Museum: Mit Kunst gegen den Hass

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Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 4 – Museum

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

487282_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Museum I: Geflüchtete als Museumsführer

„Multaka“ heißt im Arabischen „Treffpunkt“. Es steht als Motto über einem gemeinsamen Projekt der Berliner Museen. Geflüchtete aus Syrien und dem Irak werden zu Museumsführern ausgebildet und führen nun Landsleute in ihrer Muttersprache durch Berliner Ausstellungen, u. a. im Pergamonmuseum, Bode-Museum und im Deutschen Historischen Museum. Die Syrerin Christin Rita Albahri, die am Projekt teilnimmt, erklärt: „Ich möchte gerne, dass meine Landsleute von der deutschen Geschichte lernen.“

Den Geflüchteten wird echte aktive Teilhabe am kulturellen Leben ermöglicht. Sie können ihr Wissen einbringen und mit anderen austauschen. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erläutert das Vorhaben: „Die Geflüchteten führen durch die eigene und durch die fremde Geschichte. Wir sagen nicht, dass wir damit das ultimative Rezept für Integration erfunden haben, aber Geflüchtete erfahren Stärke durch Bildung und durch Anerkennung ihrer kulturellen Identität, die uns viel bedeutet.“

Museum II: Kostenlose Teilhabe

Viele Berliner Museen und Gedenkstätten gewähren Geflüchteten und ihren Betreuern kostenlosen Eintritt und haben spezielle Führungs- und Veranstaltungsangebote für sie entwickelt.

Auch in anderen deutschen Städten bieten Museen den Geflüchteten kostenlosen Eintritt, z.B. die Museen des Landschaftsverbandes Rheinland und in Frankfurt am Main. Die Hamburger Kunsthalle lädt Flüchtlinge zu speziellen „Welcome-Führungen“ in englischer Sprache ein.

561428_web_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de © Petra Bork, Pixelio

Museum III: Themenausstellungen und Digitales

Das Jüdische Museum Frankfurt möchte sich zukünftig gezielt an Zuwanderer aus muslimischen Ländern richten. Im Fokus sollen dabei die Gemeinsamkeiten der großen Religionen stehen. Mirjam Wenzel, die neue Leiterin des Museums, kündigte an: „Geplant ist eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Märtyrertums.“ Außerdem soll ein «Digitales Museum» entstehen, das Ausstellungsobjekte im Internet erlebbar machen soll. Auch andere Museen in Deutschland arbeiten unter Hochdruck daran, ihre Objekte ins Internet zu stellen. So können sich auch Geflüchtete über islamische Kunst informieren, bevor sie später die Ausstellungen besuchen.

347235_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Museum IV: Mit Kunst gegen den Hass

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat 2015 eine neu gestaltete Islam-Abteilung eröffnet und die Präsentationsfläche verdoppelt. Sie richtet sich sowohl an Geflüchtete als auch an einheimische Besucher. Historische und aktuelle Werke von Künstlern. u. a. aus dem Libanon und dem Iran, führen vor Augen, dass die Kunst im Islam zwar eine religiöse Prägung hat, aber lange Zeit sehr tolerant war. Sie entspricht damit nicht dem in den aktuellen Medien vorherrschenden Bild einer zerstörerischen und von Verboten dominierten Religion, die vom mörderischen Treiben der Islamisten diktiert wird. Museumsdirektorin Sabine Schulze ist überzeugt: „Stilgeschichte kann Aufklärungsarbeit leisten über gegenseitige Anerkennung und Respekt, über gemeinsame kulturelle Wurzeln.“ Es käme darauf an, die richtigen Fragen zu den gezeigten Objekten zu stellen. Das MKG möchte zeigen, dass der Islam nicht schon seinem Wesen nach intolerant ist, sondern eine Kultur hervorgebracht hat, die viele Jahrhunderte lang auf Austausch, Partizipation, Wissenstransfer und Verständigung angelegt war.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

10 Gedanken zu „Museum: Mit Kunst gegen den Hass

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