Kreativwirtschaft auf Erfolgskurs

229456_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Deutschland ist ein Land der Klein- und Kleinstunternehmen. Nur knapp 1 Prozent der Firmen beschäftigt mehr als 250 Mitarbeiter. Rund 93 Prozent von insgesamt 5 Millionen Unternehmen sind Selbstständige, Einzelpersonengesellschaften und Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern. Um das eigene Potential effektiv einzusetzen und die Konkurrenz überschaubar zu halten, muss ein Einzelkämpfer genau überlegen, welche Produkte oder Serviceleistungen er anbietet.

Profilschärfe und Vernetzung
In der Kultur- und Kreativwirtschaft sind 97 % der Akteure Einzelunternehmer und Freiberufler. In einem monopolisierten Markt ein Alleinstellungsmerkmal zu finden, gehört für sie zum Alltag. Zugleich ist die Vernetzung mit Spezialisten anderer Branchen überlebenswichtig, insbesondere wenn man den Auftragszuschlag für größere Projekte erhalten will. In der Gamesbranche verbinden sich Autoren, Konzepter, Programmierer, Psychologen, Grafik- und Sounddesigner in gemeinsamen Think Tanks. Film-Projekte sind ähnlich vielschichtig angelegt. „Wenn ein Ingenieur oder Programmierer sich mit einem Autor oder Designer verständigt, gibt es zuweilen „Sprachprobleme“, weiß Roland Weiniger, „aber die lassen sich rasch überwinden.“ Als Leiter des gemeinnützigen PIAGET-Instituts in Nürnberg ist Weiniger Experte für branchenübergreifende Projekte. Sein Team überträgt Spielmechanismen auf andere Bereiche, wie Wirtschaft, Gesundheit und lebenslanges Lernen. Wenn es einmal hakt, vermitteln geeignete Intermediäre zwischen den Akteuren, die vor allem kommunikationsstark und sozialkompetent sind.

Erfolgreich trotz kleiner Budgets
Kleinunternehmen haben meist nur überschaubare Budgets. Doch gerade aus der Not der Beschränkung erwachsen alternative, kreative Ideen, etwa in der Arbeitswelt. Coworking Büros von Kreativen hatten ursprünglich den Zweck, Räume und Ressourcen, aber auch Fähigkeiten und Wissen zu teilen. Längst arbeiten auch Unternehmen klassischer Branchen so, weniger aus ökonomischer Motivation heraus, sondern um interdisziplinär an neuen Ideen zu schmieden.

Vordenker für Trends
„Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist immer Vorreiter gewesen, wenn es um neue gesellschaftliche Entwicklungen gegangen ist“, sagt Frank Fischer, Leiter der Initiative „Kultur- und Kreativwirtschaft“ der Bundesregierung, die beim Ministerium für Wirtschaft und Energie angesiedelt ist. Ein bewusster Umgang mit Energie und Ressourcen, nachhaltiges Handeln, Vielfalt und die Kultur des Teilens wurde vor allem von Künstlern in die Gesellschaft hineingetragen. Neue Geschäftmodelle sind daraus entstanden, z. B. Carsharing, Upcyling, neue Wertschöpfungsketten und Branchen wie die Bio-Ökonomie.

Volkswirtschaftliche Fakten
Die Initiative „Kultur- und Kreativwirtschaft“ der Bundesregierung ist im Jahr 2007 angetreten, um der kreativen Branche stärker Gesicht und Gewicht zu geben. Durch innovative Veranstaltungsformate und Wettbewerbe soll auch die klassische Wirtschaft auf neue Kreativunternehmer und innovative Geschäftideen aufmerksam werden. Die volkswirtschaftlichen Daten beeindrucken: „Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist bei der Bruttowertschöpfung vergleichbar mit anderen großen Branchen, wie der Automobilindustrie und der chemischen Industrie“, erklärt Fischer. „Nach dem Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums hat die Branche 2014 einen Gesamtumsatz von 146,3 Mrd. Euro erzielt.“ Ihr Umsatz wächst seit 2009 jährlich um etwa 2,2 %. Die Branche ist vielfältig: Zur Kulturwirtschaft zählen Darstellende Kunst, Musik-, Buch-, Kunst-, Presse- und Architekturmarkt, ebenso Film-, Rundfunk-, und Designwirtschaft, zu den Kreativbranchen der Werbemarkt sowie die Software- und Games-Industrie.

Befruchtungseffekte nutzen
Sogar die EU setzt seit 2012 darauf, die Kreativbranche als Motor für Wachstum und Beschäftigung zu nutzen und will geeignete Projekte unterstützen: ”Durch ihre Schnittstellenposition zwischen Kunst, Wirtschaft und Technologie ist die Kultur- und Kreativwirtschaft dafür prädestiniert, Spillover-Effekte in andere Branchen anzustoßen.“ *
Spillover meint Wechselwirkungen und Übertragungseffekte zwischen verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft: Wirtschaft, Politik, Kultur, Wissenschaft, Stadtentwicklung. Alles soll sich gegenseitig befruchten. Die große Herausforderung, so Frank Fischer, bestehe in nächster Zeit darin, die Kreativen nicht nur untereinander zu vernetzen, sondern sie stärker mit den Branchen der klassischen Wirtschaft zu verbinden. Von der Zusammenarbeit können alle nur profitieren.

Reihe: Von der Kultur- und Kreativwirtschaft zur Nachahmung empfohlen
Gelungene Projekte sprechen für sich: Zukünftig stelle ich Ihnen konkrete Praxisbeispiele vor: interdisziplinäre Innovationsprojekte zwischen Akteuren der Kultur- und Kreativbranche sowie klein- und mittelständischen Untenehmen der klassischen Wirtschaft.
Themen sind: Digitalisierung und Industrie 4.0, Kundenservice, Design und Verpackung, lebenslanges Lernen und Gamification, Produkterweiterung und Unternehmenswandel, Marketing und Außendarstellung, interne und externe Kommunikation, Demografiewandel und Vielfalt, Personalführung, Logistik und Social Media, Nachhaltigkeit und Fehlerkultur.

Schreiben Sie mir, wenn Sie bereits erfolgreiche Vernetzungsprojekte kennen oder selbst daran beteiligt waren. Ich stelle die innovativen, interdisziplinären Vorhaben gerne vor! massivkreativ2015@gmail.com

Quellen und Inspirationstipps:

● Initiative Kultur- und Kreativ-Wirtschaft der Bundesregierung beim BMWi

● Video-Interview mit Frank Fischer, Leiter der Initiative „Kultur- und Kreativwirtschaft“ der Bundesregierung, am 14.7.2015, Autorin: Antje Hinz: www.massivkreativ.de/kreativquoten

PIAGET-Institut Nürnberg, interdisziplinärer Verbund von außeruniversitären Forschungseinrichtungen:

● Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums über die Kultur- und Kreativwirtschaft, 2014

Die Kultur- und Kreativwirtschaft als Motor für Wachstum und Beschäftigung in der EU unterstützen /* COM/2012/0537 final */ – MITTEILUNG DER KOMMISSION AN DAS EUROPÄISCHE PARLAMENT, DEN RAT, DEN EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTS- UND SOZIALAUSSCHUSS UND DEN AUSSCHUSS DER REGIONEN:

Zu diesen interdisziplinären Think Tanks und Kreativ-Netzwerken können Sie Kontakt aufnehmen:

KREATIVE DEUTSCHLAND: überregionales Netzwerk und Plattform, getragen von den Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft, hier finden Sie Kontakte und Ansprechpartner zu regionalen Netzwerken der Kreativbranche

KULTURGILDE: Verband, Interessenvertretung und Plattform für Kreativnetze und Verbundprojekte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland

BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze

● Das INNOVATIONSLABOR – Virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund

Open Innovation: Innovationen fallen nicht vom Himmel

464556_web_R_K_B_by_JMG_pixelio.de © JMG, Pixelio

Wer über Globalisierung und Demografie, Nachhaltigkeit und Vielfalt nachdenkt, kommt automatisch zu der Erkenntnis, dass es ohne „open innovation“, also ohne interdisziplinäre, branchenübergreifende Vernetzung heute nicht mehr geht. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist hier Vorreiter: Architekten lenken bei Bauprojekten um die 20 verschiedenen Gewerke. Im Theater vermitteln Regisseure sogar zwischen 50 verschiedenen Berufsgruppen: Kunst und Marketing, Verwaltung und Organisation, Handwerk und Technik. Vermitteln und Querdenken ist für Akteure der Kreativbranche Tagesgeschäft und erfordert eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz. Davon kann die klassische Wirtschaft profitieren. Künstler kennen keine Routinen, am Anfang steht immer das „weiße Blatt“. Was sie schon geschaffen haben, wird hinterfragt, um Neues schöpfen zu können.

Themenfelder für interdisziplinäre Projekte
Bisherige Kooperationsprojekte zwischen klassischer Wirtschaft und Kultur- und Kreativbranche verliefen vielversprechend – zu Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung, Design und Produkterweiterung, Marketing und Kommunikation, Logistik und Kundenservice, Strukturwandel und Mitarbeiterführung, Nachhaltigkeit und Diversity. Von den Impulsen der Kreativbranche können Unternehmen nur profitieren und so neue Herausforderungen meistern. Andreas Heyer, Vorsitzender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen, findet, dass Unternehmen viel zu selten über den Tellerrand schauen: „Ein Absolvent aus der Kulturwirtschaft sieht die IT-Branche aus einem ganz anderen Blickwinkel als eine IT-spezifische Beratungsagentur. Das ist der große Mehrwert, dass hier andere Denkmuster zum Tragen kommen.“

Kreativität ohne Feierabend
Wenn klein- und mittelständische Unternehmer über die Zusammenarbeit mit Künstlern und Kreativen berichten, schwingt immer viel Anerkennung und Begeisterung mit – über die Ernsthaftigkeit und den Biss der Kreativen bei der Bewältigung eines Problems. Kreative schauen nicht auf die Uhr. Sie testen Ideen und Alternativen so lange, bis sie die Herausforderung geknackt haben. Auch wenn sie nicht mehr am Schreibtisch sitzen, suchen sie im Kopf weiter nach Lösungen.

Kontaktanbahnung
Noch sind es meist die Kreativen, die Kontakt zu den Unternehmen suchen, um alternative Denkmuster anzubieten. Doch Kaltakquise ist schwierig. „Man braucht zunächst mal Vertrauen“, bestätigt Geschäftsführer Clemens Kreyenberg von der Kreyenberg GmbH. Bevor er zwei junge Künstlerinnen für eine kreative Intervention zum Thema „Mensch und Maschine“ in seine Firma holte, hatte er sie bei einer Veranstaltung der Initiative „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg kennen gelernt. Beim Stehbuffet war die Sympathie füreinander sofort da.

Begegnungsräume und Berührungsängste
Gebraucht werden Anlässe und Räume, in denen sich Unternehmer und Kreative in ungezwungener Atmosphäre auf Augenhöhe begegnen und austauschen können. Beide Seiten merken dann schnell, wie ähnlich sie sich in vielen Punkten sind: Auch Unternehmer denken und handeln kreativ. Auch Künstler bzw. Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten professionell und zuverlässig.

Yes to Innovation_Robert KesslerRobert Kessler_Yes to Innovation 2 © Robert-Kessler.de

Mit Kunst Bewusstsein für Innovation schaffen
Robert Kessler hat mit seinem Kunstwerk Yes to innovation die Bedeutung von Innovation veranschaulicht – im Auftrag des Unternehmens Roche Diagnositics. Der Standort in Penzberg ist weltweit der einzige, an dem das Unternehmen zugleich Forschung, Entwicklung und Produktion für Diagnostik und Pharma betreibt. Kessler führte viele Gespräche mit Mitarbeitern, um Struktur, Befindlichkeiten und Visionen im Unternehmen zu verstehen. Auf dieser Basis realisierte er „Yes to innovation“ – ein interaktives Kunstwerk, in deren Zentrum eine riesige, runde, begehbare Gleichgewichtsplatte versenkt ist. Oberhalb des Randes sind gegensätzliche Begriffe eingraviert, die Innovation entweder vorantreiben oder behindern: Freiheit, Offenheit und Vertrauen im Gegensatz zu Angst, Abwertung und Misstrauen. Je nachdem, wie viele Menschen auf der Platte stehen und sie austarieren, werden die Begriffe sichtbar. Am Außenradius befindet sich eine halbkreisförmig gebogene schwarze Stahlwand mit kleinen, runden beweglichen Spiegeln. Gemäß der Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen fangen sie das Sonnenlicht ein. Jeder hat hinter seinem Spiegel auf Papier eine persönliche Botschaft hinterlassen und wird somit Teil der neuen Schöpfungsgeschichte im Unternehmen.

Aufruf: Ihr Weg zur Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativbranche
In jeder Stadt und jeder Region finden Sie Netzwerke und Verbundplattformen von Kreativen. Auch Wirtschaftsförderungen und IHKs kennen geeignete Vermittler bzw. Akteure. Die Wirtschaftsförderungen in Bremen und Dortmund haben für klein- und mittelständische Unternehmen Design- und Innovationslabors initiiert, in denen konkrete unternehmerische Fragestellungen von Kreativ-Teams interdisziplinär bearbeitet werden. Lassen Sie sich bei Ihren Herausforderungen von kreativen Querdenkern unterstützen! Was Sie in Ihrem Unternehmen vielleicht selbst nicht ergründen, entdecken kreative Spezialisten. Gehen Sie mit Vertrauen in den Kollaborationsprozess, haben Sie Mut für offene Ergebnisse.

Sie als Unternehmer können zu diesen interdisziplinären Think Tanks und Kreativ-Netzwerken Kontakt aufnehmen:

● KREATIVE DEUTSCHLAND: überregionales Netzwerk und Plattform, getragen von den Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft, hier finden Sie Kontakte und Ansprechpartner zu regionalen Netzwerken der Kreativbranche: www.kreative-deutschland.de

● KULTURGILDE: Verband, Interessenvertretung und Plattform für Kreativnetze und Verbundprojekte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland: www.kulturgilde.de

● Das INNOVATIONSLABOR – Virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund: www.das-innovationslabor.de

● Das BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze: www.brennerei-lab.de

• Die Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg vermittelt und begleitet Interventionen mit Kreativschaffenden und Künstlern in Unternehmen zu einer konkreten unternehmerischen Fragestellung.

Weitere Quellen und Inspirationstipps:

● Filminterviews zur Künstlerischen Intervention „Mensch und Maschine“ mit Geschäftsleitung, Mitarbeitern und Künstlern bei der Kreyenberg GmbH von Antje Hinz: http://www.massivkreativ.de/mensch-und-maschine-flashmob-bei-der-kreyenberg-gmbh/

● Film über das Kunstwerk „Yes to innovation“ von Robert Kessler: https://www.youtube.com/watch?v=RC61k1ttCzc

● Der US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler Henry William Chesbrough prägte den Begriff „Open Innovation“. Er leitet das Center for Open Innovation, Haas School of Business, University of California, Berkeley. Bücher zum Thema: Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology (HBS Press, 2003), Open Business Models: How to Thrive in the New Innovation Landscape (HBS Press, 2006), Open Innovation: Researching a New Paradigm (Oxford, 2006).

Kreative Querdenker: Künstler statt Unternehmensberater

  © MassivKreativ

Künstler haben viele – bisher viel zu wenig genutzte Kompetenzen, die auch in Unternehmen hilfreich sein können. Immer mehr Firmen engagieren sie deshalb als kreative Querdenker – und als Alternative zu klassischen Unternehmensberatern. Was machen sie anders?

Carl Spitzweg. Sonderbriefmarke 2008 (gemeinfrei)

Eine Dachkammer, eng und verfallen, darin ein Ofen, längst erloschen. Ein aufgespannter Regenschirm als Schutz vor durchtropfender Nässe. Am Boden eine alte Matratze, darauf in eine kärgliche Decke gehüllt: der arme Poet. Der Maler Carl Spitzweg hat die missliche Lage von Künstlern treffend verewigt. Seine Botschaft: Kunst ist brotlos, wenn sie frei ist, der Künstler ein Bittsteller, eine abhängige Spezies – abhängig von der Gunst des Förderers und den Trends der Zeit.

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing?
Die Alternative zum hungrigen Bauch ist die Auftragskunst. Doch Sponsoren erwarten klare Gegenleistungen! Eine Allianz auf Augenhöhe kann dann entstehen, wenn der Künstler nicht länger Bittsteller ist, sondern sein Wissen und seine Fähigkeiten unmittelbar und sinnvoll in den Alltag eines Unternehmens einbringen kann. Wie lässt sich die Beziehungsebene zwischen Wirtschaft und Kultur, zwischen Unternehmen und Künstler anders denken und gestalten?

Was Künstler für Interventionen befähigt
Abseits künstlerisch-handwerklicher Fertigkeiten geraten nun bislang unbeachtete Kompetenzen von Künstlern in den Fokus. Künstler sind offen und neugierig. Sie können querdenken, ungewöhnliche Fragen und Routinen auf den Prüfstand stellen. Sie haben Biss und Durchhaltevermögen, feilen über Wochen und Monate an Details, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren. Sie begreifen Mangel und Defizit als Chance und Herausforderung. Sie schauen genau hin und hören aufmerksam zu. Sie sind emotional, feinfühlig, empfänglich für Zwischentöne und Nonverbales.

Wo Unternehmen der Schuh drückt
Dass soziale Fähigkeiten und Kompetenzen mehr Beachtung brauchen, hat die Wirtschaft längst erkannt und zuweilen auch schmerzlich erfahren müssen. Unternehmen klagen über Nachwuchsmangel und Fluktuation ihrer ausgebrannten, demotivierten Mitarbeiter, über Kommunikationsstörungen zwischen Abteilungen und Führungsetagen. Die Anforderungen sind gestiegen: Technologiewandel, Umstrukturierung, Digitalisierung. Wie sollen Unternehmen darauf reagieren? Wie sollen sie die Konflikte lösen? Wie sollen sie Sprachlosigkeit oder Auseinandersetzungen zwischen unzufriedenen Mitarbeiter begegnen, wenn sie häufig nicht mal die Ursachen kennen?

Was eine “Künstlerische Intervention” ausmacht
Ob aus Verzweiflung oder als innovative Pioniertat: Immer mehr Unternehmer holen sich Künstler als kreative Querdenker in die Firma – alternativ zu klassischen Unternehmensberatern. Je nach Aufwand sind die Tagessätze in etwa vergleichbar. Was machen Künstler konkret anders? Künstler konzipieren maßgeschneiderte Workshops und Aktionen für individuelle unternehmerische Fragestellungen. Die Akteure nennen ihr Gestalten und Handeln “Künstlerische Interventionen”, abgeleitet aus dem Lateinischen: intervenire = dazwischentreten, sich einschalten. Der Künstler greift in bestehende organisatorische Zusammenhänge ein, hinterfragt sie, stößt Prozesse an, löst Wechselwirkungen aus und erspürt auch emotionale Verwicklungen. Der Fokus der Interventionen liegt auf der zwischenmenschlichen Beziehungsebene, wenn man so will auf dem Personalbereich. Mit passenden originellen Aktionen geben Künstler Impulse für einen anderen Umgang miteinander. Kommunikation wird neu gedacht. Die Künstler sehen sich nicht als reine Dienstleister, sondern entwickeln stets auch ein persönliches Interesse am Dialog mit den Teams und den Mitarbeitern im Unternehmen.

Sparten, Formate und finale Produkte
Alle künstlerischen Sparten und medialen Formate sind für eine “Künstlerische Intervention” geeignet: Theaterspielen und Tanzen, Papiergestaltung und Zeichnen, Schreiben und Poetry Slam, Musikmachen und Musikhören, Bauen und Designen, Fotografieren und Filmen, Sounddesign, also das Sammeln von Geräuschen, sowie auch das Führen von Interviews für Videos und Podcasts ist eine reizvolle Option. Perfektion und Leistung sind unwichtig, ausgeblendet werden ebenso Effizienz und Tempo. Der Weg ist das Ziel! Der Prozess ist entscheidend, der oft seine ganz eigene Dynamik entwickelt und dessen Ergebnis in der Regel völlig offen ist. Finale Produkte können entstehen, müssen es aber nicht. Wenn die Intervention in ein greifbares Ergebnis mündet, in ein Kunstobjekt oder ein mediales Produkt, eine Karte, ein Audio-Interview oder einen Film, kann es im Einvernehmen auch für die Außendarstellung des Unternehmens genutzt werden. Ein willkommener Nebeneffekt!

Wie eine „Künstlerische Intervention“ abläuft
Die Dauer einer Intervention ist variabel. Sie kann individuell zwischen Unternehmen und Künstler abgestimmt werden, je nach Bedarf und nach unternehmerischer Fragestellung. Ein kurzer ein- bis zweitägiger Workshop mit einem oder auch zwei Künstlern ist ebenso denkbar wie ein regelmäßiges, mehrwöchiges Zusammentreffen mit den Mitarbeitern an einem festen Ort im Unternehmen. Aus der unternehmerischen Fragestellung entwickelt der Künstler eine kreative Methode und plant das weitere Vorgehen mit den Teams. Der Künstler animiert sie zu kreativem, leistungsbefreiten Arbeiten, was gerade Führungskräften eine höchst ungewohnte Erfahrung beschert: Plötzlich Laie und nicht mehr Experte? Scheitern und Versagen akzeptiert und erwünscht? Neue Erlebnisse öffnen Ventile, brechen Dämme, schaffen Nähe, setzen Emotionen frei.

Irritation und Inspiration ausdrücklich erwünscht
Anfängliche Skepsis und Irritation begleiten jedes Projekt. Doch zusehends entsteht eine offene Atmosphäre, die manch eine Firma bis dahin selten oder nie erlebt hat. Der Künstler geht unbefangen und mit aufrichtigem Interesse auf die Mitarbeiter zu. Über „die Brücke“ der künstlerischen Intervention werden Blockaden gelöst, ungeahnte Charakterzüge und Fähigkeiten hervorgelockt, Standpunkte und Meinungen überdacht, weil man sie besser oder anders einzuordnen weiß. Jeder schenkt dem anderen ein offenes Ohr für Bedenken, Ängste und Nöte. Man bringt einander mehr Respekt entgegen, die Mitarbeiter untereinander, die Geschäftsführung gegenüber Mitarbeitern und umgekehrt. Auch der Künstler erfährt eine neue Form der Achtung durch das Unternehmensteam. Der „andere“ Lebensentwurf des Künstlers wird interessiert zur Kenntnis genommen und akzeptiert, sein Erfahrungshorizont wertgeschätzt. Wirtschaft und Kunst nähern sich an, finden einen gemeinsamen Nenner, gehen auf Augenhöhe. Spielerisch und ungezwungen arbeitet jeder an seinen sozialen Kompetenzen. Wer sich geachtet und wertgeschätzt fühlt, ist motiviert, sich stärker in dasUnternehmen einzubringen und es mitzugestalten, am Teamgeist zu schmieden und seine Kreativität zu beflügeln.

Kunst = Kapital
Wer sich als Unternehmer eine nachhaltige Wirkung wünscht, ist selbst nachhaltig gefordert. Der Samen, der durch eine künstlerische Intervention gesät wird, muss weiter gegossen, gedüngt, umsorgt und gepflegt werden. Nach dem Ende einer Interaktion ist das Unternehmen nicht aus der Verantwortung entlassen. Die Arbeit beginnt gerade erst, jedoch unter guten Vorzeichen, in günstiger Atmosphäre, auf höherem Niveau. Kunst = Kapital, schrieb der deutsche Aktionskünstler Josef Beuys 1979 auf einen Zehnmarkschein und ergänzte, dies könne durchaus wörtlich genommen werden, denn „Kreativität und schöpferische Energie des Einzelnen“ sind „das Kapital und Potential einer Gesellschaft.“ Eine künstlerische Intervention erfordert Mut auf beiden Seiten, Offenheit und Vertrauen. Sie ist ungewohnt, manchmal verstörend, oft erheiternd, immer inspirierend, erfrischend und charmant.

Best Practice: Künstlerische Interventionen in Beispielen
Möchten Sie den Mehrwert künstlerischer Arbeit auch für sich und Ihre Mitarbeiter entdecken und ausprobieren? Kann Ihre persönliche unternehmerische Situation durch eine künstlerische Intervention positiv verändert und beflügelt werden? Schauen Sie sich die Medienberichte über Unternehmen und Künstler an, die höchst unterschiedliche Interventionen gewagt und gemeinsam verwirklicht haben. Mit erstaunlichen Ergebnissen.

Teambuilding mit Steinwolle und Maschinensounds

  © Paroc

Die finnische Firma Paroc produziert Steinwolle. Eine bodenständige Branche, eine bodenständige Firma. Dennoch setzte der Personalchef auf ungewöhnliche Hilfe aus der Kunstszene, als es im Unternehmen hakte.

Das Unternehmen Paroc stellt im baltischen Raum energieeffiziente Dämmstofflösungen her. Die Produktpalette umfasst den Hochbau, die technische Isolierung, den Schiffbau, Sandwich-Elemente und Akustik-Produkte. Die Produkte werden in Finnland, Schweden, Litauen, Polen und Russland hergestellt. Paroc hat Vertriebsniederlassungen in 14 Ländern Europas und beschäftigt über 2000 Mitarbeiter, darunter rund 700 in Finnland und 400 in Schweden.

Eigentümer der Paroc Group ist eine Unternehmensgruppe von Banken und mehreren institutionellen Gesellschaftern sowie die Belegschaft von Paroc, die eine Minderheitsbeteiligung besitzt. 2012 belief sich der Nettoumsatz auf 430 Millionen Euro. Seine Unternehmensstrategie hat Paroc auf fünf Kernziele ausgerichtet: Kundenorientierung, Mitarbeiterzufriedenheit, ständige Innovation, profitables Wachstum und nachhaltige Entwicklung.

Situation im Unternehmen
In den Jahren 2000/2001 muss Paroc umstrukturieren und verlegt eine Produktionsstätte aus dem schwedischen Skövde in das 55 km entfernte Hällekis an den Vänersee im Südwesten Schwedens. Dort gab es bereits eine Fertigungsfabrik. Fortan sollten beide Produktionsstätten zusammenarbeiten, die Organisation und der Ablauf der Produktion eng miteinander verknüpft werden.

Doch durch die unterschiedliche Geschichte und Entwicklung hatten die beiden Belegschaften sehr eigene Arbeitskulturen entwickelt. Was nach dem Umzug dazu führte, dass die Kooperation der Produktionsstätten nicht gut harmonierte. Die Kommunikation hakte, reibungslose und termingerechte Abläufe wurden wegen Unstimmigkeiten verhindert. Die Folge: Die beiden Produktionsstätten in Hällekis hatten im gesamten Unternehmen die schlechtesten Produktivitätskennzahlen.

Lars Lindström, Personalchef bei Paroc Schweden, war damals klar, dass das Management den Fokus stärker auf die Menschen statt auf die Maschinen legen müsste.

Idee hinter der Begegnung zwischen Unternehmen und Künstlerin
Auf einem Treffen für Personalmanager erfuhr Lindström von der Möglichkeit, das Betriebsklima durch eine “Künstlerische Intervention” zu verbessern – damals vorgestellt von TILLT, einem schwedischen Vermittlungsbüro für Kunstinterventionen. Der Personalchef führte intensive Gespräche mit TILLT und ließ sich überzeugen, einen kreativen Workshop in sein Unternehmen hineinzutragen.

Klar war, dass es mit einem Wochenprogramm nicht getan sein würde. Das Problem in Hällekis schien komplizierter zu sein. Man einigte sich im Jahr 2008 auf ein Langzeitprojekt über knapp 12 Monate. Verschiedene Ideen und Ansätze für künstlerische Interventionen wurden diskutiert, bis man sich auf ein Projekt der Schauspielerin und Theaterdirektorin Victoria Brattström einigte.

Der Weg war durchaus steinig, erinnert sie sich rückblickend: “Wir mussten erst einmal das Eis brechen und dafür sorgen, dass Leute gemeinsam Spaß haben konnten. Sie müssen sich vorstellen, da gab es Leute, die hatten sich in mehr als dreißig Jahren noch niemals die Hand gegeben.”

Impulse und Inspirationen für Mitarbeiter
Brattström ließ es langsam angehen, traf sich zunächst einmal wöchentlich mit einer internen Projektgruppe, in der beide Belegschaften aufeinander trafen. Das zunächst sehr widerspenstige Team sollte das Unternehmen gemeinsam entdecken. Mit geschärftem Blick begaben sich die Mitarbeiter auf Entdeckungsreise, fotografierten ihre Arbeitsplätze im großen Ganzen und im Detail, lauschten den Geräuschen der Maschinen ihrer Fabrik und nahmen sie mit dem Mikrofon auf. Die Ergebnisse verglichen sie miteinander: Wie sieht Dein Arbeitsplatz aus? Wie klingt Deine Maschine? Führt sie manchmal ein Eigenleben? Was machst Du dann?

Die Belegschaften stellten erstaunt fest, dass es jede Menge Verbindendes gab. Vertrauen und Sympathien wuchsen, man sprach miteinander. Über die Kunst konnten die Mitarbeiter der beiden Produktionsstätten auf Tuchfühlung gehen. Sichtbares Ergebnis der “Künstlerischen Intervention” bildete in eine Foto-Ausstellung. Sie zeigte den einzelnen Menschen, das Individuum, in seiner Arbeitssituation. Die gesammelten Geräusche wurden fantasievoll zu einer Soundcollage montiert, so entstand ein “Lied der Fabrik”. Der Prozess der Annäherung glückte über das Sammeln von Informationen und die Suche nach Gemeinsamkeiten in einer sehr offenen Atmosphäre. Die Mitarbeiter fühlten sich einander näher und dem Unternehmen stark verbunden.

Irritationen und Vorurteile
Lars Lindström, Personalchef bei Paroc Schweden, erinnert sich rückblickend noch an die Vorbehalte und Bedenken, die er anfangs hatte: “Als ich den TILLT-Vortrag hörte, war ich erst einmal recht skeptisch. Ich meine, wir produzieren Steinwolle und verarbeiten sie weiter zu Dämmstoffen. Mehr down to earth geht gar nicht. Was soll man denn da mit Kunst?!”

Etwas schwer taten sich zu Beginn der Intervention auch die Mitarbeiter: Auf den Kollegen zugehen? Ihm die Hand reichen? Mit ihm reden? Das geht nicht auf Anhieb! Selbst Workshop-Leiterin Brattström plagten Zweifel: Würde es ihr gelingen, die Herzen der Belegschaften zu öffnen? Dank ihrer sozialen Kompetenzen, Geduld, Verständnis und Humor, folgten die Mitarbeiter bald den Ideen und Anregungen der Künstlerin, aus eigener Überzeugung.

Intentionen und Meinungen
Für die Beziehung zwischen den Mitarbeitern erwies sich die “Künstlerische Intervention” als Erfolgsgeschichte. Sie wurde sogar zum Motor für die Geschäftszahlen. “Der Output hier in Hällekis ist um über 20 Prozent gestiegen. Was die Produktivität betrifft, hat sich der Standort vom Schlusslicht zum Spitzenreiter der Paroc-Fabriken entwickelt”, freut sich Personalchef Lars Lindström. Er fühlt sich bestätigt darin, die künstlerische Intervention mit Leidenschaft im Unternehmen durchgeboxt zu haben: “Innovationsfähigkeit wächst dadurch, dass sich Mitarbeiter aus unterschiedlichen Hierarchieebenen und Produktionsbereichen treffen und über ihre Arbeit austauschen.”

Und warum stiegen die Produktivitätszahlen?
“Natürlich nicht nur wegen des Kunstprojekts“, meint Lindström. “Aber es hatte auf jeden Fall einen großen Anteil daran. Der Effekt auf die Betriebskultur war enorm. Als wir irgendwann in 2009 krisenbedingt damit beginnen mussten, unsere Mitarbeiter zwischen den beiden Werken rotieren zu lassen, war das kein Problem mehr.”

Bei aller Freude über die Annäherung der Belegschaften und die erreichten Erfolge warnt Pia Areblad von der Vermittlungsagentur TILLT davor, eine Kunstintervention mit zu klaren Zielen zu verplanen: “Damit eine Kunstintervention dem Unternehmen auch wirklich etwas bringt, muss es die Offenheit des Prozesses akzeptieren. Das ist erfahrungsgemäß für viele Unternehmen schwierig, ist aber die Voraussetzung für die Wirksamkeit der Intervention.”

© Paroc

Was erfolgreich ist, wird fortgesetzt: eine Weihnachtsgeschichte
Ermutigt vom Erfolg in Hällekis folgte bei Paroc schon ein Jahr später am Standort von Skövde ein ähnliches Projekt. Der Stoff, aus dem eine neue Vision geboren werden sollte, war schnell gefunden: Steinwolle. Also das, was die Mitarbeiter täglich im Unternehmen begleitete. Die Probierfreude wuchs mit jedem Tag und förderte die Offenheit der Belegschaft ganz enorm.

Am Ende erfüllte sich ein großer Wunsch: Die Mitarbeiter träumten schon lange von einem traditionellen “Julbock”, wie es ihn jedes Jahr zur Adventszeit in der schwedischen Stadt Gävle gibt. Doch dort brennt der Ziegenbock aus Stroh häufig ab. Das Paroc-Team baute ein robustes, feuerbeständiges Exemplar aus Steinwolle und dekorierte es mit Lichterketten. Der Weihnachtsbock “Stene” wird nun jedes Jahr im Dezember auf dem Marktplatz von Skövde aufgebaut und bringt Licht und Freude in die Herzen der Menschen. Besser kann man sich Teambildung kaum vorstellen!

Nachhaltigkeit
Victoria Brattström war erfreut, dass die Mitarbeiter im Verlauf der Kunstintervention immer mehr Eigenverantwortung übernahmen. Irgendwann konnte sie loslassen und sich aus dem Projekt zurückziehen. Denn nachhaltig wirkt eine Aktion nur, wenn sie nicht mehr von außen gesteuert werden muss. Die Mitarbeiter lernten, sich selbst zu organisieren, Aufgaben und Zuständigkeiten zu verteilen, Ergebnisse abzufragen und gegebenenfalls nachzubessern.

Kommunikationsprobleme, die durch Umstrukturierungen und Wachstum entstehen, müssen kein Dauerzustand sein. Mit intelligenter Personalpolitik, die nah am Menschen ist, lassen sich Fehlsituationen beheben. Kunstinterventionen als Alternative zu übergestülpten, überteuerten Beratungsangeboten sind daher eine Überlegung wert. Entscheidend ist, auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen, ihnen zuzuhören und zu vertrauen, ihnen Herausforderungen anzubieten und verborgene Talente zu fördern. So können wunderbare
Nebeneffekte entstehen, wie Paroc beweist.

Als sich die Kunstintervention bei Paroc auch in anderen Ländern herumgesprochen hatte, wurde ein Mitarbeiter von Paroc, der am Geräusche-Soundprojekt beteiligt war, zur EU-Konferenz “Creativity and Innovation” nach Brüssel eingeladen. Der Gabelstaplerfahrer hielt die Eröffnungsrede und erzählte mit großem Stolz, wie er ganz persönlich am Kunstprojekt gewachsen war.

Quellen und Inspirationstipps:

Film über die Herstellung des Julbocks bei Paroc
Film über Parocs Julbock in der Stadt Skövde
European Conference on Creativity & Innovation (ECCI)
Interview mit Pia Areblad – European Cultural Forum (in Englisch)
TILLT – schwedisches Vermittlungsbüro für Kunstinterventionen: http://www.tillt.se/sv-SE

Fliegen retten für den Unternehmenswandel

© Reimar Ott

Der Bielefelder Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus (re.) und die beiden Künstler Patrik und Frank Riklin während der Vorbereitungen für den Aktionstag „Fliegenretten in Deppendorf“.

Wie macht man charmant Werbung, wenn man Insektenvernichtungsmittel herstellt? Statt eine Agentur zu beauftragen, hat sich ein Bielefelder Familienunternehmer mit zwei Konzeptkünstlern zusammengetan. Deren Ideen waren so originell, dass sie die komplette Firmenphilosophie auf den Kopf stellten. Denn das Geschäft des Unternehmens Reckhaus würden Marketingprofis als “herausfordernd” beschreiben. Das Familienunternehmen mit etwa 50 Mitarbeitern stellt Insektensprays, Mottenpapier und Ameisenfallen her.

Situation im Unternehmen

Pioniergeist treibt das inhabergeführte Familienunternehmen an. Seit seiner Gründung im Jahr 1956 produziert die Firma nicht nur, sondern forscht, testet und verbessert. Dabei hat Geschäftsführer Hans-Dietrich Reckhaus durchaus Ästhetik und Design im Blick. Weil tote Fliegen an der Klebefolie keinen schönen Anblick bieten, erfindet er als Sichtschutz eine Art Fliegenpilz und löst so das Ekelproblem. Er nennt die neue Fliegenfalle „Flippi“, lässt sie patentieren und will sie groß herausbringen. Doch sein Werbebudget ist begrenzt. Not macht erfinderisch. Reckhaus erinnert sich an ein kreatives Geschwisterpaar, das er in der Schweiz kennen gelernt hat, wo er eine Tochterfirma betreibt. Die Zwillinge Frank und Patrik Riklin vom St. Galler „Atelier für Sonderaufgaben“ hatten bereits mit einigen ungewöhnlichen Ideen und Arbeiten für Aufmerksamkeit gesorgt, etwa mit dem ersten „Null-Stern-Hotel“.

Idee hinter der Begegnung zwischen Künstlern und Unternehmer

Reckhaus bittet die Konzeptkünstler, für seine Fliegenfalle eine schlagzeilenwirksame Kampagne zu entwickeln. Die Riklin-Brüder brüten mehr als zwei Monate über dem Projekt, doch das Gewissen plagt sie: „Herr Reckhaus, Ihre Produkte sind einfach nur schlecht“, sagen sie ihm auf den Kopf zu. „Wir können keine Kunst für Produkte machen, die Fliegen töten.“ Statt den Auftrag generell abzulehnen, bieten die Künstler dem Unternehmer eine Gegenstrategie an: „Wie wäre es denn, wenn Sie einmal den Spieß umdrehen und Fliegen retten würden? Aber wahrscheinlich können Sie das nicht machen …“

Erweckungserlebnis

Andere Unternehmer hätten sich vielleicht in ihrem Vorurteil bestärkt gefühlt: Künstler sind weltfremd und nicht geschäftstüchtig. Doch Reckhaus lässt den rebellischen Vorschlag erst mal sacken. Er schläft zwei Nächte darüber und ringt sich durch, das Fliegenretten in die Tat umzusetzen. „Eine klassische Werbeagentur hätte meine Produkte niemals in Frage gestellt. Die will ja dem Auftraggeber gefallen“, sagt Reckhaus. Die Riklins haben ihm die Augen geöffnet, ihn aufgeweckt: „Welchen Wert haben Insekten für Sie?“

© Reimar Ott

Mit dem angebotenen Perspektivwechsel haben die Künstler Werte und Überzeugungen des Unternehmers wieder belebt, die im Laufe seines Geschäftsalltags verblasst waren. Reckhaus erinnert sich, dass er seine Examensarbeit einst auf Umweltpapier eingereicht hat, was damals völlig unüblich war. Frühe Produktversuche mit ökologischen Bioziden im Unternehmen seien gescheitert. „Ich war immer offen für innovative Dinge, wollte etwas bewegen“, meint Reckhaus, „aber mir fehlte das Werkzeug dazu.“ Die Riklin-Zwillinge haben ihm mit den richtigen Fragen die passende Initialzündung gegeben.

Fliegenretten in Deppendorf

Im Sommer 2012 soll ein geeigneter Ort für die Fliegenrettung gefunden werden. Der Unternehmer lädt die beiden Künstler in sein Auto und fährt mit ihnen durch die Provinz. Erfahrungsgemäß gibt es auf dem Land mehr Fliegen als in der Stadt.

© Reimar Ott

Im ostwestfälischen Deppendorf finden sich schließlich begeisterte Mitstreiter. Das ganze Dorf will bei der Aktion mitmachen: Feuerwehr, Gesangsverein, Gastwirte planen ein Event zur Fliegenrettung mit Rahmenprogramm. Über 800 der 1000 Einwohner lassen sich von der kuriosen Idee anstecken. Zumal als Belohnung für das erfolgreiche Fliegenfangen ein dreitägiger Aufenthalt auf Schloss Elmau winkt – einem bayerischen Fünfsterne-Wellnesshotel. Mit Tupperdosen, Marmeladengläsern und Netzen machen sich die Deppendorfer am 1. September 2012 auf die Jagd und liefern immerhin 902 lebendige Fliegen im eigens dafür aufgestellten Festzelt ab. Per Auslosung wird die Gewinnerfliege Erika samt menschlichem Begleitehepaar ermittelt. Es darf mit dem Flugzeug und mit Erika nach Bayern reisen. Für die Fliege wird ein extra Platz in der Lufthansa-Maschine reserviert.

Nachdenken im Umfeld und Medienrummel

Vor der Fliegenrettung spricht Reckhaus vier Stunden lang mit seinem Bankberater. Der soll nicht denken, Reckhaus sei verrückt geworden. „Ich habe ihm meine Anliegen erklärt und dass ich es wirklich ernst meine.“ Nicht wenige beargwöhnen die Aktion kritisch … glauben an einen Werbegag. Dennoch: Die medialen Reichweiten nach dem Fliegenretten sind traumhaft: Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internet – überall ist das „Fliegenretten in Deppendorf“ Thema. Über 200 Medien berichten.

Immer wieder stellen die beiden Künstler ungewöhnliche Fragen und sorgen für Kopfzerbrechen:
– Wie verwöhnt man eine Fliege?
– Wer fliegt mit einer Fliege in den Wellness-Urlaub?
– Kann man ein Flugticket für eine Fliege buchen?
– Wie reagiert die Lufthansa-Crew, wenn ein offizieller Sitzplatz mit einer Fliege besetzt wird?
– Was passiert, wenn die Menschen realisieren, dass die scheinbar absurde Aktion „Fliegen
retten in Deppendorf“ kein Marketing-Gag, sondern ernst gemeint ist?

Für die künstlerische Arbeit von Frank und Patrik Riklin gilt die Devise: „Prozesse beginnen dort, wo sie vermeintlich enden.“ Dies trifft in gewissem Maße auch für Hans-Dietrich Reckhaus zu. Das Eintages-Ereignis beflügelt den Unternehmer. Reckhaus beginnt grundsätzlich umzudenken und leitet einen Wandel in seinem Unternehmen ein. Er sieht das Insektenretten nicht als „Eintagsfliege“ an, sondern als ernsthaftes Handlungsmodell. Unermüdlich erklärt er seinen Mitarbeitern und seinem Umfeld, warum er das Wagnis eingeht, was ihn antreibt.

Die Kunst des Unternehmenswandels

Gemeinsam mit den Konzeptkünstlern entwickelt Reckhaus ein nachhaltiges Programm namens „Insect Respect“. Das Gütesiegel prangt fortan auf der gleichnamigen, neu entwickelten Produktpalette. „Insect Respect“ steht gleichermaßen für Insektenbekämpfung und Insektenschutz. Reckhaus hat einen Biologen beauftragt auszurechnen, welchen Schaden seine Biozide anrichten, das heißt wie viele Insekten je Spraydose ihr Leben lassen. Mit der Maßeinheit „Biomasse in Gramm“ plant Reckhaus exakt, welchen Ausgleich er schaffen muss, um der Natur die Biomasse „zurückzugeben“. Mit jedem verkauften Produkt von „Insect Respect“ finanziert Reckhaus Flächen, auf denen sich Insekten neu ansiedeln können. Die Größe der Kompensationsfläche variiert je nach Produkt.

Der Unternehmer hat ausrechnen lassen, dass sein Fliegenfänger Flippi etwa 100 Fliegen das Leben kostet. Unterstützt von seinem Biologen hat Reckhaus auf 200 Quadratmetern sein Firmendach begrünt, es mit Baumstämmen ausgestattet und so einen neuen Lebensraum mit Rückzugsorten für Insekten geschaffen. Auf diese Weise kann er insgesamt 35.000 Fliegenfallen „neutralisieren“. „Eine ökologische Kompensation, wie man sie auch vom Ausgleich von CO2-Emissionen kennt“, erklärt der Unternehmer.

© Unternehmen Reckhaus

Erkenntnisse durch Perspektivwechsel

Was passiert, wenn Kunst auf Wirtschaft trifft und in die Unternehmensentwicklung eingreift? Die Aktion „Fliegen retten in Deppendorf“ hat zunächst für Verwirrung gesorgt. Die beiden Künstler haben den Unternehmer zu einem Perspektivwechsel herausgefordert. Hier die Fakten auf einen Blick:

– Ein Unternehmer gibt eine Kampagne für ein neues Insektenbekämpfungsmittel in Auftrag.
– Zwei Künstler liefern ihm unerwartet das Konzept für die Gegenstrategie: retten statt töten.
– Der Unternehmer lässt sich auf das Experiment ein und greift die Idee auf.
– Ein Umdenkungsprozess und Unternehmenswandel gerät in Gang.
– Der Unternehmer entwickelt ein neues Produktsortiment mit einem Gütesiegel, das einerseits zwar Insekten vernichtet, andererseits jedoch auch schützt.
– Mit Anteilen aus dem Verkaufserlös werden Ausgleichsflächen finanziert, auf denen sich neue Insekten ansiedeln können.
– Das Siegel steht auch anderen Herstellern von Bioziden zur Verfügung, wenn sie sich ebenfalls verpflichten, neue Biotope für Insekten zu schaffen oder das Unternehmen Reckhaus beauftragen, entsprechende Biotope anzulegen.

Innovationsvorsprung

Ist dies der Beginn einer neuen Ära in der Biozid-Nutzung? Seine Branche hat Reckhaus jedenfalls ordentlich aufgemischt. Viele können seinen Sinneswandel nicht nachvollziehen und empfinden sein Engagement als Provokation. Dabei ist für Reckhaus glasklar, dass er im Interesse seiner Firma und seiner Mitarbeiter handelt und in die Zukunft denkt „Die Menschen werden immer umweltbewusster. Deshalb werden langfristig auch die Absatzzahlen für Biozide sinken. Die Leute werden weniger davon kaufen beziehungsweise genauer hinschauen, was sie kaufen“, meint Reckhaus. „Also ist es doch gut, wenn ich mein Unternehmen frühzeitig für die Zukunft rüste und nachhaltig denke. Ich bin meinen Konkurrenten voraus, weil ich nicht aus der Not heraus handle, sondern aus Überzeugung.“

„Das Ungesuchte finden“

„Das Projekt hat mein Leben verändert“, sagt der Unternehmer rückblickend. „Unsere Innovation der ‚Insektenrettung’ ist nicht kompliziert und nur vordergründig außergewöhnlich. Vielmehr geht es hier um den Blickwinkel und um das Bewusstsein für das eigene Tun. Hier ‚musste’ die Kunst helfen. Und ich füge mich der Kunst, weil sie die richtigen Fragen stellt. Andere Unternehmen suchen leider nur selten den Dialog mit der Kunst, weil sie sich nicht vorstellen können, dass Künstler Ideen haben, die praxisnah und erfolgreich umgesetzt werden können.“

Und die Künstler? Haben die Brüder mit dem überwältigenden Erfolg ihrer Aktion gerechnet? Sie sind zufrieden und auch ein wenig stolz. Frank Riklin: „Es ist toll, ein System so durchzurütteln!“ Sein Bruder Patrik erzählt, dass er bei dem Projekt immer an Kafkas Erzählung „Die Verwandlung“ denken musste, an den Helden Gregor Samsa, der eine „Transformation“ erlebte – so wie Reckhaus.

Bewusstseinswandel durch mehr Wissen

Hans-Dietrich Reckhaus hat in gut zweieinhalb Jahren an die 500.000 Euro in seine Idee investiert. Beachtlich für ein mittelständisches Unternehmen mit 20 Millionen Umsatz pro Jahr. Doch Reckhaus ist vom Sinn und Nutzen seines Einsatzes überzeugt: von der Kunstaktion in Deppendorf über das Biotop bis zum neuen Internet-Auftritt. Dort erzählt Reckhaus die ganze Geschichte. Er hat Fakten und Zahlen zusammengetragen und sie lebendig und gut verständlich in kleinen Videos und Erklärtrickfilmen aufbereitet. So soll die breite Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden, auch präventiv: Was kann jeder von uns tun, damit sich Insekten im Haus nicht ansiedeln und der Einsatz von Bioziden gar nicht erst nötig wird?

Reckhaus hat inzwischen viel gelesen, recherchiert, gelernt und gibt sein Wissen, wo immer es sich anbietet, begeistert weiter: „Insekten sind für uns Menschen und unser Ökosystem überlebenswichtig. Wir haben ihnen zum Beispiel 75 % der Pflanzenbestäubung zu verdanken.“ Er zitiert gerne den Soziobiologen Edward Osborne Wilson: “Wenn es von heute auf morgen keine Insekten mehr gäbe, würden wir Menschen bis 2024 aussterben”.

Preise und neue Fragen

Für sein kreatives Engagement und seinen Wagemut wird Reckhaus auf Konferenzen, Tagungen und in den Medien gefeiert und für zahlreiche Preise nominiert, etwa den Kyocera-Umweltpreis und den „Deutschen Unternehmerpreis“. Ende November kürte ihn die Querdenker-Organisation zum „Vordenker 2014“.

Die beiden Künstler haben Reckhaus regelrecht angestiftet. Gemeinsam reisen sie mit Vorträgen durchs Land und werden nicht müde, neue Fragen zu stellen: Wie viele Insekten kommen an der Windschutzscheibe eines Autos um? Auf einer Strecke von 100 Kilometern sollen es über 4000 sein, wie ein Biologe kürzlich im Auftrag von Reckhaus herausfand. Das Zählexperiment soll in Kürze mit einem Zug der Schweizer und der Deutschen Bahn fortgesetzt werden.

Quellen und Inspirationstipps:

Eine Comic-Landkarte als Navi durchs Unternehmen

Getreide AG_arbeit-an-karte © Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de

Beim Zeichnen fühlen sich manche Führungskräfte, die sich normalerweise als kompetent wahrnehmen, zunächst unerfahren. Gute Voraussetzung, um einmal völlig neu zu denken.

Ideen und Zukunftsentwürfe werden greifbarer, wenn man sie optisch darstellt. Bei Tagungen, Konferenzen und Teambesprechungen wird das „Graphic Recording“ immer populärer: Ein Zeichner hält Erkenntnisse und Ziele sofort in Comicform fest. Unternehmerin und impulse-Bloggerin Antje Hinz über ein Unternehmen, dem beim Zeichnen buchstäblich die Augen aufgingen.

Situation im Unternehmen
Ein Familienunternehmen aus dem Agrarsektor hat sein Geschäftsgebiet von Schleswig-Holstein aus kontinuierlich erweitert. Seit 1990 ist es auf 15 Standorte mit über 700 Mitarbeitern gewachsen – in den neuen Bundesländern und in Osteuropa. Das Ziel: Die Teams sollen mehr über die einzelnen Niederlassungen erfahren: Worauf sind sie spezialisiert? Was produzieren sie (zum Beispiel Saatgut, Dünger, Rapsöl oder Malz)? Welche Dienstleistungen bieten sie an (zum Beispiel Lagerung)? Die Standorte sollen auch enger miteinander kommunizieren und sich austauschen.

Nach einigem Abwägen und Gesprächen mit dem Vorstand wagte die Firma statt eines klassischen Personalcoachings erstmalig eine künstlerische Intervention: „Bei einer ISO-Schulung, in der es um reine Fakten geht, sind künstlerische Methoden sicherlich fehl am Platz“, erklärt die Personalreferentin des Unternehmens. „Passend ist aber das, was in einem Unternehmen abstrakt ist: Prozesse, Strategien und Visionen, all das, was dicht am Menschen ist. Dazu braucht es mehr als Fakten und Wissen – zum Beispiel Kunst.“

pf-crew © Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de
Das Illustratorenteam Purefruit: Volker Sponholz, Franziska Ludwig, Gregor Hinz und Tim Eckhorst.

Comics zeichnen und Fragen stellen
Ein Zeichen-Workshop soll die verschiedenen Standorte miteinander ins Gespräch bringen. Die Comic-Künstler Tim Eckhorst und Gregor Hinz vom Illustratorenkollektiv „Pure Fruit“ aus Kiel laden die Personalreferentin und zehn Führungskräfte verschiedener Niederlassungen in ihr Atelier ein. Drei Tage lang tauschen sich die Mitarbeiter über Arbeitsweisen, Abläufe, Kompetenzen und Verantwortung an den einzelnen Stationen im Unternehmen aus. Wissensmanagement durch gegenseitiges Befragen. Jeder kann sein Wissen einbringen:

Was machen Sie in Ihrer Niederlassung?
Welche Rolle spielen Sie im Team?
Kennen Sie auch das folgende Problem?
Wie lösen Sie es?
Wo gibt es Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede an den Standorten?

Um die Kommunikation zwischen den Teamchefs auf unkonventionelle Art anzuregen, wird sowohl frei als auch nach Vorgaben gezeichnet. Die Visualisierung hilft, Prozesse und Zusammenhänge zu veranschaulichen. Nach und nach entsteht eine Unternehmenslandkarte mit den einzelnen Standorten – im Stile eines Comics. Kleine Symbole führen Gemeinsamkeiten und Unterschiede vor Augen. Das finale mediale Produkt gibt auf einen Blick Aufschluss über das gesamte Unternehmen und die Standorte im Detail.

Impulse und Inspirationen für Mitarbeiter und Künstler
Durch die gemeinsame Arbeit an der Unternehmenslandkarte wird bei den Mitarbeitern der Teamgeist geweckt und gestärkt. Innovativ und humorvoll initiieren die Künstler den Austausch unter den Kollegen, Ideen entwickeln sich, Wissen wird vermittelt, Vorschläge unterbreitet, Routinen hinterfragt. In der direkten Auseinandersetzung und mit den neu gewonnenen Informationen weitet sich der Blick vom eigenen Arbeitsplatz und Standort auf andere Niederlassungen. Ein lohnender Perspektivwechsel dank eines lebendig gelebten Wissensmanagements. Die Mitarbeiter verstehen ihr Tun und identifizieren sich mit dem Unternehmen.

Warum will ein freier Künstler in einem Unternehmen tätig zu werden?
Manch Kreativschaffender sieht sich von Kollegen mit dem Vorwurf konfrontiert, er lasse sich von der Wirtschaft instrumentalisieren. Diejenigen, die bereits ähnliche „künstlerische Interventionen“ konzipiert und in die Tat umgesetzt haben, schildern sie für sich als große Bereicherung. Auch Tim Eckhorst und Gregor Hinz schätzen die Möglichkeit, neue soziale Kontexte zu erobern und ungewöhnliche Orte zu „bespielen“. Interessiert setzen sie sich mit Arbeitsräumen und Tätigkeitsfeldern auseinander, mit menschlichen Beziehungsebenen. Die Erfahrungen und Erlebnisse in den Unternehmen dienen als Inspirationsquelle für das eigene kreative Schaffen. Viele Impulse fließen später direkt oder indirekt in künstlerische Arbeiten ein. Comiczeichner Tim Eckhorst sieht es so: „Bei unternehmerischer Kulturförderung wird nur an der Oberfläche gekratzt. Der direkte und aktive Umgang mit Kunst hat weitaus mehr Wert. Dieser sorgt nämlich für das, was nicht bezahlbar ist: Ehrliche Kommunikation, gemeinsames Erleben, völlig neue Denkansätze, Verlassen ausgetretener Pfade.“

Irritationen
Die Führungskräfte hingegen fanden sas kreative, leistungsbefreite Arbeiten anfangs gar nicht behaglich. Die meisten hatten noch nie oder jahrelang nicht mehr gezeichnet. In der eigenen Wahrnehmung versagten sie. Eine ungewohnte Erfahrung, sich plötzlich als Laie zu fühlen. Normalerweise nahmen sich die Führungskräfte als Experten wahr. Die Künstler beruhigten sie: Das Scheitern und Versagen sei fest in den Projektverlauf einkalkuliert, erwartet und sogar erwünscht. Der Umgang mit Frustration und mit Grenzsituationen sollte aktiv erprobt werden. „Die Arbeit mit Menschen, die von sich behaupten, sie wären unkreativ und untalentiert, ist uns bestens vertraut”, sagt Künstler Tim Eckhorst. “Entsprechend sind wir in der Lage, diesen Teilnehmern das Gegenteil zu beweisen. Kreative Arbeit lässt Subjektivität und Geschmäcker großzügig zu und hat keinerlei Interesse daran, Persönlichkeit zu verbergen. Kritik, Orientierungslosigkeit und damit verbundenes Scheitern gehören – leider und zugleich zum Glück – dazu.“

Intentionen und Meinungen
Eine künstlerische Intervention braucht gegenseitiges Vertrauen der Beteiligten und Sympathie. Auf dieser Basis lassen sich Schwierigkeiten überwinden und Krisen überstehen. „Nicht nur ein Weg führt zum Ziel“, erklärt der Vorstand die Kunst-Intervention. „Das wollen wir mit dieser innovativen Aktion erlebbar machen und nachhaltig vermitteln, denn sie öffnet die Köpfe für neue Herangehensweisen.“

Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Kiel, Ingo Scheuse, ist von der Wirksamkeit künstlerischer Interventionen überzeugt: „Der Einsatz von Kunst in Unternehmern bietet die Möglichkeit, neue Sichtweisen der innerbetrieblichen Strukturen, Abläufe und der internen wie auch externen Unternehmenswahrnehmung zu gewinnen. Der unkonventionelle und aus diesem Grund viel ergebnisoffenere Ansatz ist hier der entscheidende Punkt.“

Nachhaltigkeit
Damit die neuen Erkenntnisse nicht im Alltagstrott verloren gehen, dient die Landkarte an den Standorten des Unternehmens als Gedächtnisstütze und auch als Kommunikationsmittel. Das im Comic-Workshop gewonnene Wissen kann an weitere Kollegen der Niederlassungen vermittelt werden, um auch mit ihnen intensiver ins Gespräch zu kommen. Das Kunstwerk bietet dem Unternehmen vielseitige Einsatzmöglichkeiten.
Die individuellen Zeichnungen der Teilnehmer sollten nicht zuletzt für die Außendarstellung und Imagepflege des Unternehmens genutzt werden. Die Künstler fertigten daher als Auftragsarbeit nach dem Workshop eine professionelle Reinzeichnung an.

Die Begleitung des Projektes übernahm die Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg.

Quellen und Inspirationstipps:

Pure Fruit – Zeichenkollektiv von vier freiberuflichen Illustratoren, Tim Eckhorst, Gregor Hinz, Franziska Ludwig und Volker Sponholz. Sie realisieren vielseitige Zeichenprojekte, geben das gleichnamige, kostenlose Comic- und Illustrationsheft purefruit-magazin heraus und gehen für kunstbasierte Interventionen in Unternehmen.
Einen Film über den Workshop von Pure Fruit im Unternehmen finden Sie unter diesen Tipps.

• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg

Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Verschiedene Artikel über Künstlerische Interventionen.

Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Vorbild dm: Mitarbeiter an sich selbst wachsen lassen

© Juergen Jotzo, Pixelio

Gute Mitarbeiter lassen sich immer seltener mit hohen Gehältern oder Firmenwagen locken. Im Fokus steht eher ein sinnerfüllter Job, die Vereinbarung von Arbeits- und Familienleben, ein gutes Betriebsklima, Eigenverantwortung und die Chance auf Entwicklung und Weiterbildung. Ich habe mit Michael J. Kolodziej, bis 2012 Mitglied der dm-Geschäftsführung und verantwortlich für das Ressort Logistik, darüber gesprochen, wie das Drogeriemarkt-Unternehmen dm auf kreative Weise seine Mitarbeiter fördert, vom Azubi bis zum erfahrenen Filialleiter.

Vor 15 Jahren stellte dm-Gründer Götz Werner fest, dass seinem Nachwuchs die Sprache abhanden gekommen war – durch zu viel passiven Medienkonsum, wie er vermutete: „Wir beschäftigen viele junge Menschen. Die sollen mit ihren Kunden in Kontakt treten, die Kunden beraten. Doch sie können es nicht.“

Wenn Auszubildende heute von einem Theaterworkshop bei dm zurückkehren, sind die Filialeiter regelmäßig überrascht: „Viele sind offener, selbstbewusster und zielstrebiger. Viele verbessern auch ihre Sprachgestaltung: Man versteht sie plötzlich, sie sprechen in ganzen Sätzen“, resümiert Heidi Ley-Beck, Gebietsverantwortliche für die Filialen in Köln.

Kunst gegen Sprachverlust

Inspiriert durch persönliche künstlerische Erfahrungen wollte Werner Abhilfe durch Kunst schaffen. „Versuchsballons“ mit verschiedenen Kunstsparten wurden gestartet. Am besten erlangten die jungen Leute ihre Sprache beim Theaterspielen zurück. 2001 startete dm das Programm „Abenteuer Kultur“ – Schauspielseminare als 3. Säule der Ausbildung neben Berufsschule und Ausbildung in der Firma. Jedes Jahr organisiert dm seitdem deutschlandweit über 100 Theaterworkshops mit mehr als 2000 Lehrlingen und dual Studierenden. Einmal in der Woche proben die Jugendlichen siebeneinhalb Stunden auf der Theaterbühne. Nach 8 Wochen gibt es eine Aufführung vor Kollegen, Filialleitern, vor Eltern, Freunden, allen Leuten, die die Jugendlichen einladen. Am Ende bekommen alle eine Rose und ein Zertifikat, als Ausdruck der Wertschätzung.

Der Weg ist das Ziel

Erfahrene Theaterpädagogen vermitteln alles, was ein bühnenreifes Stück am Ende ausmacht: die Auswahl des Stoffes, das Erlernen der Rolle, die Inszenierung, der Entwurf der Kostüme und des Bühnenbildes. Ein direkter Bezug zum Arbeitsalltag ist bei der Themenwahl nicht beabsichtigt. Doch die Jugendlichen sollen diskutieren, wo sie sich in den Texten selbst wieder finden. Die Auseinandersetzung mit sich selbst und anderen ist für viele ungewohnt. Doch genau darum geht es, erklärt Theaterpädagogin Nomena Struß: „Ich finde es sehr wichtig, dass sie gleich am ersten Tag lernen, ins Gespräch zu kommen. Kritik empfinden wir oft als rein negative Angelegenheit. Es ist aber etwas, was unbedingt notwendig ist, um sich zu entwickeln. Im Theater machen wir das permanent. Das ist auch Inspiration.“

Fehler sind ausdrücklich erwünscht

Das Drogeriemarktunternehmen will seine angehenden Nachwuchskräfte auch früh dazu inspirieren, ihre Arbeit selbstbestimmt, selbstbewusst und aktiv zu gestalten. Die Jugendlichen dürfen in den Filialen stets mehrere Lösungsansätze ausprobieren. Fehler sind ausdrücklich erwünscht. Das schärft den Blick auf die Arbeit, den Arbeitsplatz, und eröffnet Möglichkeiten, persönlich zu wachsen – als Teil der Unternehmenskultur.

Das in den Theaterkursen gewonnene Selbstbewusstsein führt dazu, dass 22-Jährige die Position des Filialleiters übernehmen und dass auch viele Mädchen in verantwortliche Positionen eintreten. Sie trauen sich mehr zu. Sie haben gelernt, mehr zu sich zu stehen, nicht nur zu gehorchen.

Kunst als Experimentierfeld für alle Mitarbeiter

dm bietet nicht nur seinen Auszubildenden kreative Erfahrungen. Egal ob Führungskräfte oder breite Belegschaft: Jede und jeder kann seine Talente aufspüren. Heidi Ley-Beck, Gebietsverantwortliche für dm in Köln, konnte sich seit ihrem Start 1983 im Unternehmen stetig weiterentwickeln. Sowohl fachlich als auch persönlich. Und hat inzwischen auch ihre Liebe zum Malen entdeckt.

Wenn neue Projekte oder Strategien in Angriff genommen werden, bieten Kunst und Kultur eine ideale Experimentier- und Spielwiese. Beim Kreieren von Collagen, der Arbeit mit Kupfer oder Ton eröffnen sich innovative Ideen und neue Sichtweisen. Museumsbesuche helfen dabei, die Welt mit geschärftem Blick zu entdecken. Ein Künstler hilft den Mitarbeitern, sich eine Meinung zu bilden, ob und inwiefern das Bild oder Objekt etwas mit der eigenen Lebenswelt zu tun hat.

Die Mitarbeiter nehmen das Angebot gerne an. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, den Blick auf etwas außerhalb der Arbeit zu richten. Von oberflächlichen Anreizen hält Götz Werner nichts. Bonus-Systeme sind für ihn Malus-Systeme: „Wer einen Bonus anbietet, lenkt den Blick weg vom Kunden und hin auf den eigenen Nutzen.“

Fähigkeiten entdecken, um Fertigkeiten zu erlangen

Werner lässt seine Mitarbeiter lieber im Selbstversuch erleben, was sie können und was in ihnen steckt. Die meisten haben wenig Erfahrung mit künstlerischem Handwerk und sind zuweilen von sich selbst überrascht. Verborgene Fähigkeiten zu entdecken, empfinden sie als beglückend und motivierend. Im Gegensatz zu erlernten Fertigkeiten sind Fähigkeiten angeboren und können durch Training verbessert werden. Die eigenen Fähigkeiten besser zu kennen, ist die Voraussetzung, um Fertigkeiten zu erlangen. Michael J. Kolodziej, bis 2012 Mitglied der dm-Geschäftsführung und verantwortlich für das Ressort Logistik, erklärt den Grundgedanken: „Dabei entdeckt der Mitarbeiter auch seine Biografie, seine ‚Bestimmung‘. Und wenn er dann das Unternehmen mit diesen Erfahrungen in Verbindung setzen und seine eigene Biografie mit ihm weiterleben kann, dann haben wir das Bestmögliche erreicht.“

Fähigkeitenwerkstatt

Kolodziej hat zusammen mit der Künstlerin und Beraterin Mariott Stollsteiner von „art&business“ das Konzept der Fähigkeitenwerkstatt entwickelt. Pro Jahr kann sich jeder Mitarbeiter an drei aufeinander folgenden Tagen für je zwei Stunden kreativ erproben – während der Arbeitszeit. Ein jährlich wechselndes Motto bietet Raum für Inspirationen. Je nach Interesse und Neigung kann frei gewählt werden: Musik, Tanz, Schreiben, Malerei, Töpfern, Bildhauerei. Filialleiter können beispielsweise unter Anleitung eines Profi-Musikers den Unterschied zwischen Fremd- und Selbstorganisation körperlich erfahren, indem sie Mechanismen eines Orchesters auf Abläufe in der Firma übertragen. Reflexion und Eigenverantwortung sollen so geschult werden. Durchschnittlich mehr als die Hälfte der Mitarbeiter nimmt freiwillig an den Workshops teil. „Viele, die am Anfang skeptisch sind, sind hinterher völlig begeistert“, sagt Mariott Stollsteiner.

Alltag und Kunst verbinden

Damit nicht nur die Mitarbeiter in die Welt der Kunst eintauchen, sondern auch die Künstler eine Vorstellung vom Arbeitsumfeld im Unternehmen erhalten, absolvieren die Künstler ein Praktikum im Betrieb. Künstlerin und Beraterin Mariott Stollsteiner (art&business) – Mitentwicklerin der Fähigkeitenwerkstatt erklärt: „Die Mitarbeiter sehen: Der kann auch richtig arbeiten, und dann nehmen sie ihn auch ernst.“ Aus dem Kontakt mit den Menschen im Unternehmen können Künstler sehr viel für ihre eigene Arbeit gewinnen. Alltag und Kunst rücken in neuen Werken zusammen, Themen und Blickwinkel ändern sich somit auch für den Künstler.

Mit Erfahrungen überzeugen

Die Fähigkeitenwerkstatt wurde zunächst in den Verteilzentren Weilerswist und Waghäusel angeboten. Durch eine Ausstellung wurden andere Standorte aufmerksam. Die größte Wirkung zeigte die Mund-zu-Mund-Propaganda, wie Mariott Stollsteiner schildert: „Ich bin durch die Flure gegangen und habe mit den Menschen gesprochen. Das war meine Form der Akquisition von Firmenangehörigen für die Fähigkeitenwerkstatt.“

Wirkung nach innen

Künstlerische Interventionen sind zwar stets ergebnisoffen, doch klar ist: Sie wirken auf den Menschen, auf welche Weise auch immer. Michael J. Kolodziej: „Wenn ich etwas für die
Menschen tue, tue ich etwas für das Unternehmen. Und das wirkt sich indirekt auch betriebswirtschaftlich aus.“ Kolodziej führt ein Beispiel aus dem Alltag bei dm an: „In jeder Filiale gibt es bestimmt zweimal am Tag eine Situation, die der Filialleiter handhaben könnte, indem er in der Zentrale anruft. Das geht aber natürlich nicht; man muss Entscheidungen vor Ort treffen können. Dazu aber muss ich selbstständige Mitarbeiter haben, die wissen, wozu sie fähig sind.“

Die Kunst gibt den Menschen die Freiheit, eigenen Ideen zu vertrauen und eigene Entscheidungen zu treffen. Strukturelle und praktische Veränderungen werden bei dm grundsätzlich nicht von oben verordnet, sondern entstehen in Mitarbeiterprojekten.

Sein Vertrauen in die Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter erklärt Kolodziej so: „Ich werde immer wieder gefragt: Habt ihr weniger Krankenstand, weniger Fluktuation? Ich antworte dann immer, dass ich das nicht weiß. Aber wir werden durch diese Arbeit im Unternehmen befähigt, gemeinsam Probleme zu bearbeiten. Unser Ziel ist es, dass jeder, der ins Unternehmen kommt, seine Aufgabe findet. Wenn ich das erreicht habe, genügt mir das, egal, wie der Krankenstand ist.“

Wirkung nach außen

Die Kunstprojekte strahlen nicht nur positiv nach innen. Längst hat sich herumgesprochen, dass dm mit seinen Mitarbeitern achtsamer umgeht als anderswo üblich. Für viele ein Argument, sich bei dm zu bewerben. Auch die Medien beobachten das Engagement von dm mit Interesse und Sympathie.

Der Mensch im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie

Das positive Menschenbild durchdringt die gesamte Unternehmensphilosophie von dm. Auf der Website wird Firmengründer Götz Werner zitiert: “Wenn es keine Menschen gäbe, gäbe es keine Wirtschaft. Folglich ist die Wirtschaft für den Menschen da und nicht umgekehrt.” In Interviews wiederholt Werner beharrlich den Satz: „Der Mensch muss immer Zweck sein und nie Mittel.“ Dieser fokussierte Blick auf den Menschen als Individuum hat früh zur Erkenntnis geführt: So wie das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht, so gehen die Mitarbeiter mit den Kunden um. Den Arbeitsplatz versteht er als „Lebensschauplatz“, der von jedem Einzelnen auf seine Art gestaltet werden will. Zu dieser Einstellung passt auch, dass Werner sein Vermögen nicht an seine Kinder vererbt, sondern in eine Stiftung eingebracht hat. Die Kinder sollen ihren eigenen Weg finden. Im Mai 2008 zog sich Werner aus der operativen Geschäftsführung zurück und wechselte in den Aufsichtsrat. Nachfolger wurde sein damaliger Stellvertreter Erich Harsch.

Nachhaltigkeit

In über 40 Jahren hat dm niemals rote Zahlen geschrieben. Der achtsame Umgang mit den Mitarbeitern gehört sicher zum Erfolgsgeheimnis.

Die Unternehmenskultur bei dm ist geprägt von flachen Hierarchien und großen Entscheidungsspielräumen der Mitarbeiter. Unternehmensgründer Götz Werner widmet dem Arbeitsklima deutlich mehr Aufmerksamkeit als dem Profit. Der Erfolg gibt ihm recht: Die dm-drogerie markt GmbH ist heute der größte Drogeriekonzern in Europa. Das in Karlsruhe gegründete Unternehmen hat über 3.000 Filialen, davon über die Hälfte in Deutschland. 36.000 Mitarbeiter sind in Deutschland tätig, europaweit 52.000.

Seit Herbst 2006 finanziert der Konzern 16 Studienplätze im Bachelor-Studiengang BWL an der anthroposophisch ausgerichteten Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter in der Nähe von Bonn. Michael J. Kolodziej leitet inzwischen im Fachbereich Wirtschaft das „Institut für Nachhaltiges Wirtschaften“. Der potenzielle Managementnachwuchs soll nicht nur Zahlen, Fakten und kurzfristige Erfolge im Blick haben, sondern vor allem den Menschen. Und damit das Selbstverständnis des Firmengründers auch zukünftig bei dm fortführen.

Quellen und Inspirationstipps:

Film über das Projekt “Abenteuer Kultur” als Bestandteil der dm Ausbildung für dm-Lehrlinge & Studierende
Film über die Entwicklung und Karriere einer dm-Mitarbeiterin (Heidi Ley-Beck, Gebietsverantwortliche Köln)
• Infos zu “Ausbildung & Studium” bei dm: http://www.dm.de/de_homepage/arbeiten-und-lernen/erlebnis_ausbildung_home/
Film über die Unternehmensphilosophie und 4 Jahrzehnte dm (ab 17’05 über Kunstprojekte)
• Mariott Stollsteiner / Thomas R. Huber: Das A.R.T.-Prinzip: Vom Nutzen der Kunst im Unternehmen. Gabler Verlag 2008.

Künstlerische Intervention an Lieblingsplätzen in Rendsburg

© Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de

Das Nordkolleg Rendsburg hat sich bei seiner künstlerischen Intervention auf das Innenleben fokussiert: auf das Miteinander der Menschen in der Bildungs- und Tagungsstätte. Ich habe mit Akademieleiter und Geschäftsführer Guido Froese gesprochen. Er sieht die Kommunikation als Schlüsselfrage für sein Haus. Die fast 50 Mitarbeiter seiner Bildungsstätte sind in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig: in Küche, Garten, Seminaren und Verwaltung. Verschieden sind auch die Biografien und Altersgruppen: „Daraus ergeben sich Hürden, die sich mit einer künstlerischen Intervention überwinden lassen. Es ist spannend, das selber mitzumachen. Es ist die Chance für uns, so etwas auch einmal zu tun.“

Artist in Residence

Seit November 2014 ist der Künstler Peter Klint „Artist in Residence“ am Nordkolleg. Er hat sein Atelier von der Nordseeinsel Sylt für einige Monate in einen Seminarraum der Akademie verlegt. Schnell kennt ihn auf dem Gelände jeder. Wie Björn Högsdal beginnt auch Peter Klint seine Intervention mit Mitarbeiter-Interviews. Wer kennt wen? Wer kennt sich kaum oder gar nicht?
„Sag einfach Du“, unterbindet Klint sofort jeden förmlichen Gesprächsversuch. Und sorgt dafür, dass erste Kommunikationshürden fallen. Der Künstler ist überrascht: „Die Mitarbeiter erzählten mir Dinge, nach denen ich gar nicht gefragt hatte.“

Nordkolleg Rendsburg_Peter Klint  Nordkolleg Rendsburg_Guido Froese © MassivKreativ

Peter Klint bildet aus unterschiedlichen Abteilungen Zweierteams. Der Gärtner trifft auf die Bildungsreferentin, der Haustechniker auf die Projektassistentin, der Akademieleiter auf die Köchin, die Controllerin auf die FSJlerin, die Raumpflegerin auf den EDV-Spezialisten.

Geschichten erzählen

Mit einer Spielanleitung machen sich die Tandem-Teams auf den Weg. Sie sollen sich gegenseitig einen Lieblingsplatz in Rendsburg zeigen, sich dort vom Team-Partner fotografieren lassen und dazu eine Geschichte oder Begebenheit erzählen: Was verbinde ich mit diesem Ort? Was habe ich hier erlebt? Welche Geschichte steckt dahinter? Wie fühle ich mich hier? Nicht alle sind auf Anhieb begeistert: „Muss ich da wirklich mitmachen? Ich hab doch schon genug zu tun!“ Als die ersten Teams enthusiastisch von ihren Ausflügen zurückkehren und den anderen davon erzählen, ist das Eis gebrochen. Fast 50 Fotos und Geschichten bringen die Mitarbeiter ins Nordkolleg zurück und liefern sie in Klints Atelier ab.

„Und? Wie wars?“ fragt der Künstler die Heimkehrer mit friesischer Herzlichkeit. Küchenassistentin Michaela Evert und Gärtner Jochen Bock strahlen. Sie sind sich über die Lieblingsplätze näher gekommen und haben gleichzeitig herausgefunden, was ihnen im Leben wichtig ist. Bock musste nicht lange überlegen. Er lebt für seinen Garten, hegt und pflegt ihn mit Liebe und kreativem Engagement, sorgt mit vielen Ideen dafür, dass ständig etwas Neues hinzukommt, z. B. der 100-Sortenbaum und das Insektenhotel. Bei Außenveranstaltungen steigt er regelmäßig aufs Dach des Nordkollegs, um das große Ganze im Blick zu behalten. Das Foto zeigt ihn daher in luftiger Höhe.
Michaela Evert führt ihren Tandem-Partner zur Weißen Brücke am Stadtsee von Rendsburg. Hier hat sie allen Mut zusammengenommen und ihrem Freund einen Heiratsantrag gemacht: mit Erfolg! Als Zeichen ihrer großen Liebe befestigen beide am Brückengeländer ein herzförmiges Schloss mit Namensgravur. Evert lässt sich vor diesem Motiv fotografieren.

Vertrauensbeweis

Aus fast 50 quadratischen Fotos gestaltet Klint in seinem Atelier nun ein Plakat: ein Mosaik der Mitarbeiterschaft. Einheit in der Vielfalt! Die gemeinsam mit den Intermediären von Unternehmen! KulturWirtschaft entwickelte Idee ist am Nordkolleg aufgegangen: Ich zeige Dir etwas von mir, Du erzählst mir etwas von Dir. „Wenn man etwas von sich preisgibt, ist das ja auch ein großer Vertrauensbeweis“, resümiert Peter Klint. Guido Froese ergänzt: „Bei 50 Leuten drehen sich so viele Rädchen und manche hatten bisher keine Berührungspunkte. Gerade private Themen können dabei helfen, sich besser kennen zu lernen.“

Quellen und Inspirationstipps:

Nordkolleg Rendsburg, Akademie für kulturelle Bildung
Peter Klint, Künstler
• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg
Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Ausgabe 2-2015: Künstlerische Interventionen.
Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Collagen aus der Kreativmaschine: Intervention bei der Kiel Region GmbH

Karte mit Scrabble-Kiel_alt oder neu © Chili M. Seitz

      Interview mit Janet Sönnichsen Kiel Region GmbH
      Interview mit der Künstlerin Chili Seitz

Neue Horizonte: Preetz – Plön – Paris
Das Wir-Gefühl stärken und den Blickwinkel auf das eigene Arbeitsumfeld erweitern: Das gelingt mit Künstlerischen Interventionen nicht nur in Unternehmen, sondern auch in Verbänden und in der Regionalentwicklung. Die Kiel Region GmbH erprobte künstlerische Methoden in den eigenen Reihen im Rahmen von Workshops und erhielt neue Impulse, vor allem für die Kommunikation. Die Kiel Region GmbH ist die gemeinsame Gesellschaft der Landeshauptstadt Kiel und der Kreise Rendsburg-Eckernförde und Plön. Ziel der drei Gebietskörperschaften ist es, die Zusammenarbeit in der Region auszubauen und sich dem wachsenden Wettbewerb der Regionen aktiv zu stellen.

Bei den Workshops treffen Vertreter verschiedener Land- und Facharbeitskreise aufeinander, z. B. aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Tourismus. Manche Teilnehmer kennen sich, andere sehen sich zum ersten Mal. Für Janet Sönnichsen, die Geschäftsführerin der Kiel Region GmbH, steht der gegenseitige Austausch im Fokus und das Ziel, sich über die gemeinsame Identität bewusst zu werden: „Was ist die Kiel Region? Wie sind wir vernetzt? Welchen Mehrwert bringen uns Kooperationen?“

Künstlerin Chili M. Seitz startet ihre Arbeit bei der Kiel Region mit einer Forschungswoche. In Gesprächen mit Mitarbeitern der Gesellschaft und in Sitzungen der Facharbeitsgruppen eignet sie sich das notwendige Wissen über die Wirtschaftsförderung an. Es fließt in die Workshops ein. Die Teilnehmer entwickeln Wortketten und sind überrascht: Nach anfangs sachlichen Begriffen wie „Gebietskörperschaften“ wird es zunehmend bildlich und innovativ: Wasser – trockener Humor, zerstörte Regenschirme – unkomplizierte Frisur, Preetz – Plön – Paris.

Der Blickwinkel weitet sich. Jeder hat zum Workshop einen typischen Kiel-Region-Gegenstand mitgebracht: Sandschaufel, Flip-Flops, Schwimmring, die Kieler Nachrichten, Lupe, Landkarten und Broschüren. Die Teilnehmer legen ihre Gegenstände in Collagen auf den Kopierer, schieben die Utensilien hin- und her. Sie werden gespiegelt, gedreht und gewendet. Der Kopierer wird zur „Kreativmaschine“. Blitzschnell verwandelt sich der nüchterne Konferenzraum in ein buntes „Kinderzimmer“, schmunzelt Janet Sönnichsen. Sie ist begeistert, wie gut die Künstlerin Chili Seitz und ihr künstlerischer Ansatz zu den Fragestellungen der Kiel Region passt: „Beim „Matching“ hat das Team von „Unternehmen! KulturWirtschaft“ sicheres Gespür bewiesen.“

Im Vergleich zu konventionellen Herangehensweisen bieten künstlerische Methoden viele Vorteile. Regionalmanager Knut Voigt ist positiv überrascht: „Dadurch, dass kein Ergebnisdruck vorhanden war, konnten wir der Kreativität freien Lauf lassen. Trotz oder gerade aufgrund der Offenheit sind viele brauchbare Ergebnisse entstanden.“ Auch Workshop-Teilnehmerin Dr. Inge Schröder resümiert begeistert: „Es geht uns bei der Kiel Region ja um ein gemeinsames Regionalmanagement. Als Leiterin des Wissenschaftszentrums Kiel bin ich im Alltag vor allem von textbasierten Informationen umgeben. Ich empfand die visuellen Techniken der Künstlerin Chili Seitz sehr bereichernd, vor allem in der Interaktion mit anderen Teilnehmern.“

Die produzierten Kunstwerke sollen demnächst in den Räumen der Kiel Region ausgestellt werden. „Die entstandenen Kontakte und Ideen werden längerfristig Synergien schaffen und Brücken bauen“, sagt Geschäftsführerin Janet Sönnichsen. Durch das gemeinsame kreative Wirken haben die Teilnehmer erlebt, dass Netzwerken kein Selbstzweck ist, sondern effektiv dabei hilft, für alle bessere Ergebnisse zu erzielen. Das hilft auch bei späteren Projekten.“

Dass die Erfahrungen der Kunstaktion in den Arbeitsalltag übertragen werden können, hat das Team der Kiel Region längst verinnerlicht. Nele Tiemeyer, Projektreferentin am Nordkolleg, ist begeistert: „Bereits beim Abschlussworkshop wurden kreative Methoden aus den Interventionen ganz selbstverständlich vom Projektteam eingesetzt. Die Fülle an Ergebnissen und Ideen, die das Team der Kiel Region im Workshop gesammelt hat, war beeindruckend.“

Inspirationstipps:

Chili M. Seitz, Künstlerin
• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg
Kiel Region GmbH – Regional- und Wirtschaftsförderung
Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Ausgabe 2-2015: Künstlerische Interventionen.
Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Poetry Slam als Künstlerische Intervention an Volkshochschulen

© Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Nicht nur die Wirtschaft braucht Perspektivwechsel. Auch öffentliche Einrichtungen aus Politik, Verwaltung und Bildung profitieren, wenn Künstler sie mit geschärftem Blick unter die Lupe nehmen, Selbstbilder und Routinen in Frage stellen und Impulse für Veränderungen geben. Ich habe den Poetry Slammer Björn Högsdal über seine Künstlerische Intervention an den Volkshochschulen in Schleswig-Holstein befragt sowie deren Verbandsdirektorin Monika Peters.

Mit dem im Herbst 2009 gestarteten Strategieprogramm „VHS 2020“ stellt sich der Landesverband der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen: Demografiewandel, öffentliche Sparprogramme, Wettbewerb. In diesem Rahmen möchte sich das Leitungsteam bewusster über sein Selbstbild werden. Die Initiative Unternehmen! KulturWirtschaft am Nordkolleg Rendsburg empfahl eine künstlerische Intervention mit dem Poetry Slammer Björn Högsdal.

© Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de

Der kreative Umgang mit Sprache und Literatur soll den gegenseitigen Austausch befruchten, die Kommunikation beflügeln und Begeisterung wecken, frei nach dem römischen Philosophen Augustinus: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

Während einer Forschungswoche entwickelte der Künstler mit den VHS-Leitern und Mitgliedern des Landesverbandes drei konkrete Fragestellungen für den folgenden eintägigen Workshop:
1) Welches Image haben die Volkshochschulen nach innen und außen?
2) Wie lässt sich das Wir-Gefühl stärken?
3) Wie lässt sich das Wissen über die eigene Institution optimieren?

Högsdal ist überrascht, wie vielfältig die Angebote der Volkshochschulen sind. Er schreibt eine kleine Hommage auf das große Engagement der Mitarbeiter:
„Ein Mosaik aus Diamanten. Jeder funkelt schon für sich. Und das Bild vom großen Ganzen strahlt als noch helleres Licht.“

Den Workshop beginnt Högsdal mit einer assoziativen Schreibübung zum Thema Winter. Er will die Selbstwahrnehmung der Teilnehmer schärfen. Wie beim Gesellschaftsspiel Tabu dürfen bestimmte Begriffe nicht benutzt werden. Die Köpfe rauchen. Ziel ist, um die Ecke zu denken. Eine erste Lockerung, bevor die Buchstaben der Abkürzung VHS kreativ ausgeschmückt werden sollen. Verbandsdirektorin Monika Peters empfindet die Übungen als sehr bereichernd: „Sowohl das eigene Schreiben als auch das Zuhören der vorgetragenen Texte der anderen ermöglicht, die Perspektiven des Arbeitsalltages zu erweitern und eine andere Darstellung der Volkshochschule zu erleben als man sie normalerweise in einer Presseerklärung oder in einer Rede erleben würde.“

© MassivKreativ / VHS

Die Ideen der Teilnehmer sind verblüffend, humorvoll und selbstbewusst. Hans Brüller,
Referent im Landesverband, und Helga Jones, Leiterin der Förde vhs Kiel, präsentieren die Volkshochschule in ihren Texten mit Kopf und Herz:

VHS heißt:
Vielfalt
Viele halbe Sachen
Viele hundertprozentige Sachen

VHS heißt:
Hoch – und weit
Halt finden
Hurra!

VHS heißt:
Suchen und Finden
Selber tun und lernen
Sicherheit und Zukunft

VHS ist:
bunt und vielfältig
Spaß und Anstrengung
Fast- und Gourmet-Food
Himmel und Hölle
Fahrrad und Space-Mobil
Gemeinsamkeit und Individualität

Wir sind:
der größte Bildungsanbieter in Schleswig-Holstein.
Wir sind immer da, wenn man uns braucht.
Wir sind da, wo Sie auch sind.
Wir sind verlässlich, flexibel und kompetent.
Wir sind bewegt und bewegen.
Wir sind Tropfen, Fluss und Meer.

Für Björn Högsdal schwärmt: „Nicht nur die Workshop-Teilnehmer erhalten kreativen Input. Auch ich als Künstler werde inspiriert und assimiliere andere Anregungen gerne in mein eigenes Denken und mein kreatives Tun. Mit Kunst wirklich etwas bewegen zu können, in Köpfen, in der Wahrnehmung, finde ich sehr schön.“

Julia Francke, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit beim Landesverband der Volkshochschulen SH, wurde durch den Workshop regelrecht entflammt: „Ich finde das total toll! Ich habe Literaturwissenschaften studiert und hätte nie gedacht, dass ich das im Beruf noch mal so lebendig wiederfinden würde.“

Zur Zeit wird von den Akteuren diskutiert, ob und wie in Zukunft Schreibworkshops und Literatur häufiger zur Außendarstellung der Volkshochschulen genutzt werden können.

Inspirationstipps:

Björn Högsdal, Poetry Slammer
• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg
Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Ausgabe 2-2015: Künstlerische Interventionen.
Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
Landesverband der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein e.V.