Ordnungsbehörde für Schöpferisches: Wie wird man kreativ?
© MassivKreativ: Künstler Daniel Hoernemann

Ordnungsbehörde für Schöpferisches: Wie wird man kreativ?

Wie gelangt mehr Kreativität in die Gesellschaft? Beim ersten landesweiten, an sechs Orten parallel stattfindenden Digitalkongress NØRD 2019 in Mecklenburg Vorpommern habe ich gemeinsam mit Künstler Daniel Hoernemann von CommunityArtWorks einen innovativen und kreativen Programmslot gestaltet. Mit der Ordnungsbehörde für Schöpferisches ging es ganz praxisnah um das Format Künstlerische Intervention. Im neuen Digitalen Innovationszentrum im Perzina-Haus stand die Verwaltung im Fokus und die Frage, wie Digitalisierung und Kreativität den Weg in die Zukunft unterstützen können.

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NØRD 2019

Kreativität ist kein Privileg künstlerischer Genies. Das hat sich noch nicht bis in jede Verwaltung herumgesprochen. Also haben wir zu Beginn des Digitalkongresses dargestellt, dass jeder Mensch kreativ werden – unter günstigen Bedingungen und je nach persönlichen Eigenschaften, Fähigkeiten, Kompetenzen und Neigungen. Kreativität kann überall entstehen: Organisieren des Arbeitstages, beim Planen von Veranstaltungen, beim Sport, beim Kleiden, Kochen, Dekorieren… Kreativ sind alle, die aus Dingen, aus Wissen, Informationen und Material, etwas Neues schaffen. Steve Jobs sagte einmal: „Kreativität heißt, Dinge miteinander zu verbinden.“

Kreativität hat mit der Neigung zu tun, Fehler aufzuspüren und Lösungen zu finden – durch ein Zusammenspiel von Erfahrung, Erinnerung, Verantwortung, Wissen, Intuition, Wertschätzung und Emotionen. Routinen und falsche Muster können mit Kreativität und künstlerischen Methoden ebenfalls vor Augen geführt werden.

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Ordnungsbehörde für Schöpferisches

Nach der Performance von Daniel Hoernemann mit seiner „Ordnungsbehörde für Schöpferisches“ wollte ich von ihm im Interview wissen: Was können Kunst und kunstbasierte Methoden in der Verwaltung bewirken? Außerdem habe ich Kongress-TeilnehmerInnen gefragt, welche Erfahrungen sie mit Kreativität und Digitalisierung in ihrem Arbeitsumfeld gesammelt haben. Die Intervention begann Daniel Hoernemann mit einigen ungewöhnlichen Fragen an das Publikum…

   © MassivKreativ: Antje Hinz und Künstler Daniel Hoernemann

Geheimnis Kreativität

Was machen kreative Menschen anders? Es sind Menschen, die …

– flüssig, ungewöhnlich, vielschichtig und quer denken, die offen und neugierig sind.
– Defizite und Leerstellen im Alltag entdecken und dazu beitragen, sie zu überwinden.
– Herausforderungen unter verschiedenen Aspekten und Fragestellungen betrachten.
– Analogien herstellen, bestehende Strukturen variieren und weiterentwickeln.
– materielle und immaterielle Dinge assoziativ miteinander verknüpfen.
– aus ungewöhnlichen Kombinationen Neues entstehen lassen.
– Ideen stimmig aufbereiten, verpacken, visualisieren, präsentieren, testen, nachbessern.

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Sichtachsen erweitern

Wer kreativ wird, ändert seine Wahrnehmung. Bestimmte Details werden fokussiert, andere ausgeblendet. Was normalerweise nicht zusammen gehört, kann (neu) miteinander kombiniert werden. Mit Kreativität können wir bestehende Dinge an neue Orte verschieben, gedanklich oder real. Es gibt unzählige Kreativitätsmethoden, die jeder selbst ausprobieren kann. Um hilfreiche Lösungen zu finden, muss man zunächst die richtigen Fragen stellen. Manche Fragen lassen sich schwerer beantworten als andere. Auf dieser Erkenntnis baut die Kopfstand-Methode auf, die Probleme aus anderer bzw. umgekehrter Perspektive anspricht. Sie fragt nicht: Was müssen wir tun, damit etwas gelingt, sondern: Was sollten wir machen, damit etwas nicht gelingt? Sie fragt nicht: Was gefällt Euch, sondern: Was stört und nervt Euch?

Osborne und Scamper-Methode

Um 1957 erfand der Werbefachmann Alex Osborn die nach ihm benannte Osborne-Technik. Mit ihr lassen sich bereits existierende Produkte, Formate und Prozesse spielerisch und experimentell modifizieren. Die Technik leitet systematisch zu neuen Ideen und zu angewandtem Einfallsreichtum an. Etwa 40 Jahre später überführte sie der Pädagoge Bob Eberle in eine nutzerfreundliche Checkliste – als Akronym mit dem Wort Scamper:

Substitute / ersetzen: Welche Teile der Idee oder des Produkts lassen sich ersetzen?
Combine / kombinieren: Lassen sich Teile oder das Ganze mit anderen Dingen kombinieren?
Adapt / anpassen: Wie lassen sich Elemente aus anderen Bereichen anpassen und in die Idee integrieren?
Magnify / vergrößern: Was könnte vergrößert oder betont werden?
Put / übertragen: Für welche anderen Zwecke lässt sich die Idee noch einsetzen?
Eliminate / entfernen, verkleinern: Was könnte verkleinert oder weglassen werden?
Rearrange, Reverse / neu ordnen, umkehren: Lassen sich Anordnung / Reihenfolge der Teile einer Idee ändern? Lassen sich Teile oder das Ganze umkehren?

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Wechselnde Perspektiven

Kinder und Schauspieler verkleiden sich, um in andere Rollen zu schlüpfen. Der britische Kognitionswissenschaftler Edward de Bono hat dies übertragen und sechs Denkhüte als besondere Kreativitätstechnik entwickelt, um sowohl Fakten als auch Emotionen Raum zu geben.  Sechs verschiedenfarbige „Hüte“ können gedanklich durchgespielt und in der Gruppe diskutiert werden. Analog zu den Hüten können auch verschiedenfarbige Karten genutzt werden, auf denen die Teilnehmer je 5 Minuten ihre Argumente notieren:

– der weiße Hut = Objektivität, analytisches Denken, Fakten
– der schwarze Hut = Pessimismus, kritisches Denken, Risiken
– der gelbe Hut = Optimismus, optimistisches Denken, Chancen
– der rote Hut = Emotionen, emotionales Denken, Gefühle
– der blaue Hut = Struktur, ordnendes Denken, Prozess
– der grüne Hut = Kreativität, kreatives Denken, Ideen

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