Kreislaufprinzip und Gemeinwohlökonomie: Ideen für mehr Nachhaltigkeit

130984_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de  © S. Hofschläger, Pixelio.de

Die Ziele von Politik und Wirtschaft gehen nicht immer mit dem Schutz der Umwelt einher. Doch Designer, Kulturwissenschaftler und Umweltjournalisten forschen mit Überzeugung und Leidenschaft an alternativen Lösungen, die sich um Kreislaufwirtschaft, Wissensvermittlung und Gemeinwohlökonomie  drehen. Kreative branchenübergreifende Teams spielen bei der Entwicklung von Innovationen  eine maßgebliche Rolle.

Am 14./15. April findet der Kongress Work in Progress 2016 im Kulturzentrum Kampnagel in Hamburg statt, initiiert von der Hamburg Kreativgesellschaft.  Ein Impulsvortrag von Michael Braungart eröffnet die Veranstaltung. Der Ökovisionär, Chemiker, Designer und Umweltberater kämpft für eine Welt und eine Ökonomie, in der wir alle Gebrauchsgüter entweder schadstofffrei in die Natur zurückgeben oder sie endlos wiederverwerten können. Das von ihm entwickelte Konzept Cradle to Cradle (“von der Wiege zur Wiege”) entspricht dem ewigen Kreislauf der Stoffe. Anstatt Umweltverschmutzung durch immer effizientere Produktionsweisen zu reduzieren, fordert Braungart ein radikales Umdenken und „Ökoeffektivität“, d. h. eine Welt, die  Umweltverschmutzung von vornherein verhindert und vermeidet.

Viele innovative Ideen entstehen aus Unzufriedenheit mit Vorhandenem. Tetrapaks z. B. sind aufgrund ihrer Mehrschichtigkeit nicht voll recycelbar. PET-Flaschen stehen wiederum unter Verdacht, gesundheitsschädliche Stoffe freizugeben. Der Designer Carsten Buck von der MUTTER Gesellschaft für Design & Vermarktung suchte daher nach einer Alternative. Schon lange beschäftigte er sich mit dem cradle-to-cradle-Prinzip und fokussierte speziell  die vollständige Wieder- und Weiterverwertung von Verpackungsmaterial. Im Rahmen einer Konzeptstudie wollte Buck erforschen, wie sich das Prinzip auf Design und Markenentwicklung übertragen lässt. Vor den Toren Hamburgs kam er in Kontakt mit der norddeutschen Molkerei-GmbH De Öko Melkburen. In deren Auftrag kreierte Buck eine neuartige Milchflasche, die ohne Wertverlust in einem geschlossenen Kreislauf zirkuliert.

Logo_de_oeko_melkburen_Jahreszeitenmilch © De Öko Melkburen

Ressourcenschonende Gestaltung

Innerhalb eines Jahres entstand der Milk-Tumbler (Tumbler = Rüttler), eine Milchflasche mit rundem Boden. Er animiert zum Schütteln, damit sich Fett und Wasser in der Milch wieder vermischen. Ein interdisziplinäres Team entwickelte für die Flasche ein innovatives, polyesterartiges Material, den Bio-Rohkunststoff PLA, englisch: „polylactic acid“. PLA ist ein Abfallprodukt der Käseherstellung, kann beliebig oft und ohne Qualitätsverlust eingeschmolzen und wiederverwertet werden. Die Projektbeteiligten haben mit ihrem jeweiligen Hintergrundwissen unterschiedliche Perspektiven eingebracht: Form und Funktion durch Designer der MUTTER Gesellschaft und des BFGF Design Studios, Material und fachliche Unterstützung durch die EPEA Umweltforschung GmbH sowie Vertriebs- und Vermarktungsideen durch eine Masterstudentin der Hochschule Stuttgart und eine Hamburger Journalistin.

milk_tumbler_presse_01_RGB© MUTTER Gesellschaft

Kreislaufprinzip als Einheit aus Design und Vertrieb

Bucks Team beließ es nicht beim Prototypen, sondern dachte das Kreislaufkonzept mit Vertrieb und Vermarktung konsequent weiter. Der Verkauf des Milk-Tumblers sollte statt über den Einzelhandel über ein regionales Netz von Versorgungsautomaten erfolgen. Der Vorteil: Auf lange Lagerzeiten und weite Transportwege kann zugunsten von Lokalität und Frische verzichtet werden. Nach Vorstellungen der Designer können die Automaten aber noch viel mehr sein: eine „soziale Litfasssäule“, um Nachrichten und Annoncen auszutauschen, ein innovativer Treffpunkt für bewusst lebende Menschen. Erkenntnisse aus der Konzeptstudie zum Prototypen haben die Tüftler in strategische Tools überführt, die sie als Berater für nachhaltiges Design für Ihre Agentur Mutter nutzen.

228788_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © S. Hofschläger, Pixelio.de

Wissenstransfer: Zusammenhänge vor Augen führen

Medienproduzentin Corinna Hesse vom Silberfuchs-Verlag meint, die Diskussion um Nachhaltigkeit werde oft von ideologischen Grabenkämpfen und Lobbyismus bestimmt: „Es geht dabei nicht pauschal um Verzicht, wie viel zu oft proklamiert wird. Wenn wir alle verantwortungsbewusster leben und handeln, gewinnen wir sehr viel Lebensqualität hinzu.“ Hesse hat gemeinsam mit Studenten der Hochschule für Gestaltung Wismar das interaktives Wissensportal Zukunft-Leben-Nachhaltigkeit.org realisiert, das spielerisch und kulinarisch mit ökologischen Grundfragen vertraut macht und mit Aspekten nachhaltigen Wirtschaftens. „Die Nutzer treffen mit ihren Klicks eigene Entscheidungen“, sagt Hesse. „Sie sehen, was z. B. passiert, wenn sie den Kühen mehr zu fressen geben. Wie dann der Boden reagiert und wie das wiederum unsere Nahrung beeinflusst.“ Mit interaktiven Grafiken, Audios, Filmen und Zeichnungen auf dem Portal wird deutlich, das Prozesse miteinander in Verbindung stehen und Kreisläufe bilden. Basis für das Wissensportal ist ein Hörbuch, das der Silberfuchs-Verlag 2015 veröffentlicht hat: zukunft|leben – Nachhaltigkeit wurde für den Deutschen Hörbuchpreis 2016 nominiert. Der Jury gefiel das mediale Projekt, weil es sich einem hochaktuellen Thema sachlich und zugleich erzählerisch und philosophisch annähert. Das Sounddesign mit authentischen Klängen der Erde macht den Text auch sinnlich erfahrbar.

298574_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © S. Hofschläger, Pixelio.de

Gemeinwohlökonomie

Christian Felber ist Vorsitzender des globalen Bürgernetzwerkes Attac Österreich und Autor des Buches Gemeinwohlökonomie. Das Wirtschaftsmodell der Zukunft. Die Anhänger dieser Wirtschaftstheorie und -praxis setzen sich wie die Mitglieder von Attac dafür ein, die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern, Selbstbestimmung und Demokratie zu fördern und den Schutz der Umwelt gleichberechtigt zu den Zielen von Politik und Wirtschaft zu betrachten. Es geht um eine ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung und um eine gerechte Verteilung von Gewinnen, Erträgen und Kapital.

Felber hat einen Index für gemeinwohlorientierte Unternehmensführung entwickelt. Er bewertet dabei die Kriterien soziale Sicherheit, Grad der Mitbestimmung, Regionalisierung der Wertschöpfungskette, Frauen in Führungspositionen, Transparenz, Vertrauen, Solidarität, Vielfalt usw. mit Punkten. Im Moment hat der Index nur eine ideelle Wirkung. Langfristig besteht das Ziel: Je höher die Punktzahl in der Gemeinwohl-Bilanz eines Unternehmens umso günstiger ist die steuerliche Veranlagung und um so höher die Kreditwürdigkeit bei gemeinwohlorientierten Banken, wie z. B. der GLS-Bank. In Österreich ist die Gründung einer ethischen Gemeinwohl- bzw. Alternativbank noch in Planung, derzeit können Genossenschaftsanteile gezeichnet werden.

Eigenverantwortung und Sebstwirksamkeit

Wie lassen sich diese Beispiele praktisch und ohne übermäßigen Aufwand auf den (Unternehmens-)Alltag übertragen? Holen Sie Mitarbeiter an einen Tisch und beraten Sie gemeinsam, wie Sie in Ihrer Firma nachhaltiger agieren können. Einige konkrete Tipps dazu finden Sie in weiteren Artikel von mir:

Gummi-Twist für Ihr Unternehmen: Nachhaltigkeit als Team-Projekt

© Roswitha Rösch, Silberfuchs-Verlag

Nachhaltigkeit ist längst ein Modewort geworden, bei näherer Betrachtung jedoch ein dehnbarer Gummi-Begriff. Er kann auf verschiedenste Lebensbereiche bezogen werden. Vielleicht versteht deshalb fast jeder etwas anderes darunter. Wie mittelständische Unternehmer ganz konkret im Firmenalltag nachhaltig handeln können, zeigen die folgenden, von mir zusammengetragenen Beispiele. Zum Artikel

 

Inspirationstipps:

  • Milktumbler: innovative, komplett recyclebare Milchflasche der Agentur Mutter
  • Harald Welzer: Selbst denken: eine Anleitung zum Widerstand. Fischer Verlag, Frankfurt/M. 2013. 

„take part in art“: Was macht uns ticken, wie wir ticken ?

Foto HJKassel © Künstler Hermann J Kassel, Foto: Tameer Gunnar Eden

Hermann J Kassel ist Künstler und beschäftigt sich vor allem mit Installationen, Objekten und Bildhauerei. Staatliche Museen und private Galerien zeigen seine Werke. Unternehmen haben seine Arbeiten angekauft bzw. Werke bei ihm in Auftrag gegeben, z. B. Deutsche Telekom, Robert Bosch GmbH, RWE/ELE, Hypo Vereinsbank und GETRAG International. Sein künstlerisches Selbstverständnis schöpft Hermann J Kassel auch aus künstlerischen Interventionen. Über dieses Tätigkeitsfeld und weitere Leidenschaften habe ich mit Hermann J Kassel gesprochen.

A.H. Herr Kassel, für Ihre künstlerischen Interventionen haben Sie ein Konzept erdacht, das Sie „take part in art“© nennen. Können Sie Ihre Intentionen dazu erläutern?

Hermann J Kassel
Ich bin davon überzeugt, dass die Integration künstlerischer Kompetenzen, Strategien und Denkweisen einen Perspektivwechsel bewirkt und Denk- und Gestaltungsräume von Führungskräften und Mitarbeitern zu erweitern vermag. Die kreativ inspirierten Mitarbeiter schöpfen anschließend aus einem größeren Ideenpool und begegnen den Herausforderungen mit mehr Offenheit, Selbstvertrauen und Mut. Damit sich dies dauerhaft im Bewusstsein der Mitarbeiter verankert, dürften regelmäßig angeregte Perspektivwechsel und „kreative Irritationen“ von Vorteil sein.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf das äußerst lesenswerte Buch „Theorie U – Von der Zukunft her führen“ von C. Otto Scharmer hinweisen. Der Autor beschreibt darin u.a. die Bedeutung der Intuition, des schöpferischen Tätigwerdens, der Intelligenz unseres geöffneten Denkens, Herzens und Willens. Scharmer zieht dabei auch immer wieder Vergleiche zur Arbeit des Künstlers.

Atelier 1 Atelier 2 © Hermann J Kassel: Blick in das Atelier des Künstlers

Wann und warum sind Sie darauf gekommen, neben Ihrer schöpferischen künstlerischen Arbeit auch Interventionen in Unternehmen und im öffentlichen Sektor anzubieten?

Hermann J Kassel
Dies ist eher zufällig passiert, so um das Jahr 2000. Ich hatte als ursprünglich ein Meeting als Betriebsausflug für Mitarbeiter der Telekom Köln-Bonn in die Fabrik geplant, in der ich mein Atelier habe. Im Laufe der Vorbereitungen veränderten sich die Planungen für diesen Ausflug dahingehend, dass auch ein kreatives Arbeiten mit den MitarbeiterInnen gefragt war. Als weitere Anfragen diesbezüglich folgten, erarbeitete ich das Konzept für “take part in art“©

Bearbeiten Sie bei einer künstlerischen Intervention eine konkrete Fragestellung? Wie wird sie entwickelt?

Hermann J Kassel
In den meisten Fällen ja. Häufig stehen die Interventionen in inhaltlichen Zusammenhängen und Fragestellungen mit und für Meetings oder für Konferenzen der Unternehmen oder Institutionen. Ich werde darüber in Vorabgesprächen informiert und setze mich dann inhaltlich damit auseinander, transformiere die Fragestellung in das Interventionsgeschehen und seine formale Umsetzung.

Können Sie über eine konkrete künstlerische Intervention berichten?

Hermann J Kassel
Eine Intervention im Unternehmen GETRAG Ford Transmissions, möchte ich näher vorstellen. Es ist Teil der GETRAG International GmbH, einem der weltweit größten Systemlieferanten für Getriebesysteme (Anmerkung A.H.: Im Juli 2015 wurde Getrag vom kanadisch-österreichischen Konzern „Magna International“ übernommen.)
Wichtige Herausforderungen standen für das Unternehmen im Jahr 2012 in Verbindung mit Begriffen wie „Wurzeln“ bzw. „Verwurzelung bei gleichzeitiger Diversität und Globalisierung“, „Veränderung“ sowie „Wandel vom Jetzt in die Zukunft“.

_tpia_ 5 _tpia_ 4 © Hermann J Kassel: „tpia“ 4-5″ – „Erd-Arbeiten“ und Leinwände, entstanden im Rahmen der Intervention mit 45 Managern bei der Führungskräftekonferenz der GETRAG International

Diese Punkte und Themen sollten möglichst auch im Rahmen der „take part in art“©-Intervention behandelt werden und führten mich so zu meiner Werkgruppe der „Erd-Arbeiten“, mit der ich mich seit 1993 auseinandersetzte. In geschlossenen Stahl-Glas-Skulpturen werden auf Papier, Leinwand und Folien aufgetragene Inhalte durch die ebenfalls hierin mit eingeschlossener Erde kontinuierlich verändert. Inhalte und Schriften auf Papier oder Leinwand erfahren dabei eine schnellere Veränderung bis hin zur Unkenntlichkeit. Im Laufe der Zeit werden diese ersetzt durch ein natürliches Bild (durch Photosyntheseprozesse innerhalb der Arbeit). Die leicht feuchte Erde bedingt – durch ihre photosynthetischen und biologischen Prozesse – einen stetigen Wandel und eine Veränderung in den hierauf liegenden Leinwänden, Papieren und Folien.
Die auf Folien aufgebrachten Inhalte hingegen werden von diesem Prozess nicht verändert und bleiben konstant sichtbar vor dem Hintergrund der stetigen Veränderung.

An der Intervention nahmen 45 Manager teil – und zwar im Rahmen der Getrag Führungskräftekonferenz der GETRAG International. Jeder brachte von seinem jeweiligen Heimatstandort der GETRAG Erde mit zur Konferenz. Im Workshop wurden die Inhalte der Tagung, angeregt durch Monotasking-, Speeddating- und Reflektionsrunden, auf Papieren und Folien verewigt und in Stahlsäulen eingesetzt. Während die Texte auf Papier sich mit der Zeit verändern, bleiben sie auf den Folien dauerhaft lesbar.

Auf Glasplatten hielten die Führungskräfte die am Vormittag bearbeiteten Themen zusammen mit ihren eigenen Gedanken, Visionen, Hoffnungen und Wünschen für ihre Arbeit und das Unternehmen fest. Als verdichtetes Kompendium all dieser Idee entstand ein grünlich schimmernder Block, eingefügt in die Stahlsäule und von LEDs beleuchtet.

Hermann J Kassel_tpia_ 1 _tpia_ 3 Hermann J Kassel_tpia_ 2 © Hermann J Kassel: Im Rahmen der Intervention mit GETRAG Ford Transmissions entstanden „tpia“ 1-3″ – die Stahl-Glas-LED-Lichtsäule „shining future“.

Welche Auswirkungen hat das jeweilige Budget auf die Intervention?

Das zur Verfügung stehende Budget hat z. B. Einfluss auf die formalen Umsetzung, also z. B. auf das Objekt, das am Ende entsteht. Aufwendigere Stahl-Glas-Licht-Objekte schlagen hier natürlich anders zu Buche als weniger aufwendige. Mein Impetus, mit dem ich an eine jede “take part in art“©-Intervention herangehe, ist aber unabhängig vom Budget gleich intensiv.

Ich las, dass Sie auch Konferenzen mit Interventionen begleiten: Wie funktioniert so etwas in einem zeitlich sehr eng gesteckten Rahmen, wenn die Teilnehmer inhaltlich ohnehin schon stark gefordert und deren Aufnahmekapazitäten vielleicht daher begrenzt sind?

Hermann J Kassel
Das ist in der Tat schon eine besondere Aufgabe und Herausforderung. Es gab Interventionen, die ich während der Pausen oder in bewusst offen gehaltenen Zeitfenstern mit den Teilnehmern durchgeführt habe. Bei anderen Konferenzen war die Intervention ein feststehender Programmpunkt. Die Teilnehmer in einem solchen Rahmen einzuladen und mitzunehmen, erfordert innere Überzeugung für das, was ich bereichernd vermitteln möchte.
Eine nachhaltige Wirkung erzeugt das gemeinschaftliche Werk, das die Teilnehmer gemeinsam entstehen lassen. Auch eigene Arbeiten, die in Einzelaktion im Rahmen der Intervention anfertigen, können die Teilnehmer in ihr privates Umfeld mitnehmen.

Sie haben auch für die Sir Peter Ustinov Stiftung gearbeitet. Ustinov hat sich ja stark gegen Vorurteile engagiert … War dies auch Thema Ihrer Intervention?

Hermann J Kassel
Im Rahmen des Weltkindertages gab es hier Interventionen für und mit Kindern, wovon
ca. 50% einen Migrationshintergrund hatten. Das vorurteilsfreie, offene und gemeinsame Arbeiten stand hier im Vordergrund. Wenn das gelingt, ist doch schon einiges erreicht.

Wenn Sie eine Intervention vorbereiten, welche Fragen stellen Sie sich dann am Anfang? Wie recherchieren Sie, um sich dem Unternehmen zu nähern?

Hermann J Kassel
Die ersten faktischen Fragen betreffen die Rahmenbedingungen: die Zeit, die zur Verfügung steht, die Anzahl der Teilnehmer, woher diese kommen, wo die Intervention stattfinden soll, also bei mir im Atelier oder vor Ort. Parallel dazu arbeite ich am inhaltlichen Bezug. Interventionen stehen meist in einem inhaltlichen Zusammenhang mit relevanten Fragestellungen. Die Vorbereitungsphase für eine Intervention dauert in der Regel einige Wochen. In dieser Zeit sammle ich möglichst viele Informationen. In der Regel bitte ich die Unternehmen, mir möglichst viel „Futter“ zu geben; hierzu gehört nicht zuletzt auch immer die intensive Auseinandersetzung mit Materialien, Produkten, mit denen die jeweiligen Unternehmen arbeiten oder die sie herzustellen.

Für mich als Objekt-Künstler ist gerade das immer wieder sehr spannend, denn ich komme mit zum teil ungeahnten Materialien in Kontakt. Aus all dem formt sich dann die Idee, der Leitfaden und schließlich das formale Aussehen der Intervention. In der Regel erarbeite ich das „skulpturale Gehäuse“ für eine Intervention im Vorfeld. Die inhaltliche Aufladung erfolgt dann gemeinsam während der Intervention.

Wie bauen Sie bei einer Intervention den Kontakt zu Teilnehmern bzw. Mitarbeitern auf? Wie erlangen Sie ihr Vertrauen?

Hermann J Kassel
Mit Authentizität – „ich meine das, was ich da mache“ – und das spüren die Teilnehmer. Ich bin „Überzeugungstäter“!

Künstlerische Interventionen haben den Vorteil, dass die Teilnehmer durch die kreative Arbeit beim Workshop die Dinge anders betrachten können als sonst im Alltag. Es wird ein Perspektivwechsel ermöglicht. Haben Sie eine Rückmeldung von einem Workshop in Erinnerung, bei dem er einen besonderen Aha-Effekt gab?

Hermann J Kassel
Mir geht es darum, dass die Teilnehmer sich selbst anders und neu kennenlernen; dass sie etwas Neues von und in sich entdecken. Hier ergeben sich immer wieder AHA-Erlebnisse. Sie sind – neben der inhaltlich thematischen Bearbeitung – dauerhaft abrufbar und wirksam, nicht zuletzt durch die bei der Intervention entstandenen Arbeiten, die j auch dauerhaft im Unternehmen verbleiben.

Was nehmen Sie für sich persönlich aus einer Intervention mit? Was gibt Ihnen die Interaktion mit „normalen Menschen“ für Ihre eigene künstlerische Arbeit?

Hermann J Kassel
Meine künstlerische Arbeit entsteht aus und in mir. Ich mache diese Arbeit sicher aus einem inneren Drang, aber letztlich ja für „normale“ Menschen. Bei meiner Arbeit interessiert mich die Frage: „Was macht uns ticken, wie wir ticken?“. Das interaktive Arbeiten mit Menschen ist für mich manchmal anstrengend, aber immer hochspannend und lehrreich.

Einige Künstler lassen ihre Interventionen von einem Vermittler begleiten, der als Bindeglied zwischen ihm und dem Unternehmen bzw. der Institution agiert und den Prozess begleitet. Sie arbeiten – soweit ich weiß – ohne Intermediär. Gehen Sie bewusst Ihren eigenen Weg allein oder würden Sie sich zuweilen Unterstützung wünschen und konkret bei welchen Aspekten?

Hermann J Kassel
Das habe ich schon so und so geplant und durchgeführt. Ich mag es durchaus, wenn meine Interventionen von einem „Vermittler“ begleitet und auch schon einmal moderiert werden. Eine zusätzliche weitere Reflexionsebene kann in dem einen oder anderen Fall durchaus willkommen sein.

Der Drang, „auf einer Bühne stehen zu müssen“ ist bei mir sicher nicht übermäßig stark ausgeprägt. Die klassische „Rampensau“ bin ich da ganz sicher nicht. Natürlich gehört eine Art Anmoderation von mir zu einer Intervention dazu. Ich halte sie aber eher kurz, um dann in den eigentlichen Teil meiner Arbeit zu kommen – hier bin ich dann wirklich zu Hause. Manchmal ist es auch hilfreich, wenn Ergebnisse einer Intervention von „anderer Seite“ aus reflektiert und vermittelt werden. Das dauerhafte Verbleiben des Werkes an einem „prominenten“ Ort im Unternehmen schafft die wichtige „Nachhaltigkeit“ in Wirkung und Auswirkung.

Wenn ein Künstler für Unternehmen arbeitet, wird oft vermutet, dass er dort instrumentalisiert und funktionalisiert wird. Wie sehen Sie das im Hinblick auf Ihre eigenen künstlerischen Interventionen?

Hermann J Kassel
Solange ich nicht in dem eingeschränkt werde, wie ich etwas ausdrücken, transformieren und vermitteln möchte, kann ich mich kaum instrumentalisiert oder funktionalisiert fühlen. Wenn die Art und Weise gefragt ist, wie ein Künstler bestimmte Fragestellungen sieht und bearbeitet, so scheint mir das doch sinnvoll und wünschenswert. Darin sehe ich eher eine Chance – für beide Seiten. Denn auch ich lerne immer weiter dazu. Meine Interventionen wären nicht gefragt, wenn es schlichtweg darum ginge, „das Letzte“ aus den Mitarbeitern herauszukitzeln, um schlicht -weg „bessere Zahlen“ anschließend schreiben zu können. Außerdem habe ich jederzeit die Möglichkeit, eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen abzulehnen.

4. Polymobile vor Stahlrelief und Korrosionsabdruck © Hermann J Kassel: 4. Polymobile vor Stahlrelief und Korrosionsabdruck

Sie schreiben auf Ihrer Website „Kultur ist heute kein ‚nice to have‘, sondern eine bedeutende Voraussetzung für Erfolg.“ Was bewirken Kunst und Kultur? Welche Beobachtungen haben Sie bei Ihren Interventionen gemacht.

Hermann J Kassel
Die Integration künstlerischer Kompetenzen, Strategien und Denkweisen ermöglicht Perspektivwechsel und erweitert die Denk- und Gestaltungsräume von Führungskräften in Wirtschafts- und Wissenschaftssystemen.
Steht am Anfang einer Intervention noch das ängstliche „ich kann doch nicht malen …“, verwandelt sich das in ein „ich bringe mich mit einem/meinem „wichtigen inhaltlichen“ Einfluss in die Gesamtarbeit mit ein.“ Menschen öffnen sich!

Auf Ihrer Website schreiben Sie außerdem: „Kunst eröffnet die Möglichkeit, unternehmensrelevante Themen in neuer Weise zu erfahren und zu bearbeiten und damit neue Denkräume und Gestaltungspotenziale zu schaffen.“ In diesem Zusammenhang ist die nachhaltige Wirksamkeit von Kunst ein wichtiges Thema. Gibt es auch Institutionen bzw. Unternehmen, mit denen Sie mehrfach zusammengearbeitet haben und daher auch die Nachhaltigkeit Ihrer Arbeit prüfen konnten? Inwiefern hat die Institution die Erkenntnisse aus Ihrer Intervention nachhaltig in ihren Arbeitsalltag eingebettet?

Hermann J Kassel
Ja, es gibt Unternehmen wie Institutionen, mit denen ich wiederholt gearbeitet habe.
Es ist schwierig, hier eine Art Gleichung “Input-Output“ aufzumachen. Für solche faktischen „eins zu eins“-Gleichungen eignen sich vielleicht andere Instrumente eher, Strategieberatungen oder anderes mehr, eben Instrumente aus dem klassischen Trainer- oder Coachingbereich. „take part in art“© setzt und wirkt vielleicht eher „subkutan“, weil es in andere, nicht weniger wichtige Ebenen und Schichten eindringt.
Die gemeinsam geschaffene und inhaltlich aufgeladene, dann an signifikantem Ort dauerhaft präsente Arbeit aktiviert diese Ebenen stets neu, lässt Frageräume auch offen, regt an und inspiriert.

In welchem Alter waren Sie sich sicher, Kunst zum Mittelpunkt Ihres Lebens zu machen bzw. auch Ihren Lebensunterhalt mit Kunst zu bestreiten?

Hermann J Kassel
Das war schon recht früh. Zunächst noch schwankend zwischen Musik und der Bildenden Kunst … Dann irgendwann um die 16 Jahre ging es die Richtung Bildende Kunst – nicht wissend, was das auch für das Bestreiten des Lebensunterhaltes immer wieder mal bedeuten kann – aber daran wächst man. „Überzeugungstäter“ zu sein, ist da sicher hilfreich.

Eine Frage zur Kreativität: Werden Sie aus sich selbst heraus kreativ? Oder bedarf es äußerer Impulse? Wenn ja: Welche Impulse nehmen Sie von außen auf? Wie reagieren Sie darauf?

Hermann J Kassel
Sowohl als auch. Äußere Impulse passieren ja ehedem. Es ist ein Wechselspiel, eine Korrelation von äußeren Impulsen, deren Reflektion und Transformation. Die Frage ist sicher auch die, wie ich mit diesen permanenten äußeren Impulsen umgehe, sie verarbeite, auszuschließen versuche, mich ihnen bewusst aussetze, filtere, ……da sind „sie“ immer und überall –sei es die wunderbar würzige Luft an einem noch feuchten Morgen im Wald. Auch das ist ein äußerer starker Impuls, Einfluss…..Natürlich setze ich mich auch sehr bewusst äußeren Impulsen aus.Hier ist ganz sicher die Musik zu nennen. Johann Sebastian Bach z.B. ist für mich hier immer wieder eine wichtige Einflusssphäre.

Fühlt sich das Kreativsein bei einem Auftragswerk anders an als bei der Schaffung eines freien Kunstwerkes? Anders gefragt: Unterscheidet sich die Kreativität in der freien Kunst von der Kreativität in der angewandten Kunst?

Hermann J Kassel
Die Kreativität unterscheidet sich nicht – es ist „die eine Kreativität“, aus der oder mit der ein freies oder ein „Auftragswerk“ entsteht. „Auftragswerk“ meint ja auch nicht, oder zumindest nicht bei mir und meinem Interventionen, das ich gefragt werde, diese oder jene Arbeit so oder so auszuführen. Der „Auftrag“ besteht in einer inhaltlichen Fragestellung, einem Thema. Bisher waren und sind es Themen, die interessant und spannend sind, zu bearbeiten – z.B. der Bereich „Human Ressource“ (irgendwie schüttelt es mich auf einer Seite auch immer wieder ein wenig bei dem Begriff „menschliche Ressource“– habe aber eine Ahnung, was damit „gemeint“ sein soll). Es geht um Menschen, um uns! Und das ist doch ein „großes Thema“. Ein Thema, dass mich grundsätzlich in meiner künstlerischen Arbeit interessiert: „Was macht uns ticken, wie wir ticken ?“ Dann komme ich über solche Anfragen immer wieder auch mit neuen Materialien in Kontakt – also tatsächlich, handgreiflichen Materialien – und das finde ich immer wieder auf´s Neue sehr spannend, anregend, kreativ inspirierend…

In diesen Prozessen der „Auftragsarbeiten“ läuft also vieles so wie in kreativen Prozessen der „freien Kunstwerke“. Etwas anders mag es mit den Arbeiten sein, die „einfach so“, ohne jede Themenvorgabe, rein intuitiv passieren. Hier laufen noch einmal ein paar andere Prozesse in mir ab.

Welche äußeren und inneren Bedingungen, welches Umfeld benötigen Sie, um kreativ zu sein?

Hermann J Kassel
Kreativität ist für mich nichts, was ich an- und abschalte, mal (professionell) beruflich kreativ bin und dann wieder nicht……. Es ist ein generelles Bewusstsein, „Zustand“…
Also passiert Kreatives überall, an und in jedem inneren wie äußeren Ort…
Wichtig für mich ist, allein zu sein, mich „abzuschließen“ – nicht zuletzt um die äußeren Einflüsse, Eindrücke, Überlegungen zu verinnerlichen, zu bearbeiten, zu transformieren…

Innerliche Empfangsbereitschaft, Leere zu schaffen, das ist für mich die wichtigste Voraussetzung für Kreativität, für Inspiration. Musik spielt in diesem Prozess ebenfalls eine inspirierende Rolle. Das hört sich vieleicht „esoterisch“ an, aber es ist tatsächlich für mich schon eine Art des meditativen Zustands …

Gibt es so etwas wie einen roten Faden in Ihrer künstlerisch-kreativen Arbeit, ein Thema, das sich durch Ihr Gesamtwerk zieht und Ihnen besonders wichtig ist?

Hermann J Kassel
Schlüsselbegriffe oder Themen sind Veränderungs- und Transformationsprozesse.
Das „Dazwischen“ meint auch die Trennschicht „Bewegung“ auf verschiedenen Ebenen sowie die Erforschung der Grenzen und der „Trennschicht“, also dem, was das Dazwischen ist und seiner Diffusion, Durchdringung.

Eine weitere Frage beschäftigt mich stetig: Was macht uns ticken wie wir ticken? Das findet sich bei mir in den unterschiedlichsten Arbeiten, z. B. neben drei Werkgruppen, die ich seit ca. 25 Jahren bearbeite, in immer wieder neuen Medien, Materialien etc.
Mich treibt auch die Frage nach dem geeigneten Material, der Umsetzung, des „Transportmittels“. Und das bringt immer wieder neue Ausdrucksformen, Installationen etc. mit sich.

Wenn Sie kreativ tätig sind, haben Sie dann einen Adressaten vor Augen oder im Kopf?

Hermann J Kassel
Das ist sehr unterschiedlich. Bei den Interventionen ganz sicher (geradezu „zwangsläufig“) … Ein Adressat vor Augen kann sehr wohl „etwas“ auslösen, eine Arbeit, ein Werk in Gang setzen. Und dann gibt es Arbeiten, die „einfach“ entstehen wollen, ohne dass es während des Entstehungsprozesses einen Adressaten gibt.

Haben Sie in Ihrer künstlerisch-kreativen Arbeit Flow-Momente erlebt? Wie fühlt sich das für Sie an? Wie würden Sie es jmd. beschreiben, der das noch nie erlebt hat?

Hermann J Kassel
Dankbarerweise Ja. Hier könnte ich wieder ein wenig ins „Esoterische“ gleiten.
Das Gefühl aus und in innerer Leere und in Bereitschaft zu empfangen, „Ideen zu gebären“, das berauscht, macht glücklich und wirklich reich.

Wie sehen Sie die Rolle des Künstlers in der heutigen Zeit im Spannungsfeld der aktuellen Herausforderungen in unserer Gesellschaft?

Hermann J Kassel
Natürlich sehe mich als Künstler auch in der Aufgabe und es drängt mich, mich mit gesellschaftsrelevanten Fragen, intensiv auseinanderzusetzen. Dass mich sehr interessiert, wie wir als Menschen ticken, was uns an- und umtreibt und warum wir tun was wir tun, hat ja sehr viel mit „Gesellschaft“ zu tun. Ich denke, dass wir als Künstler seismografisch denken, fühlen und arbeiten.
Ich bin davon überzeugt, dass ein gutes Kunstwerk im Moment der Betrachtung etwas im Menschen radikal auslösen und wirklich verändern kann; auch wenn mir schon einmal die Frage durch den Kopf geht, ob z.B. durch oder wegen Picasso´s „Guernica“ ein Krieg weniger geführt worden, ein Toter weniger zu beklagen ist?
Das kann mich aber nicht davon abhalten, als „Überzeugungstäter“ die Rolle des Künstlers mit Herz und Hirn selbstbestimmt zu übernehmen und zu gestalten.

Inspirationstipps:

Künstlerische Interventionen von Hermann J Kassel „take part in art“©

Künstler als Ermutiger und Magier

© Peter Bast, Pixelio

Künstler sind Magier. Wenn sie in Unternehmen gehen, entlocken sie den Mitarbeitern Fähigkeiten und Talente, von denen die nicht im Geringsten geahnt hätten. „Die Wirtschaft sollte ihre Querdenker deshalb dort suchen, wo sie der Natur nach präsent sind: unter Künstlern! – sagt Management-Expertin Helga Stattler. Seit über 10 Jahren vermittelt sie als Beraterin zwischen den Welten Kunst und Wirtschaft. Im Interview erzählt sie mir u. a., warum Künstler Veränderungsprozesse in Unternehmen hervorragend begleiten können und was sie bei Mitarbeitern bewegen.

Helga Stattler und Karin Wolf_2015 © Corinna Eigner
Helga Stattler (l.) und Karin Wolf (r.) erforschen im Institut für Kunst und Wirtschaft Wien das Thema „Künstlerische Interventionen“ und begleiten die Aktionen als Intermediäre.

Frau Stattler, wie wichtig sind heute Innovationen für die Gesellschaft?

Helga Stattler:
Es wird immer nach Innovation gesucht – vor allem bei Produkten und Leistungen. Mindestens genauso wichtig und erforderlich ist die Innovation im Zusammenleben in den Organisationen. Es hat noch nie so viel burnout und Frust gegeben und zugleich Suche nach Sinn. Es herrscht sehr viel Druck und dagegen muss dringend etwas unternommen werden.

Warum sind soziale Innovationen ebenso wichtig wie technologische Innovationen?

Helga Stattler:
Das Thema Fusion z. B. funktioniert ja bis heute nicht. Unternehmen glauben, wenn sie zwei Teile miteinander verbinden und Menschen miteinander mischen, funktioniert das automatisch ab dem nächsten Tag. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Menschen mit verschiedenen Erfahrungshorizonten zusammenzubringen: dem sollte bei einer Fusion strategisch noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als dem Aushandeln von Kaufpreisen für ein Unternehmen oder wie man die Produktpaletten sinnvoll miteinander verbindet. Doch das wird leider oft übersehen.
Man glaubt, dass Menschen wie Maschinen funktionieren. Die Firma ist keine Maschine und die Menschen schon gar nicht. Sie sind soziale Wesen und Gemeinschaftswesen und wollen auch als solche beachtet werden. Der Mitarbeiter, der eine Veränderung verkraften muss, braucht das Gefühl, dass er ernst genommen wird. Die Unternehmensleitung muss verstehen, dass es nicht leicht für ihn ist, dass es eine Herausforderung ist. Und wenn er merkt, dass es wirklich ehrlich gemeint ist, dann wird er sich in die neuen Aufgaben mit Elan hineinstürzen und wird sagen: Ich schaffe das! Aber wenn man ihm das Gefühl gibt, dass es selbstverständlich sein muss nach dem Motto „Sei froh, dass Du den Job hast!“, dann wird er frustriert sein.

Anmerkung von Antje Hinz:
Die aktuelle repräsentative Studie des Gallup-Instituts zur Mitarbeiterzufriedenheit (2015) ist nach wie vor ernüchternd. Nur 15 Prozent der Mitarbeiter sind Feuer und Flamme für ihren Job und identifizieren sich mit ihrem Unternehmen. Die große Mehrheit von 70 Prozent der Beschäftigten leistet Dienst nach Vorschrift. 15 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. In qualitativen Umfragen werden vor allem mangelnde Führungsqualitäten der Geschäftsleitungen und Vorgesetzten als Ursache genannt.

Welche Wirkung und welche positiven Effekte können Künstlerische Interventionen auf Mitarbeiter in Unternehmen haben?

Helga Stattler:
Künstler spüren, was in den Mitarbeitern steckt. Sie entdecken Potenziale, die Vorgesetzte nicht sehen, auch wenn sie mit Mitarbeitern schon lange arbeiten. Wie Künstler das machen, ist noch ein Geheimnis, aber es funktioniert auf jeden Fall. Sie laden Mitarbeiter ein, sich etwas zu trauen. Sie machen das so, dass die oft vorherrschende Angst „Das kenne ich nicht, das kann ich nicht“ überwunden werden kann. Sie laden ein zu lustvollem Tun. Und dann entdeckt der Mitarbeiter selber: „Hoppla, das kann ich ja doch!“ In der Schule hat ihm bzw. ihr mal jemand gesagt: „Du kannst nicht singen“ oder „Du kannst nicht zeichnen“. Und das glaubt er oder sie von Kindesbeinen an. Und plötzlich kommt da jemand und sagt: „Kein Problem. Versuch es einfach!“ Und so entsteht etwas.

662148_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, Pixelio

Was zeichnet einen Künstler grundsätzlich aus?

Helga Stattler:
Ein Künstler ist jemand, der aus dem Nichts heraus etwas erschafft. Er hat die leere Leinwand und malt ein Bild. Er hat ein Notenblatt und komponiert eine Melodie. Genau das braucht die Wirtschaft: Schöpfen aus dem Nichts.

Was beherrschen Künstler über ihre eigentliche kreative Tätigkeit hinaus?

Helga Stattler:
Ein Künstler sieht Dinge, die Berater und Manager nicht sehen. Das ist das Geheimnis. Künstler gehen an Probleme anders heran. Sie lassen Widersprüche zu und können querdenken. Querdenker sind zwar sehr gefragt, aber man sucht sie in den eigenen Reihen der Unternehmen, statt sie dort zu suchen, wo sie naturgemäß zu finden sind.

Wann kommt ein Unternehmer zu der Überzeugung, dass eine Künstlerische Intervention in seiner Firma sinnvoll ist. Welche Szenarien gibt es?

Helga Stattler:
Irgendein Anlass ist meistens schon da, eine aktuelle Veränderung. Es ist oft ein Bauchgefühl, dass man sagt: Es geht uns zwar gut, aber wir merken: Die Mitarbeiter sind nicht so recht glücklich. Wir haben schon Trainings versucht und Berater im Haus gehabt, aber es hat sich nicht viel geändert.

Was genau macht der Künstler denn anders als z. B. ein Berater?

Helga Stattler:
Ein Künstler macht etwas, das nicht erwartet wird. Und daher ist auch der Widerstand der Mitarbeiter nicht da. Es gibt ja Firmen, wo die Mitarbeiter ganz klar sagen: Bitte, nicht schon wieder eine Beratung! Oder trotzig sagen: Diesen Berater werden wir auch noch überstehen!
Und dann kommt ein Künstler und schlägt etwas vor und lädt ein zu einer Aktivität, wo das aktive Mitwirken plötzlich Freude macht, etwas zu tun, wo man auch selber seine Ideen einbringen kann. Und plötzlich ist alles anders: Künstler wirken als Ermutiger und Magier!

Worin lässt sich dann letztlich konkret der Erfolg einer Künstlerische Intervention messen?

Helga Stattler:
Sicher nicht in Prozentzahlen, aber in den Einstellungen der MitarbeiterInnen und in der Qualität der Kommunikation zum Beispiel. Die Führungskräfte sagen: Meine Mitarbeiter schauen mir plötzlich in die Augen. Die sind offen und sagen: Ja – da mache ich mit! – wenn es um neue Dinge oder Veränderungen geht. Sie kooperieren wirklich miteinander. Sie haben gemeinsame Projekte, wo sie sich einbringen und sagen, da bleiben wir heute mal länger, das wollen wir fertig machen. Erreicht wird demnach ein lustvolleres Arbeiten, weil sie Wertschätzung und Sinn in diesen Tätigkeiten gefunden haben.

Wie lässt sich die Idee der Künstlerische Intervention in die Welt hinaustragen, also breiter bekannt machen?

Helga Stattler:
Erfreulicherweise gibt es jetzt inzwischen schon einige sehr gute Beispiele für Künstlerische Interventionen. Und am Glaubwürdigsten sind die Aussagen der Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter, die schon mal eine Künstlerische Intervention in ihrem Unternehmen erlebt haben. Und auch der Künstler natürlich. Die berichten, was sie erlebt haben und was dabei herausgekommen ist.

Antje Hinz: Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank, Frau Stattler für das Interview.

Helga Stattler leitete von 1980 bis 1998 das Hernstein International Management Institute in Österreich und begegnete als Beraterin und Personal- und Organisationsentwicklerin vielen charismatischen Persönlichkeiten, die sie beeindruckten und prägten, u. a. Peter Drucker, Paul Watzlawick, Peter Senge, Charles Handy, Henry Mintzberg, Chris Argyris und Edgar Schein. Stattler entwickelte innovative Lern- und Veranstaltungskonzepte zu Zukunftstrends, gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Themen.

Seit über 10 Jahren vermittelt Stattler als Beraterin zwischen den beiden Welten Kunst und Wirtschaft. Zunächst mit Theaterproduktionen für Unternehmen, um Führungskräften und Mitarbeitern einen Spiegel vorzuhalten, sowie mit Workshops und Seminaren mit Theatermethoden. Bei diesen Projekten musste sie selbst viel lernen, weil sie als Beraterin gewohnt war ganz andere Fragen zu stellen und andere Dinge wahrzunehmen als die Künstler. Das war anfangs irritierend, das Ergebnis aber immer überzeugend, wie ihre Projektbeispiele aus dem Veranstaltungsdesign zeigen.

Gerade die Verbindung aus Expertise in der Wirtschaft und in künstlerischen Bereichen mit der Lebenserfahrung empfindet Stattler als ihren größten Schatz. Was ihre Arbeit ausmacht: der Blick aufs Ganze und Liebe zum Detail, Neugierde und Mut für Neues. All das bringt sie in ihre Projekte ein.
2012 gründete sie gemeinsam mit Karin Wolf, der Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, das Institut für Kunst und Wirtschaft, das künstlerische Interventionen beforscht und als Intermediär begleitet. In ihrem Blog Kunst und Wirtschaft berichtet sie regelmäßig über gelungene internationale Beispiele.

Fehlerkultur: So helfen Kreative

629220_original_R_K_B_by_Gaby Stein_pixelio.de © Gaby Stein, Pixelio

Fehler passieren jedem. Aber Künstler hinterfragen sie auf besondere Art. Deswegen sollten sich Unternehmer mit ihnen zusammentun. Das Gefühl, perfekt sein zu müssen, lähmt ganze Firmenetagen. Es soll Unternehmen geben, in denen Mitarbeiter aus Angst vor Fehlern und Jobverlust gar keine Entscheidungen mehr treffen. Unsere Welt ist so komplex geworden, dass sich Fehler kaum vermeiden lassen. Eine Null-Fehler-Toleranz ist weltfremd. Mit Vermeidungsangst wäre der Astronaut Neil Armstrong sicher nie auf dem Mond gelandet. Der Dichter Friedrich Dürenmatt bemerkte in einem Vortrag: „Vielleicht ist das Scheitern des Versuchs Einsteins, eine allgemeine Feldtheorie aufzustellen, für die Physik sein wichtigster Beitrag.“

Resilienz: nach Fehler wieder aufstehen
Irren ist menschlich. Trotzdem macht keiner gerne Fehler. Auch, wer sein Bestes gibt, ist vor Fehlern nicht gefeit. Entscheidend ist die Offenheit und Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, sich nicht entmutigen zu lassen. Jeder kennt Höhen und Tiefen im beruflichen Alltag. Wer Niederlagen von vornherein einkalkuliert, den wird ein Rückschlag nicht völlig aus der Bahn werfen. Psychische Widerstandsfähigkeit kann trainiert werden und wird immer wichtiger, um Krisen erfolgreich zu meistern.

Screenshot_Emerge_4 © PatientZero Games

Neugierde als Triebkraft
Krampfhaftes Streben nach Perfektion macht betriebsblind. Manchmal hilft es sogar, nicht alles zu wissen, wie in interdisziplinären Projekten. Nachfragen führen zu ungewöhnlichen Erklärungen, anderen und neuen Lösungsansätzen. Die Spannung zwischen Nichtkönnen und Können kann zur produktiven Triebkraft werden. Wer bereit ist, sich mit Leidenschaft in fremde und neue Szenarien hineinzudenken und sich mit anderen Experten auszutauschen, kann dazulernen. So hat es auch das Hamburger Startup „PatientZero Games“ um Arne Klingenberg, Fabian Jäger und Georg Treml gemacht. Das Dreierteam mit zwei Informatikern bzw. Games-Programmierer und einem Grafikerdesigner entwickelt derzeit das Serious Game EMERGE. Das PC-Spiel simuliert typische Szenarien in der Notaufnahme eines Krankenhauses unter realistischen Bedingungen.

EMERGE_Screenshot2 © PatientZero Games

„Am Anfang war das medizinische Metier noch ziemlich fremd für uns“, erklärt sein Kollege Fabian Jäger. „Dass wir fachliche Unterstützung von Medizinern des Universitätskrankenhauses Eppendorf und der Universitätsmedizin Göttingen erhalten, ist ideal. Man lernt viel voneinander.“ Berufsanfänger können mit der Software die reibungslose Aufnahme eines Patienten üben, ihm Fragen zu seinem Befinden zu stellen, die Akten sorgfältig auszufüllen, einen Überblick über Medikamente, Röntgenbilder zu erhalten sowie Kenntnisse über frühere Krankheiten und Untersuchungen zu erlangen. „Die ersten Reaktionen der angehende Mediziner, Studenten und Assistenz-Ärzte sind durchgehend positiv, ebenso auf Messen, berichtet Fabian Jäger. EMERGE wurde u. a. auf der Lerntec, der CeBIT und der Fachmesse für Medizintechnik „conhIT – Connecting Healthcare IT vorgestellt.

EMERGE_Screenshot1 © PatientZero Games

Mangel im Gespräch erkannt
Die Idee zu EMERGE stammt unter anderem von dem Göttinger Medizindidaktiker und Kardiologen Prof. Dr. Tobias Raupach. In Gesprächen mit dem jungen Team um Klingenberg beklagte Raupach, dass die meisten Medizinstudiengänge keine Lerneinheiten zum Zeit- und Stressmanagement vorsehen. Das Startup „PatientZero Games“ nahm diese wichtige Information sofort auf, um vor allem medizinischen Berufsanfängern zu helfen, die häufig doppelt gefordert sind: Sie haben wenig trainierte fachliche Fähigkeiten und müssen bei ihren Handlungen ständig Prioritäten setzen.
Im Rahmen seiner Masterarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg entwarf Klingenberg die ersten Szenarien und realisierte dann gemeinsam mit dem Grafikdesigner Georg Treml und dem Informatiker Fabian Jäger einen Prototyp. Seit gut anderthalb Jahren wird er weiterentwickelt. In Göttingen und Hamburg wird EMERGE bereits bei den Projektpartnern eingesetzt. Jäger hofft, „dass sich weitere Krankenhäuser in Deutschland beteiligen, damit immer neue Szenarien und Krankheitsbilder hinzukommen.“

Künstler hinterfragen Fehler
Gewohnheiten über Bord werfen, Modelle und Prozesse hinterfragen: Hier setzen auch die kreativen Aktionen im Rahmen Künstlerischer Interventionen an. Künstler gehen für eine befristete Zeit in Unternehmen oder Organisationen und bearbeiten eine konkrete unternehmerische Fragestellung. Lena Mäusezahl, Leiterin der Initiative „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg begleitet die Künstlerischen Interventionen als Vermittlerin zwischen Wirtschaft und Kreativen. Gerade im Gesundheitsbereich sieht sie sinnvolle Kooperationen: „Viele Fehler passieren in Stresssituationen und im Kommunikationsprozess. Künstler können dem Krankenhauspersonal im Rahmen einer Künstlerischen Intervention gefährliche Routinen vor Augen führen, Perspektivwechsel anregen und einen Zwischenraum für Kommunikation bieten. Das kann zu mehr Aufmerksamkeit und Verständnis führen, z. B. für die Einhaltung der Hygienevorschriften.“

Perspektivwechsel im Krankenbett
Wie fühlt sich ein Patient mit akuten Schmerzen, wenn er ins Krankenhaus eingeliefert wird? Für derartige Überlegungen bleibt dem Personal kaum Zeit angesichts des enormen Drucks, in Windeseile lebenswichtige Entscheidungen treffen zu müssen. Dabei sind Emotionen für die Genesung und das Wohlbefinden der Patienten enorm wichtig. Das Herzzentrum des Klinikums Oldenburg hat sich von einem Künstlerteam bei der Gestaltung neuer Räumlichkeiten unterstützen lassen, begleitet von der Kreativ-Initiative 3×3 des Künstlers Peer Holthuizen. Das interdisziplinäre Kreativteam animierte die Mitarbeiter zum Perspektivwechsel und legte sie in ein fahrbares Krankenbett. Was sehen Patienten, wenn sie liegend durch die Gänge geschoben werden? Was fühlen sie, wenn grelles Licht, kahle Wände und schrille Geräusche auf sie einwirken? Die Künstler entwickelten kein oberflächliches ornamentales Design, sondern brachten funktionale Anforderungen mit dem Wohlbefinden der Patienten in Einklang. Ein integrierter Wandelgang mit warmen Lichteffekten entstand, interaktive Informationen zur Orientierung des Patienten und die Idee für einen persönlichen Ansprechpartner im Haus, der den Klinikalltag weniger anonym machen soll.

Fazit
Mehr Mut zum Risiko, mehr Offenheit für Kritik, mehr Ehrlichkeit bei Fehlern. Manchmal hilft ein fachfremder Blick von außen, um nicht betriebsblind zu werden und Routinefehlern unnötig ausgeliefert zu sein. Nicht alles zu wissen, kann ein Vorteil sein. Es braucht Mut, gewohnte Abläufe zu hinterfragen, mit Leidenschaft und Offenheit nach neue Lösungsansätzen zu suchen. Akteure aus der Kultur- und Kreativbranche bringen diese Eigenschaften mit. Lassen Sie sich von ihnen über die Schulter schauen und kreativ beraten!

Inspirationstipps:

• Simulationsspiel EMERGE: Notaufnahme im Krankenhaus und Startup

Animationsvideo über EMERGE

Innovationsprojekt im Klinikum Oldenburg

• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg

Filminterview mit Lena Mäusezahl, die zwischen Unternehmern und Künstlern vermittelt

• Ralf Caspary (Hg.): Nur wer Fehler macht, kommt weiter: Wege zu einer neuen Lernkultur. Herder Verlag 2008, darin: Fehlerkultur als Unternehmensressource, S. 135 – 153

Kreativwirtschaft auf Erfolgskurs

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Deutschland ist ein Land der Klein- und Kleinstunternehmen. Nur knapp 1 Prozent der Firmen beschäftigt mehr als 250 Mitarbeiter. Rund 93 Prozent von insgesamt 5 Millionen Unternehmen sind Selbstständige, Einzelpersonengesellschaften und Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Um das eigene Potential effektiv einzusetzen und die Konkurrenz überschaubar zu halten, muss ein Einzelkämpfer genau überlegen, welche Produkte oder Serviceleistungen er anbietet.

Profilschärfe und Vernetzung
In der Kultur- und Kreativwirtschaft sind 97 % der Akteure Einzelunternehmer und Freiberufler. In einem monopolisierten Markt ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, gehört für sie zum Alltag. Zugleich ist die Vernetzung mit Spezialisten anderer Branchen überlebenswichtig, insbesondere wenn man den Auftragszuschlag für größere Projekte erhalten will. In der Gamesbranche verbinden sich Autoren, Konzepter, Programmierer, Psychologen, Grafik- und Sounddesigner in gemeinsamen Think Tanks. Film-Projekte sind ähnlich vielschichtig angelegt. „Wenn ein Ingenieur oder Programmierer sich mit einem Autor oder Designer verständigt, gibt es zuweilen „Sprachprobleme“, weiß Roland Weiniger, „aber die lassen sich rasch überwinden.“ Als Leiter des gemeinnützigen PIAGET-Instituts in Nürnberg ist Weiniger Experte für branchenübergreifende Projekte. Sein Team überträgt Spielmechanismen auf andere Bereiche, wie Wirtschaft, Gesundheit und lebenslanges Lernen. Wenn es einmal hakt, vermitteln geeignete Intermediäre zwischen den Akteuren, die vor allem kommunikationsstark und sozialkompetent sind.

Erfolgreich trotz kleiner Budgets
Kleinunternehmen haben meist nur überschaubare Budgets. Doch gerade aus der Not der Beschränkung erwachsen alternative, kreative Ideen, etwa in der Arbeitswelt. Coworking Büros von Kreativen hatten ursprünglich den Zweck, Räume und Ressourcen, aber auch Fähigkeiten und Wissen zu teilen. Längst arbeiten auch Unternehmen klassischer Branchen so, weniger aus ökonomischer Motivation heraus, sondern um interdisziplinär an neuen Ideen zu schmieden.

Vordenker für Trends
„Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist immer Vorreiter gewesen, wenn es um neue gesellschaftliche Entwicklungen gegangen ist“, sagt Frank Fischer, Leiter der Initiative „Kultur- und Kreativwirtschaft“ der Bundesregierung, die beim Ministerium für Wirtschaft und Energie angesiedelt ist. Ein bewusster Umgang mit Energie und Ressourcen, nachhaltiges Handeln, Vielfalt und die Kultur des Teilens wurde vor allem von Künstlern in die Gesellschaft hineingetragen. Neue Geschäftmodelle sind daraus entstanden, z. B. Carsharing, Upcyling, neue Wertschöpfungsketten und Branchen wie die Bio-Ökonomie.

Volkswirtschaftliche Fakten
Die Initiative „Kultur- und Kreativwirtschaft“ der Bundesregierung ist im Jahr 2007 angetreten, um der kreativen Branche stärker Gesicht und Gewicht zu geben. Durch innovative Veranstaltungsformate und Wettbewerbe soll auch die klassische Wirtschaft auf neue Kreativunternehmer und innovative Geschäftideen aufmerksam werden. Die volkswirtschaftlichen Daten beeindrucken: „Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist bei der Bruttowertschöpfung vergleichbar mit anderen großen Branchen, wie der Automobilindustrie und der chemischen Industrie“, erklärt Fischer. „Nach dem Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums hat die Branche 2014 einen Gesamtumsatz von 146,3 Mrd. Euro erzielt.“ Ihr Umsatz wächst seit 2009 jährlich um etwa 2,2 %. Die Branche ist vielfältig: Zur Kulturwirtschaft zählen Darstellende Kunst, Musik-, Buch-, Kunst-, Presse- und Architekturmarkt, ebenso Film-, Rundfunk-, und Designwirtschaft, zu den Kreativbranchen der Werbemarkt sowie die Software- und Games-Industrie.

Befruchtungseffekte nutzen
Sogar die EU setzt seit 2012 darauf, die Kreativbranche als Motor für Wachstum und Beschäftigung zu nutzen und will geeignete Projekte unterstützen: ”Durch ihre Schnittstellenposition zwischen Kunst, Wirtschaft und Technologie ist die Kultur- und Kreativwirtschaft dafür prädestiniert, Spillover-Effekte in andere Branchen anzustoßen.“ *
Spillover meint Wechselwirkungen und Übertragungseffekte zwischen verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft: Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, Stadtentwicklung. Alles soll sich gegenseitig befruchten. Die große Herausforderung, so Frank Fischer, bestehe in nächster Zeit darin, die Kreativen nicht nur untereinander zu vernetzen, sondern sie stärker mit den Branchen der klassischen Wirtschaft zu verbinden. Von der Zusammenarbeit können alle nur profitieren.

Reihe: Von der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Nachahmung empfohlen
Gelungene Projekte sprechen für sich: Zukünftig stelle ich Ihnen konkrete Praxisbeispiele vor: interdisziplinäre Innovationsprojekte zwischen Akteuren der Kultur- und Kreativbranche sowie klein- und mittelständischen Untenehmen der klassischen Wirtschaft.
Themen sind: Digitalisierung und Industrie 4.0, Kundenservice, Design und Verpackung, lebenslanges Lernen und Gamification, Produkterweiterung und Unternehmenswandel, Marketing und Außendarstellung, interne und externe Kommunikation, Demografiewandel und Vielfalt, Personalführung, Logistik und Social Media, Nachhaltigkeit und Fehlerkultur.

Schreiben Sie mir, wenn Sie bereits erfolgreiche Vernetzungsprojekte kennen oder selbst daran beteiligt waren. Ich stelle die innovativen, interdisziplinären Vorhaben gerne vor! massivkreativ2015@gmail.com

Quellen und Inspirationstipps:

● Initiative Kultur- und Kreativ-Wirtschaft der Bundesregierung beim BMWi

● Video-Interview mit Frank Fischer, Leiter der Initiative „Kultur- und Kreativwirtschaft“ der Bundesregierung, am 14.7.2015, Autorin: Antje Hinz: www.massivkreativ.de/kreativquoten

PIAGET-Institut Nürnberg, interdisziplinärer Verbund von außeruniversitären Forschungseinrichtungen:

● Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums über die Kultur- und Kreativwirtschaft, 2014

Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU unterstützen /* COM/2012/0537 final */ – MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN:

Zu diesen interdisziplinären Think Tanks und Kreativ-Netzwerken können Sie Kontakt aufnehmen:

KREATIVE DEUTSCHLAND: überregionales Netzwerk und Plattform, getragen von den Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft, hier finden Sie Kontakte und Ansprechpartner zu regionalen Netzwerken der Kreativbranche

KULTURGILDE: Verband, Interessenvertretung und Plattform für Kreativnetze und Verbundprojekte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland

BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze

● Das INNOVATIONSLABOR – Virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund

Open Innovation: Innovationen fallen nicht vom Himmel

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Wer über Globalisierung und Demografie, Nachhaltigkeit und Vielfalt nachdenkt, kommt automatisch zu der Erkenntnis, dass es ohne „open innovation“, also ohne interdisziplinäre, branchenübergreifende Vernetzung heute nicht mehr geht. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist hier Vorreiter: Architekten lenken bei Bauprojekten um die 20 verschiedenen Gewerke. Im Theater vermitteln Regisseure sogar zwischen 50 verschiedenen Berufsgruppen: Kunst und Marketing, Verwaltung und Organisation, Handwerk und Technik. Vermitteln und Querdenken ist für Akteure der Kreativbranche Tagesgeschäft und erfordert eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz. Davon kann die klassische Wirtschaft profitieren. Künstler kennen keine Routinen, am Anfang steht immer das „weiße Blatt“. Was sie schon geschaffen haben, wird hinterfragt, um Neues schöpfen zu können.

Themenfelder für interdisziplinäre Projekte
Bisherige Kooperationsprojekte zwischen klassischer Wirtschaft und Kultur- und Kreativbranche verliefen vielversprechend – zu Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung, Design und Produkterweiterung, Marketing und Kommunikation, Logistik und Kundenservice, Strukturwandel und Mitarbeiterführung, Nachhaltigkeit und Diversity. Von den Impulsen der Kreativbranche können Unternehmen nur profitieren und so neue Herausforderungen meistern. Andreas Heyer, Vorsitzender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen, findet, dass Unternehmen viel zu selten über den Tellerrand schauen: „Ein Absolvent aus der Kulturwirtschaft sieht die IT-Branche aus einem ganz anderen Blickwinkel als eine IT-spezifische Beratungsagentur. Das ist der große Mehrwert, dass hier andere Denkmuster zum Tragen kommen.“

Kreativität ohne Feierabend
Wenn klein- und mittelständische Unternehmer über die Zusammenarbeit mit Künstlern und Kreativen berichten, schwingt immer viel Anerkennung und Begeisterung mit – über die Ernsthaftigkeit und den Biss der Kreativen bei der Bewältigung eines Problems. Kreative schauen nicht auf die Uhr. Sie testen Ideen und Alternativen so lange, bis sie die Herausforderung geknackt haben. Auch wenn sie nicht mehr am Schreibtisch sitzen, suchen sie im Kopf weiter nach Lösungen.

Kontaktanbahnung
Noch sind es meist die Kreativen, die Kontakt zu den Unternehmen suchen, um alternative Denkmuster anzubieten. Doch Kaltakquise ist schwierig. „Man braucht zunächst mal Vertrauen“, bestätigt Geschäftsführer Clemens Kreyenberg von der Kreyenberg GmbH. Bevor er zwei junge Künstlerinnen für eine kreative Intervention zum Thema „Mensch und Maschine“ in seine Firma holte, hatte er sie bei einer Veranstaltung der Initiative „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg kennen gelernt. Beim Stehbuffet war die Sympathie füreinander sofort da.

Begegnungsräume und Berührungsängste
Gebraucht werden Anlässe und Räume, in denen sich Unternehmer und Kreative in ungezwungener Atmosphäre auf Augenhöhe begegnen und austauschen können. Beide Seiten merken dann schnell, wie ähnlich sie sich in vielen Punkten sind: Auch Unternehmer denken und handeln kreativ. Auch Künstler bzw. Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten professionell und zuverlässig.

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Mit Kunst Bewusstsein für Innovation schaffen
Robert Kessler hat mit seinem Kunstwerk Yes to innovation die Bedeutung von Innovation veranschaulicht – im Auftrag des Unternehmens Roche Diagnositics. Der Standort in Penzberg ist weltweit der einzige, an dem das Unternehmen zugleich Forschung, Entwicklung und Produktion für Diagnostik und Pharma betreibt. Kessler führte viele Gespräche mit Mitarbeitern, um Struktur, Befindlichkeiten und Visionen im Unternehmen zu verstehen. Auf dieser Basis realisierte er „Yes to innovation“ – ein interaktives Kunstwerk, in deren Zentrum eine riesige, runde, begehbare Gleichgewichtsplatte versenkt ist. Oberhalb des Randes sind gegensätzliche Begriffe eingraviert, die Innovation entweder vorantreiben oder behindern: Freiheit, Offenheit und Vertrauen im Gegensatz zu Angst, Abwertung und Misstrauen. Je nachdem, wie viele Menschen auf der Platte stehen und sie austarieren, werden die Begriffe sichtbar. Am Außenradius befindet sich eine halbkreisförmig gebogene schwarze Stahlwand mit kleinen, runden beweglichen Spiegeln. Gemäß der Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen fangen sie das Sonnenlicht ein. Jeder hat hinter seinem Spiegel auf Papier eine persönliche Botschaft hinterlassen und wird somit Teil der neuen Schöpfungsgeschichte im Unternehmen.

Aufruf: Ihr Weg zur Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativbranche
In jeder Stadt und jeder Region finden Sie Netzwerke und Verbundplattformen von Kreativen. Auch Wirtschaftsförderungen und IHKs kennen geeignete Vermittler bzw. Akteure. Die Wirtschaftsförderungen in Bremen und Dortmund haben für klein- und mittelständische Unternehmen Design- und Innovationslabors initiiert, in denen konkrete unternehmerische Fragestellungen von Kreativ-Teams interdisziplinär bearbeitet werden. Lassen Sie sich bei Ihren Herausforderungen von kreativen Querdenkern unterstützen! Was Sie in Ihrem Unternehmen vielleicht selbst nicht ergründen, entdecken kreative Spezialisten. Gehen Sie mit Vertrauen in den Kollaborationsprozess, haben Sie Mut für offene Ergebnisse.

Sie als Unternehmer können zu diesen interdisziplinären Think Tanks und Kreativ-Netzwerken Kontakt aufnehmen:

● KREATIVE DEUTSCHLAND: überregionales Netzwerk und Plattform, getragen von den Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft, hier finden Sie Kontakte und Ansprechpartner zu regionalen Netzwerken der Kreativbranche: www.kreative-deutschland.de

● KULTURGILDE: Verband, Interessenvertretung und Plattform für Kreativnetze und Verbundprojekte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland: www.kulturgilde.de

● Das INNOVATIONSLABOR – Virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund: www.das-innovationslabor.de

● Das BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze: www.brennerei-lab.de

• Die Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg vermittelt und begleitet Interventionen mit Kreativschaffenden und Künstlern in Unternehmen zu einer konkreten unternehmerischen Fragestellung.

Weitere Quellen und Inspirationstipps:

● Filminterviews zur Künstlerischen Intervention „Mensch und Maschine“ mit Geschäftsleitung, Mitarbeitern und Künstlern bei der Kreyenberg GmbH von Antje Hinz: http://www.massivkreativ.de/mensch-und-maschine-flashmob-bei-der-kreyenberg-gmbh/

● Film über das Kunstwerk „Yes to innovation“ von Robert Kessler: https://www.youtube.com/watch?v=RC61k1ttCzc

● Der US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler Henry William Chesbrough prägte den Begriff „Open Innovation“. Er leitet das Center for Open Innovation, Haas School of Business, University of California, Berkeley. Bücher zum Thema: Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology (HBS Press, 2003), Open Business Models: How to Thrive in the New Innovation Landscape (HBS Press, 2006), Open Innovation: Researching a New Paradigm (Oxford, 2006).

Medienfassaden und Space Cocktails: Innovative Impulse für die Wirtschaft

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© Antje Hinz, Ausstellung der WFB_BRENNEREI next generation lab am 24.9.2015

      
      

Der Innovationsdruck für Unternehmen steigt. Die Produktzyklen werden immer kürzer, der Markt verlangt ständig nach neuen Fabrikaten und Dienstleistungen. Innovationen lassen sich selten aus der täglichen Arbeitsroutine heraus generieren, sagt Andrea Kuhfuß von BRENNEREI next generation lab, einem interdisziplinären Innovationsprojekt der Wirtschaftsförderung Bremen in Zusammenarbeit mit Absolventen kreativer und künstlerischer Studiengänge. Ich habe mit ihr und mit Andreas Heyer, dem Vorsitzenden Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen, gesprochen.

Marktausbau durch kreative Produkterweiterung

Wovon viele Unternehmen träumen, ist der ONLYGLASS GmbH aus dem niedersächsischen Verden gelungen. Das Familienunternehmen hat sich auf Glasveredelung spezialisiert. Mit Blick auf den internationalen Markt suchte Geschäftsführer Reinhard Cordes vor einigen Jahren gezielt nach einem Alleinstellungsmerkmal. Bei einer Reise nach New York fielen ihm auf dem Time Square die riesigen Reklametafeln auf, die die historischen Fassaden verdecken und verunstalten. Eine Alternative aus Glas wäre viel besser, dachte Cordes damals, zumal Glasfassaden im Städtebau topaktuell sind. Seine Idee lässt ihn nicht mehr los. Über vier Jahre entwickelt ONLYGLASS gemeinsam mit Partnern aus Hochschulen in Braunschweig, Hamburg und Aachen/Jülich eine neue Medienfassade mit LED-Technik. Senkrecht angeordnete Leuchtdioden werden in den Zwischenraum von Isolierglasscheiben integriert. Der große Vorteil: Die Medienfassaden sind transparent, der Blick aus dem Fenster wird nicht getrübt. Das Zusammenspiel der bunten LEDs reguliert ein Computer.

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© Christian O. Bruch: Opening Klubhaus / fact+film: Mitarbeiter / Christoph Sodemann: Kind

Think Tank für Unternehmen

ONLYGLASS forscht nicht nur nach neuen Technologien. In einem Think Tank der Wirtschaftsförderung Bremen finden die Glasexperten kreative Vordenker. Im Rahmen des Stipendiatenprogramms „BRENNEREI next generation lab“ tüfteln acht sorgsam von einer Jury ausgewählte Absolventen künstlerisch-kreativer Studiengänge an einer konkreten unternehmerischen Fragestellung. Sechs Monate dauert eine Projektphase. Für ONLYGLASS ermitteln die jungen Kreativen alternative Einsatzmöglichkeiten ihrer Produkte: Welcher erweiterte Markt lässt sich mit den neuen Medienfassaden erschließen? Umgangssprache unter den Stipendiaten englisch, sie stammen aus der ganzen Welt. Die meisten haben Kommunikations- und Design-Studiengänge absolviert und stellen sich hoch motiviert der doppelten Herausforderung: einerseits in einem interdisziplinären Umfeld zu arbeiten, andererseits reale Szenarien aus der Wirtschaft zu fokussieren. Unter Anleitung von Mentoren und Experten und im Dialog mit den Auftraggebern von ONLYGLASS erarbeiten die jungen Absolventen innovative Lösungsvorschläge.

Die Wurzeln

Vorgänger des interdisziplinären Stipendiatenprogramms ist das Designlabor Bremerhaven, angetreten im Jahr 2000, um Nachwuchskräfte aus designorientierten Disziplinen zu professionalisieren und gleichzeitig innovative Impulse in die Wirtschaft zu tragen. Seit 2012 wird dieses Vorhaben nun von „BRENNEREI next generation lab“ realisiert, aktuell arbeiten die Stipendiaten am sechsten und siebten Kooperationsprojekt. Von der Initiative der Wirtschaftsförderung Bremen profitieren alle Partner. Unternehmen zahlen an den Think Tank einmalig 12.500 € und erhalten für wenig Geld innovative Impulse für neue unternehmerische Ansätze. An die Stipendiaten fließt ein monatliches Honorar von 1.580 € brutto angelehnt an den Mindestlohn. Der eigentliche Gewinn für die jungen Kreativen liegt im Zugewinn an Erkenntnissen. Sie sammeln Erfahrungen im Team, im Prozess- und Projektmanagement, in der Konzeptentwicklung und der Kommunikation.

© WFB_BRENNEREI next generation lab

Praxisnahes, branchenübergreifendes Arbeiten

Andreas Heyer, Vorsitzender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen erklärt den großen Erfolg des Programms in dessen besonderer Konzeption: „Normalerweise holen sich die Unternehmen ihre Beratung und Begleitung von außen – also immer nach einem bestimmten Muster und aus einer typischen Branche. Im Rahmen unseres Stipendiatenprogramms stellen wir bewusst interdisziplinäre Teams aus branchenfernen Fachrichtungen zusammen. Unsere Absolventen eröffnen Sichtweisen und Blickwinkel, die in der Unternehmenslandschaft bisher gar nicht vorhanden waren. Ein Absolvent aus der Kulturwirtschaft sieht die IT-Branche aus einem ganz anderen Blickwinkel als eine IT-spezifische Beratungsagentur. Das ist der große Mehrwert, dass hier andere Denkmuster zum Tragen kommen.“

Nachwuchsgewinnung

Die unkonventionellen Ideen der jungen Kreativen haben viele Unternehmer überrascht. Vor allem deren unbändige Energie empfinden sie als sehr inspirierend und nehmen die besondere Atmosphäre gern in die Unternehmen mit. Hinzu kommt ein weiterer Mehrwert, betont Heyer: „In einem praxisnahen Umfeld treten die Firmen sehr früh in den Dialog mit jungen Absolventen ein und können sich langfristig geeigneten Nachwuchs sichern. Für die jungen Absolventen ist das Programm ein Anreiz, ihre berufliche Zukunft in Bremen zu planen.“

Kreative Methoden und Vermittlung

Forschen, Analysieren, Experimentieren, Entwickeln, Präsentieren. Etwa 60 Stunden innerhalb des Programms sind für den fachlichen Input von Mentoren vorgesehen. „Wir diskutieren sehr intensiv über mögliche Ideen, wir visualisieren sie in Form von Grafiken oder 3D-Modellen und präsentieren sie unseren Wirtschaftspartnern“, erklärt die Projektleiterin und Innovationsmanagerin Andrea Kuhfuß die Arbeitsweise im Think Tank. Der halbjährige Prozess läuft ergebnisoffen ab. Kreativität braucht Freiraum. Manchmal stellt sich heraus, dass die anfangs formulierte Fragestellung nicht zum gewünschten Ziel führt. Um eine praktikable Lösung zu finden, muss dann ein anderer Weg eingeschlagen werden. Kuhfuß sorgt mit Kommunikationsstärke und sozialer Kompetenz für die notwendige Offenheit und das Vertrauen zwischen Wirtschaft und Stipendiaten. Eine überaus wichtige Funktion!

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Kundenbefragungen auf Augenhöhe

Neben Brainstorming und DesignThinking gehören klassische Internet-Recherchen und Befragungen zum gängigen Handwerk. In diesem Jahr kooperiert „BRENNEREI next generation lab“ mit dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Geklärt werden soll die Frage, welchen Nutzen die Raumfahrt für den Bürger hat: „Die Luft- und Raumfahrt ist eine sehr wissenschaftlich-theoretische Branche“, erklärt Andrea Kuhfuß. „Dafür muss der Bürger erst mal emotionalisiert werden. Das geht am besten, indem man das Gespräch mit ihm sucht und ihn bei den Erfahrungen abholt, die er aus dem Alltag kennt.“ Handstaubsauger, Infrarot-Fieberthermometer, kratzfeste Brillengläser, Gel-Einlagen für Schuhe, schnurlose batteriebetriebene Werkzeuge, Wasserfilter – all das ist ursprünglich für Astronauten erfunden worden. Um Barrieren zu überwinden und Antworten zu erhalten, kreierten die Stipendiaten einen Begegnungsort, eine originelle Cosmo-Lounge. Jedem auskunftsfreudigem Bürger wird dort ein Space-Cocktail spendiert. Die Ergebnisse der Befragungen sollen in eine Publikation münden.

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Markterweiterung durch Perspektivwechsel

Auch für ONLYGLASS entwickelten die Stipendiaten eine Broschüre als Werbemittel für potentielle Kunden. Darin wird exemplarisch dargestellt, dass Medienfassaden nicht nur als Reklamefläche genutzt werden können, sondern darüber hinaus als innovative Fassadenbeleuchtung und urbanes Kommunikationsmittel – von Architekten, Stadtplanern, Fotografen, Filmemachern und Künstlern. „Die Stipendiaten haben bei uns im Unternehmen einen Perspektivwechsel angeregt – im Hinblick auf die Vermarktungsvielfalt unserer Medienfassaden“, schwärmt ONLYGLASS-Product-Manager Ralf Krüßel über das interdisziplinäre Arbeiten. Andrea Kuhfuß ergänzt: „Innovation braucht Kollaboration, Professionalisierung sowie interdisziplinäres Denken und Handeln. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, können sehr spannende Dinge entstehen.“ ONLYGLASS lässt gerade in das sechsstöckige Klubhaus St. Pauli in Hamburg seine neue Medienfassade einbauen. Zum Reeperbahnfestival Ende September 2015 soll sie mit Videoinstallationen bespielt werden.

Kommunikation und soziale Innovationen

Neben technologischen Fragen müssen Unternehmen heute auch soziale Herausforderungen meistern, etwa in der Personalentwicklung, im Gesundheits- und Wissensmanagement, in der Organisation und Kommunikation. Wer beim Kundenservice und Verbraucherschutz glänzen will, muss die Klaviatur des verbalen Austauschs beherrschen. Um im Falle eines Produktrückrufs die Kommunikation zwischen Unternehmen, Verbrauchern und Behörden zu verbessern, hat „BRENNEREI next generation lab“ in Kooperation mit der Software-Unternehmen „consider it GmbH“ den Prototyp für eine übergreifende Internet-Plattform entwickelt. Als praktische Gebrauchsanleitung produzierten die Stipendiaten einen Erklärtrickfilm.

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Logistik, IT, Digitalisierung, Industrie 4.0 *

Auch das aktuelle Stipendiatenprogramm fokussiert das Thema Kommunikation: In Zusammenarbeit mit „Bremen digitalmedia“ wird die Frage geklärt, wie sich der Kontakt zwischen IT und Logistik intensivieren lässt. Die jungen Kreativen brüten derzeit an einem innovativen Veranstaltungsformat, das Akteure aus der Logistik, IT, Wissenschaft und Gestaltung in einen fruchtbaren Austausch bringt. Die Ergebnisse der Think Tanks werden jeweils in der BRENNEREI präsentiert. Im kreativen Milieu der ehemaligen “Alten Schnapsfabrik“ in Bremen lädt die Wirtschaftsförderung Bremen regelmäßig zu Innovationsforen und Innovationswerkstätten ein. Dabei kommen zwischen sechs und zehn Unternehmensvertreter aus verschiedenen, sich befruchtenden Branchen in kleinen Workshop-Formaten zusammen – oft zu Clusterthemen, wie Luft- und Raumfahrt, Maritime Wirtschaft und Logistik, Windenergie. Es geht um Wissens- und Technologietransfer mit Blick auf die Megatrends demografischer Wandel, Globalisierung, Digitalisierung. Andreas Heyer erläutert diesen Ansatz am Beispiel von „Industrie 4.0“: „Bei diesem Thema reichen klassische Gedankenmuster nicht mehr aus. Da muss man einfach interdisziplinär denken und integrativ schauen, welche Akteure, welche Fähigkeiten und Branchen hier kooperieren und sich gegenseitig befruchten und vernetzen können.“
Die eher traditionelle Branche Logistik, so Heyer, tausche sich zunehmend über das Thema Social Media aus, um in der Öffentlichkeitsarbeit und im Beziehungsmanagement gegenüber Kunden besser aufgestellt zu sein. Unter professioneller und interdisziplinärer Anleitung entwickeln die Unternehmensvertreter sehr intensiv und praxisnah arbeitsfähige Ideen und Modelle, die tatsächlich im Arbeitsalltag umgesetzt werden. Im Idealfall bilden die Teilnehmer Netzwerke, aus denen heraus gemeinsam Projekte akquiriert und realisiert werden. *

Auszeichnung und Zukunftspläne

BRENNEREI next generation lab ist ein Labor für interdisziplinäre Entwicklungsprozesse. Das europaweit einmalige Projekt wurde 2014 in der Kategorie „Investitionen in Unternehmenskompetenzen“ mit dem Europäischen Unternehmensförderpreis ausgezeichnet. Ausgelobt in den 28 Mitgliedstaaten der EU sowie in Island, Norwegen, Serbien und der Türkei, würdigt der Award Projekte, die sich um Unternehmergeist und Unternehmertum verdient gemacht haben. Seit 2006 beteiligten sich europaweit mehr als 2.000 Projekte und Initiativen.
Andreas Heyer und Andrea Kuhfuß möchten das Stipendiatenprogramm gern verstetigen, d.h. unabhängig von einer Förderung aufstellen. Das setzt bei den Unternehmen das Bewusstsein voraus, dass sie den (Mehr-)Wert von interdisziplinären Teams anerkennen und vergleichbare Preise dafür zahlen wie für eine Personal- oder Unternehmensberatung. Heyer ist optimistisch und setzt auf Empfehlungsmarketing: „Je deutlicher wir die Erfolge am Markt zeigen, um so mehr Unternehmen lassen sich zum Mitmachen motivieren. Reden über Beispiele und Erfolge – das ist der richtige Weg!“

Inspirationstipps:

BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der Wirtschaftsförderung Bremen GmbH, in dem kreative Nachwuchskräfte unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze erarbeiten.

* Donnerstag, 17. September 2015, 10 – 18 Uhr
TRANSPORTALE – eintägiger interaktiver Workshop über die digitale Zukunft der Logistik.
Kooperation mit Bremen digitalmedia, Future Lab IT und Logistik; Interessenten aus den Bereichen IT, Logistik, Wissenschaft und Gestaltung entwickeln nach zwei Impulsvorträgen in interaktiven Workshops neue Geschäftsideen auf der Grundlage von Business-, Technologie- und sozialen Trends. Impulsvorträge von Prof. Rolf Drechsler (DFKI, Bremen) und Stephan Hürholz (The Exponentials, London).
Anmeldungen bis zum 9. September unter info@brennerei-lab.de
Ort: Weser Tower, 21. OG, Am Weser-Terminal 1, 28217 Bremen

Do, 24. September 2015, 18 Uhr
ABSCHLUSSPRÄSENTATION der interdisziplinären Stipendiatenprojekte 2015
– Bremen digitalmedia: Wie kann der Kontakt zwischen IT und Logistik intensiviert werden?
– Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Welchen Nutzen hat die Raumfahrt für den Bürger?
Ort: Alte Schnapsfabrik (Karton und BRENNEREI), Osterstrasse 28 – 29, 28199 Bremen

WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH

Klub Dialog e.V.: Veranstaltungsforum der Wirtschaftsförderung Bremen an wechselnden Orten, fünf kreative Bühnengäste präsentieren in jeweils sieben Minuten ihre Ideen, Projekte und Unternehmen

Film über das Arbeiten in interdisziplinären kreativen Teams am Beispiel der ONLYGLASS GmbH

Informationsfilm über das Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH

Beispielprojekte von BRENNEREI next generation lab mit Projektpartnern HEC Software, Bürgerpark Bremen und ONLYGLASS

Informationsfilm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie über Best Practice aus der Kultur- und Kreativwirtschaft am Beispiel von BRENNEREI next generation lab

Erklärfilm zum branchenübergreifendem Internetportal über Produktrückrufe „Pinco and the Product Recalls“

Förderpreis für innovative und interdisziplinäre Projekte zwischen Wirtschaft und Kreativbranchen

Sozialforscherin Ariane Berthoin Antal über Künstlerische Interventionen

© MassivKreativ

Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal untersucht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) „Künstlerische Interventionen in Organisationen”. Sie hat in den letzten Jahren über 100 Interventionen europaweit evaluiert, vor allem in klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU). Ich habe die Sozialforscherin ausführlich befragt – am Rande einer interaktiven Konferenz über Künstlerische Interventionen der Initiative „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg.

Im Interview geht es u.a. um diese Fragen:

  • Welches Ziel hatten die Untersuchungen?
  • Welche Fragen wurden an die beteiligten Akteure gestellt – an Geschäftleitungen, Mitarbeiter, Künstler und vermittelnde Intermediäre?
  • Wie lief der Prozess der Untersuchung ab?
  • Wie lässt sich der Erfolg einer Künstlerischen Intervention untersuchen?
  • Was bringt sie den Beteiligten? Welche Erfolgserwartungen gab es im Vorfeld?
  • Wie muss eine Künstlerische Intervention ablaufen, damit sie auch längerfristig und nachhaltig wirkt? Wie gelingt der Transfer der Erkenntnisse in den Alltag?
  • Welche Rolle spielt der Vermittler (Intermediär) bei einer Künstlerischen Intervention?
  • Wie wichtig ist das Matching, damit der Künstler bzw. die Methode zum Unternehmen passt und wie findet heraus, wer zu wem passt?
  • Warum ist es wichtig, dass die Künstlerische Intervention ergebnisoffen verläuft?
  • Eignen sich bestimmte künstlerische Methoden besser als andere?
  • Was sind typische Szenarien, die ein Unternehmen dazu bewegen, einen Künstler in das Unternehmen zu holen?
  • Was sind typische unternehmerische Fragestellungen?

Quellen und Inspirationstipps:

Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, der Link führt auch zu ausgewählten Publikationen der Wissenschaftlerin

• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg

Führen und Folgen: Was Unternehmer von Tänzern lernen

© Ulla Thomas, Pixelio

Welche Atmosphäre herrscht in einem Unternehmen? Wie wirkt die innere Stimmung nach außen? Der Führungsstil beeinflusst dies maßgeblich. Mechanismen des Managements lassen sich „begreifen“ und „spüren“, indem man sich konkrete Handlungsmuster vor Augen führt. Vom Tanzen lässt sich extrem viel lernen!
Welche Vorgaben werden auf dem Parkett gemacht? Wie führt ein Tänzer und in welcher Weise kann der andere Partner folgen? Wieviel Freiraum lässt man sich gegenseitig? Auf welche Art des Tanzens bzw. auf welchen Stil hat man sich zuvor geeinigt? Will man sich lieber klassisch routiniert in traditionellen Bewegungs- und Rollenmustern präsentieren oder neue experimentelle, ungewöhnliche Wege wagen? All das hat Einfluss darauf, welche Ausstrahlung ein Paar auf dem Parkett hat.

Ihre Rolle als Chef
Ganz ähnliche Fragen lassen sich auch auf den Geschäftsalltag übertragen. Haben Sie Ihre Rolle als Chef fest definiert? Welches Selbstbild und welchen Führungsstil tragen Sie nach außen? Vertrauen Sie Ihrer Intuition? Oder ziehen Sie bei neuen Herausforderungen lieber einen Experten von außen hinzu? – So wie Tänzer einen Choreografen. Sehen Sie sich als Solo-Performer oder als Paartänzer bzw. Team-Player? Welchen Part gestehen Sie anderen zu? Favorisieren Sie beim Außenauftritt Ihres Teams Geschlossenheit – so wie bei Tänzern synchrone Bewegungen – oder setzen Sie eher auf individuelle Leistungen? Lassen Sie auch „Kapriolen“ oder „Pirouetten“ zu? Wie wirkt sich die körperliche Verfassung auf Management-Entscheidungen aus? Entscheiden Sie anders, wenn Sie ausgeschlafen und zufrieden sind als wenn Sie unter Stress stehen? Wie senden Sie Signale zur Richtungsänderung im Unternehmen aus, verbal oder nonverbal? Wie nehmen Ihre Partner und Ihr Team Vorgaben auf? Folgen Sie Ihnen blind oder kommt es zu Missverständnissen? Wie können Gesten und Körperhaltung klar und eindeutig ausgesandt werden, damit Partner wunschgemäß reagieren?

Ihre Rolle in der Öffentlichkeit
Und welche Rolle spielt das Publikum? Hat es Einfluss darauf, wie sicher Sie sich bewegen? Wie wirken sich Umgebung, Raum und Zeit auf Ihre (Tanz-)Präsentation aus? Wenn Sie sich diese Rollenmuster praktisch vor Augen führen möchten, laden Sie sich doch einmal einen Tänzer in Ihr Unternehmen ein. Finden Sie in einem Bewegungsworkshop heraus, in welcher Rolle Sie oder Ihre Mitarbeiter sich wohl fühlen! In welchen Situationen wirken Sie entspannt und authentisch? Erfahrene Tänzer können Ihnen alltagsnahe Erlebnisse vor Augen führen. Erleben Sie hautnah, warum Sie sich mit der einen oder anderen Entscheidung Bauchschmerzen hatten. Finden Sie heraus, wieviel Wissen, Technik und Handwerk für Sie wichtig ist und wieviel Intuition. Wieviel Spontaneität und Improvisation ertragen Sie? Was könnte Sie zusätzlich inspirieren und motivieren? Erspüren Sie es und finden Sie es mit Körper und Seele heraus.

Spielwiese für Inspirationen
Die Konferenz-Reihe „Art of Management and Organisation“ führt den Teilnehmern regelmäßig Verhaltensmuster und Mechanismen vor Augen. Im August 2014 haben Brigitte Biehl-Missal (University of Essex; BSP Business School Berlin Potsdam) und Claus Springborg (Cranfield University und freiberuflicher Berater) für den Austragungsort in Kopenhagen verschiedene praktische Panels zum Thema konzipiert und geleitet: „Dance, Choreography and Organisation“. 12 Redner luden in diesem Rahmen zu Vorträgen ein, bis zu 40 Teilnehmer könnten die gewonnenen Erkenntnisse in einzelnen Workshops ausprobieren.

Inspirationstipps:

● ausführliche Informationen über „Dance, Choreography and Organisation“ im Rahmen der Konferenz „Art of Management and Organisation“ in Kopenhagen im Jahr 2014 von Brigitte Biehl-Missal (University of Essex; BSP Business School Berlin Potsdam): Teil 1 und Teil 2

● die 8. AOMO – Art of Management and Organization Conference wird 2016 an der IEDC Business School Bled in Slowenien stattfinden

● Brigitte Biehl-Missal: Wirtschaftsästhetik – Wie Unternehmen die Kunst als Inspiration und Werkzeug nutzen, Gabler Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-8349-2429-2, Rezension des Buches von Helga Stattler

T.A.N.Z. GmbH: Themenzentrierte Aktionen für Nachhaltige Zusammenarbeit von Jennifer Hoernemann und Walbrodt