Bürgerteilhabe und Kreativität in Politik und Verwaltung

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Trampelpfade machen verfehlte Verwaltung sichtbar. Wenn Bürger nicht gefragt werden, ignorieren sie die behördlich angelegten offiziellen Wege. Gelingt hingegen die Einbindung der Öffentlichkeit, die Kommunikation und der Perspektivwechsel führen Aktivitäten von Anfang an in die richtige Richtung und begrenzen Kosten, etwa bei der Verkehrsplanung, bei der Jugendbeteiligung in den Quartieren oder bei der Verständigung über Tourismus-Leitbilder, um austauschbare Slogans zu vermeiden (z. B. Brandenburg: „Neue Perspektiven entdecken“). Teilhabe verringert geistige Einbahnstraßen, weckt Phantasie und Toleranz und erhöht die Akzeptanz von Entscheidungen. Wenn Kreativschaffende und Künstler beteiligt werden, kann das nur von Vorteil sein, wie die folgenden Beispiele zeigen.  

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Kreatives Bürger-Atelier in Bonn

Im Viktoriakarree in Bonn stoppte ein Bürgerbegehren den Verkauf von Grundstücken an einen Investor, der dort eine Shopping-Mall bauen wollte. Auf der Bürgerbeteiligungsplattform Bonn macht mit kann man die Aktivitäten der Initiatoren verfolgen. Das Künstlerteam CommunityArtWorks mit Daniel und Jennifer Hoernemann ergriff die Initiative, um sich innerhalb des weiteren Beteiligungsverfahren zu engagieren. Sie erhielten den Zuschlag und gründeten ein kreatives Bürgeratelier in der Innenstadt. Seitdem schaffen sie über künstlerisches Wahrnehmen, Denken und Handeln Raum für Kreativität und Fehlerkultur. Das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Neugestaltung des Viktoriakarrees in Bonn läuft seit Herbst 2016 in Kooperation mit den Architekten von neubighubacher und den Stadtentwicklern von zebralog. Das Künstlerteam von CommunityArtWorks bearbeitet seit langem gesellschaftliche und unternehmerische Herausforderungen mit künstlerischen Methoden und Interventionen im öffentlichen Raum. Es greift mit dem „Büro für die Nutzung von Fehlern und Zufällen“ aktiv in Prozesse ein, fördert Kommunikation und Reflexion. Ich habe mit Daniel Hoernemann ein Podcast-Interview geführt:

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KREATIVE für MV – Wettbewerb für soziale Innovationen und Dorfentwicklung

In Mecklenburg-Vorpommern hat Corinna Hesse den Wettbewerb „Kreative für MV – MV für Kreative“ initiiert und realisiert ihn mit mir gemeinsam als Projekt- und Workshop-Leiterin. Im Fokus stehen soziale Innovationen in ländlichen Regionen, die von kreativen Raumpioniere vorangetrieben und mit ihrer Unterstützung nachhaltig umgesetzt werden sollen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung unterstützt das Modellvorhaben, das die Potenziale von Kreativen stärker bei der Gestaltung von Gesellschaft nutzen soll sowie auch bei lösungsorientierten Herausforderungen,  z. B. durch Perspektivwechsel und Querdenken, Mut und Experimentierfreude. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat die Schirmherrschaft zugesagt. 

Corinna Hesse ist Sprecherin von „Kreative MV“ – Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Verlegerin im Silberfuchs-Verlag: „Gesucht werden für den Wettbewerb zivilgesellschaftliche Projekte zwischen Kreativschaffenden und Bürgern.“ In interdisziplinären Kreativworkshops und Coachings vor Ort können Kreativschaffende und Bürger – angeleitet und unterstützt u. a. von Vermittlern wie Corinna Hesse und mir, Antje Hinz, – ihre Projektideen weiterentwickeln und verfeinern. Ich werde darüber hinaus redaktionell über das Projekt berichten. Ich bin überzeugt, dass ländliche Regionen von kreativen Ideen für ein sinnstiftendes Zusammenleben profitieren. 

Im Fokus des Wettbewerbs stehen künstlerisch-kreative Methoden für gesellschaftsgestaltende Prozesse, die auf besondere Herausforderungen in der Region eingehen. Die besten 3 Projekte werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt und mit Projektmitteln von insgesamt 10.000 € unterstützt. Details zum Wettbewerb werden am 23.11.2017 bei der KREATOPIA in der IHK Rostock bekannt gegeben, der Branchenkonferenz der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Ab Ende November 2017 können sich Künstler und Kreative mit einer Projektidee bewerben.

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Antibürokraten in Kopenhagen

Im dänischen Kopenhagen haben Wirtschafts-, Finanz- und Justizministerium das Innovationslabor MindLab gegründet. Die Mitarbeiter sollen den Alltag in der Metropole lebenswerter und kreativer machen. Sie begleiten Bürger bei Behördengängen und ermitteln deren Probleme beim Ausfüllen von Formularen. Sie hören den Bürgern zu und fragen direkt nach, was verbessert werden kann. 130 Projekte haben die Vordenker landesweit angestoßen, in den Bereichen Mobilität, Bildung und Wissensmanagement, bei der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt und der Müllvermeidung: Grüne Fußabdrücke auf Bürgersteigen, die den Weg zu Mülleimern zeigen, halfen dabei, den Abfall auf Straßen um beachtliche 40 Prozent zu reduzieren. 

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Nudge-Methode

Die US-amerikanische Regierung versuchte es 2008 unter Barack Obama, die britische Regierung 2010 unter David Cameron 2010 und ebenso die Bundesregierung unter Angela Merkel: Sie engagierten kreative Mitarbeiter für Verhaltenseinblicke (The Behavioural Insights Team), um mit der „Nudge“-Methode das Verhalten der Bürger auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote, Gebote oder ökonomische Anreize zu setzen. Die vom Staat eingesetzten Psychologen sollen Bürger mit kleinen „Anstupsern“ animieren, sich besser zu verhalten: Energie zu sparen, Steuern zu zahlen, für das Alter vorzusorgen, sich gesünder zu ernähren. Die Briten gehen derzeit der Frage nach, wie sich bei Bürgern Gewissenhaftigkeit, Verantwortung, Motivation, Kreativität und Offenheit am besten unterstützen lassen.

In Österreich erarbeiten Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft im GovLab gemeinsam übergreifende Lösungsansätze. Die Erkenntnisse werden über Prototypen an andere Bürger weitergegeben. In der Schweiz unterstützt das gemeinnützige Staatslabor die öffentliche Verwaltung mit innovativen Lösungen. In die Modellprojekte sollen Bevölkerungsgruppen eingebunden werden, die in der Schweiz nicht über Stimm- und Wahlrecht verfügen.

Community als Spiel

Im US-amerikanischen Salem nutzt die Stadtverwaltung spielerische Ideen, um das heruntergekommene, brachliegende Viertel „Point Neighborhood“ neu zu beleben und von Müll zu befreien. Gamedesigner vom Institut EngagementLab entwickelten das Community-Spiel PlanIt, eine Mischung aus Kontaktbörse, sozialem Netzwerk, Umfrage-Instrument und Wettbewerb. Die Bewohner können sich über ihr Viertel austauschen und dabei Punkte sammeln: Motivation mit spielerischen Elementen. Dank Gamification übernehmen die Bürger mehr Verantwortung für Müll, während die Stadt Flächen für neue Geschäfte schafft und Zuschüsse für die Renovierung historischer Gebäude vergibt. Das Konzept wurde auch auf andere Orte und Projekte übertragen.

Rostock hilft

In Rostock übernahmen im September 2015 kurzerhand die Bürger das Ruder, als die Verwaltung mit den ankommenden Flüchtlingen überfordert war. Anfangs gab es Widerwillen gegen das bürgerliche Engagement, dann doch Anerkennung von Senator Steffen Bockhahn für die kreativen Ideen, der 2016 sagt: „Ohne die Zivilgesellschaft hätten wir es damals nicht geschafft.“ Akteure vom Verein Rostock hilft und vom Rostocker Kreativzentrum projekt:raum haben die Aktionen maßgeblich getragen, logistisch über digitale Einsatzlisten und Facebook organisiert und viele kreative Programme für Geflüchtete entwickelt, wie „Kochen über den Tellerrand“.

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Finding Places

Hamburg rief 2016 in Kooperation mit der HafenCity Universität und dem MediaLab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Beteiligungsprojekt Finding Places zu 34 Workshops An einem interaktiven Stadtmodell konnten Bürger geeignete Orte für neue Flüchtlingsunterkünfte benennen. Eine Bürgerbeteiligung mit Lerneffekt, denn vielen wurde zum ersten Mal bewusst, wieviele Bestimmungen und Vorschriften im städtischen Raum zu beachten sind.

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Smart City und Kreativwirtschaft: Wem gehört die Stadt?

Smart City_Infogram_Antje© Antje Hinz, MassivKreativ

Smart City: Ist es die große Verheißung, die Politik und Verwaltung in den Großstädten vollmundig verkünden? Oder ist es eher ein Marketing-Tool für IT-Unternehmen, die ein neues big business auf den Weg bringen wollen? Dieser Hintergrundbericht klärt am Beispiel der Hansestadt Hamburg auf.

Mindestens 28 Megacities gibt es aktuell mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. 2030 sollen es schon 40 Megacities sein. 2050 werden fast zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Dies stellt die Gesellschaften vor große Herausforderungen. Smart City soll darauf Antworten finden, das Leben in der Großstadt effizienter, grüner und sozial inklusiver gestalten, digitalisiert, technologisch, fortschrittlich.

Doch „smart“ ist ein ambivalenter Begriff, der doppeldeutig übersetzt und umschrieben werden kann. Im positiven Sinn bedeutet er: elegant, intelligent, clever, schlau, klug, pfiffig, gescheit, adrett, gepflegt, schick, modisch, aufgeweckt, tüchtig, gewandt, flink, schnittig, munter. Andere Übersetzungen zeigen die Kehrseite der Medaille: gerissen, listig, durchtrieben, mit dem Zusatz to (smart): brennend, schmerzend.

438173_web_R_K_B_by_Jürgen Nießen_pixelio.de438175_web_R_K_B_by_Jürgen Nießen_pixelio.de © Jürgen Nießen, pixelio.de

Smart City als Weltverbesserin

Smart City ist ein diffuser und inflationär gebrauchter Sammelbegriff für verschiedene digitale, urbane Entwicklungskonzepte, die im Wesentlichen diese Bereiche berühren:

  • Verkehr bzw. intermodale Mobilität, der Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln (Smart Mobility)
  • Gesundheit und Leben (Smart Health and Living)
  • Bildung (Smart Education)
  • Wirtschaft (Smart Economy)
  • Verwaltung (Smart Governance)
  • Umwelt (Smart Environment)
  • Bevölkerung (Smart People)

Smarte Dienstleitungen

Die Hansestadt Hamburg lässt noch weitgehend offen, wie die Smart City einmal aussehen soll. Sie nennt auf der eigens eingerichteten Website  hamburg.de/smart-city/ im Wesentlichen sechs Bereiche: Hafen (smartPORT), Verkehr sowie Bürgerdienstleistungen, wie Mobilität, Gesundheit und Bildung. Im Begleittext heißt es:

„Die Smart City, also die vernetzte und kluge Stadt, verbessert die Lebensqualität der Menschen durch intelligente, innovative Infrastrukturen, die helfen, Mobilität effizienter zu machen, Ressourcen zu schonen und negative Umwelteinflüsse zu reduzieren. Sensorik und Informationstechnologien werden dabei zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen … Wir müssen Antworten auf die Fragen nach Mobilität, öffentlicher Infrastruktur, Service, Energieverbrauch, Schadstoffausstoß und Lebensqualität finden. Dieser Prozess ist in vollem Gange. Politik ist aktiv eingebunden und hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen.“

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Kritisches Hinterfragen

Ob die Smart City tatsächlich im Sinne und zum Wohle der Bürger zu einer „lebenswerten Metropole“ wird, besagt der schwammige Begriff allein nicht. Das Großprojekt „Smart City“ lässt sich erst beurteilen, wenn feststeht, wieviel die Stadt für ihre Bürger investieren will, wie gut sie dabei ihre vorhandenen Ressourcen nutzt und wie sich die Zivilgesellschaft einbringen kann. Greifen die Initiatoren die Fragen und Probleme der Bürger tatsächlich auf? Und mit wem kooperiert die Stadt? Nur wenn das Beziehungsgeflecht zwischen Bürgern, Politik, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft wirklich kooperativ und transparent ist, kann sich das Potential der Smart City zum Wohle der Zivilgesellschaft entfalten.

Partnerschaft zwischen Hamburg und Cisco

Am 30. April 2014 hat die Stadt Hamburg für die Dauer von vier Jahren ein „Smart City Memorandum of Understanding (MoU) mit Cisco geschlossen, mit dem das Pilotprojekt zunächst gestartet wurde und an dem weitere assoziierte Partner beteiligt sind: z. B. AGT International, avodaq, InnoTec Data, Philips, Streetline, T-Systems und Worldsensing.

Das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen Cisco wurde 1984 in San Francisco von einer Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford University gegründet – mit dem Ziel, die Vernetzung von Computern zu vereinfachen und sie effektiver zu nutzen. Heute entwickelt und handelt Cisco in erster Linie Internet-Router und IT-Switches, um zwischen verschiedenen Computer-Hardwaregeräten zu wechseln. Seit seiner Gründung hat Cisco über 160 andere Unternehmen gekauft und integriert und gehört damit zu den Marktführern weltweit. In Deutschland beschäftigt Cisco 850 Mitarbeiter an acht vorwiegend großstädtischen Standorten.

726235_web_R_K_B_by_Q.pictures_pixelio.de © Q.pictures, pixelio.de

Datensicherheit

Im Januar 2014, also drei Monate vor Vertragsschluss zwischen Hamburg und Cisco, hatte das Online-Portal heise Security aufgedeckt, dass in den Routern von Cisco eine sogenannte „Backdoor“ eingebaut worden war. Sie ermöglicht es Internetdienstanbietern (ISP) sowie externen Dritten, sämtliche Konfigurationsdaten des Routers auszulesen und zu manipulieren, u. a. auch Passwörter für den Administratorzugang des Routers, für WLAN, DSL-Zugang, Proxy-Server usw. Möglich macht dies ein undokumentierter Dienst, der direkt in die Router-Software integriert ist. heise Security deckte auf, dass es damit möglich sei, den gesamten Datenverkehr des Routers umzuleiten und vollständig zu überwachen.

Welcher Partner ist empfehlenswert?

Der Exkurs zum Thema Cisco ist aufschlussreich: Sind die Stadtväter in Anbetracht der Fakten sorglos, ahnungslos, ignorant? Trauen sie keinem anderen, lokalen Unternehmen zu, das Großprojekt Smart City vertrauenswürdig zu stemmen? Wäre es nicht ohnehin sinnvoller, wenn die Hansestadt einen unabhängigen, regionalen Partner mit Investitionen unterstützen würde?

Finanzielle Budgets werden derzeit noch nicht bewegt. Doch Cisco und weitere multinationale Konzerne, wie IBM, Siemens und Co., wittern in der Zukunft große Geschäfte und wollen sich zumindest in Stellung bringen. Und Hamburg? Die Hansestadt will auf jeden Fall im internationalen Vergleich mithalten und mitspielen – in der Riege der anderen Smart Cities, wie z. B. New York, Rio de Janeiro, Barcelona, das koreanische Songdo und die Ökostadt Masdar in Abu Dhabi. Indien hat angekündigt, in den nächsten Jahren 100 Smart Cities bauen zu wollen. In Deutschland rührt der Bundesverband Smart City e.V. die Werbetrommel, die sich als „Plattform für Smart City Experten“ und als „Unternehmensschaufenster“ versteht und für den Austausch untereinander verschiedene smarte Gruppen bietet.

Versprechen der Stadt

Die Stadt Hamburg wirbt für das Projekt mit smarten Worten. Bürgermeister Olaf Scholz kündigt eine „Verbindung von technologischem und sozialen Fortschritt“ an. Wirtschaftssenator Frank Horch versichert: „Die künftigen Möglichkeiten durch die Vernetzung von Menschen, Prozessen, Daten und Objekten werden nicht nur Städte und Kommunen in ihrer Entwicklung nach vorn bringen, sondern auch den Bürgern mehr Komfort und damit Lebensqualität bieten. Unsere Verantwortung ist es, durch entsprechende Rahmenbedingungen diese Entwicklungen in die richtigen Bahnen zu lenken, damit Chancen genutzt und Herausforderungen bewältigt werden.“

  © Midas Kempcke, MassivKreativ

Menschen oder Technologie?

Smart City habe eine „verführerische“ und „erzählerische“ Komponente, sagt Charles Landry, Stadtforscher und Autor der Publikationen The Art of City Making und The Digitized City. Die Digitalisierung bringe Befreiung und Einschränkung zugleich. Der digitale Wandel habe das Konzept von Raum und Zeit tiefgreifend verändert, das „Hier- und Dort-Phänomen“ hervorgebracht, virtuell jederzeit und überall sein zu können. „Die Welt ist aufregender, aber auch invasiver geworden, der Druck ist enorm“, konstatiert Landry beim Forum d’Avignon Ruhr 2016 in Essen.

Die aktuellen Transformationen seien tiefgreifender als bei der letzten industriellen Revolution. „Geht es beim digitalen Wandel um den Menschen oder die Technologie?“, hinterfragt Landry. Damit die Smart City eine kreative und intelligente Stadt für die Menschen sein kann, brauche es mindestens fünf Kriterien, sagt der Brite.

  1. Verankerung: Menschen brauchen Heimat, Identität, Erbe und Tradition
  2. Verbindung: Menschen mögen sozialen Austausch und Netzwerke
  3. Möglichkeiten: Menschen wollen sich beteiligen, denken, planen und handeln
  4. Lernen: Menschen schätzen es, durch Herausforderungen zu wachsen
  5. Inspiration: Menschen wünschen sich neue Impulse und Anregungen

Smart City und Kreativwirtschaft

Nur wenn diese Bedürfnisse berücksichtigt werden, kann der urbane Raum mit Kreativität und Leben gefüllt werden, mit sozialem Austausch und starken Geschichten. Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft sind gefordert: Sie müssen das Wort ergreifen und die richtigen Fragen stellen: Wie wollen wir in Zukunft leben? 

Das weite Feld der Smart City darf nicht nur kommerziellen Anbietern überlassen werden. Stadtentwickler und Architekten sollten bei ihren Planungen auf Vielfalt und Lebensqualität (Umwelt!) achten, auf gemischte Nutzungskonzepte und auf die Treiber für das Wachstum von Stadtrendite (Kreativschaffende!). Stadtverwaltungen  und Eventplaner müssen Termine, Nutzungs- und Werbeflächen (Fassaden) gerecht zwischen gewerblichen und nichtkommerziellen Anbietern aufteilen, damit der Austausch zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Netzwerken im Fluss bleibt. Auch Medien und Werbeagenturen müssen auf einen ausgewogenen Mix achten. Denn Achtung: Monokulturell und monopolistisch betriebene Städte verlieren rasch an Reiz. Bürger könnten in andere Städte abwandern, Touristen anderswo hinreisen. Ohne Arbeitskräfte und kreative Menschen müssen Unternehmen ihre Standorte verlegen, Investoren würden sich umorientieren.    

Weitere Tipps:

Chirine Etezadzadeh: Smart City – Stadt der Zukunft?: Die Smart City 2.0 als lebenswerte Stadt und Zukunftsmarkt. Springer Vieweg Fachmedien, Wiesbaden 2015.

Smart Cities: Deutsche Hochtechnologie für die Stadt der Zukunft, hg. von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Springer Heidelberg/Berlin 2011.

Charles Landry: The Digitized City, 2016.

Charles Landry: The Art of City Making, 2006.

Charles Landry: The Creative City: A Toolkit for Urban Innovators. 2000.

Anthony M. Townsend: Smart Cities – Big data, civic hackers and the quest for new utopia. Norton, New York / London 2014. 978-0-393-34978-8.

Renata Paola Dameri, Camille Rosenthal-Sabroux (Hg.): Smart City – How to Create Public and Economic Value with High Technology in Urban Space.

Film: Über die Bedeutung von Städten https://www.youtube.com/watch?v=1rXeJO7Q0gc – Urban Thinkers Campus in Mannheim

Künstler fördern Stadtentwicklung: Interview mit Dieter Gorny (1/2)

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Welchen Anteil haben Künstler an der Stadtrendite?
Im Interview habe ich mit Dieter Gorny über Impulse von Künstlern auf die Stadtentwicklung und Stadtplanung gesprochen. Nach welchen Kriterien sollte der Wert eines Ortes bzw. einer Region bemessen werden? Inwiefern beflügeln Künstler mit ihren (Inter-)Aktionen nicht nur die Immobilienbranche, sondern auch Gastronomie und Hotellerie, Einzelhandel, Verkehr und das soziale Miteinander in einer Stadt? Wie können kreative Wertschöpfungen im soziokulturellen Bereich honoriert werden? Und wie können Künstler letztlich auch an der Wertsteigerung von Stadtrendite beteiligt werden? Wichtige Fragen für die creative cities von morgen …

Dieter Gorny ist Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Kreativwirtschaft (ecce) in Dortmund.