CoWorkation: Erholen und Arbeiten am Schweriner See in Bad Kleinen

 © links: Mühlenquartier Bad Kleinen, Kreative-MV, rechts: Olga Meier-Sander, pixelio.de

EINLADUNG: Erholen und Arbeiten in Bad Kleinen vom 22.-29. Juli 2020

In diesen Corona-wirren Zeiten brauchen viele von Euch und uns dringend positive Impulse. Kommt zum CoWorkation an den Schweriner See und Ihr werdet eine großartige Zeit haben: Erholen und vielleicht auch ein wenig Arbeiten auf der Wiese vor dem Mühlenquartier Bad Kleinen – das alles in idyllischer Umgebung nur wenige Meter zum See. Ihr könnt tatkräftige Menschen treffen, die etwas bewegen wollen, Inspiration und Austausch finden, Pläne und Projekte und auftanken für die 2. Hälfte dieses verrückten Jahres. Henry Miller hat mal gesagt: „Leben ist das, was wir daraus machen.“ Nach dieser Maxime machen wir CoWorkation gemeinsam zu einer unvergesslichen Zeit.

Eine Woche CoWorkation – angeregt durch Kreative MV – bietet der Heimatverein Bad Kleinen, der Eigentümer des Mühlenquartiers Bad Kleinencoopolis und ein ganzes Netzwerk lokaler Kreativer aus MV eine Woche CoWorkation im Mühlenquartier, Corinna Hesse, Kreative MV / Silberfuchs-Verlag, Antje Hinz, MassivKreativ. Zusätzlich organisieren wir in Kooperation mit dem Verein Dambecker Seen e.V. für Sonntag den 26.07.2020 von 14-18 Uhr einen Kreativmarkt. Die Basis- und Infrastruktur steht, weitere Unterstützungsangebote sind herzlich willkommen!

 WAS? CoWorkation – Erholen und Arbeiten auf der Wiese vor dem „Mühlenquartier Bad Kleinen“
 WANN: Mi, 22.7.2020 14:00 Uhr – Mi, 29.7.2020 14:00 Uhr
 WO? Mühlenquartier Bad Kleinen | Uferweg 5, 23996 Bad Kleinen |
Übernachtung im selbst mitgebrachten Zelt  für 10 €/Nacht/Zelt / ALTERNATIV werden bei Ulis Kinderland günstige Übernachtungsmöglichkeiten (20€/Bett/Nacht incl. Frühstück) bereitstehen
 WAS GIBT ES VOR ORT? Zeltwiese, Außendusche, WCs mit fließend Wasser, CoWorking Space mit WLAN im historischen Walzenstuhlboden, Badestrand und Supermarkt in 250 m Entfernung
 WAS GIBT ES VOR ORT NICHT?  Alles was Ihr NICHT mitbringt, ist auch NICHT da.
 Anmeldung bis zum 22.07.2020 (zwingend nötig wegen Corona): ANMELDEFORMULAR
 Weitere Informationen: Website Kreative MV
 Rückfragen: Stefanie Raab, coopolis, Tel.  0178 – 760 32 44   E-Mail: raab@coopolis.de

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Planungsstand am 26.6.2020

HINTERGRUND: Im Mühlenquartier Bad Kleinen entstehen auf 6.000 m² Fläche ein Gewerbequartier mit Büros, Produktionshallen, Ateliers, Museum, Veranstaltungssaal und Bistro, umgeben von einer Parklandschaft am Schweriner See. Im KreativLab am 11.06.2020 haben wir erkundet, wie der Freiraum für innovative Kooperationen zwischen Kreativunternehmen, DesignerInnen, ZukunftsgestalterInnen, ImmobilieneigentümerInnen und regionaler Wirtschaft genutzt werden kann. Stefanie Raab von coopolis gab im Ideenpitch eine kleine Einführung zum Thema „CoWorkation in Bad Kleinen 2020“ und im anschließenden Workshop Raum, diese Ideen zu konkretisieren. Leerstand ist eine Ressource für regionale Entwicklungsprozesse, die mithilfe der Kultur und der Kreativwirtschaft erschlossen werden kann. Gerade in der Folge der Coronazeit gibt es einen besonderen Bedarf für CoWorkation- Angebote. Viele Kreative sind dringend erholungsbedürftig, haben aktuell aber weder Zeit noch Geld für Urlaub. Darum haben infolge des Zusammentreffens Kreative, Immobilieneigentümer und Leute aus Bad Kleinen und Umgebung gemeinsam entschieden, eine CoWorkation n Bad Kleinen auf die Beine zu stellen. Im Wesentlichen bieten wir eine (einfache) Unterkunft mit etwas Infrastruktur und einen PopUp- CoWorking Space in einer tollen Umgebung. Oder, um es in Menschen auszudrücken, Gastgeber, Gäste und Gemeinschaft. Da am Standort Mühlenquartier in den kommenden Jahren ein kreativer Quartiersentwicklungsprozess ansteht, machte es Sinn, gemeinsam bereits für diesen Sommer ein entsprechendes Angebot auf die Beine zu stellen, und es hat sich eine bunte Gruppe Engagierter zusammengefunden – und jetzt sieht es ganz so aus, als ob wir das auch hinbekommen.

Beteiligte Akteure am CoWorkation vom 22.-29. Juli 2020

Angeregt durch Kreative MV, sind nun aktiv in die Vorbereitung eingebunden: Hans Kreher + Andreas Kelch / Heimatverein Bad Kleinen, Egon Flemming, Eigentümer Mühlenquartier Bad Kleinen, Stefanie Raab, coopolis GmbH. Weiter gibt es folgende Unterstützungsangebote: Ulis Kinderland in Galentin, Corinna Hesse, Kreative MV / Silberfuchs-Verlag, Antje Hinz, MassivKreativ unterstützt im Vorfeld mit Öffentlichkeitsarbeit und Social Media. Josefine Peters / Verein Dambecker Seen e.V. unterstützen bei der Organisation des Kreativmarktes. Die Basisstruktur steht, weitere Unterstützungsangebote sind herzlich willkommen!

TERMIN: Mittwoch, 22.07.2020 ab 14:00 Uhr – Mittwoch, 29.07.2020 ab 14:00 Uhr

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UNTERKUNFT: Es gibt zwei verschiedene Unterkunftmöglichkeiten:

  1. Auf der Zeltwiese unweit des Bahnhofs direkt im Mühlenquartier kann man für einen Teilnehmerbeitrag von 10 € / Nacht und Zelt unterkommen. Selbstversorgung, Basis- Infrastruktur aus Außendusche, WC Container mit fließend Wasser und dem Co Working Space im Walzenstuhlboden des Mühlengebäudes sind vorhanden. Der Badestrand, die Marina und der nächste EDEKA Laden sind jeweils ca. 200 m zu Fuss.
  2. Für Menschen, die nicht zelten wollen, gibt es in Ulis Kinderland in Galentin für 20 € / Nacht und Person Übernachtung incl. Frühstück. Auf der Webseite kann man sich die Übernachtungsangebote anschauen: HIERZum Mühlenquartier kommt man zu Fuß und mit dem Fahrrad über den Uferweg (Strecke 2,9 km, 10 bzw. 35 Minuten), die Autostrecke ist mit 3,2 km auch nur unwesentlich länger. Das Thema CoWorking wird sich auf jeden Fall im Mühlengebäude (Walzenstuhlboden) abspielen.

VERANSTALTER: Der Heimatverein Bad Kleinen tritt offiziell als Veranstalter auf. Der Eigentümer Egon Flemming als Grundstückseigentümer und Stefanie Raab von coopolis als Kooperationspartner, die jedoch fest vereinbarte Zusagen, die hier auch protokolliert sind, verbindlich einhalten. Egon Flemming kümmert sich um die Bereitstellung dieser Basis- Infrastruktur.

VERSICHERUNG: Hans Kreher + Andreas Kelch schließen im Namen des Vereins die bereits recherchierte Veranstalterhaftpflichtversicherung ab, die Kosten sollen möglichst über die Teilnehmerbeiträge wieder eingenommen werden. Der Eigentümer Egon Flemming hat zusätzlich eine Eigentümerhaftpflichtversicherung.

GENEHMIGUNG: Das Einholen der notwendigen Genehmigungen liegt in der Verantwortung des Veranstalters (Hans Kreher / Andreas Kelch).

INFRASTRUKTUR: Als Basis- Infrastruktur wird benötigt: (Draussen-)Dusche / Toilette / Spüle. Evtl. noch eine Kühlmöglichkeit, schließlich wird es warm sein. Das könnte aber schon ein Hygieneproblem verursachen. Gekocht wird bei Bedarf auf Campingkochern individuell. WLAN: Muss im CoWorking Space stabil zur Verfügung stehen, wird, evtl. reicht ein Verstärker für das vorhandene WLAN, alternativ per Cube. Egon Flemming kümmert sich um die Bereitstellung dieser Basis- Infrastruktur.

TEILNEHMERBEITRÄGE UND ZAHLUNG: Der Teilnehmerbeitrag beträgt 10 €/Nacht/Zelt bzw. 20 €/Nacht/Bett. Die Zahlung der Teilnehmerbeiträge erfolgt an die Gastgeber, Herrn Flemming und Ulis Kinderland direkt.

ANMELDUNG VON TEILNEHMENDEN: Die Anmeldung erfolgt über dieses Formular, welches Stefanie Raab einrichtet und verwaltet. Die Anmeldestände werden dann jeweils an die Veranstalter und Gastgeber (Hans Kreher, Andreas Kelch, Egon Flemming und Ulis Kinderland) weitergegeben, die sammeln bei ihren jeweiligen Gästen auch die Teilnehmergebühren ein.

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PROGRAMM: Es sollte max. 1 Programmpunkt pro Tag angeboten werden, entweder nachmittags oder abends, aber um 22:00 Uhr sollte Ruhe sein, damit die Zeltgäste auch schlafen können. Folgende weiteren Programmpunkte sind geplant:

Mi. 22.07.2020 19:00 Uhr  Walzenstuhlboden: Willkommen, Vorstellung des Mühlenquartiers (Egon Flemming, Stefanie Raab)

Do. 23.07.2020 14:00 Uhr  Wanderung nach Willigrad, den Sommersitz der Herzöge von Mecklenburg. (Hans Kreher /Andreas Kelch (?)

Fr. 24.07.2020 19:00 Uhr  Kinoabend in Kooperation mit dem Filmclub Güstrow. Dokumentarfilm zur Mühle, Beamer und Leinwand im CoWorking Space auf dem Walzenstuhlboden. (Andreas Kelch)

Sa. 25.07.2020 14:00 Uhr  Urban sketching mit Hans Kreher, Stefanie Raab bringt Skizzenblöcke und Zeichenmaterial mit. (Hans Kreher / Stefanie Raab)

So. 26.07.2020 14 – 18 Uhr  Kreativmarkt. Er wird organisiert von Hans Kreher / Andreas Kelch vom Heimatverein Bad Kleinen und Josefine Peters / Johanna Kirsch vom Verein Dörfergemeinschaft Dambecker Seen e.V. (verein-dambecker-seen.de). Für den Kreativmarkt, das regionale Ereignis, sollte extra Werbung gemacht werden (Plakat, Pressemitteilung, online), die 2 Wochen vor dem Kreativmarkt steht (deadline: Montag, 13.07.2020). Nach Abschluss Kreativmarkt ab 19 Uhr kleine Begegnung der Heimatvereine und der Gäste.

Mo. 27.07.2020 14-18 Uhr  Ausflug „Die Kreative Szene in Schwerin“ – Stefanie Raab + Kreative MV

Di. 28.07.2020 19 Uhr  Abschlussevent: Gemeinsam soll diese erste CoWorkation reflektiert, und die Learnings dokumentiert werden. Auch in Hinsicht darauf, dass das sicher nicht das letzte Zusammentreffen von Kreativen auf dem Mühlengelände war, wenn der angestrebte kreative Quartiersentwicklungsprozess fortgesetzt wird. Moderation + Dokumentation: Stefanie Raab.

Mi. 29.07.2020   Abreise bis 14:00 Uhr

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Soziale Innovationen: neue Lösungen für neue Rahmenbedingungen

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Der Begriff Innovation wurde lange rein technologisch aufgefasst. Erst 2009 nahm die EU das Schlagwort „soziale Innovation“ in ihr Wirtschaftsprogramm „Europa 2020“ auf. Sozialwissenschaftler weisen schon lange darauf hin, dass jeder technischen Innovation meist eine soziale Innovation vorausgeht. Und jede technologische Innovation hat stets auch eine soziale Relevanz. Mobiltelefone und Mikrokredite etwa geben Millionen Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf Selbstermächtigung und Selbstständigkeit.

Folgen durchdenken 

Soziale Innovationen bieten Lösungen für neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Bevor technische Lösungen greifen und Prozesse digitalisiert werden können, müssen sie analog im sozialen Kontext durchdacht und betrachtet werden: Welche Folgen hat unser Handeln? Plane ich meine Projekte „gewissen-haft“? Kreativschaffende „erfinden“ und realisieren daher vor allem soziale Innovationen, die dazu führen, das wir anders zusammenleben (WGs, CoLiving), anders arbeiten (CoWorking, CoWorkation, digitale Nomaden), anders konsumieren (Teilen), Leistungen anders entlohnen (zahl, was es Dir wert ist) oder anders mit Krisen umgehen (Kurzarbeit statt Kündigung). Häufig werden auf globale Herausforderungen lokale Lösungen gefunden. Soziale Innovationen bringen spürbar positive Effekte, sie wirken funktional, emotional und sozial.

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Wertschöpfung weiter denken

Durch soziale Innovationen lösen Kreativschaffende Probleme oder Bedürfnisse besser als mit bisher etablierter Praktiken. Sie treten dafür ein, dass der Begriff der wirtschaftlichen Wertschöpfung weiter gefasst wird als bisher und sorgen für eine wirtschaftliche Wertschöpfung, die soziale, ökonomische, kreative und ökologische Aspekte (z. B. value balancing, Sozialwachstum, Wohlfühleffekte) umfasst, Vorbild für ein zukunftsfähiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert. Wertschöpfung muss als Gesamtheit von Gesellschaft, Umwelt und Nachhaltigkeit begriffen werden, indem einerseits Sozialwachstum und Wohlfühleffekte wirtschaftliche Beachtung finden und andererseits bisher kostenfrei genutzte Umweltressourcen eingepreist werden.  

Ländlicher Raum

Lia Mertens hat in ihrer Masterarbeit Förderung der Dorfentwicklung durch soziale Innovationen auf die Bedeutung von nicht-technologischen Innovationen hingewiesen, die gerade im strukturschwachen ländlichen Raum wichtig seien, wo es viele Defizite im Zuge einer schwindenden Daseinsvorsorge zu bearbeiten gelte. Hier böten Impulse von Kreativschaffenden wertvolle Chancen: „Soziale Innovationen sind immateriell geprägt und zielen auf die Verbesserung von sozialen Praktiken ab. Damit soll beispielsweise erreicht werden, dass besser auf Bedürfnisse der Menschen eingegangen werden kann. Durch die Beeinflussung sozialer Praktiken wird auch die Entwicklung einer Gesellschaft stark geprägt. Nicht nur Strukturen werden zum Teil modifiziert, sondern auch ihre ethischen Normen überdacht und beeinflusst…“ (S. 17)

  © Lia Mertens, Masterarbeit S. 18

Entlastung durch Innovationen 

Ein Blick in die Geschichte: Die Erfindung der Waschmaschine brachte den Erwachsenen Entlastung im Haushalt und verschaffte den Kindern indirekt mehr Vorlesezeit. Das Internet erleichterte mit seinen vielfältigen Anwendungen Arbeitsleben und Freizeit. Soziale Innovationen brauchen eine Kultur der Kooperation zwischen Menschen verschiedener Lebensbereiche, zwischen Politik, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft, zwischen unterschiedlichen Disziplinen, Ländern, Geschlechtern und Altersgruppen.

 © TU Dortmund, SI-DRIVE, Studie Soziale Innovationen

Studie zu sozialen Innovationen

Die Sozialforschungsstelle der TU Dortmund hat 2017 die erste globale Studie zu sozialen Innovationen veröffentlicht. Für das Leitprojekt SI-DRIVE wurden mehr als 1.000 Initiativen sozialer Innovation auf allen Kontinenten und in unterschiedlichen Politikfeldern untersucht in den Bereichen Bildung und Lebenslanges Lernen, Beschäftigung, Umwelt und Klimawandel, Energieversorgung, Transport und Mobilität, Gesundheit und Sozialfürsorge sowie Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung. Das Fazit: Bürger, Wirtschaft und Staat müssen sich vernetzen, um soziale Innovationen voranzutreiben, z. B. die Kultur des Teilens von Gegenständen, Räumen und Wissen, für mehr Gemeinwohl, Ökologie und Nachhaltigkeit (vgl. Corinna Hesse: zukunft-leben-nachhaltigkeit, Hörbuch und Wissensportal).  

Wann ist eine Erfindung innovativ?

Mit einer Innovation wird eine kreative Idee wirksam, die neue Technologien und soziale Aspekte verbindet. So können neue Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle entstehen, die das Leben Einzelner oder der gesamten Gesellschaft positiv verändern. Kreativität kann bisheriges Handeln und Verhalten wandeln, wie folgende Fallbeispiele zeigen:

Öko-Dorf der Zukunft „ReGen Villages“

Mit etwa 25 Häusern ist ReGen Villages ein Modellprojekt in der Nähe von Almere in den Niederlanden. Es soll ländlichen Regionen eine Perspektive für neue Herausforderungen bieten, wie Ressourcenknappheit, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung. Dank neuer Technologien regelt das Dorf in Selbstversorgung völlig unabhängig seine Energie- und Nahrungsmittelproduktion, die Wasserversorgung und Müllentsorgung. Fischzucht wird mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert, die Ausscheidungen der Fische dienen als Dünger. 

 © Jutta Kühl, Pixelio.de

Foodsharing

Gemeinwohlideen trieben die Aktivisten Raphael Fellmer und Marius Diab an. Beide lebten längere Zeit ohne Geld von dem, was andere gespendet oder aussortiert
hatten. Sie versorgten sich und ihre Familien mit weggeworfenen Lebensmitteln und begründeten die soziale Bewegung des foodsharings (Fellmer 2017).

Kreativ gegen Landminen

Tausende Menschen sterben jährlich durch Landminen. Der 14-jährige Inder Harshwardhan Zala möchte das ändern. Er hat eine Drohne mit einem leichten Sprengsatz entwickelt, die knapp über dem Boden fliegend Landminen aufspüren und entschärfen kann. Die indische Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Der Junge darf seinen Prototyp gemeinsam mit Ingenieuren weiterentwickeln, bis er in Massenproduktion gehen kann.

 © MassivKreativ

Zahle, was Du willst

Dieses verbreitete Motto setzte bewusst auf Vertrauen. Es soll die Gesellschaft zu mehr Eigenverantwortung und zum Umdenken animieren. Mit variablen Preisen experimentieren neben der Gastronomie (Bier im Hamburger Gängeviertel, Mittagstisch im persischen Restaurant Kish in Frankfurt am Main) auch  Kulturschaffende (Museen in Bremen und Worpswede, CD „Rainbows“ von Radiohead), Tierparks (Allwetterzoo Münster), Handwerker (Frisör Josef Pertl in Landshut) und Dienstleister („Body Angels – mobile Massagen“). Das bedingungslose Grundeinkommen, auch eine soziale Innovation, setzt ebenfalls auf Vertrauen und ein positives Menschenbild. Es verfolgt einen Wandel im Denken der Menschen für mehr Gemeinsinn.

 © Jens Bredehorn, Pixelio.de

Direkt vom Erzeuger

Quijote-Kaffee in Hamburg ist ein Handels- und Sozialunternehmen mit nachhaltigem Konzept. Die biozertifizierten Kaffeebohnen werden direkt bei den Bauern
erworben. Quijote hält persönlichen Kontakt zu ihnen und zahlt doppelt so hohe Abnahmepreise wie normalerweise bei Fair Trade üblich. Und: Bereits vor Beginn der Ernte werden die Kaffeebohnen zinsfrei vorfinanziert mit über 60 % der vereinbarten Abnahmemenge. Zweimal im Jahr reisen die Betreiber auf die Kaffeeplantagen und laden im Gegenzug Mitglieder der Bauernkooperativen für einen Monat nach Hamburg ein. So kann das gegenseitige Vertrauen stetig wachsen.

Blick in die Geschichte

Schon das Mittelalter kannte Innovationen: Die technologische Revolution des Buchdrucks bereitete den Boden für die Reformation und schuf die Voraussetzung
für die massenhafte Verbreitung der Bibel, die Martin Luther (vgl. Corinna Hesse: Luther-Hörbuch) aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte.

 © Roswitha Rösch, Silberfuchs-Verlag

Lernende Teilhabe

Soziale Innovationen müssen in der Mitte der Gesellschaft entstehen: Bürger werden als Akteure der Zivilgesellschaft zu aktuellen Problemen und Wünschen befragt und bei Herausforderungen an Lösungsansätzen beteiligt. Ideen für Innovation und Wandel werden in kurzen Zeitabständen auf ihren Nutzen und ihre positive Wirksamkeit hin überprüft – so wie es das Design Thinking vorsieht. Hier wird in kleinen autarken Teams hierarchiefrei, selbstbestimmt, interdisziplinär in mehrstufigen Prozessen agil zusammengearbeitet, um ein Problem ausfindig zu machen und später zu lösen. Die kreative Methode entstand an der Stanford University in Kalifornien und wurde vom dortigen Hasso-Plattner-Institut weiterentwickelt. Sie hat einen starken Bezug zum Nutzer und gliedert sich in sechs Phasen:

  1. Sachverhalte verstehen und beobachten, z. B. durch Recherchen und Interviews
  2. Probleme exakt definieren
  3. Lösungsansätze finden bzw. Ideen entwickeln
  4. Prototypen entwerfen
  5. Ideen vom Nutzer testen lassen
  6. Lösungsansätze weiter verbessern, ggf. auch mehrfach

Lernen durch Wiederholung

Die wenigsten Herausforderungen lassen sich heute linear lösen. Der Erfolg ist größer, wenn man iterativ vorgeht, d. h. einzelne Prozesse so oft wiederholt, bis man sich der exakten Lösung annähert. Beim „Schleifen drehen“ dürfen Fehler passieren, aus denen gelernt werden kann. Über digitale Plattformen wie openIdeo.com, sicEurope.eu oder synAthina.gr können Bürger gemeinsam regional bzw. überregional Innovationen gemeinsam vorantreiben. Sozialforscher fordern zu Recht, eher systematisch in effektive, kreative und lernende Organisationsformen zu investieren statt direkt in Innovationen.

 © KoSI-Lab

Labore für soziale Innovationen

Deutschlandweit und international arbeiten inzwischen viele Zentren und Labore erfolgreich an sozialen Innovationen, meist interdisziplinär bzw. cross-sektoral mit Akteuren aus Kommunen bzw. öffentlichem Sektor, aus Forschung und Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Innovative Labore für Politik- und Verwaltung gibt es u. a. mit dem GovLab Arnsberg in NRW,  dem GovLabAustria in Wien, dem MindLab im dänischen Kopenhagen und dem britischen Social Innovation Lab Kent.  Labore für bürgerschaftliche Innovationen sind The Innovation Loop, The Australian Centre for Social Innovation, MaRS Solutions Lab und das Laboratoire d’innovation sociale. Geschäftsmodelle mit sozialer und gesellschaftlicher Wirkung verfolgen verschiedene sozialunternehmerische Initiativen, wie z. B. Maison du développement durable, Center for Social Innovation und Midpoint Center for Social Innovation. Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis bieten verschiedene Transfer-Zentren für soziale Innovation, u. a. das Institute without Boundaries, das Tilburg Social Innovation Lab und der schwedische makerspace Sliperiet. In Mecklenburg-Vorpommern gab es 2017-2019 ein Projekt zur sozialen Dorfentwicklung im Rahmen des Landeswettbewerbs Kreative Raumpioniere in MV

229441_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Förderprogramme

Die EU bzw. der Europäische Sozialfond ESF hat von 2014-2020 ein Programm EaSI zu sozialen Innovationen aufgelegt – mit drei Themen:

In verschiedenen Bundesländern wurden Förderprogramme von sozialen Innovationen aufgegriffen, u. a. in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Bayern.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förert in Nordrhein-Westfalen das Projekt KoSI-Lab. Im Fokus steht die modellhafte Entwicklung zweier Labore sozialer Innovation (SI-Lab) in den Dortmund (Neuentwicklung) und Wuppertal (Weiterentwicklung). Im Programm Zukunft der Arbeit fördert das BMBF außerdem, soziale Innovationen durch neue Arbeitsprozesse möglich zu machen (4. Wettbewerbsrunde 2019).

Auch das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung fördert Maßnahmen, die soziale Innovationen vorantreiben, z. B. in der sozialen Dorfentwicklung, wie das Projekt Kreative Raumpioniere in MV. Über die Bundeszentrale für politische Bildung fördert das Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat  Aktivitäten im Programm Zusammenhalt durch Teilhabe.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie startete im Dezember 2019 erstmals einen Förderaufruf für digitale und nicht-technische Innovationen. In der ersten Förderrunde sind Ideen für digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) gefragt.  Ein zweiter Förderaufruf ist im Verlauf des Jahres 2020 geplant, der besonders auf kultur- und kreativwirtschaftliche Innovationen zielt. Ein dritter Aufruf zielt voraussichtlich auf Innovationen mit einer besonders hohen sozialen und gesellschaftlichen „Wirkkraft“.