Wie Netzwerke und Plattformen den Erfolg beflügeln

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Dem Jahrhundert der Einzelkämpfer folgt jetzt die Zeit der Schwarmintelligenz und der Netzwerke. Wir statt ich! Einzelne Universalgelehrte wird es kaum mehr geben bzw. werden sie von divers zusammengesetzten Teams mühelos übertrumpft. Netzwerke und Plattformen dienen als Erfolgsbeschleuniger, sie beflügeln das Vorwärtskommen von Teams, Leistungen, Chancen und Motivation.

Wann Netzwerke erfolgreich sind

Vielfalt ist das Geheimnis erfolgreicher Netzwerke! Damit das Geflecht aus Kontakten und Menschen seine Wirkung entfalten kann, braucht es drei unterschiedliche formale Persönlichkeiten, sagte der Psychologieprofessor und Spezialist für systemische Organisation, Dr. Peter Kruse, 2007 in einem Interview über Kreativität:

  • den Creator (Urheber), der ständig neue Ideen hat, egal ob sie sich realisieren lassen oder nicht (Spinner, Störer)
  • den Owner (Eigentümer), der Wissenseigner bzw. -träger, der ein Thema im Detail beherrscht (Experte)  
  • den Broker (Makler), der viele Leute kennt, die etwas wissen und der als Vermittler und Vernetzer zwischen ihnen wirkt.

Jede Persönlichkeit besitzt spezielle Fähigkeiten, die in Kombination mit weiteren Fertigkeiten anderer Person besonders stark und wirksam wird. Die Summe verschiedener Intelligenzen ist stets größer als eine einzelne Intelligenz. Kruse zieht den Vergleich mit der Vernetzung verschiedener Synapsen im Gehirn. Je nachdem, welche der drei Persönlichkeiten aufeinander treffen, erzielen sie gemeinsam unterschiedliche Wirkungen:

  • Creator + Owner = Ideen zur Lösungsbildung
  • Owner + Broker = Bewertung von Wissen
  • Broker + Creator = Erregung, beide stören

Netzwerke beim Essen schmieden

Viele Ideen entstehen beim gemeinsamen Essen, der vielleicht wichtigsten Netzwerk-Plattform der Welt. Bislang unbekannten Menschen Fragen stellen und neue Informationen erhalten: Eine Chance, die Sie möglichst oft nutzen sollten. Wissenschaftler haben daraus ein neues Forschungsgebiet gemacht: Kommensalität (engl. Commensality: gemeinsames Essen) . Kevin Kniffin startete 2017 an der Cornell University’s Dyson School of Business eine eigene Studie. Um den richtigen Partner für das gemeinsame Essen zu finden, können Sie sich von Online-Tools unterstützen lassen, z. B. der App Never Eat Alone und der Plattform Workwell können dabei helfen.

Warum bietet Essen ein gutes Umfeld für Neues? Weil wir genau dann empfänglich dafür sind, wenn wir Glücksmomente und Vertrauen empfinden. Es ist erwiesen, dass jene Menschen am produktivsten sind, die besonders häufig ihre Begleiter beim Essen wechseln. Beim gemeinsamen Essen erfährt man am besten, wie der Andere denkt, welche Ideen und Vorlieben er hat, welche Erfahrungen und Erlebnisse ihn bewegen, sofern sich der Begleiter öffnet. Dies sorgt zusätzlich für Vertrauen, eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Netzwerke und die Bereitschaft für Veränderungen.

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Diversity als Erfolg

Erfolg schöpft sich aus Vielfalt: aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, Talenten und Fähigkeiten, Wissensträgern, Fachbereichen, Lebenswelten. Ein wichtiges Vorbild für Apple-Gründer Steve Jobs waren die Beatles, wie er in der amerikanischen Dokumentationsserie 60 Minutes am 12.05.2008 sagte: „Das waren vier Typen, die gegenseitig ihre negativen Tendenzen in Schach hielten, sie balancierten sich gegenseitig aus, so dass das Gesamte viel mehr als die Summe der Einzelteile wurde. Große Dinge in der Geschäftswelt werden nicht von einer Person gemacht, sondern von einem Team.“

Neues entsteht nicht aus Harmonie, sondern aus Widerspruch. Erfolgreiches Management lebt von Instabilität und von Störern, die Routinen hinterfragen. Ein Unternehmen tut also gut daran, sich regelmäßig Impulse von außen zu holen. In Zeiten des globalen Wandels können auch interkulturelle Grenzüberschreitungen neue Perspektiven für die eigenen Institution bzw. Organisation eröffnen. Damit Unternehmenskulturen daran wachsen können, braucht es genügend Zeit. Nur wenn das Basis-Team die neuen Impulse als relevant, nachvollziehbar, transparent und glaubwürdig aufnimmt, werden sich alle mit der Zeit an die neuen Impulse anpassen. So kann der Unternehmenswandel tatsächlich gelingen.

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Tandems bilden

Wem größere Netzwerke zu unübersichtlich sind, kann zumindest ein Tandem bilden. Achten Sie  darauf, dass Sie sich mit einer Person, Organisation, Institution oder einem Unternehmen aus einem anderen Sektor, Lebensbereich bzw. einer anderen Branche vernetzen. Nur wenn Sie Ihre „Komfortzone“ verlassen und sich mit frischem Wind umgeben, werden Sie profitieren. 

Ich werde dieses Experiment in Kürze selbst wagen – als Partner im interdisziplinären Jobshadowing-Programm – und werde auf MassivKreativ darüber berichten. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft – eine städtische Einrichtung zur Förderung der Kreativwirtschaft in der Hansestadt – vernetzt seit kurzem Institutionen der Initiative Finanzplatz Hamburg e.V. mit Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Tandempartner begleiten sich einen Tag gegenseitig in ihrem Arbeitsalltag und lernen voneinander. Das Ziel: Perspektivwechsel, Horizonterweiterung und Wissenstransfer, langfristig sind crosssektorale Kooperationen angedacht: Kreative können neue Strategien und Lösungsansätze für Herausforderungen in klassischen Wirtschaftsbereichen erarbeiten, z. B. indem Sie Routinen hinterfragen. 

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Innovationen aus Netzwerken schöpfen

Daniela Bessen engagiert sich als Brokerin und Innovationsscout für die Vernetzung mittelständischer Unternehmen mit Startups bzw. Wissensträgern (Ownern) und Innovatoren (Creatern). Sie möchte dem Mittelstand dabei helfen, innovativer zu werden und wertvolle Kontakte zu den richtigen Akteuren und Experten. Netzwerken gehört daher zu ihrem Alltagsgeschäft, auch in ihrer Funktion als Verbandsbeauftragte des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft (BVMW). Über das erfolgreiche Netzwerken habe ich mit ihr in einem längeren Interview gesprochen.

Mehr Geben als Nehmen

Netzwerke müssen ständig am Leben erhalten und mit neuen Impulsen von außen genährt werden. Treffen immer nur die gleichen Menschen aufeinander, wird das Netzwerk bald absterben. Je vielfältiger und interaktiver Netzwerke wirken, um so stärker sind die Rückkopplungseffekte. Ein gesundes Netzwerk lebt mehr vom Geben als vom Nehmen, wie das folgende Gleichnis zeigt: „Was ist der Unterscheid zwischen mögen und lieben“, wurde der Buddha einmal gefragt.  Seine Antwort: „Wenn Du eine Blume magst, dann pflückst Du sie. Wenn Du eine Blume liebst, dann gibst Du ihr jeden Morgen Wasser.“ Menschen und deren Gestaltungswillen zum Blühen zu bringen,  ist die große Kraft, die von Netzwerken ausgeht.

Interdisziplinäres Netzwerken

Seit Herbst 2016 organisiert das Netzwerk Kreative MV in Mecklenburg-Vorpommern im Auftrag des dortigen Wirtschaftsministeriums sogenannte KreativLabs. Das Format wandert durch das Bundesland an unterschiedlichste Orte und bringt branchenübergreifend Kreative, Privatwirtschaft, öffentlichen Sektor und Bildungsinstitutionen zusammen. Nach dem peer-to-peer-Prinzip findet die Ideenfindung und Beratung gemeinschaftlich statt, eine große Chance für die unterschiedlichen Teilnehmer, sich und ihre Branchen besser kennenzulernen und mehr über die jeweiligen Probleme und Wünsche zu erfahren. Beispielhaft war das 4. KreativLab „Querdenken gefragt“ in Ludwigslust im März 2017. Bei dieser Gelegenheit stellte ich im Impulsvortrag „Was kann Management von Kunst lernen“ inspirierende Beispiele für künstlerisches Denken vor, für Kreativität und Innovation, Haltung und Verantwortung, interdisziplinäres Arbeiten und Coworking, Nachhaltigkeit und Diversity. Im anschließenden Barcamp und Kreativ-Workshop erarbeiteten Unternehmer, Mitarbeiter aus dem öffentlichen Sektor sowie Künstler und Kreativschaffende in interdisziplinären Teams Lösungsansätze für praxisnahe Herausforderungen. Weitere Labs im Jahr 2017 hier.

 © MassivKreativ

Vernetzung a la Richard Branson

A-B-C-D: Always Be Connecting the Dots – so der Slogan über allen Virgin-Group-Firmen unter Führung von Richard Branson: „Verbinde stets die Punkte miteinander“. Erst, wenn Querverbindungen zwischen unterschiedlichen Bereichen und Welten geschaffen werden, entstehen ungeahnte Synergien und Befruchtungseffekte, der glückliche Zufall – auch „Serendipity-Effekt“ genannt. Nur ein Beispiel: In den neuen Virgin-Hotels sind sowohl Gäste als auch Einheimische willkommen. Bibliothek und Fernsehzimmer stehen allen offen. Auf Begegnung setzt auch der „Common Club“, hier sollen zur sogenannten „Social Hour“ zwischen 18 und 19 Uhr alle Menschen zusammen kommen, die anfangs offerierten kostenlosen Cocktails müssen inzwischen doch wieder bezahlt werden. Aber wer weiß, vielleicht gibt es sie demnächst wieder, wenn der Weltraumvisionär Branson sein erstes Hotel im All eröffnet – samt Networking mit Außerirdischen …

 © Alfred Krawietz, pixelio.de

Plattformökonomie: webbasierte Netzwerke

Neben persönlichen Netzwerken sind in den letzten Jahren immer mehr webbasierte Netzwerke entstanden. Plattformökonomien bieten erhebliche Vorteile: mehr Sichtbarkeit, Vernetzung, Befruchtung, Beschleunigung und Konsolidierung. Mit rasant wachsenden Anbietern entstehen neue Geschäftsmodelle. Wichtige Informationen werden dabei meist von Dritten generiert (z.B. gegenseitige Bewertungstexte): Amazon (Shopping-Plattform vernetzt Konsumenten, Handel, Hersteller und Logistik), ebay (Auktionen), airbnb (Übernachtungen), Facebook (Social Media), die App-Stores von Apple und google (Medien) usw. Werden Produktionsressourcen intelligent verknüpft und Daten durch Digitalisierung und Business Intelligence (im Sinne des Anbieters) optimal verwertet, bilden sich neue Wertschöpfungsketten. Plattformökonomien und Sharing-Dienste gibt es inzwischen für alle Lebensbereiche: Mobilität und Reise, Finanzen und Versicherungen, Job-, Partner- und Tauschbörsen, Coworking, Haushaltshilfen, Verleihdienste.

Plattformen beleben auch den Bereich der Wissenschaft sowie der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die EU unterstützt in ihrem Förderprogramm Kreatives Europa grenzüberschreitende Plattformen kultureller und kreativer Organisationen, die Künstlern, Kulturschaffenden sowie aufstrebenden Talenten über europaweite Netzwerke und Online-Plattformen in der Öffentlichkeit präsentieren, u. a. Europeana.   

 © Otto – Collabor8, MassivKreativ

Online-Tools zur Vernetzung

Auf Wiedersehen email, Kalender, Notizbuch. Die Zukunft gehört den Online-Werkzeugen, damit die Zusammenarbeit für uns alle einfacher wird – vor allem über räumliche und geografische Entfernungen und über verschiedene Zeitzonen hinaus. Für jeden erdenklichen Papierkram gibt es inzwischen ein Online-Pendent – je nach persönlichen Wünschen kostenlos oder per Monatsabo – für die Abstimmung von Terminen, den gemeinsamen Kalender, für das Projektmanagement, für To-Do-Listen, für die kreative Arbeit, für Kommunikation und Konferenzen.

Schüler, Azubis und Studierende profitieren ebenso wie Wissenschaftler und Experten, Außendienst-Mitarbeiter, Journalisten und Künstler, Einzelkämpfer ebenso wie Teams, Arbeitsgruppen und Vereine. Das Angebot kollaborativer Tools wächst stetig, eine umfangreichere Aufstellung liefern u. a. das Digital-Magazin t3n und die Wissenschaftsjournalistin Martina Rüter.

 © MassivKreativ

Empfehlenswerte kreative und innovative Netzwerke und Plattformen 

  • Women´s Club von Hamburg@work organisiert Veranstaltungen, u. a. ein BusinessBreakfast im WASSERSCHLOSS  der Speicherstadt zu wechselnden Themen, z. B. „New Work – Wie werden wir zukünftig arbeiten?“, Infos zur Mitgliedschaft  
  • Dverse Media – für mehr Vielfalt im Wirtschaftsjournalismus 
  • Digital Media Women – für mehr Sichtbarkeit und Einfluss von Frauen auf allen Bühnen – Konferenzen, Fachmedien, Management Board – offen, respektiert und wegweisend.
  • Hamburg Kreativ Gesellschaft bietet vielfältige Netzwerkveranstaltungen, z.B. zum Thema crowdfunding
  • DesignXport in Hamburg sieht sich als Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft
  • Innovation Alliance: engagiert sich zum Thema Digitalisierung im Mittelstand
  • BVMW: Bundesverband für die mittelständische Wirtschaft
  • Kreative Deutschland: bottom-up-Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland
  • Kreative MV: Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern
  • CleverHeads: kreatives Recruiting-Netzwerk mit Empfehlungsmarketing gegen Fachkräftemangel – durch Weiterempfehlung eines Bewerbers refinanzieren Arbeitgeber die eigenen Recruiting-Kosten
  • Vera-Netzwerk: Verband der Ausstellungsgestalter in Deutschland e.V.
  • Querdenker: von kreativen Köpfen profitieren

 

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