Konfetti und Kerosin: So wird lebenslanges Lernen zum Vergnügen

Konfetti und Kerosin: So wird lebenslanges Lernen zum Vergnügen

 © Jörg Brinckheger, Pixelio.de  

Unsere Arbeitswelt hat sich gewandelt. Sie wird sich in den nächsten Jahren noch rasanter und tiefgreifender verändern. Wir alle müssen auf Laufenden bleiben, neue Informationen aufnehmen, dazulernen. Einige empfinden das als Druck und Last. Doch das lebenslange Lernen kann ein anregendes Vergnügen sein, wenn wir es neugierig, offen und angstfrei angehen.

Angst als Innovationsbremse

Warum verschließen sich viele Menschen dem Wandel? Weil sie Veränderungen fürchten. Unbekanntes macht Angst, Unwissenheit lähmt. Das Fazit kann nur lauten: Möglichst viele Informationen über neue Entwicklungen sammeln, damit Unbekanntes bekannter wird. Und: Offen über Ängste sprechen, am besten mit Menschen, die Veränderungen häufig erfahren und sie nicht als Last, sondern als Bereicherung erleben.

 © Lisa Spreckelmeyer, Pixelio.de

Unsicherheiten annehmen

„Wie schaffst Du es nur, gelassen zu sein, ohne am Monatsanfang zu wissen, was Du am Monatsende in Deiner Lohntüte hast?“, werde ich häufig von Freunden in einem Angestellten-Verhältnis gefragt. Sie meinen schlaflose Nächte angesichts dieser Unsicherheit zu haben. Ich wäre unehrlich, wenn ich behaupten würde, dass mich gar keine Existenzängste beschleichen. Dennoch erlebe ich das äußerst selten. Mein Vertrauen überwiegt, in meinem Umfeld ständig spannende Menschen zu treffen, mit denen neue Projekte entstehen, die meine zukünftigen Honorare sichern. Resilienz, also die innere Widerstandsfähigkeit, lässt sich trainieren! Das Vertrauen in die eigenen Kompetenzen, die Gewissheit, neue Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben zu können (und zu wollen), senken die persönliche Anfälligkeit gegenüber Krisen. Und stärken die eigene Motivation, ständig Neues zu lernen.

Motivationsrezepte

Meine Motivation, neues Wissen und neue Impulse zu erlangen, entsteht wie beim Kochen. Erst mal hineinschmecken, ausprobieren, testen, verfeinern, improvisieren, wieder probieren, nachwürzen. Die Basisprodukte für neues Wissen erhalte ich meist bei Abend-Vorträgen, bei Tagungen, Konferenzen, Messen und Labs. Ich wähle Megatrends und Fokusthemen aus, z. B. Innovation, Zukunft, Kreativität, Coworking, Gamification, Digitalisierung, Neue Arbeit, Demografie- und Kulturwandel, Regiobranding usw.

 © Rainer Sturm, Pixelio.de

Medialer Supermarkt

Was ich bei Veranstaltungen höre, sehe und erlebe, das lese und recherchiere ich nach, gehe tiefer ins Detail. Im medialen Supermarkt prüfe ich neue Informationen nach: über Bücher, gedruckte und digitale Artikel, über youtube-Filme, Podcasts, Newsletter, google alerts, Informationen aus sozialen Netzwerken. Manches rückt sich zurecht, manches muss ich durch mehr Recherche intensivieren. Die neu erworbenen Informationen, Zitate, Erkenntnisse, Gedankenflieger, Ideen sammle ich in digitalen Zettelkästen auf Evernote bzw. One Note (Microsoft). So kann ich meine Notizen jederzeit bequem nach Suchworten durchforsten und habe von überall aus mobilen Zugriff.

Kerosin durch analoge Mischmaschinen

Querverbindungen zwischen Themen bilden sich oft durch persönliche Gespräche. Ich treffe einen mir bis dahin unbekannten Menschen, höre ihm zu und dann macht es plötzlich klick, so als würde Kerosin Gedankenströme heftig zum Sieden bringen. Unterschiedliche Informationen vermischen sich. Eine alte Information wird mit einer neuen vernetzt. Es entstehen Verbindungen, die ich vorher nicht für möglich gehalten hätte. Die Fäden laufen überraschend zusammen und alles macht einen Sinn. Übrigens das Erfolgsrezept für Netzwerke.

 © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio.de

Konfetti an kreativen und beseelten Orten

Besondere Zutaten für meine „Lernsuppe“ hole ich mir bei kreativen Ausflügen, Reisen, Exkursionen an ungewöhnliche Orte. Das kann ein neuer Coworking Space von Kollegen oder Bekannten sein, ein kleines unabhängiges Theater, ein Künstleratelier, die Werkstatt eines Handwerkers, ein Museum, eine Ausstellung, ein neu eröffnetes Geschäft mit handgemachten Dingen, ein Industriedenkmal, ein brachliegender, verwunschener Ort, die Natur, das Meer … Ideen kommen seltener am Schreibtisch. Wenn ich meinen Körper bewege, mobilisiere ich auch meinen Geist!

  © MassivKreativ

Corporate Volunteering

Wechseln Sie einen Tag lang (oder länger) Ihren Arbeitsplatz, entweder innerhalb Ihres eigenen Unternehmens oder mit anderen Branchen. Sie erhalten Einblicke in neue Bereiche, was sich nicht nur auf fachliche Kompetenzen und Eigenverantwortung positiv auswirkt, sondern auch Empathie-Fähigkeiten stärkt. Zum Jobtausch eignen sich besonders kreative und soziale Arbeitswelten (Beispiele und Kontakte siehe unten).

10 Tipps, wie lebenslanges Lernen zum Vergnügen wird und wie Sie Ihre Mitarbeiter dazu motivieren können:

Verlassen Sie ihre gewohnten Routine-Boxen und nehmen Sie Ihre Scheuklappen ab! Erweitern Sie Ihren Horizont und erobern Sie sich neue Biotope! Und so geht es:

1) Kaufen Sie sich einmal im Monat eine neue Zeitschrift, die sie sonst nicht lesen – aus einem Fachbereich, der Ihnen weitgehend fremd ist! So stoßen Sie auf neue Themen, die für Ihr Geschäfts- oder Tätigkeitsfeld neue Anregungen bieten kann. Legen Sie sie für Ihre Mitarbeiter in der Kantine oder in der Kaffeeküche aus.

2) Abonnieren Sie Newsletter (z.B. google Alert), die sie regelmäßig über neue Entwicklungen informieren, die für Ihren Beruf oder Fachbereich spannend sein könnten! Hinterlegen Sie die besten für Ihre Mitarbeiter im Intranet Ihrer Firma.

3) Tragen Sie sich in digitale und analoge Netzwerke, Gruppen, Communities ein, um neue Menschen kennen zu lernen und innovative Themen zu durchdringen! 

4) Besuchen Sie Vorträge zu Themen, die für Sie neu sind! Verbinden Sie sich dort mit Menschen, die Sie anregend und inspirierend finden. Interesse, Sympathie und persönliche Bindung sind die Haupttriebkräfte für lebenslanges Lernen.

5) Besuchen Sie Tagungen, Konferenzen, Messen, auf denen Sie Neues erfahren und interessante Menschen, Vordenker, Visionäre treffen können. Auch Schüler- und Absolventenmessen sind spannend, um mit dem potentiellen Nachwuchskräften in Kontakt zu kommen und deren favorisierten Themen in Erfahrung zu bringen. Entsenden Sie sowohl neugierige als auch skeptische Mitarbeiter als Innovationsscouts zu Veranstaltungen, damit sie Neuigkeiten zurück ins Unternehmen bringen und Kollegen davon berichten.

6) Besuchen Sie Ausstellungen, Theater- und Konzertaufführungen von jungen Künstlern. Kommen sie mit ihnen ins Gespräch, stellen Sie ihnen Fragen. Künstler erspüren stets sehr früh gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen und reagieren darauf in ihren Werken. Diskutieren Sie über Themen wie Innovation, Digitalisierung, Werte, Zukunft usw. Sie werden neue Impulse für Ihr eigenes Denken und Handeln erhalten.

7) Erobern Sie sich so oft es geht neue ungewöhnliche Orte und Berufswelten.  Tauschen Sie tageweise mit anderen Menschen Ihren Job. So kommen Sie ungeplant mit Themen und Menschen zusammen, auf die Sie normalerweise nicht treffen würden. Gleichzeitig bietet sich Ihnen die großartige Chance, das „Ungesuchte“ zu finden (Serendipity-Effekt), die Voraussetzung, um innovative Impulse zu erhalten. Kostengünstiger geht es nicht!

8) Planen Sie als Gastgeber Innovations- und Kreativabende in Ihrem Unternehmen. Laden Sie sich interessante Multiplikatoren, Referenten und Künstler ein, um gemeinsam über gesellschaftlich relevante Themen zu diskutieren. Der Austausch wird Sie und Ihre Mitarbeiter auf neue Ideen und Zukunftsstrategien bringen.

9) Mieten Sie sich tageweise in einen CoworkingSpace von Kreativschaffenden oder von Start-Ups ein. Beobachten Sie, wie Ihre Mitstreiter arbeiten, wie sie sich neues Wissen aneignen und sich vernetzen. Sprechen Sie mit ihnen über Megatrends und Zukunftsstrategien.

10) Beteiligen Sie sich an Corporate VolunteeringProjekten in Ihrer Region. Zeigen Sie soziales Engagement und kommen mit Menschen in Ihrer Umgebung ins Gespräch. So erfahren, welche Themen ihnen unter den Nägeln brennen und erhalten Inspirationen für Ihre Geschäfts- und Tätigkeitsbereiche.

 © S. Hofschlaeger, Pixelio.de

Impulse für Lebenslanges Lernen und Corporate Volunteering 

Wie Netzwerke und Plattformen den Erfolg beflügeln

© Andreas Hermsdorf, pixelio.de

Dem Jahrhundert der Einzelkämpfer folgt jetzt die Zeit der Schwarmintelligenz und der Netzwerke. Wir statt ich! Einzelne Universalgelehrte wird es kaum mehr geben bzw. werden sie von divers zusammengesetzten Teams mühelos übertrumpft. Netzwerke und Plattformen dienen als Erfolgsbeschleuniger, sie beflügeln das Vorwärtskommen von Teams, Leistungen, Chancen und Motivation.

Wann Netzwerke erfolgreich sind

Vielfalt ist das Geheimnis erfolgreicher Netzwerke! Damit das Geflecht aus Kontakten und Menschen seine Wirkung entfalten kann, braucht es drei unterschiedliche formale Persönlichkeiten, sagte der Psychologieprofessor und Spezialist für systemische Organisation, Dr. Peter Kruse, 2007 in einem Interview über Kreativität:

  • den Creator (Urheber), der ständig neue Ideen hat, egal ob sie sich realisieren lassen oder nicht (Spinner, Störer)
  • den Owner (Eigentümer), der Wissenseigner bzw. -träger, der ein Thema im Detail beherrscht (Experte)  
  • den Broker (Makler), der viele Leute kennt, die etwas wissen und der als Vermittler und Vernetzer zwischen ihnen wirkt.

Jede Persönlichkeit besitzt spezielle Fähigkeiten, die in Kombination mit weiteren Fertigkeiten anderer Person besonders stark und wirksam wird. Die Summe verschiedener Intelligenzen ist stets größer als eine einzelne Intelligenz. Kruse zieht den Vergleich mit der Vernetzung verschiedener Synapsen im Gehirn. Je nachdem, welche der drei Persönlichkeiten aufeinander treffen, erzielen sie gemeinsam unterschiedliche Wirkungen:

  • Creator + Owner = Ideen zur Lösungsbildung
  • Owner + Broker = Bewertung von Wissen
  • Broker + Creator = Erregung, beide stören

Übrigens: Viele Ideen entstehen beim gemeinsamen Essen, der vielleicht wichtigsten Netzwerk-Plattform der Welt. Warum? Weil wir genau dann empfänglich für Neues sind, wenn wir Glücksmomente und Vertrauen empfinden. Es ist erwiesen, dass jene Menschen am produktivsten sind, die besonders häufig ihre Begleiter beim Essen wechseln. Beim gemeinsamen Essen erfährt man am besten, wie der Andere denkt, welche Ideen und Vorlieben er hat, welche Erfahrungen und Erlebnisse ihn bewegen, sofern sich der Begleiter öffnet. Dies sorgt zusätzlich für Vertrauen, eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Netzwerke und die Bereitschaft für Veränderungen.

© Rainer Sturm, pixelio.de

Diversity als Erfolg

Erfolg schöpft sich aus Vielfalt: aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, Talenten und Fähigkeiten, Wissensträgern, Fachbereichen, Lebenswelten. Ein wichtiges Vorbild für Apple-Gründer Steve Jobs waren die Beatles, wie er in der amerikanischen Dokumentationsserie 60 Minutes am 12.05.2008 sagte: „Das waren vier Typen, die gegenseitig ihre negativen Tendenzen in Schach hielten, sie balancierten sich gegenseitig aus, so dass das Gesamte viel mehr als die Summe der Einzelteile wurde. Große Dinge in der Geschäftswelt werden nicht von einer Person gemacht, sondern von einem Team.“

Neues entsteht nicht aus Harmonie, sondern aus Widerspruch. Erfolgreiches Management lebt von Instabilität und von Störern, die Routinen hinterfragen. Ein Unternehmen tut also gut daran, sich regelmäßig Impulse von außen zu holen. In Zeiten des globalen Wandels können auch interkulturelle Grenzüberschreitungen neue Perspektiven für die eigenen Institution bzw. Organisation eröffnen. Damit Unternehmenskulturen daran wachsen können, braucht es genügend Zeit. Nur wenn das Basis-Team die neuen Impulse als relevant, nachvollziehbar, transparent und glaubwürdig aufnimmt, werden sich alle mit der Zeit an die neuen Impulse anpassen. So kann der Unternehmenswandel tatsächlich gelingen.

 © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Tandems bilden

Wem größere Netzwerke zu unübersichtlich sind, kann zumindest ein Tandem bilden. Achten Sie  darauf, dass Sie sich mit einer Person, Organisation, Institution oder einem Unternehmen aus einem anderen Sektor, Lebensbereich bzw. einer anderen Branche vernetzen. Nur wenn Sie Ihre „Komfortzone“ verlassen und sich mit frischem Wind umgeben, werden Sie profitieren. 

Ich werde dieses Experiment in Kürze selbst wagen – als Partner im interdisziplinären Jobshadowing-Programm – und werde auf MassivKreativ darüber berichten. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft – eine städtische Einrichtung zur Förderung der Kreativwirtschaft in der Hansestadt – vernetzt seit kurzem Institutionen der Initiative Finanzplatz Hamburg e.V. mit Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Tandempartner begleiten sich einen Tag gegenseitig in ihrem Arbeitsalltag und lernen voneinander. Das Ziel: Perspektivwechsel, Horizonterweiterung und Wissenstransfer, langfristig sind crosssektorale Kooperationen angedacht: Kreative können neue Strategien und Lösungsansätze für Herausforderungen in klassischen Wirtschaftsbereichen erarbeiten, z. B. indem Sie Routinen hinterfragen. 

 © Karin Jung, pixelio.de

Innovationen aus Netzwerken schöpfen

Daniela Bessen engagiert sich als Brokerin und Innovationsscout für die Vernetzung mittelständischer Unternehmen mit Startups bzw. Wissensträgern (Ownern) und Innovatoren (Creatern). Sie möchte dem Mittelstand dabei helfen, innovativer zu werden und wertvolle Kontakte zu den richtigen Akteuren und Experten. Netzwerken gehört daher zu ihrem Alltagsgeschäft, auch in ihrer Funktion als Verbandsbeauftragte des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft (BVMW). Über das erfolgreiche Netzwerken habe ich mit ihr in einem längeren Interview gesprochen.

Mehr Geben als Nehmen

Netzwerke müssen ständig am Leben erhalten und mit neuen Impulsen von außen genährt werden. Treffen immer nur die gleichen Menschen aufeinander, wird das Netzwerk bald absterben. Je vielfältiger und interaktiver Netzwerke wirken, um so stärker sind die Rückkopplungseffekte. Ein gesundes Netzwerk lebt mehr vom Geben als vom Nehmen, wie das folgende Gleichnis zeigt: „Was ist der Unterscheid zwischen mögen und lieben“, wurde der Buddha einmal gefragt.  Seine Antwort: „Wenn Du eine Blume magst, dann pflückst Du sie. Wenn Du eine Blume liebst, dann gibst Du ihr jeden Morgen Wasser.“ Menschen und deren Gestaltungswillen zum Blühen zu bringen,  ist die große Kraft, die von Netzwerken ausgeht.

Interdisziplinäres Netzwerken

Seit Herbst 2016 organisiert das Netzwerk Kreative MV in Mecklenburg-Vorpommern im Auftrag des dortigen Wirtschaftsministeriums sogenannte KreativLabs. Das Format wandert durch das Bundesland an unterschiedlichste Orte und bringt branchenübergreifend Kreative, Privatwirtschaft, öffentlichen Sektor und Bildungsinstitutionen zusammen. Nach dem peer-to-peer-Prinzip findet die Ideenfindung und Beratung gemeinschaftlich statt, eine große Chance für die unterschiedlichen Teilnehmer, sich und ihre Branchen besser kennenzulernen und mehr über die jeweiligen Probleme und Wünsche zu erfahren. Beispielhaft war das 4. KreativLab „Querdenken gefragt“ in Ludwigslust im März 2017. Bei dieser Gelegenheit stellte ich im Impulsvortrag „Was kann Management von Kunst lernen“ inspirierende Beispiele für künstlerisches Denken vor, für Kreativität und Innovation, Haltung und Verantwortung, interdisziplinäres Arbeiten und Coworking, Nachhaltigkeit und Diversity. Im anschließenden Barcamp und Kreativ-Workshop erarbeiteten Unternehmer, Mitarbeiter aus dem öffentlichen Sektor sowie Künstler und Kreativschaffende in interdisziplinären Teams Lösungsansätze für praxisnahe Herausforderungen. Weitere Labs im Jahr 2017 hier.

 © MassivKreativ

Vernetzung a la Richard Branson

A-B-C-D: Always Be Connecting the Dots – so der Slogan über allen Virgin-Group-Firmen unter Führung von Richard Branson: „Verbinde stets die Punkte miteinander“. Erst, wenn Querverbindungen zwischen unterschiedlichen Bereichen und Welten geschaffen werden, entstehen ungeahnte Synergien und Befruchtungseffekte, der glückliche Zufall – auch „Serendipity-Effekt“ genannt. Nur ein Beispiel: In den neuen Virgin-Hotels sind sowohl Gäste als auch Einheimische willkommen. Bibliothek und Fernsehzimmer stehen allen offen. Auf Begegnung setzt auch der „Common Club“, hier sollen zur sogenannten „Social Hour“ zwischen 18 und 19 Uhr alle Menschen zusammen kommen, die anfangs offerierten kostenlosen Cocktails müssen inzwischen doch wieder bezahlt werden. Aber wer weiß, vielleicht gibt es sie demnächst wieder, wenn der Weltraumvisionär Branson sein erstes Hotel im All eröffnet – samt Networking mit Außerirdischen …

 © Alfred Krawietz, pixelio.de

Plattformökonomie: webbasierte Netzwerke

Neben persönlichen Netzwerken sind in den letzten Jahren immer mehr webbasierte Netzwerke entstanden. Plattformökonomien bieten erhebliche Vorteile: mehr Sichtbarkeit, Vernetzung, Befruchtung, Beschleunigung und Konsolidierung. Mit rasant wachsenden Anbietern entstehen neue Geschäftsmodelle. Wichtige Informationen werden dabei meist von Dritten generiert (z.B. gegenseitige Bewertungstexte): Amazon (Shopping-Plattform vernetzt Konsumenten, Handel, Hersteller und Logistik), ebay (Auktionen), airbnb (Übernachtungen), Facebook (Social Media), App-Stores von Apple und google (Medien) usw. Werden Produktionsressourcen intelligent verknüpft und Daten durch Digitalisierung und Business Intelligence (im Sinne des Anbieters) optimal verwertet, bilden sich neue Wertschöpfungsketten. Plattformökonomien und Sharing-Dienste gibt es inzwischen für alle Lebensbereiche: Mobilität und Reise, Finanzen und Versicherungen, Job-, Partner- und Tauschbörsen, Coworking, Haushaltshilfen, Verleihdienste.

Plattformen beleben auch den Bereich der Wissenschaft sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die EU unterstützt in ihrem Förderprogramm Kreatives Europa grenzüberschreitende Plattformen kultureller und kreativer Organisationen, die Künstlern, Kulturschaffenden sowie aufstrebenden Talenten über europaweite Netzwerke und Online-Plattformen in der Öffentlichkeit präsentieren.  

 © Otto – Collabor8, MassivKreativ

Online-Tools zur Vernetzung

Auf Wiedersehen email, Kalender, Notizbuch. Die Zukunft gehört den Online-Werkzeugen, damit die Zusammenarbeit für uns alle einfacher wird – vor allem über räumliche und geografische Entfernungen und über verschiedene Zeitzonen hinaus. Für jeden erdenklichen Papierkram gibt es inzwischen ein Online-Pendent – je nach persönlichen Wünschen kostenlos oder per Monatsabo – für die Abstimmung von Terminen, den gemeinsamen Kalender, für das Projektmanagement, für To-Do-Listen, für die kreative Arbeit, für Kommunikation und Konferenzen. Schüler, Azubis und Studierende profitieren ebenso wie

Wissenschaftler und Experten, Außendienst-Mitarbeiter, Journalisten und Künstler, Einzelkämpfer ebenso wie Teams, Arbeitsgruppen und Vereine. Das Angebot kollaborativer Tools wächst stetig, eine umfangreichere Aufstellung liefern u. a. das Digital-Magazin t3n und die Wissenschaftsjournalistin Martina Rüter.

 © MassivKreativ

Empfehlenswerte kreative und innovative Netzwerke und Plattformen 

  • Women´s Club von Hamburg@work organisiert Veranstaltungen, u. a. ein BusinessBreakfast im WASSERSCHLOSS  der Speicherstadt zu wechselnden Themen, z. B. „New Work – Wie werden wir zukünftig arbeiten?“, Infos zur Mitgliedschaft  
  • Dverse Media – für mehr Vielfalt im Wirtschaftsjournalismus 
  • Digital Media Women – für mehr Sichtbarkeit und Einfluss von Frauen auf allen Bühnen – Konferenzen, Fachmedien, Management Board – offen, respektiert und wegweisend.
  • Hamburg Kreativ Gesellschaft bietet vielfältige Netzwerkveranstaltungen, z.B. zum Thema crowdfunding
  • DesignXport in Hamburg sieht sich als Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft
  • Innovation Alliance: engagiert sich zum Thema Digitalisierung im Mittelstand
  • BVMW: Bundesverband für die mittelständische Wirtschaft
  • Kreative Deutschland: bottom-up-Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland
  • Kreative MV: Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern
  • CleverHeads: kreatives Recruiting-Netzwerk mit Empfehlungsmarketing gegen Fachkräftemangel – durch Weiterempfehlung eines Bewerbers refinanzieren Arbeitgeber die eigenen Recruiting-Kosten
  • Vera-Netzwerk: Verband der Ausstellungsgestalter in Deutschland e.V.
  • Querdenker: von kreativen Köpfen profitieren

 

Was sich in der Unternehmenskultur von Steinen lernen lässt

 © alle Fotos: MassivKreativ, Steine-Projekt otto-group

Steine gibt es wie Sand am Meer, überall auf der Welt. Jeder kann sie finden, aufheben, nach Hause tragen, sie zum Gestalten seines Umfeldes nutzen oder die Steine selbst nach eigenen Vorstellungen gestalten. So wie bei der Otto Group, die damit ihre  Unternehmenskultur gestärkt hat (siehe Podcast weiter unten) 

Aus Steinen lassen sich Türme, Häuser, Fabriken und Monumente bauen. Mit Steinen kann man seine Kräfte messen oder beim Werfen seine Geschicklichkeit unter Beweis stellen. Mit Steinen lässt sich Korn mahlen. Mit aneinander schlagenden Steinen lassen sich Klänge erzeugen (Klingsteine aus China), mit steinerner Gewalt aber auch anderen Menschen Leid und Schmerz zufügen. Fakt ist…

 © MassivKreativ

Steine haben Symbolkraft!

In allen Kulturen gibt es Redensarten und Sprichworte, die sich um Steine drehen: den Stein ins Rollen bringen, Steine in den Weg legen, Steine aus dem Weg räumen usw. Viele Redewendungen über Steine lassen sich hervorragend auf die Unternehmenskultur übertragen … 

 © MassivKreativ

Anpassung

„Ein Stein schleift den anderen.“ (Redensart) Dass wir uns von anderen Menschen mitreißen, motivieren und beflügeln lassen, bestätigt im Interview Jürgen Bock, Bereichsleiter Kulturentwicklung und Corporate Values bei der Otto Group in Hamburg. Ich habe mit ihm ausführlich über das Steine-Projekt seines Unternehmens gesprochen (41:00 bis 46:00).

Jürgen Bock: „Werte können eine Unternehmenskultur nicht verändern, sondern nur eine Orientierung geben. Seid mal alle mutig! – Das funktioniert so pauschal nicht. Werte sind wie eine Gewohnheit, daher ist es schwer, Werte zu verändern. Kulturveränderung verläuft eher über Anpassung als über Wertewandel. Ich passe mich an die Personen an, die für mich wichtig und relevant sind. Vorher prüfe ich: Ist das, was die Person sagt, ernst und nachhaltig gemeint?“ (15:00-18:00)

 © Jürgen Bock (Portrait)

Filminterview mit Benjamin Otto über den Kulturwandel, die digitale Transformation und Coworking in „Collabor8“ bei der Otto Group.

Glaubwürdigkeit

Sprüche lassen sich leichter klopfen als Steine!“ …., sagt der Volksmund. Markige Parolen der Geschäftsführung lösen sich in Luft auf und führen bei Mitarbeitern zu Frustration, wenn den Worten keine Taten folgen. Glaubwürdig sind Manager in ihrem Führungsstil nur dann, wenn sie im Alltag auf Transparenz, Augenhöhe, Vertrauen und Eigenverantwortung der Mitarbeiter setzen.

 © MassivKreativ

Visionäres Denken und Kommunikation

„Ein Haufen Steine hört in dem Augenblick auf, ein Haufen Steine zu sein, wo ein Mensch ihn betrachtet und eine Kathedrale darin sieht.“ Antoine de Saint-Exupéry war ein Meister der Imagination. Er konnte mit seinen Geschichten Bilder im Kopf erzeugen und Mitmenschen zu Höchstleistungen treiben. Entrepreneure sind Menschen, die ihre zukünftigen Unternehmungen vor Augen haben. Es sind kommunikative Menschen mit Charisma, die anderen Akteuren ihre Ziele und Vorhaben lebendig vermitteln und sie begeistern können, an der Verwirklichung der Unternehmung aktiv und gestaltend mitzuwirken, dabei ggf. auch Risiken einzugehen. Mit der Kraft der Imagination können visionäre Projekte verwirklicht werden.  

„Der Mensch muss den Stein meditieren, bevor er ihn aufrichtet.“ … – so ein japanisches Sprichwort. Neue Projekte sollten genau durchdacht sein, bevor sie an das gesamte Team kommuniziert werden. „Wissen ist Macht“, heißt es. Noch machtvoller ist sorgsam recherchiertes und kuratiertes Wissen, das mit inspirierenden Geschichten in die Welt getragen und anderen vermittelt wird.

 © MassivKreativ

Fehlerkultur und Vertrauen

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ … sagte Johann Wolfgang Goethe. Fehler und Zufälle bieten neue  Chancen, neue Entdeckungen, neue Wege, wenn wir offen dafür sind und Perspektivwechsel wagen und zulassen. Wenn wir Rahmenbedingungen für Kreativität und neue Ideen schaffen, können Innovationen entstehen. Wenn wir Alternativen, Impulse, Meinungen grundsätzlich in Frage stellen, wird unsere Kreativität verkümmern, wie Autor Ekkehart Mittelberg sagte: „Raubt man der Phantasie die Flügel, fällt sie schneller als ein Stein.“

 © MassivKreativ, Steine-Projekt otto-group

Beharrlichkeit

Steter Tropfen höhlt den Stein. (Sprichwort) Veränderungsprozesse erfordern Ausdauer, Durchhaltevermögen, Weitblick und Resilienz. Herausforderungen sind lösbar, wenn man sie gemeinsam auf Augenhöhe in Angriff nimmt und in klar umrissene, überschaubare Aufgabenbereiche fasst. „Die Menschen straucheln nicht über Berge, sie stolpern über Steine.“ … sagt man in Indien. Struktur- und Kulturwandel ist kein Projekt, sondern ein langfristiger Prozess, der im Kleinen beginnt und sich stetig zu Großem weiterentwickelt. So wie die Chinesen sagen: „Der Mann, der den Berg abtrug, war derselbe, der anfing, kleine Steine wegzutragen.“

 © MassivKreativ

Kernkompetenzen

„Wasser verrinnt, Steine bleiben.“ … sagt ein rumänisches Sprichwort. Was sind meine Kernkompetenzen und wahren Werte in Zeiten des Wandels?  Veränderungen bedeuten nicht, alles Bisherige über Bord zu werfen. Es geht oft nur darum, sich seiner Potentiale bewusst zu werden, sich zu fokussieren, Bewährtes neu anzuwenden. Weniger ist manchmal mehr. Schon Cicero wusste: „Gut gehauene Steine schließen sich ohne Mörtel aneinander.“ Was kann ich gut, was können Andere besser? „Man muss mit den Steinen bauen, die man hat.“ Doch: Was kann ich von Anderen lernen? Wie kann ich von den Erfahrrungen Anderer profitieren? Der Philosoph und Lernexperte Andreas Tenzer hat es so formuliert: „Die stärksten Brücken werden aus Steinen gefallener Mauern gebaut.“

 © MassivKreativ

Perspektivwechsel

„Ein rollender Stein setzt kein Moos an.“ … offenbart ein niederländisches Sprichwort. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, häufig die Perspektiven wechselt, wer eigene Erfahrungsräume häufig verlässt, Anderen aufmerksam zuhört, wer Leeerstellen und Probleme sieht, wird Lösungen finden. Wer geistig in Bewegung bleibt und sich nicht auf Erfolgen ausruht, wird auf der Welle der Veränderung surfen, statt in ihr unterzugehen.

 © MassivKreativ

Interdisziplinäres Coworking

„Man braucht zwei Steine, um Feuer zu machen.“ … bemerkte die US-amerikanische Schriftstellerin Louisa May Alcott. Allein kommt man nicht weit, im Team erreicht man mehr. Vielfalt schlägt Talent.

 © MassivKreativ

Filminterview mit Benjamin Otto über den Kulturwandel, die digitale Transformation und Coworking in „Collabor8“ bei der Otto Group.

Wertschätzung

„Verletzende Worte sollten auf Sand geschrieben werden, lobende in Stein gehauen.“ … sagt ein arabisches Sprichwort. Und im Kaukasus weiß man: „Ein gutes Wort kann Steine brechen.“ Achtung, Lob und Anerkennung motivieren und beflügeln und sorgen dafür, dass wir zufrieden sind und gesund bleiben. Fairness und Transparenz im Unternehmen sichern eine hohe Leistungsbereitschaft.

 © MassivKreativ

Mut und Selbstvertrauen

Johann Wolfgang Goethe hat die Verkündung neuer Ideen mit einem beherzten Brettspiel verglichen: „Es ist mit Meinungen, die man wagt, wie mit (Spiel-)Steinen, die man voran im Brette bewegt: Sie können geschlagen werden, aber sie haben ein Spiel eingeleitet, das gewonnen wird.

 © MassivKreativ

Humor und Gelassenheit

Heinz Erhardt hat es auf humorvolle Weise gesagt: „Ich kann’s bis heute nicht verwinden, deshalb erzähl‘ ich’s auch nicht gern: Den Stein der Weisen wollt‘ ich finden und fand nicht mal des Pudels Kern.“

Durch Zeiten großer Unsicherheiten und Veränderungen gilt es, besonnen zu handeln und sich selbst nicht ganz so wichtig zu nehmen. Joachim Ringelnatz hat darüber ein Gedicht geschrieben: Der Stein: 

„Ein kleines Steinchen rollte munter von einem hohen Berg herunter. Und als es durch den Schnee so rollte, ward es viel größer als es wollte. Da sprach der Stein mit stolzer Miene: ‘Jetzt bin ich eine Schneelawine’. Er riss im Rollen noch ein Haus und sieben große Bäume aus. Dann rollte er ins Meer hinein, und dort versank der kleine Stein.“

 © MassivKreativ

Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen

Mit großen und kleinen Steinen lässt sich hervorragend demonstrieren, dass nur die über Zeitmangel klagen, die keine Prioritäten setzen können: 

Füllt man ein Glas zuerst raumgreifend mit Sand (unnütze, zeitraubende Dinge), finden größere Steine (wichtige Aufgaben / bedeutende Herausforderungen) dort keinen Platz mehr. Legt man hingegen zunächst die großen Steine (dringende Aufgaben) in das Glas, dann lässt sich wunderbar vor Augen führen, dass danach auch noch kleinere Kieselsteine (zentrale Aufgaben) und Sand (nebensächliche Aufgaben) hineinpassen und man am Ende sogar noch Wasser (für Lichtblicke/Pausen/Überraschungen) in die Zwischenräume füllen kann.  

Das Glas des Lebens

Im Film wird das Experiment mit Golfbällen, Kieselsteinen, Sand und Kaffee gezeigt und warum es Sinn macht, die wichtigen Dinge zuerst zu tun: https://www.youtube.com/watch?v=m0hqBIugr7I

 

Aufbruch bei der Otto Group: Kulturwandel und digitale Transformation

 © MassivKreativ

„Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein Prozess“. Diesen Satz hört man in der Otto Group immer wieder. Und: „Digitale Transformation geht nicht ohne Kulturwandel“. Den ersten sichtbaren Schritt ist das Unternehmen nun mit Collabor8 gegangen, einem neuen multifunktionalen Coworking Space für Mitarbeiter und zukünftig vielleicht auch für kreative Köpfe von außen.

Der Mensch im Mittelpunkt

Menschenorientierung: Das ist der Otto Group seit seiner Gründung 1949 in Hamburg wichtig. Auch wenn der Markt im Kerngeschäft von Otto, eCommerce, Finanzdienstleistungen und Serviceangeboten Logistik und Reise, härter geworden ist, die Mitarbeiter bleiben im Fokus der Unternehmenspolitik, etwa 4.000 Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale in Hamburg und etwa 50.000 Mitarbeiter weltweit. Jeder im Team sorgt mit seinen Kompetenzen und Ideen dafür, dass Otto weiterhin erfolgreich agieren kann. Damit jeder den Prozess der Digitalisierung versteht, muss jeder Mitarbeiter auf dem Weg der Veränderungen mitgenommen werden. 2016 hat die Otto Group einen Kulturwandel eingeläutet. Kommunikation läuft jetzt auf Augenhöhe, nicht zuletzt mit dem direkten Gespräch „per Du“. Ein Angebot und Vorschlag, kein Zwang. Die Mitarbeiter berichten von mehr Transparenz. Regelmäßig informiert die Unternehmensleitung, was in Strategie- und Betriebsversammlungen diskutiert und beschlossen wird. Am Wandel ist das gesamte Personal beteiligt. Jeder, der mag, kann sich einbringen, wird nach seiner Meinung gefragt. Digitalisierung lässt sich nur realisieren, wenn alle im Unternehmen mitziehen.

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Mitgestaltung erwünscht

Teilhabe ist ein entscheidendes und richtungsweisendes Mittel für den Kulturwandel bei Otto. Gelebt wird er schon seit längerem in divers besetzten Seminaren und Workshops, quer durch alle Hierarchien, Abteilungen, Altersgruppen, Geschlechter und Nationalitäten. Jetzt kommt ein neuer Ort des offenen Dialogs hinzu. Damit sich die Mitarbeiter besser vernetzen, sich über Ideen und Strategien austauschen können, hat Benjamin Otto, Enkel des Unternehmensgründers Werner Otto und als gestaltender Gesellschafter treibende Kraft für die digitale Transformation, die Einrichtung eines Coworking Spaces initiiert. In nur drei Monaten wurde die obere Etage im 8. Stock eines älteren Fabrikgebäude zu einem Ort für kollaboratives Arbeiten umgestaltet.

 © MassivKreativ

Welche Anforderungen soll der Raum erfüllen, welche Bedarfe gibt es für die Nutzung? Verschiedene Abteilungen und Teams haben hunderte Ideen und Vorschläge eingereicht – „in einer bemerkenswerten Qualität“, wie der David Einsiedler, Geschäftsführer vom ausführenden Gestaltungsbüro PLY – unestablished furniture betont. Auch den Namen für die neue Coworking-Fläche hat ein Mitarbeiter vorgeschlagen: „Collabor8“. Das Thema Nachhaltigkeit bei der Umgestaltung zu berücksichtigen, war ein übergreifender Wunsch im Unternehmen. David Einsiedler und das PLY-Team haben daher Upcycling-Aspekte mit einbezogen, älteres Mobiliar genutzt, Industrielampen umgestaltet und schon vorhandene Lichtquellen mit LEDs umgerüstet. Collabor8 ist ein innovativer Ort des Aufbruchs in einem architektonischen Ensemble, das vor gut 50 Jahren entstand und daher schon etwas Patina angesetzt hat. Schritt für Schritt wird das Otto-Gelände aufgefrischt: mit einem bepflanzten Boulevard, einem neuem Fitnessstudio, mit neuen Toiletten, Bistro, Kantine und dem neuem Coworking-Space.

 © MassivKreativ

Effekte von Coworking

„Collabor8“, die Freifläche auf etwa zweieinhalb Fußballfeldern (1700 qm), soll bei Otto das vernetzte Denken beflügeln, „Schnittstellen schaffen“, wie Gesa Heinrichs sagt, die federführende Direktorin des Facility-Managements. Benjamin Otto beschreibt es so: „Collabor8 bietet Raum für Potentialentfaltung und Lebensfreude, Innovation und Kreativität, Flexibilität und Vielfalt.“ Im Zentrum haben die Planer bewusst eine Arena platziert – mit einer Café-Bar gleich nebenan für das Kennenlernen, Aufeinandertreffen, den  lebendigen Austausch. Größere Loungeflächen mit variablen Tischen (Flex-Bench) und Meetingbereichen laden zum Dialog ein, während Telefonboxen, Bibliothek und gläserne Büros Rückzugsorte bieten. Freie Sichtachsen ermöglichen neue Perspektiven und Horizonterweiterung

 © MassivKreativ

Mehrwerte schaffen

Im Zuge des Kulturwandels wächst auch das Bewusstsein für immaterielle Werte. Benjamin Otto glaubt, dass sie bei der Digitalisierung immer wichtiger werden. „Es geht einem Programmierer nicht nur um seine Bezahlung“, sagt Otto. „Es geht ihm auch um zwischenmenschliche Werte: Ob er Spaß hat an seinem Job, ob er hier gewisse Vorzüge hat, die er in einem anderen Unternehmen nicht hätte.“ Mit Mehrwerten will Otto die Mitarbeiter beflügeln und damit zugleich die digitale Transformation des Unternehmens. Qualität statt Quantität, nachhaltige Effektivität statt blinder Effizienz. Schon Albert Einstein bemerkte: „Nicht alles, was zählt, kann man zählen, und nicht alles, was man zählen kann, zählt.“ Gesundheit und Wohlbefinden, Wertschätzung und soziale Bindung, Vertrauen und Selbstwirksamkeit. Und ebenso Anregungen von außen. So entstanden Startups wie Collins bzw. die Mode-Marken About you und Edited. „Ist Otto auch offen für Impulse von Künstlern, Vor- und Querdenkern?“ frage ich Benjamin Otto. „Absolut ja, weil sie das gesamte Ökosystem in Wallung bringen können.“ sagt er. „Ich glaube, durch Flächen wie Collabor8 schaffen wir auch Raum für solche Menschen. Wir können mit ganz vielen Einzelinitiativen und Impulsen zum Ziel kommen.“

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Mehr zum Thema Kulturwandel bei der Otto Group: Was sich in der Unternehmenskultur von Steinen lernen lässt … 

Künstler als Ermutiger und Magier

© Peter Bast, Pixelio

Künstler sind Magier. Wenn sie in Unternehmen gehen, entlocken sie den Mitarbeitern Fähigkeiten und Talente, von denen die nicht im Geringsten geahnt hätten. „Die Wirtschaft sollte ihre Querdenker deshalb dort suchen, wo sie der Natur nach präsent sind: unter Künstlern! – sagt Management-Expertin Helga Stattler. Seit über 10 Jahren vermittelt sie als Beraterin zwischen den Welten Kunst und Wirtschaft. Im Interview erzählt sie mir u. a., warum Künstler Veränderungsprozesse in Unternehmen hervorragend begleiten können und was sie bei Mitarbeitern bewegen.

Helga Stattler und Karin Wolf_2015 © Corinna Eigner
Helga Stattler (l.) und Karin Wolf (r.) erforschen im Institut für Kunst und Wirtschaft Wien das Thema „Künstlerische Interventionen“ und begleiten die Aktionen als Intermediäre.

Frau Stattler, wie wichtig sind heute Innovationen für die Gesellschaft?

Helga Stattler:
Es wird immer nach Innovation gesucht – vor allem bei Produkten und Leistungen. Mindestens genauso wichtig und erforderlich ist die Innovation im Zusammenleben in den Organisationen. Es hat noch nie so viel burnout und Frust gegeben und zugleich Suche nach Sinn. Es herrscht sehr viel Druck und dagegen muss dringend etwas unternommen werden.

Warum sind soziale Innovationen ebenso wichtig wie technologische Innovationen?

Helga Stattler:
Das Thema Fusion z. B. funktioniert ja bis heute nicht. Unternehmen glauben, wenn sie zwei Teile miteinander verbinden und Menschen miteinander mischen, funktioniert das automatisch ab dem nächsten Tag. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Menschen mit verschiedenen Erfahrungshorizonten zusammenzubringen: dem sollte bei einer Fusion strategisch noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als dem Aushandeln von Kaufpreisen für ein Unternehmen oder wie man die Produktpaletten sinnvoll miteinander verbindet. Doch das wird leider oft übersehen.
Man glaubt, dass Menschen wie Maschinen funktionieren. Die Firma ist keine Maschine und die Menschen schon gar nicht. Sie sind soziale Wesen und Gemeinschaftswesen und wollen auch als solche beachtet werden. Der Mitarbeiter, der eine Veränderung verkraften muss, braucht das Gefühl, dass er ernst genommen wird. Die Unternehmensleitung muss verstehen, dass es nicht leicht für ihn ist, dass es eine Herausforderung ist. Und wenn er merkt, dass es wirklich ehrlich gemeint ist, dann wird er sich in die neuen Aufgaben mit Elan hineinstürzen und wird sagen: Ich schaffe das! Aber wenn man ihm das Gefühl gibt, dass es selbstverständlich sein muss nach dem Motto „Sei froh, dass Du den Job hast!“, dann wird er frustriert sein.

Anmerkung von Antje Hinz:
Die aktuelle repräsentative Studie des Gallup-Instituts zur Mitarbeiterzufriedenheit (2015) ist nach wie vor ernüchternd. Nur 15 Prozent der Mitarbeiter sind Feuer und Flamme für ihren Job und identifizieren sich mit ihrem Unternehmen. Die große Mehrheit von 70 Prozent der Beschäftigten leistet Dienst nach Vorschrift. 15 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. In qualitativen Umfragen werden vor allem mangelnde Führungsqualitäten der Geschäftsleitungen und Vorgesetzten als Ursache genannt.

Welche Wirkung und welche positiven Effekte können Künstlerische Interventionen auf Mitarbeiter in Unternehmen haben?

Helga Stattler:
Künstler spüren, was in den Mitarbeitern steckt. Sie entdecken Potenziale, die Vorgesetzte nicht sehen, auch wenn sie mit Mitarbeitern schon lange arbeiten. Wie Künstler das machen, ist noch ein Geheimnis, aber es funktioniert auf jeden Fall. Sie laden Mitarbeiter ein, sich etwas zu trauen. Sie machen das so, dass die oft vorherrschende Angst „Das kenne ich nicht, das kann ich nicht“ überwunden werden kann. Sie laden ein zu lustvollem Tun. Und dann entdeckt der Mitarbeiter selber: „Hoppla, das kann ich ja doch!“ In der Schule hat ihm bzw. ihr mal jemand gesagt: „Du kannst nicht singen“ oder „Du kannst nicht zeichnen“. Und das glaubt er oder sie von Kindesbeinen an. Und plötzlich kommt da jemand und sagt: „Kein Problem. Versuch es einfach!“ Und so entsteht etwas.

662148_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, Pixelio

Was zeichnet einen Künstler grundsätzlich aus?

Helga Stattler:
Ein Künstler ist jemand, der aus dem Nichts heraus etwas erschafft. Er hat die leere Leinwand und malt ein Bild. Er hat ein Notenblatt und komponiert eine Melodie. Genau das braucht die Wirtschaft: Schöpfen aus dem Nichts.

Was beherrschen Künstler über ihre eigentliche kreative Tätigkeit hinaus?

Helga Stattler:
Ein Künstler sieht Dinge, die Berater und Manager nicht sehen. Das ist das Geheimnis. Künstler gehen an Probleme anders heran. Sie lassen Widersprüche zu und können querdenken. Querdenker sind zwar sehr gefragt, aber man sucht sie in den eigenen Reihen der Unternehmen, statt sie dort zu suchen, wo sie naturgemäß zu finden sind.

Wann kommt ein Unternehmer zu der Überzeugung, dass eine Künstlerische Intervention in seiner Firma sinnvoll ist. Welche Szenarien gibt es?

Helga Stattler:
Irgendein Anlass ist meistens schon da, eine aktuelle Veränderung. Es ist oft ein Bauchgefühl, dass man sagt: Es geht uns zwar gut, aber wir merken: Die Mitarbeiter sind nicht so recht glücklich. Wir haben schon Trainings versucht und Berater im Haus gehabt, aber es hat sich nicht viel geändert.

Was genau macht der Künstler denn anders als z. B. ein Berater?

Helga Stattler:
Ein Künstler macht etwas, das nicht erwartet wird. Und daher ist auch der Widerstand der Mitarbeiter nicht da. Es gibt ja Firmen, wo die Mitarbeiter ganz klar sagen: Bitte, nicht schon wieder eine Beratung! Oder trotzig sagen: Diesen Berater werden wir auch noch überstehen!
Und dann kommt ein Künstler und schlägt etwas vor und lädt ein zu einer Aktivität, wo das aktive Mitwirken plötzlich Freude macht, etwas zu tun, wo man auch selber seine Ideen einbringen kann. Und plötzlich ist alles anders: Künstler wirken als Ermutiger und Magier!

Worin lässt sich dann letztlich konkret der Erfolg einer Künstlerische Intervention messen?

Helga Stattler:
Sicher nicht in Prozentzahlen, aber in den Einstellungen der MitarbeiterInnen und in der Qualität der Kommunikation zum Beispiel. Die Führungskräfte sagen: Meine Mitarbeiter schauen mir plötzlich in die Augen. Die sind offen und sagen: Ja – da mache ich mit! – wenn es um neue Dinge oder Veränderungen geht. Sie kooperieren wirklich miteinander. Sie haben gemeinsame Projekte, wo sie sich einbringen und sagen, da bleiben wir heute mal länger, das wollen wir fertig machen. Erreicht wird demnach ein lustvolleres Arbeiten, weil sie Wertschätzung und Sinn in diesen Tätigkeiten gefunden haben.

Wie lässt sich die Idee der Künstlerische Intervention in die Welt hinaustragen, also breiter bekannt machen?

Helga Stattler:
Erfreulicherweise gibt es jetzt inzwischen schon einige sehr gute Beispiele für Künstlerische Interventionen. Und am Glaubwürdigsten sind die Aussagen der Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter, die schon mal eine Künstlerische Intervention in ihrem Unternehmen erlebt haben. Und auch der Künstler natürlich. Die berichten, was sie erlebt haben und was dabei herausgekommen ist.

Antje Hinz: Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank, Frau Stattler für das Interview.

Helga Stattler leitete von 1980 bis 1998 das Hernstein International Management Institute in Österreich und begegnete als Beraterin und Personal- und Organisationsentwicklerin vielen charismatischen Persönlichkeiten, die sie beeindruckten und prägten, u. a. Peter Drucker, Paul Watzlawick, Peter Senge, Charles Handy, Henry Mintzberg, Chris Argyris und Edgar Schein. Stattler entwickelte innovative Lern- und Veranstaltungskonzepte zu Zukunftstrends, gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Themen.

Seit über 10 Jahren vermittelt Stattler als Beraterin zwischen den beiden Welten Kunst und Wirtschaft. Zunächst mit Theaterproduktionen für Unternehmen, um Führungskräften und Mitarbeitern einen Spiegel vorzuhalten, sowie mit Workshops und Seminaren mit Theatermethoden. Bei diesen Projekten musste sie selbst viel lernen, weil sie als Beraterin gewohnt war ganz andere Fragen zu stellen und andere Dinge wahrzunehmen als die Künstler. Das war anfangs irritierend, das Ergebnis aber immer überzeugend, wie ihre Projektbeispiele aus dem Veranstaltungsdesign zeigen.

Gerade die Verbindung aus Expertise in der Wirtschaft und in künstlerischen Bereichen mit der Lebenserfahrung empfindet Stattler als ihren größten Schatz. Was ihre Arbeit ausmacht: der Blick aufs Ganze und Liebe zum Detail, Neugierde und Mut für Neues. All das bringt sie in ihre Projekte ein.
2012 gründete sie gemeinsam mit Karin Wolf, der Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, das Institut für Kunst und Wirtschaft, das künstlerische Interventionen beforscht und als Intermediär begleitet. In ihrem Blog Kunst und Wirtschaft berichtet sie regelmäßig über gelungene internationale Beispiele.

Open Innovation: Innovationen fallen nicht vom Himmel

464556_web_R_K_B_by_JMG_pixelio.de © JMG, Pixelio

Wer über Globalisierung und Demografie, Nachhaltigkeit und Vielfalt nachdenkt, kommt automatisch zu der Erkenntnis, dass es ohne „open innovation“, also ohne interdisziplinäre, branchenübergreifende Vernetzung heute nicht mehr geht. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist hier Vorreiter: Architekten lenken bei Bauprojekten um die 20 verschiedenen Gewerke. Im Theater vermitteln Regisseure sogar zwischen 50 verschiedenen Berufsgruppen: Kunst und Marketing, Verwaltung und Organisation, Handwerk und Technik. Vermitteln und Querdenken ist für Akteure der Kreativbranche Tagesgeschäft und erfordert eine hohe soziale und kommunikative Kompetenz. Davon kann die klassische Wirtschaft profitieren. Künstler kennen keine Routinen, am Anfang steht immer das „weiße Blatt“. Was sie schon geschaffen haben, wird hinterfragt, um Neues schöpfen zu können.

Themenfelder für interdisziplinäre Projekte
Bisherige Kooperationsprojekte zwischen klassischer Wirtschaft und Kultur- und Kreativbranche verliefen vielversprechend – zu Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung, Design und Produkterweiterung, Marketing und Kommunikation, Logistik und Kundenservice, Strukturwandel und Mitarbeiterführung, Nachhaltigkeit und Diversity. Von den Impulsen der Kreativbranche können Unternehmen nur profitieren und so neue Herausforderungen meistern. Andreas Heyer, Vorsitzender Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen, findet, dass Unternehmen viel zu selten über den Tellerrand schauen: „Ein Absolvent aus der Kulturwirtschaft sieht die IT-Branche aus einem ganz anderen Blickwinkel als eine IT-spezifische Beratungsagentur. Das ist der große Mehrwert, dass hier andere Denkmuster zum Tragen kommen.“

Kreativität ohne Feierabend
Wenn klein- und mittelständische Unternehmer über die Zusammenarbeit mit Künstlern und Kreativen berichten, schwingt immer viel Anerkennung und Begeisterung mit – über die Ernsthaftigkeit und den Biss der Kreativen bei der Bewältigung eines Problems. Kreative schauen nicht auf die Uhr. Sie testen Ideen und Alternativen so lange, bis sie die Herausforderung geknackt haben. Auch wenn sie nicht mehr am Schreibtisch sitzen, suchen sie im Kopf weiter nach Lösungen.

Kontaktanbahnung
Noch sind es meist die Kreativen, die Kontakt zu den Unternehmen suchen, um alternative Denkmuster anzubieten. Doch Kaltakquise ist schwierig. „Man braucht zunächst mal Vertrauen“, bestätigt Geschäftsführer Clemens Kreyenberg von der Kreyenberg GmbH. Bevor er zwei junge Künstlerinnen für eine kreative Intervention zum Thema „Mensch und Maschine“ in seine Firma holte, hatte er sie bei einer Veranstaltung der Initiative „Unternehmen! KulturWirtschaft“ am Nordkolleg Rendsburg kennen gelernt. Beim Stehbuffet war die Sympathie füreinander sofort da.

Begegnungsräume und Berührungsängste
Gebraucht werden Anlässe und Räume, in denen sich Unternehmer und Kreative in ungezwungener Atmosphäre auf Augenhöhe begegnen und austauschen können. Beide Seiten merken dann schnell, wie ähnlich sie sich in vielen Punkten sind: Auch Unternehmer denken und handeln kreativ. Auch Künstler bzw. Akteure aus der Kultur- und Kreativwirtschaft arbeiten professionell und zuverlässig.

Yes to Innovation_Robert KesslerRobert Kessler_Yes to Innovation 2 © Robert-Kessler.de

Mit Kunst Bewusstsein für Innovation schaffen
Robert Kessler hat mit seinem Kunstwerk Yes to innovation die Bedeutung von Innovation veranschaulicht – im Auftrag des Unternehmens Roche Diagnositics. Der Standort in Penzberg ist weltweit der einzige, an dem das Unternehmen zugleich Forschung, Entwicklung und Produktion für Diagnostik und Pharma betreibt. Kessler führte viele Gespräche mit Mitarbeitern, um Struktur, Befindlichkeiten und Visionen im Unternehmen zu verstehen. Auf dieser Basis realisierte er „Yes to innovation“ – ein interaktives Kunstwerk, in deren Zentrum eine riesige, runde, begehbare Gleichgewichtsplatte versenkt ist. Oberhalb des Randes sind gegensätzliche Begriffe eingraviert, die Innovation entweder vorantreiben oder behindern: Freiheit, Offenheit und Vertrauen im Gegensatz zu Angst, Abwertung und Misstrauen. Je nachdem, wie viele Menschen auf der Platte stehen und sie austarieren, werden die Begriffe sichtbar. Am Außenradius befindet sich eine halbkreisförmig gebogene schwarze Stahlwand mit kleinen, runden beweglichen Spiegeln. Gemäß der Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen fangen sie das Sonnenlicht ein. Jeder hat hinter seinem Spiegel auf Papier eine persönliche Botschaft hinterlassen und wird somit Teil der neuen Schöpfungsgeschichte im Unternehmen.

Aufruf: Ihr Weg zur Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativbranche
In jeder Stadt und jeder Region finden Sie Netzwerke und Verbundplattformen von Kreativen. Auch Wirtschaftsförderungen und IHKs kennen geeignete Vermittler bzw. Akteure. Die Wirtschaftsförderungen in Bremen und Dortmund haben für klein- und mittelständische Unternehmen Design- und Innovationslabors initiiert, in denen konkrete unternehmerische Fragestellungen von Kreativ-Teams interdisziplinär bearbeitet werden. Lassen Sie sich bei Ihren Herausforderungen von kreativen Querdenkern unterstützen! Was Sie in Ihrem Unternehmen vielleicht selbst nicht ergründen, entdecken kreative Spezialisten. Gehen Sie mit Vertrauen in den Kollaborationsprozess, haben Sie Mut für offene Ergebnisse.

Sie als Unternehmer können zu diesen interdisziplinären Think Tanks und Kreativ-Netzwerken Kontakt aufnehmen:

● KREATIVE DEUTSCHLAND: überregionales Netzwerk und Plattform, getragen von den Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft, hier finden Sie Kontakte und Ansprechpartner zu regionalen Netzwerken der Kreativbranche: www.kreative-deutschland.de

● KULTURGILDE: Verband, Interessenvertretung und Plattform für Kreativnetze und Verbundprojekte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland: www.kulturgilde.de

● Das INNOVATIONSLABOR – Virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund: www.das-innovationslabor.de

● Das BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze: www.brennerei-lab.de

• Die Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg vermittelt und begleitet Interventionen mit Kreativschaffenden und Künstlern in Unternehmen zu einer konkreten unternehmerischen Fragestellung.

Weitere Quellen und Inspirationstipps:

● Filminterviews zur Künstlerischen Intervention „Mensch und Maschine“ mit Geschäftsleitung, Mitarbeitern und Künstlern bei der Kreyenberg GmbH von Antje Hinz: http://www.massivkreativ.de/mensch-und-maschine-flashmob-bei-der-kreyenberg-gmbh/

● Film über das Kunstwerk „Yes to innovation“ von Robert Kessler: https://www.youtube.com/watch?v=RC61k1ttCzc

● Der US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler Henry William Chesbrough prägte den Begriff „Open Innovation“. Er leitet das Center for Open Innovation, Haas School of Business, University of California, Berkeley. Bücher zum Thema: Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology (HBS Press, 2003), Open Business Models: How to Thrive in the New Innovation Landscape (HBS Press, 2006), Open Innovation: Researching a New Paradigm (Oxford, 2006).

Gummi-Twist für Unternehmen: Nachhaltigkeit als Teamprojekt

© Roswitha Rösch, Silberfuchs-Verlag

Nachhaltigkeit ist längst ein Modewort geworden, bei näherer Betrachtung jedoch ein dehnbarer Gummi-Begriff. Er kann auf verschiedenste Lebensbereiche bezogen werden. Vielleicht versteht deshalb fast jeder etwas anderes darunter. Wie mittelständische Unternehmer ganz konkret im Firmenalltag nachhaltig handeln können, zeigen die von mir zusammengetragenen praktischen Beispiele.

Pragmatische Ideen für den Mittelstand

Großkonzerne setzen Nachhaltigkeit mit CSR, Corporate Social Responsibility, gleich. Sie betreiben Nachhaltigkeit nicht selten aus „Greenwashing“-Motiven heraus, aufgrund erhoffter Spitzen-Plätze bei Rankings oder mit dem Ziel, sich von moralischen Fehlern reinzuwaschen.

Dem Mittelstand helfen Worthülsen und Phrasen nicht weiter. Viele kleinere und mittlere Unternehmen handeln bereits heute nachhaltig – mit dem Ziel, für nachfolgende Generationen ein lebenswertes Umfeld vorhalten zu können. Sie engagieren sich regional, helfen Kindergärten und Schulen mit Sachspenden, unterstützen Sport- und Seniorenvereine, organisieren Stadtfeste und Kulturveranstaltungen mit. Auf diese Weise binden sie die Bevölkerung an sich, sowohl Erwachsene als auch Kinder. Mit Blick auf die zukünftige Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften ist das wunderbar nachhaltig gedacht und auch gehandelt.

Regional denken und agieren, nachhaltig handeln

Wer an Nachhaltigkeit denkt, hat häufig den drohenden Klimawandel im Kopf. Er wird zwar seit Jahrzehnten auf weltumspannenden Konferenzen diskutiert, ihm entgegenwirken können vor allem regionale Aktivitäten. Auch hier ist der Mittelstand oft Vorreiter. Viele Unternehmen beziehen ihr Material oder ihre Lebensmittel für die Betriebsküche aus der Region. Der Mittelstand investiert vorbildlich in neue Technologien, auch wenn es sich zuweilen erst Jahre später rentiert. Beispiele: Der Bäcker gewinnt seinen Strom über ein eigenes Solardach. Der Taxiunternehmer rüstet seine Flotte auf Elektroautos um. Das Fitnesscenter speist mit der Muskelkraft aus Trimmrädern Ventilatoren.

Perspektivwechsel gegen Verlustängste

Mittelständler denken langfristig, tragen Verantwortung für ihr Umfeld und für die nächste Generation. Auch in der Bevölkerung ist ein Perspektivwechsel nötig und schon im Gange: Für die nach 1980 Geborenen der Y-Generation ist das Auto kein Statussymbol mehr. Es wird per „carsharing“ nur dann bewegt und genutzt, wenn es wirklich gebraucht wird. Teilen statt besitzen: Wer hätte das vor einigen Jahren prognostiziert?! Nachhaltig zu arbeiten und zu leben, heißt vor allem: im Einklang mit den eigenen Bedürfnissen.

Umdenken und Wertewandel

Nach steigenden Burnout-Zahlen, nach Jahren der Über- und Unterforderung hat ein Umdenken und Wertewandel eingesetzt. Auch Arbeitszeit ist wertvolle Lebenszeit. Wer sich am Arbeitsplatz wohl fühlt, erbringt wesentlich bessere Leistungen. Wer arbeiten kann und dabei seine Familie nicht vernachlässigen muss, wer seine Tätigkeiten und Arbeitsabläufe versteht, wer seine Talente einsetzen kann, wer angehört, nach seiner Meinung gefragt und von Kollegen geachtet wird, ist zufrieden, motiviert, engagiert sich und bleibt nachhaltig gesund! Wer die Abläufe in der Firma nicht nachvollziehen kann, wer von Vorgesetzten und Mitarbeitern herumgeschubst wird, denkt nicht mehr mit, macht bestenfalls Dienst nach Vorschrift und endet nach kurzer (Lebens-)Zeit erschöpft und ausgebrannt.

Nachhaltigkeit als Teamarbeit

Auch Sie können in Ihrem Unternehmen etwas bewegen. Befragen Sie ihre Mitarbeiter! Keiner kennt seinen Arbeitsplatz so gut wie derjenige, der ihn jeden Tag mit seiner Kompetenz und Kraft ausfüllt. Das eigene Umfeld liegt uns näher als fremde Gefilde. Laden Sie Ihre Mitarbeiter zu einem Workshop zum Thema Nachhaltigkeit ein – mit der Anregung und Bitte, jeder möge sich eine These, Erklärung oder einen Satz überlegen, was er unter Nachhaltigkeit versteht. Geben Sie als Hilfe konkrete Begriffe vor, die auf Ihr Unternehmen passen:

Hier könnten Sie zum Beispiel ansetzen:
Arbeitsplatz, Arbeitsumfeld, Abläufe, Arbeitswege, Zeiteinteilung, Belastung durch E-Mails und Telefonate, Ernährung in der Firma, Material- und Energieverbrauch im Betrieb, Transportwege, Dauer und Zeitpunkt von Arbeitsbesprechungen und Sitzungen, Bestell-Abläufe, Kundenkontakt, Personal, Neueinstellungen, Einarbeitung, Urlaubs- und Krankheitsvertretung.

Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ihre Ideen auf bunte Karten schreiben und an eine Pinnwand in der Kantine heften. Treffen Sie sich dort, sprechen Sie über die Vorschläge und darüber, wer sich wie und bis wann für die Realisierung der Ideen einsetzt. Legen Sie ein weiteres Treffen fest, in dem Sie über Ergebnisse, Schwierigkeiten und Lösungen sprechen. Je konkreter die Ideen, umso leichter lassen sie sich verwirklichen.

Medien ins Boot holen

In diesem Jahr geht die Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ zu Ende. Vielleicht finden die Impulstreffen über Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen sogar einen Weg in die Lokalpresse, wenn Sie einem Journalisten darüber berichten …

Bei näherem Hinsehen ist Nachhaltigkeit gar nicht so abstrakt, im Gegenteil: Nachhaltig zu handeln bedeutet schlicht, umsichtig und achtsam zu sein: mit sich selbst und seinen Mitmenschen, mit den Ressourcen und der Natur. Es geht nicht um Verzicht, um Grabenkämpfe oder um eine Weltanschauung, sondern um gesunden Menschenverstand. Haben Sie Mut zu Veränderungen und machen Sie mit!

Antje Hinz

„Wenn wir keinen Planeten haben, geht es der Wirtschaft nicht gut.“
Al Gore, ehemaliger US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger

Inspirationstipps:

• Vom 30. Mai bis 5. Juni 2015 finden die deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit des „Rates für Nachhaltige Entwicklung“ sowie die Europäische Nachhaltigkeitswoche statt. Ziel der europäischen Initiative ist es, den vielen Projekte und Leistungen für nachhaltige Entwicklung und der Vielfalt von Akteuren mehr Sichtbarkeit zu verleihen.

• Tim Jackson: Wohlstand ohne Wachstum. Leben und Wirtschaften in einer endlichen Welt, München 2011

• Interaktives Wissensportal zum Thema Nachhaltigkeit: www.zukunft-leben-nachhaltigkeit.org

• Jeremy Rifkin: Die Null Grenzenkosten Gesellschaft. Das Internet der Dinge, kollaboratives Gemeingut und der Rückzug des Kapitalismus, Frankfurt 2014

• Hauptgutachten Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, hg. v. Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen WBGU, Berlin 2011

• Corinna Hessse: „zukunft|leben – Wissen aktuell: Nachhaltigkeit“, Hörbuch/CD hg. 2015 vom Silberfuchs-Verlag in Kooperation mit den Landeszentralen für politische Bildung (Hörproben anhören)

Firmenkultur: Kennen Sie Ihre Mitarbeiter gut genug?

© Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

„Kultur kann nicht eingekauft oder einfach oben aufgesetzt werden, sondern durchdringt alle Vorgänge in einer Organisation. Kultur meint mehr den Umgang mit dem WIE als mit dem WAS.“ (Bernd Schmid, Wirtschaftswissenschaftler und Begründer der systemischen Transaktionsanalyse (TA)

Hand aufs Herz: Wie viel wissen Sie über Ihre Mitarbeiter? Über deren Alltag und Interessen? Wahrscheinlich zu wenig. Ich bin überzeugt: Mitarbeiter wollen auch im Job Privates preisgeben – wenn Firmenchefs ihnen den Raum dazu geben. Vom kreativen „Mitarbeiter-Miteinander“ profitieren am Ende alle.

Unternehmenskultur

Wer sein Unternehmen erfolgreich führen will, sollte sich nicht nur wirtschaftlich gut aufstellen. Die Unternehmenskultur beeinflusst maßgeblich den Erfolg und die Attraktivität einer Firma – sowohl nach innen als auch nach außen. Stellt ein Mitarbeiter fest, dass die Unternehmenskultur nicht zu ihm passt, wird er die Firma bald wieder verlassen. Haben Kunden das Gefühl, das Leitbild steht nur auf dem Papier bzw. auf der Website, wird aber im Alltag nicht umgesetzt, werden sie sich andere Geschäftspartner suchen.

Doch wie lässt sich Unternehmenskultur definieren? Es geht um Werte und Verhalten, um Rituale und Umgangsformen, um Spielregeln und Statussymbole, um Einfühlungsvermögen und Verständnis. Vor allem aber geht es um Kommunikation, um das Reden miteinander und das einander Zuhören, die Basis dafür, dass Menschen sich näher kommen, besser kennen lernen und wertschätzen.

Potential der Mitarbeiter

Wie viel wissen Sie eigentlich über Ihre Mitarbeiter, über deren Interessen und Talente außerhalb des beruflichen Alltags? Müssen Sie darüber überhaupt etwas wissen? Welchen Nutzen sollten diese “weichen Informationen” für Sie und Ihr Unternehmen haben? Möchte Ihr Mitarbeiter Ihnen (und den Kollegen) überhaupt Einblick in seine berufsexterne bzw. private Welt geben? Ja – wenn ein geeigneter Rahmen dafür geschaffen wird. Sie werden es aus eigener Erfahrung kennen: Wenn Sie Ihren Mitmenschen über Ereignisse und Erfahrungen berichten, die Ihnen wichtig sind und Freude bereiten, blühen Sie auf. Im Gegenzug öffnet sich auch Ihr Gegenüber. Genau darin liegt eine große Chance: Schaffen Sie in Ihrem Unternehmen ein Umfeld des Vertrauens und der Aufmerksamkeit, der Leidenschaft und Motivation!

Corporate Volunteering

Es gibt Firmen, die schmieden in betrieblichen Sport-, Musik- oder Kunstgruppen am Gemeinschaftsgefühl der Mitarbeiter. Andere fördern das Engagement ihrer Teams in sozialen Projekten der Region, indem sie lokale Kulturfestivals unterstützen, Feste in Kindergärten, Schulen und Sportvereinen fördern und vor allem selbst Hand an legen, z. B. bei Renovierungs- und Umbauaktionen. 

Doch wo bleiben jene, die sich in diesen Kreisen nicht wieder finden? Wie bereitet man auch stillen, verschlossenen Mitarbeitern eine Bühne im Gegensatz zu extrovertierten Kollegen, die ständig und überall im Mittelpunkt stehen?

Mut zum “Mitarbeiter-Slam”

Kleinstgruppen – Tandems, Trios oder Quartette – bieten eine gute Möglichkeit, um sehr unterschiedliche Charaktere voneinander profitieren zu lassen. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor:

Sie organisieren ein Betriebsfest und regen für die Zeit vor dem Essen und der Musikband einen zweistündigen “Mitarbeiter-Slam” an (Slam = dt. Schlag / Knall; sinngemäß: Wettstreit / Schlacht). Nach dem Vorbild unterhaltsamer und wissenswerter Poetry-/Science-Slams berichtet ein Mitarbeiter jeweils über die Talente und Interessen eines anderen.

Hier sind Einfühlungsvermögen und Kreativität gefragt! Wie präsentiere ich das Betätigungsfeld des Kollegen interessant und spannend? Welche Utensilien nutze ich, um es anschaulich und unterhaltsam zu machen? Vielleicht bereite ich einen kleinen Film vor, der den Kollegen bei seiner Freizeitbeschäftigung bzw. mit seinem Talent zeigt? Vielleicht stelle ich dem Kollegen auch einige Fragen vor dem Publikum, die er dann spontan beantwortet?

Talent-Slam

Voraus geht dem “Talente-Slam” ein Kennenlern- bzw. Austauschtreffen, in dem sich die miteinander vernetzten Kollegen, das Talent und der Präsentator, gegenseitig interviewen, über ihre Interessen austauschen und die öffentliche Vorstellung vorbereiten.

Ich bin sicher, ein solcher “Talent-Slam” fördert spannende Geschichten zu Tage, zum Beispiel über einen Mitarbeiter, der alle Tatort-Folgen kennt, eine Kollegin, die seit 20 Jahren immer wieder in das gleiche andalusische Dorf reist, eine andere, die Daumenkinos und Eierbecher sammelt, über einen jungen Kollegen, der faszinierende Comics zeichnet, einen weiteren, der Rennrad fährt und Fische züchtet, einen älteren, der im Kindergarten vorliest und traumhafte Muffins backen kann, eine Praktikantin, die auf jedes neue Buch von Donna Leon hinfiebert, über einen Azubi aus Tunesien, der Märchen seiner Heimat zum Besten geben kann und einige Reime auf Plattdeutsch, die ihm sein Nachbar beibrachte, und schließlich über den Unternehmenschef, der nur noch selten zum Schlagzeugspielen kommt, aber seinen Mitarbeitern mit leuchtenden Augen von seinem Idol Phil Colins erzählt, dass der nicht nur Popsänger, sondern auch ein begnadeter Schlagzeuger ist.

Damit die Mitarbeiter aufmerksam zuhören und bei der Stange gehalten werden, bildet das Finale des “Talent-Slams” ein spielerisches Quiz, in dem kleine Details zu den vorausgegangenen Präsentationen abgefragt werden (Stichwort: Gamification!). Die gelungenste Darbietung wird am Ende prämiert – eine Belohnung erhält sowohl der Präsentator als auch das präsentierte Talent. Was das sein kann? Dazu fällt Ihnen sicher selbst etwas ein!

Vom “Flow” zum Unternehmensprojekt

Aus dem einmaligen Ereignis könnte je nach Größe des Unternehmens ein dauerhafter Talente-Slam-Club werden, mit oder ohne professionelle Anleitung. Einmal pro Woche – zum Beispiel in der Mittagspause – rücken sich Mitarbeiter gegenseitig ins Rampenlicht und öffnen neue Horizonte – über Biografien, Herkunft, Vorlieben, Interessen und Talente.
Ist der Weg der kreativen Offenheit im Unternehmen einmal beschritten, so werden sich weitere Weggabelungen auftun, um auf innovativen Pfaden fortzuschreiten. 

Einige Mitarbeiter werden von sich glauben, überhaupt nicht kreativ zu sein. Im Talente-Slam erleben sie das Gegenteil, lernen sich selbst (und andere) von einer neuen Seite kennen und gehen gestärkt daraus hervor. Im besten Fall lässt sich diese Phase, die nicht selten als “Flow” erlebt wird, in konkrete Unternehmensprojekte überführen, wenn es darum geht, Prozesse zu hinterfragen, neu zu diskutieren, anders zu organisieren. Vielleicht lassen sich genau die Talente, die Sie von Ihren Mitarbeitern gar nicht kannten, konkret in Ihrem Unternehmen nutzen? Vielleicht beflügelt das neue Interesse der Kollegen füreinander die Motivation so sehr, dass eigenverantwortliches Arbeiten in neuen Bereichen und Gruppierungen möglich wird?

Mut für neue Experimente

Lassen Sie sich von Ihren Mitarbeitern und dem innovativen Prozess überraschen! Haben Sie Mut zu Kreativität, begreifen Sie sie als fruchtbare Chance und Bereicherung! Vielleicht stecken Sie schon mittendrin im Prozess des kreativen “Mitarbeiter-Miteinanders”? Dann schreiben Sie mir über Ihre Aktivitäten und inspirieren Sie damit andere Unternehmer!

10 Stärken: So beflügeln Künstler Unternehmen

Was unterscheidet Künstler von klassischen Unternehmensberatern?

10 Stärken von Künstlern, von denen Firmen profitieren können.

1. Perspektivwechsel
Künstler sehen anders! Sie durchleuchten Strukturen und Prozesse, Regeln und Routinen. Sie ermitteln die passende unternehmerische Fragestellung, die Ihre Firma beflügelt. Im Zentrum stehen Ihre besonderen Dienstleistungen, Produkte und innovativen Prozesse, unterstützt durch die Fragen: Was tun wir? Warum tun wir es und wie?

2. Kommunikation
Künstler hören und fühlen anders! Sie sind feinsinnige Seismografen und spüren, wie Menschen miteinander sprechen, sich verbal und nonverbal ausdrücken. Künstler beflügeln die Kreativität und weisen Wege, damit Menschen bewusst und achtsam miteinander kommunizieren.

3. Wissensökonomie
Künstler sind neugierig. Sie wissen, dass jeder Mensch einen wertvollen Schatz an Erfahrungen und Talenten sich trägt. Sie sorgen dafür, dass dieser Schatz entdeckt, gehoben und genutzt wird. Künstler erschließen durch besondere interaktive Methoden Wissensquellen, die außerhalb des gewohnten Referenzrahmens liegen.

4. Empathie
Künstler sehen den Menschen im Zentrum. Jeder ist durch Wissen, Fähigkeiten, Talente und Emotionen geprägt. Künstler eröffnen für das Personalmanagement Perspektiven, wie sich jeder Mensch mit seinen Voraussetzungen auf seine Weise einbringen kann, Erfüllung findet, sich wohl fühlt und sich langfristig bindet.

05. Strukturanalyse
Künstler haben ein Gespür für Räume, Körper und Bewegung. Sie untersuchen das Umfeld nach Größe, Funktion und Atmosphäre, visuell und akustisch. Künstler hinterfragen Nutzungskonzepte und Standortpolitik.

6. Motivation
Künstler verfügen über eine ausgeprägte emotionale Intelligenz. Es gelingt Ihnen, andere Menschen zu ermutigen, sich in ungewöhnlichen und ungewohnten Aktionen selbst auszuprobieren. Kreativität steckt in jedem von uns. Künstler inspirieren, animieren und wecken Potentiale. Sie stärken in anderen das Selbstbewusstsein, die Eigenverantwortung und Motivation.

7. Unternehmenskultur
Künstler sind achtsam: Sie erspüren das Selbstverständnis und den Geist eines Unternehmens. Sie finden das Einzigartige und Unverwechselbare. Sie helfen, das Selbstbild überzeugend nach innen und außen zu tragen. Sie stiften Identität!

8. Offenheit
Künstler denken bunt und vielfältig! Genau so vielfältig wie wir Menschen sind. Künstler bringen in interaktiven Aktionen Individuen mit verschiedenen Talenten und Fähigkeiten zusammen – aus unterschiedlichen Kulturen und Generationen und fördern „Diversity“.

9. Nachhaltigkeit
Künstler handeln langfristig. Sie zeigen, wie sinnvoll ein Leben im Einklang mit der Natur ist. Wer den Kreislauf der Ressourcen versteht, beherrscht und danach handelt, ist auch in Zukunft gut aufgestellt und wettbewerbsfähig.

10. Innovation
Künstler denken quer! Damit Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben, brauchen sie Innovationen, und zwar nicht nur in Form neuer Technologien und Patente. Künstler setzen auf soziale Innovationen. Sie fokussieren dabei Prozesse und Strukturen, Gestaltung und Kommunikation. Innovation lebt vor allem von Überraschungen!

Seien Sie offen! Machen Sie sich auf den Weg, um das „Ungesuchte zu finden“!
Für die Zukunft Ihres Unternehmens!

Interventionen eignen sich für alle Branchen und Gewerbe
Künstlerische Interventionen sind übrigens in jeder Branche möglich: in Logistik und Verwaltung, in der Chemie- und Autoindustrie, im Finanzwesen und im Handel, in der Energiewirtschaft und im Agrarsektor, im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Sport- und Freizeitbereich, in der Bau- und Immobilienbranche, im Gesundheitswesen. Für jeden Bereich finden Künstler im direkten Austausch mit den Akteuren die passende unternehmerische Fragestellung und die passende künstlerische Methode.

Wollen Sie mehr über „künstlerische Interventionen“ in Unternehmen erfahren?
Wollen Sie wissen, wie das Matching abläuft, wer Sie als Intermediär berät und die passenden Künstler findet?

Schreiben Sie mir! Ich stelle gerne Kontakte her.