Wie lassen sich kreative Leistungen finanzieren?

 © Siegfried Fries, pixelio.de

Damit Ideenschöpfer und Urheber auch zukünftig (über-)leben können, müssen realistische Finanzierungsmodelle geschaffen werden. Lizenzen haben sich in der Kultur- und Kreativwirtschaft für die meisten Freiberufler und Kleinstunternehmer als nicht tragfähig erwiesen, siehe spotify, audible, youtube, netflix usw. Aus gutem Grund wird der Ruf nach Transferabgaben für bestimmte Technologien lauter, gefordert werden z. B. eine Transaktionssteuer für Kapitalgeschäfte, eine „Robotersteuer“ für die Automatisierung und Digitalisierung von Produktionsprozessen, ebenso eine Steuer für den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Der Hintergrund: Lohn- bzw. Erwerbsarbeit wird gegenwärtig höher besteuert als Vermögenseinkommen ohne reale Wertschöpfung. Dazu erklärt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG: „Wenn Produktivität zukünftig vor allem an Maschinen und die Auswertung von Daten gekoppelt ist, könnte die Besteuerung stärker auf den darauf beruhenden Gewinnen aufbauen und weniger auf der Einkommensteuer des Einzelnen.“ (Höttges 2015).

Wandel der Berufswelt

Existenzängste plagen längst nicht nur Kreative, Musiker, Fotografen, Autoren, Journalisten, Grafiker, Künstler, Designer … Auch klassische Wirtschaftsbranchen sind im Zuge der Digitalisierung von der Vernichtung von Arbeitsplätzen betroffen, z. B. Banken und Versicherungen, Verkehr und Industrie. Und so verwundert es nicht, dass das bedingungslose Grundeinkommen schon in den Vorstandsetagen und im Mittelstand diskutiert und befürwortet wird, z. B. von SAP-Chef Bernd Leukert, Siemens-Chef Joe Kaeser, Telekom-Chef Timotheus Höttges und von Götz Werner, dem Gründer und ehemaligen Geschäftsführer von dm-drogerie markt. Höttges sieht das Grundeinkommen als Antwort auf die Veränderungen in der Arbeitswelt: „Wir müssen unsere Gesellschaft absichern. Deswegen die Idee des Grundeinkommens […] Es könnte eine Lösung sein [… ] in einer Gesellschaft, die sich durch die Digitalisierung grundlegend verändert hat.“ (Höttges 2015)

Wer profitiert, muss zahlen

Solange Menschen von den Ideen Anderer profitieren, ohne dass die Ideenstifter ihre Grundbedürfnisse decken können, wird es keinen sozialen Ausgleich in der Gesellschaft geben. Wenn jeder teilt, was er selbst nicht zum existenziellen Überleben braucht, hat niemand das Gefühl, dass ihm etwas gestohlen wird. Der Philosoph Richard David Precht formuliert es mit Blick auf den sozialen Frieden so: „Wir müssen unseren Begriff von Arbeit neu definieren und so etwas wie ein Grundeinkommen einführen, sonst brechen uns die Binnenmärkte zusammen. Die Wirtschaft kann wohl kaum ein Interesse daran haben, dass es keine Konsumenten mehr gibt oder dass Millionen arbeitslos sind.“ (Precht 2014)

Roboter kaufen keine Roboter

„Autos kaufen keine Autos“, hat Henry Ford einmal gesagt. Auf für die Gegenwart ließe sich sagen: Roboter kaufen keine Roboter. Ohne kreative Inhalte werden die meisten digitalen Plattformen sinnlos. Derzeit profitieren vor allem diejenigen von der Wertschöpfung, die Hoheit über Datenströme besitzen. Doch nur wenn alle Menschen an Wertschöpfungsketten beteiligt werden und vom technologischen Fortschritt profitieren, bleiben Gesellschaften funktionstüchtig und friedlich. Nur dann bleibt Freiraum für Kreativität. Ein Modellversuch in der kanadischen Stadt Dauphin hat gezeigt, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen bedingungslosem Grundeinkommen und verbesserter physischer und mentaler Gesundheit gibt. In dem vierjährigen Untersuchungszeitraum gab es spürbar weniger Arztbesuche aufgrund mentaler Probleme und weniger Diagnosen von psychischen Erkrankungen. Menschen, die ihren Beruf aus Berufung ausüben, sind zufriedener, gesünder und daher für die Volkswirtschaft erstrebenswert.

Arbeit als Lebenssinn?

Der niederländische Historiker Rutger Bregmann macht sich seit längerem darüber Gedanken, wie sich die beiden Hauptprobleme des 21. Jahrhunderts lösen lassen, dass durch die Digitalisierung industrieller Prozesse zunehmend Arbeitsplätze verloren gehen und nicht genügend neue geschaffen werden können. Dadurch stehe einerseits mehr Freizeit zur Verfügung, andererseits wachse im Westen die Kluft von Arm und Reich sowie in der Dritten Welt. Wir alle müssen diese Herausforderungen gesellschaftlich diskutieren und aushandeln.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Im Zuge der Corona-Pandemie ist die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen neu entfacht. Auch Bregmann plädiert für ein universelles Grundeinkommen, ebenso wie die EBI, eine Bürgerinitiative aller 27 Länder der Europäischen Union. Sie strebt 2021/2022 ein Quorum für ein bedingungsloses Grundeinkommen zu erreichen (aktueller Stand nach Ländern aufgeschlüsselt) und fordert die Europäische Kommission auf, aktiv zu werden und Vorschläge für bedingungslose Grundeinkommen in der gesamten EU zu machen. Ein interdisziplinär aufgestelltes Forschungsteam will jetzt in einem 3jährigen Pilotprojekt herausfinden, ob „ein Grundeinkommen das soziale Zusammenleben, die Vertrauenskultur in unserer Gesellschaft fördert“, formuliert Studienleiter Jürgen Schupp, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW Berlin) seine Hypothese. In Capital schreibt Autorin Claudia Cornelsen über ihre Erwartungen: „Etwas ohne Rückfrage, ohne Misstrauen, ohne Vertrag, ohne Erwartung geschenkt zu bekommen, das ist neu … Das Bedingungslose Grundeinkommen basiert auf einem positiven Menschenbild mit Eigenverantwortung und intrinsischer Motivation. Statt die Schwachen als autoritärer „Wohlfahrtsstaat“ zu bestrafen, investiert die staatliche „Zutrauensgesellschaft“ in die Stärken ihrer Bürgerinnen und Bürger.“

 © Mensch-Grundeinkommen

Erlebnisausstellung

Das Hamburger Netzwerk Grundeinkommen plant eine Wanderausstellung, um Diskussionen zum Thema breiter in die Gesellschaft hineinzutragen. Unter dem Titel Mensch Grundeinkommen will sie einen setzen Kulturimpuls setzen – mit einer phantasievollen und mobilen Erlebnisausstellung: “Sie soll die Menschen in ganz Europa berühren, inspirieren und zu einer aktiven Auseinandersetzung anregen, um über das Leben, die Arbeit und über die Schaffung eines Bedingungslosen Grundeinkommens nachzudenken.” Die Initiatoren treibt die Überzeugung, dass das Grundeinkommen Sicherheit und Freiheit verspricht und zugleich jeden Einzelnen persönlich und gesellschaftlich herausfordert: “Weder Verheißung des Paradieses noch Weg in die Katastrophe führt es weg vom Müssen und Sollen, hin zum Können und Wollen. Mit unserer Ausstellung möchten wir alle zu einer lebendigen Auseinandersetzung ermuntern.”

 

Buch-Tipp:

Rutger Bregman: Utopien für Realisten. Die Zeit ist reif für die 15-Stunden-Woche, offene Grenzen und das bedingungslose Grundeinkommen
Rowohlt Verlag, Reinbek 2017

 

 

 

Co Create Cross Innovation: Online-Panel auf der KREATOPIA MV 2020

Cross Innovation in Deutschland 

2009 hat die EU-Kommission das „Europäische Jahr der Kreativität und Innovation“ ausgerufen. Seitdem sind Kreativität und Impulse aus der Kultur- und Kreativbranche stärker in das Blickfeld der klassischen Wirtschaft gerückt. Von 2012 bis 2015 wurde z. B. am Nordkolleg Rendsburg das EU-Projekt „Unternehmen! KulturWirtschaft« realisiert, das ich damals journalistisch begleitet habe mit Interviews und Filmen.
Wie sehen branchenübergreifenden Kokreationen in der Praxis aus? Zuerst denkt man wahrscheinlich an kokreative Produkte, wie z. B. den legendären DeLorean aus dem SciFi-Film „Zurück in die Zukunft“ von der Plattform Lego.Ideas oder die blauen Fruchtgummis von Haribo. Beide Produkte sind in kokreativer Zusammenarbeit über Fan-Plattformen entstanden.

© MassivKreativ

Was entsteht durch kokreativen Austausch?

Menschen sind kreativer und leistungsstärker, wenn sie auf Kooperation, Kollaboration und Kokreation setzen. Doch warum ist das so? Inwiefern ist kokreatives Arbeiten zukunftsweisend und chancenreicher? Warum ist die Zeit der Alleingänge und der Einzelkämpfer vorbei? Welche Mehrwerte entstehen in kokreativen Prozessen? Mit welchen Methoden und unter welchen Rahmenbedingungen verläuft kokreatives Arbeiten zielführend und erfolgreich? Neben Produkten können durch kokreative Zusammenarbeit auch neue Wertschöpfungsketten und Dienstleistungen, eue Prozesse für Unternehmensabläufe, neue Organisationsformen und kokreative Orte entstehen,  wie z. B. Coworking – und Makerspaces, Fablabs und Repaircafés.

Fast all diese Themen haben wir im Online-Panel gestreift. In der ersten Stunde gab es zwei Kurzimpulse zum Thema Cross Innovation von Lena Hoffstadt vom Verein fint e.V und Raffaela Seitz von der HH Kreativgesellschaft. In der zweiten Stunde kamen vier Tandems aus MV zu Wort: jeweils ein Kreativunternehmen und ein klassisches Unternehmen, die bereits gemeinsam einen Cross Innovation-Prozess durchlaufen haben und in Kurz-Interviews mit mir darüber berichteten.

Cross Innovation Hub der Kreativgesellschaft Hamburg

Der erste IMPULS kam von Raffaela Seitz. Sie konzipiert und organisiert bei der Kreativgesellschaft Hamburg branchenübergreifende Projekte im Cross Innovation Hub. Sie ist ursprünglich Kulturwissenschaftlerin, Kunsthistorikerin, hat auch einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund und bewegt sich daher gern und intensiv an den Schnittstellen von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Raffaela Seitz stellte die Aktivitäten im Cross Innovation Hub vor, eine Plattform, die dabei hilft, neue Innovationspotenziale in der Zusammenarbeit von Kreativwirtschaft und anderen Branchen zu erschließen. In ihrem Impulsvortrag schilderte Seitz die Potenziale von Cross Innovation mit der Kreativwirtschaft und entsprechende Rahmenbedingungen, gab Einblicke in zwei Best Practice-Formate: das Cross Innovation Lab und das Emergency Lab, in denen jeweils visionäre Kreativschaffende unterschiedlicher Disziplinen mit Unternehmensakteuren der klassischen Wirtschaft (u.a. Vibracoustic, Garz & Fricke und Trailer Lloyd) auf Augenhöhe zusammenarbeiten, um gemeinsam Lösungen für (akute) Geschäftsherausforderungen zu entwickeln. Der Cross Innovation Hub wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Kokreative Projekte an der Ostsee und im Südbaltikum

Lena Hoffstadt steuerte den zweiten IMPULS bei. Sie ist als Projektmanagerin bei fint e.V. Rostock tätig. Sie hat einen Masterabschluss in klinischer Psychologie und absolviert berufsbegleitend eine Weiterbildung zur Verhaltenstherapeutin. Bei fint bringt sie Prinzipien der Positiven Psychologie ein und hat dort u. a. das Projekt Creative Traditional Companies Cooperation aktiv mit betreut – kurz „CTCC“ im Rahmen des EU-Interreg-Programmes „Von Gdynia bis nach Neustrelitz – traditionelle Unternehmen und Kreativschaffende aus dem südbaltischen Raum erarbeiten gemeinsam nachhaltige Lösungen“. 

Das South Baltic InterReg EU Projekt “CTCC – Creative Traditional Companies Cooperation” hat sich zum Ziel gesetzt, Kreativschaffende und Unternehmen der Blue und Green Economy grenz- und branchenübergreifend in erfahrungsbasierten Lernformaten zusammenzubringen und kokreativ Lösungen für bestehende Fragestellungen zu entwickeln. Neben Projektpartnern aus Litauen, Schweden, Polen und Dänemark begleitete die Quereinsteiger-Projektmanagerin Lena Hoffstadt von “fint – Gemeinsam Wandel gestalten e.V.” aus Rostock gemeinsam mit der Hochschule Wismar fünf kokreative Tandems in einem anderthalbjährigen Innovationsprozess: vom Kennenlernen und Beschnuppern im gecharterten Reisebus auf dem Weg zu einem CTCC Workshop nach Gdynia über einen Tag eins-zu-eins Jobshadowing bis hin zu fünf Tagen Design Thinking-Innovationswerkstatt in der Basiskulturfabrik in Neustrelitz. 

Lena Hoffstadt hat einen Masterabschluss in klinischer Psychologie der Universität Lübeck und absolviert berufsbegleitend eine Weiterbildung zur Verhaltenstherapeutin. Sie bringt ein besonderes Interesse für Motive, Bedürfnisse und Interaktion von Menschen mit. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf den Prinzipien der Positiven Psychologie. Während ihres Studiums hat sie erste Erfahrungen mit agilen Arbeitsmethoden gemacht. Sie thematisiert, wie Arbeitnehmende und -gebende die Herausforderungen der Arbeitswelt 4.0 als Chance wahrnehmen und für sich nutzen können. 

Kokreative Projekte aus MV als best practices 

Im 2. Teil des Online-Panels befragte ich in vier Kurzinterviews jeweils ein Kreativunternehmen und ein klassisches Unternehmen, die bereits gemeinsam einen Cross Innovation-Prozess durchlaufen haben: 

1. Kundenservice: durch passende Dienstleistungen zum kundenfreundlichen Produkt – Wie kann Kokreation dabei helfen, das Produktangebot durch passende Dienstleistungen für Kund*innen zu erweitern? Interviews mit: 

Ulf Lunge / Geschäftsführer Lunge Manufaktur Düssin & Lunge Lauf- und Sportschuhe GmbH
Jan Lunge / IT und Kommunikationsdesigner, Online Marketing Rockstars (verhindert)

2. Forschung und Entwicklung: Warum ist Kokreation geeignet, neue Produkte durch Forschung und Entwicklung voranzutreiben? Interviews mit: 

Torsten und Kristina Goertz / Goertz Möbelmanufaktur GmbH Wismar
Dr. Jan Sender / Abteilungsleitung Produktionssysteme und Logistik, Fraunhofer-Institut für Großstrukturen in der Produktionstechnik IGP Rostock


Kristina und Torsten Goertz, Moebelmanufaktur Goertz in Wismar, © Uwe Tölle

3. Neue Geschäftsfelder: Inwiefern können kokreative Methoden helfen, Innovationsprozesse in einem Unternehmen anzustoßen?  Welche kokreativen Räume braucht es dazu? Interviews mit: 

Norbert Olschewski, Stadtwerke Rostock AG
Veronika Busch, fint – Gemeinsam Wandel gestalten

4. Menschen und Organisationen: Wie lässt sich das Potenzial von Mitarbeiter*innen durch kokreative Organisationsentwicklung und Wertschöpfung durch Wertschätzung fördern und entfalten? Interviews mit: 

Mirco Hitzigrath, Upstalsboom Weg, Bereich Kultur und Entwicklung, Upstalsboom Hotel + Freizeit GmbH
Barbara Schneider, Illustratorin, Graphic Recording, Strategische Visualisierung, Training, Visual Facilitators GmbH

Das Panel “Co Create Cross Innovation” mit Antje Hinz aus Sicht der Illustratorin Barbara Schneider (Foto: B. Schneider, https://visualfacilitators.com/de/unternehmen/the-visual-facilitators-team/barbara-schneider/)

LINKS ZUM THEMA CROSS INNOVATION:

Portal MassivKreativ mit Medienbeiträgen, Filmen, Interviews über verschiedene Cross Innovation-Projekte und Künstlerische Interventionen

Cross Innovation Hub und Emergency Lab (digital) der Hamburg Kreativgesellschaft, mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) co-finanziert.

CTCC – Creative Traditional Companies Cooperation, Projektflyer von fint e.V – Gemeinsam Wandel gestalten, CCTC wird gefördert im Rahmen des Interreg South Baltic Programm mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), EU-Projektwebsite

Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg (2012-2015), gefördert wurde das Projekt durch das Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein mit europäischen Mitteln aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft, begleitende Studie zu Cross Innovation und Künstlerischen Interventionen von Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Atelier im IT-Großraumbüro von CommunityArtWorks

Labor für Kunst und Wirtschaft NRW

Kunstbasierte Interventionen in Unternehmen von KalendArt

 

Virtuelle Wunderräume

Für die KREATOPIA 2020 habe ich als Kuratorin das Konzept für die virtuellen Wunderräume entworfen und geeignete kokreative Projekte aus allen 12 Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft in ganz MV ausgewählt. 

Zukunft kreativ vorausdenken im Digitalen Innovationszentrum Schwerin

 © DIZ Schwerin, Landeshauptstadt Schwerin

Mascha Thomas-Riekoff ist Kulturproduzentin, Netzwerkerin und Koordinatorin im Digitalen Innovationszentrum (DIZ) in Schwerin, der bis Ende 2020 noch Innovationsraum hieß. Im Interview erzählt sie, warum dieser Ort für Mecklenburg-Vorpommern enorm wichtig und zukunftsweisend ist. 

Digitalisierung

Während die meisten EU-Länder die Digitalisierung recht gut gemeistert haben, ringen viele Orte in Deutschland noch immer um die notwendige Infrastruktur. In der Landeshauptstadt Schwerin kann Thomas-Riekoff über das Internet nicht klagen. In ländlichen Regionen sieht es allerdings anders aus. Doch im neuen Digitalen Innovationszentrum (DIZ) in Schwerin geht es um weit mehr als nur um Infrastruktur. Als Koordinatorin will Thomas-Riekoff im DIZ neues agiles Denken vorantreiben und ein zukunftsorientiertes Mindset installieren, das in Mecklenburg-Vorpommern noch ausbaufähig ist.

Interdisziplinäre Kooperationen

Im Herbst 2019 wurde das Digitale Innovationszentrum im Herzen Schwerins in der Wismarschen Straße eröffnet. Im Perzina-Haus, einem historischen Gebäude, hatte zuletzt die Bibliothek ihren Sitz. DIR ist kein einzelner Raum, sondern für die neuen Projekte stehen mehrere Bereiche zur Verfügung, wie Thomas-Riekoff erklärt: „Wir haben neben dem großen Saal einen Coworking-Space, einen Meetingraum, einen Seminar- bzw. Design Thinking-Raum. Das Digitale Innovationszentrum ist also eine interdisziplinäre Werkstatt und Denkfabrik, in der man Ideen spinnen, spielen und ausprobieren kann. Es können und sollen Akteure aus ganz verschiedenen Bereichen aufeinander treffen, sich gegenseitig inspirieren und beflügeln: Handwerk, Ingenieurs- und Medizintechnik, Landwirtschaft, Verkehr, Mobilität, Verwaltung, Kreativwirtschaft.“

  Mascha Thomas-Riekoff moderiert im DIR (rechts) © MassivKreativ

Gründer Studio

Ein besonderes kokreatives Angebot ist das Gründer Studio. Es bietet interessierten Akteuren nicht nur Zugang zum DIR in Schwerin, sondern zu allen sechs Innovationsräumen in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit einem großen Netzwerk und einem Mentorenpool von Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Angeboten werden: ein Gründer-Arbeitsplatz im CoWorking Space, die Gründer-Studio Sprechstunde, das 1:1 Coaching und die kostenlose Teilnahme an allen Gründer Studio-Veranstaltungen und MeetUps.

Kultur- und Kreativwirtschaft im DIR

Eine tragende Rolle sollen Kreative im DIR spielen, sagt Thomas-Riekoff. „Ihre agilen und kreativen Arbeitsmethoden sind hier im DIR ein sehr wichtiger Baustein, den die Region noch viel stärker braucht.“ Kreative haben eine Schnittstellenfunktion. Ihre große Kompetenz besteht darin, sich in Wünsche und Bedürfnisse sehr verschiedener Nutzer und Branchen hineinzudenken und mit den Akteuren anderer Fachgebiete und Branchen passgenaue Lösungsansätze zu finden. Genau diese Art von cross-sektoralen und kokreativen Kooperationen sollen im DIR angesiedelt werden.

Erfahrungsschatz

Bei ihren Planungen im DIR kann Mascha Thomas-Riekoff auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Als Managerin und Kulturproduzentin hat sie Projekte mit unterschiedlichen Akteuren geplant, abgeleitet und umgesetzt. Während des Studiums für Kulturarbeit an der Fachhochschule spezialisiert sie sich auf Ausstellungsmanagement und und wagt sich direkt nach dem Studium in die Selbständigkeit. Gemeinsam mit Silvana de Hillerin gründet Thomas-Riekoff die Agentur “Balestra Berlin” für „Idea Engineering & Cultural Management“. Sie entwickelt u. a. die Lichtkunst-Raum-Installation kubik entwickelt, die als temporäre Diskothek durch die ganze Welt tourt. Auch heute noch leuchtet kubik gerade irgendwo auf dieser Welt und war an insgesamt 30 Orten.

 © Mascha Thomas-Riekoff 

Kulturproduzentin

In der Zeit bei Balestra Berlin initiiert Thomas-Riekoff vielfältige Ausstellungs- und Kulturformate und übernimmt in Personalunion unterschiedliche Aufgaben. Sie erklärt ihre Rolle: „Ich bin keine Kuratorin oder Regisseurin, sondern ich bin eben Kulturproduzentin – verantwortlich für Budgetierung, Finanzierung, Planung, Koordination der technischen Umsetzung, Personalführung bis hin zur Bewerbung der Projekte.“ So vielfältig wie die Aufgaben sind auch die Tätigkeitsfelder von Thomas-Riekoff: Medienkunst, Ausstellungsproduktion und Stadtentwicklung. Ihre Leidenschaft gilt vor allem der Verwirklichung von ästhetisch anspruchsvollen Kulturprojekten, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie z. B. auf der dOCUMENTA (13) in Kassel oder im Wikinger Museum in dänischen Jelling.

Mascha Thomas-Riekoff moderiert im DIZ (rechts) © MassivKreativ

Neue Chancen nutzen

Dass die gebürtige Münchnerin ihren gut dotierten und anspruchsvollen Job in Berlin aufgegeben hat und nach Schwerin gezogen ist, hat familiäre Gründe. Der Wechsel bedeutete für sie finanziell große Einbußen. Andererseits denkt Thomas Riekoff nach positiv und nach vorn: „MV ist für mich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo man sehr vieles noch gestalten kann, was anderswo z. B. wegen verfestigter Strukturen nicht möglich ist. Die Kreativen bringen eine enormen Gestaltungswillen mit nach MV, weil es ihnen nicht ausreicht, dass sie alleine an ihrem Rechner im Homeoffice sitzen. Sie streben nach einem sinnstiftenden, lebenswerten Leben. Das entsteht nur, wenn man in Kontakt mit anderen Bewohnern tritt und Strukturen aufbaut. Und deshalb entwickeln Kreative auch neue Geschäftsmodelle für mehr Lebensqualität.“

 historischer Saal im DIR © MassivKreativ

Wissenstransfer aus Berlin nach Schwerin

Für Mecklenburg und speziell für die Landeshauptstadt Schwerin ist die Kulturproduzentin Mascha Thomas-Riekoff ein Hauptgewinn. Bereits bei den Vorplanungen zum neuen Digitalen Innovationszentrum hat sie der Stadt mit ihren Erfahrungen aus der Hauptstadt beratend zur Seite gestanden, Argumente und Positionen gesammelt und Überzeugungsarbeit geleistet, wenn es Skepsis gab. Thomas-Riekoff hat das Konzept für DIR entwickelt, das sie folgendermaßen erläutert: „DIR soll die Innovationskraft von Wirtschaft und Wissenschaft vorantreiben. Er ist eine Kombination aus Think Tank, Coworking, Werkstatt, Treffpunkt und Ort des Austauschs zwischen privaten Fachhochschulen und Studienzentren im Verbund mit der IHK, der Handwerkskammer, mit Unternehmerverbänden, StartUps, GründerInnen, Freiberuflern, IT-Interessierten und vor allem auch mit Akteuren der Kreativwirtschaft. Alle Akteure sollen gemeinsam frische Geschäftsideen entwickeln sowie Geschäftsmodelle mit digitalen und analogen Ansätzen. Auch Schüler, Studenten und interessierte Bürger sind eingeladen, um sich hier über die digitale Zukunft zu informieren und auszutauschen, digitale Technik zu erleben und auszuprobieren. Es entsteht ein Begegnungsort für Veranstaltungen und Formate, die über die Region hinaus strahlen.“

Ministerium und Stadt als Träger

DIR wird vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern finanziert und von der Stadt Schwerin getragen. Mascha Thomas-Riekoff ist bei der Stadt Schwerin angestellt, zunächst zeitlich befristet. Doch sie ist überzeugt, dass DIR eine Zukunft hat bzw. auch braucht, um die BewohnerInnen des Bundeslandes MV fit zu machen für die kommenden Herausforderungen. Neben dem DIR in Schwerin sind fünf weitere digitale Zentren als Ideenschmieden entstanden: in Rostock, Stralsund, Wismar, Neubrandenburg und Greifswald. Ihre Aktivitäten werden auf der eigenen Website digitalesmv präsentiert.

 © MassivKreativ

Treiber der digitalen Transformation

Zum Auftakt fand im November 2019 an allen sechs Zentren erstmals der landesweite Kongress NØRD statt. Neben Technologien und neuen Anwendungsfeldern ging es auch um ethische Fragen und um soziale Innovationen im Hinblick auf die Digitalisierung. Im DIR in Schwerin stand das Thema „Digitaler Wandel trifft Verwaltung“ im Fokus. Erkenntnis: Nicht allen Menschen fällt es leicht, bei technischen Veränderungen, wie der Einführung neuer Software Schritt zu halten. Hier können andere Perspektiven und innovative, künstlerisch-kreative Methoden wertvolle Unterstützung leisten. Dies demonstrierte der Künstler Daniel Hoernemann (siehe Foto), der im Interview mit mir seine Ordnungsbehörde für Schöpferisches vorstellte.

 © MassivKreativ

DIR als Think Tank

Das Digitale Innovationszentrum ist ein Ort, der vielfältiges Wissen verschiedener Akteure sammelt, der sie aufeinandertreffen lässt, verbindet und in Austausch bringt. An Hochschulstandorten soll die Arbeit der sechs Digitalen Innovationszentren eng mit der Wissenschaft verknüpft werden. In Schwerin liegt der Fokus wie erwähnt auf der engen Kooperation mit der Verwaltung. Außerdem soll es um Problemfelder und Trends gehen und wie man passende Akteure zum Ermitteln von Lösungsansätzen zusammenbringt: Stadt- und Landentwicklung, Mobilität, Gesundheit, Umwelt, Nachhaltigkeit usw.  

© Veranstaltung im DIR, MassivKreativ

Digitale Nomaden für neue Dörfer

Zum Auftakt der FORUM-Reihe fand im Oktober 2019 der Thementag „Sozial-kreative Innovationen als Impulse für die Regionalentwicklung zwischen Stadt & Land“ statt, dessen Höhepunkt die Preisverleihung im Landeswettbewerb für kreative Raumpioniere MV war, verbunden mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit Bundes- und Landespolitikern. Dabei ging es um die Frage, welche Rolle das Ineinandergreifen von sozialer, kultureller, ökonomischer und ökologisch nachhaltiger Wertschöpfung (Value Balancing) spielt? Wie prägen die digitalen Nomaden heute neue „urbane Dörfer“, in denen städtische und ländliche Milieus verschmelzen? Welche Methoden nutzen kreative Regionalentwicklerinnen und -entwickler? Und wie können kreative Pioniere wirksam von Kommunen, Wirtschaftsförderern sowie durch Bundes- und Landesförderprogramme unterstützt werden. Im Rahmen des FORUMS wurden in einer Ausstellung und in Filmportraits best-practice-Projekte vorgestellt sowie eine wissenschaftliche Studie, die die Effekte der Projekte auf die Regionalentwicklung zeigte.

Magnet für neue Fachkräfte

Mascha Thomas-Riekoff hofft, dass die Impulse durch Kreativschaffende im DIR andere gut ausgebildete Neubürger nach Mecklenburg bringen kann: „DIR wird gerade durch die Kooperation mit Kreativen und mit innovativen Formaten auch hochqualifizierte Fachkräfte bzw. Rückkehrer nach MV locken, die interdisziplinär mit vielseitigen Teilbranchen der Kreativbranche neue Geschäftsmodelle entwickeln wollen. Über den ersten erfrischenden Austausch mit Kreativen kann sich bei Fachkräften der Wunsch entwickeln, sich dauerhaft in MV niederzulassen.“

 © MassivKreativ

Transformationen 

Ein Experiementierfeld für Unternehmen, Verwaltung, Bildung und Bürgerschaft soll das Transformationslabor werden bzw. das Format “Reallabor Smart City”, um in kokreativ und gemeinsam an Innovationen zu arbeiten, Chancen und Potentiale zu nutzen. 

Die Kulturproduzentin Thomas-Riekoff muss noch häufig erklären, warum künstlerisch-kreative Methoden wirksam sind und welche konkreten Effekte sie haben. Mit ihrer optimistischen und leidenschaftlichen Art gelingt es ihr, Zweifler zu überzeugen und Skeptiker mitzunehmen im Prozess der Digitalisierung, in dem eben nicht nur technische Belange mitgedacht werden müssen. Was bringt also die Zusammenarbeit mit Kreativen? Thomas-Riekoff: „Innovationsfördernd ist das besondere Denken von Kreativen und das Potential, das sie durch ihre Methodiken und Arbeitsweisen in sich tragen und an andere Branchen in Thinktanks weitergeben können. Bevor ein Grafiker z. B. ein Logo für ein Unternehmen entwickelt, muss er erst mal analysieren, was die Firma ausmacht, was deren Kernkompetenz und Alleinstellungsmerkmal am Markt ist. Und dazu ist auch Perspektivwechsel nötig, der zeigt, dass Kreative noch ganz andere Produkte und Dienstleistungen entwickeln können, die weit über ein Logo hinausgehen.“

Intermediär

Noch muss Thomas-Riekoff einiges an Vermittlungsarbeit leisten. Aber genau das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben im DIR: immer wieder geduldig erklären, helfen, unterstützen, Brücken bauen zwischen den noch sehr unterschiedlichen Welten der kreativen Branchen und der klassischen Wirtschaft. Damit die frischen innovativen Köpfe sich in MV willkommen und wertgeschätzt fühlen, muss die BewohnerInnen im Land Mecklenburg-Vorpommern offener werden, findet Thomas-Riekoff: „Sie müssen spüren, dass ihre Ideen und Expertise gefragt sind. Und dass die Alteingesessenen gespannt sind auf das, was Kreative mitbringen. Wirtschaftsförderer sollten den Kreativen die Freiräume in MV noch aktiver zeigen und anbieten – sowohl im Hinblick auf Immobilien als auch in ideeller Hinsicht. Und sie mit anderen Kreativen und kooperativen Alteingesessenen vernetzen, die schon da sind. Der Freiraum darf nicht als (geistige) Leere herausstellen.“

PODCAST

Ein Labor auf dem Land: Wie das Wendland kreative Köpfe anlockt

 © Andreas Hermsdorf, Pixelio.de 

Wie holt eine Kommune kreative Köpfe aus der Stadt aufs Land? Der Landkreis Lüchow im Niedersächsischen Wendland hat dazu sehr erfolgreiche Projekte entwickelt, u. a. mit dem Wendlandlabor. Ich habe mit den Akteuren gesprochen.

Austausch über den Tellerrand

Das Wendlandlabor ist ein Netzwerk für kreative und unternehmerische Innovation auf dem Land. Es steht in engem Kontakt mit Hochschulen aus den umliegenden Metropolen, realisiert unterschiedliche Veranstaltungsformate für die Kreativwirtschaft und bringt Kreative mit regionalen Unternehmen zusammen. Ziel ist vor allem, Wissen und Technologien zwischen Stadt und Land auszutauschen.

 © Wendlandlabor

Klinkenputzen

Christof Jens leitet das Wendlandlabor und weiß, dass es einen langen Atem braucht, um beide Welten in cross-sektoralen Projekten zusammenzuführen. Vor allem Klinkenputzen und persönliche Überzeugungsarbeit gehöre dazu, sagt er. Bei traditionellen Unternehmen gäbe es zuweilen Berührungsängste, wenn man sagt, wir wollen etwas gemeinsam mit der Kreativwirtschaft machen. Da muss man dann erst mal mit guten Beispielen erklären, dass gerade in der Kooperation zwischen Kreativwirtschaft und traditionellen Unternehmen auch ein Mehrwert entstehen kann. Christof Jens: „Ich sage dann z.B., dass ein Designer niemand ist, der ein Objekt nur schön macht, sondern dass Designer Menschen sind, die sich funktionale und sehr praxisnahe Gedanken machen, also: Wie wird das Produkt eingesetzt? Welche Ressourcen habe ich zu Verfügung?“

 © Wendlandlabor

Vermitteln

Christof Jens ist Intermediär. Er vermittelt zwischen den Welten und muss auf beiden Seiten starres Denken aufbrechen. Er weiß, dass es zuweilen auch Vorbehalte bei den Kreativen gegenüber traditionellen bzw. klassischen Unternehmen gibt. Doch je mehr gelungene cross-sektorale Projekte zustande kommen, umso mehr Beweise gibt es für deren Erfolg.

Wendland Design Spring 2019

Im letzten Jahr hat das Wendlandlabor ein 10-wöchiges Workshop-Programm Wendland Spring Design initiiert für Studierende aus kreativen Studiengängen umliegender Hochschulen mit Wendländischen Unternehmen. Ihre Fragestellungen bearbeiteten die Studierenden in kleinen interdisziplinären Teams von 2-3 Personen und erarbeiteten eine kreative Lösung. Für den metallverarbeitenden Betrieb sollten die Studierenden eine Möglichkeit finden, die Münzzählmaschinen besser zu vermarkten bzw. anders zu nutzen. Der Verlag der Lokalzeitung, die einmal am Tag jedes Dorf anfährt und bislang nur Zeitungen mitnimmt, wollte wissen, was er alternativ noch mit transportieren könnte und welche Geschäftszweige sich daraus entwickeln lassen? Ein Immobilien- und Tourismusentwickler suchte Ideen für eine Begegnungsstätte mit zwischen Touristen und jungen Menschen. Er wollte Grundstücke kaufen und dafür ein Konzept haben. Alle drei regionale Unternehmen brauchten frischen Input von außen und bekamen ihn über die Kreativen.

 © Harry Hautumm, Pixelio.de 

Erfahrungen nutzen

Das Format Wendland Spring Design baut auf Erfahrungen der Grünen Werkstatt Wendland auf. In StarterCamps suchten Design-Studenten und lokale Handwerker gemeinsam nach Lösungen für regionale Herausforderungen. Von 2012-2017 nahmen ca. 250 Studierende teil. Daraus wurden 250 Botschafter, die das Wendland an ihrer Hochschule und in ihrem Freundeskreis bekanntmachen. Viele von ihnen sagen: „Wenn Land, dann Wendland!“: „Unser Job im Wendlandlabor ist es, eine Schnittstelle zu bilden zwischen der Kreativwirtschaft, den Studierenden und den Unternehmen“, sagt Christof Jens. „Und da reale und gedankliche Räume zu schaffen, in denen diese unterschiedlichen Gruppen sich treffen und innovativ zusammenarbeiten können…“

 © Wendlandlabor

Prototyping Woche

Ein anderes Format ist die 100² | Prototypenwoche, die nun zum zweiten Mal vom 23.-28.3.2020 stattfindet. Meldet Euch bei Interesse rasch an. Madeline Jost ist im Wendlandlabor für Kommunikation & Öffentlichkeitsarbeit zuständig: „Wir freuen uns, wenn noch mehr Interessierte auf dieses innovative und kreative Projekt aufmerksam werden.“ Erneut sind EntwicklerInnen, HochschulabsolventInnen und StartUps zur Teilnahme eingeladen. Bis zu fünf Teams können ihre Ideen weiterentwickeln und erhalten Unterstützung beim Bau ihres ersten, funktionstüchtigen Prototypens. Den Ideengebern steht für die Prototypenwoche ein Entwicklungsbudget von bis zu 1.000 Euro. zur Verfügung, das sie in Material und/oder Maschinenlaufzeit umsetzen können.

 © Wendlandlabor, Madeline Jost: RiMaTec Geschäftsführer Andreas Ressel unterstützt die Prototyper mit KnowHow 

Das Projekt ist auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Kooperation von RiMaTec und Wendlandlabor soll längerfristig laufen, u. a.  mit dem unternehmensintegrierter 100². Wie schon im vergangenen Jahr stellt das metallverarbeitende Unternehmen RiMaTec Räumlichkeiten und fachliche Expertise zur Verfügung. Zusätzlich sind interdisziplinäre Coaches als Ansprechpartner*innen und Berater*innen vor Ort. Nicht zögern, wenn Ihr interessiert seid, neue kreative Lösungen für spannende Herausforderungen der Regionalwirtschaft im Wendland zu entwickeln und meldet Euch an: MAIL: info@wendlandlabor.de

Mehrwert

Im Wendland sind vor allem traditionelle Unternehmen aktiv: im Handwerk, in der Logistik, in der Lebensmittelindustrie. Um diese Unternehmen innovationsstärker zu machen, braucht man kreativen Input, den die Unternehmen von sich aus nicht leisten können. „Die meisten Unternehmen können keine eigene Entwicklungsabteilung finanzieren, um etwa neue Geschäftsmodelle zu entwickeln“, erklärt Christoph Jens. Deswegen ist so ein Austausch mit der Kreativwirtschaft und das Fördern und Ansiedeln der Kreativwirtschaft auch für die regionalen Unternehmen wichtig.“

Finanzierung

Das WendlandLabor ist ein gefördertes Projekt über den Europäischen Sozialfonds zum Themenbereich „Soziale Innovationen“, das bis Ende Juni 2020 läuft. Christof Jens ist aktuell dabei zu klären, wie sich die Netzwerkarbeit verstetigen und die Förderung auf andere bzw. breitere Schultern verteilen lässt.

Im Wendland unterstützt der Landkreis Lüchow-Dannenberg die Ideen von Kreativschaffenden aktiv aus verschiedenen Institutionen heraus: der Stabsstelle Regionale Entwicklungsprozesse des Landkreises Lüchow-Dannenberg, der Agentur Wendlandleben, die vor allem als Informations- und Anlaufstelle für Rückkehrer und Neubürger wirkt, und dem dem Think Tank „Grüne Werkstatt Wendland“. Alle Institutionen sind räumlich gemeinsam unter einem Dach in der alten Poststelle von Lüchow angesiedelt, dem heutigen Coworking-Space „PostLab“. Das Wendlandlabor schließt insbesondere die Lücke fehlender Universitäten und Hochschulen in der Region und steigert das regionale InnovationsPotential. Das Wendland konnte sich dank der Aktivitäten der Kreativakteure (u. a. auch beim landesweiten Festival „Kulturelle Landpartie“) ein überregional wirksames Image und Standortprofil als kreative Region erarbeiten.

 © MassivKreativ

Weitere erfolgserprobte Formate

Auf STIPPVISITE bei… ist ein regionales Exkursionsformat des Wendlandlabors an jedem letzten Dienstag im Monat zu einem kreativen Arbeitsplatz im Wendland mit einer Einführung in die Arbeits- & Lebenswelt des kreativen Gastgebers „Hosts des Monats“ und einem lockeren Snack & Schnack in seiner Wirkungsstätte, z. B. eine Werkstatt, ein Atelier, ein Ausstellungsraum und ähnliches: hier

Netzwerk-Formate der Grünen Werkstatt Beratungsstunde für NetzwerkerInnen und CoworkerInnen jeden 1. Mittwoch im Monat, Offenes Netzwerkfrühstück für Kreative, IT-ler, Neu-Wendländer usw. jeden 3. Donnerstag im Monat, Reparatur-Café mit Fachleuten und interessierten Laien jeden 2. Samstag im Monat, 10 – 13 Uhr, Wendland-Einmaleins – ein Info- und Kennenlernabend für Neubürger an wechselnden Termine: hier

Bewohner von morgen

Das Wendlandlabor initiiert vor allem temporäre Projekte mit Kreativen. Langfristiges Ziel ist jedoch, die Kreativen dauerhaft aufs Land zu ziehen. Wie das gelingen kann, darüber macht sich das Christof Jens natürlich auch Gedanken. Einen Masterplan oder ein Geheimrezept gäbe es nicht, meint er, aber: „Wir probieren viele kleine Maßnahmen aus und passen sie dann an die Rahmenbedingungen und an die Bedarfe der Menschen an, die uns immer Rückmeldung geben auf das, was wir tun. Das ist auch immer so ein ständiger Studierprozess für alle. Der Name Wendlandlabor macht das ja auch deutlich: testen, Erfahrungen sammeln, modifizieren. Zum Glück haben wir ein relativ offenes Konzept bei der Förderung und daher die Möglichkeit, ein bisschen auszuprobieren. Von fünf, sechs guten Ideen funktioniert oft nur eine wirklich.“ 

 © Wendlandlabor, Madeline Jost: Gewinner Stefan Gantner,Prototyping 2019

Willkommensagentur

Wichtiger Partner bei der dauerhaften Ansiedlung von Kreativen und Fachkräften überhaupt ist die Agentur “Wendlandleben”. Sie informiert über Arbeit, Bildung, Leben und Freizeit in der Region und macht Lust auf die Menschen, die schon da sind. Kreative, tatkräftige und engagierte Bewohner kann man auf dem Portal in den Wendland-Stories in Form von Portraits und Interviews kennenlernen. Was ist eigentlich das Geheimrezept für eine gute Hofgemeinschaft in dem kleinen Dorf Prießeck? Dort fand übrigens im Sommer 2019 das erste Tiny Living Festival statt. Alles drehte sich dort um die kleinen mobilen Häuschen. Das Festival war Kongress, Messe, Ausstellung mit Fachgesprächen und Musik. Akteure der Nachhaltigkeitsszene aus der ganzen Republik kamen und fragten: Wie wohnen wir zukünftig? Wie können wir den Ansprüchen der Menschen und der Umwelt gerecht werden? Welche Entwicklungen und welche Technik gibt es?

Ansiedlungsaktion Tiny Houses

Initiator des Festivals ist Michael Selig, er ist ein typischer Bewohner im Wendland, weil immer engagiert. Seite Idee: Mit „Land auf Probe“ sollen Kreative testen, Tiny Houses auf aussterbenden Höfen im Wendland aufzustellen. Mit der „Haus-im-Haus“ Idee können Innenhöfe als Stellflächen benutzt werden, ebenso ausgediente kommunale Anlagen oderCamping-/Sportplätze. Auch Christof Jens vom Wendlandlabor weiß: „Es gibt die Neuankömmlinge, die erst mal probehalber aufs Land gehen wollen, also nur temporär. Die möchten noch ein bisschen schnuppern und finden  unterschiedliche Mietmöglichkeiten, auch Tiny Houses, interessant.“

Hinweis für andere Regionen

Wiederkehrer bzw. jene, die schon Erfahrungen vom Land mitbringen, suchen eher nach eigenem Wohnraum, sagt Jens. Und er gibt noch einen Rat: Regionalentwickler sollten sich von dem Vorhaben verabschieden, ausschließlich junge Menschen ansiedeln und ansprechen zu wollen. Studierende, die mitten im Studium sind, hätten noch nicht den Kopf frei für eine längerfristige Lebensplanung. Eine geeignetere Zielgruppe seien jene Menschen, die schon eine Weile gearbeitet haben, die aus den Städten kommen, die eine Familie gegründet haben und den nächsten Schritt machen möchten. Am Ende berichtet der Projektleiter vom Wendlandlabor zufrieden: „Im Umfeld der Grünen Werkstatt sind aus unterschiedlichen Veranstaltungen acht oder neun junge Menschen entweder direkt im Wendland geblieben oder später ins Wendland zurückgekehrt.“ Ein Beispiel ist Regionalentwicklerin Nicole Servatius, die jetzt beim Landkreis Lüchow-Dannenberg tätig ist.

Podcast 

Ausflugstipp

Kulturelle Landpartie Das landesweite Kultur- und Kunst-Festival zwischen Himmelfahrt und Pfingsten ist seit vielen Jahren ein Aushängeschild für das Wendland, eine Erlebnis- und Leistungsschau der Kreativakteure an über 120 Orten im Wendland. Es zieht jedes Jahr bis zu 60.000 Besucher an und ist für das Tourismusmarketing ein wesentlicher Standortfaktor: https://www.kulturelle-landpartie.de/

Soziale Innovationen: neue Lösungen für neue Rahmenbedingungen

 © MassivKreativ

Der Begriff Innovation wurde lange rein technologisch aufgefasst. Erst 2009 nahm die EU das Schlagwort „soziale Innovation“ in ihr Wirtschaftsprogramm „Europa 2020“ auf. Sozialwissenschaftler weisen schon lange darauf hin, dass jeder technischen Innovation meist eine soziale Innovation vorausgeht. Und jede technologische Innovation hat stets auch eine soziale Relevanz. Mobiltelefone und Mikrokredite etwa geben Millionen Menschen in Entwicklungsländern die Chance auf Selbstermächtigung und Selbstständigkeit.

Folgen durchdenken 

Soziale Innovationen bieten Lösungen für neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Bevor technische Lösungen greifen und Prozesse digitalisiert werden können, müssen sie analog im sozialen Kontext durchdacht und betrachtet werden: Welche Folgen hat unser Handeln? Plane ich meine Projekte „gewissen-haft“? Kreativschaffende „erfinden“ und realisieren daher vor allem soziale Innovationen, die dazu führen, das wir anders zusammenleben (WGs, CoLiving), anders arbeiten (CoWorking, CoWorkation, digitale Nomaden), anders konsumieren (Teilen), Leistungen anders entlohnen (zahl, was es Dir wert ist) oder anders mit Krisen umgehen (Kurzarbeit statt Kündigung). Häufig werden auf globale Herausforderungen lokale Lösungen gefunden. Soziale Innovationen bringen spürbar positive Effekte, sie wirken funktional, emotional und sozial.

 © MassivKreativ

Wertschöpfung weiter denken

Durch soziale Innovationen lösen Kreativschaffende Probleme oder Bedürfnisse besser als mit bisher etablierter Praktiken. Sie treten dafür ein, dass der Begriff der wirtschaftlichen Wertschöpfung weiter gefasst wird als bisher und sorgen für eine wirtschaftliche Wertschöpfung, die soziale, ökonomische, kreative und ökologische Aspekte (z. B. value balancing, Sozialwachstum, Wohlfühleffekte) umfasst, Vorbild für ein zukunftsfähiges Wirtschaften im 21. Jahrhundert. Wertschöpfung muss als Gesamtheit von Gesellschaft, Umwelt und Nachhaltigkeit begriffen werden, indem einerseits Sozialwachstum und Wohlfühleffekte wirtschaftliche Beachtung finden und andererseits bisher kostenfrei genutzte Umweltressourcen eingepreist werden.  

Ländlicher Raum

Lia Mertens hat in ihrer Masterarbeit Förderung der Dorfentwicklung durch soziale Innovationen auf die Bedeutung von nicht-technologischen Innovationen hingewiesen, die gerade im strukturschwachen ländlichen Raum wichtig seien, wo es viele Defizite im Zuge einer schwindenden Daseinsvorsorge zu bearbeiten gelte. Hier böten Impulse von Kreativschaffenden wertvolle Chancen: „Soziale Innovationen sind immateriell geprägt und zielen auf die Verbesserung von sozialen Praktiken ab. Damit soll beispielsweise erreicht werden, dass besser auf Bedürfnisse der Menschen eingegangen werden kann. Durch die Beeinflussung sozialer Praktiken wird auch die Entwicklung einer Gesellschaft stark geprägt. Nicht nur Strukturen werden zum Teil modifiziert, sondern auch ihre ethischen Normen überdacht und beeinflusst…“ (S. 17)

  © Lia Mertens, Masterarbeit S. 18

Entlastung durch Innovationen 

Ein Blick in die Geschichte: Die Erfindung der Waschmaschine brachte den Erwachsenen Entlastung im Haushalt und verschaffte den Kindern indirekt mehr Vorlesezeit. Das Internet erleichterte mit seinen vielfältigen Anwendungen Arbeitsleben und Freizeit. Soziale Innovationen brauchen eine Kultur der Kooperation zwischen Menschen verschiedener Lebensbereiche, zwischen Politik, Wirtschaft, Bildung und Zivilgesellschaft, zwischen unterschiedlichen Disziplinen, Ländern, Geschlechtern und Altersgruppen.

 © TU Dortmund, SI-DRIVE, Studie Soziale Innovationen

Studie zu sozialen Innovationen

Die Sozialforschungsstelle der TU Dortmund hat 2017 die erste globale Studie zu sozialen Innovationen veröffentlicht. Für das Leitprojekt SI-DRIVE wurden mehr als 1.000 Initiativen sozialer Innovation auf allen Kontinenten und in unterschiedlichen Politikfeldern untersucht in den Bereichen Bildung und Lebenslanges Lernen, Beschäftigung, Umwelt und Klimawandel, Energieversorgung, Transport und Mobilität, Gesundheit und Sozialfürsorge sowie Armutsbekämpfung und nachhaltige Entwicklung. Das Fazit: Bürger, Wirtschaft und Staat müssen sich vernetzen, um soziale Innovationen voranzutreiben, z. B. die Kultur des Teilens von Gegenständen, Räumen und Wissen, für mehr Gemeinwohl, Ökologie und Nachhaltigkeit (vgl. Corinna Hesse: zukunft-leben-nachhaltigkeit, Hörbuch und Wissensportal).  

Wann ist eine Erfindung innovativ?

Mit einer Innovation wird eine kreative Idee wirksam, die neue Technologien und soziale Aspekte verbindet. So können neue Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle entstehen, die das Leben Einzelner oder der gesamten Gesellschaft positiv verändern. Kreativität kann bisheriges Handeln und Verhalten wandeln, wie folgende Fallbeispiele zeigen:

Öko-Dorf der Zukunft „ReGen Villages“

Mit etwa 25 Häusern ist ReGen Villages ein Modellprojekt in der Nähe von Almere in den Niederlanden. Es soll ländlichen Regionen eine Perspektive für neue Herausforderungen bieten, wie Ressourcenknappheit, Bevölkerungswachstum, Urbanisierung. Dank neuer Technologien regelt das Dorf in Selbstversorgung völlig unabhängig seine Energie- und Nahrungsmittelproduktion, die Wasserversorgung und Müllentsorgung. Fischzucht wird mit Pflanzenanbau in Hydrokultur kombiniert, die Ausscheidungen der Fische dienen als Dünger. 

 © Jutta Kühl, Pixelio.de

Foodsharing

Gemeinwohlideen trieben die Aktivisten Raphael Fellmer und Marius Diab an. Beide lebten längere Zeit ohne Geld von dem, was andere gespendet oder aussortiert
hatten. Sie versorgten sich und ihre Familien mit weggeworfenen Lebensmitteln und begründeten die soziale Bewegung des foodsharings (Fellmer 2017).

Kreativ gegen Landminen

Tausende Menschen sterben jährlich durch Landminen. Der 14-jährige Inder Harshwardhan Zala möchte das ändern. Er hat eine Drohne mit einem leichten Sprengsatz entwickelt, die knapp über dem Boden fliegend Landminen aufspüren und entschärfen kann. Die indische Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Der Junge darf seinen Prototyp gemeinsam mit Ingenieuren weiterentwickeln, bis er in Massenproduktion gehen kann.

 © MassivKreativ

Zahle, was Du willst

Dieses verbreitete Motto setzte bewusst auf Vertrauen. Es soll die Gesellschaft zu mehr Eigenverantwortung und zum Umdenken animieren. Mit variablen Preisen experimentieren neben der Gastronomie (Bier im Hamburger Gängeviertel, Mittagstisch im persischen Restaurant Kish in Frankfurt am Main) auch  Kulturschaffende (Museen in Bremen und Worpswede, CD „Rainbows“ von Radiohead), Tierparks (Allwetterzoo Münster), Handwerker (Frisör Josef Pertl in Landshut) und Dienstleister („Body Angels – mobile Massagen“). Das bedingungslose Grundeinkommen, auch eine soziale Innovation, setzt ebenfalls auf Vertrauen und ein positives Menschenbild. Es verfolgt einen Wandel im Denken der Menschen für mehr Gemeinsinn.

 © Jens Bredehorn, Pixelio.de

Direkt vom Erzeuger

Quijote-Kaffee in Hamburg ist ein Handels- und Sozialunternehmen mit nachhaltigem Konzept. Die biozertifizierten Kaffeebohnen werden direkt bei den Bauern
erworben. Quijote hält persönlichen Kontakt zu ihnen und zahlt doppelt so hohe Abnahmepreise wie normalerweise bei Fair Trade üblich. Und: Bereits vor Beginn der Ernte werden die Kaffeebohnen zinsfrei vorfinanziert mit über 60 % der vereinbarten Abnahmemenge. Zweimal im Jahr reisen die Betreiber auf die Kaffeeplantagen und laden im Gegenzug Mitglieder der Bauernkooperativen für einen Monat nach Hamburg ein. So kann das gegenseitige Vertrauen stetig wachsen.

Blick in die Geschichte

Schon das Mittelalter kannte Innovationen: Die technologische Revolution des Buchdrucks bereitete den Boden für die Reformation und schuf die Voraussetzung
für die massenhafte Verbreitung der Bibel, die Martin Luther (vgl. Corinna Hesse: Luther-Hörbuch) aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzte.

 © Roswitha Rösch, Silberfuchs-Verlag

Lernende Teilhabe

Soziale Innovationen müssen in der Mitte der Gesellschaft entstehen: Bürger werden als Akteure der Zivilgesellschaft zu aktuellen Problemen und Wünschen befragt und bei Herausforderungen an Lösungsansätzen beteiligt. Ideen für Innovation und Wandel werden in kurzen Zeitabständen auf ihren Nutzen und ihre positive Wirksamkeit hin überprüft – so wie es das Design Thinking vorsieht. Hier wird in kleinen autarken Teams hierarchiefrei, selbstbestimmt, interdisziplinär in mehrstufigen Prozessen agil zusammengearbeitet, um ein Problem ausfindig zu machen und später zu lösen. Die kreative Methode entstand an der Stanford University in Kalifornien und wurde vom dortigen Hasso-Plattner-Institut weiterentwickelt. Sie hat einen starken Bezug zum Nutzer und gliedert sich in sechs Phasen:

  1. Sachverhalte verstehen und beobachten, z. B. durch Recherchen und Interviews
  2. Probleme exakt definieren
  3. Lösungsansätze finden bzw. Ideen entwickeln
  4. Prototypen entwerfen
  5. Ideen vom Nutzer testen lassen
  6. Lösungsansätze weiter verbessern, ggf. auch mehrfach

Lernen durch Wiederholung

Die wenigsten Herausforderungen lassen sich heute linear lösen. Der Erfolg ist größer, wenn man iterativ vorgeht, d. h. einzelne Prozesse so oft wiederholt, bis man sich der exakten Lösung annähert. Beim „Schleifen drehen“ dürfen Fehler passieren, aus denen gelernt werden kann. Über digitale Plattformen wie openIdeo.com, sicEurope.eu oder synAthina.gr können Bürger gemeinsam regional bzw. überregional Innovationen gemeinsam vorantreiben. Sozialforscher fordern zu Recht, eher systematisch in effektive, kreative und lernende Organisationsformen zu investieren statt direkt in Innovationen.

 © KoSI-Lab

Labore für soziale Innovationen

Deutschlandweit und international arbeiten inzwischen viele Zentren und Labore erfolgreich an sozialen Innovationen, meist interdisziplinär bzw. cross-sektoral mit Akteuren aus Kommunen bzw. öffentlichem Sektor, aus Forschung und Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Innovative Labore für Politik- und Verwaltung gibt es u. a. mit dem GovLab Arnsberg in NRW,  dem GovLabAustria in Wien, dem MindLab im dänischen Kopenhagen und dem britischen Social Innovation Lab Kent.  Labore für bürgerschaftliche Innovationen sind The Innovation Loop, The Australian Centre for Social Innovation, MaRS Solutions Lab und das Laboratoire d’innovation sociale. Geschäftsmodelle mit sozialer und gesellschaftlicher Wirkung verfolgen verschiedene sozialunternehmerische Initiativen, wie z. B. Maison du développement durable, Center for Social Innovation und Midpoint Center for Social Innovation. Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis bieten verschiedene Transfer-Zentren für soziale Innovation, u. a. das Institute without Boundaries, das Tilburg Social Innovation Lab und der schwedische makerspace Sliperiet. In Mecklenburg-Vorpommern gab es 2017-2019 ein Projekt zur sozialen Dorfentwicklung im Rahmen des Landeswettbewerbs Kreative Raumpioniere in MV

229441_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Förderprogramme

Die EU bzw. der Europäische Sozialfond ESF hat von 2014-2020 ein Programm EaSI zu sozialen Innovationen aufgelegt – mit drei Themen:

In verschiedenen Bundesländern wurden Förderprogramme von sozialen Innovationen aufgegriffen, u. a. in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Bayern.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förert in Nordrhein-Westfalen das Projekt KoSI-Lab. Im Fokus steht die modellhafte Entwicklung zweier Labore sozialer Innovation (SI-Lab) in den Dortmund (Neuentwicklung) und Wuppertal (Weiterentwicklung). Im Programm Zukunft der Arbeit fördert das BMBF außerdem, soziale Innovationen durch neue Arbeitsprozesse möglich zu machen (4. Wettbewerbsrunde 2019).

Auch das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung fördert Maßnahmen, die soziale Innovationen vorantreiben, z. B. in der sozialen Dorfentwicklung, wie das Projekt Kreative Raumpioniere in MV. Über die Bundeszentrale für politische Bildung fördert das Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat  Aktivitäten im Programm Zusammenhalt durch Teilhabe.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie startete im Dezember 2019 erstmals einen Förderaufruf für digitale und nicht-technische Innovationen. In der ersten Förderrunde sind Ideen für digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle und Pionierlösungen (IGP) gefragt.  Ein zweiter Förderaufruf ist im Verlauf des Jahres 2020 geplant, der besonders auf kultur- und kreativwirtschaftliche Innovationen zielt. Ein dritter Aufruf zielt voraussichtlich auf Innovationen mit einer besonders hohen sozialen und gesellschaftlichen “Wirkkraft”.

Wie wollen wir morgen leben? Ideen und Geschichten für den urbanen Raum

 © Stefan Landgraf, pixelio.de

„Geht es beim digitalen Wandel um den Menschen oder die Technologie?“, fragte der Stadtforscher und Autor Charles Landry beim „Forum d’Avignon Ruhr 2016“. Die Digitalisierung bringe Befreiung und Einschränkung zugleich, so Landry. Die Smart City soll eine kreative und intelligente Stadt sein, die den Menschen das Zusammenleben erleichtert. 

Machtverhältnisse klären

In Toronto entsteht gerade am östlichen Hafenende ein neues smartes Viertel: Quayside. In einem nicht wirklich transparenten Ausschreibungsverfahren hat Googles Tochterfirma Sidewalk Labs den Zuschlag erhalten, in der heruntergekommenen Hafengegend visionäre Pläne zu entwickeln und umzusetzen. Ziel ist ein hochverdrahtetes, sensorgestütztes Quartier, in dem kaum eine menschliche Regung unbeobachtet bleiben soll.  Noch haben Bürger die Möglichkeit, in Befragungen von SidewalkLab die richtigen Weichen zu stellen und klar zu äußern, was sie nicht wollen, d. h. in welche Bereiche des Lebens privat bleiben sollen.  Durchaus sinnvoll sein können Müllschlucker, die Wertstoffe selbständig trennen. Doch wann und wo Nachbarn Feste feiern, sollte nicht in jedem Falle öffentlich gemacht werden. Kritiker mahnen, nicht jede Information an private Firmen weiterzugeben. Und Städte müssen herausfinden, wie sie den Ausverkauf von Bürgerdaten verhindern.

  © Altstadt für alle

Freiraum in Hamburg

In der Altstadt von Hamburg entsteht im Sommer/Herbst 2019 für drei Monate die erste von BürgerInnen betriebene temporäre Fußgängerzone im deutschsprachigen Raum. Es geht um „Freiräume für Entdeckungen und Erlebnisse, für Kultur, Stadtleben und nachhaltige Mobilität“. Die Kleine Johannisstraße, der größte Teil der Schauenburger Straße und die Parkplätze am Dornbusch werden erstmals Fußgängerzone. Beim Pilotprojekt Altstadt für alle kann jeder mitmachen – in Kooperation mit der Patriotischen Gesellschaft von 1765, der Nordkirche und der Initiative “Hamburg entfesseln”.

 © ADFC

Kolumbien als Vorbild

Kolumbien geht voran: Bogotá ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Seit 40 Jahren ist dort jeder Sonntag autofrei. Wovon andere Metropolen träumen, das ist in Bogotá Realität. Bei der Ciclovía (deutsch: Fahrradweg) sind von 7 bis 14 Uhr zahlreiche Straßen in Bogotá gesperrt. Familien und Freunde nutzen den Freiraum zum Spazierengehen, für Bewegung und sportlichen Aktivitäten überall dort, wo an den anderen Tagen Stau herrscht. Erfunden hat den autofreien Sonntag der Architekt Jaime Ortiz. Zusammen mit ein paar Freunden hat er schon 1974 zum ersten Mal zwei Straßen für den Autoverkehr gesperrt. Anteil an der großen Popularität der Ciclovía hat auch der heutige Radrennstar Nairo Quintana, der unter Kindern und Erwachsenen als Volksheld gilt.

Geschichten des Gelingens 

Wir brauchen konkrete Zukunftsentwürfe und praktische Beispiele für das Gelingen von Projekten. Das Scheitern kann Ansätze liefern, um daraus zu lernen. Der städtische Raum muss mit Kreativität und Leben gefüllt werden, mit sozialem Austausch und fantasievollen Geschichten. Beim „Forum d’Avignon Ruhr” erzählten  Kreativschaffende aus verschiedenen Zentren Europas von ihren urbanen Projekten des Gelingens:

 © Hartmuth Bendig, pixelio.de

Graffiti

Gigo Propanda wandelt als Street Art-Künstler zwischen seiner Wahlheimat Essen und seiner Geburtsstadt Mostar in Bosnien-Herzegowina. „Ich sehe Graffitis als Mittel, in einer Stadt Gespräche zu erzeugen.“, erklärt er. In den öffentlichen Meinungsaustausch binde er gerne junge, heranwachsende Menschen ein. Daher sei die Kirche ein offener Partner und stelle bereitwillig Flächen zum Sprayen bereit. „So arbeite ich zuweilen im Auftrag von Gott!“, erklärt Propaganda schmunzelnd. Beim Essener Projekt „Bildersturm“ im Rahmen der Lutherdekade diskutiert Propaganda mit Schülern der Gesamtschule Holsterhausen und Mitgliedern der Erlöser-Melanchthon-Gemeinde über die Rolle von Kunst in der Kirche, über das Wahrnehmen, das Sehen und Entdecken des Kirchenraumes. Mit ihren erworbenen Erkenntnissen würden die Schüler aber auch selbst künstlerisch tätig, betont Propaganda.

 © Gigi Propaganda

Viel Zeit hätten in den letzten vier Jahren seine unzähligen Interviews mit syrischen Geflüchteten eingenommen. Die Essenzen ihrer Geschichten sprühe er an Mauern und Wände – in der Tradition des sozialkritischen Muralismus der mexikanischen Revolution.  Er möge vor allem Schriftzüge, so Propaganda: „An diesen urbanen Botschaften kann ich auch als ‚Nichtwisser‘ ablesen, in welchem Stadtteil ich mich befinde bzw. wer dort lebt“.

 © Andrea Damm, pixelio.de

Garten der Begegnung

Der Franzose Sam Khebizi engagiert sich ebenfalls im soziokulturellen Bereich. In Marseille gründet er 1996 die Nonprofit-Organisation Têtes de l’Art („Köpfe der Kunst“) und initiiert in Noailles, einem der ärmsten Stadtviertel Europas, das Festival „Place à l’Art“. Khebizis Team möchte die Bewohner, vor allem Einwanderern aus dem Maghreb und aus Schwarzafrika, aktive am Leben beteiligen und ihnen mehr öffentliche Sichtbarkeit geben. „Nicht das Ziel ist entscheidend, sondern der Weg“, erklärt Khebizi. Oftmals sei er steinig mit vielen Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren und vermittelnden Gesprächen zwischen Bewohnern, Politik und Stadtverwaltung, Vereinen, Handwerkern und Bauunternehmen.

Gespräche an der Haustür

Man musste zunächst herausfinden, was die Bewohner von Noailles interessiert, was sie zur Teilhabe motiviert. Wie erreicht man sie besser: mit einem Flyer oder mit direkter Ansprache durch Klopfen an Haustüren? Der ausgebrachte Samen sei inzwischen im „Garten der Begegnungen“ aufgegangen, freut sich Khebizi. Die Bewohner sammeln in ihrem Viertel Materialien und schaffen daraus Neues. Handwerk, Kunst und urban gardening verschmelzen. Die Bürger kommen ins Gespräch. Daraus würde andere, dynamische Dinge entstehen. Wie kann man das Unsichtbare messen?“, fragt sich Khebizi. Das sei beim Evaluieren der Projekte eine große Herausforderung. 

 © Michael Ottersbach, pixelio.de

Medienkunst im öffentlichen Raum

Susa Pop entwickelt als Kuratorin und Designerin vor allem für Festival und Kongresse urbane Projekte, digitale Medien, Medienkunst, Wirtschaft und Wissenschaften verbinden. Es gäbe derzeit ein heftiges Ringen zwischen Werbern und Künstlern, erläutert Pop die aktuelle Situation. „Der öffentliche Raum darf nicht nur kommerziellen Anbietern überlassen werden“, sagt sie. Sie setze sich dafür ein, dass auch Bürgern und Künstler-Communities öffentlich sichtbare Plattformen zur Verfügung stehen.

Wegweisende Entwicklungen würden oftmals „bottom-up“ entstehen – von unten nach oben. Lichtdesigner z. B. verwandeln traditionelle Ladenauslagen in künstlerische Medienschaufenster und vernetzen verschiedene Orte mit digitalen Technologien. Wie wollen wir zukünftig leben?, fragt Susa Pop. Unsere Wünsche und Vorstellungen könnten über Videopaintings und Mediafassaden zeitgleich an unterschiedlichen Orten verbreitet werden. So entstehe Interaktion und Austausch. Pop betont: „Medienkunst hat enorm kreatives Potenzial für die Stadtentwicklung.“

 © 110stefan, pixelio.de

Bürgerplattform in Athen 

Amalia Zepou berichtet als ehemalige Vize-Bürgermeisterin von Athen über die aktuelle Situation in der griechischen Hauptstadt im Zuge der Wirtschaftskrise und der Flüchtlingsströme. Die öffentliche Verwaltung sei zeitweise völlig zusammengebrochen. Mit Eigenengagement und Ideenreichtum hätten Bürger vielerorts Initiativen gegründet, um Lösungen zu finden und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. „Die Plattform synAthina ermöglicht den Austausch der Bürger über ihre Aktivitäten“, erklärt Zepou. Ein leer stehender Kiosk diene als realer Treffpunkt. Über die gleichnamige Website synathina.gr könne sich jeder im Detail informieren: Wieviele Gruppen arbeiten in welchen Stadtvierteln an welchen Aufgaben?

Ein wichtiges Thema sei der Leerstand: Wie lassen sich Gebäude neu beleben? Künstler eröffnen zeitlich befristet Pop-Up-Stores, gestalten Ladenfronten und führen Touristen an die neuen kreativen Orte. Nun prüfe die Stadtverwaltung, welche Projekte das Potenzial hätten, auf andere Standorte übertragen zu werden und mit öffentlichen Geldern unterstützt zu werden. „Kreativität ist bei uns in Südeuropa kein Luxus, sondern das Ergebnis von Armut“, erklärt Zepou, „eine zivilgesellschaftliche Notwendigkeit.“

Umnutzung und Mitsprache

Der Architekt und Stadtforscher Tom Bergevoet plädiert dafür, urbane Räume nicht für die Ewigkeit zu planen. Gebäude sollten nach jeweils aktuellen Anforderungen gestaltet werden, temporär nach dem Pop-up-Prinzip. „Auf Leerstand in der Stadt, vor allem bei Bürogebäuden, muss man mit flexiblen und kreativen Nutzungskonzepten reagieren“, so Bergevoet.

Eine ehemalige Tankstelle in London sei zu einem Kino umgestaltet worden. Improvisation sei gefragt, um Umnutzungen durchdacht zu realisieren. Auch Bürgerwissen sollte einbezogen und Ideen von Bewohnern nach dem Adhocracy-Prinzip berücksichtigt werden. Bergevoet berichtet von seiner Idee, Hochhausfassaden zu Kletterwänden umzugestalten: „Manchmal entwickle ich Architektur-Konzepte, um zu provozieren, herauszufordern und um aufzurütteln.“ 

 

Weiterführende Literatur:

Charles Landry: The Art of City Making 

Charles Landry: The Digitized City 

Kreative Karambolagen: Open und Cross Innovation

© ritter-sport.de/blog

Innovationen gelingen, wenn sie als Open-Innovation-Prozesse für externe Akteure geöffnet werden, sowohl interdisziplinär über verschiedene Branchen hinweg als auch nutzerorientiert für Kompetenz- und Wissensträger, für Experten und Anwender. Erfahrungen und Wünsche der Nutzer müssen von Anfang an in die Planung, Gestaltung und Entwicklung von Innovationen einbezogen werden.

Was ist Cross Innovation?

Mit dem Begriff „Cross Innovation“ wird die branchen- bzw. disziplinübergreifende Zusammenarbeit von Kreativschaffenden mit klassischen Wirtschaftsbranchen beschrieben, z. B. mit Unternehmen der Gesundheits- und Automobilwirtschaft, dem Hightechsektor oder dem verarbeitenden Gewerbe. Wenn voneinander unabhängige Lebensbereiche kreativ miteinander in Beziehung gesetzt werden, kann Neues entstehen: Co-Kreationen und cross-sektorale Projekte.

 © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de

Komfortzonen verlassen

Wer weiß, was Manager für wunderbare Ideen hätten, wenn sie mal einen Tag im Kindergarten, im Theaterfundus oder im Museumsdepot verbringen würden. Die von mir ausgewählten Fallbeispiele zeigen, warum es wichtig ist, seine Persönlichkeit möglichst vielfältig zu entfalten, sein kreatives Potenzial und seine Talente zu erproben, unterschiedliche Fertigkeiten zu entwickeln und miteinander zu verbinden.

 © Claudia Hautumm, pixelio.de

Musik und Genmedizin

Was sich der Krebsforscher Martin Staege von der Uni Halle ausdachte, klingt verrückt. Er spürt Tumore mit Musik auf: „Man kann die Stärke der Expression von Genen in Tonhöhe und Tonlänge umsetzen, um Melodien zu erzeugen“ (Staege 2016). Staege spielt leidenschaftlich gern Klavier und bemerkte, dass das Ohr falsche Töne sofort identifiziert, dass man aber Fehler in visuellen Darstellungen lange suchen muss. Seine Frage: Würde es über Melodien schneller gelingen, kranke Zellen aufzuspüren? Staege übertrug Notenbilder auf elektronische Abbildungen von Genen. Mit selbst entwickelten Algorithmen gelangte er zu einer völlig neuen Analysemethode – dank seiner kreativen Idee, Musik und Medizin, Naturwissenschaft und Kunst sowie visuelle und akustische Wahrnehmungsmechanismen zu verbinden.

Pharmaindustrie und IT

Die Firma Vitality hat eine intelligente Medikamentendose mit elektronischem Verschluss GlowCap entwickelt. Sie ist mit einer Datenbank verbunden, die ein akustisch-visuelles Signal abgibt und sich öffnet, wenn der richtige Zeitpunkt für die Medikamenteneinnahme gekommen ist. Die korrekte Einnahme konnte von 50 % auf 80 % gesteigert werden.

Julia Lohmann_Oki Naganode_Fotograf Petr Krejci © Julia Lohmann: Installation “Oki Naganode”, Foto: Petr Krejci

Kunst und produzierendes Gewerbe

Künstler und Designer experimentieren für Installationen, Möbel, Mode und Accessoires mit heimischen Naturstoffen. Sie sind Vorreiter der rasant wachsenden Bioökonomie. Die Künstlerin Julia Lohmann verwendet neben Algen auch Papier, Stroh und Löwenzahn. Nun zieht die Automobilindustrie nach. Der Reifenhersteller Continental verarbeitet anstelle von Kautschuk sibirischen Löwenzahn, der ebenfalls über die begehrten gummiartige Eigenschaften ;verfügt.

Crowdsourcing und Lebensmittelbranche

Auf zivilgesellschaftliche Kreativität stützt sich Fruchtgummihersteller Haribo. Auf Anregung der Käufer kommt 2014 eine „Fan-Edition“ mit Goldbären in sechs neuen Geschmacksrichtungen auf den Markt. Der Clou: Auch blaue Fruchtgummibären sind dabei. Und: Der geschmacklose Farbstoff wird aus Algen gewonnen. „Civil bzw. Citizen Creativity“ wird inzwischen on vielen Herstellern genutzt. So entstand das Geschäftsmodell von Innosabi. Auf der gleichnamige Plattform werden gemeinsam mit Kunden im Auftrag von Firmen neue Produkte entwickelt.

 © Haribo-Fanartikel

Marketing und Aktionskunst

Werber, Designer, Games-, Film- und Theaterakteure sind Experten für die Emotionalisierung von Marken und Produkten. Sie inszenieren deren Auftritte bei Messen, Tagungen, Konferenzen und digital für alle Medien. Doch Marken erringen nur dann Aufmerksamkeit, wenn ihre Motivation und innere Haltung authentisch und nachhaltig wirkt. Statt einer normalen Werbekampagne für eine neue Fliegenfalle entwickelten die schon erwähnten Schweizer Künstler Frank und Patrik Riklin für den Bielefelder Biozidhersteller Reckhaus einen Aktionstag zum Fliegenretten. Aus der künstlerischen Intervention entstand ein bis heute anhaltender Unternehmenswandel mit vielen Maßnahmen für mehr Verantwortung im Hinblick auf Umwelt und Nachhaltigkeit.

© Reimar Ott

Produzierendes Gewerbe, Chemie, Medizin

Die Firma Gore hat sich auf wind- und asserabweisende Funktionstextilien spezialisiert. 20 % der regulären Arbeitszeit steht dem Personal für den kreativen Blick über den Tellerrand zur Verfügung. Je nach persönlichen Freizeitinteressen entwickelten die Mitarbeiter aus dem Material neue Produkte für andere Märkte: beschichtete, schmutzabweisende Schalt- und Bremszüge für Fahrräder, länger haltbare Gitarrensaiten, Implantate für die Herz- und Gefäßchirurgie.

Smoothfood heißt ein neues Geschäftsmodell, dass Lebensmittelchemie und 3D-Druc verbindet. Impulsgeber ist die Makerszene der TechShops und FabLabs. Die
Firma Biozoon aus Bremerhaven wandelt Lebensmittel in Pulver um und serviert Menschen mit Schluckbeschwerden, die der pürierten Nahrung überdrüssig sind,
zumindest die haptische Illusion von gebratenen Hähnchenkeulen, Kartoffeln und Möhren. Neben Krankenhäusern und Seniorenheimen werden auch Sterneküchen
mit Produkten aus dem 3D-Drucker beliefert, z. B. mit kunstvollen Gelatine-Desserts im kreativen Design von urbanen Wolkenkratzern, Gebirgslandschaften und
Tieren.

 © A. Dreher, pixelio.de

Draußen und Drinnen

Lopifit holt das Fitnessstudio auf die Straße, indem es Fahrrad, Roller und Laufband kombiniert. Statt in die Pedale zu treten, treibt der Nutzer das Gefährt über ein Laufband an und landete damit in arabischen Ländern einen Überraschungserfolg. War das Fahrradfahren in langen Gewändern bisher eher umständlich, bietet das Loopifit nun deutlich mehr Komfort, weil es im Stehen angetrieben wird.

Landwirtschaft und Elektrotechnik

Der US-Amerikaner Philo Farnsworth kombinierte zwei Welten, die auf den ersten Blick nicht zusammen zu passen scheinen: Landwirtschaft und Physik. Aufgewachsen in armen Verhältnissen einer Mormonenfamilie musste er zu Hause oft bei der Feldarbeit helfen. Beim eintönigen Pflügen des Kartoffelackers sinnierte er häufig über physikalische Fragen. Er wusste: Radiowellen ließen sich über den Äther funken. Und Bilder? Wäre es vielleicht möglich, wie beim Pflügen eines Kartoffelackers Bilder in parallele Zeilen zu zerlegen und so elektronisch zu übertragen?! Farnsworth verfolgte seine Idee weiter. 1927 gelang ihm im Beisein seiner Geldgeber die weltweit erste elektronische Bildübertragung mit einer Elektronenstrahlröhre. Das ihm die Idee ein Konkurrent stahl und als Patent anmeldete, ist eine andere Geschichte …

 © Filmcover Geniale Göttin 

Musik und Waffentechnik

Hedy Lamarr galt in den 30er/40er Jahren als Sexbombe in Hollywood. Sie selbst empfand Schönheit eher als langweilig. Sie war eine blitzgescheite Querdenkerin, tüftelte an mechanischen Musikinstrumenten und an Waffentechnik. Ein typisches Beispiel für Cross Innovation, das die Übertragung von Lösungsansätzen von einem Lebensbereich auf einen anderen greifbar und nachvollziehbar macht. Doch wie gelang ihr das? Weiterlesen: Sexgöttin als Waffenerfinderin: Wie Cross Innovation gelingt

Kreative Bürokratie: Bürgern mit gesundem Menschenverstand begegnen

 © Bernd Kasper, Pixelio.de 

Schon mal gehört? Geschichten über Beamte, die aus Frust weiße Blätter kopieren, nie ans Telefon gehen und ständig krank sind?! Doch es soll auch andere Staatsdiener geben, die im Behördendschungel mitdenken, nach kreativen Schlupflöchern suchen und uns Bürgern mit gesundem Menschenverstand unterstützen.

Kreative Bürokratie

Damit es zukünftig mehr beherzte Beamte gibt und sie im Behördenalltag mehr Ermutigung und Methodik erfahren, fand Anfang September 2018 in Berlin  das “Festival für Kreative Bürokratie” statt –  das Creative Bureaucracy Festival. Der Begriff “Kreative Bürokratie ” entstand nach dem gleichlautenden Buch The Creative Bureaucracy von Charles Landry und Margie Caust. Es soll ein aktuelles Programm speziell für Beamte entwickelt werden. Das Programm soll dazu beitragen, dass Mitarbeiter aus der Verwaltung auf eine Vielzahl von Methoden und Werkzeugen zugreifen können, um neue Herausforderungen und Probleme zu lösen. Im Vordergrund steht dabei vor allem, den richtigen und motivierenden Umgang mit Mitarbeitern zu finden. Jeder – egal aus welcher Hierarchie – soll in Veränderungsprozessen mitgenommen werden: EntscheidungsträgerInnen ebenso wie MitarbeiterInnen auf Service-Ebene. 

 © Didi01, Pixelio.de 

Veränderungen durch kreativen Austausch

Beim Berliner Kongress kamen kreative Beamte mit Institutionen zusammen, die den öffentlichen Sektor bei der Realisierung von Innovationen unterstützen, außerdem Bürger, die den öffentlichen Sektor in Nichtregierungsorganisationen (NGOs) mitgestalten und neugierige, offene Menschen der Zivilgesellschaft. Die Themen waren und sind vielfältig: Digitalisierung, Transparenz und Partizipation, Bildung, Gesundheit und Mobilität, Arbeit, Wohnen und Sicherheit. Mit gelungenen Praxisbeispielen wurden die Teilnehmer motiviert, anhand von Fehlern („Fuck Up Night“) konnten sie lernen. Die Erkenntnis: eine Bürokratie, die von uns Bürgern als willkürlich, undurchsichtig und gängelnd wahrgenommen wird, kann mit Geduld und Gestaltungswillen positiv verändert werden. Und zwar so, dass Verwaltung die freie Entfaltung der Bürger befördert und sie nicht in einem Dickicht an Vorschriften erstickt.

 © Gerhard FrassaPixelio.de

Amt für unlösbare Aufgaben

Wie gelingt es nun konkret, Wertschätzung, Menschlichkeit und Humor in die Verwaltung hineinzutragen? Wie können Beamte zu einer verständlichen Sprache im Umgang mit unsBürgern finden? Diese Fragen haben sich vier Kreativschaffende gestellt und das Amt für unlösbare Aufgaben gegründet: Stadtentwickler Matthias Burgbacher, Designforscherin Andrea Augsten, Theaterregisseurin Leonie Pichler und Musikmanagerin Julia Wartmann. Mit Perspektivwechsel und einem Augenzwinkern wollen sie dem Alltag und den Vorurteile im öffentlichen Sektor begegnen, etwa so: „Das Gegenteil von Bürokratie ist Willkür.“  Matthias Burgbacher erklärt, dass man Bürokratie ja nicht abschaffen, sie aber auf jeden Fall freundlicher machen könne. Work in progress … Teilhabe verringert geistige Einbahnstraßen,  weckt Phantasie, Toleranz und erhöht die Akzeptanz von Entscheidungen, wie weitere Beispiele zeigen …

 © M. Großmann, Pixelio.de 

Hamburg

Hamburg rief 2016 in Kooperation mit der HafenCity Universität und dem MediaLab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Beteiligungsprojekt
Finding Places zu 34 Workshops auf. An einem interaktiven Stadtmodell konnten Bürger geeignete Orte für neue Flüchtlingsunterkünfte benennen. Eine Bürgerbeteiligung mit Lerneffekt, denn vielen wurde zum ersten Mal bewusst, wieviele Bestimmungen und Vorschriften im städtischen Raum zu beachten sind. 

Rostock

In Rostock übernahmen im September 2015 kurzerhand die Bürger das Ruder, als die Verwaltung mit den ankommenden Flüchtlingen überfordert war. Anfangs gab
es Widerwillen gegen das bürgerliche Engagement, dann doch Anerkennung von Senator Steffen Bockhahn für die kreativen Ideen: „Ohne die Zivilgesellschaft hätten wir es damals nicht geschafft.“ (Böttcher 2016) Akteure vom Verein „Rostock hilft“ und vom Kreativzentrum projekt:raum haben die Aktionen maßgeblich getragen, logistisch über digitale Einsatzlisten und Facebook organisiert und viele kreative Programme für Geflüchtete entwickelt, wie Kochen über den Tellerrand.

 © Rainer Sturm, Pixelio.de

Bonn

Im Viktoriakarree in Bonn stoppte ein Bürgerbegehren den Verkauf von Grundstücken an einen Investor, der dort eine Shopping-Mall bauen wollte. Daraufhin richtete das Künstlerteam CommunityArtWorks mit Daniel und Jennifer Hoernemann gemeinsam mit Architekten und Stadtentwicklern ein Bürger-Atelier in der Innenstadt ein. Dort begleitet CommunityArtWorks ein Bürgerbeteiligungsverfahren und schafft über künstlerisches Wahrnehmen, Denken und Handeln Raum für Kreativität und Fehlerkultur. Das Künstlerteam bearbeitet seit langem gesellschaftliche und unternehmerische Herausforderungen mit künstlerischen Methoden und Interventionen im öffentlichen Raum. Es greift mit dem „Büro für die Nutzung von Fehlern und Zufällen“ aktiv in Prozesse ein, fördert Kommunikation und Reflexion.

 © CommunityArtWorks

Dänemark

Im dänischen Kopenhagen haben Wirtschafts-, Finanz- und Justizministerium das Innovationslabor MindLab gegründet, das noch bis Ende 2018 aktiv ist. Die Mitarbeiter sollen den Alltag in der Metropole lebenswerter und kreativer machen. Sie begleiten Bürger bei Behördengängen und ermitteln deren Probleme beim Ausfüllen von Formularen. Sie hören den Bürgern zu und fragen direkt nach, was verbessert werden kann. 130 Projekte haben die Vordenker landesweit angestoßen, in den Bereichen Mobilität, Bildung und Wissensmanagement, bei der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt und der Müllvermeidung: Grüne Fußabdrücke auf Bürgersteigen, die den Weg zu Mülleimern zeigen, halfen dabei, den Abfall auf Straßen um beachtliche 40 Prozent zu reduzieren.

 © neurolle RolfPixelio.de

Großbritannien

Regierungen engagieren immer häufiger „Mitarbeiter für Verhaltenseinblicke“, um mit der Nudge-Methode das Verhalten der Bürger auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen (vgl. Richard H. Thaler/Cass R. Sunstein: Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt. 2017, S. 26-27), „The Behavioural Insights Teams“ agieren abseits von Verboten, Geboten oder ökonomischen Anreizen. Die US-amerikanische Regierung testete dies 2008 unter Barack Obama, die britische Regierung 2010 unter David Cameron und ebenso die Bundesregierung unter Angela Merkel. Die vom Staat eingesetzten Psychologen sollen Bürger mit kleinen „Anstupsern“ animieren, sich besser zu verhalten: Energie zu sparen, Steuern zu zahlen, für das Alter vorzusorgen, sich gesünder zu ernähren. Die Briten gehen derzeit der Frage nach, wie sich Gewissenhaftigkeit, Verantwortung, Motivation, Kreativität und Offenheit am besten unterstützen lassen. 

 © neurolle RolfPixelio.de

Österreich und Schweiz

In Österreich erarbeiten Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft im GovLab übergreifende Lösungsansätze. Die Erkenntnisse werden über Prototypen an andere Bürger weitergegeben. In der Schweiz unterstützt das gemeinnützige Staatslabor die öffentliche Verwaltung mit innovativen Lösungen. In die Modellprojekte sollen Bevölkerungsgruppen eingebunden werden, die in der Schweiz nicht über Stimm- und Wahlrecht verfügen.

Sexgöttin als Waffenerfinderin: Wie Cross Innovation gelingt

 © Filmcover Geniale Göttin 

Hedy Lamarr galt in den 30er/40er Jahren als Sexbombe in Hollywood. Sie selbst empfand Schönheit als langweilig. Lamarr war eine blitzgescheite Querdenkerin, tüftelte an mechanischen Musikinstrumenten und an Waffentechnik. Ein typisches Beispiel für Cross Innovation: Lösungsansätze werden von einem Lebensbereich auf einen anderen übertragen. Doch wie gelang Lamarr das?

Begeisterung für Technik

„Jedes Mädchen kann glamourös sein. Du musst nur still stehen und dumm dreinschauen.“ – Hedy Lamarr zog ihre Energie nicht aus ihrer Schönheit, sondern aus ihrer Begeisterung für Fortschritt und Technik. In den 20er Jahren tüftelte sie gemeinsam mit dem Musik-Utopisten und Komponisten George Antheil daran, bis zu 16 selbstspielende Klaviere (Pianolas) zu synchronisieren. Es gelang ihnen mit Hilfe von Lochstreifen. Die gleichzeitig ablaufenden Klavierrollen waren die Basis für Antheils bahnbrechendes Werk Ballet Mécanique. Was dahinter steckt, beschreibt er in seinem Buch „Bad Boy of Music“: „Meine Absicht war es, dem Zeitalter, in dem ich lebte, sowohl die Schönheit wie auch die Gefahr seiner unbewussten mechanischen Philosophie und Ästhetik klarzumachen …“

 © Pianola mit Lochstreifen

Der Mensch wird ersetzt

So wie heute über den Einsatz künstlicher Intelligenz in Bereichen diskutiert wird, die bisher dem Menschen vorbehalten, so standen die 20er Jahre ganz im Zeichen der Automatisierung. In der Musik verblüfften z. B. die neuen selbstspielenden Klaviere mit aberwitzigen musikalischen Abläufen, Tempi und Rhythmen, die ein Mensch am Klavier nie hätte meistern können.

Cross Innovation

Auch Hedy Lamarr ließ sich von den neuen technischen Möglichkeiten in Bann ziehen. Aber nicht nur im Bereich von Musik und Kultur. Sie war eine Vor- und Querdenkerin, die das Zeitgeschehen um sie herum genau wahrnahm. Eine Voraussetzung dafür, dass Cross Innovation entstehen kann, indem eine Idee von einem Lebensbereich in einen völlig anderen übertragen wird, offen und interdisziplinär sozusagen.

Offen für Weltprobleme

Hedy Lamarr stammte aus einer jüdischen Familie. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten heiratete sie einem österreichischen Waffenfabrikanten, der später auch mit Deutschland Geschäfte machte. Lamarr verließ ihn 1937 und bezog im 2. Weltkrieg gegen den Nationalsozialismus klar Position, indem sie sich auf die Seite der Alliierten stellte. Unter den historischen Eindrücken kam die Tüftlerin auf die Idee, ihre Erkenntnisse im Kampf gegen die Nazis zu nutzen. Gemeinsam mit Antheil entwickelt sie um 1940 ein Verfahren, um die Lochstreifen der selbstspielenden Klaviere als Steuerelement auf Torpedotechnik zu übertragen.

 © Rainer Sturm, Pixelio.de 

Vom Pianola zum Torpedo

Da Torpedos über Funk gesteuert werden, sind sie über fest stehende Frequenzen leicht ausfindig zu machen, auch für Feinde. Lamarr und Antheil wussten bereits, dass identische Lochstreifen gleichzeitige Frequenzwechsel zwischen Sender und Empfänger ermöglichen. Wie wäre es also, wenn man die wechselnden Frequenzen der Pianola-Fernsteuerung auf die Torpedo-Technik übertragen würde? Mit dieser Funkfernsteuerung wären die Torpedos nicht mehr so leicht zu verfolgen, zu stören und damit für die Nazis auch schwerer anzugreifen. Monatelang entwickelten die beiden Kreativen ihre Idee weiter. Unterstützend kam möglicherweise der glückliche Umstand hinzu, dass Lamarr als Ex-Frau eines Waffenherstellers über geheime Informationen in der Funktechnik verfügte.

 © Pianola-Rolle

Patent und Weiterentwicklung

Schließlich half ein Professor für Elektrotechnik am California Institute of Technology den beiden dabei, das Patent zur Anmeldung vorzubereiten. Im August 1942 wurde das Verfahren zwar vom Patentamt bewilligt, aber seiner ursprünglichen Form nicht eingesetzt. Das Prinzip des gleichzeitigen Frequenzwechsels wurde jedoch stetig weiterentwickelt. Es fand Eingang in die Schiffstechnik der US-Navy und in den Bereich der Kommunikation. Heute wird das Prinzip u. a. für WLAN- und Bluetooth-Verbindungen genutzt, die auf Frequenzsprünge nach einem bestimmten Zufallsmuster setzen.

Späte und posthume Ehrungen

1997 erhielt Hedy Lamarr gemeinsam mit dem bereits 1959 gestorbenen George Antheil den Pioneer Award der Electronic Frontier Foundation EFF. 2014 wurde sie posthum in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen. In Deutschland, Österreich und in der Schweiz wird an ihrem Geburtstag am 9. November der Tag der Erfinder gefeiert. Reich und berühmt wurde Lamarr mit ihrer Erfindung übrigens nicht. Sie starb im Jahr 2000 in Florida. Auf ihren Wunsch hin verstreuten ihre Kinder die Hälfte ihrer Asche im nördlichen Wienerwald am Stadtrand von Wien. Die restliche Asche wurde 2014 in einer Urne auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet (in Gruppe 33 G, Grab Nr. 80). 2018 erzählt der  Dokumentarfilm Geniale Göttin (Regie: Alexandra Dean) noch einmal ihre Geschichte. Eine späte Würdigung für eine Vordenkerin für Cross Innovation.

 © als Cover-Girl im Magazin Invention &Technology  

 

Weitere bemerkenswerte Beispiele für Cross Innovation in diesem Artikel (folgt in Kürze):

Kreative Karambolagen: Open und Cross Innovation

Cäsar und Cleopatra: Warum Dreamteams und Innovationswerkstätten erfolgreich sind

 © MassivKreativ

Cäsar und Cleopatra, Asterix und Obelix, Goethe und Humboldt, Sherlock Holmes und Dr. Watson: Dreamteams gibt es im Sport und im Film, auf der Bühne, in der Musik und im wahren Leben. Sie sind deshalb erfolgreich, weil Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Talenten zu besseren Lösungen gelangen als ein Mensch allein. Dieses Erfolgsrezept gilt auch für Innovationswerkstätten, in denen die Akteure neue Lösungen für alten Branchen finden.

Dreamteams mit Vielfalt

Ideen gemeinsam diskutieren, abwägen, hinterfragen, modifizieren, weiterentwickeln und dabei immer den Nutzer bzw. Kunden im Blick behalten – seine Wünsche aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Genau das passiert in den neuen multidisziplinären Innovationswerkstätten, die gerade vielerorts in Deutschland entstehen und Zukunftsideen ganz real in die Tat umsetzen. Kreativschaffende verschiedener Bereiche treffen mit Mitarbeitern aus klassischen Wirtschaftsbranchen zusammen und suchen gemeinsam nach Lösungen. Jede/r kann spezielle Fähigkeiten und Kompetenzen einbringen, die sich aneinander reiben oder sich sinnvoll ergänzen, wie zwei beispielhafte Innovationswerkstätten aus Mecklenburg-Vorpommern, Dresden, Hannover, Brandenburg und Bayern zeigen.

 © MassivKreativ

Innovationswerkstatt in Mecklenburg-Vorpommern

Das Netzwerk „Kreative MV“ richtete im Mai 2017 unter Leitung von Veronika Schubring und Teresa Trabert eine Innovationswerkstatt aus – im mecklenburgischen Neustrelitz im Kulturzentrum Alte Kachelofenfabrik. 15 Kreative trafen auf 5 verschiedene regionale Unternehmen im Bundesland: die mwh Hirsch Steuerberatungsgesellschaft Neustrelitz, naturwind Schwerin GmbH, Stadtwerke Rostock, HNP Mikrosysteme Schwerin und Trebing & Himstedt Prozessautomatisierung GmbH.

Die Kreativ-Schaffenden waren vielseitig aufgestellt, sie kamen aus allen Teilbranchen der Kreativwirtschaft: ein Fotograf, ein Opernsänger, eine Dekorateurin, eine Nachhaltigkeitsexpertin, eine Industriedesignerin, eine Bildhauerin, eine Grenzgängerin, eine Künstlerin, ein Künstler, eine Projektmanagerin, ein Gestalter, ein Architekt, ein Musiker, ein Interaktionsdesigner und ein Kreativpilot (Auszeichnung des Bundes).

Strategie

Jedes Unternehmen entsendete jeweils zwei Führungs- oder Nachwuchskräfte, die mit jeweils 3 Kreativen an der Fragestellung arbeiteten. Alle Fragen waren strategisch angelegt und fokussierten das Alleinstellungsmerkmal bzw. das zukünftige Geschäftsmodell des Unternehmens im Umfeld von Digitalisierung und weiterer Mega-Trends einschließlich Gesetzesänderungen.

 © MassivKreativ

Design Thinking

Unter Anleitung erfahrener Coaches lernten alle Teilnehmer die Design Thinking-Methode kennen. Die kreative Methode wurde vom Hasso-Plattner-Institut entwickelt. Sie hat einen starken Bezug zum Nutzer (bzw. Kunden, Anwender) und gliedert sich in bis zu sechs Phasen:

  • Sachverhalt verstehen und beobachten, z. B. durch Recherchen und Interviews
  • Problem bzw. Fragestellung exakt definieren
  • Lösungsansätze finden bzw. Ideen entwickeln
  • Prototypen entwerfen
  • Ideen bzw. Prototypen vom Nutzer testen lassen, Rückmeldungen erhalten
  • Lösungsansätze weiter verbessern, ggf. auch mehrfach (iterativ)

Die interdisziplinären Teams der Innovationswerkstatt Neustrelitz erarbeiteten eine Woche lang konkrete Prototypen. Sie wurden am Ende vor öffentlichem Publikum präsentiert, später auch im jeweiligen Unternehmen. Hier sollten nun die angedachten Lösungsansätze weiter verfolgt, umgesetzt und genutzt werden. Bei einem Alumni-Treffen sechs Monate nach Ende der Innovationswerkstatt können die Teilnehmer nochmals Erfahrungen austauschen und weitere Schritte beraten.

Nachhaltigkeit und Ergebnisse

Die Innovationswerkstatt hat drei Ziele erreicht: sie hat den branchenübergreifenden Innovationstransfer ermöglicht, zur tiefen Vernetzung der Kreativunternehmen beigetragen und gleichzeitig die zukunftsorientierte Unternehmens- und Regionalentwicklung unterstützt.

Sie soll nun ein festes Format für interessierte Unternehmen sowie für die Wirtschafts- und Regionalentwicklung werden. Und: Sie soll auch in der Verwaltung und in weiteren Institutionen zum Einsatz kommen, die langfristig und nachhaltig innovationsfähiger werden wollen. Auch Behörden sind heutzutage auf Partnerschaften angewiesen, die nicht mehr hierarchisch sondern auf Augenhöhe gepflegt werden. 

 © MassivKreativ

Stimmen der Teilnehmer

Die mwh Hirsch Steuerberatungsgesellschaft Neustrelitz entwickelte z. B. zwei neue Produkte mit Mehrwert, die zur Mandantenbindung beitragen sollen. Auch die anderen Unternehmen entwickelten Prototypen für neue innovative Produkte und Dienstleitungen. Das Fazit fiel durchweg positiv aus:

Mitarbeitende sind kreativ gefordert (Kommunikation, Verkauf, Vertrieb), und wenn viele aus unserem Unternehmen auf dasselbe Wissen zurückgreifen können, erhöht das nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern motiviert. Und motivierte Mitarbeitende sind die effizientesten….

Die Innovationswerkstatt war wie eine Unternehmensberatung – in kreativ-kompetenter Atmosphäre mit drallem Zeitplan, der dennoch unterm Strich super Erfolge erzielte.“

Sie [die Kreativen] bringen die Ideen und Perspektiven eines Außenstehenden mit und gewährleisten so, dass man sich nicht verrennt oder ein wichtiger Aspekt vergessen wird.

Alle im Team haben gezeigt, dass Arbeiten unter ständigem Zeitdruck kreativ und sehr effektiv sein kann und auch noch Spaß macht.“ (Quelle: Kreative MV – Abschlussbericht Innovationswerkstatt).

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Innovationswerkstatt in Dresden

Das Innovationsforum und Netzwerk PRIME ist eine gemeinsame Initiative des Branchenverbandes der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft e.V. Wir gestalten Dresden, dem Materialforschungsverbund Dresden e.V. und der Wissensarchitektur der Technischen Universität Dresden. Das Netzwerk hilft dabei, geeignete Kooperationsthemen und Partner zu finden, es begleitet Innovationsprozesse und gewährleistet ein umfassendes Netzwerk, das allen Teilnehmenden zur Verfügung steht. Zu den Projektbeispielen

InnovationsLab in Hannover

Während es in der Küche nur einen Koch geben sollte, brauchen Kreativ- und Innovationsprozesse in Laboren mehrere Köpfe mit möglichst vielseitigen Kompetenzen. Im Hanno[Lab]  finden sie branchenübergreifend zusammen, erleben und erlernen gemeinsam Theorie und Praxis sowie Methoden des Designthinkings. In interdisziplinären Projektgruppen entstehen überragende Ideen, Konzepte und Produkte. Den Beweis liefert das Zukunfts-Gestaltungs-Camp Hanno[Lab] an. Es wird regelmäßig vom kre|H|tiv Netzwerk inintiiert – in Kooperation mit Nexster, dem Entrepreneurshipcenter der Hochschule Hannover. .

Innovationswerkstatt in Brandenburg

In Brandenburg fand zwischen 2013 und 2015 das Modell- und Förderprojekt COBRA statt. COBRA steht für Collaborative Labour Opportunities in Brandenburg und wurde aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Teilnehmer des Projektes waren einerseits lokal ansässige Unternehmen und andererseits Absolventen kreativer und gestalterischer Studiengänge aus Brandenburg (z. B. Architekten, Designer, Mediengestalter und Kommunikationsdesigner etc.) sowie junge Existenzgründer und Soloselbstständige mit kreativem Hintergrund.

Innovationsprojekt in Sachsen-Anhalt

Wood4Life ist Netzwerk aus kreativen Handwerkern, Designer, Marketingfachleuten, Fertigungs- und Vertriebsspezialisten. Es möchte neuartige kundenspezifische, individuell konzipierter Innenausbaulösungen für Wohn- und Küchenlandschaften entwickeln und vermarkten. Die branchenübergreifende Innovationsprozesse sollen zu mehr Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten Unternehmen führen. Das Projekt wird unterstützt durch das Cross Innovation – Programm zur Förderung von Netzwerken zur Verbesserung des Marktzuganges für Unternehmen der Kreativwirtschaft und des kreativen Handwerks des Wirtschaftsministeriums Sachsen-Anhalt.

Vorbildprojekte

Welche Erfahrungen gibt es in Deutschland bereits mit Innovationswerkstätten. Wie verlaufen interdisziplinäre Projekte in der Praxis? Vorbildprojekte bzw. best practice dienen als wichtige Türöffner, entweder in Form von Kurzfilmen oder Gastauftritten von Akteuren erfahrener Dreamteams (siehe Willkommenstrunk – Grüne Werkstatt Wendland). Auf diese Weise können sich neue potentielle Projektpartner besser vorstellen, was auf sie zukommt.

Kreativer Ort für kreative Ideen

Lösungen setzen die richtigen Fragestellungen voraus. Am Anfang des Innovationsprozesses stand stets eine konkrete, praxisrelevante und regional basierte Aufgabe eines lokalen Produktions- und Dienstleistungsunternehmen. Beteiligt waren sowohl handwerklich Traditionsbetriebe als auch technologieintensive Firmen. Jeweils für eine Woche im Mai und im September 2014 kamen die Kooperationspartner, Unternehmen und Kreative, in die „Stadt der Tuche und Hüte“ in die Niederlausitz – nach Guben in die ehemalige Hutfabrik. Der Ort bietet eine besondere und kreative Atmosphäre für eine konzentrierte und intensive Zusammenarbeit.

 © MassivKreativ

Sprints und Etappen

Anknüpfend an agile Arbeitsmethoden sollten die Kooperationspartner in kurzer Zeit zum Ziel gelangen, konkret in einwöchigen Workshops. Sie gliederten sich in folgende Etappen:

  • Unternehmensbesuche: Kennenlernen des Unternehmens und der Fragestellung
  • unter Anwendung von Design Thinking-Methoden wurden die Problem- und Fragestellungen zugespitzt und verfeinert
  • Entwicklung von Lösungsentwürfen und Prototypen
  • Lösungsansätze gemeinsam mit Partnern diskutiert, reflektiert, weiterentwickelt
  • Präsentation der Lösungsansätze vor Partnern und einer breiten Öffentlichkeit

Garnhersteller Trevira

Trevira ist aus dem eh. VEB Chemiefaserwerk hervorgegangen und fertigt heute Garne und Filamente, z. B. für Funktionskleidung, für Heimtextilien, schwer entflammbare Teppiche und Vorhänge für die Automobilindustrie, für Hotels und Kreuzfahrtschiffe. Vor den jungen Kreativen stand die Herausforderung, neue Formate für Innovationsentwicklung der Firma zu kreieren. Kunden und Partnern sollten dabei kollaborativ einbezogen werden. Nach der Projektwoche und im Verlauf des nachfolgenden Sommersemesters präsentierten die  Kreativen die Idee einer Innovationsschatzsuche und das Format der Technology-Days.

 © Rainer Sturm, Pixelio.de 

Metallbau Dulitz

Dulitz stellt in vierter Generation großflächige Fassadenteile aus Glas- und Aluminiumplatten in verschiedenen Farben und Stärken her. In enger Kollaboration mit dem Gubener Traditionsunternehmen tüftelte das Berliner Designerduo LALUPO an Ideen, aus Materialresten neue Produkte herzustellen, u. a. Wandhaken in verschiedenen Farben. Funktionalität haben die Designer gleich mitgedacht: Die haken kommen flach aus der Maschine und können so praktikabel und effizient an den Kunden verschickt werden kann. Mit einer zusätzlichen Stanzung kann der Kunde den Haken in die richtige Position biegen.

Vorteile für alle

Innovation lebt vom Austausch. Die lokalen Betriebe, die oft in mehreren Generationen am Markt agieren, erhalten neben Wertschätzung für Ihre Arbeit neue Impulse von jungen Kreativen. Die öffentliche Präsentation der Prototypen dienen als Motivationsschub, damit  die Kooperationspartner auch nach Projektende weiter an ihren Ideen arbeiten. Die neuen und frischen Ideen haben Vorbildwirkung, gerade in strukturschwachen Regionen.

Auch die Studenten und Absolventen profitieren. Sie arbeiten an echten Praxisbeispielen, könne ihre Ideen erproben und erhalten direkte Rückmeldung von den Unternehmen. Sie setzen sich mit Abläufen und Rahmenbedingungen in Unternehmen auseinander, der knappe Zeitrahmen simuliert alltagsreale Vorgaben. Sie befassen sich mit Kundenwünschen und lernen unterschiedliche Materialien, Werkzeuge, Arbeitsmethoden und Produkte kennen. Sie probieren sich aus, experimentieren und sammeln wertvolle Erfahrungen.

 © MassivKreativ

Kommunikation

Das Modellprojekt sprach sich rasch herum und sorgte in Guben und Umgebung für Gesprächsstoff zwischen den Bürgern, bewirkte Interesse, regionale Verbundenheit sowie Sinn- und Identitätsstiftung. Eingebunden in das Projekt waren lokale Medien und die  Wirtschaftsförderung der Brandenburger Niederlausitz, ein wichtiger und Brückenbauer zwischen Kreativen und Unternehmen.

Nachhaltigkeit

COBRA versteht sich als regionale Projektbörse. Akteure werden weiterhin aktiv, wenn es neue Nachfragen und Herausforderungen von regionalen Unternehmen gibt. Im November und Dezember 2015 fand im Kultur- und Kreativwirtschaftsstandort Oranienwerk die Innovationswerkstatt “TRIEBWERK” statt und führte erneut Kreativwirtschaft und regionalen Mittelstand zusammen. 

 © MassivKreativ

Ideenlabore in Bayern

Auch im Süden Deutschland wagen interdisziplinäre Teams den „Blick über den Tellerrand“. Das Netzwerk bayernkreativ organisiert Ideenlabore und sucht Kreative, die gemeinsam mit Unternehmern, Technologie- und Branchenfachleuten sowie Wissenschaftlern interdisziplinäre Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen einer Branche erarbeiten möchten.

Das Projekt startet am 26. September 2017 in Aschaffenburg mit dem Ideenlabor ZukunftHandel in Zusammenarbeit mit der Industrie- und Handelskammer. Am 8. November 2017 folgt in Neu-Ulm in Kooperation mit den Wirtschaftsförderungen der Städte Neu-Ulm und Ulm, der IHK Schwaben und dem Club der Industrie das Ideenlabor Zukunft Papier-(Industrie) aus. 

Kundennah testen

Das JOSEPHS® in Nürnberg ist eine Tochterfirma der renommierten Fraunhofer-Gesellschaft. Günstig gelegen in der Innenstadt können Nutzer Produkte und Dienstleitungen auf fünf sogenannten „Testinseln“ ausprobieren und erproben. Unternehmen und Organisationen erhalten auf diese Weise rasch Feedback von Kunden bzw. Co-Creatoren einholen. Die wissenschaftlich ausgewerteten Informationen können dann direkt berücksichtigt werden und helfen, Produkte anwenderfreundlich zu verbessern.

Geplante JOSEPHS®-Themeninseln bis Ende 2018

  • Megatrends / 01. Dezember 2017 – 27. Februar 2018
  • Arbeit 4.0 / 02. März 2018 – 29. Mai 2018
  • Nachhaltigkeit / 01. Juni 2018 – 28. August 2018
  • Informationsgesellschaft / 31. August 2018 – 27. November 2018

 

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