Ideenlabor und Impulsgeber: die Grüne Werkstatt Wendland

 © MassivKreativ

Die Grüne Werkstatt Wendland versteht sich als Plattform und Prototyp in einem, als kreatives Ideenlabor und Impulsgeber für das Wendland. Das Projektbüro ist im ehemaligen Alten Postamt in Lüchow untergebracht, kurz Postlab genannt. Ein engagierter Kreis von Ehrenamtlichen entwickelt und koordiniert neue Vorhaben, die jeweils über Projektförderungen finanziert werden. Dabei stehen Fragestellungen im Zentrum, die die Region in besonderer Weise voranbringen sollen, z. B. 

Welche Ausstellungskonzepte würden mehr Besucher in ein regionales Museum ziehen?
Wie könnte man Lüchow als lebendige Einkaufsstadt attraktiver gestalten?
Wie sehen Produkte aus, die Jugendliche motivieren, neue Fähigkeiten zu erlernen?
Was lässt sich aus den MDF-Plattenresten der Firma Werkhaus herstellen?
Wie bringt man ‚krummes‘ Gemüse aus dem Wendland auf den Markt?
Wie möchte ich leben? Wie möchte ich arbeiten? Wie können wir die Welt besser, schöner und gerechter machen?“

und so weiter … 

Gemeinsam stark für die Region

Hinter der grünen Werkstatt steht ein kleiner gemeinnütziger Verein, der Netzwerke zwischen Hochschulen, Schulen, Verwaltungen und regionaler Wirtschaft initiiert und so die Region stärkt. Zu den Initiatoren der Grünen Werkstatt gehören Bürger, Vertreter der Kreisverwaltung Lüchow-Dannenberg und der Wirtschaftsförderung, ferner Künstler, Handwerker und Unternehmer.

Mitdenken und Mithandeln

Die Grüne Werkstatt Wendland beschreibt sich selbst als Treffpunkt für Menschen, die für ihre Projekte Mitdenkende, Mitmachende und Ermöglichende suchen. Als Platz für Freischaffende und Firmengründende, die nicht allein arbeiten wollen, sondern sich austauschen möchten. Als Raum für Menschen, die etwas bewegen und darüber mit anderen diskutieren wollen. Als gute Adresse für Wendländer auf Zeit, die an ihren Ideen arbeiten wollen. Als Ort, an dem man gut Kaffee trinken und Ideen ausbrüten kann. Die Aktion Willkommenstrunk  zum Beispiel erfand eine kreative Gruppe um Webdesignerin Simone Walter: Geflüchtete und Einheimische ernteten 2015 gemeinsam Äpfel und pressten daraus Saft. Der Verkaufserlös kam den Geflüchteten zugute.

 © MassivKreativ

Junge Designer und regionale Unternehmen 

Nicole Servatius übernahm direkt nach ihrem Studium an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim die Leitung des Projektbüros der Grünen Werkstatt. In Design Camps brachte sie junge Design-Studenten und Absolventen mit lokalen Unternehmen zusammen, die gemeinsam neue maßgeschneiderte Produkte und Geschäftsmodelle entwickelten. Viele junge Menschen aus der Stadt haben auf diese Weise  das Leben und Arbeiten auf dem Lande kennen und lieben gelernt.

Kreative Köpfe und Ideen

Was treibt die Menschen im Wendland an? Wovon träumen sie? Diese Fragen hatten auch die Akteure der Grünen Werkstatt und entwickelten dazu das Buch Wendland im Wandel. 20 Protagonisten dieses Buches erzählen beispielhaft ihre Geschichten und Taten, erklären ihre Lebenskonzepte und Ihr Schaffen im Alltag. Einige von ihnen haben ihre Kindheit im Wendland verbracht und sind später nach Ausbildung oder Studium bewusst wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Andere haben sich nach einem (Vor-)Leben in der Großstadt bewusst für das Wendland entschieden. Die Schilderungen der unterschiedlichen Lebenswege sollen auch andere Bürger ermutigen, das Leben und die Zukunft der einzigartigen Region aktiv mitzugestalten. 

 © Buch der Grünen Werkstatt

Projekte und Vorhaben

Im Interview berichtet Nicole Servatius über weitere Projekte der grünen Werkstatt, z. B. über Ausstellungen junger Designerinnen im Wendland und im Museum Wustrow, z. B. „Museum öffne Dich“ und „Stadt Land Flucht“ und über „Leben auf dem Lande –  Wohnen auf großen Höfen“. Sie stellt ihre neue Tätigkeit als Leiterin der Stabsstelle Regionale Entwicklungsprozesse des Landkreises Lüchow-Dannenberg vor und das  im Juli 2018 gestartete zweijährige Projekt „WendLandLabor“ des Landkreises Lüchow Dannenberg – ein Projekt für soziale Innovationen. Nicole Servatius übernimmt dafür koordinierende Aufgaben, Christof Jens leitet die operativen Geschäfte. Servatius spricht über Synergie-Effekte für die Grüne Werkstatt, über junge Fachkräfte für die Region, über Chancen, Potentiale und den besonderen Charme des Wendlands.

 © MassivKreativ: Nicole Servatius

PODCAST-INTERVIEW

Ideenlabor und Impulsgeber: die Grüne Werkstatt Wendland

Schweine, Landleben und Politik: der Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde

 © Jerzy Sawluk, pixelio.de

Seine Schweine und seine Serie „Marundes Landleben“ haben den Cartoonisten und Illustrator Wolf-Rüdiger Marunde  bekannt gemacht. Marunde wurde in Hamburg geboren, ist später in ländlichem Umfeld auf einem Bauernhof in Schleswig-Holstein aufgewachsen und lebt seit 1988 im Wendland. Er hat für viele Print-Magazine gezeichnet, u. a. für Brigitte, Stern und Pardon. Bis heute erscheint ein wöchentlicher Cartoon von ihm in der HÖRZU.

 © MassivKreativ: Wolf-Rüdiger Marunde

Wandler zwischen Stadt und Land

In seinen lebensprallen Zeichnungen und Illustrationen nimmt Marunde häufig Bezug auf das Landleben. Seine Helden und Charaktere stammen  jedoch aus Stadt und Land, häufig Tiere, sehr oft Schweine, aber auch menschliche Zeitgenossen, wie Bauern, Jäger, Großstädter und Umweltaktivisten. Wenn beide Welten aufeinander treffen, ergibt sich „Zündstoff“. Im Interview erzählt Marunde, wie seine künstlerische Arbeiten entstehen, wie er recherchiert, kreative „Feldstudien“ betreibt und wie sein Tagesablauf aussieht.

  © Karl-Heinz Laube, pixelio.de

Themen zwischen Umwelt und Politik

Auch Umwelt und Politik thematisiert Marunde in seinen Arbeiten. Im Interview berichtet er, was für ihn das Besondere am Wendland ist, wie er die Anti-Atomkraft-Bewegung rund um Gorleben erlebt hat, wie die Kulturelle Landpartie – kurz KLP – einst begann und wie er heutige gesellschaftliche Entwicklungen und Probleme sieht. Marunde spricht auch darüber, welche Rolle Künstler in der Gesellschaft spielen, ob und wie sie sich politisch engagieren sollten.

  © MassivKreativ: Wolf-Rüdiger Marunde und Antje Hinz

 

PODCAST-INTERVIEW

Schweine, Landleben und Politik: der Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde

Warum können die das? Künstler als Gesellschaftsgestalter

 © Marina Wiblishauser, pixelio.de 

Wie und wofür setzen wir unsere Kreativität ein? Bei der Beantwortung dieser Frage geht es vor allem um „innere Haltung“ und um „Gewissenhaftigkeit“. Wir müssen uns über die Folgen unseres Handelns bewusst werden. Kreativität besteht nicht nur in ästhetisch-gestalterischen Kompetenzen.  Künstler und Kreativschaffende sind daher vielseitige Gesellschaftsgestalter. 

Reflexion unseres Handelns

Über den Start eines gentechnischen Projektes entscheidet eine Ethikkommission. Bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz, bei Biohacking, transhumanistischen Selbstversuchen und Kryonik-Experimenten steht eine vergleichbare Kontrollinstanz noch aus, obwohl die Konsequenzen derzeit nicht absehbar sind. Sebastian Feucht ist Spezialist für ökointelligente Gestaltung und Vorsitzender des Sustainable Design Center e.V. und prägte den Begriff enkelfähig für zukunftsgerichtetes Design: „Enkelfähige Produkte sind so konzipiert, dass unsere Enkel die gleichen Chancen haben wie wir hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs und hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit.“

 © knipseline, pixelio.de 

Was Künstler und Entrepreneure verbindet

Verantwortungsbewusste Kreativschaffende und Gründer von Sozialunternehmen nutzen Kreativität auf ähnliche Weise wie Künstler. Wirtschaftsprofessor Günter Faltin, Autor des Buches „Kopf schlägt Kapital“, erklärt es so: „Für mich ist der Entrepreneur näher am Künstler als am Business-Administrator, am Verwalter. In der postindustriellen Gesellschaft können wir mit unseren Bedürfnissen mehr von Kunst lernen und uns an ihr orientieren als von einer Ökonomie mit Gewinnmaximierung … Kunst und Kunstbetrachtung können z. B. bei der Produktentwicklung helfen. Man kann an einem Kunstwerk systematisch erklären und erproben, wie man zu den Prinzipien des Entrepreneur-Designs gelangt.“ Wirkprinzipien der Kunst sollten also beherzter auf das Leben und die Gestaltung der Gesellschaft übertragen werden.

Wie Künstler fühlen und denken

Für den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck ist Empathie eine wichtige künstlerische Kompetenz „Ich glaube, dass Menschen, die ein Herz haben, es auch für Mitmenschen haben. Indem Künstler uns in unserer Ganzheit ansprechen, unsere Gefühle und unser Herz, erwachen in uns auch Bestrebungen, die über uns hinausgehen. Das Mitmenschliche ist vielleicht vorpolitisch, wirkt sich aber politisch aus. Zuwendung heißt politisch ‚Solidarität‘. Eines erwächst aus dem anderen, ohne dass der Künstler sagen muss, ich bin ein politischer Aktivist.“

 © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de 

Warum wir kreative Menschen mit Haltung brauchen

Viele meiner auf MassivKreativ gesammelten Fallbeispiele zeigen Künstler und Kreative als Forscher, Vor- und Querdenker, als Visionäre und Zukunftspioniere, als Aktivisten, nicht zuletzt im Umgang mit Vielfalt. Sie haben die Fähigkeit, gesellschaftsgestaltend zu wirken, weil ihre Kreativität nicht allein in der Kunst gefangen ist. Die Innovationsforscherin Ursula Bertram vergleicht die Haltung von Künstlern mit einer Haut, in die man nach und nach hineinwächst. Dies brauche Zeit, Willen und Ausdauer: „Mit einer künstlerischen Haltung kann man nicht nur Bilder malen, sondern auch andere Prozesse begehen in ganz anderen Fachgebieten. Man kann damit auch in die Wissenschaft, in die Wirtschaft, überall hin … Wenn ich einem Künstler die Bilder wegnehme, dann bleibt das künstlerische Denken übrig und das ist die Essenz, die ich auch auf andere Gebiete anwenden kann …“

Kompetenzen von Künstlern zur Gesellschaftsgestaltung

Kreativität ist eine ständige Begleiterin von Künstlern, sie ist innere Triebkraft, häufig Überlebensstrategie und „Daseinsform“, denn – so schreibt der Psychologe Daniel Golemann, „Menschen, die kreativ sind, denken ständig über das Gebiet nach, auf dem sie arbeiten“.
Im Dokumentarfilm Coda spricht der japanische Pianist Ryuichi Sakamoto über die Fähigkeit des Vorausdenkens und Vorhersehens: „Künstler sind wie Kanarienvögel im Bergwerk. Sie spüren das Unheil, bevor es geschieht.“  
Künstler sollten in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu Beratern werden. Warum? Künstler und Kreative sind Überlebensstrategen, von denen sich vieles lernen lässt. Die von mir zusammengestellte Übersicht vielfältiger Eigenschaften und Kompetenzen zeigt im Detail, woran sich die besondere Haltung von Kreativen festmachen lässt:

  • Offenheit, gedankliche Freiheit, Neugierde, Wissbegierde 
  • Freude an Recherchen und Fragen: Wer fragt, führt!
  • Zuhören können, Interesse an neuen Blickwinkeln
  • Fähigkeit zu Perspektiv- und Rollenwechseln
  • Mut, originell und einzigartig zu sein und gegen den Strom zu schwimmen
  • Mut, Routinen zu hinterfragen und aufzubrechen, Dinge anders zu machen
  • Mut zum Risiko, Fehler zu machen, Irrtümer in Kauf zu nehmen
  • Fähigkeit zu nichtlinearem, und themenübergreifendem Quer- und Hybrid-Denken  
  • Freude und Interesse am lebenslangen Lernen
  • Offenheit für Vielfalt, interdisziplinäre Kollaboration, Komplizenschaft
  • spielerische Freude am Ausprobieren, Erproben von Ungewöhnlichem und Neuem
  • Verantwortungsbewusstsein, Sinnhaftigkeit, Gemeinsinn
  • Empathie, Humor, Leidenschaft, Begeisterung
  • Konzentration, Fokussierung
  • Überzeugungskraft, Willenskraft
  • Fähigkeit zu reflektieren, zu abstrahieren, mit Kritik umzugehen
  • Beharrlichkeit, Ausdauer, Resilienz bei Widerständen und Rückschlägen
  • Experimentierfreude, Improvisationsgeschick, z. B. bei Beschränkungen („Effectuation“)
  • Inspirationskraft, Motivationskraft, Überzeugungskraft, Willenskraft
  • Optimismus, positive Lebenseinstellung
  • Intuition, Vorstellungskraft, visionäres Denken
  • Geschichten des Gelingens zu erzählen und damit Mitstreiter zu finden  

 

Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

725775_web_R_K_B_by_Christina Schmid_pixelio.de © Christina Schmid, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 10 – Medien für Geflüchtete

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

740411_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de © Wilhelmine Wulff, Pixelio

Medien I: „Refugee Guide“ der ARD

Die ARD bietet Geflüchteten als Wegweiser und erste Orientierungshilfe einen Refugee Guide, d. h. eine Sammlung von Texten, Audios und Filmen zum Ankommen in Deutschland, Spracherwerb, berufliche Orientierung und Alltagssituationen:

630464_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de © Juergen Jotzo, Pixelio

Medien II: Logo und Kiraka – Fernsehen und Radio für Kinder

Die Kindernachrichtensendung LOGO von KiKa und ZDF komplettiert ihre Meldungen mit englischen und arabischen Untertiteln für Flüchtlingskinder und erwachsene Migranten in Deutschland. Komplizierte Sachverhalte werden in einer leicht verständlichen und anschaulichen Sprache erklärt.

KiRaKa ist ein Angebot der Hörfunk-Kinderprogramme des WDR. Im Programm Flüchtlinge bei uns berichten Kinder über die Flüchtlingsthematik.

Medien III: „Lasst uns loslegen!“ – Fernsehen für syrische Flüchtlingskinder

„Yallah Nehna“ heißt: „Lasst uns loslegen!“ So begrüßt die Moderatorin ihre jungen Zuschauer. Die neue arabischsprachige Sendung möchte syrischen Flüchtlingskindern auf spielerische Weise die Welt der Wissenschaft und Technik näher zu bringen. Sie möchte den oftmals traumatisierten Kindern zugleich ein wenig Normalität bieten, auch in den Flüchtlingscamps außerhalb Syriens. Es sollen auch Fragen und Themen aus dem Flüchtlingsalltag thematisiert werden. Das Konzept für die Sendung hat das Team der Deutsche Welle-Akademie 2013 entwickelt und gemeinsam mit dem Sender Orient TV umgesetzt. Das Auswärtige Amt finanziert das Projekt mit rund 500.000 Euro.

678251_web_R_K_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)_pixelio.de © Initiative „Echte Soziale Marktwirtschaft“ IESM, Pixelio

Medien IV: Mobiles Angebot für Geflüchtete von ZDF und Telekom

Die Website für Flüchtlinge ZDFarabic bzw. ZDFenglish ist für Smartphones optimiert und soll deutsche Politik, Kultur und wichtige Themen für die Orientierung im Land vermitteln. Mit arabischen und englischen Untertiteln will das ZDF möglichst viele Flüchtlinge erreichen. Die Telekom, mit der das ZDF kooperiert, will bis Jahresende kostenloses WLAN an 60 Standorten zur Verfügung stellen. Das ZDF-Angebot wird Schritt für Schritt auf den Lokalseiten von Handbook Germany verlinkt.

422888_web_R_K_B_by_Jerzy Sawluk_pixelio.de © Jerzy Sawluk, Pixelio

Medien V: Alltagssituationen für Geflüchtete aus der arabischen Welt

Der Nachrichtensender n-tv hat das arabische Videoangebot Marhaba – Ankommen in Deutschland gestartet – als erstes Programm in Deutschland, das sich in arabischer Sprache speziell an Flüchtlinge und Zuwanderer aus dem Nahen Osten richtet. Moderator Constantin Schreiber erklärt in der wöchentlichen Sendung auf Arabisch den Alltag in Deutschland und die Lebensgewohnheiten der Deutschen und gibt dazu praktische Orientierungshilfen und Informationen.

560166_web_R_K_B_by_twinmo_pixelio.de © twinmo, Pixelio

Medien VI: Artikel-Serie – Mein Einsatz für Flüchtlinge

Die Deutsche Welle hat Kulturschaffende in Deutschland zu Ihrem Engagement für Geflüchtete befragt: Schauspieler, Schriftsteller, Musiker, Künstler, Theaterleute, Designer berichten über ihre Aktivitäten, Meinungen und Gedanken.

297590_web_R_K_B_by_knipseline_pixelio.de © knipseline, Pixelio

Medien VII: Deutsch lernen – Erste Schritte

Die Deutsche Welle hat das kostenloses Angebot Erste Schritte zum Erlernen der deutschen Sprache ins Netz gestellt und bietet darüber hinaus auch langsam gesprochene Nachrichten.

172748_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien VIII: Hören und Lernen mit Musik

Der Ankommen und sich heimisch fühlen, geht leichter, wenn man die Sprache versteht. welcomegrooves ist ein ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt von 70 Kreativen aus Köln, das Deutschlektionen zum Hören bietet. Mit kurzen Audio-Lektionen können Geflüchtete erste Wörter, Sätze, Redewendungen und Fakten über die deutsche Kultur erlernen. Damit sich die Lektionen besser einprägen, enthält der kostenlose Einstiegskurs neben Sprache auch Musik. Zusätzlich zu den Audios hat die Initiatorin Eva Brandecker gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen die Sprachlektionen auch zweisprachig in schriftlicher Form erstellt – inzwischen in knapp 30 Sprachen. Audios (mp3) und Texte (pdf) können kostenlos heruntergeladen werden:

363441_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio© Tobias Zimmermann, Pixelio

Medien IX: Visuelle Orientierungshilfen für Flüchtlinge

Amelie Kim Weinert hat an der Hochschule Pforzheim Visuelle Kommunikation studiert. Weil sie auch in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, hat sie als Abschlussarbeit ein Set mit Infoblättern entwickelt, dass Flüchtlingen hilft, Deutsch zu lernen. Mein Deutschland ist eine visuelle Orientierungshilfe, mit der sich Asylbewerber auf einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs vorbereiten können. Sechs den sechs Kapiteln geht es zunächst um das gemeinsame Kennenlernen: Woher komme ich? Wie ist Deutschland? Was ist in unserer Kultur wichtig? Welche Sprache verwenden wir? usw. Anders als es mit herkömmlichen Lehrmitteln setzt die junge Kommunikationsdesignerin auf Bildern und Illustrationen. Sie will Wissen und Sprache spielerisch vermitteln im Austausch über die eigene Kultur. Ihre Mittel sind Würfel, Icons und Sticker, die die Lernenden an Gegenstände heften können.

315567_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Medien X: Überblick über ehrenamtliche Hilfsprojekte

Die Tagesschau der ARD hat einen deutschlandweite Liste erstellt – mit guten Ideen und hilfreichen Projekten für Geflüchtete:

293832_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XI: Online-Sprachkurse und Sprachlernspiele

Das Goethe-Institut hat einen kostenlosen Online-Sprachkurs für verschiedene Sprachniveaus für Geflüchtete und Neubürger ins Netz gestellt. Mit einem spielerischen Konzept soll ferner das Deutschlernen erleichtert und ehrenamtliche Helfer bei der Spracharbeit unterstützt werdenn. Die „Sprachlernspiele. Deutsch für den Anfang“ lassen sich hier herunterladen: goethe.de/willkommen.

75317_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XII: Hinweise für den Alltag in Deutschland

Studenten und Doktoranden aus ganz Deutschland mit verschiedensten geographischen und kulturellen Hintergründen haben einen Alltagsführer in 15 verschiedenen Sprachen erstellt. Der Refugee-Online-Guide soll Besuchern, Geflüchteten und zukünftigen Bürgern in Deutschland als Orientierungshilfe dienen, vor allem in der ersten Zeit des Aufenthaltesm, in denen Geflüchtete noch nicht an staatlichen Integrations- und Deutschkursen teilnehmen können. Das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) bietet derzeit keine vergleichbare Orientierungshilfe an.

660764_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim reckmann, Pixelio

Medien XIII: Digitale Medien für Geflüchtete

Die Hamburg Media School bietet Geflüchteten – unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsstatus – ab April 2016 eine gebührenfreie Fortbildung im Bereich Digitale Medien an. Das sechsmonatige Weiterbildungsprogramm richtet sich an Geflüchtete, die in ihren Herkunftsländern einen Medienberuf gelernt, ein medienaffines Fach studiert oder mediale Berufserfahrung gemacht haben. Unterrichtssprache ist Deutsch. Dem modularen Kursprogramm an der HMS schließt sich ein Praktikum in einem Hamburger Medienunternehmen bzw. einer Filmproduktion an.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Kreative Aktionen für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

719492_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de© Wilhelmine Wulff, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 8 – Kreatives

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

629459_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives I: Integration, die durch den Magen geht

Das Berliner Projekt Über den Tellerrand kochen sorgt für interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe. Menschen verschiedener Kulturen lernen einander über ihre Küchenkultur kennen. Der Austausch wird beim gemeinsamen Kochen lebendig: Geflüchtete bereiten Gerichte aus ihrer Heimat zu. Die Teilnehmer müssen keine Zutaten mitbringen. Jeder zahlt am Ende einen Unkostenbeitrag, sodass der Einkauf refinanziert wird. Neben Kochevents bieten die weitere interkulturelle Aktivitäten, u. a. Kicken, Imkern, Tanzen, Quatschen, Tüfteln, Basteln, Gärtnern, Filmabende, Picknick, Ausflüge und Fahrradtouren. Jeder bringt sich, seine Fähigkeiten und Talente zum Nutzen aller ein. Die regelmäßigen Treffen schaffen soziale und freundschaftliche Netzwerke und legen den Grundstein für einen nachhaltigen Integrationsprozess. Inzwischen haben auch „Satelliten-Partner“ in anderen Städten das Projekt übernommen. z.B. die Künstler-Initiative und Cowork-Gemeinschaft ProjektRaum in Rostock.

Über den Tellerrand kochen_02_RostockÜber den Tellerrand kochen_01_Rostock © ProjektRaum, Rostock

337159_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives II: Fotografie, Kochen, Musik und Begegnung: DEIN NÄCHSTER

Begegnungen schaffen, Barrieren abbauen, zur Mithilfe anregen. Der Verein ART DES LEBENS organisiert Begegnungen und Gespräche mit Geflüchteten, mit „Deinem Nächsten“. Im Netzwerk sind Kreative, Künstler, Unternehmer und Medienleuten aktiv, die Kunst und Medien mit sozialem Engagement verbinden. Drei verschiedene Begegnungsabende führen Interessierte und Geflüchtete zusammen:

  • 23. Januar 2016 ab 18 Uhr: Vernissage mit Flüchtlingsportraits, Musik & Buffet
  • 20. Februar 2016 ab 18 Uhr: Begegnungsdinner mit gemeinsamen Kochen und Lebensgeschichten
  • 22. März 2016 ab 19 Uhr: Info – und Themenabend mit Erfahrungsberichten und Hamburger Initiativen

Über eindrucksvolle Fotos und Geschichten soll eine persönliche Beziehung zu Geflüchteten ermöglicht werden. Viele Künstlern haben Bilder zur Verfügung gestellt, um das Foto- und Begegnungsprojekt zu realisieren, ganz nach dem Vereinsmotto: „MEHR bewegen- Kunst erleben.“ Die Fotografen Robin Jochem, Harald Geil, Tobias Hartl, Pierre Jarawan und Claudia Dewald stellen Fotos und Geschichten von Geflüchteten vor. Es geht um Unwissenheit und Angst, um Verfolgung und Unterdrückung, aber auch um Hilfsbereitschaft, Offenheit und Dankbarkeit. Die Ausstellung ist im Büro des Hamburgprojektes (Schulterblatt 73, 20357 Hamburg (Studio 2) ist vom 23.01.- 22.03.2016 kostenlos zugänglich: Die 14-17 Uhr, Mi und Do 10-17 Uhr, So von 18-21 Uhr.

527616_web_R_K_B_by_110stefan_pixelio.de © 110Stefan, Pixelio

Kreatives III: Interkulturelles Gärtnern

Der Trend zu Gemeinschaftsgärten wächst in Deutschland. Er ist ein Zeichen für das steigende Interesse an Natur, Umwelt, Teilhabe und am Austausch von Wissen. Gärten bieten eine hervorragende Chance, damit Geflüchtete und Deutsche ins Gespräch kommen, zusammen Hochbeete anlegen, säen, pflanzen und später auch gemeinsam ernten. Wenn sich jeder mit sichtbaren Ergebnissen einbringen kann, sorgt dies für eine enorme Motivation. Die Münchner Stiftungsgemeinschaft Anstiftung hat Informationen über konkrete Gartenprojekte und Anregungen gesammelt.

330359_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de  © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives IV: Musik, Kunst und Kulinaria

Das Café Zuflucht im niedersächsischen Dannenberg bietet Geflüchteten und Einheimischen Musik, Kunst, Tanz, Fotografie, internationale kulinarische Genüsse, Begegnungen und Gespräche.

590750_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de  © Juergen Jotzo, Pixelio

Kreatives V: Flüchtlingskonferenz

Die Akademie des interdisziplinären Kreativzentrums Unperfekthaus in Essen plant derzeit eine Flüchtlingskonferenz. Die Organisatoren sondieren Themen, Referentenvorschläge und Fragen, die die Tagung zu einem hochkarätigen Ereignis werden lassen. Die Konferenz soll dazu beitragen, Menschen zu vernetzen und mitzuhelfen, eine der derzeit wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft zu meistern. Es geht u. a. um diese Fragen:

  • Welche Organisationen verschaffen Flüchtlingen und gleichzeitig sich selbst Vorteile?
  • Haben Privatpersonen schon Wege gefunden, um ihr eigenes Leben und gleichzeitig das der Flüchtlinge zu verbessern?
  • Wer kennt Geschäftsmodelle, die Einheimischen und(!) Flüchtlingen helfen?
  • Gibt es Wohnprojekte für Flüchtlinge, getrennt oder gemeinsam mit Einheimischen?
  • Hat der Einzelhandel schon Ideen, wie er die Flüchtlingssituation zum allseitigen Vorteil nutzt?
  • Gibt es Startups, die Geflüchtete unterstützen?
  • Welche Ideen haben Kultureinrichtungen?
  • Gibt es Investoren, die konkret Geld für Flüchtlinge und deren Ideen bereitstellen?
  • Gibt es umgekehrt Flüchtlinge, die bei unüblichen Projekten Rendite in Aussicht stellen können, aber bisher keinen Investor finden?

Rundgang durch das UnperfektHaus und Filminterview mit Mitarbeiter Daniel R. Buchwald über die Aktivitäten, das Selbstverständnis und die Visionen der einzigartigen Kreativoase in Essen: www.massivkreativ.de/kreativquartiere/

496352_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives VI: Küche rollt zur Kultur

Eine mobile Container-Küche Refugeeskitchen, mit gebaut und mit betrieben von Geflüchteten und Neubürgern in Oberhausen, rollt seit Sommer 2015 durch verschiedene Revierstädte. Station machen die Gourmet-Experten vor allem dort, wo Kultur gespielt wird: bei Musikfestivals, an Filmschauplätzen und bei Kinderfesten. Das Motto: „Man isst, wo man ist!“ Das international besetzte Küchenteam möchte Kreative und Publikum von seiner Kochkunst überzeugen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die fliegende Küche wird mit einem 7 ½-Tonner LKW transportiert. Die Idee hatten Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark vom Oberhausener Verein Kitev – Kunst im Turm e.V., nachdem sie für die Kurzfilmtage 2010 ein Taschenkino auf einen LKW geladen hatten.

682496_web_R_K_B_by_Dirk Kruse_pixelio.de © Dirk Kruse, Pixelio

Kreatives VII: Flashmob mit Handarbeit für Geflüchtete

Brandenburger in Jüterborg haben bei einem Strick- und Häkelflashmob Decken für Flüchtlingskinder hergestellt. Die gefertigten Einzelteile wurden am Ende zusammengenäht. Das Motto der Aktion: Bunte Maschen für mehr Wärme.

400835_web_R_K_B_by_René Golembewski_pixelio.de © René Golembewski, Pixelio

Kreatives VIII: Studium im Tandem

Fachkräftemangel und fehlende Integration von Geflüchteten einerseits und Orientierungslosigkeit junger Studierender andererseits: Gründe genug für zwei junge Absolventinnen aus Frankfurt am Main, um nach einer Alternative zu suchen. Sie gründeten den Verein academic experience worldwide der mittlerweile in verschiedenen Städten aktiv ist. Die Idee: Studierende und fertig studierte Asylsuchende auf Augenhöhe zusammen zu bringen, damit sie voneinander lernen. Asylsuchende können ihre Erfahrungen an Jungstudenten weitergeben. Im Idealfall entwickeln sich aus diesen Kontakten Freundschaften, die die Integration sehr erleichtern. In „Offenen Sprechstunden“ und Coaching-Sessions steht der Verein den jungen Asylsuchenden mit Rat und Tat zur Seite, ebenso bei Sprachkorrekturen und bei bürokratischen Angelegenheiten.

531358_web_R_K_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.de © Katharina Wieland-Müller, Pixelio

Kreatives IX: Logistische Höchstleistung „Kleiderkammer“

Seit Monaten engagieren sich Ehrenamtliche deutschlandweit in Kleiderkammern, sammeln, transportieren und sortieren Kleidung bis zur Erschöpfung. In Hamburg helfen die Freiwilligen zunächst in der Messehalle B7, aktuell in einer neuen Lagerhalle auf dem OTTO Campus in Bramfeld und im Bunker Wedel. Eventuell wird ein erneuter Umzug nötig, da Annahme und Sortierung der Kleidung ein besonderes Umfeld braucht.  Doch mit kreativen Ideen und großer Eigenverantwortung meistern die Ehrenamtlichen jede logistische Herausforderungen und alle Umzüge. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Verein Hanseatic Help e.V.  Bei Vernetzung und Austausch hilft die Plattform zusammenschmeißen.

Wer helfen möchte, kann Termine über Doodle-Listen organisieren:

Bramfeld Lagerhalle
Bannwarthstraße 5 / Tor 2 / Gebäude 6 / Mo.-Fr. 10:00 – 20:00
http://doodle.com/poll/zeefk7c293ci6xex

Bunker Wedel
Pinnebergerstr.23-27 22880 Wedel / Di. + Sa.
Tel 040 – 812000
http://doodle.com/poll/hwzegnixki7msf2n

Kreatives X:   Markt der Möglichkeiten „Neue Nachbarn mittendrin“ II 

2015 hat das Theater Vorpommern in Greifswald den ersten „Markt der  Möglichkeiten“ mit viel Resonanz und Erfolg durchgeführt. Nun sollen ähnliche  Veranstaltungen auch an den Spielstätten in Stralsund und Putbus stattfinden.
Flüchtlinge sollen neue Nachbarn werden! Neben dem Spracherwerb ist das gegenseitige Kennenlernen und die Integration in die Stadtgesellschaft eine zentrale Aufgabe. Der „Markt der Möglichkeiten“ stellt Bürgern und Neubürgern konkrete Initiativen und Angebote vor, z. B. in den Bereichen Sprache,  Kultur und Sport. Akteure sollen sich vernetzen und neue Engagierte können jederzeit hinzukommen.

709014_web_R_K_B_by_Bernd Kasper_pixelio.de © Bernd Kasper, Pixelio

Sonderpreis für Projekte mit Geflüchteten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte drei Preise für Projekte kultureller Integration ausgelobt. Prämiert wurden am 21. Mai 2016 vom Bundesministerium für Kultur und Medien aus 150 Bewerbern und 10 Nominierten folgende drei herausragende künstlerische Projekte bzw. Netzwerke:

1. Die Dresdner Brass-Band „Banda Internationale“ setzte sich aus deutschen und geflüchteten Musikern verschiedener Länder zusammen. „Banda Internationale“ ging aus der Dresdner Kombo „Banda Comunale“ hervor, die seit vielen Jahren bei Anti-Nazi-Demos spielt und Willkommenskonzerte für Flüchtlinge gibt.

2. In der Münchner Initiative „Kino Asyl“ engagieren sich filmbegeisterte Flüchtlinge als Kuratoren eines Filmfestivals. Junge Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone präsentieren Filme über das „normale Leben“ in ihren Heimatländern.

3. Im Berliner Projekt „Multaka“ agieren Flüchtlinge als Museumsführer: Geflüchtete aus Syrien und dem Irak führen auf Arabisch durch verschiedene Museen der Berliner Museumsinsel, u. a. durch das Deutsche Historische Museum, in dem die Preisverleihung erstmals im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Kultur öffnet Welten“stattfand. Die drei Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

491912_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 7 – Web, Apps, Games

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

Flüchtlinge-Willkommen.de © Flüchtlinge Willkommen

Web I: Internet-Portal vermittelt WG-Zimmer für Asyl-Suchende

Flüchtlinge Willkommen – so heißt ein Webportal von Mareike Geiling, Jonas Kakoschke und Golde Ebding. Die drei Kreativen möchten Geflüchteten mit der Vermittlung von WG-Zimmern eine Alternative zu Massenunterkünften bieten: „Wir sind der Auffassung, dass geflüchtete Menschen durch Massenunterkünfte nicht stigmatisiert und ausgegrenzt werden sollten, sondern dass wir ihnen einen warmen Empfang bieten sollten. Wir sind der Meinung, dass wir gemeinsam eine andere Willkommenskultur in Deutschland etablieren sollten.“ Freie Zimmer können auf der Website angemeldet werden. Die drei Initiatoren stellen dann den Kontakt zwischen dem Vermieter und dem Geflüchteten her. Die Miete wird mit Hilfe von Spenden finanziert. Knapp 250 Geflüchtete fanden bisher mit Hilfe des Portals ein WG-Zimmer.

Workeer.de  © workeer, Foto: Alessandra Schelnegger

Web II: Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse

Die Plattform workeer soll dabei helfen, dass arbeitssuchende Geflüchtete und passende Arbeitgeber zueinander finden. Die Jobbörse entstand als Abschlussprojekt im Rahmen des Bacheler-Kommunikationsdesignstudiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die Studenten und Absolventen planen, das Portal dauerhaft weiterzuentwickeln. Die Betreiber schreiben auf der Website „5 gute Gründe, Flüchtlingen Jobs zu geben“:

  • Geflüchtete sind motivierte und engagierte Arbeitskräfte.
  • Eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt fördert auch die weitere erfolgreiche Integration von Menschen.
  • Geflüchtete haben oft eine besondere Lebensgeschichte und bereichern dadurch Unternehmen mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihren unterschiedlichen kulturellen Prägungen.
  • Geflüchteten wird es durch einen Arbeitsplatz ermöglicht, ein eigenständiges Leben zu führen ohne von Sozialleistungen abhängig zu sein. Das hat für sie positive psychische Effekte und entlastet außerdem das deutsche Sozialsystem.
  • Viele von ihnen verfügen über Ausbildungen oder Studienabschlüsse in Branchen, in denen es in Deutschland an Fachkräften mangelt.“

Willkomenkultur-Hamburg.de © Willkommenskultur Hamburg

Web III: Willkommensplattform

In Hamburg kommen aktuell täglich bis zu 260 Flüchtlinge an (1-2016). Die Hamburger Kultur will Geflüchtete mit Herz und Kompetenz willkommen heißen. Mit Hilfe der Plattform Willkommenskultur Hamburg können sich Akteure und Unterstützer vernetzen, die kulturelle Angebote für Geflüchtete planen und organisieren – mit Infos zu Aktionen, Terminen, Förderstrukturen u.v.m. Die Website ist ein gemeinsames Projekt von STADTKULTUR HAMBURG, Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, und der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur.

680484_web_R_K_B_by_Maik Schwertle_pixelio.de © Maik Schwertle, Pixelio

Web IV: Freies WLAN für Geflüchtete

Das Mobiltelefon ist für viele Geflüchtete oft die einzige Verbindung zu Angehörigen und Freunden in der Heimat. Umso wichtiger ist ein guter Internetzugang in den Unterkünften. Die Initiative Freifunk versorgt Geflüchtete in verschiedenen deutschen Städten per WLAN mit einem Internetzugang. Die Kosten werden meist aus Spenden finanziert. Die Freifunker installieren die WLAN-Infrastruktur und versorgen ganze Einrichtungen mit Netz. Die Mitglieder von Freifunk engagieren sich seit Jahren für offene Funknetze.

bei-uns-in-neuwulmstorf-fluechtlinge © Bei uns in Neu Wulmstorf

Web V: Internet-Portal mit Aktionen und Filmberichten über Flüchtlingsfragen

Videojournalist und Toningenieur Björn Kempcke hat ehrenamtlich Geflüchtete, deren Helfer und Politiker in Neu Wulmstorf bei Hamburg befragt – für das Regionalportal Bei uns in Neu Wulmstorf. Der Film entstand in Kooperation mit Portalgründerin Sylvia Karasch, dem Silberfuchs-Verlag und dem SEO-Berater Hannes Wirtz.

„Hauptdarsteller“ dieses Filmprojekts sind u. a. Majid Shuqer, der aus Syrien flüchtete und seit einem Jahr in Deutschland lebt, Dr. Constanze Hock-Warmuth, Leiterin des Mehrgenerationenhauses COURAGE in Neu Wulmstorf, die das Flüchtlingsnetzwerk Willkommen in Neu Wulmstorf mit ins Leben gerufen hat, sowie Thomas Grambow, 1. stellv. Bürgermeister der Gemeinde. Björn Kempcke, der auch als Schlagzeuger in verschiedenen Musikprojekten aktiv ist, organisiert aktuell ein großes Benefizkonzert, zu dem Geflüchtete und Einheimische eingeladen sind.

App Ankommen © Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Web VI: Community-Platttform Online und Offline-Plattform 

HiMate ist eine kostenlose Plattform und Community, die vor allem in Berlin Geflüchtete und alteingessenene Bürger vernetzt und vor allem durch gemeinsames Erlebnisse verbindet, wie z. B. durch Koch- und Grillabende, bei Fußballturnieren und Filmabenden. „Newcomer“ und „Locals“ können sich auf diese Weise ungezwungen besser kennenlernen. HiMate bietet als Plattform auch Gutscheine für Kultur-, Sport- und Freizeitveranstaltungen und kooperieren dafür mit über 60 Unternehmen aus der Region. Sie stellen einige Angebote für Geflüchtete und Bedürftige kostenlos zur Verfügung. Die Nutzer sollen sich so auf Augenhöhe begegnen und die üblichen Rollen „Geflüchtete“ / „Helfer“ überwinden. Viele Teilnehmer lernen sich erst bei den Veranstaltungen von HiMate kennen. Andere verabreden sich über die Facebook-Seite. 

Mobile I: App „Ankommen“ soll Geflüchteten helfen

Mit der umfangreichen App Ankommen sollen Geflüchtete Unterstützung beim Einleben in Deutschland erhalten. Der Wegbegleiter dient der schnellen Orientierung und ist auf die Lebensbedürfnisse der Geflüchteten während der ersten Wochen zugeschnitten: Was muss ich beim Asylverfahren beachten? Wie finde ich Arbeit? Wann muss mein Kind zur Schule? Für das Absolvieren des Sprachkurses und das Lesen der Informationstexte wird der Nutzer mit kleinen runden Plaketten (badges) belohnt. Das kostenfreie Angebot wurde für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vom Bayerischen Rundfunk und vom Goethe-Institut entwickelt, derzeit auf Arabisch, Farsi, Deutsch, Französisch und Englisch.

App helphelp2 © helphelp2

Mobile II: App für Spenden

Der Münchner Fotograf Rüdiger Trost hat die App helphelp2 initiiert, die Organisationen mit Menschen zusammen bringt und dabei unterstützt, genau mit den Spenden zu helfen, die gebraucht zu werden. Startet man die App, sieht man die Annahmestellen für Spenden in seiner Gegend und was dort aktuell gebraucht wird. Möchte man etwas Gutes tun, startet man während seines Einkaufs die App, kauft benötigte Produkte ein und bringt sie an den angezeigten Standort der Spendenannahme. Organisationen können tagesaktuell hinterlegen, welche Spenden gebraucht werden. Zusätzlich wird angezeigt, wo man welche Spenden zu welchen Uhrzeiten abgeben kann.

App_Iconery © Iconary

Mobile III: App als Bildwörterbuch

Wo Sprache (noch) fehlt, können Bilder Brücken bauen. Iconary ist eine einfache Sprach-App, mit der Geflüchtete die allerersten Basis-Vokabeln für den Alltag erlernen können. Als reines Bildwörterbuch basiert die App auf Zeichen bzw. Symbolen, die mit echten Audio-Sprachaufnahmen verknüpft sind. So können sich die Nutzer die einzelnen Begriffe „vorsprechen lassen“. Die erste Version bietet rund 300 Begriffe in 10 Kategorien, wie Zahlen, Farben, Transport, Lebensmittel, in fünf Sprachen: deutsch, englisch, spanisch, italienisch, französisch. iconary ist kostenlos, werbefrei und offline nutzbar sowie verfügbar für Android und iOS. Die App wurde in einem ehrenamtlichen Team in Bremen ohne Budget realisiert.

Piaget_Educarpet Lingo © PIAGET Institute

Games – analog: Wissen auf dem Lernteppich

Der Lernteppich EduCarpet Lingo bietet auf einer Fläche von 3 x 1 Meter viel Spielfreude. Er erleichtert Geflüchteten das Erlernen der deutschen Sprache, garantiert Lernen mit Geist und Geschicklichkeit und berücksichtigt sowohl sprachpädagogische Aspekte als auch Geschicklichkeitselemente. der Lernteppich wird in Gruppen unter Beteiligung einer Lehrkraft bespielt. Unterschiedliche Buchstaben, Wort- und Bildarten lassen auf dem EduCarpet immer neue Spiel- und Lernwelten entstehen. 15 Zielplatten aus weißem Plexiglas können beliebig beschriftet bzw. zum Aufkleben von Bildern und Symbolen genutzt werden. Wurfbälle aus Stoff motivieren zur Bewegung. Der EduCarpet wurde vom PIAGET Institute in Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Beruflichen Schule 5 Nürnberg und dem Verband SpieleGilde entwickelt.

Game_Cloud Chasers © Blindflugstudios

Games – digital: Exkurs Schweiz

Das engagierte Entwicklerstudio aus der Schweiz Blindflugstudios hat ein serious game entwickelt, das die Sorgen und Nöte von Geflüchteten nachvollziehbar und nachfühlbar macht. Beim Tablet-Spiel Cloud Chaser spielt der User die Flucht eines Vater mit seiner kleinen Tochter durch die Wüste nach. Mit den beiden Protagonisten Francisco und Amelia durchlebt man den gefahrvollen Weg und ihre ständige Angst vor dem Tod unmittelbar mit. „Cloud Chaser“ erzählt vom Traum zweier Menschen, in einem entfernten Land besser zu leben. Es sensiblisiert für die Situation von Menschen auf der Flucht.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: kreativ(at)massivkreativ.de

Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

709747_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 6 – Architektur

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

Instant-Haus_TU Darmstadt_Prof-Ariel Auslender_Innenansicht © TU-Darmstadt, Projektleitung: Prof. Ariel Auslender

Instant-Haus_TU Darmstadt_Prof-Ariel Auslender_Entwurf Leila Chu_Foto_Sandra Junker © TU-Darmstadt, Entwurf: Leila Chu, Foto: Sandra Junker

Architektur I: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Die TU Darmstadt hat in einem ein faltbares Haus aus Wellpappe entwickelt, das Flüchtlinge temporär beherbergen soll. Das Projekt entstand in einem interdisziplinären Team der Fachbereiche Chemie, Architektur und Maschinenbau. Eine Beschichtung aus Wachs garantiert, dass das Instant Home wetterfest, zu 100% ökologisch und nach etwa 1jähriger Nutzung kompostierbar ist. Bett, Tisch und Regal im Inneren sind ebenfalls aus Wellpappe. Sie werden gleich mit eingefaltet und sorgen für zusätzliche Stabilität. Kosten pro Haus etwa 2.000 €. Die Suche nach Geldgebern für die Serienproduktion läuft. zum Filmbeitrag

More than Shelters_01_Antje Hinz More than Shelters_01_Domo_Antje Hinz © Fotos: Antje Hinz

Architektur II: Modulunterkünfte für mehr Menschenwürde

Der Künstler Daniel Kerber hat sich intensiv mit dem Thema Mensch und Raum beschäftigt. Er hat viele Länder bereist und vor allem in Flüchtlingslagern geforscht. Seine Erlebnisse und Erfahrungen mündeten in dem Wunsch, in den Camps menschenwürdigere Unterkünfte zu schaffen. Denn: Fast 60 Millionen Menschen leben heute in Flüchtlingslagern – durchschnittlich bis zu 12 Jahren. 2012 hat Kerber das Sozialunternehmen morethanshelters gegründet. In seinem interdisziplinärem Team aus Architekten, Designern, Ingenieuren, Sozialwissenschaftlern und Politologen ist querdenken ausdrücklich erwünscht. Sein Design- und Architekturbüro hat das langlebige, modulare Zeltsystem „Domo“ entwickelt. Es soll die Geflüchteten ermutigen soll, ihre Zukunft aktiv zu gestalten.

Die Geflüchteten können die mobilen Unterkünfte an klimatische Bedingungen und kulturelle Gewohnheiten anpassen. „Domo“ ist multifunktionell: Großfamilien können z. B. die Ein- und Ausgänge mehrerer Zelte miteinander verbinden. Materialien können individuell an die Region angepasst werden: „Wenn es vor Ort geeignete Materialien gibt, nehmen wir natürlich diese.“ sagt Kerber. „Planen könnten durch Wellblechplatten ersetzt werden, wie sie in Slums oft zum Hüttenbau verwendet werden.“ Darüber hinaus hat Kerbers Team atmungsaktive Stoffe entwickelt, die auch Hitze erträglich machen. Bisher stehen die Unterkünfte in Flüchtlingscamps in Jordanien, Nepal, auf der griechischen Insel Lesbos. In einem Hamburger Flüchtlingscamp wird ein „Domo“ als offene Begegnungsstätte und Teestube genutzt. Der Name kommt übrigens aus dem Esperanto und heißt „Zuhause“.

472643_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de446977_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Architektur III: Willkommensarchitektur

Architekt Jörg Friedrich beklagt den provisorischen Charakter von Zeltstädten, Baracken und Turnhallen. Statt „Blechkistenarchitektur“ sollten Flüchtlingsunterkünfte heute als langfristige „Willkommensarchitektur“ konzipiert werden. Wo heute Geflüchtete leben, können morgen Studenten oder Menschen mit geringem Einkommen ein Zuhause finden. Zusammen mit seinen Studenten der Leibniz-Universität Hannover hat er sich über nachhaltige Alternativen Gedanken gemacht. Sein Vorschlag ist eine Mischnutzung in kleineren Quartieren, in Schrebergarten-Siedlungen und in aufgesetzten Modulen auf Parkhäusern. Friedrich hat ermittelt, dass z. B. in Hannover 40 % der zentrumnahen Parkhäuser nicht belegt sind und beste Voraussetzungen bieten: Sie sind angeschlossen an alle öffentlichen Verkehrsmittel, an Schulen, Universitäten und Einkaufsbereiche. Auch ein Blick in die Geschichte hilft, so Friedrich: Das schleswig-holsteinische Friedrichstadt entstand im 17. Jahrhundert völlig neu für Geflüchtete aus den Niederlanden. Heute leben in dem denkmalgeschützten Ort 20.000 Einwohner. Mehr über Wohnmodelle für Geflüchtete im Buch Refugees Welcome, erschienen im Jovis-Verlag.

648345_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Architektur IV: WIR – Wohnprojekt Bunte Mischung

Das Wohnprojekt in der Friedensallee 128 in Hamburg-Altona ist noch in der Konzeptionsphase. 15 %, also etwa jede 7. Wohnung soll an eine geflüchtete Familie vergeben werden. Der Plan: Alteingesessene und Neubürger, Männer, Frauen und Kinder, Junge und Alte, Menschen mit und ohne Behinderung wollen hier ihre Idee von einem sinnerfüllten Leben gemeinsamen in die Tat umsetzen – unabhängig von Berufs-, Lebens- und Herkunftswelten. Im Wohnprojekt WIR – Bunte Mischung sollen Kleingewerbe und Wohnungen nebeneinander entstehen und so Arbeitsplätze geschaffen werden, die den Menschen nach durchlittener Kriegs-, Hunger- und Fluchttraumatisierung ihre Würde zurückgeben: Wohnen und Arbeiten in Sicherheit und ohne Angst und Verfolgung.

225258_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Architektur V: Um- und Mischnutzung eines Berliner Hochhauskomplexes

Berlin – Alexanderplatz: Noch immer stehen hier alten Gebäude leer, seit 2008 z. B. das ehemalige Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße. Künstlervereinigungen, Stiftungen und Vereine haben jetzt ein innovatives Konzept für eine Mischnutzung vorgelegt: Etwa die Hälfte des Hochhauskomplexes soll zum Wohnort für etwa 1000 Geflüchtete werden, in einem Viertel des Hauses Arbeitsräume, Ateliers und Galerien für „Berliner und geflüchtete Kulturschaffende“ entstehen. Geflüchtete und Künstler können miteinander leben und arbeiten: Geplant sind Bildungs- und Integrationsprojekte für Geflüchtete sowie der Bau von Kultur- und Begegnungsstätten.

Berlins Atelierbeauftragter Florian Schmidt formuliert das Vorhaben so: „Es geht uns um bezahlbaren Wohnraum und eine ganz andere Integration und Aufnahme von Flüchtlingen. Wir brauchen nicht nur Marken und Kommerz in der Innenstadt.“ Zu den Konzeptplanern gehören die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser, das Zentrum für Kunst und Urbanistik, das Martinswerk Berlin e.V., die Stiftung Zukunft Berlin und die Belius-Stiftung.

Eine öffentliche Vernetzungs- und Informationsveranstaltung zur Entwicklung des Hauses der Statistik als Zentrum für Geflüchtete – Soziales – Kunst – Kreative findet statt – am Do, d. 28.1.2016, 10-13:30 Uhr
Ort: ZK/U (Zentrum für Kunst und Urbanistik), Siemensstraße 27, 10551 Berlin,  Anmeldung bis zum 26.1.2016.
Haus der Statistik © Initiative Haus der Statistik

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

457445_web_R_K_B_by_Rita Köhler_pixelio.de © Rita Köhler, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 5 – Kunst und Design

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

685528_web_R_K_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)_pixelio.de © Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft IESM, Pixelio

Kunst I: Aktionsraum für Flüchtlinge

Das Hamburger Künstlerkollektiv Baltic Raw initiierte 2015 auf Kampnagel in Hamburg einen Aktionsraum für Geflüchtete der Lampedusa-Gruppe. Amelie Deuflhard, der Intendantin des Kulturzentrums, ist es zu verdanken, dass eine temporäre Spielstätte des Kampnagel-Sommerfestivals für Geflüchtete winterfest gemacht wurde. Die Ecofavela Lampedusa-Nord ist ein hölzerner Nachbau des umkämpften Hamburger Kulturzentrums „Rote Flora“ im Schanzenviertel und erfüllte die ökologischen Standards eines Passivhauses. Einen Winter lang fungierte es als Unterkunft und Begegnungsraum. Die dort untergebrachten Flüchtlinge der Lampedusa-Gruppe lebten in Hamburg zunächst auf der Straße, bevor ein Teil von ihnen vorübergehend Unterschlupf in der St.-Pauli-Kirche fand. Die Ecofavela auf Kampnagel ermöglichte einen sozialen Dialog auf Augenhöhe zwischen Künstlern und Geflüchteten. Berndt Jasper von Baltic Raw: „Das Kunstprojekt ist eine Art soziales Labor, Aktionskunst mit dem Ziel, die Flüchtlinge zu integrieren.“

683532_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kunst II: Hotelalltag für Geflüchtete und Reisende

Ein ehemaliges Altenheim der Diakonie im Ausburger Domviertel bringt Geflüchtete, Reisende und Kreative zusammen. Das Grandhotel Cosmopolis ist ein Gesamtkunstwerk, entwickelt von Kreativen, hinter denen der gemeinnützige Verein »Grandhotel Cosmopolis e.V.« steht. Das Haus beherbergt 65 Asylbewerber in kleinen Wohnungen, bietet Reisenden und Gästen in 16 Hotelzimmern eine preiswerte Unterkunft und Künstlern Büroräume, interdisziplinäre Ateliers, eine Bühne für Veranstaltungen und offene Lernwerkstätten, die von allen genutzt werden können.

Im Fokus steht die Teilhabe für alle: Geflüchtete bringen sich und ihre Ideen in den Hotelalltag ein und können Beratungsangebote in Anspruch nehmen. Reisende aus aller Welt befruchten das Haus mit ihren Erfahrungen. Es geht um Perspektivwechsel, um das Nachdenken über den Begriff des Reisens und um die Annäherung zwischen Menschen, ihren Schicksalen, Lebenswelten, Kulturen. Die Café-Bar ist ein interkultureller Treffpunkt, der Küchenbetrieb wird kosmopolitisch organisiert. Die Kreativen setzen Akzente für ein friedliches Zusammenleben in der modernen Stadtgesellschaft, frei nach Joseph Beuys: „Viel interessanter als ein Haufen Gleichgesinnter ist doch eine Gemeinschaft der Ungleichgesinnten.“

Das Grandhotel ist eine Fundgrube berührender Geschichten. Der Design-Professor Mike Loos hat daher gemeinsam mit Studenten der Hochschule Augsburg im Rahmen eines Workshops Comic-Reportagen über Flüchtlinge, Ehrenamtliche und Nachbarn des Cosmopolis erarbeitet. Die „Geschichten aus dem Grandhotel“ sind im Augsburger Wißner-Verlag zum Preis von 12,80 Euro erschienen.

Essen_Geschichten aus dem Kaugummiautomaten © Folkwang Universität der Künste, un-an-vertraut.de

Kunst III: Geschichten aus dem Automaten

Studierende der Folkwang Universität der Künste Essen setzen Kunst als Mittel ein, um nachbarschaftliches Miteinander anzuregen. Sie platzierten einen Kaugummiautomaten neben eine Unterkunft für Geflüchtete. Dreht man am Rad, spukt der Automat jedoch keinen Kaugummi aus, sondern eine Holzkugel mit einer Geschichte im Inneren, einer Geschichte aus der Heimat der Geflüchteten. Beim Lauschen der Geschichten kann sich die Bevölkerung den neuen Nachbarn behutsam nähern. Das Kunstprojekt bietet einen vorurteilsfreien Weg, sich auf seine Mitmenschen einzulassen. Mitinitiator Torben Körschkes berät auch gern mit Tipps, wie Interessierte Kontakt zu Flüchtlingen und Hilfsorganisationen aufbauen können.

629475_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kunst IV: Kreativprojekt mit Handwerk

In Molfsee bei Kiel bietet der Verein Create Future für soziale Start-up-Projekte und interkulturelle Bildung e.V. Geflüchteten Projekte zum kreativen Gestalten an. Sie können an Wochenenden an Workshops im Malen, Bildhauen und Schweißen teilnehmen. In einem speziellen Workshop können Geflüchtete gemeinsam mit der Kieler Bevölkerung umweltfreundliche Regale fertigen. Aus gebrauchtem Holz und alten Seilen stellen sie Hängeregale her, aus alten Segeln und Paletten Outdoormöbel. Mit den Verkaufserlösen werden Projekte für Geflüchtete in Kiel unterstützt und Kreativworkshops für neue Teilnehmer.

20150920_122745 © Antje Hinz, MassivKreativ

20150920_122805 © Antje Hinz, MassivKreativ

Kunst V: Ausstellung mit Designkonzepten für Geflüchtete

Designxport ist ein Aktionsraum für Design in Hamburg, der sich als Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft versteht und aktuelle Themen aufgreift. Im Frühjahr 2016 zeigt das Zentrum Konzepte für Geflüchtete von internationalen Designern: „Migration matters – Design Innovation matters for Refugees“.

„Designer können zwar die komplexen Probleme von Menschen auf der Flucht nicht lösen, jedoch viel zur Erleichterung ihrer Situation beitragen,“ – sagt Richard van der Laken, Grafikdesigner aus Amsterdam sowie Gründer und Direktor der internationalen Designkonferenz „What Design Can Do“.

Die Ausstellung bei „designxport“ präsentiert sieben Konzepte von Designern aus den Niederlanden, Italien, Großbritannien, Schweden und Japan.

  • Ein Multimediajournalist, ein Künstler und ein Fotograf aus Amsterdam dokumentieren mit dem Projekt Refugee Republic das Alltagsleben in dem syrischen Flüchtlingslager „Camp Domiz“. Ihr Mittel ist eine interaktiven Website mit Zeichnungen, Fotos und Texten.
  • Eine italienische Designerin hinterfragt die Bedeutung der Staatsbürgerschaft. Mit ihrem Projekt Unconditional Universal überträgt das Konzept des sharings auf ein weltweites Netzwerk zum Teilen des Passes. Es soll Menschen verschiedener Nationen ermöglichen, ihre Staatsbürgerrechte anderen nach Bedarf im Tausch zur Verfügung zu stellen.
  • Die schwierigen Bedingungen in Flüchtlingslagern dokumentiert das Projekt Better Shelter. Sieben schwedische Designern haben mit dem UNHCR Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen und der IKEA-Stiftung ein Notunterkunftshaus geschaffen, das ohne Werkzeuge aus einem flachen Karton heraus aufgebaut werden kann. Es hat eine Lebensdauer von drei Jahren und wird vom UNHCR bereits weltweit eingesetzt. Elektrizität erhält das Haus über eine eingebaute Solarzelle.
  •  Weitere Projekte der Ausstellung thematisieren Überlebenstipps in Notsituationen, z. B. wärmende Schutzkleidung, Beschaffungsquellen für Ausweispapiere und nachhaltige Wasserversorgung in Flüchtlingscamps.

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 28. Januar 2016 um 19 Uhr bei designxport Hamburg (bis 12. März 2016). Migration Matters, Design Column #11 ist ein Projekt von Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (Niederlande), 2015.

Begleitend zur Ausstellung ist die Fotoserie „Auf der Flucht“ des Hamburger Designers Malte Metag zu sehen. Sie entstand in Zusammenarbeit mit More Than Shelters. 2015 erreichten viele tausende Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Afrika die griechische Insel Lesbos, die nur wenige Kilometer vor der türkischen Küste liegt. Wie viele Menschen dabei ertranken ist nicht genau zu beziffern. Die, die es geschafft haben, hoffen auf Asyl in Europa und eine Zukunft in Frieden.

Hinweis: Ausführlich berichte ich über More Than Shelters und weitere menschenwürdige Wohnprojekte und Wohnideen für Geflüchtete in Teil 6 der Blogreihe am Mo, d. 25.1.2016: Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Museum: Mit Kunst gegen den Hass

300964_web_R_K_B_by_Stefan Nießen_pixelio.de © Stefan Nießen, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 4 – Museum

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

487282_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Museum I: Geflüchtete als Museumsführer

„Multaka“ heißt im Arabischen „Treffpunkt“. Es steht als Motto über einem gemeinsamen Projekt der Berliner Museen. Geflüchtete aus Syrien und dem Irak werden zu Museumsführern ausgebildet und führen nun Landsleute in ihrer Muttersprache durch Berliner Ausstellungen, u. a. im Pergamonmuseum, Bode-Museum und im Deutschen Historischen Museum. Die Syrerin Christin Rita Albahri, die am Projekt teilnimmt, erklärt: „Ich möchte gerne, dass meine Landsleute von der deutschen Geschichte lernen.“

628598_web_R_K_B_by_paul pinkowski_pixelio.de © Paul Pinkowski, Pixelio

Den Geflüchteten wird echte aktive Teilhabe am kulturellen Leben ermöglicht. Sie können ihr Wissen einbringen und mit anderen austauschen. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erläutert das Vorhaben: „Die Geflüchteten führen durch die eigene und durch die fremde Geschichte. Wir sagen nicht, dass wir damit das ultimative Rezept für Integration erfunden haben, aber Geflüchtete erfahren Stärke durch Bildung und durch Anerkennung ihrer kulturellen Identität, die uns viel bedeutet.“

Museum II: Kostenlose Teilhabe

Viele Berliner Museen und Gedenkstätten gewähren Geflüchteten und ihren Betreuern kostenlosen Eintritt und haben spezielle Führungs- und Veranstaltungsangebote für sie entwickelt.

Auch in anderen deutschen Städten bieten Museen den Geflüchteten kostenlosen Eintritt, z.B. die Museen des Landschaftsverbandes Rheinland und in Frankfurt am Main. Die Hamburger Kunsthalle lädt Flüchtlinge zu speziellen „Welcome-Führungen“ in englischer Sprache ein.

561428_web_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de © Petra Bork, Pixelio

Museum III: Themenausstellungen und Digitales

Das Jüdische Museum Frankfurt möchte sich zukünftig gezielt an Zuwanderer aus muslimischen Ländern richten. Im Fokus sollen dabei die Gemeinsamkeiten der großen Religionen stehen. Mirjam Wenzel, die neue Leiterin des Museums, kündigte an: „Geplant ist eine Ausstellung zur Kulturgeschichte des Märtyrertums.“ Außerdem soll ein «Digitales Museum» entstehen, das Ausstellungsobjekte im Internet erlebbar machen soll. Auch andere Museen in Deutschland arbeiten unter Hochdruck daran, ihre Objekte ins Internet zu stellen. So können sich auch Geflüchtete über islamische Kunst informieren, bevor sie später die Ausstellungen besuchen.

347235_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Museum IV: Mit Kunst gegen den Hass

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) hat 2015 eine neu gestaltete Islam-Abteilung eröffnet und die Präsentationsfläche verdoppelt. Sie richtet sich sowohl an Geflüchtete als auch an einheimische Besucher. Historische und aktuelle Werke von Künstlern. u. a. aus dem Libanon und dem Iran, führen vor Augen, dass die Kunst im Islam zwar eine religiöse Prägung hat, aber lange Zeit sehr tolerant war. Sie entspricht damit nicht dem in den aktuellen Medien vorherrschenden Bild einer zerstörerischen und von Verboten dominierten Religion, die vom mörderischen Treiben der Islamisten diktiert wird. Museumsdirektorin Sabine Schulze ist überzeugt: „Stilgeschichte kann Aufklärungsarbeit leisten über gegenseitige Anerkennung und Respekt, über gemeinsame kulturelle Wurzeln.“ Es käme darauf an, die richtigen Fragen zu den gezeigten Objekten zu stellen. Das MKG möchte zeigen, dass der Islam nicht schon seinem Wesen nach intolerant ist, sondern eine Kultur hervorgebracht hat, die viele Jahrhunderte lang auf Austausch, Partizipation, Wissenstransfer und Verständigung angelegt war.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

 

Musik: Bridges – Musik verbindet

334720_web_R_K_B_by_A.Rausch_pixelio.de © A. Rausch, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 3 – Musik

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA © Gerhard Helminger, Pixelio

Musik I: Bridges – Musik verbindet

Julia Huk und Isabella Kohls haben in Frankfurt am Main das multikulturelles Orchester Bridges – Musik verbindet ins Leben gerufen – mit geflüchteten Musikern aus aller Welt. Die Stücke werden neu komponiert und auf die Musiker bzw. deren Instrumente abgestimmt. Die Komponisten schauen bei der ersten Probe nach den vorhandenen Instrumentalisten und schreiben die passende Musik für die jeweilige Besetzung. Klänge von klassischen Instrumenten wie Klavier, Geige und Klarinette treffen auf Rhythmen orientalischer Trommeln und Zupfinstrumente, wie die sechssaitige Krar aus Eritrea. Initiatorin Julia Huk spielt selbst Klarinette und sagt: „Die Idee hinter dem Projekt ist, dass wir nicht was für Flüchtlinge, sondern mit ihnen etwas machen wollen. Wir wollen sie kennenlernen, wir wollen zusammen mit ihnen Musik machen.“ – Und darüber Brücken bauen. Das nächste Konzert findet am 19.3.2016 im hr-Sendesaal statt.

703929_web_R_K_B_by_Birgitt Stüve_pixelio.de © Birgitt Stüve, Pixelio

Musik II: Orientalisch-westliche Völkerverständigung

Orientalische und die westliche Kultur traffen im September 2015 aufeinander, als das „Syrische Exil-Orchester“ ein Konzert in Bremen gab. Offiziell nennt es sich Syrian Expat Philharmonic Orchestra – kurz SEPO. Gegründet hat es Raed Jazbeh, ein junger syrischer Kontrabassist, der 2013 aus Damaskus flüchtete. Heute lebt er in Bremen und hat von dort aus Kontakt zu syrischen Orchestermusikern in anderen deutschen Städten und europäischen Ländern aufgenommen. Martin Lentz, der sonst das Jugend-Symphonie-Orchester Bremen leitet, unterstützt das Exil-Orchester als Dirigent und mit jungen Musikern aus seinem eigenen Orchester. Lentz sorgte auch für die Programmauswahl, eine Mischung aus orientalischen und westlichen Werken. Die Botschaft für das Publikum beschreibt Raed Jazbeh so: „Der Krieg wird uns nicht stoppen. Wir werden immer Musik machen – egal, wo wir sind.“

251363_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Musik III: Singen mit Geflüchteten

Einmal in der Woche am Donnerstag treffen sich in Köln-Ehrenfeld (Helmholtzplatz 11) von 17-18.30 Uhr Geflüchtete, AnwohnerInnen und Interessierte. Jeder ist willkommen, Vorkenntnisse sind nicht nötig. Jeder lernt seine Stimme und neue Menschen kennen. Initiiert und geleitet wird der Kölner WillkommensChor von den Musikstudenten Nicole Lena de Terry und Joachim Geibel.

562379_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de © Jürgen Jotzo, Pixelio

Musik IV: bandboxx – Hamburgs erste mobile Musikschule für Flüchtlingskinder

Zwei Tage pro Woche probt der Musikdozent Thomas Himmel mit Flüchtlingskindern in einer mobilen Musikschule, einem grau-rot-gestreiften Maxi-Container von 4×8 Metern Länge. Er steht in einem Erstaufnahmelager für Geflüchtete in Hamburg und soll den jungen Neubürgern die Eingewöhnung in Deutschland erleichtern. Die musikalische Arbeit wirkt sich positiv auf Gruppenfähigkeit, Sprachentwicklung und Integration aus. Mit Unterstützung von Stiftungen und Sponsoren kann das Konservatorium der Stadt die bandboxx regelmäßig betreiben, die auch als Tonstudio dient. Es ist mit digitaler Aufnahmetechnik, einem 16-Kanal-Mischpult und verschiedenen Musikinstrumenten ausgetstattet, mit E-Gitarre und E-Bass, mit Schlagzeug, Keyboard und Gesangsanlage. Für vier Wochen können Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Thomas Himmel eigene Songs komponieren, proben und aufnehmen. Am Ende erhält jeder als Ergebnis und Lohn eine eigene CD.

Markus Menke, Direktor des Hamburger Konservatoriums, schwärmt: „Mit dem Bandprojekt bandboxx stärken die jungen Geflüchteten durch Musik ihr Selbstwertgefühl. Sie finden kreative Ablenkung und Beschäftigung, fördern ihre Fähigkeiten zur Empathie und Konfliktlösung. Es hilft auch gegen die Langeweile.“

484942_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio

Musik V: Musik und Gespräche

An jedem 2. Donnerstag im Monat um 20 Uhr laden engagierte Hamburger um den Kulturmanagement-Studenten und Musiker Arne Theophil sowie Social Entrepreneur Steph Klinkenborg musikinteressierte Geflüchtete aus den Unterkünften der Barmbeker Nachbarschaft und aus ganz Hamburg ein. Auf Anregung ihrer Initiative Welcome Music Session ist es gelungen,  dass Hamburger gemeinsam mit Geflüchteten im Kulturzentrum „Zinnschmelze“ Musik machen,  einander zuhören, sich kennen lernen und den Abend genießen. Musikinstrumente können mitgebracht werden. Geplant sind außerdem mobile Musikworkshops für jugendliche Geflüchtete. Die Akteure arbeiten in Kooperation mit der Hochschule für Musik und Theater und der Initiative Welcome to Hamburg Barmbek.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com