Heimat(en) Teil 2: Was Bürger in Deutschland über das Thema Heimat denken

 ©Andreas Hermsdorf, Pixelio.de 

Wer sind wir? Wie wollen wir leben. Und wie sehen wir unsere Heimat? Diese Fragen werden gegenwärtig wieder häufiger gestellt – nicht erst im Umfeld der bevorstehenden Jubiläumsjahre „30 Jahre Mauerfall“ und „30 Jahre Einheit“. 

Was denken Bürger?

Vermächtnis kommt von Vermachen. Neben der erbrechtlichen Auslegung geht es neben materiellen auch um ideelle Werte, die nach dem Tod hinterlassen bzw. übertragen werden sollen. Und so erkundet die Wochenzeitung DIE ZEIT in  ihrer aktuellen Vermächtnisstudie gemeinsam mit infas – dem Institut für angewandte Sozialwissenschaft in Bonn – sowie dem WBZ – dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung: „Was wollen wir nachfolgenden Generationen gerne mit auf den Weg geben? Was ist uns wichtig?“

 © Juergen Jotzo, Pixelio.de 

Zuflucht bei Mitmenschen

Neben dem Befinden über unser Wir-Gefühl und unser Verhältnis zu Fortschritt (technisch und sozial) haben 200 Wissenschaftler in Deutschland 2070 Menschen für die Studie auch zum Thema Heimat befragt. 89 Prozent der Befragten ist Heimat wichtig, aber nur knapp die Hälfte definiert Heimat über Kultur. Wirkliche Heimat finden Menschen bei anderen Menschen, wo sie sich geborgen fühlen: 80 Prozent bei Familie und Lebenspartner, 68 Prozent bei Freunden und Bekannten.

Gegenentwurf zur Digitalisierung

Das Bekenntnis zur Heimat ist indirekt ein Lob auf den direkten „analogen“ Austausch zwischen Menschen. Das mehrheitliche Heimatverständnis ist auch als Reaktion auf die Digitalisierung zu verstehen, die viele Beziehungen im Familien- und Freundeskreis verändert hat. Wie oft dominiert das Handy gemeinsame Gespräche, Treffen, Abendessen…

 © Jens Bredehorn, Pixelio.de 

Heimat ist ein Gefühl

59 Prozent verbinden Heimat mit Deutschland, weniger als die Hälfte mit einer gemeinsamen Religion. Auch Deutsche mit Migrationshintergrund sehen das so und bestätigen die Mehrheitsmeinung: Heimat ist Geborgenheit.

Ganz Deutschland hat Sehnsucht nach Zusammenhalt. Statt Karriere und Aufstieg suchen die Deutschen nun mehr nach „Sinn und Solidarität“, wünschen sich mehr Zeit für Kinder, Freunde und Freizeit. Der Wunsch nach WIR und Geborgenheit ist übrigens noch größer bei Menschen, die sich vor Kriminalität, Terror und Ausländern fürchten und eine geringe Bildung haben.

Was Experten denken

Die Meinung von ExpertInnen zum Thema Heimat stand Ende Juni 2019 im Fokus – beim 10. Bundeskongress der Kulturpolitischen  Gesellschaft KULTUR.MACHT.HEIMATen. Darüber berichte ich in den nächsten beiden Artikeln.:

Heimat(en) Teil 3: Theorie – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 1

Heimat(en) Teil 4: Praxis – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 2

 

Weiteres zum Thema

Heimat(en) Teil 1: Ein wiederentdecktes Phänomen

Heimat(en) Teil 2: Was Bürger in Deutschland über das Thema Heimat denken – Vermächtnisstudie der ZEIT

 

 

Heimat(en) Teil 1: Ein wiederentdecktes Phänomen

 © Andreas Hermsdorf, Pixelio.de 

HEIMAT ist wieder in aller Munde. Vielleicht auch deshalb, weil sich viele nicht mehr ganz sicher sind, was Heimat eigentlich bedeutet. Mehrfach umgedeutet und von unliebsamen Kräften okkupiert suchen Experten und Bürger nach einer zeitgemäßen Definition und Positionsbestimmung.

Heimat – eine wilde Karriere

Unser Verhältnis zur Heimat hat über die Jahrhunderte Höhen und Tiefen erlebt. Während die Romantiker noch von der Heimat schwärmten („Seit ich auf deutsche Erde trat, durchströmen mich Zaubersäfte … Heinrich Heine, 1844: Deutschland. Ein Wintermärchen) haben die Nazis sie völkisch vergöttert und missbraucht. Bildungspolitiker strichen die Heimat-Vermittlung in den 1970er Jahren vorsorglich zumindest formal aus den Lehrplänen und ersetzte „Heimatkunde“ mit „Sachkunde“-Unterricht. Erst seit dem Mauerfall erwärmt die Heimat wieder die Herzen, auf unterschiedliche Weise.

Bei der Fußball-WM werden Patriotismus und Heimatbegeisterung von der Mehrheit unterstützt und toleriert. Dass Wutbürger nun den Heimatbegriff bei ihren Aufmärschen kapern, wird mehrheitlich verurteilt. Deren Heimatliebe ist häufig aus einem Abwehrreflex gegen Neuankömmlinge motiviert ist. Dabei ist Heimat groß genug, dass auch Menschen anderer Herkunft integriert werden können. Ein- und Auswanderung hat es in unserer Welt schon immer gegeben, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen.   

 © Dieter Schütz, Pixelio.de 

Heimatgeschichten

Heimat-Serien auf dem Bildschirm haben seit vielen Jahren Hochkonjunktur. Sie zeichnen meist ein idyllisches und verklärtes Bild, vor allem wenn es um ländliche oder kleinstädtische Regionen geht. Gezeigt werden Landliebe und „Landlust“, wie im gleichnamigen Magazin so, wie Großstädter sie sich ausmalen.

In Heimat-Romanen ist der Blick schon differenzierter, 2015 etwa in Dörte Hansens Debütroman „Altes Land“, dem 2018 mit „Mittagsstunde“ der Blick in ein fiktives nordfriesisches Straßendorf folgte. Dazwischen kreist Juli Zeh in „Unterleuten“ in Brandenburg um Konflikte zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen. Mariana Lekys erzählt über den Westerwald „ Was man von hier aus sehen kann“. Katrin Seddig nennt ihr Buch schlicht „Das Dorf“, Kollege Andreas Moster bekennt „Wir leben hier, seit wir geboren sind“. Bastian Asdonk schreibt „Mitten im Land“ von der Flucht eines Stadtmüden in die Provinz und Alina Helbing in „Niemand ist bei den Kälbern“ über Auf- und Umbruch in Mecklenburg. Alle schweben irgendwo zwischen Verbundenheit und Distanz.

 © Uschi Dreiucker, Pixelio.de 

Sachbücher zur Heimat

Naturgemäß objektiver und faktenorientierter beschäftigt sich das Genre Sachbuch mit dem Heimatthema. Bereits 2011 erschien „Die deutsche Seele“ von Thea Dorn und Richard Wagner, eine alphabetische Reise durch das deutsche Gemüts- und Innenleben. 62 Stichwörter von „Abendbrot“ bis „Zerrissenheit“. Die Autoren erkennen zum Beispiel einen Widerspruch zwischen der Sehnsucht nach Freiheit einerseits, die sich im Tempolimit auf deutschen Autobahnen zeigt, sowie strenger Disziplin, Fleiß und Pflichtbewusstsein andererseits. Ambivalenz manifestiere sich auch in deutscher Kultur, in der Musik von Bachs etwa, die Gefühlseruptionen mit strengem Kontrapunkt verbindet. Ordnung und Chaos fließen also im Deutschsein zusammen. 
In ihrem aktuellen Buch „deutsch, nicht dumpf“ beantwortet Thea Dorn u. a. die Frage, was denn „deutsche Kultur“ sei – auch angesichts der vielfältigen regionalen Kulturen in Deutschland. Dorns Antwort: Man müsse sicher auf dem Boden der eigenen kulturellen Tradition stehen. Nur auf dieser Basis könne man Neues suchen und Fremdes genießen. Zu viele Einflüsse würden das eigene Selbstverständnis überfordern, so Dorn. Aufgeklärter Patriotismus und kosmopolitisches Dasein sollten sich demnach die Waage halten.

Dunja Hayali schaut in Ihrem Buch „Haymatland“ eher nach vorn als zurück: Wie wollen wir zusammenleben? Sie führt Werte auf, die überall in der Welt gelten – im Herkunftsland ihrer Eltern im Irak ebenso wie in Deutschland: Vertrauen, Ehrlichkeit, Loyalität. Vor diesem Hintergrund wirbt sie für Verständnis, dass Menschen mehr als eine Heimat haben können.

Deutschland hat mehr als nur eine Identität, sagt Peter Siebenmorgen in seinem Buch „Deutsch sein“. Unser Land trage eine „düstere Vergangenheit“ und eine  (hoffentlich) „lichte Gegenwart“ in sich. Der Politikwissenschaftler und Journalist sieht die deutsche Nation pragmatisch als „Zufallsgemeinschaft“. Unabhängig von den Wurzeln jedes Einzelnen würden sich die meisten im Land ohnehin nicht persönlich kennen. Das gemeinsame Bindeglied sei im Kern daher nichts anderes „als die Liebe zu Fremden“. Das „Deutsch sein“ könne man sich nicht aussuchen, in welche Tradition man sich stelle, das habe jeder selber in der Hand. „Deutsch sein“ könne und sollte daher schlicht heißen, „sich den guten Traditionen verpflichtet zu fühlen, sich in deren Dienst zu stellen und sie fortzuführen“. 

Zwischen Pflichtlektüre und Provokation

Wie das neue „Deutschland“-Epos von Rammstein zu interpretieren und einzuordnen ist, darüber streiten viele noch. In dem enorm aufwändig produzierte Video zum knapp 10minütigen Song der Band folgen zig Anspielungen auf die deutsche Geschichte und auf diverse Filmblockbuster. Die Szenen sind getränkt in viel Testosteron: Feuer und Waffen, Blut und Gemetzel, Ritter und Nazischergen, die Bandmitglieder selbst an Galgen im KZ, zuletzt Verweise auf RAF und Stasi. Das Ganze immer ironisch gebrochen mit niedlichen Hundewelpen und einer schwarzen „Germania“ – mal in goldener Rüstung, mal mit Pickelhaube oder SS-Uniform (Schauspielerin Ruby Commey). Sieht so deutsche Heimat aus? Zumindest liefert dieses Bild Stoff für Interpretation und Dialoge, wie sie nach der Wende definitiv zu selten geführt wurden und immer noch zu wenig geführt werden. Ob man die Redeversäumnisse um unsere Heimat wieder ausgleichen kann, wird sich zeigen.

Heimat gestern und heute

Heimat hat sich für viele verändert, nicht nur im Osten. Heimatgefühle sind immer an Zeitabschnitte gebunden, an die Kindheit, die irgendwann endet, an ein soziales Gefüge, das sich verändert. Menschen gehen im Laufe der Zeit, neue kommen hinzu und damit auch verschiedene Lebensentwürfe, andere Meinungen, neue Ideen. Heimat bleibt nie gleich, nicht so, wie sie immer war, auch wenn sich das einige wünschen.

 © Jutta Rotter, Pixelio.de 

Heimat verändert sich

Der 1994 geborene Autor Lukas Rietzschel hat versucht, gewachsenes Unbehagen, Wut und Aggression in der ostdeutschen Heimat historisch herzuleiten: gesellschaftliche Umbrüche, zerrissene Biografien, Ignoranz. In seinem Roman „Mit der Faust in die Welt schlagen“ zeigt er, wie zwei Brüder in der sächsischen Provinz auf die neue Zeit mit neuen Mitbürgern reagieren, unterschiedlich, blindwütig, resigniert, und wie sie am Ende vor Veränderungen kapitulieren.

Diffuse Angst

Im Dokumentarfilm „Kleine Germanen“ von Frank Geiger und Mohammad Farokhmanesh, einer Mischung aus realen Szenen und animierten Zeichnungen, mahnt der Großvater seine Enkelin: „Wir müssen unsere schöne Heimat beschützen!“ „Wovor?“ – fragt das Mädchen. „Vor dem Fremden“. Das Mädchen weiß nicht, wie sie sich „das Fremde“ vorzustellen hat, Sie hatte noch keinen Kontakt mit Fremden. Doch die Warnung des Großvaters lässt sie eine diffuse Angst vor dem Fremden entwickeln und vor Veränderung im Allgemeinen.

 © Lutz Stallknecht, Pixelio.de 

Gesinnungsdebatte Heimat

Was und wie Heimat zu sein hat, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Doku „Kleine Germanen“ zeigt die völkische Wunschvorstellung der Neuen Rechten auf Wahlkampfplakaten der NPD: „Deutsche Kinder braucht das Land. Aus Liebe zur Heimat.“ Höchste Zeit, dass das Thema Heimat von demokratischen Kräften zurückerobert und im Sinne einer offenen Gesellschaft gesehen wird. Die Politik hat es immer wieder mühsam mit Überlegungen zur „Leitkultur“ versucht, um heimat zu definieren und verbindliche Re­geln für un­ser­ Zu­sam­men­le­ben zu formulieren (siehe Bundestagswahl 2002). Mit diesem Ziel wurde 2018 wohl auch das Heimatministerium an das Innenministerium angegliedert.

Konkrete Maßnahmen werden in diesen Wochen noch geplant – inklusive Einheitsfeier zum Jubiläum „30 Jahre Friedliche Revolution, 30 Jahre Deutsche Einheit“ 2019/20. Spätestens dann sollte sichtbar werden, wie dynamisch und vielfältig die Heimat in Deutschland ist und schon immer war. Angela Merkels emotionale Assoziation zu Deutschland ist übrigens mit solider Stabilität verknüpft – im Sinne von „Qualität made in Germany“, 2004 sagte sie „: „Ich denke an dichte Fenster! Kein anderes Land kann so dichte und so schöne Fenster bauen.“ (Quelle: Wikiquote)

 © Dieter Schütz, Pixelio.de 

Dialog über den Heimatbegriff

Wenn Politiker schweigen bzw. sich winden, springen Kreative und Kulturakteure ein. Der Rheinland-Pfälzische Kultursommer 2019 hat sich das Motto Heimat(en) auf die Fahnen geschrieben – mit Veranstaltungen, Gesprächen, Diskurs und Austausch. Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg rückt im Juni 2019 Heimat und Identität ins Zentrum seiner aktuellen Fotoausstellung Here We Are Today. Bereits im März 2018 richtete der Westfälische Heimatbund seinen ersten NRW-Heimatkongress aus. 

Ende 2018 schaltete sich die Kulturpolitische Gesellschaft KUPOGE mit ihrer Publikationsreihe „Kulturpolitischen Mitteilungen“ in die Identitätsdebatte ein und widmete Heft 163 IV/2018 dem Thema Kulturpolitik für ländliche Räume. Der Deutsche Kulturrat wiederum näherte sich in ihrem Magazin Politik & Kultur im  März 2019 dem Themenschwerpunkt unter dem Motto Heimat – Kunst. Im Juni 2019 nahm die KUPOGE das Thema nochmals intensiv mit ihrem 10. Bundeskongress unter die Lupe: KULTUR.MACHT.HEIMATen. Wie einerseits die Bürger in Deutschland über das Thema Heimat denken (siehe ZEIT-Vermächtnisstudie) und andererseits die ExpertInnen, RednerInnen, PodiumsteilnehmerInnen und Gäste beim KUPOGE-Bundeskongress – darüber berichte ich in meinen nächsten Blogbeiträgen:

Weiteres zum Thema:

Heimat(en) Teil 2: Was Bürger in Deutschland über das Thema Heimat denken – Vermächtnisstudie der ZEIT

Heimat(en) Teil 3: Theorie – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 1

Heimat(en) Teil 4: Praxis – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 2

Heimat(en) Teil 1: Ein wiederentdecktes Phänomen

 

 

Warum wir für unser Handeln Geschichten und Visionen brauchen

 © Angelina Ströbel, Pixelio.de 

Die meisten von uns wollen Teil von etwas Großem sein. Das zeigen aktuell viele engagierte Jugendliche, Wissenschaftler und weitere Unterstützer in der Fridays for FutureBewegung. Wir sehnen uns danach, etwas Sinnstiftendes zu tun oder daran mitzuwirken. Unsere Motivation wächst, wenn wir uns vorstellen, wie bzw. wie viel besser unser Leben in Zukunft aussehen könnte. Dabei helfen uns neben sachlichen Fakten (z. B. gegen das Ignorieren des Klimawandels) gerade auch Utopien und Geschichten, die unsere Vorstellungskraft wecken und unser Handeln beflügeln.

Status Quo überprüfen

Kreative Ideen entstehen, wenn wir unsere Gegenwart auf den Prüfstein stellen. Unsere Unzufriedenheit mit Bestehendem ist der Treibstoff für Veränderungen, für neue Erfindungen, (Kunst-)Werke und Geschäftsmodelle. Wenn wir unsere Ideen als Geschichten in die Welt hinaustragen, fordern wir andere zur Auseinandersetzung auf. Wie ist es heute? Wie können wir es in Zukunft besser machen? Bevor realen Projekte zum Schutz unserer Meere starten konnten, hatten junge Menschen einen Traum: Das Meer vom Müll zu befreien. Sie beobachteten das Meer, entwickelten Pläne, träumten „Was wäre wenn…? und formulierten ihren Traum in der Öffentlichkeit. Viele Meeresvisionäre gingen so vor, u. a.  The Ocean Clean UpThe Seabin ProjectHealthy Seas, die Seekuh vom Verein One Earth – One Ocean, „Fishing for Litter“ von KIMO  und dem deutschen NABU sowie Pacific Garbage Screening (PGS) von der deutschen Architektin Marcella Hansch.

 © Pacific Garbage Screening – schwimmende Plattform zur Müllentnahme

Keimzellen für gute Geschichten

Was die Genres Buch, Film, Theater, Oper, Game mit Popularität nährt, macht als „Superfood“ auch Marken, Produkte, Unternehmen und Entrepreneure gewichtiger. Wir brauchen kreative Geschichten, um unser komplexes Leben kritisch zu betrachten, um Position zu beziehen, unser Tun zu reflektieren und uns zu identifizieren. Storytelling heißt es neudeutsch.

 © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio.de 

Vorausdenken

Aus Zeiten nüchterner Realpolitik stammt das Zitat von Helmut Schmidt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“(Schmidt 2010). Eine glatte Fehleinschätzung! Visionen sind keine Krankheit, sondern die Kunst, das vorauszusehen, was andere noch nicht sehen. Visionen  zeigen uns unsere Wünsche, wie wir künftig leben wollen. Wir begreifen, was einmal sein kann. Indem wir unsere Visionen in Geschichten verpacken und weitererzählen, ermutigen wir uns zum Engagement! Geschichten motivieren uns, verleihen uns Flügel, in kleinen Projekten und großen Prozessen. Politik und Wirtschaft, Bildung und Kultur können davon enorm profitieren, im Sinne von Joseph Beuys: „Die Zukunft, die wir wollen, muss erfunden werden, sonst bekommen wir eine, die wir nicht wollen.“

Zukunftsentwürfe

Pablo Picasso sagte einmal: „Alles, was Du Dir vorstellen kannst, ist real.“ In diesem Sinne spornte John F. Kennedy 1961 eine ganze Nation an, „Wir haben uns entschlossen, einen Menschen zum Mond zu schicken und ihn wieder sicher zur Erde zurück zu bringen.“ (Kennedy 1961).“ Eine klare Botschaft, eine Geschichte mit einem Ziel, das Vorfreude auf die Zukunft weckt. „Geschichten sind das stärkste Medium der Menschheitsgeschichte“ (Welzer 2016), bestätigt der Soziologe Harald Welzer.

Narrative

Für den Entwurf einer lebenswerten Zukunft suchen viele in diesen Tagen nach passenden Geschichten, nach „Narrativen“. Das sind gesellschaftliche Erzählungen, die Sinn vermitteln, Realität erklären, Orientierung bieten. Narrative sind identitätsstiftend bzw. sollen so wirken. Sie beschreiben Gesellschaft und formen sie auch. Der Begriff Narrativ stammt aus der Soziologie.

Motor für unsere Motivation

Geschichten wirken auf Hirn und Herz, sprechen uns rational an und binden auch unsere Emotionen und unsere Ethik ein. Visionäre Geschichten befähigen uns, nicht nur in kurzatmigen Wahlperioden zu denken, sondern unsere Zukunft nachhaltig zu planen, über das Hier und Jetzt hinauszuwachsen. Sie helfen uns dabei, Durststrecken zu überstehen, Rückschläge und Widerstände zu überwinden.

Was man sich nicht vorstellen kann, wird vermutlich nicht eintreten: „Man springt nur so weit, wie man im Kopf schon ist“, erklärt Skisprung-Weltmeister Jens Weißflog den Zusammenhang. Kein Spitzensportler oder Spitzenmusiker könnte das Über-Sich-Hinauswachsen und das kräftezehrende Trainings- und Übungsprogramm bewältigen, wenn er nicht das zukünftige Glücksgefühl auf dem Siegerpodest vor Augen oder den Publikumsapplaus im Ohr hätte. Eine Kraft, die uns enormen Antrieb und Halt geben kann.

Geschichten des Gelingens von heute

Wir brauchen nicht nur Geschichten von der Zukunft. Wir brauchen auch Geschichten von heute, von bereits geglückten Projekten, die uns kleine Schritte auf dem Weg zur großen Vision zeigen, wie sie der konstruktive Journalismus zeigt, repräsentiert u. a. durch das enorm-Magazin, perspective daily, die Podcast-Reihe NDR Info Perspektiven, das Futurzwei-Magazin und TRAFO (machen, deuten, träumen) – der Zukunftsalmanach von Futurzwei. Jede Vision braucht einen konkreten Weg, ein Wie, auf welche Weise und mit welchen Aktivitäten wir eine menschliche und lebenswerte Gesellschaft gestalten können.

Die medialen Kanäle dürfen nicht von entmutigenden Fehlentwicklungen, Katastrophen und Tragödien verstopft werden. Es muss Raum bleiben für Geschichten über bereits gelungene Beispiele und Modelle einer friedlichen, gerechten und offenen Gesellschaft mit Gemeinwohl und Demokratie, mit Chancengerechtigkeit, und Naturschutz und eingepreisten Umweltkosten in ökonomischen Kalkulationen. Dafür brauchen wir Kreativität, Gestaltungswillen und Vorbilder, Freiheit und Mut.

 © Uta Thien Seitz, Pixelio.de 

Geschichten als Staatsaufgabe

„Geschichten brauchen keine Fakten, um wirkungsvoll zu sein, aber Fakten brauchen Geschichten, damit sie einen Sinn ergeben“ (und bei den Menschen ankommen), sagt Per Grankvist. Schweden hat als erstes Land einen hauptamtlichen Geschichtenerzähler engagiert, den Journalisten und Sachbuchautor Per Grankvist. Er zeigt mit Geschichten der Gegenwart,  dass es schon heute genügend Beispiele dafür gibt, wie Menschen nachhaltig leben und sich für das Allgemeinwohl einsetzen. Grankvist rückt die stillen Alltagshelden ins Blickfeld, die nicht so populär und medienpräsent sind wie Greta Thunberg, aber täglich beweisen, dass Nachhaltigkeit nicht nur Verzicht bedeuten muss, sondern einen Gewinn an Lebensqualität. Er berichtet über jene Menschen, die bereits heute klimaneutral leben.

Mit dem strategischen Innovationsprogramm Viable Cities sollen neun schwedische Städte umgestaltet und bis 2030 klimaneutral werden. Die schwedische Regierung investiert in das Programm ein Budget von 100 Millionen Euro und hat dafür mehr als 200 Partner mit an Bord geholt. Der Verbund aus Städten, Unternehmen, Hochschulen, Forschungsinstituten und Zivilgesellschaft soll wie ein Katalysator wirken, um Wissen für intelligente nachhaltige Städte zu entwickeln und zu nutzen. Viable Cities läuft von 2017-2029, die erste Phase bis 2020 wird von Vinnova unterstützt, dem schwedischen Forschungsrat Formas und der schwedischen Energieagentur, die Gastgeberorganisation ist die KTH, die Königliche Technische Hochschule in Stockholm.

Agieren oder reagieren

Fragen wir uns also selbst, was wir wollen: agieren oder reagieren? Wollen wir Spielmacher sein oder Spielball? Wollen wir unser Leben eigenständig formen oder fremdgesteuert und getrieben werden? Wie wir diese Frage beantworten, beeinflusst maßgeblich unsere Zufriedenheit und unser emotionales Wohl. Freiheit ist die Abwesenheit von Angst! Oder wie der große SciFi-Autor William Gibson einmal sagte: „Die Zukunft ist längst hiersie ist nur ungleich verteilt.“ 

Und wer prägt die Geschichten und Bilder unserer Heimat, vor allem die Zukunft in den ländlichen Regionen und den neuen Bundesländern? Davon erzähle ich in meinem nächsten Blogartikel.

Heimat(en) Teil 1: Ein wiederentdecktes Phänomen

Spekulative Arbeit: Welchen Wert hat das Immaterielle?

 © Von Glitschka, No!Spec/CreativePro.com

Was ist uns eine kreative Idee wert? Was kostet ein Ideen-Konzept, das (noch) nicht fassbar ist? Fakt ist: Ein Kreativer investiert dafür viele Stunden Recherche und gedankliche Vorarbeit. Dennoch werden Konzepte von Auftraggebern meist pro bono vorausgesetzt. Warum eigentlich?

Vorschussarbeit auf eigenes Risiko

Bevor ein Auftrag erteilt und ein Projekt finanziert wird, brauchen Auftraggeber Ideen, Konzepte, Kostenpläne – für Architektur-, Design-, Wissens-, Kultur- und  Kunstprojekte, für Ausstellungen und Publikationen, für Kreativ-Workshops und Kulturveranstaltungen. Das ist nachvollziehbar, denn wer will schon die Katze im Sack kaufen.

Unverständlich ist jedoch, dass Konzepte fast nie honoriert werden. Anders als in anderen Branchen wird von Kreativen oft kostenfreie Arbeit erwartet.  Vorschussarbeit, die der Kreative auf eigenes Risiko leistet. Spekulative Arbeit also, von der die Kreativen nicht wissen, ob sie sie jemals vergütet bekommen. Inakzeptabel, zumal zusätzlich die Gefahr besteht, dass die Ideenkonzepte von den Auftraggebern selbst realisiert oder an andere Kreative übertragen werden, die die Konzepte dann zu Dumpingpreisen realisieren. Beispiele aus der Praxis gibt es zuhauf!

Loriots Erfahrung mit spekulativer Arbeit

Über das Thema „Spekulative Arbeit“ ist schon viel und oft geschrieben worden. Es ist so alt, seit es Künstler gibt.  Schon 1950 berichtete Loriot wütend an seinen Vater: „Ich habe von der Kurverwaltung Norderney die Aufforderung erhalten, ein Werbezeichen für das Kurbad zu entwerfen. Ich soll zunächst ‚kostenlos und unverbindlich‘ Skizzen einreichen – mit der Aussicht, dass bei Gefallen eine davon erworben würde. Also ein ganz unklares, lächerliches Ansinnen. Ich gehe doch auch nicht in einen Fleischerladen, hake mir eine Wurst ab, esse sie auf und sage dann, sie schmeckt mir nicht!“ (Spaeth 2016

Immaterielle Vermögenwerte und Markterschließung

Das Finanzamt misst immaterielle Werte übrigens steuerlich mit zweierlei Maß. Warum es bestimmte immaterielle Vermögenswerte anerkennt und andere nicht, erschließt sich mir nicht immer ganz schlüssig. So können forschende, industrielle Unternehmen z. B. Ausgaben für Probebohrungen und Gebietserschließungen kostenmindernd in ihre Steuerbilanzen einbringen.

Wenn Kreativschaffende immateriell in die Markterschließung investieren, können sie dies nicht geltend machen. Das Finanzamt erkennt das nicht an. Warum eigentlich nicht? Recherchen und Konzepte dienen doch ebenfalls der Erkundung des Marktumfeldes und sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt. Ohne ein stimmiges Konzept bleiben auch Fördergelder verwehrt. 

Diese steuerliche Benachteiligung wiegt um so schwerer, weil Konzepte nur selten bezahlt bzw. vergütet werden. Auch die meist aufwändigen Antragsverfahren zur Generierung von (staatlichen) Fördergeldern müssen von den Antragstellern ohne Vergütung absolviert werden. In der Kreativbranche ist dies Alltag. Warum ist das in diesen Branchen so und in anderen nicht? Welcher Unternehmensberater würde kostenfrei Konzepte erstellen? Welcher Rechtsanwalt oder Steuerberater würde ohne Honorar Klienten beraten? 

Perspektivwechsel

Was spekulative Arbeit in anderen Branchen bedeuten würde, zeigt ein kurzer unterhaltsamer (englischsprachiger) Filmclip von Frank Zulu bzw. seiner Agentur Zulu Alpha Kilos: 

Künstlerhonorare

Auch wenn diese Vergleiche für manche hinken mögen, führt gerade der Perspektivwechsel zur erhellenden Erkenntnis, wie auch folgende kleine Geschichte des Bloggers Thomas Breuss zeigt (Breuss 2015):

Die Anfrage: „Wir sind ein kleines Restaurant und suchen auf diesem Wege Musiker, die bei uns spielen wollen, um bekannt zu werden. Wir können zwar keine Gage zahlen, aber wenn die Musik bei unseren Gästen ankommt, können wir an den Wochenenden Tanzveranstaltungen anbieten. Wenn Sie also bekannt werden möchten, melden Sie sich bei uns.“

Die Antwort: „Wir sind eine Gruppe Musiker, die in einem recht großen Haus wohnt. Wir suchen ein Restaurant, das gelegentlich bei uns Catering macht, um bekannt zu werden. Wir haben zwar kein Geld, aber wenn allen Ihr Essen schmeckt, können wir das gern regelmäßig machen. Das wäre eine gute Reklame für Ihr Restaurant. Melden Sie sich gerne bei uns.“

Dass solche Anfragen Alltag sind, zeigt folgende Reklame des Berufsverbandes bildender Künstler Berlin, der für die Belange seiner Mitglieder so warb:
„Ich bin ein Künstler. Das bedeutet nicht, dass ich umsonst arbeite. Meine Rechnungen muss ich bezahlen wie Sie auch. Danke für Ihr Verständnis!“

 © soundpool-records.com

Selbsterfahrung

Mich selbst erreichen immer wieder Anfragen für kostenfreie Texte, Konzepte, Vorträge u. ä. Meist kommen sie von Veranstaltern oder von festangestellten Mitarbeitern aus Behörden, Kommunen, Verlagen und Vereinen. Ich betone das deshalb, weil ein Selbständiger nie auf die Idee käme, einen anderen Selbständigen bitten würde, ohne Honorar zu arbeiten. Stellen Sie sich andererseits einmal vor, man würde einen Festangestellten bitten, ohne Lohn zu arbeiten…

Kürzlich schickte mir ein Dachverband mit 8 Millionen! Mitgliedern in Deutschland eine Anfrage. Man bat mich im Erstkontakt um einen vierseitigen Magazinartikel mit viel fachlichen Expertise. Ich bekundete zunächst mein grundsätzliches Interesse und erkundigte mich nach dem Honorar. Erst auf meine Nachfrage hin, teilte man mir mit, dass es kein Honorar gäbe (s.u.). Autoren würden ihren Beitrag „als persönliche Unterstützung eines gemeinsamen Anliegens“ honorarfrei zur Verfügung stellen. Ich lehnte ab und verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nur unter dieser Voraussetzung könne ich solche honorafreien Anfragen leisten. Solange es das BGE nicht gibt, muss ich als selbständige Unternehmerin mein Einkommen mit bezahlten Aufträgen finanzieren. 

Weiteres Praxisbeispiel 

Während ich diesen Artikel schreiben, entdecke ich in den sozialen Medien einen Wettbewerbsaufruf für die künstlerische Gestaltung einer Hausfassade eines öffentlich geförderten Vereins. Da heißt es: „Zu gestalten sind 174 x 60 cm große Flächen, die sich in unsere Hausfassade integrieren. Dafür werden PVC Platten mit den Kunstwerken in den dafür vorgesehenen Nischen befestigt. Unter allen Einsendungen werden neun Kunstwerke für die Gestaltung der Fassade ausgewählt. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unseren Aufruf teilen könnten und freuen uns auf die Einreichungen.“ Auf die Nachfrage, welches Honorar für die Teilnahme am Wettbewerb gezahlt werde bzw. wie hoch ist das Preisgeld für den/die Gewinner/in sein, kam diese Antwort: „Es gibt tatsächlich keinen materiellen Gewinn. Die KünstlerInnen erhalten eine Fläche im öffentlichen Raum zur freien Gestaltung und haben zudem die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun und einem soziokulturellen Zentrum dabei zu helfen, dass an dessen Fassade statt „XY“ coole Kunst zu sehen gibt. Das klingt erstmal nicht viel, soll aber KünstlerInnen zu Beteiligung und Mitgestaltung … anregen.“

 © bbk berlin e.V.

Umdenken

Unsere Gesellschaft braucht generell ein anderes Verhältnis im Umgang  mit Ideen und immateriellen Werten. Nicht alles lässt sich beziffern und hat dennoch einen Wert: Was kosten Vertrauen, Zufriedenheit, ein Lächeln, ein Dankeschön?  Welchen Preis haben Freiheit und Wissen, Gesundheit und soziale Bindung, Wertschätzung und Vertrauen, Liebe und Freundschaft, Arbeitskraft und Resilienz? Wie beziffert man den Wert des Immateriellen?  Werte bemessen sich nach Emotionen. Das zeigen Marken ebenso wie die Preise am Kunstmarkt und an der Börse. Mehr Psychologie als Berechnung.

Der Wirtschaftsjournalist Wolf Lotter plädiert für ein generelles Umdenken. Nach der Industriegesellschaft brauche es in der Wissensgesellschaft eine „Ideenwirtschaft der Vielfalt“, deren Schlüsselbegriff Qualität sei, denn: „Ideenleistungen sind keine Frage der Stechuhr.“ (Lotter 2009, S. 12) 

Immaterielles neu bewerten

Immaterielle Werte sind zudem häufig subjektiv und können nur über Umwege gemessen werden: Follower, Klickzahlen, Seitenimpressionen, Voraussagen, Bewertungen durch Ratingagenturen oder Kunstexperten. Werte hängen stark mit Vertrauen, Glaubwürdigkeit und einem guten Gefühl zusammen, mit der „Frage nach dem Warum“ (vgl. Sinek 2014). Wer erklären kann, wofür die eigene Organisation oder Institution steht, ohne dabei quantitativ messbare Kriterien anzuführen, wie Preis oder Funktion, ist auf dem richtigen Weg. Nicht das Was entscheidet, sondern das Warum! Das Warum deutet auf innere, biografische und emotionale Schubkräfte und zeigt, welcher Sinn im Mittelpunkt des eigenen Tuns steht.

Geld mag ein probates Mittel sein, um Produkte oder Dienstleistungen zu bewerten. Die wirklich wichtigen Werte können nicht mit Geld bemessen werden. Ohne emotionalen Wohlstand zählt materielles Vermögen wenig. Nur weil jemand viel Geld verdient, heißt das nicht, dass er auch Werte erzeugt (siehe Hedgefonds, Rohstoffwetten). Im Umkehrschluss: Wenn jemand nur wenig Geld für seien Arbeit erhält (siehe KindergärtnerInnen, (Alten-)PflegerInnen, FriseurInnen), bedeutet das nicht zwingend, dass er/sie keine oder nur geringe Werte schafft.

Initiative für faire Arbeitsbedingungen

Für angemessene Honorare und faire Arbeitsbedingungen engagiert sich u. a. die Initiative artbutfair. Sie ist Dach für drei gemeinnützige Vereinen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Sitz des deutschen Vereins ist Hamburg. Auch der Deutsche Kulturrat unterstützt die Initiative (Kurzdarstellung auf S. 5), die Missstände in der Praxis sichtbar machen will, Veranstaltungen ausrichtet und auf Austausch setzt. 

Erklär-Trickfilm – Was ist spekulative Arbeit?

Hutsalon, Kürschnerei, Kreativ-Hof und Schmiede in Mecklenburg-Schwerin

 © Albrecht E. Arnold, Pixelio.de

Podcast MK 39: Manufakturen Teil 4 im Garten-und Seenland Mecklenburg-Schwerin

Der Hutsalon Rieger in Schwerin

Fein herausgeputzt: Sagen Sie bloß nicht „Hutmacher“. Damit outen Sie sich als kompletter Dilettant. Genoveva Rieger und ihre Tochter Marie-Antonett sind „Putzmacherinnen“. http://hutsalon-rieger.de

Die Kürschnerei Götz Weidner in Schwerin

Ein Pelz fürs Leben: Wer bei der Kürschnerei an reiche, alte Damen in schweren, langen Pelzmänteln denkt, erlebt im Atelier von Götz Weidner in Schwerin eine Überraschung. Flauschig, leicht und kurz geschnitten sind die Jacken in der Auslage. http://www.weidner-pelze.de

Der Rothener Hof

Selbermachen als Wertschätzung: Am Anfang war der Kuhstall. Ein architektonisch reizvolles Gebäude, zu schade, um es verfallen zu lassen. Und so gründete sich im Jahr 2000 in Rothen ein Verein, um den Kuhstall zu erhalten und wieder zu beleben. Heute sind dort sieben verschiedene Werkstätten angesiedelt, und jeder Handwerker besetzt eine besondere Nische. Eine Metallwerkstatt, eine Möbeltischlerei, eine Druckerei mit Handpressen, eine Obst-Mosterei und eine Gaststätte bilden die Gemeinschaft im Rothener Hof. Wirtschaftlich gesehen, ein „Mikro-Cluster“, der perfekt ineinander greift und immer weiter wächst. 2009 eröffnete die Glas- und Medienkünstlerin Daniela Melzig ihr Atelier. Achim Behrens ist von Haus aus eigentlich Tischler. http://www.rothenerhof.de

Die Schmiede Radsack in Stresdorf

Familienbetrieb der Zukunft: Tradition bedeutet, das Althergebrachte nicht nur kommenden Generationen zu überliefern, sondern immer weiter zu entwickeln und neuen Bedürfnissen anzupassen. Manchmal entsteht daraus wie im Handumdrehen ein neuer Geschäftszweig. So war es in der Schmiede Radsack in Stresdorf bei Gadebusch. Birger und Coco Radsack suchten eigentlich nur nach einer Unterbringung für ihren Praktikanten. Herausgekommen sind schließlich hochmoderne mobile Wohnungen, neudeutsch: Tiny houses genannt.

https://www.schmiede-radsack.de

Die Interviews führte meine Verlagskollegin Corinna Hesse. Sie hat mit den kreativen Machern gesprochen – über das Handwerk, über das Leben, über die Zukunft.

Besuchen Sie mit uns 16 Manufakturen (Beitragsreihe und Podcast in vier Teilen) und ihre schöpferischen Inhaber.

Teil 1: Mode- und Möbeldesign, Goldschmiede, Buchdruck: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 2: Holzbildhauerei, Taschenmanufaktur, Uhren, Kindermöbel: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 3: Porzellan- und Textilmanufaktur, Gravur-Atelier: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 4: Hutsalon, Kürschnerei, Kreativ-Hof und Schmiede: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Kulturlandschaften im Norden

Die ManufakTouren-Route entstand für die Metropolregion Hamburg im Rahmen des Leitprojektes KulturLandschaftsRouten (2016-2018). Entwickelt wurden insgesamt fünf neue Erlebnisrouten sowie Hörgeschichten mit je 15 bis 20 Tracks pro Region, die zu Hause oder per Smartphone auch unterwegs gehört werden können.

 

Porzellan- und Textilmanufaktur, Graveur-Atelier in Mecklenburg-Schwerin

 © Kurt Michel, Pixelio.de

Podcast MK 38: Manufakturen Teil 3 im Garten-und Seenland Mecklenburg-Schwerin

Die erste Mecklenburgische Porzellanmanufaktur in Sukow

Gefäße aus Licht: Um aus Tonerde das „weiße Gold“ herzustellen, braucht es Geduld. Die Werkstatt von Kerstin Behrens in Sukow ist zweigeteilt. Die erste Abteilung ist der „Manschraum“. Hier wird die Porzellanmasse zusammengerührt und gebrannt. Dann beginnt Kerstin Behrens im lichtdurchfluteten Atelier zu malen. Vor dem ersten Pinselstrich allerdings kommt eine Art Ritual. http://porzellan-manufaktur.de

Die Manufaktur Basthorst

Filzen als Philosophie: Wer die Textilgestalterin Claudia Stark in ihrer Manufaktur Basthorst bei Crivitz besucht, gewinnt zunächst vor allem eins: Zeit!
https://claudia-stark.jimdo.com/werkstatt-laden

Die Graveurmeisterin Carola Frericks in Schwerin

In der Tiefe glänzend: Ein Frauenberuf, der auf die Knochen geht. Wenn Carola Frericks in ihrem Atelier in der Schweriner Münzstraße den Stichel in das Metall treibt, dann ist das Schwerstarbeit. http://www.gravur-manufaktur.de

 Die Interviews führte meine Verlagskollegin Corinna Hesse. Sie hat mit den kreativen Machern gesprochen – über das Handwerk, über das Leben, über die Zukunft.

Besuchen Sie mit uns 16 Manufakturen (Beitragsreihe und Podcast in vier Teilen) und ihre schöpferischen Inhaber.

Teil 1: Mode- und Möbeldesign, Goldschmiede, Buchdruck: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 2: Holzbildhauerei, Taschenmanufaktur, Uhren, Kindermöbel: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 3: Porzellan- und Textilmanufaktur, Gravur-Atelier: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 4: Hutsalon, Kürschnerei, Kreativ-Hof und Schmiede: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

 

Kulturlandschaften im Norden

Die ManufakTour-Route entstand für die Metropolregion Hamburg im Rahmen des Leitprojektes KulturLandschaftsRouten (2016-2018). Entwickelt wurden insgesamt fünf neue Erlebnisrouten sowie Hörgeschichten mit je 15 bis 20 Tracks pro Region, die zu Hause oder per Smartphone auch unterwegs gehört werden können.

Regeln brechen: Kreativität in verschiedenen Kunstsparten

 © Dietrich Schneider, pixelio.de

Kreativ zu sein heißt: Normen außer Kraft zu setzen. In Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft hat es immer wieder Vorreiter und Pioniere gegeben, die etwas anders gemacht haben, die Sichtweisen, Höreindrücke, Gefühle „ver-rückt“ und unsere Gegenwart auf besondere Weise revolutioniert haben. Anbei einige inspirierende Beispiele. 

© MassivKreativ

Kreativität im Film

Mit ihren Satiren haben sich die britischen Monty Pythons in die Filmgeschichte eingeschrieben. „Das Leben des Brian“ hinterfragt couragiert christlich-jüdische Überlieferungen. Der Vorgängerfilm „Die Ritter der Kokosnuss“ (The holy grail) behandelt in satirischer Weise die Sage von König Artus und die Suche nach dem heiligen Gral. Wegen des spärlichen Produktionsetats können die Schauspieler weder Reitunterricht nehmen noch Pferde anmieten. Die kreative Lösung: Sie gehen zu Fuß und imitieren den Ritt hoch zu Ross selbst galoppierend ohne Pferd, so wie Kinder es tun, während der dahinter laufende Knappe zwei Kokosnüsse aufeinanderschlägt. Die Illusion ist liebenswert und nahezu perfekt.

„Effectuation“ (Faschingbauer 2010) ist das Zauberwort: Wie kann ich mit begrenzten Mitteln meine Ziele erreichen und mir trotz Ungewissheit Sicherheit schaffen? Indem ich mich auf mich selbst fokussiere: Was habe ich? Was kann ich? Mit wem kann ich zusammenarbeiten? Kreativität zeigt sich darin, mit Begrenzungen klar zu kommen. Das macht erfinderisch und kooperativ!

© MassivKreativ

Kreativität im Theater

Reale Rollensimulationsspiele hat die Theatergruppe Rimini Protokoll zu ihrem Markenzeichen gemacht. Gemeinsam mit dem Publikum spielt sie buchstäblich Politik-, Alltags- und Zukunftsszenarien durch. Bei einem Weltklimagipfel werden die Besucher verschiedenen Länderteams zugeordnet, an lebensecht mit Eis und Wüste inszenierten Stationen von echten Wissenschaftlern über den Klimawandel und dessen Auswirkungen informiert. Am Ende muss jeder Zuschauer über das Budget entscheiden, dass sein Länderteam bereit ist, in einen Klimarettungsfond einzuzahlen. Eine Simulation, die berührt, bewegt, zum Nachdenken und aktiven Handeln motiviert: „Das Schauspiel zeigt dem Menschen, wer er ist oder doch sein könnte.“ (Hüther / Quarch, 2016, S. 138) 

In ihrem dokumentarischen Theater spiegelt die Regisseurin Angela Richter aktuelles Zeitgeschehen. In ihrem crossmedialen, interdisziplinären Stück Supernerds – ein Überwachungsabend vereint sie Interviews mit Whistleblowern und Netzaktivisten, wie Julian Assange und Edward Snowden, Überwachungstechnik und Bürgerängste. Das verstörte Publikum im Saal erlebt hautnah, wie leicht es für die Theatermacher ist, an ihre Daten zu gelangen.

 © MassivKreativ

Kreativität in der Aktionskunst

Wie bleibt Erinnerungskultur lebendig? Das Internet-Projekt Yolocaust von Shahak Shapira gibt eine eigenwillige Antwort. Der israelische Satiriker kombinierte aktuelle Selfies vom Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bildmaterial aus den Vernichtungslagern der Nazis. Die Fotos mit lachenden, springenden, skatenden und radelnden Protagonisten am Mahnmal hat Shapira in sozialen Netzwerken gefunden. Im Zuge der Berichterstattung haben viele Selfie-Urheber ihre unreflektierten Aktionen überdacht und ihre Fotos gelöscht. Shapira stellte „Yolocaust“ ein, weil er sein Ziel erreicht sah, die Ermordung von sechs Millionen Menschen präsent zu halten. Den interaktiven Austausch über den Umgang mit der Vergangenheit führt der Künstler mit weiteren Aktionen fort. 

Die Künstlerin und Medienkunstprofessorin Christin Lahr überweist seit Mai 2009 jeden Tag einen Cent auf das Konto des Bundesfinanzministeriums. Sie nutzt Überweisungsträger als textbasiertes Medium und trägt in den Verwendungsnachweis Zitate aus dem „Kapital“ von Karl Marx ein, z. B. „Springquellen allen Reichtums: Erde und Arbeiter.“ (Interview mit Lahr 2010)

 © MassivKreativ

Kreativität im Design

Ökovisionär Michael Braungart hat das Nachhaltigkeitskonzept „Cradle to Cradle“ („von der Wiege zur Bahre“) entwickelt. Es entspricht dem Kreislaufprinzip der Stoffe auf der Erde. Vor diesem Hintergrund hat der Designer Carsten Buck für eine norddeutsche Biomolkerei eine neuartige Milchflasche mit rundem Boden entworfen: den MilkTumbler. Die Flasche kann ohne Wertverlust in einem geschlossenen Kreislauf zirkulieren. Ein interdisziplinäres Team entwickelte dafür ein innovatives, polyesterartiges Material, den Bio-Rohkunststoff PLA, englisch: „polylactic acid“. Das Abfallprodukt der Käseherstellung kann beliebig oft und ohne Qualitätsverlust eingeschmolzen und wiederverwertet werden.

Kreativität in der Fotografie

Die US-Amerikanerin Taryn Simon erklärt Politik mit Blumen. Sie reist zu internationalen politischen Abkommen und fotografiert dort Blumengestecke. Bei Friedensabkommen z. B. verbinden sich häufig zwei typische Blumenarten der jeweiligen Länder, bei multilateralen Abkommen werden gerne neutrale Grünpflanzen gewählt. Farben haben starke Symbolkraft. „Auf den ersten Blick sind Blumen einfach nur Blumen“, sagt die Fotografin. „Erst auf den
zweiten Blick versteht man, dass sie ein voll integrierter Bestandteil unseres Gesellschaftssystems sind. Nicht einmal Blumen können dem System entkommen.“ (Simon 2016

Kreativität in der Mode

Yves Saint Laurent hat das Frauenbild revolutioniert. Bei ihm gab es weder Wespentaille noch Schulterposter. Er schuf den emanzipierten Damen-Smoking, den Hosenanzug, inspiriert von Künstlern wie Mondrian, Picasso, Matisse und Braque, gefertigt aus weichen, fließenden Stoffen, zuweilen durchsichtig. „Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben. Yves Saint Laurent gibt ihnen die Freiheit der Macht.“ (Bergé / Hahn 2008)

© MassivKreativ

Kreativität in der Architektur

In der Renaissance hat die Bankiersfamilie der Medici demonstriert, dass unternehmerischer Erfolg und visionäre Ideen Kunst und Architektur beflügeln können. Wirkungsstätte der Medici war Florenz, ein Umschlagplatz für Luxusgüter. Die Medici führten den Wechsel als Zahlungsmittel ein und erleichterten Bankfilialen in ganz Europa den Zahlungsverkehr. Cosimo de‘ Medici kombinierte grundverschiedene Geschäftsfelder, was auf seinen vielseitigen Interessen und seiner Offenheit beruht. Er pflegte mit jedem einen respektvollen Umgang, sprach mit Lieferanten ebenso auf Augenhöhe wie mit Politikern, dem Adel und mit Künstlern, die er von überall her nach Florenz holte. Die soziale Durchlässigkeit und sein Sinn für vielseitige Teams aus Bauplanern, Zeichnern, Steinmetzen, Holzschnitzern und Malern ermöglichte herausragende Bauwerke. Der Medici-Effekt (zu Fürstenberg 2012) wurde sprichwörtlich zum Symbol für interdisziplinäre, gleichberechtigte Zusammenarbeit. 

More than Shelters_01_Antje HinzMore than Shelters_01_Domo_Antje Hinz  © MassivKreativ

In unserer Zeit arbeitet der Künstler Daniel Kerber interdisziplinär mit Architekten, Designern, Sozialwissenschaftlern, Politologen, Materialforschern, Nähern, Outdoor-Spezialisten und Geflüchteten zusammen. Kerber hat sich intensiv mit dem Thema Mensch und Raum beschäftigt, viele Länder bereist und vor allem in Flüchtlingslagern geforscht. Seine Erfahrungen mündeten in das modulare Zeltsystem „Domo“ seines Sozialunternehmens morethanshelters. Geflüchtete können die mobilen Unterkünfte an die Familiengröße, an kulturelle Gewohnheiten und klimatische Bedingungen beliebig anpassen. 

© MassivKreativ

Kreativität in der Presse

Inhalt oder Form: Was gilt als kreativ und innovativ? Die Digitalisierung hat den Pressemarkt heftig erschüttert. Der Qualitätsjournalismus kämpft um sein Überleben. Tragfähige Geschäftsmodelle werden verzweifelt gesucht. Hoffnungen gelten dem konstruktiven Journalismus, „Geschichten des Gelingens“ (vgl. Welzer 2016a), gut recherchierten, tiefsinnigen Ereignissen oder spektakulären Vorfällen sowie neuen Vermittlungsformen. Empathie für fremde Lebenswelten und Abenteuer soll mit Virtual Reality und immersivem Journalismus gelingen. Digitales Storytelling wird von Journalisten und Medienproduzenten neu ausgelotet. Wie fühlt sich die Flucht auf einem völlig überfüllten Schlauchboot an? Mit einer VR-Brille wird diese Erfahrung zur traumatischen Tortur. Der US-Journalist James Pallot von der Medienschmiede „Emblemeticgroup“ glaubt: „Wir können mit Virtual Reality Nachrichteninhalte begreifbar machen, die andernfalls zwischen den Zeilen verloren gehen.“ (Pallot 2016) Zugleich bleibt die Verantwortung der Medien, durch 3D und VR die Berichterstattung nicht unnötig zu dramatisieren und zu manipulieren. Journalistische Sorgfalt und ethische Grundsätze müssen immer gewahrt bleiben. 

Der ehemalige CIA-Mitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden lebt untergetaucht an einem geheimen Ort in Russland und wird wahrscheinlich nie wieder ein
normales Leben führen. Snowdens Enthüllungen geben Einblick, welches Ausmaß die weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten genommen haben. In einem Exklusivinterview berichtet er 2013 der britischen Tageszeitung „The Guardian“: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben.“ (Snowden 2013)

  © Niko Korte, pixelio.de

Kreativität im Werbemarkt

Das Peng!-Kollektiv entwickelt subversive Aktionskunst, um die Gesellschaft zu mutigerem Handeln zu bewegen. Mit zivilem Ungehorsam und kreativen Ideen infiltrierte die Gruppe mehrmals Veranstaltungen mit falschen Identitäten. Zum Rohstoffkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie verteilte sie 2014 kleine Bäumchen, gestaltete Flyer und Website im Corporate Design des BDI mit dem Hinweis: „Da wir zur Herstellung deutscher Hightechprodukte auf Metalle aus Konfliktregionen angewiesen sind, pflanzen wir im Gegenzug für jedes Opfer einen Baum. Auf diese Weise wird der BDI seiner sozialen Verantwortung gerecht und trägt darüber hinaus zu einer verbesserten CO2-Bilanz der deutschen Industrie bei.“ (Peng!-Kollektiv 2014) Nur wenigen fiel der Fake sofort auf.

Die Schweizer Aktionskünstler Frank und Patrik Riklin vom Atelier für Sonderaufgaben bewerben urbane und ländliche Orte mit ungewöhnlichen Kampagnen. Ihr
Quatschmobil fährt nur, wenn sich Gäste und Fahrer unterhalten. Gesprächsstoff wird zum Treibstoff! Umso mehr, wenn dabei Weltverbesserungsideen geschmiedet werden. Um das soziale Miteinander geht es auch im preiswerten „Null-Stern-Hotel“. Statt einsam Luxus zu genießen, sollen Hotelgäste neue Bekanntschaften schließen, was in dem fensterlosen Bunker im Großraum ohne Trennwände mühelos gelingt. Im Sommer offerieren die Riklin-Brüder auf einer Bergwiese in 1700 Metern Höhe ein einzeln stehendes Doppelbett. Für die vielen Sterne unter freiem Himmel postulieren die Zwillinge einen Übernachtungspreis von etwa 230 Euro.

© MassivKreativ

Kreativität durch Software und Games

Mit quelloffener kostenloser Open-Source-Software, an deren Entwicklung jeder Bürger kreativ mitwirken und teilhaben kann, demokratisierten die meist ehrenamtlichen Akteure den IT-Markt, z. B. mit Linux. Open Source hat verschiedene Ursprünge und Vorläufer, u. a. die Do-it-yourself-Initiativen und die Hacker-Bewegung, die aktuelle Beispiele in der Maker-Szene, den FabLabs und TechShops finden. 

  © MassivKreativ

Auch Wikipedia ist Ausdruck von Demokratisierung, Teilhabe, geteiltem Wissen, aber gleichzeitig auch von Disruption. Die traditionsreiche Brockhaus-Enzyklopädie wurde 2015 ein letztes Mal gedruckt und von der Online-Bibliothek ersetzt. Wikipedia wird gegenwärtig von rund zwei Millionen ehrenamtlicher Autoren der gemeinnützigen Open Knowledge Foundation mit Inhalten gefüllt (Wikimedia 2016). 

Prozesse spielerisch zu durchdenken und zu simulieren, kann Risiken senken und enorme Kosten sparen. Planspiele, übertragen auf elektronische Games und Apps, bieten geschützte Bedingungen, etwa für Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr, ebenso Fehlerkultur für medizinisches Personal in der Notaufnahme von Krankenhäusern, für Spezialkräfte auf Bohrinseln, für Produzenten und Logistiker von Gefahrengütern. In kreativ aufbereiteten Szenarien nehmen die Akteure verschiedene Sichtweisen ein, erkennen Zusammenhänge zwischen Abläufen und Prozessen, Ursache und Wirkung und üben dabei korrekte Kommunikationsmuster ein. Der beim Spielen typische Rollenwechsel steigert Lernerfolg und Erkenntnisgewinn.

Das engagierte Entwicklerstudio „Blindflugstudios“ aus der Schweiz hat ein serious game geschaffen, das die Sorgen und Nöte von Geflüchteten nachfühlbar macht. Beim Tablet-Spiel Cloud Chaser erlebt der Spieler die Flucht eines Vaters mit seiner kleinen Tochter durch die Wüste mit, schlüpft in die Rolle der beiden Protagonisten, durchlebt ihren gefahrvollen Weg, ihre ständige Todesangst. Das Spiel sensibilisiert für die Situation von Menschen auf der Flucht.

  © MassivKreativ

Kreativität im Kunsthandwerk  

Die Grüne Werkstatt Wendland im ehemaligen Postamt in Lüchow bringt im Rahmen von Starter-Camps junge Designer mit regional tätigen Handwerkern zusammen, u. a. mit Töpfern, Tischlern, Drechslern, Korbflechtern, Buchbindern, Textilgestaltern, Glasbläsern, Metallbauern und (Gold-)Schmieden. In der niedersächsischen Elbtalaue wachsen Kopfweiden, die regelmäßig beschnitten werden müssen. Für die Weidenruten haben Kunsthandwerker und Designer innovative Produkte und Verwendungsmöglichkeiten gefunden, aus deren Verkauf sich die Pflege der Weiden langfristig finanzieren lässt. Das leichte, weiche Weidenholz eignet sich u. a. zu Befestigungszwecken in Baumschulen, für Kisten und Schachteln sowie als Wirkstoff für fiebersenkende Substanzen.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich besondere Manufakturen angesiedelt, die aus regionalem Material (z. B. Ramona Stelzer – Fischleder) oder aus recycelten Stoffen (alte Pelze) neue originelle und außergewöhnliche Produkte herstellen. Ein spezieller Audioguide, realisiert im Auftrag der Metropolregion Hamburg vom Silberfuchs-Verlag, lädt zu einer ManufakTour durch das Garten- und Seenland Mecklenburg-Schwerin ein: Podcast 1 / Podcast 2 / Podcast 3 / Podcast 4

Quellen und Literaturhinweise:

Faschingbauer, M. (2010): Effectuation: Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag.

Hüther, G. / Quarch, C. (2016): Rettet das Spiel. München: Carl Hanser Verlag.

Fürstenberg, J. zu (2012): Die Wechselwirkung zwischen unternehmerischer Innovation und Kunst. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Renaissance am Beispiel der Medici. Wiesbaden: Springer Gabler Verlag.

Holzbildhauerei, Taschenmanufaktur, Uhren, Kindermöbel in Mecklenburg-Schwerin

 © Jürgen Dackweiler, Pixelio.de 

Podcast MK 37: Manufakturen Teil 2 im Garten-und Seenland Mecklenburg-Schwerin

Die Holzbildhauermeisterin Silke Krempien in Schwerin

Auf Spurensuche: Für die einen ist es ein Stück Holz. Für Silke Krempien offenbart sich das Geheimnis eines Baumlebens, wenn sie den Rohstoff für ihre Kunstwerke in den Händen hält. Denn in jedem Holz lässt sich das Wachstum des Baumes nach-lesen. http://www.gedok-mv.eu/kuenstlerinnen/krempien.html

Die Taschen-Manufaktur Red Rebane in Schwerin

Mein Freund, der Rucksack: In der offenen und lichtdurchfluteten Werkstatt von Christian Karius und Stephan Porth in der Schweriner Möwenburgstraße wird alles noch von Hand gefertigt. Christian entwirft neue Designs und schneidet die Stoffe zu, zwei Näherinnen fügen alles zusammen. Stephan ist für den Einkauf zuständig. https://www.red-rebane.de

Der „Klockenschauster“ von Schwerin

Alles zu seiner Zeit: Eigentlich heißt er ja Hans-Joachim Dikow. Aber er ist eine Instanz in der Schelfstadt von Schwerin. Und als solche wird der Uhrmacher einfach „Klockenschauster“ genannt. https://www.de-klockenschauster.de

Kindermöbel aus Dömitz

Schnurstracks eingenommen: Viele Erfinder entwickeln ihre Ideen aus einem eigenen Bedürfnis heraus und gar nicht in erster Linie für einen Markt. Aber wo ein eigenes Bedürfnis ist, könnte es ja sein, dass auch andere Menschen so etwas brauchen. So wurden Tim und Sabine Schinkel zu Produzenten von Kindermöbeln. https://www.timkid.de

Die Interviews führte meine Verlagskollegin Corinna Hesse. Sie hat mit den kreativen Machern gesprochen – über das Handwerk, über das Leben, über die Zukunft.

Besuchen Sie mit uns 16 Manufakturen (Beitragsreihe und Podcast in vier Teilen) und ihre schöpferischen Inhaber.

Teil 1: Mode- und Möbeldesign, Goldschmiede, Buchdruck: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 2: Holzbildhauerei, Taschenmanufaktur, Uhren, Kindermöbel: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 3: Porzellan- und Textilmanufaktur, Gravur-Atelier: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 4: Hutsalon, Kürschnerei, Kreativ-Hof und Schmiede: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

 

Kulturlandschaften im Norden

Die ManufakTouren-Route entstand für die Metropolregion Hamburg im Rahmen des Leitprojektes KulturLandschaftsRouten (2016-2018). Entwickelt wurden insgesamt fünf neue Erlebnisrouten sowie Hörgeschichten mit je 15 bis 20 Tracks pro Region, die zu Hause oder per Smartphone auch unterwegs gehört werden können.

Kreativität: woher und wohin? Eine Bestandsaufnahme

 © Rainer Sturm, pixelio.de

2009 hat die EU-Kommission erklärt, bei allen Bürgern „kreative und innovative Fähigkeiten als Schlüsselkompetenzen durch lebenslanges Lernen“ zu fördern und rief das „Europäische Jahr der Kreativität und Innovation“ aus: „Kreativität ist eine menschliche Eigenschaft, die sich in vielen Kontexten manifestiert, angefangen bei Kunst und Design über Handwerk bis hin zum Fortschritt in Wissenschaft und Technik und zu Unternehmertum und sozialer Innovation. Innovation ist die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen, die aus der Kreativität eines Menschen hervorgegangen sind. Die eng miteinander verknüpften Fähigkeiten Kreativität und Innovation kommen daher gleichermaßen dem wirtschaftlichen und sozialen wie auch dem künstlerischen Bereich zugute.“ (EU-Parlament 2008) 

Allzweckwaffe

Wird Kreativität zu inflationär beschworen, als „Universaltherapeutikum“ und allmächtige Problemlöserin missbraucht? Nicht nur Künstler empfinden zuweilen Unbehagen gegenüber ihrer Ökonomisierung und Funktionalisierung. Gedeiht Kreativität nicht vor allem beim zweckfreien Forschen? „Kreativität fängt da an […], wo der Verstand aufhört, das Denken zu behindern“ (Huchler / Jansen 2009, S. 5), konstatieren die Sozialwissenschaftler Andreas Huchler und Stephan A. Jansen. Oder führt uns eher das bewusste Nachdenken über die Welt zu neuen innovativen Erkenntnissen?

  © Dieter Schütz, pixelio.de

Definition

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Doris Rothauer stellt fest: „Es gibt keine einheitliche Definition, keinen Konsens darüber, was Kreativität ist, wie sie entsteht und wie sie wirkt. Sie ist, was ihrer Natur entspricht: nicht planbar, nicht messbar, nicht zuordenbar, nicht auf Knopfdruck abrufbar.“ (Rothauer 2016, S. 32)
Weil wir ständig den Drang haben, unsere Welt zu ordnen, zu strukturieren und zu planen, ist Kreativität abseits der Kunst in den meisten anderen Lebensbereichen eine Herausforderung. Vor allem in konservativen Institutionen, wo Hierarchien häufig spontane und neue Ideen behindern, um so mehr, wenn sie bestehende Strukturen zur Disposition stellen.

Joachim Funke, Professor für Psychologie an der Universität Heidelberg, hat eine Erklärung gefunden, die sich am Markt orientiert: „Kreativität bedeutet das Hervorbringen eines neuen, individuell oder gesellschaftlich nützlichen Produkts. Ein Produkt, das nicht durch Routineverfahren erzeugt werden kann… Kreativität ist ein Erfolgsgeheimnis der Evolution: Schaffe zufällige Mutationen und schaue, was sich bewährt.“ (Jetzt, 11.05.2018).

Alles immer auf Anfang

Am Anfang einer Kreation steht sinnbildlich das leere, weiße Blatt. Für die einen ein Alptraum mit Versagensängsten, für die anderen die Hoffnung auf den großen Wurf. So oder so: Es ist die Geburtsstunde für Künstler und Entrepreneure, die etwas Eigenes „unternehmen“ wollen, und ebenso für Intrapreneure, die als Mitarbeiter eigenverantwortlich tätig sein möchten und es auch dürfen. Kreativ zu werden heißt, weiße Flecken, Leerstellen in unserer Gesellschaft zu erkennen, die andere Menschen nicht sehen, Fragen zu stellen und Lösungsansätze zu finden. Der Psychologe und Autor Frank Berzbach erklärt es so: „Kreative haben die Unzufriedenheit mit dem real Existierenden in ihr Leben eingebaut: wem die bisherigen Lösungen nicht ausreichen, […] wird schöpferisch tätig […] Kreativität wird zur Lebensform, wenn wir nicht aufhören darüber nachzudenken, […] wie wir die Welt besser hinterlassen.“ (Berzbach 2013, S. 21, 165)

 © Irene Lehmann, pixelio.de

Begriffsklärung

Kreativität wurzelt im Schöpferischen, „creare“ bedeutet „schöpfen“: etwas Neues, Originelles, noch nie da Gewesenes. Kreationen entstehen zunächst im Kopf und bahnen sich dann ihren Weg nach außen. Kreativität bedeutet Originalität! Wir sind überrascht und berührt, wenn wir zum allerersten Mal etwas Unerhörtes, Ungesehenes oder Ungefühltes erleben. Kreative Ideen helfen uns dabei, unser alltägliches Tun zu reflektieren, Routinen aufzugeben, Perspektiven zu wechseln.

Wenn wir unsere Sichtachsen ändern, nehmen wir die Welt anders wahr und können uns neuen Dingen öffnen. Neue Inhalte brauchen häufig auch neue Strukturen. Die alten Strukturen über Bord zu werfen und Experimente mit ungewissem Ausgang zu wagen, erfordert Mut. Wer kreativ sein will, muss kühn und furchtlos agieren!

 © Daniel Stricker, pixelio.de

Kreativität als Zukunfts- und Wirtschaftsfaktor

Auf dem Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos wurde Kreativität zum drittwichtigsten Faktor der Wirtschaft erklärt. Doch im Alltagsgeschäft überwiegt die Angst vor offenen Prozessen mit ungewissem Ausgang. Jede beherzte Entscheidung erfordert Verantwortung für deren Folgen. Kreativität ist ein unberechenbares Gewächs, ein unkontrollierbarer Freigeist. Einem Projekt bzw. einer Entwicklung freien Lauf zu lassen, so wie Künstler und Kreative es tun, ist für viele Akteure in der Wirtschaft und im öffentlichen Sektor nach wie vor eine Herausforderung. Ein Ziel nicht linear anzupeilen, sondern auch Umwege und Überraschungen zuzulassen, erscheint ungewohnt. Vielleicht fällt es deshalb noch schwer, Kreativität außerhalb von Kunst und abseits der Kultur- und Kreativbranche zu etablieren?

Hartnäckigkeit ist gefragt. Es gibt noch viel zu tun! Kreativschaffende dürfen nicht locker lassen. Sie müssen alle Institutionen und Bereiche der Gesellschaft mit Mut und kreativen Methoden „aufmischen“!

 

Noch mehr Kreativität? 

Heimat leidenschaftlicher Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

 © Rainer Sturm, Pixelio.de

Die weite Landschaft Mecklenburgs zieht Naturliebhaber an und Menschen mit Sinn für das Schöne. Und so kommt es, dass sich hier immer mehr Handwerker und Künstler ansiedeln. Sie suchen Inspiration in der Natur und genießen den Platz, um ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen.

Tradition und Innovation

Viele der in der Region ansässigen Produzenten üben ein traditionelles Handwerk aus. Mit neuen Ideen und moderner Technik führen sie die Traditionen in die Zukunft. Manche ihrer Berufe sind andernorts fast ausgestorben. Dennoch spüren alle Menschen, die mit eigenen Händen etwas schaffen, eine tiefe innere Befriedigung – gerade in Zeiten digitaler, virtueller Welten. Und so regt der Besuch in den Manufakturen im Garten- und Seenland Mecklenburg-Schwerin auch zum Nachdenken über das eigene Leben an. Was erwarten wir eigentlich von unserem Beruf? Welche Werte stecken in den Produkten, die uns umgeben? Wie gehen wir mit unseren Ressourcen um?

  © Astrid Götze Happe, Pixelio.de

Handwerk als Berufung  

Die Handwerker im Garten- und Seenland Mecklenburg-Schwerin sprechen gern mit den Besuchern – über ihr Schaffen und über ihre Lebensphilosophie. Eine Haltung, die sich auf andere Menschen in ihrem Umfeld überträgt. Denn viele der Produzenten gestalten nicht nur ihre Werke, sondern auch den Ort, an dem sie leben, aktiv mit.

Meine Verlagskollegin Corinna Hesse hat mit diese kreativen Machern gesprochen – über das Handwerk, über das Leben, über die Zukunft.
Besuchen Sie mit uns 16 Manufakturen (Podcast in vier Teilen) und ihre schöpferischen Inhaber.

 

Mode- und Möbeldesign, Goldschmiede, Buchdruck: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Podcast MK 36: Manufakturen Teil 1 im Garten-und Seenland Mecklenburg-Schwerin

1. Das Landhaus Apmann in Thandorf

Gesamtkunstwerk zum Leben und Arbeiten: Es war Liebe auf den ersten Blick, als die Modedesignerin und Kürschnerin Olivia Althaus-Apmann den Ort Thandorf zum ersten Mal für sich entdeckte. Modedesign und Kirschnerei Apmann: https://www.apmann.de

2. Die Gläserne Möbelmanufaktur Goertz in Wismar:

Hightech und Handwerk – Backstein und Holz prägen das Hafenviertel in Wismar. Ein weiter Ausblick auf die Ostsee und – ein tiefer Einblick in ein altes Handwerk. Torsten Goertz ist gelernter Möbeltischler. Als er 2010 seine eigene Firma gründete, baute er seine ersten Möbel bei sich zu Hause im Schuppen zusammen. Heute beschäftigt er zehn Mitarbeiter und ist Herr über einen Maschinenpark. Möbel Goertz: https://www.moebelgoertz.de

3. Ramona Stelzer Design in Wismar

Gold aus dem Meer – „Fishing for Compliments“ steht als Motto am Eingang zur Goldschmiede-Werkstatt in Wismar. Der Name ist Programm – denn die Designerin Ramona Stelzer stellt Schmuck aus einem Rohstoff her, der erklärt werden muss: Fischleder! https://www.ramonastelzerdesign.com

4. Das Buchdruck-Museum in Krakow am See

Jetzt erst recht! Manchmal sind es gerade die ausweglosen Situationen, in denen die besten Ideen entstehen. Anders ist es kaum zu erklären, dass Hans-Hilmar Koch mitten in der digitalen Revolution beschloss, ein Buchdruckmuseum zu eröffnen. http://www.druck-buchkultur.de

Kulturlandschaften im Norden

Die ManufakTouren-Route entstand für die Metropolregion Hamburg im Rahmen des Leitprojektes KulturLandschaftsRouten (2016-2018). Entwickelt wurden insgesamt fünf neue Erlebnisrouten sowie Hörgeschichten mit je 15 bis 20 Tracks pro Region, die zu Hause oder per Smartphone auch unterwegs gehört werden können.

  © MassivKreativ

Leitfiguren und Helden

Die Audioguide-Routen werden jeweils von einer Leitfigur präsentiert:

– durch das Pinneberger Baumschulland begleitet der weitgereiste Hamburger Kaufmann und Gutsbesitzer Baron Caspar Voght die Gäste

– durch die Lüneburger Heide führt der fiktive Heidebewohner Hinnerk Heidjer interessierte Besucher

– die kleine Haselmaus Hazel leitet durch die Segeberger Knicklandschaft

– die Kinder Benni und Jenni laden mit dem Wassertropfen Enni zu spannenden Abenteuern entlang von Kurs Elbe zwischen Wittenberge und Hamburg ein

– im Garten- und Seenland Mecklenburg-Schwerin geben (Kunst-)HandwerkerInnen in persönlichen Interviews Einblicke in ihre Manufakturen.

 

Besuchen Sie mit uns 16 Manufakturen (Beitragsreihe und Podcast in vier Teilen) und ihre schöpferischen Inhaber.

Teil 1: Mode- und Möbeldesign, Goldschmiede, Buchdruck: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 2: Holzbildhauerei, Taschenmanufaktur, Uhren, Kindermöbel: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 3: Porzellan- und Textilmanufaktur, Gravur-Atelier: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin

Teil 4: Hutsalon, Kürschnerei, Kreativ-Hof und Schmiede: Kunst-Handwerker in Mecklenburg-Schwerin