Zwischen Mutlosigkeit und Aufbruch: So war das Jahr 2021

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Wie haben Sie das zweite Corona-Jahr erlebt? Mit der Pandemie sind Unbeschwertheit und Leichtigkeit aus unserem Leben gewichen, sagen die einen. Die Pandemie zeigt die besondere Dringlichkeit für Veränderungen und Aufbruch, sagen die anderen, es ist höchste Zeit für mehr Solidarität, für Ausgleich und Gerechtigkeit, für einen verantwortungsvollen Umgang mit Umwelt und Natur.

Die Ereignisse und Krisen in der Welt lassen sich nicht mehr ausblenden. Doch welche Schlüsse ziehen wir daraus in unserem Alltag, am Arbeitsplatz und im privaten Umfeld? Corona hat dazu geführt, das eigene Leben und Handeln stärker zu überdenken. Das Zusammensein mit Familie und Freunden ist für viele wertvoller geworden. Inspirierende Begegnungen und Gespräche, kulturelle Ereignisse und kreative Erlebnisse sind für mich Kraftquellen, von denen ich zehre. Ich suche mir bewusst ein sinnstiftendes Umfeld, Menschen, die mir gut tun und die gemeinsam mit mir etwas bewegen wollen. Das gelingt zunächst im Kleinen oft leichter als im Großen, kann mit der Zeit aber auch zu Größerem wachsen. Selbstwirksamkeit beugt Ohnmacht vor.

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Besitz versus Erfahrung

Wo der Alltag zuweilen atemlos erscheint, helfen kleine Rituale und Erfolge, um sich nicht von Ereignissen überrollen und aufzehren zu lassen. Was hat wirklich Bedeutung für mich und meine Mitmenschen? Die Summe materieller Dinge ergibt am Ende des Lebens lediglich eine Liste. Eigene Erfahrungen und Erlebnisse hingegen, also immaterielle Dinge, ergeben zusammen eine authentische Erfahrung, eine Geschichte, die bleibt.

In diesem letzten Blogartikel für dieses Jahr möchte ich in kurzen Episoden über Menschen und gelungene Vorhaben erzählen, die mir 2021 rückblickend im Gedächtnis geblieben sind, weil sie etwas verändert haben: Orte, Erfahrungsräume, Sichtweisen.
In diesem Sinne wünsche ich Euch und Ihnen eine harmonische Adventszeit und friedliches und besinnliches Weihnachtsfest!

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Diskussion! Konflikte und Freiräume

Egal wohin man schaut: Überall gibt es Krisen, Empörung und Gründe, sich aufzuregen – über Politik und Verkehr, über Gesundheit und Klima, über Arbeit und Schule, Wohnen und Nachbarschaft, über Freunde und Familie. Konflikte können die Welt verändern, im Großen wie im Kleinen. Das Museum der Arbeit in Hamburg zeigt gerade eine Sonderausstellung zum Thema Konflikte. Ergründet wird die Sinnhaftigkeit von Konflikten, nach Lösungsstrategien gesucht und Leitfäden vorgestellt. Viele anschauliche Beispiele aus unserem Alltag fordern die Besucher*innen heraus und eröffnen ihnen bei Entscheidungen alternative Wahlmöglichkeiten.

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Nicht erst seit Corona wollen Museen zu „dritten Orten“ werden, zu Treffpunkten für einen lebendigen Austausch. Neben eigenen Haus-Ausstellungen werden Besucherinnen und Besucher nach ihrer Meinung und ihrer Sicht auf die Welt gefragt. Im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg gibt es seit Frühjahr 2020 im Erdgeschoss den FREIRAUM. Der offene Projektort mit Veranstaltungen, Büchern, Objekten und Thesen an den Wänden lädt zum Nachdenken und Andersmachen ein. Jede/r ist zu den Öffnungszeiten willkommen – zum Lesen, Arbeiten und Diskutieren – übrigens kostenfrei. Das verbessert die Teilhabe-Chancen für finanziell  benachteiligte Besucher. Eintrittspreise sind für viele nach wie vor eine Hürde, um ins Museum zu gehen. Dass es auch anders geht, zeigen die Museen in Großbritannien, die ihre Dauerausstellungen seit vielen Jahren kostenfrei anbieten. Die nötigen Einnahmen werden auf anderen Wegen generiert – über Spenden und kreative Dienstleistungen.

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Relevanz von Kultur

Politische Entscheidungen rund um Corona haben viele Künstler und Kreativschaffende enttäuscht und nachdenklich über die eigene Rolle und Wertschätzung gemacht, ob und was Kunst tatsächlich bewirken kann. Nicht nur Ausstellungsmacher denken daher darüber nach, welche Relevanz sie für die Gesellschaft haben und wie sie die Menschen erreichen, die heute noch nicht zu ihrem Publikum gehören. Wie sehen Musiker ihre Zukuftsperspektiven in Orchestern, die vor allem Musik der Vergangenheit aufführen? Das fragen sich vor allem jüngere Musiker, wie z. B. das ensemble resonanz und die Junge Deutschen Philharmonie und suchen das Gespräch mit neuen Zielgruppen an ungewöhnlichen Orten. Wie seht Ihr die Welt? Was interessiert Euch? Was hält Euch davon ab, ein klassisches Konzert zu besuchen? Welche Rolle spielt Kultur in Eurem Leben? Die Erkenntnis: Was klassische Musik auch für jüngere Menschen zukunftsfähig macht, ist die Kommunikation, das Sprechen über Musik, über Erlebnisse, Erfahrungen, Emotionen, das Einordnen in die Welt und das Vernetzen mit anderen Künsten. Wer die eigene Blase verlässt, wer mit seinem Publikum ins Gespräch kommt, offen ist, Fragen stellt und keine einfachen, vorschnellen Antworten liefert, bleibt interessant und relevant. Mögen die etablierten Kulturinstitutionen diesen Wegmarken folgen.

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Cappuccino-Bär und Evolution

Im Deutschlandfunk habe ich gelernt, was ein „Cappuccino-Bär” ist: ein neues Hybrid-Wesen aus Braunbär und Eisbär. Zu diesen Paarungen kommt es in Folge des Klimawandels in freier Natur. Weil das arktische Eis zunehmend abschmilzt, dringen Eisbären in südliche Lebensräume vor und treffen dort auf Grizzlys. Welche Rolle solche Hybride für die Evolution und den Artenschutz spielen, wird erst seit kurzem genauer erforscht, z. B. von Susanne Dobler, Professorin für Evolutionsbiologie am Zoologischen Institut der Universität Hamburg.

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Oktopus und Storytelling

Die Tierdokumentation Mein Lehrer, der Krake hat mich zum Nachdenken gebracht – in zweierlei Hinsicht. Sie basiert auf wissenswerten und wissenschaftlichen Fakten, die in eine sehr persönliche Geschichte verpackt ist. Um eine Lebenskrise zu überwinden, geht ein Filmemacher regelmäßig mit Brille und Schnorchel tauchen. Er entdeckt dabei einen Kraken, den er fortan über fast ein Jahr fast täglich begleitet. Seine Faszination überträgt sich rasch auf den Zuschauer. Man kann einiges über das Erzählen von Geschichten lernen, wie man Helden schafft, Erzählstränge verfolgt, Spannungsbögen aufbaut und, dass Filmkunst dazu beitragen kann, das eigene Verhalten zu überdenken. Nach diesem Film esse ich keinen Oktopus mehr.

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Grüne Fluchtorte, Kunst und Natur

Grün wirkt entspannend und beruhigend. Vielleicht sind Fluchtwege deshalb mit grünen Schildern gekennzeichnet (keine Panik!)… Viele hat es in Coronazeiten in die Natur gezogen. Auch ich habe einige Parks und Gärten besucht, die mich aus unterschiedlichen Gründen beeindruckt haben. Einer der schönsten Landschaftsparks im englischen Stil liegt in Hohenzieritz an der Mecklenburger Seenplatte. Der Park umgibt das Sommerschloss der Herzöge zu Mecklenburg-Strelitz mit der berühmten Luisen-Gedenkstätte. Mir erschien der Spaziergang wie eine Zeitreise 250 Jahre zurück, denn es gibt in Hohenzieritz nichts, was an die heutige Zivilisation erinnert: keine Autobahnen, keine Strommasten, keine Windräder. Hohenzieritz liegt abgeschieden in einem wunderschönen Natur- und Landschaftsschutzgebiet, das hoffentlich noch lange bewahrt werden kann.

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Wie bleibt die Zukunft lebenswert?

Den Themen Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit haben wir uns im Verlag schon vor einiger Zeit gewidmet. Unser Hörbuch Zukunft.Leben.Nachhaltigkeit ist aktueller denn je. Viele Menschen definieren Lebensqualität und Wohlstand heute nicht mehr durch Wirtschaftswachstum und Konsum, sondern durch Teilhabe und Gemeinschaft, Gesundheit und Selbstentfaltung. Stärken der Natur, nämlich Vielfalt und Erneuerung, sind Vorbild für abfallfreie Kreislaufwirtschaft, für technologische Innovationen und für krisensichere Gesellschaftsformen. Die Schauspieler Anne Moll und Ulrich Gebauer verbinden aktuelle Ideen über Nachhaltigkeit mit Mythen und Zitaten aus der Weltliteratur. Authentische Klänge und Bilder der Erde machen das Leben auf unserem Planeten sinnlich erfahrbar.

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Sind wir noch zu retten?

Können neue Technologien dabei helfen, den Klimawandel zu stoppen? Deutschland war schon immer ein Land der Tüftler und Entwickler. Was dabei an großartigen Vorhaben und Erfindungen entstanden sind, davon erzählen Hannelore Hoger und Dietmar Mues in unserem Hörbuch Deutsche Erfinder.

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Einsam oder gemeinsam?

Medien berichten täglich darüber, wie sich Länder und politische Lager fast überall auf der Welt entzweien. Dabei sollten wir es besser wissen. Nur gemeinsam lassen sich Lösungen finden und Herausforderungen meistern. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Weltweit sind mindestens 700 Millionen Mitglieder an Genossenschaften beteiligt, in Deutschland gibt es über 7.600 eingetragene Verbünde mit rund 20 Millionen Mitgliedern, überwiegend im Bereich Wohnungsbau. Viele treibt der Wunsch nach bezahlbarem, ökologischem Wohnen und einem sinnstiftenden Leben in einer vielfältigen Gemeinschaft. Inzwischen organisieren sich auch immer mehr kreative Genossenschaften, die Mitbestimmung einfordern – in der Stadt- und Dorfentwicklung und der Lebensgestaltung.

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Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Leitspruch „Einer für alle, alle für einen“ schon für die Kaufleute der Hansezeit galt. Darüber erzählt der Schauspieler Rolf Becker in unserem Hanse-Hörbuch. Ihren wirtschaftlichen Erfolg nutzten die Hanse-Kaufleute, um den Bürgern und sich selbst ein vielfältiges kulturelles Leben zu ermöglichen – mit prachtvollem Rathaus- und Kirchenbauten, mit Gemälden und Kunstwerken, mit Musik, Literatur und Tanz. Sie wussten sehr wohl, dass der Mensch für ein gesundes und erfülltes Leben mehr braucht als Arbeit, Essen und Schlaf. Mögen sich die Unternehmer und Politiker unserer Tage dies zum Vorbild nehmen und den Rotstift nach Corona nicht bei Kunst und Kultur ansetzen.

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Kreative Genossenschaften: Einer für alle, alle für einen

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

„Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, wie die Welt jemals verändert wurde.“ Margaret Mead, US-amerikanische Ethnologin und Kulturanthropologin

Der Holzmarkt in Berlin-Friedrichshain ist ein bunter und charmanter Ort urbaner Kreativität. Vielfältig, inklusiv und sinnstiftend wirkt er  in die Metropole hinein, auch deshalb, weil das Kultur- und Manufakturquartier als Genossenschaft organisiert ist.

Leitlinien

Am Holzmarkt haben sich Menschen zusammengefunden, die eine Vision haben: sie wollen nach fairen Grundsätzen nachhaltige, soziale und kulturelle Projekte ermöglichen und unterstützen. Gemeinsam wollen sie beweisen, dass wirtschaftlicher Erfolg auch dann bzw. nur dann möglich ist, wenn mit Menschen und Ressourcen behutsam und verantwortungsvoll umgegangen wird. Und das gelingt am besten mit dem Genossenschaftsmodell. Im Manifest der “Genossenschaft für urbane Kreativität” vom 23.04.2013 heißt es:

“Die Genossenschaft ist dem Wohl Ihrer Mitglieder und dem Erhalt des Vermögens verpflichtet, strebt jedoch nicht nach einer Maximierung monetärer Renditen… Die Genossenschaft beteiligt sich mit Ihrem von den Mitgliedern eingezahlten Vermögen ausschließlich an Unternehmen und Projekten die den in diesem Manifest vereinbarten Kriterien entsprechen.”

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Gemeinschaftsprinzip

Die Genossenschaft ist ein Lösungsmodell für Aufgaben und Probleme, die ein Einzelner nicht bewältigen kann, eine solidarische Gemeinschaft aber schon. Und so ist diese Organisationsform die Antwort bzw. die Alternative zu unserem aktuellen Wirtschaftssystem. Dessen Schwachstellen haben vermehrt zu Krisen und zum Reichtum einiger weniger geführt. Die Genossenschaft bietet demokratische Strukturen, weil sie die Interessen der Mitglieder in den Mittelpunkt stellt und damit den Wohlstand und die Lebensqualität vieler Menschen.

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Gleichheitsprinzip

Die Genossenschaft ist auch ein Unternehmensmodell. Viele Kreativschaffende haben es bewusst für sich gewählt. Es zielt auf Teilhabe und auf die gerechte Verteilung der Gewinne, von denen auch die jeweiligen Regionen profitieren. In der Genossenschaft hat jede Person eine Stimme, unabhängig vom eingebrachten Kapital bzw. von den Genossenschaftsanteilen. Alle Mitglieder sind gleichberechtigt. Es gelten demokratische Kernwerte: Solidarität, Gerechtigkeit, Freiwilligkeit und der Leitspruch: „Einer für alle, alle für einen!“

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Teilen als Selbstverständnis

Die sharing-economy hat der Idee des Teilens neuen Auftrieb gegeben: Wohnungen, Büros, Autos, Werkzeuge, Gärten, Konsum und Lebensmittel, Bücher, Kleidung, Finanzen – alles kann geteilt werden. Auch kreatives bürgerschaftliches Engagement, das „soziales Kapital“ schafft und damit enorme Bedeutung für die Volkswirtschaft besitzt. Es erspart dem Staat Kosten für Regularien und Hilfeleistungen zum Wohle der gesamten Gesellschaft. Gemeinschaften können Aufgaben
und Konflikte jenseits staatlicher Eingriffe auf der Basis von Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen lösen.

Zahlen und Statistik

Etwa jeder vierte Bürger in Deutschland ist heute Mitglied in einer Genossenschaft, etwa 21 Millionen Menschen. Weltweit sollen es in über 100 Ländern 800 Millionen sein. Wie modern, aktuell und lebendig dieses Organisationsmodell ist, hat die UNESCO-Kommission 2016 bekräftigt. Sie nahm die Genossenschaftsidee in die internationale Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Neben Projekten für Wohnen, Öko-Landwirtschaft, Banken, Handel, Energieerzeugung und Krankenhäuser organisieren sich immer mehr Kreative in genossenschaftlichen Vereinigungen.

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Kreativgenossenschaften

Genossenschaften bieten Freiraum, um Leben und Arbeit eigenverantwortlich und kokreativ zu gestalten und gemeinschaftlich von der Wertschöpfung zu profitieren. Vor allem – aber nicht nur – in städtischen Quartieren schließen sich Kreativschaffende zusammen, entwickeln Arbeits- und Probenräume für die freie Kunst-, Tanz-, Theater- und Musikszene, z. B. in Berlin im schon erwähnten Holzmarkt-Areal die „Genossenschaft für urbane Kreativität eG“, in Hamburg die Gängeviertel-Genossenschaft (seit 2010 eG) und die Wiese eG – ein Ort des Miteinanders in einer früheren Maschinenfabrik in Hamburg , der verschiedene Künste, Künstler*innen und Energien unter einem Dach vereint.

© MassivKreativ, Berlin, Holzmarkt

Mischnutzungskonzept

Die fux eG hat sich in der Viktoria-Kaserne in Hamburg zusammengefunden, nach langem Ringen gehört auch eine stillgelegte Schule in der Gartenstadtsiedlung Hamburg-Berne zur Genossenschaft. Den Erfolg soll wie am Berliner Holzmarkt ein Mischnutzungskonzept sichern – aus den Themenbereichen Kultur und Soziales. Geplant sind zum jetzigen Zeitpunkt im Sommer 2021 Ateliers, Räume für Musiker, Musikschullehrer und Darstellende Künste, eine Bühne, Gastronomie in Verbindung mit Kunst und Events. Auch das Thema Gesundheit soll eine größere Rolle spielen, angedacht sind Praxen für Ärzte, Psycho- und Physiotherapie sowie ein Yoga-Raum. Mögen viele weitere kreative Genossenschaften wie diese folgen.

Stadtentwicklung und Wohnen

Für die Belebung der Hamburger Innenstadt engagiert sich seit 2017 die Initiative Altstadt für Alle! – eine zivilgesellschaftliche Initiative, die getragen wird durch die Patriotische Gesellschaft von 1765, die Evangelische Akademie der Nordkirche und die Gruppe „Hamburg entfesseln!“ Gemeinsames Ziel ist es, Begegnungen und Austausch der Bürgerengagement im Stadtteil zu fördern. Aus dem gemeinsamen Engagement hat sich im Dezember 2018 die Genossenschaft Gröninger Hof eG gegründet, um das alte Parkhaus an der Katharinenkirche zu einem Wohnhaus umzubauen und aus bestehender Bausubstanz bezahlbaren Wohn- und Gewerberaum zu schaffen – nach dem Motto “Autos raus, Menschen rein”. Gleichzeitig sollen Wohnen, Arbeiten und Kultur miteinander verbunden werden. Eine vielfältige soziale Durchmischung der Nutzer*innen soll die gemeinschaftlichen Einrichtungen fördern und einer nachhaltigen Entwicklung dienen.

 © Hamburg, Groeninger-Hof.de 

Modellprojekt Elektrizitätswerk

Das ehemalige Elektrizitätswerk, das Kraftwerk Bille in Hamburg Hammerbrook, hat eine bewegte Geschichte. Im 2. Weltkrieg wurden weite Bereiche zerstört, ab den 1970er Jahren siedelten sich Kleinbetriebe an, u. a. Künstlerateliers, Lagerflächen, Fotostudios. 2011 wird das Gebäude als Zeugnis der Industriegeschichte unter Denkmalschutz gestellt. Mit städtebaulichen Veränderungen beginnen Vorbereitungen für Sanierungen und damit wachsen auch Begehrlichkeiten. Die kreative Zwischennutzung ist zunehmend gefährdet. Eine private Eigentümergesellschaft, die Kraftwerk Bille Hamburg GmbH, hat das Objekt erworben.

Der gemeinnützige Hallo: Verein zur Förderung raumöffnender Kultur e.V. plant daher derzeit die Gründung der Genossenschaft WERK eG.  Die Vereinsmitglieder möchten einen Gebäudeteil von der jetzigen privaten Eigentumsgesellschaft erwerben und betreiben: “Wir fordern von der Eigentümergesellschaft Kraftwerk Bille Hamburg GmbH den Verkauf eines mindestens 4.000qm großen Gebäudeteils des Kraftwerk Bille an die WERK eG zu einem fairen Preis”, heißt es dazu auf der Website des Vereins, der bereits 2015 gegründet wurde. Damit sollen Räume für Kunst und Kultur, Forschung, Produktion und Soziales geschaffen, dauerhaft gesichert und der Boden für Spekulation entzogen werden.

Der Hallo:Verein wirkt an der Schnittstelle zwischen Stadtteilkultur, Kunst und Stadtentwicklung. Im interaktiven Austausch loten die Akteur*innen Formen der Mitbestimmung bei der Stadtgestaltung aus. Dazu gehören  z. B. nachbarschaftliche und künstlerische Raumproduktionen,  Zwischennutzungen, wie die Künstlerproduzentenmesse P/ART, die HALLO: Festspiele sowie vielfältige Musik- und Theaterperformances. Die Akteur*innen wünschen sich für ihr lebendiges und kreatives Quartiers langfristig eine Mischnutzung mit Büros, Ateliers, Gastronomie, Produktion und Veranstaltungen. Mit einem eigenen Team wird außerdem das Projekt PARKS realisiert, um gemeinschaftlich Freiräume zu entwickeln.

 © MassivKreativ, Hamburg, Kraftwerk Bille

Das Kraftwerk Bille wurde 2021 vom Innenministerium als Nationales Städtebauprojekt ausgewählt und soll von Bund und Stadt Hamburg mit rund 9 Mio. € gefördert zu werden. Die geplante Genossenschaft WERK will in diesem Rahmen einen Gebäudeteil des Kraftwerk Bille von der jetzigen Eigentümergesellschaft ‘Kraftwerk Bille Hamburg GmbH’ gemeinschaftlich kaufen, sanieren und selbst verwalten: “In enger Kooperation mit dem Bezirk Hamburg-Mitte und weiteren städtischen Vertreter*innen soll das Konzept zu einem Modellprojekt für gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung mit nationaler Strahlkraft weiterentwickelt werden.” (weitere Infos)

 © MassivKreativ, Hamburg, Kraftwerk Bille

 © MassivKreativ, Hamburg, Kraftwerk Bille

CoWorkLand: Mit Coworking gegen Landflucht – eine Initiative der Böll-Stiftung SH

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Coworking ist in Großstädten ein gut gehendes Geschäftsmodell. Doch wie ist es auf dem Land? Bei einem Feldversuch hat die Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein herausgefunden, dass gemeinschaftliches Arbeiten auch dort Interessenten findet. Ich habe mit Ulrich Bähr, dem Initiator und inzwischen auch geschäftsführenden Vorstand von „CoWorkLand“, gesprochen.

CoCreative Feldforschung

Alles beginnt als Experiment: Im Sommer 2018 startet die Heinrich-Böll-Stiftung in Schleswig-Holstein einen Testballon: eine Prototyping-Tour mit Coworking-Spaces. Mehrere Monate touren die Initiatoren um Ulrich Bähr durch den Osten Schleswig-Holsteins. Sie bringen mobile temporäre PopUp-Arbeitsplätze in städtische und ländliche Regionen und wollen herausfinden, welche Orte für Coworker attraktiv sind (und welche weniger). Ausgebaute Frachtcontainer bieten jeweils bis zu acht internetfähige Arbeitsplätze und zusätzlich freie Arbeitsgelegenheiten auf einer Terrasse.

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Was Coworker suchen

Die Container machen Station an Gutshöfen, Stränden, Seeufern und öffentlichen Plätzen. Einige logistische Voraussetzungen müssen vor Ort vorhanden sein: schnelles Internet, Strom, Toiletten und Wasser, dazu guter Kaffee, schöne Ausblicke und vor allem: nette, offene, interessante Leute. Auf ihrer Reise mit den mobilen Arbeitsplätzen erfahren die MitarbeiterInnen der Stiftung, was genau die Coworker suchen. Kollaboration, Konzentration, Kommunikation, Austausch – diese Wünsche nennen die Nutzer von Coworking-Spaces am häufigsten – neben dem Bedarf am Arbeitsraum selbst. Ulrich Bähr: „Den meisten Coworkern geht es nicht unbedingt um Platz oder Arbeitsraum, sondern um sozialen Anschluss, darum sich zu vernetzen.“

Unterschiede in Stadt und Land

Bei der Auswahl der Orte, an denen die Container aufgebaut wurden, leisten Kreativschaffende vor Ort wertvolle Unterstützung. Bähr ist mit ihnen in ständigem Austausch. Partizipative Zusammenarbeit mit Akteuren bzw. Kokreation wird immer wichtiger, wenn Projekte gelingen sollen, insbesondere wenn sie Neuland betreten. Nach gut einem Jahr haben Bähr und seine MitarbeiterInnen wertvolle Einblicke in die konkreten Wünsche und Bedürfnisse erhalten: „Konzepte für Coworking-Spaces innerhalb einer Stadt lassen sich eher übertragen als auf dem Land. Während das Mindset der Coworker in der Stadt relativ ähnlich ist, sind die Kulturen auf dem Land wegen der Menschen eher unterschiedlich.“ Doch egal ob in der Stadt oder auf dem Land, Coworking beflügelt Innovationen.

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Alter und Berufe der Coworker

Auch demografische und branchenspezifische Erfahrungen können die Initiatoren sammeln. Wie alt sind die Coworker und welchen berufen gehen sie nach? Ulrich Bähr: „In den Städten waren es vor allem junge Leute aus einem kreativen Umfeld. Auf dem Land treffen sich eher ältere Zielgruppe ist um die 30 bis 50 Jahre. Die Coworker dort kamen aus sehr vielfältigen Branchen, Handwerker, Steuerberater, Lehrer, sogar Soldaten.“ Der große Reiz und Vorteil von gemeinschaftlichem Arbeiten besteht darin, dass Menschen mit ihren Kompetenzen und Fähigkeiten sich gegenseitig ergänzen. Der eine kann das, was der andere nicht kann und dringend braucht. Diverse, heterogene Teams sind erfolgreicher als homogene Gruppen. Im Rahmen von CoWorkLand gab es in dieser Hinsicht einige gute Beispiele. Eine Erfolgsgeschichte hat Ulrich Bähr miterlebt: „Ein Pensionär aus München kam erwartungsvoll zu CoWorkLand. Er hatte dort gerade sein Sanitätshaus aufgegeben, war in ein kleines Dorf bei Kiel gezogen und wollte nun einen Onlineshop für Rollstühle aufbauen. Er traf in unserem Coworking-Space zufällig auf einen etwa 30 Jahre jüngeren Mann aus einem anderen Dorf, der gerade einen Onlineshop für orthopädische Kissen aufbaute. Es gab Synergien und beiden taten sich zusammen. Eine schöner Kooperation, gewachsen auf einem Acker hinterm Deich am Schönberger Strand bei Kiel.“

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Coworking zur Dorfbelebung

Ulrich Bähr führt viele Gespräche. Er erfährt, dass gerade auf dem Land der Bedarf an Austausch groß ist. Durch Abwanderung und Demografiewandel haben sich traditionelle Treffpunkte häufig aufgelöst. Gespräche und Dialoge bleiben auf der Strecke und damit der soziale Kit, die Basis für unser Zusammenleben. Wenn die Menschen nur noch zum Schlafen in die Dörfer kommen und alle anderen Dinge – Arbeit, Einkauf, Freizeit – an anderen Orten gelebt werden, ist das Dorf tot. BewohnerInnen im ländlichen Raum haben das längst erkannt. Coworking-Spaces  könnten eine Lösung sein. Doch wo und wie lassen  sie sich erfolgreich betreiben? Olaf Bähr: „In manchen Dörfern wohnen schon Kreative, da denken die Leute vorwärts. In anderen Dörfern ist alles noch sehr, sehr konservativ. Gut geeignet für einen Coworking-Space ist die sogenannte „neue Dorfmitte“, wo es bereits einen Hofladen gibt, eine Kita, ein Restaurant, ein Hotel oder auch eine Arztpraxis. Dort können multifunktionale hybride Orte entstehen, die eine vielfältige Versorgungsfunktion übernehmen.“

Genossenschaft

Gudrun Neuper, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, begleitet das Coworking-Projekt ehrenamtlich. Sie sagt: „Kein Coworking Space auf dem Land gleicht dem anderen, überall ist es anders. Aber stets ist die Kreativwirtschaft ein fruchtbarer Teil davon.“ Die mobilen Container wirken als Impuls und Initialzündung. So könne man zunächst Interesse und Bedarfe klären und erste Impulse setzen. Die Nachfrage war so groß, dass die Böll-Stiftung mit der CoWorkLand eG nun eine Genossenschaft gegründet hat, die ein organisatorisches Dach für die Initiatoren und Betreiber von Coworking-Spaces bietet. Seit 2019 sind über 50 von Schleswig-Holstein bis Bayern entstanden. Neupers wichtigste Erkenntnis: „Was man für das Gelingen unbedingt braucht, sind bereits gewachsene Netzwerke und Communities vor Ort und die Bereitschaft der Gemeinden, Wirtschaftsförderer und Regionalentwickler, die Communities und die Coworking-Projekte bei ihren Vorhaben zu unterstützen.“ 

So finden sich immer mehr couragierte Akteure, die das Experiment wagen und einen eigenen Coworking-Space aufbauen bzw. betreiben wollen. Doch die meisten haben immensen Beratungsbedarf. Die Fragen der Coworker von morgen ähneln sich: Welche Rechtsform soll ich wählen? Welches Personal brauche ich? Wie regele ich Buchhaltung und Steuern? Welche Versicherungen sind nötig? Wie komme ich an Fördermittel? „Es gibt eine Menge Hürden, die die Leute überwinden müssen“, weiß Ulrich Bähr. „Da wir nach einem halben Jahr 50 solcher Akteure hatten, haben wir gesagt: OK. Ihr konzentriert euch auf die Dinge vor Ort, die Coworkings zu gestalten. Und wir gründen eine Genossenschaft, um genau die organisatorisch-verwaltenden Themen zentral zu bearbeiten und Euch damit zu unterstützen. Inzwischen sind wir ein Netzwerk von fast 50 GenossInnen.“

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Solidarprinzip

Im Februar 2019 wird CoWorkLand zum gemeinschaftlichen Dach unter Federführung der Heinrich-Böll-Stiftung. Das genossenschaftliche Denken entspricht voll und ganz dem Selbstverständnis und den Werten der Stiftung. Im Fokus stehen das Solidarprinzip sowie eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Unternehmensführung, getreu dem Motto: „Einer für alle, und alle für einen“. Die weltumspannende Idee der Genossenschaft begeistert weltweit bereits 800 Millionen Mitglieder in über hundert Ländern. Und sie hat nochmals Auftrieb bekommen, seit die UNESCO Ende 2016 beschlossen hat, die Genossenschaftsidee als immaterielles Weltkulturerbe anzuerkennen. Hierzulande ist die Idee eng mit ihren Gründungsvätern Hermann Schulze-Delitzsch und Friedrich-Wilhelm Raiffeisen verbunden und Teil unserer Erinnerungskultur.

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Empowerment

CoWorkLand unterstützt in der Genossenschaft kreative und innovativ denkende und handelnde Mitglieder. Es ist ein Netzwerk entstanden, das Gründer und Selbstständige inspiriert und professionalisiert, eigene Coworking-Spaces auf dem Land zu entwickeln, damit die BewohnerInnen möglichst an vielen Orten im ländlichen Raum ortsunabhängig arbeiten können. Am besten an Orten, die bereits da sind und an denen es passt: im Gasthaus, im Dorfladen, in der Scheune.

Im Sommer 2020 gibt es etwa 26 aktive CoWorking-Spaces im CoWorkLand, u. a. Cobaas in Preetz, Cocina Coworking-Kitchen in Kiel, MS39 in Soltau, Tiny House PopUp-Campus in der Hafencity in Hamburg, Westerwerk in Itzehoe und Wir bauen Zukunft in Nieklitz in Mecklenburg-Vorpommern. Ständig kommen neue Orte hinzu. Ein wichtiger Baustein der Genossenschaft sind Tageskurse mit Coachings , die das nötige Wissen und Rüstzeug vermitteln. CoWorkLand unterstützt seine Mitglieder bei der Gründung und beim Betrieb von Coworking-Spaces auf allen Ebenen, hilft z. B. auch beim überregionalen Marketing, bei der Buchhaltung mit einer  Abrechnungsplattform und berät zum Thema Förderung. Ulrich Bähr: “Gerade im ländlichen Raum sehen wir zur Zeit keine geeigneten Förderprogramme. Es gibt nur alte Förderprogramme, die auf die neuen Orte nicht passen. Wenn diese neuen Coworking-Orte entstehen, brauchen sie weniger investive Förderungen, sondern vor allem Betriebsmittel für das normale Auskommen… Zusätzlich vernetzen wir die Coworker zum Wissensaustausch untereinander und bieten ihnen Qualifizierungskurse an, z. B. zum Community Management.“

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Mehrfachnutzen: alle profitieren

CoWorking auf dem Land ist in mehrfacher Hinsicht zukunftsorientiert. Mit der Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten sorgt es für gleichwertige Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land. Coworking auf dem Land schützt das Klima, weil die DorfbewohnerInnen nicht jeden Tag in ein Büro in der Stadt fahren müssen. So gewinnen die Menschen Lebenszeit und Lebensqualität, können Familie und Beruf besser vereinbaren. Zusätzlich werden Straßen und Verkehr entlastet. Mit den Coworking-Spaces gelangen digitale Kompetenzen aufs Land, die gerade ältere Menschen dringend brauchen, wenn sie nicht mehr mobil sind und ihre Versorgung z. B. über Handy und Computer regeln müssen. Ihre Fragen im Umgang mit Geräten und Software können die digitalen Nomaden in den Coworking-Spaces leicht beantworten.

Coworking wirkt so als Türöffner für den alltäglichen sozialen Austausch, von dem alle profitieren: digitale Nomaden, Freiberufler, Start-up-Gründer und Senioren vor Ort. Jeder profitiert vom Wissen der anderen. Ältere Menschen können jüngeren Coworkern mit Lebenserfahrung helfen, wertvolle Kontakte in die Gemeinde vermitteln sowie lohnenswerte Orte für Ausflüge und Freizeit empfehlen. Die digitalen Knotenpunkte in den Coworking-Spaces helfen dabei, durch persönlichen analogen Austausch neue Gemeinschaften zu bilden, sich gegenseitig zu helfen und zu inspirieren. Ländliche Ortskerne könnten wiederbelebt werden. Wo Menschen arbeiten, siedeln sich auch Familien, Kitas, Läden, Restaurants, Cafés und Vereine an. Coworking Spaces werden zu Keimzellen kreativen Unternehmertums.

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Bildung, Medien, Nachhaltigkeit

Die spannenden Verbindungslinien zwischen analog und digital beschäftigen Ulrich Bähr schon sehr lange. Er ist ursprünglich als „Digitalisierer“ zur Heinrich-Böll-Stiftung nach Kiel gekommen. Nach dem Studium der Medienwissenschaft ist er einige Jahre bei Volkswagen tätig. Um die Jahrtausendwende sind die Berührungsängste gegenüber digitalen Bildungsangeboten noch groß. Bähr experimentierte zur Frage, wie sich Mobilität und Medienkompetenz für Jugendliche verbinden lassen. Wenig später machte sich Bähr selbständig, arbeitete weiterhin für VW, aber auch für andere Kunden. Im Fokus stehen: Bildung, neue Medien, Internet, vor allem auch Nachhaltigkeit. Seine Kunden sind Greenpeace, der WWF, Bundes- und Landeszentralen für politische Bildung, Bundesrat, viele Landesparlamente. Der Weg zur Bildungsstiftung in Kiel ist geebnet, denn auch die Böll-Stiftung sucht in dieser Zeit nach neuen Formaten und Methoden für die Vermittlung. Im Juni 2016 übernimmt Ulrich Bähr bei der Stiftung die Projektleitung “Digitalisierung & ländliche Räume”.

Analog und digital

Das partizipative Denken, das CoWorkLand auszeichnet, treibt Bähr schon damals um: „Es gibt ja viele Methoden aus dem Dunstkreis der „Neuen Arbeit, d. h. dass man Inhalte gemeinsam erstellt und nicht mehr diese top-down-orientierte Lehrer-Schüler- Position einnimmt. Es ging also um die Frage, ob man Formate mit prozessualen CoCreationen auch für eine Bildungsinstitution fruchtbar machen kann.“ Bei der Verständigung über Schnittstellen zwischen analogen und digitalen Lernformaten rückt auch das Thema städtischer und ländlicher Räume in den Fokus. Und so reift die Idee, ein urbanes Thema in die Provinz zu tragen. CoWorkLand ist innerhalb kürzester Zeit zur Erfolgsgeschichte geworden. Was in der Stadt als Spielwiese für junge Kreative entstanden ist, wird auf dem Land als analoge Andockstation weitergedacht, über die sich sich persönliche Kontakte zwischen den Generationen, zwischen Alt- und Neubürgern entwickeln. So hilft Coworking auch dabei, dem Trend der Landflucht entgegenzuwirken.

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Ausblick: Studie und Kongress

Derzeit untersucht die Bertelsmann-Stiftung in einer zweiteiligen Studie, welche weiteren Wirkeffekte durch Coworking noch entstehen können. Austausch und Teilhabe gehört zu den Voraussetzungen von erfolgreichem gemeinschaftlichen Arbeiten. In diesem Sinne wird auch der Kongress Coworking auf dem Land dazu beitragen, dass weitere Ideen entstehen und partizipative Projekte vorangetrieben werden. Vom 21.4. – 23.4.2020 lädt die „dvs Vernetzungsstelle“ zu einer Kooperationsveranstaltung ein – gemeinsam mit CoWorkLand und Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein, der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e. V. sowie dem Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein. Am ersten Tag sind Vorträgen und Workshops im Atelierhaus auf dem Anscharcampus in Kiel zu erleben, ein Ökosystem von KünstlerInnen, DesignerInnen und anderen Kreativen sowie engagierten Menschen für Nachhaltigkeit und Inklusion, weitere Impulse liefert der Muthesius Transferpark. Am zweiten Tag des Kongresses führt eine Bustour zu spannenden Coworking Spaces der Region.

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