
Viel Bedarf für Dialog: Sprechen und Zuhören
Was macht die Wirkung von Sprechen & Zuhören aus? Wenn mich Menschen nach dem Dialogformat Sprechen & Zuhören fragen – in Vereinen, Gemeinden, Kommunen, Kulturhäusern und Museen, erzähle ich von eigenen Erlebnissen. Oft kommen Rückfragen: Nur Zuhören? Nicht nachfragen? 3 x zur selben Frage sprechen? Nicht selten sehe ich Zögern, Skepsis, Stirnrunzeln. Ich entgegne dann mit einem Lächeln: Kommt vorbei und erlebt selbst, was passiert. Es ist magisch und trotzdem keine Hexerei. Wer sich auf das Dialogformat S&Z einlässt, kann in diesen Tagen an unzähligen Orten in Deutschland erleben, dass Menschen einander offen erzählen, was sie bewegt und dass sie sich aufmerksam und zugewandt zuhören. Es entsteht Vertrauen, Verbundenheit, Resonanz und häufig auch der Wunsch, über den Abend hinaus weiterzumachen, gemeinsam an einem Alltagsprojekt zu werkeln, an gelebter Demokratie.
Zur Lage der Nation
Wir alle haben es schon mal erlebt: Wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, endet das Gespräch rasch. Für beide Seiten bleibt ein ungutes Gefühl zurück und Ratlosigkeit. Wie kann es weitergehen? Oft gehen wir weiteren Auseinandersetzungen aus dem Weg. Die eigene Position ist uns vollkommen klar. Und die andere Seite? Hat sie nicht auch recht – zumindest ein wenig? Der erste Schritt ist, der anderen Person und Meinung zuhören. So können wir unsere persönliche Sichtweise reflektieren und uns persönlich weiterentwickeln. Mal angenommen, wir lassen uns darauf ein: Würde das in unserem Zusammenleben und Miteinander Reden etwas ändern?

Wann hattest Du zuletzt das Gefühl, dass Dir wirklich jemand zuhört?
Wir alle wünschen uns wahrgenommen und gehört zu werden. Im Alltag kommt das viel selten vor. Das Dialogformat Sprechen & Zuhören möchte das ändern. Es wurde von Mehr Demokratie e.V. entwickelt und bereits an hunderten Orten in Deutschland erfolgreich erprobt. Die Teilnehmenden können sich hierarchiefrei über eigene Erlebnisse, Erfahrungen und Empfindungen austauschen. Dies gelingt, weil jede Person gleich viel Redezeit bekommt. Nacheinander spricht immer eine Person für vier Minuten, während die anderen nur zuhören. So erfahren die Teilnehmenden voneinander, „wo der oder die andere steht.“
Worüber wird im Dialogformat „Sprechen und Zuhören“ gesprochen?
Beim Dialogformat „Sprechen und Zuhören“ geht es ausdrücklich NICHT um ein Ping Pong von Argumenten, nicht um Debatten, nicht um Diskussionen. Jede:r teilt eigene persönliche Gedanken, Erlebnisse und Gefühle mit und das, was uns persönlich bewegt und beschäftigt. Jede:r darf über Beobachtungen, Sorgen und Ängste sprechen, über Enttäuschung und Frust sprechen – genauso auch über positive Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle berichten: über Dankbarkeit und Wertschätzung, Kraft und Zuversicht, über Ideen und Pläne.

Leitfragen für Dialogformat „Sprechen und Zuhören“
Im Mittelpunkt jeder Veranstaltung steht jeweils eine konkret festgelegte Leitfrage. Sie ist in allen drei Runden dieselbe. Die Leitfrage bezieht sich auf etwas, was Menschen/Teilnehmer:innen unmittelbar in Ihrem Lebensumfeld betrifft und bewegt. Weil es um persönliche Gedanken geht und jede:r nur über sich selbst spricht, beginnt die Leitfrage in der Regel so: „Wie geht es Dir…?“ z. B.
- mit dem Zusammenhalt in Deinem Stadtteil?
- mit Deiner Wohnsituation?
- mit Deiner Bildungssituation?
- mit den sozialen / kulturellen Angeboten in Deinem Ort?
- den Möglichkeiten Deiner Teilhabe am Leben (Chancengerechtigkeit)?
- mit Benachteiligung und Ausgrenzung?
- mit dem Thema VERTRAUEN in unserer Gesellschaft?
- mit dem Thema Einsamkeit in unserer Gesellschaft?
- mit der gelebten Demokratie in Deutschland?
- mit dem Thema Älterwerden / Sterben & Tod in unserer Gesellschaft?
- mit den Veränderungen in unserer Gesellschaft / in unserem Stadtteil?
- mit dem Thema Mobilität und Fortbewegung?
- mit dem Klimawandel / Krieg in… / Aufrüstung / Militärdienst?
- mit der Ungleichheit der Vermögen in Deutschland (in Ost und West)?
- mit meinem Wohlstand? (Was ist für mich Wohlstand?)
- mit Deiner Familiengeschichte?
- mit dem Mauerfall / der Wiedervereinigung 1989?
- mit dem Thema Gesundheit / Ernährung?
- mit dem Thema Organspende / begleiteter Suizid?
- mit dem Thema Digitalisierung / Künstliche Intelligenz?

Welche Regeln gibt es beim Dialogformat „Sprechen und Zuhören“?
Wichtig ist, dass jede:r nur über sich selbst spricht. Das ist gar nicht so leicht, denn häufig sprechen wir über andere. Die müssen sich dann verteidigen, so beginnt das Debattieren. Bei S&Z geht es darum, dass wir erfahren, wie es den anderen geht und dass wir eine andere Perspektive kennenlernen und Kenntnis darüber erhalten, was die anderen bewegt. Die Regeln sind einfach und doch beim ersten Ausprobieren ungewöhnlich:
Regeln für die Sprechenden – noch mal kurz zusammengefasst:
1. Ich spreche nur von mir – von meinen Erfahrungen und Gefühlen
2. Ich liefere keine Bewertung dessen, was andere gesagt haben.
3. Schweigen und Pausen o.k. (zum Nachdenken. – andere reden NICHT vorzeitig weiter)
Regeln für die Zuhörenden – noch mal kurz zusammengefasst:
1. Ich unterbreche nicht und frage nicht dazwischen, ich halte nur Blickkontakt.
2. Ich beobachte mich: Wie geht es mir beim Zuhören? (Wie geht es mir im Körper: bin ich entspannt oder angespannt, was machen Schulter, Arme, Kopf?)
3. Persönliches behandle ich vertraulich (ohne Namen, anonymisieren, nicht vorführen)
4. Ich finde heraus: Was ist für mich neu, bewegend, was ich von den anderen höre?
Weshalb hören die anderen nur zu, während immer nur eine/einer spricht?
In normalen Gesprächen wollen wir oft auf das reagieren, was der andere sagt. Das kann ganz schön anstrengend sein (wie eine Doppelbelastung:) Wir müssen einerseits zuhören und uns andererseits schon überlegen, wie wir darauf reagieren, was wir sagen sollen, welchen Rat wir geben usw. Alles gleichzeitig zu machen, erzeugt Stress. Und das trägt nicht dazu bei, dass ein Gespräch entspannt verläuft. Hinzu kommt: Unser Gegenüber möchte unsere Tipps vielleicht gar nicht hören, sondern einfach nur, dass jemand aufmerksam zuhört, mehr nicht.




Weshalb gibt es drei Gesprächsrunden bei „Sprechen und Zuhören“?
In den drei Runden verändert sich etwas – inhaltlich und atmosphärisch. Am Anfang sind wir etwas aufgeregt, weil wir überlegen müssen, was wir erzählen wollen. Für viel ist es ungewohnt, 4 Minuten am Stück zu reden, ohne unterbrochen zu werden. Außerdem sind wir vielleicht auch aufgeregt darüber, was der/die andere erzählt, weil wir vielleicht anderer Meinung sind. Der Vorteil am Format „Sprechen und Zuhören“ ist: Wir brauchen darauf nicht zu reagieren, wir hören nur zu. Wir bleiben ganz bei uns, bei unseren Erfahrungen, Sichtweisen und Gefühlen. Das lässt uns von Runde zu Runde immer ruhiger werden. Von dieser Erfahrung berichten die Teilnehmer:innen immer wieder, denn S&Z ist ein vielfach erprobtes Format, das bereits an hunderten Orten in ganz Deutschland stattgefundenhat (meist in Präsenz, vereinzelt auch online).
Wie wirkt das Dialogformat „Sprechen und Zuhören“?
Beim Zuhören entstehen Empathie, Vertrauen und Respekt, insbesondere dann, wenn wir Ähnlichkeiten zu eigenen Erfahrungen erkennen. Nach insgesamt drei Gesprächsrunden sind sich die Teilnehmenden bewusster geworden, wie sie wirklich zu einem Thema stehen. Sie sind sich nähergekommen, haben das gegenseitige Vertrauen gestärkt. Sie haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass eine demokratisches MITEINANDER möglich ist. Das führt häufig zu mehr Gelassenheit, Entspannung und Zuversicht.
Als Moderatorin von S&Z fasziniert mich, in welch unterschiedlichen Kontexten ich das Dialogformat vielseitig einsetzen kann: nicht nur bei Veranstaltungen, sondern auch als Auftakt in (Team-)Workshops, in Vereinen im Ehrenamt zur gegenseitigen Wertschätzung, zum Benennen eigener Haltung und Werte, für das Selbstverständnis, oder auch zur Rollenklärung. Wo auch immer es zum Einsatz kommt: S&Z schafft Verbindung, Vertrauen, Resonanz und hilft dabei, Konflikten vorzubeugen oder sie auszuräumen.
Was ist das Anliegen für das Dialogformat „Sprechen und Zuhören“?
Beim Dialogformat „Sprechen und Zuhören“ geht es um Stärkung von Vertrauen, Begegnung, Austausch, Teilhabe, Zusammenhalt und demokratisches Zusammenleben im Stadtteil und in der Gesellschaft.

Wer sind mögliche Veranstalter und Kooperationspartner?
Veranstalter und Kooperationspartner:innen können sein: Volkshochschulen, Kulturhäuser, Vereine, Bücherhallen, Bibliotheken, Stadtteilquartiere – überall dort, wo zivilgesellschaftliche Akteur:innen haupt- oder ehrenamtlich zusammenkommt. Genauso denkbar ist es, „Sprechen und Zuhören“ im beruflichen Alltag einzusetzen – um in Teams Rollen zu klären, sich über Haltung, Werte und Wertschätzung auszutauschen. Wo und wie das Dialogformat auch immer zum Einsatz kommt: S&Z schafft Verbindung, Vertrauen, Resonanz und hilft dabei, Konflikten vorzubeugen oder sie auszuräumen.
Wie erfolgt die Finanzierung von „Sprechen und Zuhören“?
Finanziert werden kann das Dialogformat über Stiftungen, Bürger:innen- und Teilhabe-Fonds, Demokratie-Programme, gemeinnützige Organisationen und Vereine, Volkshochschulen, Bücherhallen, Quartiersmanagement-Büros, Wohnungsbau-Genossenschaften etc Mehr Demokratie e.V. ist Ideenstifter des Formats, es werden laufend Ausbildungworkshops für die Moderation angeboten. Weitere Infos auf der Website von Mehr Demokratie e.V..
Zeitrahmen und Ablauf des Dialogformats „Sprechen und Zuhören“
Das Dialogformat „Sprechen und Zuhören“ dauert in der Regel 2-3 Stunden, ggf. mit kurzer Pause inkl. Snacks und Getränken. Je nach Wunsch des Auftraggebers / Kooperationspartners können die Ergebnisse dokumentiert werden, um damit im Anschluss an die Veranstaltung weiterzuarbeiten und ggf. Ideen und Projekte zu entwickeln. Hier ein Beispiel für einen Ablauf:
1. Begrüßung
2. Infos zum Ablauf der Veranstaltung
3. Kennenlernen mit Aufstellungsübung bzw. anderem WarmUp-Format
4. Infos zum Dialogformat „Sprechen und Zuhören“
5. 3 Runden „Sprechen und Zuhören“ (3 Runden á x 16 Minuten = 4 Teilnehmer:innen x 4 Minuten)
6. idealerweise: kurze Pause mit Snacks und Getränken
7. Abschluss-/Resonanzrunde, z. B. Wie hast Du das Format emotional erlebt? Was war schwer/leicht? Was ist jetzt anders als vor S&Z? Was war neu für Dich? Was hat Dich bewegt, überrascht? Was nimmst Du heute mit? Was machst Du jetzt/morgen mit Deinen neuen Erfahrungen? – gemeinsames Sammeln und Dokumentieren der Ergebnisse
8. Blitzrunde für Feedback, Verabschiedung
Das Dialogformat „Sprechen und Zuhören“ eignet sich als ein- und mehrmalige Veranstaltung, d. h. es ist auch möglich, S&Z als Reihe zu verstetigen, z. B. 1 x im Monat, um das Vertrauen und die Verbindung zwischen den Teilnehmer:innen nachhaltig zu stärken.

Moderation des Dialogformat „Sprechen und Zuhören“
Deutschlandweit ist eine rege „Community of Practice“ entstanden – mit Moderator:innen, die das Dialogformat an verschiedene Orte tragen und die Bewegung weiter wachsen lassen. Ich moderiere das Format seit 2022 in Hamburg, SH, NI, MV und Sachsen-Anhalt – sowohl im ländlichen als auch im städtischen Umfeld für unterschiedliche Zielgruppen, z. B. bei einem Runden Tisch für Landwirt:innen und Klimaschützer:innen, für Dorfbewohner:innen (Altbürger:innen und Zugezogene), für Haupt- und Ehrenamtliche in Vereinen, Museen, Gedenkstätten, auch im Rahmen meiner Prozessbegleitung im Programm MITEINANDER REDEN der Bundeszentrale für politische Bildung. Sie können mich gerne als Moderatorin des Dialogformats „Sprechen und Zuhören“ buchen: „Meine Motivation für S&Z ist, Menschen Teilhabe zu ermöglichen, Vertrauen, demokratisches Zusammenleben und Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken und Menschen zu ermutigen, ihr eigenes Leben bewusst und engagiert zu gestalten, um auch andere Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit zu unterstützen.“
Moderatoren sind in allen Bundesländern tätig. Anfragen an: Mehr Demokratie Weitere Projektbeispiele und Informationen über „Sprechen und Zuhören“ im Magazin 03-2025 von Mehr Demokratie e.V. – auf S. 23 mit einem Statement von mir.




Kurzfilme zur Vermittlung des Dialogformats „Sprechen und Zuhören“
- 01 Statements von Claudine Nierth, Roman Huber, Mehr Demokratie e.V. und von Teilnehmenden
- 02 Statement von Josef Merk, Mehr Demokratie e.V. über das Format in Brühl
- 03 Teilnehmer:innen berichten über ihre Erfahrungen mit dem Dialogformat „Sprechen und Zuhören“
- 04 Statement von Claudina Nierth von Mehr Demokratie e.V.
- 05 Statements von Claudina Nierth, Roman Huber von Mehr Demokratie e.V.
- 06 Josef Merk von Mehr Demokratie e.V. über S&Z
Weitere Informationen
- Mehr Demokratie e.V. zum Format S&Z
- Leitfaden zur Umsetzung des Formats
- Verwandtes: Emily Kasriel (britische BBC) hat ein »Deep listening«-Trainingsprojekt für 1.000 Menschen aus 119 Ländern betreut. Sie ist außerdem als Coachin und Mediatorin tätig und hat zahlreiche Texte zum besseren Zuhören veröffentlicht. Weitere Infos bei Perspective Daily

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