Frances Livings: Weltenwandlerin zwischen Musik, Poesie, Kunst und Natur

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Großbritannien, Deutschland und die USA – diese drei Lebensmittelpunkte haben die Erfahrungswelten und künstlerischen Spielwiesen von Frances Livings auf verschiedene Weise geprägt. Als Sängerin und vocal artist, Songschreiberin, Komponistin, Texterin und Autorin wandelt Frances zwischen den Welten – sowohl geografisch als auch künstlerisch. Das verbindende Element ist ihre Liebe zur Natur, wie mir Frances im Interview erzählte.

PODCAST

Kreativität und Vielfalt

Der Zustand von Glücklichsein und Kreativsein hängen für Frances unmittelbar zusammen. „Ich gehe einfach gerne raus, sehe Sachen und mache mir dazu Gedanken. Und daraus entstehen auch manchmal Projekte.“ Wie unterschiedlich die künstlerischen Ergebnisse sein können, zeigt ein Blick auf ihre Website Franceslivings.com. Schillernd wie ein Kaleidoskop eröffnen sich dort vielfältige Inspirationsquellen und daraus resultierende künstlerische Vorhaben und Projekte. Neben Kompositionen und Texten von Songs, Mitschnitten aus eigenen Konzerten, Clips als vocal artist und Veröffentlichungen von Artikeln und Büchern entführt Frances in ihren Blogposts an unterschiedliche Orte, z. B. in öffentliche Parks und Gärten von Los Angeles. Die pulsierende Metropole bot Frances etwa 15 Jahre eine Heimat.

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Inspirationen aus der Natur

Lange vor Corona schreibt Frances 2011 in ihrem Blog über eine gute Lebensqualität, dass das Verweilen in der Natur „zu einer besseren geistigen Gesundheit und psychologischen Entwicklung führt…“. Sie betont: „Meine persönliche Erfahrung ist, dass die Natur, selbst in künstlich angelegten Bereichen, wie in Parks, Emotionen in uns hervorrufen kann, die sonst oft nicht freigesetzt werden.“ In Kalifornien wurde Frances bewusst, wie unterschiedlich nicht nur Stadtbilder, sondern auch Landschaften sein können, wie sehr das Klima bestimmte Aktivitäten behindern oder fördern kann. Ihr wurde klar, wie viel Glück sie in den ersten drei Jahrzehnten ihres Lebens hatte, diese Zeit in sehr grünen, fruchtbaren und geografisch unbedrohten Umgebungen verbracht zu haben – „ohne schwarze Witwenspinnen, Erdbeben, Schlammlawinen.“

Wurzeln

Das Bewusstsein für die Schönheit der Natur ist Frances sozusagen in die Wiege gelegt. Aufgewachsen in England beflügeln Familienausflüge zu interessanten Landgütern, seltsamen Skulpturengärten und weitläufigen Parks früh ihr Interesse für die Geschichte und Kultur englischer Gärten und Parks. Frances Wahrnehmung für natürliche Umgebungen wird geschärft und ihre Beziehung zur Natur, z. B. im berühmten Hyde Park in London. Visuelle Impulse werden durch sinnliche, kulinarische Einflüsse ergänzt, wie Frances erzählt: „Meine Nanna war eine leidenschaftliche Gärtnerin und Köchin, die aus ihren selbst angebauten schwarzen Johannisbeeren Marmelade kochte und aus ihren Äpfeln Kuchen backte und es sogar schaffte, in ihrem großen Garten in Suffolk Feigen und Tabak anzubauen.“ Schon als Kind hat Frances gerne gezeichnet, musiziert, gesungen und gebacken. Beim kreativen Schaffen zehrt sie von ihrer Leidenschaft als Entdeckerin und bewegt sich stets mit offenen Augen durch die Welt.

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Äußeres und Inneres

Weil die Mutter England verlässt, verbringt Frances Ihre Teenager-Zeit in Deutschland. Sie vermisst die hügelige und üppige Landschaft Englands schmerzlich und ebenso die kreativen Inspirationen. „Ich bin in England fürs Schulorchester ausgebildet worden“, erzählt Frances. „Mein erstes Instrument war das Cello. Und ich habe ganz früh mit fünf Jahren schon an der Royal Academy Ballett angefangen und Modern Dance. Dann sind wir nach Deutschland gezogen und mein ganzes kreatives Umfeld ist dadurch komplett zusammengebrochen. Das war für mich eine ganz schlimme, traumatische Zeit.“ Einige dieser Emotionen verarbeitet Frances im noch unvollendeten Werk “Wasteland”, äußere Landschaftsmerkmale werden zu Synonymen für Frances‘ innere Landschaften, die Entfernung von der Familie hinterließ bei ihr ein „Brachland der Gefühle“.

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Umbruch

Beim Umzug ist Frances elf, sie spricht kein Deutsch: „Es waren die späten 70er-Jahre, wo man sogar als Engländer als Ausländer galt, auch wenn man nicht so aussah. Es war schwierig und alles, was Kinder meistens wollen, ist sich anzupassen.“ Schon damals versucht Frances, ihre Gefühle und Eindrucke mit kreativen Mitteln zu verarbeiten. „Ich habe dann gezeichnet, aber im Grunde habe ich auch versucht, mich ein wenig zu verstecken. Und ich habe angefangen, Tagebuch zu schreiben. Ich schreibe seit meinem vierzehnten Lebensjahr Tagebuch, fast täglich.“

Die Form folgt dem Inhalt

Das Studium der Kunstgeschichte führt Frances schließlich nach Hamburg, in eine der grünsten Städte Deutschlands, aber leider auch eine der regenreichsten Gegenden, was Frances dennoch nicht von ausgiebigen Ausflügen und Spaziergängen abhält. Ihre Hunde wollen bewegt werden – bis heute. Nach dem sinnlichen Erfassen der Umgebung im Freien folgt nach der Rückkehr in das häusliche Umfeld für Frances die geistige Verarbeitung, Faktenanreicherung durch Recherche, das Begreifen, das Reflektieren und die Verwandlung aller Eindrücke in eine passende künstlerische Ausdrucksform: „Ich schwanke immer zwischen den Genres, auch ein bisschen je nach Projekt“, erzählt Frances. „Manche Sachen lassen sich nur in einem bestimmten Genre umsetzen. Ich habe Songtexte zum Beispiel manchmal angefangen, aber die passen dann aufgrund ihrer Struktur eigentlich gar nicht in einen Song, wenn sich der Rhythmus zu sehr ändert. Ich hatte zum Beispiel mal etwas über das chinesische Fußbinden geschrieben. Das ist dann aber kein Song, sondern ein längeres Gedicht geworden. Es ist so, als würden die Themen ihr eigenes Genre finden. Und deswegen springe ich da auch so ein bisschen hin und her.“

© Gil-Weingourt_Frances-Livings-live-at-First-and-Hope-Los-Angeles_2012. Franceslivings.com

Musikalische Erfahrungen

Es folgt ein 15jähriger Aufenthalt in den USA. Diese Zeit nutzt Frances, um ihre musikalische Karriere voranzutreiben. Sie singt in verschiedenen Bandformationen und findet zu ihrem individuellen Stil. „Ich würde sagen, es ist Jazz-Pop. Es ist kein ganz schwieriger ausgetüftelter Jazz. Aber es ist schon so, dass die Akkorde eher untypisch für Pop sind, wo es meistens nur zwei bis drei, vielleicht vier sind, die auch oft sehr repetitiv sind. Wie lässt sich eine harmonische Erweiterung vorantreiben? Damit spiele ich sehr, sehr viel und sehr gerne herum. Ich bastele gerne an expressiven Akkorden.“
In Los Angeles sei es leichter gewesen, fügt Frances hinzu, sich musikalisch auszuprobieren als in Deutschland, das bis heute ein „Angestelltenland“ ist, wie Sascha Lobo kürzlich in einem Artikel feststellte. In den USA sei es einfach normaler, in einem kreative Umfeld tätig zu sein, sich auch mal durchschlagen zu müssen: „Jeder muss irgendwie überleben. Die meisten machen noch einen anderen Job. Viele arbeiten auch an Projekten, denen man hier (in Deutschland) teilweise mit Augenrollen begegnen würde. Aber da ist es ganz normal. Auch dass irgendwie alle um Gelder pitchen. Alle haben ein Buch oder Drehbuch in der Schublade oder sind gerade beim Schreiben daran. Daher war es dort ein bisschen leichter. Und ich muss sagen: Da bin ich auch richtig aus mir herausgekommen.“

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Veröffentlichungen

Auch in unternehmerischer Hinsicht wagt sich Frances in L.A. an Neues. Sie gründet 2009 die Musikproduktionsfirma Moontraxx und veröffentlicht wenig später die CD Sticky Traxx mit sechs Titeln der 4UrbanArtists. Die Formation ist ein Nebenprojekt für Songs, die Frances in diesem Stil schreibt und aufnimmt, z.B. den Track Urban Survival (2010). Mit all ihren Songs ist sie längst in der digitalen Welt angekommen, neben ihrer eigenen Website präsentiert sie sich auf der Band-Website best-world-jazz-live-band-los-angeles.com/ und ist vertreten auf Plattformen wie Bandcamp, Spotify, Instagram, Soundcloud, LivemusicTravel sowie auf der Community-Plattform Ko-Fi – in etwa vergleichbar mit Patreon, aber nicht mit dem Druck, den Fans auf Knopfdruck etwas liefern zu müssen: „Ich arbeite nicht gut unter Druck. Am Anfang war es ja so eingerichtet, dass man seinen Fans versprechen sollte, einmal die Woche, meinetwegen ein Gedicht oder einen Song zu geben. So arbeitet mein Gehirn nicht, und auch nicht meine Kreativität. Ich weiß nicht genau, wann mich meine Muse küsst.“ Sie möchte nicht immer gleich alles rausgeben, woran sie arbeitet, sagt Frances. Manches brauche Zeit, um zu reifen. Es komme schon vor, dass sie bestimmte Werken auch mal liegenlasse und dann nach einigen Monaten daran weiterarbeite.

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Musikalische Einflüsse

2016 veröffentlicht Frances ihr zweites Soloalbum Ipanema Lounge, eine Sammlung von World Jazz Songs in Englisch, Französisch, Spanisch und Portugiesisch. Davor erschien ein Album mit Originalmaterial The World I Am Livings In mit ihren Originalsongs in englischer Sprache. Den französischen Klassiker Ma Solitude von Georges Moustaki aus den 1960er Jahren hat Frances sparsam und dennoch fesselnd instrumentiert sowie reharmonisiert mit voluminösen Kontrabass-Klängen und flüssigen Gitarren-Arpeggien: „eine perfekte musikalische Kulisse für den melancholischen Gesang“, findet Frances. Der Chansonnier Moustaki war – so wie Frances auch – ein Grenzgänger. Als Sohn eines griechischen Sefarden im ägyptischen Alexandria geboren, suchte Moustaki in Paris sein Glück, innerlich zerrissen zwischen verschiedenen Ländern und Kulturen – ein Weltbürger wider Willen.

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Wertschätzung

Frances beschreibt sich selbst als sehr sensibel und emotional, insofern als sie z. B. traurige Umstände oder Ungerechtigkeiten sehr belasten, z. B. die Misshandlungen von Frauen in Afghanistan, die unzureichende Bildung von Kindern in Amerika. Frances schreibt daher auch über Frauenschicksale in Gedichten. Sie ist sich bewusst, dass sie in einer sehr privilegierten weißen Welt aufgewachsen ist: „Ich habe eine tolle Ausbildung genossen. Ich war an der Hamburger Uni, wir mussten nichts dafür zahlen. Ich habe eine Monatskarte (für den öffentlichen Nahverkehr) gehabt.“ Sie weiß all dies zu schätzen, umso mehr, weil die letzte Zeit in Los Angeles finanziell durchaus schwierig war, gerade zuletzt durch Corona, weil Hilfsgelder nur sporadisch kamen und die Leistungen ihrer Krankenversicherung unklar bzw. ungenügend waren.

© Björn Kempcke, MassivKreativ

Neuanfang

Erschüttert über das unerträgliche politischen Gebaren der Trump-Regierung und erschöpft von den Auswirkungen der Krisen um Corona und Klima kehrt Frances im Herbst 2020 nach Hamburg zurück. Sie knüpft an frühere Beziehungen an, die sie sich in der Hansestadt aufgebaut hatte. Die Corona-Beschränkungen machen das Ankommen und den Neuanfang nicht leicht, aber kreative Ideen wachsen in Gedanken immer weiter.

In kreativen Netzwerken und Teams arbeitet Frances auch in Auftragsproduktionen mit. Im Herbst 2021 übersetzt Frances Texte für Audioguides über die Schlossgärten und -Parks in Schwerin und Hohenzieritz an der Mecklenburger Seenplatte. Anfang 2022 folgen dafür die Sprachaufnahmen im Tonstudio. Auftraggeber sind die Staatlichen Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern.

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Emotionen

Eine konkrete oder bewusste Mission treibt Frances nicht an. Sie möchte ihre Mitmenschen für Schönes sensibilisieren, für materielle Dinge, wie Kunststücke – menschengemacht oder aus der Natur. Und für immaterielle Dinge, die sie selbst hervorbringt und damit für menschliche Empfindungen sorgt, die nicht zwangsläufig Frohsinn verbreiten müssen: „Mein erstes Soloalbum wurde in der Hinsicht kritisiert, dass es viel zu traurig sei. Aber das hat sich einfach so ergeben, das waren einfach die Erlebnisse der letzten Jahre. Ich bin keine Konzeptkünstlerin. Also ich überlege mir jetzt nicht ein großes Konzept und arbeitet daraufhin, sondern ich lasse mich von meinen Eindrücken und den daraus entstehenden Emotionen leiten. Insofern bin ich wohl eher Impressionist.“

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Rolle von Kunst in der Gesellschaft

Wie sieht Frances ihre Rolle als Künstler:in in der Gesellschaft? Inwiefern können Künstler:innen zur Gesundheit und zum Wohlbefinden einer Gesellschaft beitragen können: „Es gibt (in der Kunst) kein Richtig und kein Falsch, sondern so viel dazwischen. Es gibt so viele Möglichkeiten, Dinge anders zu machen, eine andere Sicht zu haben. Man sollte öfter fragen: Warum ging das denn jetzt nicht? Versuchen wir das doch mal anders.“
Flexibilität sei das, was die Mehrheitsgesellschaft von Künstler:innen lernen kann, so Frances, dass und wie man sich auf neue Situationen einstellen kann, dass man sich nicht nur unreflektiert an Neues anpassen sollte, sondern erst mal die richtigen Fragen stellt und zum Nachdenken anregt. Nicht einfach nur so weiter machen wie bisher, nur weil es früher so war und gut lief. Künstler:innen „können einfach den Horizont ein bisschen erweitern. Ich würde vor allem gerne junge Mädchen ermutigen, die vielleicht in schwierigen Umständen sind und gerne künstlerisch und kreativ sein wollen und ihnen zeigen, was alles möglich ist.“

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DANKE!

Dieser Beitrag – bestehend aus Recherchen, Podcast-Interview und Artikel – entstand in der von mir konzipierten Themenreihe „K-Power – Kreatives Zirkeltraining“ im Zukunfts- und Stipendienprogramm der VG WORT im Rahmen von NEUSTART KULTUR, initiiert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

 

 

Zwischen Mutlosigkeit und Aufbruch: So war das Jahr 2021

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Wie haben Sie das zweite Corona-Jahr erlebt? Mit der Pandemie sind Unbeschwertheit und Leichtigkeit aus unserem Leben gewichen, sagen die einen. Die Pandemie zeigt die besondere Dringlichkeit für Veränderungen und Aufbruch, sagen die anderen, es ist höchste Zeit für mehr Solidarität, für Ausgleich und Gerechtigkeit, für einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Natur.

Die Ereignisse und Krisen in der Welt lassen sich nicht mehr ausblenden. Doch welche Schlüsse ziehen wir daraus in unserem Alltag, am Arbeitsplatz und im privaten Umfeld? Corona hat dazu geführt, das eigene Leben und Handeln stärker zu überdenken. Das Zusammensein mit Familie und Freunden ist für viele wertvoller geworden. Inspirierende Begegnungen und Gespräche, kulturelle Ereignisse und kreative Erlebnisse sind für mich Kraftquellen, von denen ich zehre. Ich suche mir bewusst ein sinnstiftendes Umfeld, Menschen, die mir gut tun und die gemeinsam mit mir etwas bewegen wollen. Das gelingt zunächst im Kleinen oft leichter als im Großen, kann mit der Zeit aber auch zu Größerem wachsen. Selbstwirksamkeit beugt Ohnmacht vor.

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Besitz versus Erfahrung

Wo der Alltag zuweilen atemlos erscheint, helfen kleine Rituale und Erfolge, um sich nicht von Ereignissen überrollen und aufzehren zu lassen. Was hat wirklich Bedeutung für mich und meine Mitmenschen? Die Summe materieller Dinge ergibt am Ende des Lebens lediglich eine Liste. Eigene Erfahrungen und Erlebnisse hingegen, also immaterielle Dinge, ergeben zusammen eine authentische Erfahrung, eine Geschichte, die bleibt.

In diesem letzten Blogartikel für dieses Jahr möchte ich in kurzen Episoden über Menschen und gelungene Vorhaben erzählen, die mir 2021 rückblickend im Gedächtnis geblieben sind, weil sie etwas verändert haben: Orte, Erfahrungsräume, Sichtweisen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen eine harmonische Adventszeit und friedliches und besinnliches Weihnachtsfest!

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Diskussion! Konflikte und Freiräume

Egal wohin man schaut: Überall gibt es Krisen, Empörung und Gründe, sich aufzuregen – über Politik und Verkehr, über Gesundheit und Klima, über Arbeit und Schule, Wohnen und Nachbarschaft, über Freunde und Familie. Konflikte können die Welt verändern, im Großen wie im Kleinen. Das Museum der Arbeit in Hamburg zeigt gerade eine Sonderausstellung zum Thema Konflikte. Ergründet wird die Sinnhaftigkeit von Konflikten, nach Lösungsstrategien gesucht und Leitfäden vorgestellt. Viele anschauliche Beispiele aus unserem Alltag fordern die Besucher*innen heraus und eröffnen ihnen bei Entscheidungen alternative Wahlmöglichkeiten.

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Nicht erst seit Corona wollen Museen zu „dritten Orten“ werden, zu Treffpunkten für einen lebendigen Austausch. Neben eigenen Haus-Ausstellungen werden Besucherinnen und Besucher nach ihrer Meinung und ihrer Sicht auf die Welt gefragt. Im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg gibt es seit Frühjahr 2020 im Erdgeschoss den FREIRAUM. Der offene Projektort mit Veranstaltungen, Büchern, Objekten und Thesen an den Wänden lädt zum Nachdenken und Andersmachen ein. Jede/r ist zu den Öffnungszeiten willkommen – zum Lesen, Arbeiten und Diskutieren – übrigens kostenfrei. Das verbessert die Teilhabe-Chancen für finanziell  benachteiligte Besucher. Eintrittspreise sind für viele nach wie vor eine Hürde, um ins Museum zu gehen. Dass es auch anders geht, zeigen die Museen in Großbritannien, die ihre Dauerausstellungen seit vielen Jahren kostenfrei anbieten. Die nötigen Einnahmen werden auf anderen Wegen generiert – über Spenden und kreative Dienstleistungen.

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Relevanz von Kultur

Politische Entscheidungen rund um Corona haben viele Künstler und Kreativschaffende enttäuscht und nachdenklich über die eigene Rolle und Wertschätzung gemacht, ob und was Kunst tatsächlich bewirken kann. Nicht nur Ausstellungsmacher denken daher darüber nach, welche Relevanz sie für die Gesellschaft haben und wie sie die Menschen erreichen, die heute noch nicht zu ihrem Publikum gehören. Wie sehen Musiker ihre Zukuftsperspektiven in Orchestern, die vor allem Musik der Vergangenheit aufführen? Das fragen sich vor allem jüngere Musiker, wie z. B. das ensemble resonanz und die Junge Deutschen Philharmonie und suchen das Gespräch mit neuen Zielgruppen an ungewöhnlichen Orten. Wie seht Ihr die Welt? Was interessiert Euch? Was hält Euch davon ab, ein klassisches Konzert zu besuchen? Welche Rolle spielt Kultur in Eurem Leben? Die Erkenntnis: Was klassische Musik auch für jüngere Menschen zukunftsfähig macht, ist die Kommunikation, das Sprechen über Musik, über Erlebnisse, Erfahrungen, Emotionen, das Einordnen in die Welt und das Vernetzen mit anderen Künsten. Wer die eigene Blase verlässt, wer mit seinem Publikum ins Gespräch kommt, offen ist, Fragen stellt und keine einfachen, vorschnellen Antworten liefert, bleibt interessant und relevant. Mögen die etablierten Kulturinstitutionen diesen Wegmarken folgen.

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Cappuccino-Bär und Evolution

Im Deutschlandfunk habe ich gelernt, was ein „Cappuccino-Bär” ist: ein neues Hybrid-Wesen aus Braunbär und Eisbär. Zu diesen Paarungen kommt es in Folge des Klimawandels in freier Natur. Weil das arktische Eis zunehmend abschmilzt, dringen Eisbären in südliche Lebensräume vor und treffen dort auf Grizzlys. Welche Rolle solche Hybride für die Evolution und den Artenschutz spielen, wird erst seit kurzem genauer erforscht, z. B. von Susanne Dobler, Professorin für Evolutionsbiologie am Zoologischen Institut der Universität Hamburg.

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Oktopus und Storytelling

Die Tierdokumentation Mein Lehrer, der Krake hat mich zum Nachdenken gebracht – in zweierlei Hinsicht. Sie basiert auf wissenswerten und wissenschaftlichen Fakten, die in eine sehr persönliche Geschichte verpackt ist. Um eine Lebenskrise zu überwinden, geht ein Filmemacher regelmäßig mit Brille und Schnorchel tauchen. Er entdeckt dabei einen Kraken, den er fortan über fast ein Jahr fast täglich begleitet. Seine Faszination überträgt sich rasch auf den Zuschauer. Man kann einiges über das Erzählen von Geschichten lernen, wie man Helden schafft, Erzählstränge verfolgt, Spannungsbögen aufbaut und, dass Filmkunst dazu beitragen kann, das eigene Verhalten zu überdenken. Nach diesem Film esse ich keinen Oktopus mehr.

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Grüne Fluchtorte, Kunst und Natur

Grün wirkt entspannend und beruhigend. Vielleicht sind Fluchtwege deshalb mit grünen Schildern gekennzeichnet (keine Panik!)… Viele hat es in Coronazeiten in die Natur gezogen. Auch ich habe einige Parks und Gärten besucht, die mich aus unterschiedlichen Gründen beeindruckt haben. Einer der schönsten Landschaftsparks im englischen Stil liegt in Hohenzieritz an der Mecklenburger Seenplatte. Der Park umgibt das Sommerschloss der Herzöge zu Mecklenburg-Strelitz mit der berühmten Luisen-Gedenkstätte. Mir erschien der Spaziergang wie eine Zeitreise 250 Jahre zurück, denn es gibt in Hohenzieritz nichts, was an die heutige Zivilisation erinnert: keine Autobahnen, keine Strommasten, keine Windräder. Hohenzieritz liegt abgeschieden in einem wunderschönen Natur- und Landschaftsschutzgebiet, das hoffentlich noch lange bewahrt werden kann.

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Wie bleibt die Zukunft lebenswert?

Den Themen Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit haben wir uns im Verlag schon vor einiger Zeit gewidmet. Unser Hörbuch Zukunft.Leben.Nachhaltigkeit ist aktueller denn je. Viele Menschen definieren Lebensqualität und Wohlstand heute nicht mehr durch Wirtschaftswachstum und Konsum, sondern durch Teilhabe und Gemeinschaft, Gesundheit und Selbstentfaltung. Stärken der Natur, nämlich Vielfalt und Erneuerung, sind Vorbild für abfallfreie Kreislaufwirtschaft, für technologische Innovationen und für krisensichere Gesellschaftsformen. Die Schauspieler Anne Moll und Ulrich Gebauer verbinden aktuelle Ideen über Nachhaltigkeit mit Mythen und Zitaten aus der Weltliteratur. Authentische Klänge und Bilder der Erde machen das Leben auf unserem Planeten sinnlich erfahrbar.

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Sind wir noch zu retten?

Können neue Technologien dabei helfen, den Klimawandel zu stoppen? Deutschland war schon immer ein Land der Tüftler und Entwickler. Was dabei an großartigen Vorhaben und Erfindungen entstanden sind, davon erzählen Hannelore Hoger und Dietmar Mues in unserem Hörbuch Deutsche Erfinder.

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Einsam oder gemeinsam?

Medien berichten täglich darüber, wie sich Länder und politische Lager fast überall auf der Welt entzweien. Dabei sollten wir es besser wissen. Nur gemeinsam lassen sich Lösungen finden und Herausforderungen meistern. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Weltweit sind mindestens 700 Millionen Mitglieder an Genossenschaften beteiligt, in Deutschland gibt es über 7.600 eingetragene Verbünde mit rund 20 Millionen Mitgliedern, überwiegend im Bereich Wohnungsbau. Viele treibt der Wunsch nach bezahlbarem, ökologischem Wohnen und einem sinnstiftenden Leben in einer vielfältigen Gemeinschaft. Inzwischen organisieren sich auch immer mehr kreative Genossenschaften, die Mitbestimmung einfordern – in der Stadt- und Dorfentwicklung und der Lebensgestaltung.

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Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Leitspruch „Einer für alle, alle für einen“ schon für die Kaufleute der Hansezeit galt. Darüber erzählt der Schauspieler Rolf Becker in unserem Hanse-Hörbuch. Ihren wirtschaftlichen Erfolg nutzten die Hanse-Kaufleute, um den Bürgern und sich selbst ein vielfältiges kulturelles Leben zu ermöglichen – mit prachtvollem Rathaus- und Kirchenbauten, mit Gemälden und Kunstwerken, mit Musik, Literatur und Tanz. Sie wussten sehr wohl, dass der Mensch für ein gesundes und erfülltes Leben mehr braucht als Arbeit, Essen und Schlaf. Mögen sich die Unternehmer und Politiker unserer Tage dies zum Vorbild nehmen und den Rotstift nach Corona nicht bei Kunst und Kultur ansetzen.

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Kreative Genossenschaften: Einer für alle, alle für einen

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„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, wie die Welt jemals verändert wurde.“ Margaret Mead, US-amerikanische Ethnologin und Kulturanthropologin

Der Holzmarkt in Berlin-Friedrichshain ist ein bunter und charmanter Ort urbaner Kreativität. Vielfältig, inklusiv und sinnstiftend wirkt er  in die Metropole hinein, auch deshalb, weil das Kultur- und Manufakturquartier als Genossenschaft organisiert ist.

Leitlinien

Am Holzmarkt haben sich Menschen zusammengefunden, die eine Vision haben: sie wollen nach fairen Grundsätzen nachhaltige, soziale und kulturelle Projekte ermöglichen und unterstützen. Gemeinsam wollen sie beweisen, dass wirtschaftlicher Erfolg auch dann bzw. nur dann möglich ist, wenn mit Menschen und Ressourcen behutsam und verantwortungsvoll umgegangen wird. Und das gelingt am besten mit dem Genossenschaftsmodell. Im Manifest der “Genossenschaft für urbane Kreativität” vom 23.04.2013 heißt es:

“Die Genossenschaft ist dem Wohl Ihrer Mitglieder und dem Erhalt des Vermögens verpflichtet, strebt jedoch nicht nach einer Maximierung monetärer Renditen… Die Genossenschaft beteiligt sich mit Ihrem von den Mitgliedern eingezahlten Vermögen ausschließlich an Unternehmen und Projekten die den in diesem Manifest vereinbarten Kriterien entsprechen.”

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Gemeinschaftsprinzip

Die Genossenschaft ist ein Lösungsmodell für Aufgaben und Probleme, die ein Einzelner nicht bewältigen kann, eine solidarische Gemeinschaft aber schon. Und so ist diese Organisationsform die Antwort bzw. die Alternative zu unserem aktuellen Wirtschaftssystem. Dessen Schwachstellen haben vermehrt zu Krisen und zum Reichtum einiger weniger geführt. Die Genossenschaft bietet demokratische Strukturen, weil sie die Interessen der Mitglieder in den Mittelpunkt stellt und damit den Wohlstand und die Lebensqualität vieler Menschen.

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Gleichheitsprinzip

Die Genossenschaft ist auch ein Unternehmensmodell. Viele Kreativschaffende haben es bewusst für sich gewählt. Es zielt auf Teilhabe und auf die gerechte Verteilung der Gewinne, von denen auch die jeweiligen Regionen profitieren. In der Genossenschaft hat jede Person eine Stimme, unabhängig vom eingebrachten Kapital bzw. von den Genossenschaftsanteilen. Alle Mitglieder sind gleichberechtigt. Es gelten demokratische Kernwerte: Solidarität, Gerechtigkeit, Freiwilligkeit und der Leitspruch: „Einer für alle, alle für einen!“

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Teilen als Selbstverständnis

Die sharing-economy hat der Idee des Teilens neuen Auftrieb gegeben: Wohnungen, Büros, Autos, Werkzeuge, Gärten, Konsum und Lebensmittel, Bücher, Kleidung, Finanzen – alles kann geteilt werden. Auch kreatives bürgerschaftliches Engagement, das „soziales Kapital“ schafft und damit enorme Bedeutung für die Volkswirtschaft besitzt. Es erspart dem Staat Kosten für Regularien und Hilfeleistungen zum Wohle der gesamten Gesellschaft. Gemeinschaften können Aufgaben
und Konflikte jenseits staatlicher Eingriffe auf der Basis von Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen lösen.

Zahlen und Statistik

Etwa jeder vierte Bürger in Deutschland ist heute Mitglied in einer Genossenschaft, etwa 21 Millionen Menschen. Weltweit sollen es in über 100 Ländern 800 Millionen sein. Wie modern, aktuell und lebendig dieses Organisationsmodell ist, hat die UNESCO-Kommission 2016 bekräftigt. Sie nahm die Genossenschaftsidee in die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Neben Projekten für Wohnen, Öko-Landwirtschaft, Banken, Handel, Energieerzeugung und Krankenhäuser organisieren sich immer mehr Kreative in genossenschaftlichen Vereinigungen.

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Kreativgenossenschaften

Genossenschaften bieten Freiraum, um Leben und Arbeit eigenverantwortlich und kokreativ zu gestalten und gemeinschaftlich von der Wertschöpfung zu profitieren. Vor allem – aber nicht nur – in städtischen Quartieren schließen sich Kreativschaffende zusammen, entwickeln Arbeits- und Probenräume für die freie Kunst-, Tanz-, Theater- und Musikszene, z. B. in Berlin im schon erwähnten Holzmarkt-Areal die „Genossenschaft für urbane Kreativität eG“, in Hamburg die Gängeviertel-Genossenschaft (seit 2010 eG) und die Wiese eG – ein Ort des Miteinanders in einer früheren Maschinenfabrik in Hamburg , der verschiedene Künste, Künstler*innen und Energien unter einem Dach vereint.

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Mischnutzungskonzept

Die fux eG hat sich in der Viktoria-Kaserne in Hamburg zusammengefunden, nach langem Ringen gehört auch eine stillgelegte Schule in der Gartenstadtsiedlung Hamburg-Berne zur Genossenschaft. Den Erfolg soll wie am Berliner Holzmarkt ein Mischnutzungskonzept sichern – aus den Themenbereichen Kultur und Soziales. Geplant sind zum jetzigen Zeitpunkt im Sommer 2021 Ateliers, Räume für Musiker, Musikschullehrer und Darstellende Künste, eine Bühne, Gastronomie in Verbindung mit Kunst und Events. Auch das Thema Gesundheit soll eine größere Rolle spielen, angedacht sind Praxen für Ärzte, Psycho- und Physiotherapie sowie ein Yoga-Raum. Mögen viele weitere kreative Genossenschaften wie diese folgen.

Stadtentwicklung und Wohnen

Für die Belebung der Hamburger Innenstadt engagiert sich seit 2017 die Initiative Altstadt für Alle! – eine zivilgesellschaftliche Initiative, die getragen wird durch die Patriotische Gesellschaft von 1765, die Evangelische Akademie der Nordkirche und die Gruppe „Hamburg entfesseln!“ Gemeinsames Ziel ist es, Begegnungen und Austausch der Bürgerengagement im Stadtteil zu fördern. Aus dem gemeinsamen Engagement hat sich im Dezember 2018 die Genossenschaft Gröninger Hof eG gegründet, um das alte Parkhaus an der Katharinenkirche zu einem Wohnhaus umzubauen und aus bestehender Bausubstanz bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum zu schaffen – nach dem Motto “Autos raus, Menschen rein”. Gleichzeitig sollen Wohnen, Arbeiten und Kultur miteinander verbunden werden. Eine vielfältige soziale Durchmischung der Nutzer*innen soll die gemeinschaftlichen Einrichtungen fördern und einer nachhaltigen Entwicklung dienen.

 © Hamburg, Groeninger-Hof.de 

Modellprojekt Elektrizitätswerk

Das ehemalige Elektrizitätswerk, das Kraftwerk Bille in Hamburg Hammerbrook, hat eine bewegte Geschichte. Im 2. Weltkrieg wurden weite Bereiche zerstört, ab den 1970er Jahren siedelten sich Kleinbetriebe an, u. a. Künstlerateliers, Lagerflächen, Fotostudios. 2011 wird das Gebäude als Zeugnis der Industriegeschichte unter Denkmalschutz gestellt. Mit städtebaulichen Veränderungen beginnen Vorbereitungen für Sanierungen und damit wachsen auch Begehrlichkeiten. Die kreative Zwischennutzung ist zunehmend gefährdet. Eine private Eigentümergesellschaft, die Kraftwerk Bille Hamburg GmbH, hat das Objekt erworben.

Der gemeinnützige Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. plant daher derzeit die Gründung der Genossenschaft WERK eG.  Die Vereinsmitglieder möchten einen Gebäudeteil von der jetzigen privaten Eigentumsgesellschaft erwerben und betreiben: “Wir fordern von der Eigentümergesellschaft Kraftwerk Bille Hamburg GmbH den Verkauf eines mindestens 4.000qm großen Gebäudeteils des Kraftwerk Bille an die WERK eG zu einem fairen Preis”, heißt es dazu auf der Website des Vereins, der bereits 2015 gegründet wurde. Damit sollen Räume für Kunst und Kultur, Forschung, Produktion und Soziales geschaffen, dauerhaft gesichert und der Boden für Spekulation entzogen werden.

Der Hallo:Verein wirkt an der Schnittstelle zwischen Stadtteilkultur, Kunst und Stadtentwicklung. Im interaktiven Austausch loten die Akteur*innen Formen der Mitbestimmung bei der Stadtgestaltung aus. Dazu gehören  z. B. nachbarschaftliche und künstlerische Raumproduktionen,  Zwischennutzungen, wie die Künstlerproduzentenmesse P/ART, die HALLO: Festspiele sowie vielfältige Musik- und Theaterperformances. Die Akteur*innen wünschen sich für ihr lebendiges und kreatives Quartiers langfristig eine Mischnutzung mit Büros, Ateliers, Gastronomie, Produktion und Veranstaltungen. Mit einem eigenen Team wird außerdem das Projekt PARKS realisiert, um gemeinschaftlich Freiräume zu entwickeln.

 © MassivKreativ, Hamburg, Kraftwerk Bille

Das Kraftwerk Bille wurde 2021 vom Innenministerium als Nationales Städtebauprojekt ausgewählt und soll von Bund und Stadt Hamburg mit rund 9 Mio. € gefördert zu werden. Die geplante Genossenschaft WERK will in diesem Rahmen einen Gebäudeteil des Kraftwerk Bille von der jetzigen Eigentümergesellschaft ‘Kraftwerk Bille Hamburg GmbH’ gemeinschaftlich kaufen, sanieren und selbst verwalten: “In enger Kooperation mit dem Bezirk Hamburg-Mitte und weiteren städtischen Vertreter*innen soll das Konzept zu einem Modellprojekt für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung mit nationaler Strahlkraft weiterentwickelt werden.” (weitere Infos)

 © MassivKreativ, Hamburg, Kraftwerk Bille

 © MassivKreativ, Hamburg, Kraftwerk Bille

Warum immaterielle Werte wichtiger werden

 © MassivKreativ

Beim Übergang vom Industriezeitalter zur Wissens- und Ideengesellschaft verändern sich unsere Wertvorstellungen. Statussymbole verlieren an Einfluss zugunsten ideeller Freiräume und Entfaltungsmöglichkeiten. Unsere Einstellung zu Arbeit und Freizeit, zu Konsum und Lifestyle, Lebenssinn und Gemeinschaft hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt, nicht erst in der Generationen Y und der Millennials und umso mehr seit Corona.

Schon 2002 erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Richard Florida das „kreative Ethos“ zum Motor für unsere Zukunft: „Das kreative Ethos durchdringt alles: von unserer Arbeitskultur bis zu unseren Werten und Gemeinschaften, es verändert den Blick auf uns selbst als wirtschaftliche und soziale Akteure. Es formt den Kern unserer wahren Identität. Es reflektiert Normen und Werte, was beides die Kreativität nährt und ihre Rolle stärkt.“ (Florida 2012, S. 16)

Was sind immaterielle Werte?

Kreativität ist materiell nicht fassbar und primär nicht messbar. Ein Problem in unserer Zeit, in der alles quantifiziert werden soll. Und doch spüren wir die Wirkung immaterieller Werte, neudeutsch „Impact“ genannt. Albert Einstein bemerkte ganz richtig: „Nicht alles, was zählt, kann man zählen, und nicht alles, was man zählen kann, zählt.“

Der Erfolg von Unternehmen basiert heute nicht allein auf Kapital und Produktionsanlagen, sondern auf immateriellen Werten: auf Marken, Kunden- und Geschäftsbeziehungen, auf Patenten und dem Wissen der Mitarbeiter, auf Ideen und Innovationskraft und vor allem auf der Unternehmenskultur. Das Bewusstsein für diese Werte wächst, gerade in Umbruchzeiten.

Ökonomie ohne Zahlen

Viele unterschätzen, dass die Wirtschaft tief in der Kultur verwurzelt ist. Der Prager Ökonom Tomás Sedlácek, der u. a. Berater des tschechischen Präsidenten Václav Havel war, beschreibt dies eindringlich in seinem Sachbuch: Die Ökonomie von Gut und Böse. Sedlácek hat eine Kulturgeschichte der Ökonomie geschrieben, die erstaunlicherweise fast ohne Zahlen auskommt. Er stellt die Beschränkung auf mathematisch-analytische Kriterien in der modernen Volkswirtschaftslehre infrage und rückt rückt dafür eher immaterielle Werte und Narrative in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen: weniger Prognosen und Gleichungen, dafür mehr kulturphilosophische Überlegungen. Sedlácek schreibt: “„In den letzten Jahren hat die Mainstream-Ökonomie ursprüngliche ökonomische Themen wie Ethik und Moral aufgegeben… Wir haben den Fokus der Wissenschaft verändert – oder extrem stark verschoben –, und zwar nur, weil wir begonnen haben, eine neue Sprache zu benutzen. Kurz gesagt: Die Ökonomie hat zu viel Gewicht auf das Mathematische gelegt und das nicht mathematische Menschliche in uns vernachlässigt.“ (S. 370)

In einem Interview plädiert Sedlácek für permanente Reflexion, ggf. auch für einen Haltepunkt inkl. Korrektur: “Es gab übrigens antike Hochkulturen wie die der Hebräer, die sich immer nach 49 Jahren ein soziales Reset verordnet haben; zurück auf null, man gab seine Ländereien zurück, Schulden wurden erlassen, Sklaven in die Freiheit entlassen. Eine systemische Desystematisierung war das. Der Absturz der Finanzwirtschaft hat sich leider völlig unvorhergesehen vollzogen. In Zukunft müssen wir wenigstens dafür Sorge tragen, dass sich solche Abstürze sozial verträglicher gestalten.” (Quelle) Tomás Sedlácek ist mit seinem Denkansatz inzwischen auch beim Wirtschaftsforum in Davos gefragt, hoffentlich ein Zeichen dafür, dass der Trend langsam weg von der Quantifizierbarkeit und hin zu qualitativen Werten geht.

Narrative

Schon Platon sagte: “Der Geist überwindet den Gegenstand”. Mit Narrativen können wir gedanklich simulieren, wie wir künftig leben wollen, was also in Zukunft möglich sein könnte. Wem es heute gelingt, Zukunftsperspektiven in verständliche Geschichten zu verpacken und weitererzählen, genießt Wertschätzung und Anerkennung. Wer es schafft, Sehnsüchte zu wecken, kann Menschen um sich versammeln, sie ermutigen und zum Engagement motivieren! Nicht Zahlen, sondern Geschichten verleihen uns Flügel, in kleinen Projekten und großen Prozessen. Politik und Wirtschaft können von der Kraft kultureller Narrative und immaterieller Werte enorm profitieren.

In diesem Sinne spornte John F. Kennedy 1961 eine ganze Nation an, „Wir haben uns entschlossen, einen Menschen zum Mond zu schicken und ihn wieder sicher zur Erde zurück zu bringen.“ (Kennedy 1961).“ Eine klare Botschaft, eine Geschichte mit einem Ziel, das Vorfreude auf die Zukunft weckt. „Geschichten sind das stärkste Medium der Menschheitsgeschichte“ (Welzer 2016), bestätigt der Soziologe Harald Welzer.

Unternehmenskultur

Ohne Kulturwandel lässt sich die digitale Transformation nicht vollziehen. Unternehmen, die Innovationen nicht nur herbeireden sondern schaffen, heuern neben dem Geschäftsführer, dem „Chief Executive Officer“, den „Chief Culture Officer“ (vgl. McCracken 2011) an, der die Unternehmenskultur stetig weiterentwickelt und dafür sorgt, dass Mitarbeiter ihre Kreativität je nach Neigungen und Potenzial entfalten können. Geht es dem Geschäftsführer in erster Linie um Quantität, hat der Chef der Kulturentwicklung auch die Qualität im Blick, Effektivität statt Effizienz.

Welchen immateriellen Wert hat die Elbphilharmonie?

Politiker und Wirtschaftsakteure der Hansestadt Hamburg z. B. propagieren längst einhellig, dass sich die Elbphilharmonie zwar nie rechnen, aber doch immer rentieren werde. Intendant Christoph Lieben-Seuther schwärmte zur Eröffnung des Konzerthauses: „Die Elbphilharmonie ist unbezahlbar, weil sie eine Wirkung für Hamburg und darüber hinaus hat, die nachhaltig sein und viele Jahre anhalten wird. Deswegen ist verglichen damit jede finanzielle Kalkulation irrelevant.“ (Lieben-Seuther 2017, S. 9)

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Kopf schlägt Kapital

Materielle Vorräte sind begrenzt. Durch Raubbau an unserer Natur werden Rohstoffe zunehmend aufgebraucht. Immaterielle Ressourcen hingegen können nicht zur Neige gehen. Sie sind unerschöpflich, extrem flexibel, wandelbar, beweglich, schnell. Um rasch auf Veränderungen reagieren zu können, setzt die Wirtschaft zunehmend auf agile Prozesse statt auf langfristige Planungen. Zukünftig wird es immer weniger Produkte und dafür mehr Dienstleistungen geben. An sich ständig wandelnde Kundenwünsche lassen sich immaterielle Service-Ideen rascher anpassen als materielle Produkte.

Der Geist kann leichter auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren als der Körper. Wer dauerhaft in seine Bildung investiert und sich im Sinne des lebenslangen Lernens neues Wissen aneignet, wird auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen haben als derjenige, der sein Geld alle drei Jahre in das neueste Computermodell steckt. Wer sich beharrlich neue Erkenntnisse aneignet, kann Zusammenhänge in der Welt besser verstehen und ist weniger anfällig für Überforderung und Überlastung. Nach Corona sollten Politiker und Wirtschaftsakteure jetzt stärker auf diese Erkenntnisse setzen, nach dem Motto “Kopf schlägt Kapital” des Unternehmensgründungsexperten Günter Faltin.

Lichtenhagen Dorf: vom Wandel einer Gemeinde durch Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien sind in aller Munde. Was das konkret im Alltag bedeutet, z. B. für eine Kirchengemeinde, habe ich mir in Mecklenburg-Vorpommern angesehen, in Lichtenhagen Dorf etwa 10 km nordwestlich von Rostock. Hier engagieren sich die Gemeinde-Mitglieder in besonderer Weise für den Klimaschutz. In Kooperation mit der Nordkirche hat die Gemeinde Lichtenhagen Dorf 2014 einen spannenden Prozess zur eigenen Neuausrichtung begonnen.

Sanierung der alten Pfarrscheune

Auf Wunsch vieler Bürger*innen in Lichtenhagen Dorf sollte das Gemeindeleben gestärkt und mit neuen Impulsen belebt werden. Und es gab außerdem den Wunsch, neue Räume für Veranstaltungen und zum gegenseitigen Austausch zu schaffen. Beste Voraussetzungen bot dafür die alte Pfarrscheune. Sie sollte saniert und umgenutzt werden. Die Pfarrscheune entstand im Jahr 1895, ist inzwischen denkmalgeschützt und Teil eines Ensembles mit Kirche und Pfarrhaus innerhalb des historischen Dorfkerns von Lichtenhagen. Was der Gemeinde besonders am Herzen lag: Die historische Bausubstanz sollte bei der Sanierung erhalten bleiben, auf ressourcenschonendes Bauen geachtet und ein hoher energetischer Standard umgesetzt werden.

Barrierefreiheit

2015 begannen die Planungen für die Sanierung und Umnutzung der Pfarrscheune. Drei Jahre später 2018 wurde mit einem großen Scheunenfest der Baubeginn gestartet. Immer wieder packten Gemeindemitglieder engagiert mit an und warben Spenden ein. Am 13. September 2020 konnte die Pfarrscheune als neues Kommunikations- und Begegnungszentrum eröffnet werden. Neben den Gemeinderäumen und einer professionell ausgestatteten Küche wurden auch zwei barrierefreie Mietwohnungen eingebaut. Die Pfarrscheune bietet viele verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten für ein gutes Miteinander und für soziale Daseinsvorsorge in einem liebens- und lebenswerten Dorf.

Ausstattung der Pfarrscheune

Die Pfarrscheune bietet multifunktional vielfältige Möglichkeiten der Nutzung. Ein großer Saal  mit 150 m² eignet sich für Veranstaltungen aller Art, drei unterschiedlich große Gruppenräume (25 – 70 m²) für Treffen, Workshops und Seminare mit allen Gruppen und Kreisen in den Gemeinden, mit Chor, Gospelchor, Jugendchor, mit der Grundschule, mit Vereinen aus Lichtenhagen, für regionale kirchenmusikalische Projekte mit Chören aus Rostock und Umgebung. Die Pfarrscheune hat drahtloses Internet „WLAN für alle“ und ist barrierefrei ausgestattet, d. h. rollator- und rollstuhlgerecht, mit Hörschleife und automatischen Eingangstüren. Die hellen und offenen Räume sind klimagerecht gestaltet und besitzen eine sehr gute Energiebilanz.

Themen-Cafés

Auch im Café im Foyer gibt es Treffen zu verschiedenen Themen: Kuchen aus Omas Zeiten, Sammeltassen-Café, Rund um den Apfel. Lesestube und das öffentliche Bücherregal „Geben und Nehmen“ laden zum Schmökern ein, der Welt-Laden bietet Produkte des fairen Handels. In der Pfarrscheune sind Filmabende und Reiseberichte von Gemeindereisen zu erleben, Koch-, Back- und Kartoffelfeste sowie Pflanzentauschbörsen.

Vielfältige Nutzung

Nutzer der Pfarrscheune sind: der Förderverein zur Erhaltung des Kirchenensembles Lichtenhagen e.V., Lichtenhäger Findlingsgarten e.V., Kulturverein Elmenhorst/Lichtenhagen e.V., Förderverein Denkmale Elmenhorst/Lichtenhagen e.V., Schulverein, Grundschule Lichtenhagen: Nutzung des Saales als Schul-Aula, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

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Podcast Sommercafé

Sommercafé

Im wunderschönen Pfarrgarten zwischen alten Obstbäumen hat sich seit 2016 ein Sommercafé etabliert. Von Juni bis August sorgen viele rührige Ehrenamtliche dafür, dass jeden Donnerstag zwischen 14 und 17 Uhr Menschen aus der Gemeinde und aus dem Dorf einen Platz zum Reden, Austauschen, für Kaffee und Kuchen finden. Inzwischen kommen bis zu 200 Gäste, sogar Touristen finden den idyllischen Ort und sind begeistert von der Offenheit der Gemeindemitglieder. Die Ehrenamtlichen sind mit Seele und Engagement dabei, erzählt Gemeindepädagogin Conny Buck. Sie hat den Überblick über die Kuchen und Torten und nimmt die Anmeldungen der Gäste entgegen. Die Männergruppe baut Tische, Stühle und Pavillons auf, die Frauen sorgen für Kaffee und Kuchen, deren Vielfalt kaum größer sein könnte. Bis zu 40 Blechkuchen, Obst- und Sahnetorten zaubern die freiwilligen Bäcker donnerstags aufs Kuchenbuffet. Das Sommercafé hat neue Verbindungen und Freundschaften ermöglicht als Ort einer offenen Gesellschaft

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Interviews und Filmproduktionen

Ich habe mit den Akteur*innen Interviews geführt und gemeinsam mit dem Kameramann Björn Kempcke mehrere Filme produziert. Seit 1994 ist Anke Kieseler, Pastorin der Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf. Sie erzählt im Interview gemeinsam mit Gemeindepädagogin Conny Buck, wie das Sanierungsprojekt Bewegung in die Gemeinde gebracht hat. Friedrich Heilmann vom Kirchengemeinderat erklärt die bautechnischen Details und gibt einen Überblick über die Haustechnik nach ökologischen Standards.

Den Prozess der Sanierung und Umnutzung hat die Nordkirche mit Herz und Engagement begleitet. Was die Mitarbeiter und Mitglieder unter Nachhaltigkeit, sozialer Teilhabe und Wirtschaftlichkeit verstehen, darüber berichten jetzt Annette Piening, sie ist Klimaschutzmanagerin im Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche und Jörg Stoffregen, Diakon und Referent im Netzwerk Kirche inklusiv. Die Orgelmusik in den Filmen steuerte Andreas Hein, Kantor der Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf.

Links

Bewegen – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #1: https://youtu.be/cz4VTwfws0M / Nordkirche https://youtu.be/MvphEJHnOME

Wachsen – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #2: https://youtu.be/dAoQJ-V7nGs / Nordkirche https://youtu.be/jKQs9fYKVpg

Wandeln – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #3: https://youtu.be/ujVXjH-jBjc / Nordkirche https://youtu.be/EZJs5KuqCY4

Verbinden – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #4: https://youtu.be/-YrBBXddmGI / Nordkirche https://youtu.be/Ynz9dHv-wuE

Haustechnik – Pfarrscheine Lichtenhagen #5 – nachhaltig und erneuerbar: https://youtu.be/HrFd_FBgxr8  / Nordkirche: https://youtu.be/T8X6BdUooBc)

Kurztrailer – Pfarrscheine Lichtenhagen #6: Was ist Nachhaltigkeit aus Perspektive der Nordkirche: Bauen und Entwicklung von Kirchengemeinden: https://youtu.be/J-p2RmZ2yTU

Nachhaltigkeit aus Perspektive der Nordkirche #7: https://youtu.be/NkLO5Jwf6yE  / Nordkirche: https://youtu.be/IegPCIcQrXQ)

Sommercafé – Ort einer offenen Gesellschaft #8: https://youtu.be/v0YPQkLukGs

 

Netzwerk-Kirche-Inklusiv

Kirche-fuer-Klima

Kirche-MV.de/Lichtenhagen-Dorf

Pfarrscheune/Bautagebuch-2017-2020

Sa Bassa Blanca: Wunderwesen, Kunst und Natur


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Wer auf der Ballearen-Insel Mallorca Ruhe und Inspiration sucht, findet beides – und zwar im Norden in der Nähe von Alcúdia – in der „weißen Bucht“. In einem wunderschönen Park laden Skulpturen und außergewöhnliche Ausstellungsräume mit erlesenen Kunstobjekten zum Wandeln und Staunen ein.

Entdeckungstour

Als Startpunkt für die Entdeckungstour eignet sich die im Norden gelegene Stadt Alcúdia. Sie ist sehenswert dank der neogotischen Kirche Sant Jaume, der restaurierten mittelalterlichen Stadtmauer und der hübschen Altstadt mit ihren charmanten engen Gassen. Vom Rathaus sind es nur knapp 7 km bis zum Museo Sa Bassa Blanca, zu Fuß gut zu bewältigen. Wenn man die Haupteinkaufsstraße passiert, vorbei am Mercadona und der Tankstelle, und sich dann links hält, erreicht man den wenig befahrenen Weg „Cami de S’Alou“. Er ist von Trockenmauern eingefasst und gesäumt von Brombeersträuchern und Mandelbäumen, Feigen- und Zitronenbäume stehen oft unerreichbar hinter den Mauern.

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Der Zivilisation entfliehen

Schon der Weg zum Museum entscheidet darüber, wie man dort ankommt. Die Anreise mit dem Auto ist problemlos möglich. Wer wie wir zu Fuß geht, kann die Ruhe bereits Schritt für Schritt in sich aufnehmen. Am ersten Schild „Museo Sa Bassa Blanca-Yannick y ben Jakover“ bzw. der Finca Roque ist der Weg zur guten Hälfte geschafft, von dort sind es noch knapp 3 km. Nach einer scharfen Rechtskurve erreichen wir durch ein kleines Tor für Fußgänger (Autofahrer durch ein großes automatisch öffnendes Elektrotor) den Park. Nach wenigen Schritten entdecken wir die ersten Skulpturen – Tierwesen aus Granit: Stier und Nashorn, Elefant und Kamel, Pferd und Ziegenbock, Hund und Katze, Frosch und Taube. Ein riesiger, fast über die Baumwipfel ragender Krake mutet wie ein Außerirdischer an. Hinter Hecken verstecken sich kleine, kreisförmig angeordnete Wesen und ein Land-Art-Sonnenstelen-Kreis aus riesigen ungleichförmigen Sandsteinen, die an die Megalithen von Stonehenge erinnern. Seitlich führt eine weit geöffnete, strahlend weiße Marmortür scheinbar ins Nirgendwo – bis zum Grabstein „The End“.

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Philosophisches

Überall lauern Gedankenanstöße und Inspirationen. Vorbei an Palmen und Olivenbäumen gelangen wir durch eine terassenförmig angelegte Gasse. Steinplatten erobern unsere Aufmerksamkeit mal mit tiefgründigen, mal mit humorvollen Aufschriften: „no justice, no truth, no reality“, „Andersdenken“, „Ein(-)Stein“. Nach so viel Natur fängt uns schließlich die architektonisch moderne SOKRATES-Halle ein. Stufen führen hinab und eröffnen den Blick in eine moderne Wunderkammer: eine wilde und überraschende Mischung aus ethnologischen Artefakten (Masken und Stauen), tierischen Cyborgs (elektronisch animierter Schmetterling) und moderner Kunst. Ein überdimensionierter goldener Schnuller prangt vor Einsteins Formel für die Relativitätstheorie, Klimakunst-Portraits aus Plastikutensilien fordern unser Gewissen. Spektakulärer Blickfang der SOKRATES-Halle ist ein Kristallvorhang über 4 x 7 Meter, gefertigt aus 10.000 Swarowski-Glasstücken, davor ein fossiles Nashornskelett. Das Rhinozeros soll aus dem späten Pleistozän vor etwa 125.000 bis 80.000 Jahren stammen.

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Alt und Neu

Die Zeiten und Epochen mischen sich überall im „Museo Sa Bassa Blanca“. Ein alter, steinerner Wasserturm beherbergt im Innern eine Plastikinstallation und mahnt einmal mehr das gedankenlose Handeln unserer Wegwerfgesellschaft an. Ein Steinturm im Rosengarten lockt mit einer Klanginstallation, dem Gesang von tibetischen Mönchen. Hier finden vermutlich die letzten Hektiker ganz zu sich. Das strahlend weiße Haupthaus wurde in hispanisch-maurischem Stil errichtet und entstand nach Entwürfen des ägyptischen Architekten Hassan Fathy. Im Karlweis-Flügel ist eine Sammlung mit zeitgenössischer Kunst zu sehen. Besonders sehenswert ist die Mudejar-Kassettendecke im Obergeschoss.

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Stiftung

Initiatoren des Museums und Parks sind das Künstler- und Sammler-Ehepaar Yannick Vu und Ben Jakober sowie der Bankier und Philantrop Georges Coulon Karlweis. Bereits 1993 riefen sie gemeinsam die „Fundación Jakober“ ins Leben. Zunächst wurde ein ehemaliges unterirdisches Wasserreservoir klimatisiert und zum Sammlungsraum „Nins“ umgenutzt, der heute historische Kinderportraits präsentiert. Die kleinen Helden wirken mit ihren erwachsenen Posen befremdlich. Die ungewöhnlichen Gemälde entstanden zwischen dem 16. bis 19. Jahrhundert. Seit 2001 kann das „Museo Sa Bassa Blanca“ besichtigt werden. Im Laufe der Zeit kamen immer weitere Räume, Skulpturen und Kunstwerke hinzu.

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Bildungsanspruch

Durch die Verbindung von Natur, Kunst, Design und Architektur wollen die Initiatoren insbesondere junge Menschen für das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit sensibilisieren, Wahrnehmung und Wertschätzung für Natur und Lebewesen stärken. Grundpfeiler der Stiftung ist daher ein Bildungsprogramm, das sich an Schulen und Gruppen mit spezifischen Interessen wendet. Dazu gehört auch die Schärfung der Sinne. Eine besondere Tour (wir haben sie nicht absolviert) zum Aussichtspunkt mit hohen Steinsäulen für maximal 6 Personen muss separat angemeldet werden. Von dort können Besucher über die gesamte Bucht von Alcudia schauen. Unterhalb liegt ein ehemaliger militärischer Beobachtungsposten mit einer Installation der Fotografin Nilu Izadi: einer großen „Camara Oscura“. Ihre Funktionsweise wird auf der Website des Museums MSBB erläutert: „Durch ein kleines Loch in der Wand und ein Objektiv tritt Licht in den verdunkelten Raum. Die Landschaft draußen wird spiegelverkehrt auf eine Art weißen hölzernen Bildschirm, auf einer gekrümmten Wand an die gegenüberliegende Seite des Raumes projiziert.“

 © MassivKreativ

Auszeichnungen

Vielfältig, ganzheitlich, ungewöhnlich, engagiert: Mit diesen Attributen lässt sich das Anliegen der Stiftung Jakober zusammenfassen. Kein Wunder, dass die Initiative mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Sammlung Nins gehört inzwischen zum Kulturerbe der Balearen, die Kassettendecke im christlich-maurischen Mudéjar-Stil hat man zum Kulturgut ernannt. Wer jemals im Norden von Mallorca weilt, muss das „Museo Sa Bassa Blanca“ unbedingt gesehen haben, auch wenn es scheinbar am Ende der Welt liegt.

Wie lassen sich kreative Leistungen finanzieren?

 © Siegfried Fries, pixelio.de

Damit Ideenschöpfer und Urheber auch zukünftig (über-)leben können, müssen realistische Finanzierungsmodelle geschaffen werden. Lizenzen haben sich in der Kultur- und Kreativwirtschaft für die meisten Freiberufler und Kleinstunternehmer als nicht tragfähig erwiesen, siehe spotify, audible, youtube, netflix usw. Aus gutem Grund wird der Ruf nach Transferabgaben für bestimmte Technologien lauter, gefordert werden z. B. eine Transaktionssteuer für Kapitalgeschäfte, eine „Robotersteuer“ für die Automatisierung und Digitalisierung von Produktionsprozessen, ebenso eine Steuer für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Der Hintergrund: Lohn- bzw. Erwerbsarbeit wird gegenwärtig höher besteuert als Vermögenseinkommen ohne reale Wertschöpfung. Dazu erklärt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG: „Wenn Produktivität zukünftig vor allem an Maschinen und die Auswertung von Daten gekoppelt ist, könnte die Besteuerung stärker auf den darauf beruhenden Gewinnen aufbauen und weniger auf der Einkommensteuer des Einzelnen.“ (Höttges 2015).

Wandel der Berufswelt

Existenzängste plagen längst nicht nur Kreative, Musiker, Fotografen, Autoren, Journalisten, Grafiker, Künstler, Designer … Auch klassische Wirtschaftsbranchen sind im Zuge der Digitalisierung von der Vernichtung von Arbeitsplätzen betroffen, z. B. Banken und Versicherungen, Verkehr und Industrie. Und so verwundert es nicht, dass das bedingungslose Grundeinkommen schon in den Vorstandsetagen und im Mittelstand diskutiert und befürwortet wird, z. B. von SAP-Chef Bernd Leukert, Siemens-Chef Joe Kaeser, Telekom-Chef Timotheus Höttges und von Götz Werner, dem Gründer und ehemaligen Geschäftsführer von dm-drogerie markt. Höttges sieht das Grundeinkommen als Antwort auf die Veränderungen in der Arbeitswelt: „Wir müssen unsere Gesellschaft absichern. Deswegen die Idee des Grundeinkommens […] Es könnte eine Lösung sein [… ] in einer Gesellschaft, die sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat.“ (Höttges 2015)

Wer profitiert, muss zahlen

Solange Menschen von den Ideen Anderer profitieren, ohne dass die Ideenstifter ihre Grundbedürfnisse decken können, wird es keinen sozialen Ausgleich in der Gesellschaft geben. Wenn jeder teilt, was er selbst nicht zum existenziellen Überleben braucht, hat niemand das Gefühl, dass ihm etwas gestohlen wird. Der Philosoph Richard David Precht formuliert es mit Blick auf den sozialen Frieden so: „Wir müssen unseren Begriff von Arbeit neu definieren und so etwas wie ein Grundeinkommen einführen, sonst brechen uns die Binnenmärkte zusammen. Die Wirtschaft kann wohl kaum ein Interesse daran haben, dass es keine Konsumenten mehr gibt oder dass Millionen arbeitslos sind.“ (Precht 2014)

Roboter kaufen keine Roboter

„Autos kaufen keine Autos“, hat Henry Ford einmal gesagt. Auf für die Gegenwart ließe sich sagen: Roboter kaufen keine Roboter. Ohne kreative Inhalte werden die meisten digitalen Plattformen sinnlos. Derzeit profitieren vor allem diejenigen von der Wertschöpfung, die Hoheit über Datenströme besitzen. Doch nur wenn alle Menschen an Wertschöpfungsketten beteiligt werden und vom technologischen Fortschritt profitieren, bleiben Gesellschaften funktionstüchtig und friedlich. Nur dann bleibt Freiraum für Kreativität. Ein Modellversuch in der kanadischen Stadt Dauphin hat gezeigt, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen bedingungslosem Grundeinkommen und verbesserter physischer und mentaler Gesundheit gibt. In dem vierjährigen Untersuchungszeitraum gab es spürbar weniger Arztbesuche aufgrund mentaler Probleme und weniger Diagnosen von psychischen Erkrankungen. Menschen, die ihren Beruf aus Berufung ausüben, sind zufriedener, gesünder und daher für die Volkswirtschaft erstrebenswert.

Arbeit als Lebenssinn?

Der niederländische Historiker Rutger Bregmann macht sich seit längerem darüber Gedanken, wie sich die beiden Hauptprobleme des 21. Jahrhunderts lösen lassen, dass durch die Digitalisierung industrieller Prozesse zunehmend Arbeitsplätze verloren gehen und nicht genügend neue geschaffen werden können. Dadurch stehe einerseits mehr Freizeit zur Verfügung, andererseits wachse im Westen die Kluft von Arm und Reich sowie in der Dritten Welt. Wir alle müssen diese Herausforderungen gesellschaftlich diskutieren und aushandeln.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen neu entfacht. Auch Bregmann plädiert für ein universelles Grundeinkommen, ebenso wie die EBI, eine Bürgerinitiative aller 27 Länder der Europäischen Union. Sie strebt 2021/2022 ein Quorum für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu erreichen (aktueller Stand nach Ländern aufgeschlüsselt) und fordert die Europäische Kommission auf, aktiv zu werden und Vorschläge für bedingungslose Grundeinkommen in der gesamten EU zu machen. Ein interdisziplinär aufgestelltes Forschungsteam will jetzt in einem 3jährigen Pilotprojekt herausfinden, ob „ein Grundeinkommen das soziale Zusammenleben, die Vertrauenskultur in unserer Gesellschaft fördert“, formuliert Studienleiter Jürgen Schupp, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) seine Hypothese. In Capital schreibt Autorin Claudia Cornelsen über ihre Erwartungen: „Etwas ohne Rückfrage, ohne Misstrauen, ohne Vertrag, ohne Erwartung geschenkt zu bekommen, das ist neu … Das Bedingungslose Grundeinkommen basiert auf einem positiven Menschenbild mit Eigenverantwortung und intrinsischer Motivation. Statt die Schwachen als autoritärer „Wohlfahrtsstaat“ zu bestrafen, investiert die staatliche „Zutrauensgesellschaft“ in die Stärken ihrer Bürgerinnen und Bürger.“

 © Mensch-Grundeinkommen

Erlebnisausstellung

Das Hamburger Netzwerk Grundeinkommen plant eine Wanderausstellung, um Diskussionen zum Thema breiter in die Gesellschaft hineinzutragen. Unter dem Titel Mensch Grundeinkommen will sie einen setzen Kulturimpuls setzen – mit einer phantasievollen und mobilen Erlebnisausstellung: “Sie soll die Menschen in ganz Europa berühren, inspirieren und zu einer aktiven Auseinandersetzung anregen, um über das Leben, die Arbeit und über die Schaffung eines Bedingungslosen Grundeinkommens nachzudenken.” Die Initiatoren treibt die Überzeugung, dass das Grundeinkommen Sicherheit und Freiheit verspricht und zugleich jeden Einzelnen persönlich und gesellschaftlich herausfordert: “Weder Verheißung des Paradieses noch Weg in die Katastrophe führt es weg vom Müssen und Sollen, hin zum Können und Wollen. Mit unserer Ausstellung möchten wir alle zu einer lebendigen Auseinandersetzung ermuntern.”

 

Buch-Tipp:

Rutger Bregman: Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen
Rowohlt Verlag, Reinbek 2017

 

 

 

Was ist Kreativwirtschaft? Sahnehäubchen oder Hefe im Teig?

Wie kann klassische Wirtschaft von der Zusammenarbeit mit Kreativschaffenden profitieren? In einem Onlineworkshop gab ich praxisnahe Einblicke in gelungene Cross-Innovation-Kooperationen, unternehmerische Fragestellungen, kreative Methoden und künstlerische Interventionen.

Horizont erweitern

Kreative helfen klassischen Unternehmen dabei, den Blick für die eigene Produktpalette zu weiten und passende Dienstleistungen anzubieten. Ich erläuterte das am Beispiel des Unternehmens LUNGE, Anbieter von Laufschuhen. LUNGE betreibt in Hamburg und Berlin die vier größten Laufläden weltweit und gehört zu den wenigen Produzenten, die ihre Schuhe in Deutschland fertigen – in einer Manufaktur in Düssin in Mecklenburg-Vorpommern. Die Gründer und Geschäftsführer Ulf und Lars Lunge bieten ihren Kund*innen neben ihren Produkten auch passgenaue Dienstleistungen an, z. B. die Neubesohlung von Laufschuhen, außerdem eine individuelle Anpassung durch Orthopädie- und Schuhtechniker sowie eine personalisierte datengestützte Laufanalyse. Der Impuls zu diesem erweiterten Angebot kam von einem der Söhne, der als Kommunikationsdesigner und Software-Entwickler tätig ist. Er hatte die Idee, Kund*innen vor dem Kauf der Schuhe in den Läden eine Laufanalyse anzubieten. Die Ergebnisse können vom Kunden digital über einen QR-Code mit nach Hause genommen und jederzeit abgerufen werden. Beim nächsten Besuch stehen die Analysedaten weiterhin zum Vergleich zur Verfügung.

Kreativschaffende als Impulsgeber

In meinem Impulsvortrag stellte ich vor, was Kreativschaffende durch neue Impulse und Perspektiven in Unternehmen bewirken können, “nicht ornamental als Sahnehäubchen, sondern strukturell als Hefe im Teig”. In meinen Praxisbeispielen ging es u. a. um:

● Unternehmenswandel (Insekten retten statt vernichten)
● Unternehmensfusion (Austausch und Wissenstransfer statt Blockade)
● Arbeitskultur und Arbeitsumfeld (Individualität und Stille statt Chaos im Großraumbüro)
● Zeitmanagement (Raum für Reflexion und strategische Entscheidungen statt in zahllosen Sitzungen zu versinken)
● Service (Dienstleistungen ergänzend zu Produkten)
● Mitarbeiterpflege, Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung
● Wissenstransfer im Unternehmen (z. B. bei Urlaub, Pensionierung, Krankheit)
● Fehlerkultur, Wertschätzung, Stärkung von Eigenverantwortung unter Mitarbeitenden (Intrapreneurship)

Kreative Kernkompetenzen transferieren

Wenn Kreativen in Krisenzeiten die Aufträge wegbrechen, können neue Geschäftsideen und Tätigkeitsfelder entstehen, berichtete ich von einem Beispiel aus dem medizinischen Bereich. Rund 5% aller Corona-Erkrankten leiden derzeit an Langzeitfolgen. Einige Covid-Patienten erhalten neuerdings Hilfe von professionellen Opernsänger*innen – dank einer Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der Hamburgischen Staatsoper. Sänger*innen trainieren gemeinsam mit den Patient*innen mit gezielten Atemübungen das Lungenvolumen, das in 2-3 Monaten um 20 % zunehmen kann. Auch Ärzte lernen von den Sängern dazu und wollen nun deren Trainingsmethoden auf Therapieansätze übertragen.

Austausch mit den Workshop-Teilnehmer*innen

Um Innovationen zu ermöglichen, ist es für klassische Unternehmen wichtig, eingefahrene Muster und Routinen zu hinterfragen und Perspektivwechsel zuzulassen. Daraus entspann sich eine lebhafte Diskussion und Fragerunde mit den Teilnehmer*innen, u. a. zu diesen Fragen:

● Warum lohnt sich für klassische Wirtschaftsbranchen die Zusammenarbeit mit Kreativschaffenden?
● In welchen betrieblichen Bereichen und Szenarien können sie wirksam werden?
● Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit die Kooperationen erfolgreich verlaufen?
● Wo und wie spricht man als Kreativer klassische Unternehmen an?
● Wie findet man unternehmerische Herausforderungen und Fragestellungen, die Kreative im Unternehmen mit künstlerischen Methoden bearbeiten können?

Die Teilnehmer*innen berichteten, dass die Welten zwischen klassischen Unternehmen und Kreativen oft noch sehr getrennt voneinander seien. Intermediäre sollten als Brückenbauer agieren, so mein Rat. Sie vermitteln, wenn es Verständnis- bzw. Verständigungsprobleme zwischen Unternehmen und Kreativen gibt. Sie übernehmen auch das Matching und suchen für Unternehmen und deren besondere Fragestellung passende Methoden und Kreative. Die Dauer einer Cross-Innovation-Aktion bzw. künstlerischen Intervention ist von konkreten Fragestellungen, Absprachen und persönlichen Sympathien der Akteur*innen abhängig. Aus einer eher kurz angedachten Zusammenarbeit könne sich durchaus auch ein langfristiges Projekt entwickeln, so meine Erfahrung. Erkenntnisse sollten auf jeden Fall dauerhaft und nachhaltig in den Arbeitsalltag eingebunden werden, damit sie tatsächlich die erwünschte Wirkung zeigen.

Die Diskussion war ebenso fruchtbar wie konstruktiv. Die Teilnehmenden äußerten den Wunsch, den Gedankenaustausch fortzuführen und zukünftig konkrete Konzepte für die Zusammenarbeit mit Unternehmen zu entwickeln.

Szenarien – hier können künstlerische Interventionen und Cross Innovation-Projekte wirksam werden:

● Teamentwicklung: Gemeinschaftsgefühl, Motivation, Unternehmenskultur
● Kommunikation: interner/externer Informationsfluss, Transparenz, Fehlerkultur
● Personalmanagement: Nachwuchsgewinnung, Mitarbeiterpflege
● Strategieplanung: Perspektivwechsel, Innovationen
● Produktentwicklung: Design, Benutzerfreundlichkeit, Innovation
● Wissensökonomie: Digitalisierung, Wettbewerbsfähigkeit
● Gesundheitsmanagement: Diversity, Teilhabe

Die Online-Veranstaltung fand am 10. Juni 2021 als Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft Westmecklenburg und Kreative MV in der Reihe Kreative:Wissen vom FORUM Kreativwirtschaft Fichtelgebirge und dem Verein KüKo – Künstlerkolonie Fichtelgebirge statt.

Kreative Räume und Kreativwirtschaft in Thüringen

 © Ingrid Kranz, Pixelio.de 

Norman Schulz ist als Berater für Kultur- und Kreativwirtschaft viel herumgekommen. Sein Weg nach Thüringen führte ihn über viele Umwege. „Wer vom Weg abkommt, lernt Landschaft kennen.“ Warum das wichtig ist, hat er mir im Interview erzählt.

© THAK

Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Mit einem Musik- und Politikstudium im Gepäck und dem konkreten Plan, doch nicht Musiker werden zu wollen, studierte Norman Schulz zunächst Kulturmanagement. Er war zunächst im Ruhrgebiet tätig, später in Oberbayern. Als Ansprechpartner im Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes lernte er die Branche gleich in sechs verschiedenen Bundesländern kennen, in Hessen und Rheinland-Pfalz sowie im Norden in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Seit 2014 leitet er nun THAK, die Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft. Er sagt: „Thüringen hat Pioniergeist bewiesen im Prozess Kreativwirtschaftsförderung. Ihn gemeinsam mit hochmotivierten Mitstreitern weiter voranzutreiben, das ist meine Aufgabe in der THAK.“

Digitaler Wandel und Innovation

In der Selbstbeschreibung der THAK heißt es: „Kreativität ist eine wichtige Ressource für Innovation und für die Gestaltung des digitalen Wandels. Das Ziel der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft ist es, mit ihren Qualifizierungs- und Vernetzungsangeboten diese Ressource im Freistaat sichtbar und wirtschaftlich nutzbar zu machen. Dafür aktivieren und begleiten wir Netzwerkinitiativen, laden zum Erfahrungsaustausch ein und schaffen Anlässe für Begegnungen zwischen Kreativschaffenden mit Lösungskompetenzen für unternehmerische Herausforderungen und potenziellen Kunden.“

© THAK

Masterplan für Thüringen

Norman Schulz ist wichtig, die Qualität der Kreativleistungen in Thüringen noch sichtbarer zu machen und insbesondere dem thüringischen Mittelstand den Zugang zu den Kreativschaffenden zu erleichtern, zu verbreitern und für eine Zusammenarbeit zu sensibilisieren: „Wir schmieden dafür Kontakte mit Clustern und den Branchenverbänden.“ Partner sind z. B. die Thüringer Tourismus GmbH. Es gibt Veranstaltungen, in denen kreative Dienstleister auf Anbieter aus dem Tourismus und dem Gastgewerbe treffen. Zunächst müsse man Vertrauen zueinander aufbauen, um dann auch gemeinsam an den Herausforderungen zu arbeiten und Thüringen noch ein Stück weit attraktiver zu machen: „Wir haben da viel mit Kreativ-, Werbe- und Kommunikationsagenturen zu tun. Wir arbeiten mit Designern, Software-Entwicklern und technologiegetriebenen Akteuren, die AR (Augmented Reality) und VR (Virtual Reality) anbieten. Aber auch analoge Kompetenzen wie Storytelling sind sehr wichtig.

© THAK

Räume innovativ entwickeln

Zu den Vorreitern kreativer Raumentwicklung gehört Lars Lewandowski. Mit seinem Label Vintagewerft sorgt er für außergewöhnliche Wohnräume, Läden- und Bürokonzepte. Der gebürtige Eisenacher hat sich auf auf Interieur-Design mit Industrie-Charme spezialisiert, er baut für Coworking-Spaces, wie das KrämerLoft oder die Kreativtankstelle in Erfurt, in Jena das Del Corazon und das Kombinat01, der Redwing-Store in Leipzig, das Café Bohne Traube am Erfurter Domplatz und Pack’s Ein – Der Unverpackt-Laden in Eisenach. Sein jüngstes Projekt ein neuer Eisladen Oma Lilo in Erfurt. Altes wird mit Neuem verbunden. Die Möbelstücke und die Einrichtung stammen größtenteils vom Flohmarkt wurden liebevoll restauriert und ausgebessert! Upcycling ist längst Trend und zudem nachhaltig. Lars Lewandowski: „“Ich liebe die Geschichte hinter den Dingen und gehe daher auch gerne auf Flohmärkte. Ich finde es sehr bedauerlich, wenn Sachen achtlos weggeworfen werden, aus denen Neues entstehen kann. Diesen Zyklus möchte ich durch meine Arbeit stoppen. Beige mediterrane Kacheln an den Wänden geben das Gefühl von Süden und Urlaub, aber auch, als würde man bei Oma in der Küche sitzen.“

© MassivKreativ

Coworking auf dem Land

Auch abseits der Städte seit einiges zu tun, sagt Norman Schulz: „Vor allem in ländlichen Räumen sind noch viele unerkannte Potenziale, die erschlossen werden sollten.“ THAK fördert daher die Vernetzung von Kreativschaffenden u. a. auch durch Coworking auf dem Land. Die gemeinschaftliche Zusammenarbeit in Coworking Spaces wirkt nicht erst seit der Corona-Pandemie als Verheißung. Räume, Ressourcen und Wissen, weniger Pendelzeit, Erholung, Beruf und Privatleben trennen, das sind nur einige der Vorteile. Dennoch: „Coworking-Space-Angebote gibt es im ländlichen Raum Thüringens im bundesweiten Vergleich noch recht wenig“, sagt Schulz. THAK lädt daher Experten der neuen bundesweiten Genossenschaft CoWorkLand eG ein und informiert, welche Geschäftsmodelle für Gründungsinteressierte möglich und passend sind.

Rückkehrer

Die THAK spricht gezielt auch junge Menschen an und möchte sie zum Bleiben in Thüringen gewinnen, z. B. Absolventen aus den Medien und den kulturaffinen Bereichen, etwa von der TU Ilmenau oder auch von der Bauhaus-Universität in Weimar: „Es ist ja so, dass die Jungen tatsächlich erst mal in die große weite Welt wollen. Was ich persönlich auch ganz okay finde, weil man sich weiterentwickelt und mit den ganzen Erfahrungen im Gepäck wieder zurück nach Thüringen kommen kann.“ Etwas unter Rückkehrern etwas nachzuhelfen, gibt es so eine Art Thüringer „Gründer-Prämie“, d. h. Beratungsunterstützung, ganz viel Netzwerkarbeit, auch finanzielle Angebote und zielführende Möglichkeiten, um an Kapital zu kommen. „Wir haben so etwas wie die Thüringer Investor Days, die von der Stiftung für Technologie und Innovation in Thüringen durchgeführt werden.“

Sogwirkung

Neben dem Thema Finanzierung ist für Gründer aber auch der menschliche Aspekt entscheidend. Norman Schulz hat die Erfahrung gemacht, dass Kreative Kreative anziehen. Es ist natürlich attraktiver, nicht in einen leeren Raum hineinzugehen, sondern an andere anzudocken und von ihnen ggf. auch Unterstützung bei der Umsetzung neuer Ideen zu bekommen. Schulz sagt: „Wo schon spannende Menschen unterwegs sind, die offen und tolerant sind und Andersdenkende nicht als störend empfinden, da siedeln sich auch andere Kreative gerne an.“

 

PODCAST-Interview mit Norman Schulz

Lokaljournalismus im Aufwind: Kreativquartier Schwerin-Görries

 alles-mv.de

Schon während der Diplomarbeit wird Manuela Heberer klar: Die reine Wissenschaft ist nichts für mich. Heberer entdeckt den Journalismus für sich und findet den Quereinstieg über „learning by doing“. Sie jobbt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, schreibt Artikel für die Thüringer Allgemeine, steigt dort intensiver mit einem Praktikum ein und schließt dann ein Volontariat in der Pressestelle der Hochschule an. Hier erhält sie eine Redakteursausbildung: „Das passte ganz gut, weil wir uns natürlich schon im Studium ganz viel mit Wissenschaftsthemen beschäftigt hatten. Durch mein Biologiestudium wusste ich natürlich auch, wie Wissenschaftler so ticken und wie Wissenschaftskommunikation geht. Das ist ein ganz wichtiges Thema heute, die Wissenschaft aus dem elitären Elfenbein herauszubringen und in die Öffentlichkeit zu tragen. 

Vielfältige Medienformate

Folgerichtig gründet Heberer 2012 ihr Medien-Startup alles-mv. Unter diesem „Dach“ realisiert sie vielfältige Formate, vor allem das Online-Magazin VielSehn mit Reportagen, Porträts und Ideen über engagierte Menschen, die in MV etwas bewegen. „Ich möchte damit die Vielfalt im Nordosten Deutschlands sichtbar machen und einen Gegenpol zu den gängigen Klischees setzen“, sagt Heberer. Spannende Gespräche bereitet sie für ihren Podcast Erste Generation auf. Auch die Lesereihe MV liest soll als Podcast und ebenso live in Kooperation mit der Hörspiel- und Begegnungsscheune Cramon langfristig weiter wachsen. Ein beliebtes Service-Angebot ist ihr Veranstaltungskalender Wohin Ihr wollt, der von vielen Mecklenburger gern genutzt wird. Auch der Natur fühlt sich Heberer verbunden, seit 2012 verantwortet sie die Redaktion für den Naturschutzbund in MV.

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Vielsehn – Geschichten aus der Region

„VielSehn“ ist als Selbstverständnis von Heberer zu verstehen. Naheliegend, dass es zum Titel ihres gleichnamigen Online-Magazins wurde, das Themen, Menschen und deren Vorhaben in der Mecklenburgischen Seenplatte sichtbar macht: „Wir machen uns auf die Suche nach den Menschen, die dort leben, den Unternehmen, die dort wirtschaften, den Initiativen, die sich dort engagieren, nach all denjenigen, die in der Region etwas bewegen. Es gibt also viel zu sehen!“ Kokreative Partnerin beim VielSehn-Magazin ist die Grafikerin Antje Siggelkow. Ihre gemeinsame Mission: professionelle Gestaltung und Design verbunden mit journalistischem Handwerk. Lokaljournalismus ist aktuell im Aufwind, auch in MV. Hier weht einiges an Gründergeist, häufig angefacht, weil engagierte Menschen Leerstellen erkennen und einfach machen. Aus Unzufriedenheit über Berichterstattung der Neubrandenburger Tageszeitung “Nordkurier” haben Heberers Kollegen vom Katapult-Magazin in Greifswald mit dem umtriebigen Chefredakteur Benjamin Fredrich gerade die Regionalzeitung Katapult MV auf den Weg gebracht. In nur vier Tagen kamen 19.000 € zusammen, damit können nun fünf Redakteure und Grafikerinnen pro Monat finanziert werden, um zunächst aus Greifswald und Stralsund zu berichten. Je nach Entwicklung des Zuspruchs und der Abonnentenzahl sollen weitere Büros in MV folgen.    

Aus eigenem Antrieb

In MV lässt sich noch Neuland beackern. Diese Erkenntnis treibt auch Heberer an. Wer mutig ist und langen Atem hat, kann viel bewegen. Die Anfänge waren 2012 mühsam, aber auch erfüllend, weil es keine Vorlagen gab: „Ich wollte damals einfach ein Medium haben, wo ich Beiträge über Themen schreiben kann, die ich sonst nicht lese oder vielleicht auch sonst in den etablierten Medien nicht unterbekomme als freie Journalistin. Themen, die ich mir selber suche und umsetze. Heberers Berichterstattung wird von den Portraitierten und den Protagonisten begeistert und dankbar aufgenommen. Sie beobachtet immer wieder, wie schwer es kleine Akteur*innen und Unternehmer*innen haben, weil sie nicht die Kapazitäten haben, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Klar, die pflegen ihren Facebook- und Instagram-Account und haben meistens auch einen Online-Shop. Aber für Öffentlichkeitsarbeit, also dass man rausgeht und von sich erzählt, dafür bleibt dann oft gar keine Zeit. Und daher freuen sich die Leute dann umso mehr, wenn mal jemand vorbeikommt, Fragen stellt und das dann in einem entsprechenden Rahmen auch veröffentlicht wird. Ich merke an der Resonanz und am Zuspruch bei den Lesern: Das sind wirklich Themen, die wollen die Leute wirklich lesen.“

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Mecklenburgische Seenplatte

Der aktuelle Wirkungsradius ist für Heberer wegen des VielSehn-Magazins vor allem die Mecklenburgische Seenplatte. Der größte Landkreis Deutschlands erstreckt sich über 5.000 Quadratkilometer und bietet eine Fülle spannender Geschichten und Orte: von der Müritzregion im Südwesten über die Feldberger Seenlandschaft bis an die Uckermark im Osten, das Trebeltal um Demmin und das Peenetal bei Loitz im Norden. Eine wunderschöne und vielfältige Region mit Flüssen und Seen, mit viel Freiraum und viel Land. Das lässt nicht nur Touristen schwärmen, auch Einheimische wie Heberer wissen die Natur und die zauberhaften Orte zu schätzen. Durch ihre Online-Artikel möchte sie ihre Erlebnisse in herrlicher Umgebung mit anderen teilen: „Ziel ist es, die Vielfalt zu zeigen, um auch potenzielle Zuzügler von der Region zu überzeugen. Von den Menschen, der Kultur und der Lebensart.“    

Lebensmotto

„VielSehn“ ist zu einem  Lebensmotto von Manuela Heberer geworden. Als Journalistin ist sie viel unterwegs, hat Augen und Ohren stets nah an den Menschen, ihren Geschichten und ihren Vorhaben. Heberer ist überzeugte Mecklenburgerin. Sie wurde in der Landeshauptstadt Schwerin geboren, arbeitet und lebt hier glücklich mit ihren Kindern und ihrem Ehemann. Die Dauerliebe zu Mecklenburg wurde nur kurz unterbrochen – von einem Gastspiel in Thüringen für ihr Biologiestudium und ihr Volontariat. Mecklenburg ist für Heberer Heimat durch und durch: „Hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich wohl, hier komme ich mit den Menschen am besten klar.“

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Kreativquartier Schwerin-Görries

Visionäre Ideen entstehen in kreativer Umgebung. Schon seit 2012 arbeitet Heberer etwas außerhalb der Landeshauptstadt – im Kreativquartier Schwerin-Görries an einem geschichtsträchtigen Ort. Vor etwa 100 Jahren haben findige Köpfe hier einen Flugplatz mit angeschlossener Flugschule eröffnet. Die beiden Weltkriege haben allerdings die zivile Luftfahrt beendet. Das Rollfeld wurde zum Gewerbegebiet, das sogar einen Anschluss an die Regionalbahn hatte. Übrig geblieben sind zwei Gebäude: die ehemalige Flugschule im Bauhausstil, und das Offizierskasino. Hier ist das Herzstück des Kreativquartiers untergebracht. Hier entwickelt Heberer in ihrem Büro ihre Medienformate neben weiteren Kreativschaffenden, Künstler*innen, Freiberufler*innen. Außerdem arbeiten hier Handwerker und proben hier Musiker*innen, weit genug entfernt vom benachbarten Wohngebiet im Stadtteil Görries. So steht auch der nächtlichen Nutzung nichts entgegen – was auch die angrenzenden Clubs und Theaterprobenräume zu schätzen wissen. Zwischen ehemaligen Textilfabriken und Autohäusern genießen Clubkultur und Graffitikunst den vorhandenen Freiraum, um sich zu entfalten und zu verwirklichen. Das Kreativquartier wird immer weiter ausgebaut und findet Stück für Stück neue Bewohner*innen. Aber: Platz für weitere kreative Macher, für Tüftler und Visionäre ist noch vorhanden.

Ideale Bedingungen am Stadtrand  

Heberer ist nicht nur Journalistin und Gründerin, sondern auch Raumpionierin. Gemeinsam mit ihrem Vater will sie weitere kreative Köpfe in das Kreativquartier nach Schwerin-Görries locken. Sie ist überzeugt: „Gerade die Lage in der Peripherie mit Parkplätzen vor der Tür und guter Verkehrsanbindung bietet mir gute Voraussetzungen. Schon viele Jahre kenne ich das Quartier und habe mir immer vorgestellt, dass hier ein Ort entsteht, an dem viele verschiedene Freelancer, Unternehmen, Kreativschaffende unter einem Dach arbeiten und sich gegenseitig austauschen, vernetzen und vielleicht sogar gemeinsam Projekte durchführen. Das Quartier bietet dafür ganz vielfältige, vielleicht sogar ungeahnte Möglichkeiten und wartet auf Mitgestalter.“

Der Boden in Schwerin-Görries ist bereitet: für visionäre und mutige Macher, für Kunst und Handwerk, für digitale Startups und Werbeagenturen, für Design- und Architekturbüros, für Vereine und Bildungsangebote, für Clubs und Gastronomie.

PODCAST