterkünfte für mehr Menschenwürde

Der Künstler Daniel Kerber hat sich intensiv mit dem Thema Mensch und Raum beschäftigt. Er hat viele Länder bereist und vor allem in Flüchtlingslagern geforscht. Seine Erlebnisse und Erfahrungen mündeten in dem Wunsch, in den Camps menschenwürdigere Unterkünfte zu schaffen. Denn: Fast 60 Millionen Menschen leben heute in Flüchtlingslagern – durchschnittlich bis zu 12 Jahren. 2012 hat Kerber das Sozialunternehmen morethanshelters gegründet. In seinem interdisziplinärem Team aus Architekten, Designern, Ingenieuren, Sozialwissenschaftlern und Politologen ist querdenken ausdrücklich erwünscht. Sein Design- und Architekturbüro hat das langlebige, modulare Zeltsystem „Domo“ entwickelt. Es soll die Geflüchteten ermutigen soll, ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

Die Geflüchteten können die mobilen Unterkünfte an klimatische Bedingungen und kulturelle Gewohnheiten anpassen. „Domo“ ist multifunktionell: Großfamilien können z. B. die Ein- und Ausgänge mehrerer Zelte miteinander verbinden. Materialien können individuell an die Region angepasst werden: „Wenn es vor Ort geeignete Materialien gibt, nehmen wir natürlich diese.“ sagt Kerber. „Planen könnten durch Wellblechplatten ersetzt werden, wie sie in Slums oft zum Hüttenbau verwendet werden.“ Darüber hinaus hat Kerbers Team atmungsaktive Stoffe entwickelt, die auch Hitze erträglich machen. Bisher stehen die Unterkünfte in Flüchtlingscamps in Jordanien, Nepal, auf der griechischen Insel Lesbos. In einem Hamburger Flüchtlingscamp wird ein „Domo“ als offene Begegnungsstätte und Teestube genutzt. Der Name kommt übrigens aus dem Esperanto und heißt „Zuhause“.

472643_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de446977_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Architektur III: Willkommensarchitektur

Architekt Jörg Friedrich beklagt den provisorischen Charakter von Zeltstädten, Baracken und Turnhallen. Statt „Blechkistenarchitektur“ sollten Flüchtlingsunterkünfte heute als langfristige „Willkommensarchitektur“ konzipiert werden. Wo heute Geflüchtete leben, können morgen Studenten oder Menschen mit geringem Einkommen ein Zuhause finden. Zusammen mit seinen Studenten der Leibniz-Universität Hannover hat er sich über nachhaltige Alternativen Gedanken gemacht. Sein Vorschlag ist eine Mischnutzung in kleineren Quartieren, in Schrebergarten-Siedlungen und in aufgesetzten Modulen auf Parkhäusern. Friedrich hat ermittelt, dass z. B. in Hannover 40 % der zentrumnahen Parkhäuser nicht belegt sind und beste Voraussetzungen bieten: Sie sind angeschlossen an alle öffentlichen Verkehrsmittel, an Schulen, Universitäten und Einkaufsbereiche. Auch ein Blick in die Geschichte hilft, so Friedrich: Das schleswig-holsteinische Friedrichstadt entstand im 17. Jahrhundert völlig neu für Geflüchtete aus den Niederlanden. Heute leben in dem denkmalgeschützten Ort 20.000 Einwohner. Mehr über Wohnmodelle für Geflüchtete im Buch Refugees Welcome, erschienen im Jovis-Verlag.

648345_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Architektur IV: WIR – Wohnprojekt Bunte Mischung

Das Wohnprojekt in der Friedensallee 128 in Hamburg-Altona ist noch in der Konzeptionsphase. 15 %, also etwa jede 7. Wohnung soll an eine geflüchtete Familie vergeben werden. Der Plan: Alteingesessene und Neubürger, Männer, Frauen und Kinder, Junge und Alte, Menschen mit und ohne Behinderung wollen hier ihre Idee von einem sinnerfüllten Leben gemeinsamen in die Tat umsetzen – unabhängig von Berufs-, Lebens- und Herkunftswelten. Im Wohnprojekt WIR – Bunte Mischung sollen Kleingewerbe und Wohnungen nebeneinander entstehen und so Arbeitsplätze geschaffen werden, die den Menschen nach durchlittener Kriegs-, Hunger- und Fluchttraumatisierung ihre Würde zurückgeben: Wohnen und Arbeiten in Sicherheit und ohne Angst und Verfolgung.

225258_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Architektur V: Um- und Mischnutzung eines Berliner Hochhauskomplexes

Berlin – Alexanderplatz: Noch immer stehen hier alten Gebäude leer, seit 2008 z. B. das ehemalige Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße. Künstlervereinigungen, Stiftungen und Vereine haben jetzt ein innovatives Konzept für eine Mischnutzung vorgelegt: Etwa die Hälfte des Hochhauskomplexes soll zum Wohnort für etwa 1000 Geflüchtete werden, in einem Viertel des Hauses Arbeitsräume, Ateliers und Galerien für „Berliner und geflüchtete Kulturschaffende“ entstehen. Geflüchtete und Künstler können miteinander leben und arbeiten: Geplant sind Bildungs- und Integrationsprojekte für Geflüchtete sowie der Bau von Kultur- und Begegnungsstätten.

Berlins Atelierbeauftragter Florian Schmidt formuliert das Vorhaben so: „Es geht uns um bezahlbaren Wohnraum und eine ganz andere Integration und Aufnahme von Flüchtlingen. Wir brauchen nicht nur Marken und Kommerz in der Innenstadt.“ Zu den Konzeptplanern gehören die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser, das Zentrum für Kunst und Urbanistik, das Martinswerk Berlin e.V., die Stiftung Zukunft Berlin und die Belius-Stiftung.

Eine öffentliche Vernetzungs- und Informationsveranstaltung zur Entwicklung des Hauses der Statistik als Zentrum für Geflüchtete – Soziales – Kunst – Kreative findet statt – am Do, d. 28.1.2016, 10-13:30 Uhr
Ort: ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik), Siemensstraße 27, 10551 Berlin,  Anmeldung bis zum 26.1.2016.
Haus der Statistik © Initiative Haus der Statistik

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

457445_web_R_K_B_by_Rita Köhler_pixelio.de © Rita Köhler, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 5 – Kunst und Design

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

685528_web_R_K_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)_pixelio.de © Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft IESM, Pixelio

Kunst I: Aktionsraum für Flüchtlinge

Das Hamburger Künstlerkollektiv Baltic Raw initiierte 2015 auf Kampnagel in Hamburg einen Aktionsraum für Geflüchtete der Lampedusa-Gruppe. Amelie Deuflhard, der Intendantin des Kulturzentrums, ist es zu verdanken, dass eine temporäre Spielstätte des Kampnagel-Sommerfestivals für Geflüchtete winterfest gemacht wurde. Die Ecofavela Lampedusa-Nord ist ein hölzerner Nachbau des umkämpften Hamburger Kulturzentrums „Rote Flora“ im Schanzenviertel und erfüllte die ökologischen Standards eines Passivhauses. Einen Winter lang fungierte es als Unterkunft und Begegnungsraum. Die dort untergebrachten Flüchtlinge der Lampedusa-Gruppe lebten in Hamburg zunächst auf der Straße, bevor ein Teil von ihnen vorübergehend Unterschlupf in der St.-Pauli-Kirche fand. Die Ecofavela auf Kampnagel ermöglichte einen sozialen Dialog auf Augenhöhe zwischen Künstlern und Geflüchteten. Berndt Jasper von Baltic Raw: „Das Kunstprojekt ist eine Art soziales Labor, Aktionskunst mit dem Ziel, die Flüchtlinge zu integrieren.“

683532_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kunst II: Hotelalltag für Geflüchtete und Reisende

Ein ehemaliges Altenheim der Diakonie im Ausburger Domviertel bringt Geflüchtete, Reisende und Kreative zusammen. Das Grandhotel Cosmopolis ist ein Gesamtkunstwerk, entwickelt von Kreativen, hinter denen der gemeinnützige Verein »Grandhotel Cosmopolis e.V.« steht. Das Haus beherbergt 65 Asylbewerber in kleinen Wohnungen, bietet Reisenden und Gästen in 16 Hotelzimmern eine preiswerte Unterkunft und Künstlern Büroräume, interdisziplinäre Ateliers, eine Bühne für Veranstaltungen und offene Lernwerkstätten, die von allen genutzt werden können.

Im Fokus steht die Teilhabe für alle: Geflüchtete bringen sich und ihre Ideen in den Hotelalltag ein und können Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Reisende aus aller Welt befruchten das Haus mit ihren Erfahrungen. Es geht um Perspektivwechsel, um das Nachdenken über den Begriff des Reisens und um die Annäherung zwischen Menschen, ihren Schicksalen, Lebenswelten, Kulturen. Die Café-Bar ist ein interkultureller Treffpunkt, der Küchenbetrieb wird kosmopolitisch organisiert. Die Kreativen setzen Akzente für ein friedliches Zusammenleben in der modernen Stadtgesellschaft, frei nach Joseph Beuys: „Viel interessanter als ein Haufen Gleichgesinnter ist doch eine Gemeinschaft der Ungleichgesinnten.“

Das Grandhotel ist eine Fundgrube berührender Geschichten. Der Design-Professor Mike Loos hat daher gemeinsam mit Studenten der Hochschule Augsburg im Rahmen eines Workshops Comic-Reportagen über Flüchtlinge, Ehrenamtliche und Nachbarn des Cosmopolis erarbeitet. Die „Geschichten aus dem Grandhotel“ sind im Augsburger Wißner-Verlag zum Preis von 12,80 Euro erschienen.

Essen_Geschichten aus dem Kaugummiautomaten © Folkwang Universität der Künste, un-an-vertraut.de

Kunst III: Geschichten aus dem Automaten

Studierende der Folkwang Universität der Künste Essen setzen Kunst als Mittel ein, um nachbarschaftliches Miteinander anzuregen. Sie platzierten einen Kaugummiautomaten neben eine Unterkunft für Geflüchtete. Dreht man am Rad, spukt der Automat jedoch keinen Kaugummi aus, sondern eine Holzkugel mit einer Geschichte im Inneren, einer Geschichte aus der Heimat der Geflüchteten. Beim Lauschen der Geschichten kann sich die Bevölkerung den neuen Nachbarn behutsam nähern. Das Kunstprojekt bietet einen vorurteilsfreien Weg, sich auf seine Mitmenschen einzulassen. Mitinitiator Torben Körschkes berät auch gern mit Tipps, wie Interessierte Kontakt zu Flüchtlingen und Hilfsorganisationen aufbauen können.

629475_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kunst IV: Kreativprojekt mit Handwerk

In Molfsee bei Kiel bietet der Verein Create Future für soziale Start-up-Projekte und interkulturelle Bildung e.V. Geflüchteten Projekte zum kreativen Gestalten an. Sie können an Wochenenden an Workshops im Malen, Bildhauen und Schweißen teilnehmen. In einem speziellen Workshop können Geflüchtete gemeinsam mit der Kieler Bevölkerung umweltfreundliche Regale fertigen. Aus gebrauchtem Holz und alten Seilen stellen sie Hängeregale her, aus alten Segeln und Paletten Outdoormöbel. Mit den Verkaufserlösen werden Projekte für Geflüchtete in Kiel unterstützt und Kreativworkshops für neue Teilnehmer.

20150920_122745 © Antje Hinz, MassivKreativ

20150920_122805 © Antje Hinz, MassivKreativ

Kunst V: Ausstellung mit Designkonzepten für Geflüchtete

Designxport ist ein Aktionsraum für Design in Hamburg, der sich als Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft versteht und aktuelle Themen aufgreift. Im Frühjahr 2016 zeigt das Zentrum Konzepte für Geflüchtete von internationalen Designern: „Migration matters – Design Innovation matters for Refugees“.

„Designer können zwar die komplexen Probleme von Menschen auf der Flucht nicht lösen, jedoch viel zur Erleichterung ihrer Situation beitragen,“ – sagt Richard van der Laken, Grafikdesigner aus Amsterdam sowie Gründer und Direktor der internationalen Designkonferenz „What Design Can Do“.

Die Ausstellung bei „designxport“ präsentiert sieben Konzepte von Designern aus den Niederlanden, Italien, Großbritannien, Schweden und Japan.

  • Ein Multimediajournalist, ein Künstler und ein Fotograf aus Amsterdam dokumentieren mit dem Projekt Refugee Republic das Alltagsleben in dem syrischen Flüchtlingslager „Camp Domiz“. Ihr Mittel ist eine interaktiven Website mit Zeichnungen, Fotos und Texten.
  • Eine italienische Designerin hinterfragt die Bedeutung der Staatsbürgerschaft. Mit ihrem Projekt Unconditional Universal überträgt das Konzept des sharings auf ein weltweites Netzwerk zum Teilen des Passes. Es soll Menschen verschiedener Nationen ermöglichen, ihre Staatsbürgerrechte anderen nach Bedarf im Tausch zur Verfügung zu stellen.
  • Die schwierigen Bedingungen in Flüchtlingslagern dokumentiert das Projekt Better Shelter. Sieben schwedische Designern haben mit dem UNHCR Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und der IKEA-Stiftung ein Notunterkunftshaus geschaffen, das ohne Werkzeuge aus einem flachen Karton heraus aufgebaut werden kann. Es hat eine Lebensdauer von drei Jahren und wird vom UNHCR bereits weltweit eingesetzt. Elektrizität erhält das Haus über eine eingebaute Solarzelle.
  •  Weitere Projekte der Ausstellung thematisieren Überlebenstipps in Notsituationen, z. B. wärmende Schutzkleidung, Beschaffungsquellen für Ausweispapiere und nachhaltige Wasserversorgung in Flüchtlingscamps.

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 28. Januar 2016 um 19 Uhr bei designxport Hamburg (bis 12. März 2016). Migration Matters, Design Column #11 ist ein Projekt von Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (Niederlande), 2015.

Begleitend zur Ausstellung ist die Fotoserie „Auf der Flucht“ des Hamburger Designers Malte Metag zu sehen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit More Than Shelters. 2015 erreichten viele tausende Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Afrika die griechische Insel Lesbos, die nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste liegt. Wie viele Menschen dabei ertranken ist nicht genau zu beziffern. Die, die es geschafft haben, hoffen auf Asyl in Europa und eine Zukunft in Frieden.

Hinweis: Ausführlich berichte ich über More Than Shelters und weitere menschenwürdige Wohnprojekte und Wohnideen für Geflüchtete in Teil 6 der Blogreihe am Mo, d. 25.1.2016: Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Museum: Mit Kunst gegen den Hass

300964_web_R_K_B_by_Stefan Nießen_pixelio.de © Stefan Nießen, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 4 – Museum

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

487282_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Museum I: Geflüchtete als Museumsführer

„Multaka“ heißt im Arabischen „Treffpunkt“. Es steht als Motto über einem gemeinsamen Projekt der Berliner Museen. Geflüchtete aus Syrien und dem Irak werden zu Museumsführern ausgebildet und führen nun Landsleute in ihrer Muttersprache durch Berliner Ausstellungen, u. a. im Pergamonmuseum, Bode-Museum und im Deutschen Historischen Museum. Die Syrerin Christin Rita Albahri, die am Projekt teilnimmt, erklärt: „Ich möchte gerne, dass meine Landsleute von der deutschen Geschichte lernen.“

628598_web_R_K_B_by_paul pinkowski_pixelio.de © Paul Pinkowski, Pixelio

Den Geflüchteten wird echte aktive Teilhabe am kulturellen Leben ermöglicht. Sie können ihr Wissen einbringen und mit anderen austauschen. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erläutert das Vorhaben: „Die Geflüchteten führen durch die eigene und durch die fremde Geschichte. Wir sagen nicht, dass wir damit das ultimative Rezept für Integration erfunden haben, aber Geflüchtete erfahren Stärke durch Bildung und durch Anerkennung ihrer kulturellen Identität, die uns viel bedeutet.“

Museum II: Kostenlose Teilhabe

Viele Berliner Museen und Gedenkstätten gewähren Geflüchteten und ihren Betreuern kostenlosen Eintritt und haben spezielle Führungs- und Veranstaltungsangebote für sie entwickelt.

Auch in anderen deutschen Städten bieten Museen den Geflüchteten kostenlosen Eintritt, z.B. die Museen des Landschaftsverbandes Rheinland und in Frankfurt am Main. Die Hamburger Kunsthalle lädt Flüchtlinge zu speziellen „Welcome-Führungen“ in englischer Sprache ein.

561428_web_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de © Petra Bork, Pixelio

Museum III: Themenausstellungen und Digitales

Das Jüdische Museum Frankfurt möchte sich zukünftig gezielt an Zuwanderer aus muslimischen Ländern richten. Im Fokus sollen dabei die Gemeinsamkeiten der großen Religionen stehen. Mirjam Wenzel, die neue Leiterin des Museums, kündigte an: „Geplant ist eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Märtyrertums.“ Außerdem soll ein «Digitales Museum» entstehen, das Ausstellungsobjekte im Internet erlebbar machen soll. Auch andere Museen in Deutschland arbeiten unter Hochdruck daran, ihre Objekte ins Internet zu stellen. So können sich auch Geflüchtete über islamische Kunst informieren, bevor sie später die Ausstellungen besuchen.

347235_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Museum IV: Mit Kunst gegen den Hass

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat 2015 eine neu gestaltete Islam-Abteilung eröffnet und die Präsentationsfläche verdoppelt. Sie richtet sich sowohl an Geflüchtete als auch an einheimische Besucher. Historische und aktuelle Werke von Künstlern. u. a. aus dem Libanon und dem Iran, führen vor Augen, dass die Kunst im Islam zwar eine religiöse Prägung hat, aber lange Zeit sehr tolerant war. Sie entspricht damit nicht dem in den aktuellen Medien vorherrschenden Bild einer zerstörerischen und von Verboten dominierten Religion, die vom mörderischen Treiben der Islamisten diktiert wird. Museumsdirektorin Sabine Schulze ist überzeugt: „Stilgeschichte kann Aufklärungsarbeit leisten über gegenseitige Anerkennung und Respekt, über gemeinsame kulturelle Wurzeln.“ Es käme darauf an, die richtigen Fragen zu den gezeigten Objekten zu stellen. Das MKG möchte zeigen, dass der Islam nicht schon seinem Wesen nach intolerant ist, sondern eine Kultur hervorgebracht hat, die viele Jahrhunderte lang auf Austausch, Partizipation, Wissenstransfer und Verständigung angelegt war.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

Musik: Bridges – Musik verbindet

334720_web_R_K_B_by_A.Rausch_pixelio.de © A. Rausch, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 3 – Musik

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA © Gerhard Helminger, Pixelio

Musik I: Bridges – Musik verbindet

Julia Huk und Isabella Kohls haben in Frankfurt am Main das multikulturelles Orchester Bridges – Musik verbindet ins Leben gerufen – mit geflüchteten Musikern aus aller Welt. Die Stücke werden neu komponiert und auf die Musiker bzw. deren Instrumente abgestimmt. Die Komponisten schauen bei der ersten Probe nach den vorhandenen Instrumentalisten und schreiben die passende Musik für die jeweilige Besetzung. Klänge von klassischen Instrumenten wie Klavier, Geige und Klarinette treffen auf Rhythmen orientalischer Trommeln und Zupfinstrumente, wie die sechssaitige Krar aus Eritrea. Initiatorin Julia Huk spielt selbst Klarinette und sagt: „Die Idee hinter dem Projekt ist, dass wir nicht was für Flüchtlinge, sondern mit ihnen etwas machen wollen. Wir wollen sie kennenlernen, wir wollen zusammen mit ihnen Musik machen.“ – Und darüber Brücken bauen. Das nächste Konzert findet am 19.3.2016 im hr-Sendesaal statt.

703929_web_R_K_B_by_Birgitt Stüve_pixelio.de © Birgitt Stüve, Pixelio

Musik II: Orientalisch-westliche Völkerverständigung

Orientalische und die westliche Kultur traffen im September 2015 aufeinander, als das „Syrische Exil-Orchester“ ein Konzert in Bremen gab. Offiziell nennt es sich Syrian Expat Philharmonic Orchestra – kurz SEPO. Gegründet hat es Raed Jazbeh, ein junger syrischer Kontrabassist, der 2013 aus Damaskus flüchtete. Heute lebt er in Bremen und hat von dort aus Kontakt zu syrischen Orchestermusikern in anderen deutschen Städten und europäischen Ländern aufgenommen. Martin Lentz, der sonst das Jugend-Symphonie-Orchester Bremen leitet, unterstützt das Exil-Orchester als Dirigent und mit jungen Musikern aus seinem eigenen Orchester. Lentz sorgte auch für die Programmauswahl, eine Mischung aus orientalischen und westlichen Werken. Die Botschaft für das Publikum beschreibt Raed Jazbeh so: „Der Krieg wird uns nicht stoppen. Wir werden immer Musik machen – egal, wo wir sind.“

251363_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Musik III: Singen mit Geflüchteten

Einmal in der Woche am Donnerstag treffen sich in Köln-Ehrenfeld (Helmholtzplatz 11) von 17-18.30 Uhr Geflüchtete, AnwohnerInnen und Interessierte. Jeder ist willkommen, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Jeder lernt seine Stimme und neue Menschen kennen. Initiiert und geleitet wird der Kölner WillkommensChor von den Musikstudenten Nicole Lena de Terry und Joachim Geibel.

562379_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de © Jürgen Jotzo, Pixelio

Musik IV: bandboxx – Hamburgs erste mobile Musikschule für Flüchtlingskinder

Zwei Tage pro Woche probt der Musikdozent Thomas Himmel mit Flüchtlingskindern in einer mobilen Musikschule, einem grau-rot-gestreiften Maxi-Container von 4×8 Metern Länge. Er steht in einem Erstaufnahmelager für Geflüchtete in Hamburg und soll den jungen Neubürgern die Eingewöhnung in Deutschland erleichtern. Die musikalische Arbeit wirkt sich positiv auf Gruppenfähigkeit, Sprachentwicklung und Integration aus. Mit Unterstützung von Stiftungen und Sponsoren kann das Konservatorium der Stadt die bandboxx regelmäßig betreiben, die auch als Tonstudio dient. Es ist mit digitaler Aufnahmetechnik, einem 16-Kanal-Mischpult und verschiedenen Musikinstrumenten ausgetstattet, mit E-Gitarre und E-Bass, mit Schlagzeug, Keyboard und Gesangsanlage. Für vier Wochen können Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Thomas Himmel eigene Songs komponieren, proben und aufnehmen. Am Ende erhält jeder als Ergebnis und Lohn eine eigene CD.

Markus Menke, Direktor des Hamburger Konservatoriums, schwärmt: „Mit dem Bandprojekt bandboxx stärken die jungen Geflüchteten durch Musik ihr Selbstwertgefühl. Sie finden kreative Ablenkung und Beschäftigung, fördern ihre Fähigkeiten zur Empathie und Konfliktlösung. Es hilft auch gegen die Langeweile.“

484942_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Musik V: Musik und Gespräche

An jedem 2. Donnerstag im Monat um 20 Uhr laden engagierte Hamburger um den Kulturmanagement-Studenten und Musiker Arne Theophil sowie Social Entrepreneur Steph Klinkenborg musikinteressierte Geflüchtete aus den Unterkünften der Barmbeker Nachbarschaft und aus ganz Hamburg ein. Auf Anregung ihrer Initiative Welcome Music Session ist es gelungen,  dass Hamburger gemeinsam mit Geflüchteten im Kulturzentrum „Zinnschmelze“ Musik machen,  einander zuhören, sich kennen lernen und den Abend genießen. Musikinstrumente können mitgebracht werden. Geplant sind außerdem mobile Musikworkshops für jugendliche Geflüchtete. Die Akteure arbeiten in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater und der Initiative Welcome to Hamburg Barmbek.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

Theater: Neue Heimat auf der Bühne

612400_web_R_K_B_by_olga meier-sander_pixelio.de © Olga Meier-Sander, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 2 – Theater

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

70531_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © S. Hofschlaeger, Pixelio

Theater I: Neue Heimat auf der Bühne – Hajusom

1999 haben die beiden Theaterpädagoginnen und Regisseurinnen Ella Huck und Dorothea Reinicke die Theatergruppe Hajusom in Hamburg gegründet. Sie bietet unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten in neue große „Familie“. Der Name Hajusom setzt sich aus den Silben von drei jungen Geflüchteten zusammen, die das Projekt mit initiiert haben: HAtice aus Kurdistan, JUSef aus Afghanistan und OMid aus dem Iran. Die Formate und Stücke werden von den Jugendlichen selbst entwickelt und erzählen von persönlichen Erlebnissen, Traumata während und vor der Flucht, kombiniert mit Musik, Gesang und Tanz. „Wir haben kein pädagogisches Konzept, sondern behandeln die Jugendlichen als junge Künstler“, sagt die Leiterin Dorothea Reinicke. Bei Tourneen muss das Ensemble viele Herausforderungen meistern – durch die oft nur befristete Aufenthaltserlaubnis oder Duldung oder durch laufende Asylverfahren mit Residenzpflicht in Hamburg. Kunst und Leben fließen zusammen: Neben der Probenarbeit finden die jungen Geflüchteten auch beim gemeinsamen Kochen und Reden zueinander. Probleme werden mit allen diskutiert. Co-Regisseurin Katalina Götz: „Wir haben keine Leitkultur, wir nehmen das Beste von allem und wollen, dass die Kanten zwischen den einzelnen Kulturen weniger scharf sind.“

680426_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Theater II: Vertreibungsgeschichten Mozart-Opern

Anfang 2014 gibt die Stiftung Heimat aus Syrien geflüchteten Muslimen in einem ehemaligen Franziskanerkloster in Oggelbeuren bei Biberach ein neues Zuhause. Einheimische und Künstler in der oberschwäbischen Gemeinde bewegte nur eine Frage: Wie lassen sich Sprachlosigkeit und kulturelle Barrieren überwinden? Der Verein Zuflucht Kultur e.V. plant eine Begegnung auf der Opernbühne mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Nach dem Erstprojekt „Cosi fan tutte“ wirken die Geflüchteten nun in „Zaide. Eine Flucht“ mit und planen bereits die nächste Aufführung der Oper „Idomeneo“. Gastspiele fanden und finden in zahlreichen deutschen Städten und auch im Ausland statt, zu politischen Anlässen, u. a. bei der UNO und im Deutschen Bundestag, bei Kongressen, in Museen und im Fernsehen, beim Deutschen Kirchentag und bei Anti-Pegida-Demonstrationen.

Jede/r Geflüchtete bringt sich nach Talent und Neigung in die Inszenierungen ein – vom Bühnenbildbau über Stimm- und Körperarbeit bis zur Konzeption von Texten und der Einbindung traditionell syrischer Lieder. Das von Mozart unvollendete Libretto zur Oper „Zaide“ wurde in enger Zusammenarbeit mit geflohenen Künstlern aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Nigeria neu geschrieben. Es geht dabei um die Flucht aus dem eigenen Land und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Konsequenzen. Rollen und Perspektiven werden vertauscht: Plötzlich werden Deutsche zu Bittstellern in einem arabischen Land. Der andere Blickwinkel verhilft zu mehr Empathie: Begegnen wir in Deutschland den Geflüchteten so, wie wir es uns selbst in einem anderen Land wünschen würden?

Der Verein Zuflucht Kultur e.V. entstand unter dem Dach der Stuttgarter Symphoniker, will Mut für ein interkulturelles Miteinander machen. Im „Ensemble Zuflucht“, spielen professionelle Musikern der Münchner Philharmoniker, des Bayerischen Staatsorchesters, der Augsburger Philharmoniker, des Theaters Ulm und der Staatsoper Stuttgart. „Oper ist eine zeitlose Gattung“, sagen die Initiatoren, „die aktueller reagieren kann als manch modernes Medium. Sie schafft Begegnung auf dem Boden der Kunst.“

644155_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Theater III: Bürgergipfel über „Das neue Wir“

Das jährlich im Hamburger Thalia Theater stattfindende internationale Festival Lessingtage nimmt gesellschaftlich relevante Themen in den Fokus. 2016 geht es um den gesellschaftlichen Wandel durch Flüchtlinge. Asylsuchende, Hamburger Bürger und Experten diskutieren im Thalia Theater bei einem Gipfel über „Das neue Wir“. Joachim Lux, Intendant des Thalia Theaters, betont: „Theater kann nicht alle Fragen beantworten, aber es kann sie zumindest stellen und aus möglichst vielen Perspektiven auf das Thema Flucht und Menschlichkeit  blicken.“ Das Thalia Theater hat bereits im letzten Jahr in seiner kleineren Spielstätte in der Gaußstraße ein Flüchtlingscafé eingerichtet. In Elfride Jelinineks Stück „Die „Schutzbefohlenen“ arbeiteten Geflüchtete der Lampedusa-Gruppe auch als Darsteller auf der Bühne.

Auch das Schauspielhaus in Hamburg kooperiert mit Geflüchteten auf der Bühne, z. B. in Karin Beiers Schiff der Träume und richtete zeitweise eine Notunterkunft für Geflüchtete im Foyer des Malersaals ein.

640809_web_R_K_B_by_Didi01_pixelio.de © Didi01, Pixelio

Theater IV: Begegnungen an ungewöhnlichem Ort

Regisseur Olek Witt leitet das Theater der Migranten. Für das Projekt «Herz der Finsternis» hat er Geflüchtete und Schauspieler mit Zuschauern zusammengebracht, allerdings nicht im Theater, sondern bei einer nächtlichen Expedition auf Berliner Gewässern. Geflüchtete und Schauspieler wechseln die Rollen, Grenzen und Räume verschieben sich, Identitäten geraten in Zweifel.

693866_web_R_K_B_by_Th. Reinhardt_pixelio.de © Th. Reinhardt, Pixelio

Theater V: Gemeinsames Lachen und Weinen

Die Berliner Schaubühne brachte mit Flüchtlingen die Inszenierung «Letters Home» auf die Bühne. Die selbstverwaltete Flüchtlingstheatergruppe Refugee Club Impulse zeigte dabei die Erfahrungen von Flüchtlingen in Berlin. Die Gruppe trifft sich mittwochs ab 19 Uhr im JugendtheaterBüro Berlin der Initiative-Grenzen-Los! e.V. in Berlin-Moabit. Mit Theater, Tanz, gemeinsamem Essen, miteinander reden auf Augenhöhe, mit viel Austausch, Lachen und Weinen sollen neue Kräfte entstehen.

702437_web_R_K_B_by_Jörg Brinckheger_pixelio.de © Jörg Brinckheger, Pixelio

Theater VI: Kunst und Obdach im Theater

Amelie Deuflard, der Intendantin von Kampnagel in Hamburg ist es zu verdanken, dass eine temporäre Spielstätte des Kampnagel-Sommerfestivals für Geflüchtete winterfest gemacht wurde. Das Hamburger Künstlerkollektiv Baltic Raw initiierte dort 2015 einen Aktionsraum für Geflüchtete der Lampedusa-Gruppe. Die Ecofavela Lampedusa-Nord ist ein hölzerner Nachbau des umkämpften Hamburger Kulturzentrums „Rote Flora“ im Schanzenviertel und erfüllte die ökologischen Standards eines Passivhauses. Einen Winter lang fungierte die Ecofavela als Unterkunft und Begegnungsraum. Die dort untergebrachten Flüchtlinge der Lampedusa-Gruppe lebten in Hamburg zunächst auf der Straße, bevor ein Teil von ihnen vorübergehend Unterschlupf in der St.-Pauli-Kirche fand. Die Ecofavela auf Kampnagel ermöglichte einen sozialen Dialog auf Augenhöhe zwischen Künstlern und Geflüchteten. Berndt Jasper von Baltic Raw: „Das Projekt ist eine Art soziales Labor, Aktionskunst mit dem Ziel, die Flüchtlinge zu integrieren.“

Theater VII: Ort der Begegnung

Das Theater Vorpommern, die Landeszentrale für politische  Bildung MV und die Bundeszentrale für  politische Bildung bieten ab März 2016 für drei Monate Projekte für alte und neue Nachbarn, für Schüler, für Familien und Erwachsene an:
a)   Neue Nachbarn in Gemeinschaftsunterkünften und alte Nachbarn aus dem deutschen Umfeld können  einen Erlebnistag am Theater Vorpommern unternehmen, um sich im Laufe eines Ausflugs in einem Bus mit 50 Personen näher kennen zu lernen. Das Theater bietet ein gemeinsames Essen, eine Führung hinter die Kulissen des Theaters und einen Aufführungsbesuch. Die Angbeote sind sprachlich niedrigschwellig (z.B. Musical, Ballett, Oper o.ä.). Deutsche Gäste zahlen 6,- € p.P., Neubürger zahlen keine Gebühr. Anfragen an: h.heuer@theater-vorpommern.de (Hans-Dieter Heuer).
b)   Familien und Einzelpersonen können gemeinsam mit ihren neuen Nachbarn imRahmen des Kulturpaten-Projekt eine Vorstellung am Theater besuchen. Die Kartenpreise reduzieren sich auf 6,- €, Flüchtlinge erhalten Freikarten. Eine Voranmeldung ist unbedingt notwendig unter: h.heuer@theater-vorpommern.de (Hans-Dieter Heuer)

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

Hilfe für Geflüchtete: Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

742236_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, Pixelio

Etwa eine Million Menschen flüchteten im Jahr 2015 nach Deutschland, um Krieg, Gewalt, Verfolgung oder Hunger hinter sich zu lassen. Damit sich die Geflüchteten in der neuen Heimat zurechtfinden, tüfteln deutschlandweit unzählige Künstler und Kreative an innovativen Ideen und hilfreichen Begegnungsprojekten. Die Kreativbranche ist wie so oft Impulsgeber bei der Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen. Einige Projekte stelle ich in einer 10teiligen Serie vor (siehe unten).

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 1 – Prolog

In welcher Welt wollen wir leben? Integration gelingt am besten durch direkte Begegnung. Die geflüchteten Neubürger brauchen Kontakt zu Einheimischen, um mit der Sprache und der Kultur in der neuen Heimat in Berührung kommen. Das haben Kreative rasch erkannt und gehandelt – mit viel Eigeninitiative und meist wenig Geld. Mit bemerkenswerten Projekten, sehr nützlichen und originellen Ideen engagieren sich Kreative für den erfolgreichen Neustart der Geflüchteten.

Erfindergeist und Kreativität helfen dabei, Grenzen zu überschreiten, Horizonte zu erweitern, Wissen auf neue und andere Bereiche zu übertragen, mit Menschen über ihre Bedürfnisse zu sprechen und so zu neuen Ideen zu gelangen. Frank Berzbach, Psychologe und Autor schreibt in seinem Buch Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen: „Kreative haben die Unzufriedenheit mit dem real Existierenden in ihr Leben eingebaut: Wem die bisherigen Lösungen nicht ausreichen, … wird schöpferisch tätig … Kreativität wird zur Lebensform, wenn wir nicht aufhören darüber nachzudenken, … wie wir die Welt besser hinterlassen.“

596184_web_R_K_B_by_twinlili_pixelio.de © twinlili, Pixelio

Egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers und in multikulturellen Küchen, bei App-, Game- oder Websiten-Programmierern, bei Flashmobs und Tanzperformances: Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativbranche ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit nicht nur den Geflüchteten hilft, sondern uns allen!

Wir alle können und sollten unser Potential stärker für gesellschaftlich relevante Dinge nutzen. Der Designer Florian Pfeffer hat ein bemerkenswertes Buch geschrieben – mit 100 sehr weisen Ideen für strukturelles Design: To do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt. Er hat darin einen sehr wichtigen Satz gesagt: „Die Einbeziehung von Nutzern in die Gestaltung durch partizipatives Design kann den sozialen Ausgleich in einer Gesellschaft befördern. So können wir uns mit den Folgen unseres Handelns verbinden statt uns von ihnen abzukapseln.

Sam Pitroda, Telekommunikationsingenieur, Erfinder, Unternehmer und Vorsitzender des National Innovation Council India (Nationaler Innovationsrat Indien) hat es ähnlich aus anderem Blickwinkel formuliert: Die besten Köpfe der Welt arbeiten dort, wo sie keiner braucht – an den Problemen der Reichen. Der große Wandel (in Indien) besteht darin, diese Köpfe dort zu platzieren, wo sie an den Problemen der Armen arbeiten.“

Wie soll unsere Zukunft aussehen? Chandran Nair, der 2005 in Hongkong das Global Institute For Tomorrow gründete, einen Thinktank, der ökonomisches Denken mit sozialem Engagement verbindet, hat darauf geantwortet: „Wir brauchen einen neuen Wissenskanon, in dem es um Gemeinwohl geht … Weniger Autorennen und mehr Tanzwettbewerbe!“

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Kreative und Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere hilfreicheProjekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Jede/r von uns kann und sollte Geflüchteten in einem Bereich helfen, der ihr/m liegt und ihr/m Spaß macht. So lassen sich eigene Glücksmomente mit anderen teilen. Ich spiele leidenschaftlich gerne Tischtennis und habe in meinem Sportclub, dem USC Paloma Hamburg, gemeinsam mit anderen Spielern ein regelmäßiges Tischtennistraining für Gefüchtete ins Leben gerufen – unter dem Dach der Hamburger Initiative Welcome-to-Barmbek.

Sympathische Videobotschaften für Social Media

© Björn Kempcke, BusinessMedien

Klassische Imagefilme sind aufwendig und kosten viel Geld. Doch es geht auch anders. Ich berichte über ein innovatives Filmprojekt, das dank kreativer Ideen auch für kleine Firmen finanzierbar wurde.

Vor 5 Jahren gründete die Journalistin Sylvia Karasch das Portal „Bei-Uns-In-Neuwulmstorf.de“, um Bürgern in der gleichnamigen Gemeinde in Niedersachsen eine Stimme zu geben: ein Serviceportal, das über Ereignisse im Ort informiert und auf dem Geschäftsleute und Unternehmen für ihre Produkte und Dienstleistungen werben können – mit Texten, Fotos und neuerdings auch mit kurzen Webfilmen und einer App.

Innovative Konzeptidee

Die Mischung aus Information und Reklame kommt bei den rund 23.000 Bürgern gut an. Das Portal verzeichnet bis zu 300 Seitenaufrufe pro Tag – mit steigender Tendenz, seit Karasch zusätzlich den Videojournalisten Björn Kempcke und den App- und Website-Experten Hannes Wirtz hinzugeholt hat. Karasch erklärt: „Zusammen haben wir die Idee entwickelt, engagierte Bürger in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort kommen zu lassen bzw. die von ihnen geleiteten Firmen oder Institutionen zu portraitieren – zu einem Preis unter 1.000 €.“

© Hannes Wirtz: Videojournalist Björn Kempcke

Neben dem Preis hat die Auftraggeber vor allem das Konzept überzeugt. Im Film kommen Geschäftsleute und Bürger in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort und portraitierten die von ihnen geleitete Firma oder Institution selbst. Björn Kempcke traf pro Tag bis zu drei Protagonisten in ihrer gewohnten Umgebung und befragte sie in kurzen Interviews über ihren Werdegang, ihren Berufsalltag, über Mitarbeiter, Kunden und Partner, über das, was sie täglich antreibt.
Die so entstandenen elf Kurzfilme wurden mit kleinen Zwischenmoderationen bei einem Spaziergang durch den Ort mit Thomas Grambow, dem 1. stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde, zu einem gemeinsamen Film verbunden. Über ein Kapitelmenü lassen sich die Portraits einzeln anwählen. Wer mag, kann sich den gesamten Film wie eine informative Stadtführung durch Neu Wulmstorf anschauen. Man lernt dabei Geschäftsführer, Handwerker, Ärzte, Apotheker, Markt- und Pflegeleiterinnen kennen, ebenso das ehrenamtliche Team des Sozialkaufhauses, den Shantychor, und man erfährt vom Vizebürgermeister auch etwas über die Geschichte des Ortes. Eingeleitet wird der Film mit einem kleinen Grußwort von Sylvia Karasch.

Still Hartmann Elektrotechnik_GF_Willi NeumannFoto Dennys Bull Physio © Björn Kempcke, BusinessMedien

Akteure im Neu Wulmstorf-Film: Hartmann-Elektrotechnik, Geschäftsführer Willi-Neumann (li) sowie Dennys Bull und sein Physiopraxis-Team (re)

Gemeinsam werben

Die Mischung aus Information und Reklame kommt gut an. Dank der gemeinsamen Werbung aller Akteure wurde der Webfilm innerhalb von 2 Monaten über 1700 mal angeklickt. Über das Portal und über youtube kann der Film auch auf den Websites der portraitierten Firmen und Institutionen eingebettet sowie auf Facebook geteilt werden. Björn Kempcke erklärt: „Ich finde es wichtig und zugleich charmant, die Kräfte auf diese Weise zu bündeln. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der erwünschte Werbeeffekt leichter erzielt werden.“

Sahnehäubchen

Hannes Wirtz hat für die Aktion als Sahnehäubchen ein mediales Zusatzangebot entwickelt. Er ist Mitbegründer der Audio-Plattform, -Community und -App „audioguideMe“. Sie bietet auf dem Smartphone tausende kleine Geschichten und wird an den Orten ihrer Handlung erzählt. Wirtz hat für Neu Wulmstorf ein Spezial-Widget entwickelt, das jeder Filmakteur auf seine Website stellen kann. Das interaktive Bedienfenster zeigt eine Landkarte – in dem Fall von Neu Wulmstorf – mit kleinen Ortsmarkierungen. Wenn man die Markierungen bzw. Pins anklickt, kann man sich kurze Audio-Ausschnitte aus den Film-Interviews anhören. „Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich sehr berührt, wie sympathisch die Protagonisten rüberkommen“, erzählt Hannes Wirtz begeistert.

Audioguiode-me-Neu Wulmstorf-WidgetAudioguiode-me-Neu Wulmstorf-Mobile © audioguideMe

Es sind gerade die O-Töne, die dieses Projekt wirkungsvoller und überzeugender machen als künstliche Werbetexte. Professionelle Sprecher spulen häufig austauschbare Slogans seelenlos herunter. Engagierte Gewerbetreibende und Bürger hingegen präsentieren ihre eigenen, kleinen Geschichten, die auch für den Zusammenhalt der Gemeinde stehen, für eine Interessengemeinschaft im besten Sinne. Sympathische Videobotschaften für Social Media strahlen Leidenschaft, Authentizität und Herz aus.

In Neu Wulmstorf ist übrigens schon ein neuer Film in Planung. 23.000 Bürger und 1.000 Gewerbetreibenden der Region freuen sich auf möglichst viele Fortsetzungen. Inzwischen hat Björn Kempcke auch ein Video über die Flüchtlinge in der Gemeinde sowie über deren Unterstützer und Helfer im Treffpunkt „Courage“ produziert. Auf sein Honorar hat er verzichtet: „Ich möchte damit zeigen, dass Neu Wulmstorf eine echte Willkommenskultur hat.“


© Björn Kempcke: Die Akteure und Initiatoren des „Courage“ waren für den NDR-Hörerpreis nominiert.

Hilfe zur Selbsthilfe

Auch das UnperfektHaus in Essen unterstützt klein- und mittelständische Unternehmer bei ihren medialen Aktivitäten und ermöglicht ihnen, mit überschaubarem Budget in der Social-Media-Welt mitzuspielen. Initiator Gerhard Schröder möchte „mediale Starthilfe“ geben. Er bietet Seminare und Veranstaltungen über Social Media an sowie Einführungskurse in das Fotografieren und Filmen. Gerade hat er eine VideoLabAcademy ins Leben gerufen. Bei kostenlosen Info- und Netzwerkabenden informiert er die Teilnehmer über das Thema „Virale Unternehmenskommunikation via Video“. „Dabei geht es nicht um einen langen teuren Imagefilm, sondern um mehrere kurze Webvideos, Clips für youtube, Instagram, Facebook, die über mehrere Wochen stetig im Netz veröffentlicht werden.“ Inhaltlich ist in diesen „Micro-Stücken“ vieles möglich: Rundgang durch die Firma, Interview mit dem Chef, ein Stellenanzeigen-Video mit einem Aufruf an neue Bewerber, Videos mit Produkterklärungen und Bedienungsanleitungen, also klassische Ratgeber-Inhalte zur Kundenbindung. „Das Interesse an dem Thema ist beim Mittelstand sehr groß“, sagt Schröder.

Suchen Sie sich in Ihrem Ort oder Ihrer Gemeinde Gleichgesinnte. Planen auch Sie das nächste Werbeprojekt gemeinsam mit anderen Unternehmen. Nutzen Sie die Kraft vieler Mitstreiter, um die virale Verbreitung zu steigern. So erreichen Sie mehr als ein Einzelkämpfer.

Inspirationstipps: