Zukunft kreativ vorausdenken im Digitalen Innovationszentrum Schwerin

 © DIZ Schwerin, Landeshauptstadt Schwerin

Mascha Thomas-Riekoff ist Kulturproduzentin, Netzwerkerin und Koordinatorin im Digitalen Innovationszentrum (DIZ) in Schwerin, der bis Ende 2020 noch Innovationsraum hieß. Im Interview erzählt sie, warum dieser Ort für Mecklenburg-Vorpommern enorm wichtig und zukunftsweisend ist. 

Digitalisierung

Während die meisten EU-Länder die Digitalisierung recht gut gemeistert haben, ringen viele Orte in Deutschland noch immer um die notwendige Infrastruktur. In der Landeshauptstadt Schwerin kann Thomas-Riekoff über das Internet nicht klagen. In ländlichen Regionen sieht es allerdings anders aus. Doch im neuen Digitalen Innovationszentrum (DIZ) in Schwerin geht es um weit mehr als nur um Infrastruktur. Als Koordinatorin will Thomas-Riekoff im DIZ neues agiles Denken vorantreiben und ein zukunftsorientiertes Mindset installieren, das in Mecklenburg-Vorpommern noch ausbaufähig ist.

Interdisziplinäre Kooperationen

Im Herbst 2019 wurde der Digitale Innovationszentrum im Herzen Schwerins in der Wismarschen Straße eröffnet. Im Perzina-Haus, einem historischen Gebäude, hatte zuletzt die Bibliothek ihren Sitz. DIR ist kein einzelner Raum, sondern für die neuen Projekte stehen mehrere Bereiche zur Verfügung, wie Thomas-Riekoff erklärt: „Wir haben neben dem großen Saal einen Coworking-Space, einen Meetingraum, einen Seminar- bzw. Design Thinking-Raum. Der Digitale Innovationszentrum ist also eine interdisziplinäre Werkstatt und Denkfabrik, in der man Ideen spinnen, spielen und ausprobieren kann. Es können und sollen Akteure aus ganz verschiedenen Bereichen aufeinander treffen, sich gegenseitig inspirieren und beflügeln: Handwerk, Ingenieurs- und Medizintechnik, Landwirtschaft, Verkehr, Mobilität, Verwaltung, Kreativwirtschaft.“

  Mascha Thomas-Riekoff moderiert im DIR (rechts) © MassivKreativ

Gründer Studio

Ein besonderes kokreatives Angebot ist das Gründer Studio. Es bietet interessierten Akteuren nicht nur Zugang zum DIR in Schwerin, sondern zu allen sechs Innovationsräumen in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit einem großen Netzwerk und einem Mentorenpool von Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Angeboten werden: ein Gründer-Arbeitsplatz im CoWorking Space, die Gründer-Studio Sprechstunde, das 1:1 Coaching und die kostenlose Teilnahme an allen Gründer Studio-Veranstaltungen und MeetUps.

Kultur- und Kreativwirtschaft im DIR

Eine tragende Rolle sollen Kreative im DIR spielen, sagt Thomas-Riekoff. „Ihre agilen und kreativen Arbeitsmethoden sind hier im DIR ein sehr wichtiger Baustein, den die Region noch viel stärker braucht.“ Kreative haben eine Schnittstellenfunktion. Ihre große Kompetenz besteht darin, sich in Wünsche und Bedürfnisse sehr verschiedener Nutzer und Branchen hineinzudenken und mit den Akteuren anderer Fachgebiete und Branchen passgenaue Lösungsansätze zu finden. Genau diese Art von cross-sektoralen und kokreativen Kooperationen sollen im DIR angesiedelt werden.

Erfahrungsschatz

Bei ihren Planungen im DIR kann Mascha Thomas-Riekoff auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Als Managerin und Kulturproduzentin hat sie Projekte mit unterschiedlichen Akteuren geplant, abgeleitet und umgesetzt. Während des Studiums für Kulturarbeit an der Fachhochschule spezialisiert sie sich auf Ausstellungsmanagement und und wagt sich direkt nach dem Studium in die Selbständigkeit. Gemeinsam mit Silvana de Hillerin gründet Thomas-Riekoff die Agentur “Balestra Berlin” für „Idea Engineering & Cultural Management“. Sie entwickelt u. a. die Lichtkunst-Raum-Installation kubik entwickelt, die als temporäre Diskothek durch die ganze Welt tourt. Auch heute noch leuchtet kubik gerade irgendwo auf dieser Welt und war an insgesamt 30 Orten.

 © Mascha Thomas-Riekoff 

Kulturproduzentin

In der Zeit bei Balestra Berlin initiiert Thomas-Riekoff vielfältige Ausstellungs- und Kulturformate und übernimmt in Personalunion unterschiedliche Aufgaben. Sie erklärt ihre Rolle: „Ich bin keine Kuratorin oder Regisseurin, sondern ich bin eben Kulturproduzentin – verantwortlich für Budgetierung, Finanzierung, Planung, Koordination der technischen Umsetzung, Personalführung bis hin zur Bewerbung der Projekte.“ So vielfältig wie die Aufgaben sind auch die Tätigkeitsfelder von Thomas-Riekoff: Medienkunst, Ausstellungsproduktion und Stadtentwicklung. Ihre Leidenschaft gilt vor allem der Verwirklichung von ästhetisch anspruchsvollen Kulturprojekten, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie z. B. auf der dOCUMENTA (13) in Kassel oder im Wikinger Museum in dänischen Jelling.

Mascha Thomas-Riekoff moderiert im DIZ (rechts) © MassivKreativ

Neue Chancen nutzen

Dass die gebürtige Münchnerin ihren gut dotierten und anspruchsvollen Job in Berlin aufgegeben hat und nach Schwerin gezogen ist, hat familiäre Gründe. Der Wechsel bedeutete für sie finanziell große Einbußen. Andererseits denkt Thomas Riekoff nach positiv und nach vorn: „MV ist für mich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo man sehr vieles noch gestalten kann, was anderswo z. B. wegen verfestigter Strukturen nicht möglich ist. Die Kreativen bringen eine enormen Gestaltungswillen mit nach MV, weil es ihnen nicht ausreicht, dass sie alleine an ihrem Rechner im Homeoffice sitzen. Sie streben nach einem sinnstiftenden, lebenswerten Leben. Das entsteht nur, wenn man in Kontakt mit anderen Bewohnern tritt und Strukturen aufbaut. Und deshalb entwickeln Kreative auch neue Geschäftsmodelle für mehr Lebensqualität.“

 historischer Saal im DIR © MassivKreativ

Wissenstransfer aus Berlin nach Schwerin

Für Mecklenburg und speziell für die Landeshauptstadt Schwerin ist die Kulturproduzentin Mascha Thomas-Riekoff ein Hauptgewinn. Bereits bei den Vorplanungen zum neuen Digitalen Innovationszentrum hat sie der Stadt mit ihren Erfahrungen aus der Hauptstadt beratend zur Seite gestanden, Argumente und Positionen gesammelt und Überzeugungsarbeit geleistet, wenn es Skepsis gab. Thomas-Riekoff hat das Konzept für DIR entwickelt, das sie folgendermaßen erläutert: „DIR soll die Innovationskraft von Wirtschaft und Wissenschaft vorantreiben. Er ist eine Kombination aus Think Tank, Coworking, Werkstatt, Treffpunkt und Ort des Austauschs zwischen privaten Fachhochschulen und Studienzentren im Verbund mit der IHK, der Handwerkskammer, mit Unternehmerverbänden, StartUps, GründerInnen, Freiberuflern, IT-Interessierten und vor allem auch mit Akteuren der Kreativwirtschaft. Alle Akteure sollen gemeinsam frische Geschäftsideen entwickeln sowie Geschäftsmodelle mit digitalen und analogen Ansätzen. Auch Schüler, Studenten und interessierte Bürger sind eingeladen, um sich hier über die digitale Zukunft zu informieren und auszutauschen, digitale Technik zu erleben und auszuprobieren. Es entsteht ein Begegnungsort für Veranstaltungen und Formate, die über die Region hinaus strahlen.“

Ministerium und Stadt als Träger

DIR wird vom Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Mecklenburg-Vorpommern finanziert und von der Stadt Schwerin getragen. Mascha Thomas-Riekoff ist bei der Stadt Schwerin angestellt, zunächst zeitlich befristet. Doch sie ist überzeugt, dass DIR eine Zukunft hat bzw. auch braucht, um die BewohnerInnen des Bundeslandes MV fit zu machen für die kommenden Herausforderungen. Neben dem DIR in Schwerin sind fünf weitere digitale Zentren als Ideenschmieden entstanden: in Rostock, Stralsund, Wismar, Neubrandenburg und Greifswald. Ihre Aktivitäten werden auf der eigenen Website digitalesmv präsentiert.

 © MassivKreativ

Treiber der digitalen Transformation

Zum Auftakt fand im November 2019 an allen sechs Zentren erstmals der landesweite Kongress NØRD statt. Neben Technologien und neuen Anwendungsfeldern ging es auch um ethische Fragen und um soziale Innovationen im Hinblick auf die Digitalisierung. Im DIR in Schwerin stand das Thema „Digitaler Wandel trifft Verwaltung“ im Fokus. Erkenntnis: Nicht allen Menschen fällt es leicht, bei technischen Veränderungen, wie der Einführung neuer Software Schritt zu halten. Hier können andere Perspektiven und innovative, künstlerisch-kreative Methoden wertvolle Unterstützung leisten. Dies demonstrierte der Künstler Daniel Hoernemann (siehe Foto), der im Interview mit mir seine Ordnungsbehörde für Schöpferisches vorstellte.

 © MassivKreativ

DIR als Think Tank

Das Digitale Innovationszentrum ist ein Ort, der vielfältiges Wissen verschiedener Akteure sammelt, der sie aufeinandertreffen lässt, verbindet und in Austausch bringt. An Hochschulstandorten soll die Arbeit der sechs Digitalen Innovationsräume eng mit der Wissenschaft verknüpft werden. In Schwerin liegt der Fokus wie erwähnt auf der engen Kooperation mit der Kultur- und Kreativwirtschaft. Unter dem Dach des DIR hat auch der neu gegründete Verein Kreative MV eine Heimat gefunden – der Landesbranchenverband Kultur- und Kreativwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V., der als Netzwerk bereits seit 2013 aktiv war. Vereinsvorsitzende Corinna Hesse hat für DIR eine neue Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, u. a. in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Schwerin. FORUM Business for Future soll über neue gesellschaftliche Problemfelder und Trends informieren und passende Akteure zum Finden von Lösungsansätzen zusammenbringen: Stadt- und Landentwicklung, Mobilität, Gesundheit, Umwelt, Nachhaltigkeit usw.  

© Veranstaltung im DIR, MassivKreativ

Digitale Nomaden für neue Dörfer

Zum Auftakt der FORUM-Reihe fand im Oktober 2019 der Thementag „Sozial-kreative Innovationen als Impulse für die Regionalentwicklung zwischen Stadt & Land“ statt, dessen Höhepunkt die Preisverleihung im Landeswettbewerb für kreative Raumpioniere MV war, verbunden mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion mit Bundes- und Landespolitikern. Dabei ging es um die Frage, welche Rolle das Ineinandergreifen von sozialer, kultureller, ökonomischer und ökologisch nachhaltiger Wertschöpfung (Value Balancing) spielt? Wie prägen die digitalen Nomaden heute neue „urbane Dörfer“, in denen städtische und ländliche Milieus verschmelzen? Welche Methoden nutzen kreative Regionalentwicklerinnen und -entwickler? Und wie können kreative Pioniere wirksam von Kommunen, Wirtschaftsförderern sowie durch Bundes- und Landesförderprogramme unterstützt werden. Im Rahmen des FORUMS wurden in einer Ausstellung und in Filmportraits best-practice-Projekte vorgestellt sowie eine wissenschaftliche Studie, die die Effekte der Projekte auf die Regionalentwicklung zeigte.

Magnet für neue Fachkräfte

Mascha Thomas-Riekoff hofft, dass die Impulse durch Kreativschaffende im DIR andere gut ausgebildete Neubürger nach Mecklenburg bringen kann: „DIR wird gerade durch die Kooperation mit Kreativen und mit innovativen Formaten auch hochqualifizierte Fachkräfte bzw. Rückkehrer nach MV locken, die interdisziplinär mit vielseitigen Teilbranchen der Kreativbranche neue Geschäftsmodelle entwickeln wollen. Über den ersten erfrischenden Austausch mit Kreativen kann sich bei Fachkräften der Wunsch entwickeln, sich dauerhaft in MV niederzulassen.“

 © MassivKreativ

Transformationen und Kreativivität

Ein Experiementierfeld für Unternehmen, Verwaltung, Bildung und Bürgerschaft soll das Transformationslabor werden bzw. das Format “Reallabor Smart City”, um in kokreativ und gemeinsam an Innovationen zu arbeiten, Chancen und Potentiale zu nutzen. 

Die Kulturproduzentin Thomas-Riekoff muss noch häufig erklären, warum künstlerisch-kreative Methoden wirksam sind und welche konkreten Effekte sie haben. Mit ihrer optimistischen und leidenschaftlichen Art gelingt es ihr, Zweifler zu überzeugen und Skeptiker mitzunehmen im Prozess der Digitalisierung, in dem eben nicht nur technische Belange mitgedacht werden müssen. Was bringt also die Zusammenarbeit mit Kreativen? Thomas-Riekoff: „Innovationsfördernd ist das besondere Denken von Kreativen und das Potential, das sie durch ihre Methodiken und Arbeitsweisen in sich tragen und an andere Branchen in Thinktanks weitergeben können. Bevor ein Grafiker z. B. ein Logo für ein Unternehmen entwickelt, muss er erst mal analysieren, was die Firma ausmacht, was deren Kernkompetenz und Alleinstellungsmerkmal am Markt ist. Und dazu ist auch Perspektivwechsel nötig, der zeigt, dass Kreative noch ganz andere Produkte und Dienstleistungen entwickeln können, die weit über ein Logo hinausgehen.“

Intermediär

Noch muss Thomas-Riekoff einiges an Vermittlungsarbeit leisten. Aber genau das ist eine ihrer wichtigsten Aufgaben im DIR: immer wieder geduldig erklären, helfen, unterstützen, Brücken bauen zwischen den noch sehr unterschiedlichen Welten der kreativen Branchen und der klassischen Wirtschaft. Damit die frischen innovativen Köpfe sich in MV willkommen und wertgeschätzt fühlen, muss die BewohnerInnen im Land Mecklenburg-Vorpommern offener werden, findet Thomas-Riekoff: „Sie müssen spüren, dass ihre Ideen und Expertise gefragt sind. Und dass die Alteingesessenen gespannt sind auf das, was Kreative mitbringen. Wirtschaftsförderer sollten den Kreativen die Freiräume in MV noch aktiver zeigen und anbieten – sowohl im Hinblick auf Immobilien als auch in ideeller Hinsicht. Und sie mit anderen Kreativen und kooperativen Alteingesessenen vernetzen, die schon da sind. Der Freiraum darf nicht als (geistige) Leere herausstellen.“

PODCAST

 

Künstler und Kreative als Brückenbauer zwischen IT und Logistik

 © Dietmar Silber, Pixelio.de

Mangelnde Vernetzung und Sprachlosigkeit gehören zu den häufigsten Ursachen dafür, warum sich Branchen nicht innovativ entwickeln. Junge Kreative zeigen, wie cross-sektorale Zusammenarbeit erfolgreich gelingt. Sie haben IT und Logistik für einen Tag zusammengebracht, an dem gemeinsam erstaunliche Antworten auf Herausforderungen und Megatrends gefunden werden konnten.

Unsichtbar, wie von Geisterhand: So arbeiten IT und Logistik. „Eine Gemeinsamkeit, die beide Branchen verbindet und auf der man hervorragend aufbauen kann“, findet Andrea Kuhfuß, Innovationsmanagerin von BRENNEREI next generation lab. Sie hat gemeinsam mit jungen Kreativen und Bremen digitalmedia die Fragestellung für das “Brückenprojekt” zwischen IT und Logistik entwickelt. Durchaus eine Herausforderung, denn beiden Branchen trennen gegenseitige Vorurteile, wie die Kreativen bei ihren anfänglichen Recherchen und Befragungen herausgefunden haben. ITler wollen einem Lösungen verkaufen, die das aktuelle Problem aber gar nicht lösen können, so Logistiker über ITler. Umgekehrt finden ITler, dass Logistiker nie in der Lage seien, ihre Anforderungen, Bedürfnisse und Wünsche klar zu formulieren. Logistiker wollten meist an ihrem aktuellen System festhalten.

241571_web_R_K_B_by_Marcus Walter_pixelio.de © Marcus Walter, Pixelio.de

Recherche mit allen Sinnen

Andrea Kuhfuß leitet das interdisziplinäre Innovationsprojekt der Wirtschaftsförderung Bremen. Sie hat unter unzähligen Bewerben sieben Absolventen kreativer und künstlerischer Studiengänge ausgewählt, die 2015 im Rahmen eines sechsmonatigen Stipendiatenprogrammes der Brennerei einen ganztägigen interaktiven Workshop vorbereitet haben. Die Zielgruppe sind hochkarätige Teilnehmer aus den Branchen IT und Logistik. Die jungen Kreativen recherchieren, besuchen Logistik-Unternehmen, führen Interviews und nähern sich dem Thema auch emotional: z. B. mit einem Film der BBC über ein Wettrennen durch das öffentliche Transportsystem in London, mit eindrucksvollen Fotos und beispielhaften Logistik-Songs.

Andrea Kuhfuß erklärt das Ziel: „Die Stipendiaten können sich so auf Augenhöhe bringen und sich auf verschiedene Weise einer ihnen fremden Welt nähern.“ Das schärft den Blick, um später das Alltagsgeschäft von Logistik- und IT-Insidern zu hinterfragen und deren routinemäßiges Vorgehen auch schon mal auf den Kopf zu stellen. Dritter Partner im Boot ist Bremen digitalmedia – der Interessenverband für Unternehmen der Medien- und Informationstechnologie des Landes Bremen. Er stärkt die Unternehmen am Standort, vernetzt untereinander, kooperiert und fördert. Der gemeinützige Förderverein engagiert sich zudem für die Aus- und Fortbildung im Bereich IT und Medien.

Transportale_Begrüßung_WFBremen © WFB_BRENNEREI next generation lab

Weitblick von oben

Für den nötigen Weitblick bei den Workshops soll auch der Ort sorgen. Die kreativen Stipendiaten haben ihn bewusst in schwindelerregende Höhe gelegt: in das 21. Stockwerk vom Weser Tower in Bremen. Vor dem Panorama des Bremer Hafens in fast 82 Meter Höhe schauen Kreative, Logistiker, ITler und Medienvertreter weit voraus: Wie könnten Geschäftsideen für die digitalisierte Logistik im Jahr 2030 aussehen? „Zukunftsperspektiven anzuvisieren statt gegenwärtige Alltagsprobleme zu wälzen, ist ganz wichtig, um den Geist zu öffnen. So sollen vor allem die teilnehmenden Nachwuchskräfte zum Mitdenken aktiviert werden“, stellt Andrea Kuhfuß klar. Die attraktive Eventlocation soll sinnstiftend wirken. Die Altersstruktur der insgesamt 60 Teilnehmer ist beim Workshop gut gemischt. Die stärkste Gruppe mit 29 % ist zwischen 48 und 55 Jahren alt, 20 % zwischen 25 und 32 Jahren, je 16 % zwischen 41 und 47 sowie zwischen 56 und 63 Jahren.

Transportale_Workshopteilnehmer_WFBremen © WFB_BRENNEREI next generation lab

Herausforderungen 2030

Die Stipendiaten geben der außergewöhnlichen Veranstaltung den Namen „Transportale“. Das ebenso wagemutige wie artistisch-treffsichere „salto mortale“ schwingt da vielleicht bewusst mit. Zukunftsvisionen brauchen Mut und Technikkenntnis, aber auch eine Menge Fantasie. Worum geht es in etwa 15 Jahren? Unsere Welt verändert und vernetzt sich immer schneller. Warenströme nehmen zu und müssen immer rascher in Lieferprozesse eingebunden werden. Software- und Automationslösungen müssen immer individueller und übersichtlicher werden und einen klaren Blick auf Lagerbestände, optimale Raumnutzung und effiziente Lieferwege bieten. Die Frage, die alle bewegt: Wie werden die Herausforderungen der neuen industriellen Revolution, die vielbeschworene Industrie 4.0, die Geschäftsmodelle und Arbeitswelten der Zukunft beeinflussen?

Transportale_Themencluster_WFBremen © WFB_BRENNEREI next generation lab

Ideen generieren in vermischten Teams

Etwa 60 Unternehmer und Mitarbeiter aus IT und Logistik treffen bei der Transportale aufeinander, um die digitale Zukunft der Logistik mitzugestalten, 83 % Männer, 17 % Frauen. Jeweils acht Akteure, gut durchmischt aus verschiedenen Branchen, lassen an acht Tischen die Köpfe rauchen. Unterstützt von den kreativen Stipendiaten und Mitarbeitern von Bremen digitalmedia entwickeln sie Ideen und Businessmodelle für die digitale Zukunft – mit Blick auf die sozialen, technologischen und ökonomischen Trends von morgen. Statt ihre Firmen nur zu verwalten, werden die Unternehmer zu aktiven Gestaltern ihrer eigenen Zukunft. Welche Erwartungen bringen die Unternehmer mit?

Komponenten-Prinzip

Christoph Ranze, geschäftsführender Gesellschafter der encoway GmbH meint: „Logistik hat immer etwas mit der Verarbeitung von Informationen zu tun. Entlang einer logistischen Kette gibt es Informationen über Güter, über Kunden, über Ziele, über Orte, über Transportmittel, die mitgeführt werden. Daher ist die Informationsverarbeitung ein inharänter Teil von Logistik.“ Encoway ist ein IT-Dienstleister, der vom Trend zur Individualisierung profitiert und mittlerweile 150 Mitarbeiter beschäftigt. Immer wenn es um spezielle Kundenwünsche geht, entwickelt encoway im Baukastensystem die passende Software für den Multi-Channel-Vertrieb von Variantenprodukten bzw. Produktkonfigurationen. Für das Komponenten-Prinzip engagiert sich u. a. auch der Wirtschaftsprofessor Günter Faltin, der seit den 70er Jahren für eine intelligentere Ökonomie plädiert, die statt profitorientiertem Wachstum Problemlösungen für gesellschaftliche Herausforderungen findet.

Inspirierende Impulse durch “best practice “

Vor dem ersten Workshop der Transportale liefert Prof. Rolf Drechsler in einem Impulsvortrag erste Informationen zu Megatrends und zu innovativen Forschungsmethoden. Er leitet am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen den Bereich Cyber-Physical Systems. Drechsler gibt Einblicke in spannende Anwendungsbeispiele, z. B. das qualitätsorientierte Design von Software vor allem für das Transportwesen und für innovative Fabriksysteme.

Durch Auftrags- und Projektforschung, also ohne staatliche Grundfinanzierung, hat sich das DFKI seit 1988 zum weltweit größten Zentrum für Künstliche-Intelligenz-Forschung entwickelt – mit Standorten in Kaiserslautern, Saarbrücken, Berlin und Bremen und insgesamt 800 Mitarbeitern. Arbeitsschwerpunkte sind z. B. Robotik, Wissensmanagement, Analyse von Massendaten, simulierte und erweiterte Realität, Sprachtechnologie und Intelligente Benutzerschnittstellen (Mensch-Computer-Interaktion). Im Oktober 2015 investierte Google als 17. Industriegesellschafter einen so hohen Betrag in das DFKI wie alle übrigen 16 Gesellschafter bis dahin zusammen.

Transportale_GraficRecording_2_WFBremen © WFB_BRENNEREI next generation lab

Kreative Arbeitsmethoden

Impulse für kreative Arbeitsmethoden und -Techniken innerhalb der Workshops gibt Stephan Hürholz. Er ist in London für die Firma Exponentials als “Social Entrepreneur” und Designthinker tätig, berät Banken und Start-Ups. Er liefert den Teilnehmern das handwerkliche Rüstzeug, um Ideen zu finden, zu sortieren, zu bewerten, zu modifizieren, umzudeuten und zu visualisieren. Mit kleinen Skizzen und Zeichnungen werden visionäre Luftschlösser real und begreifbar, umso mehr, wenn man zukünftige Geschäftspartner und Investoren überzeugen will. Neben einer professionellen Zeichnerin, die die Ideen mit Graphic Recording festhält, greifen die Teilnehmer auch selbst zu Papier und Stift. Warum auch nicht: Übung macht den Meister.

Transportale_Teilnehmer-Präsentation_2_WFBremen © WFB_BRENNEREI next generation lab

Workshop-Einblicke

Mit einem liebevoll und kompetent gestalteten Handbuch navigieren die Stipendiaten die Teilnehmer durch den Workshop. Am Anfang steht folgende Aufgabenstellung: „Suchen Sie sich im Team einen Technologietrend oder eine Kombination aus zwei Technologien aus. Besprechen Sie im Detail, wie diese genau funktionieren und wozu sie eingesetzt werden.

Stellen Sie sich nun folgende Fragen und diskutieren Sie im Team:

  • Wie sieht die Technologie aus, die Sie anbieten? Wofür wird sie hauptsächlich verwendet?
  • Wer nutzt Ihre Dienstleistung?
  • Was erwarten Ihre Kunden?
  • Wie sehen mögliche Anwendungen aus?
  • Wird dadurch ein Problem von 2015 gelöst?

Hochmotiviert wählen die Teams passende Technologietrends aus, z. B. 3D Druck, Robotik, Internet der Dinge, Wearables (tragbare Smartwatches oder Datenbrillen), Augmented Reality. Im zweiten Workshop kommen die sozialen Megatrend hinzu, z. B.  Diesmal lautete die Aufgabenstellung für die Teilnehmer: „Besprechen Sie im Detail, wie die Einbettung Ihres technologischen Geschäftsmodells in den sozialen Kontext gelingen kann.

Stellen Sie sich dazu folgende Fragen und diskutieren Sie diese im Team:

  • Wie beeinflusst die Entwicklung Ihr Konzept? Betrifft sie die Kernkompetenzen / Berufsfelder Ihrer Teammitglieder?
  • Inwiefern ändern sich dadurch die Anforderungen Ihrer Kunden?“

Bis zum Nachmittag haben die Teilnehmer in zwei Workshops ihre neu erdachten Dienstleitungen in das Umfeld der technologischen und sozialen Megatrends integriert. Nun stehen die Business-Trends im Fokus, also die Frage, wie Geschäfte zukünftig abgewickelt und welche Partnerschaften eingegangen werden, z. B. durch die Art der Arbeitsteilung und die Finanzierung. Zur Wahl stehen u. a. Kooperativen, Online- und Logistik-Plattformen der ShareEconomy, Crowd-Sourcing, -funding, -lending, digitales Empfehlungsmarketing, urbane und faire Logistik. Diesmal geht es um diese Fragen:

  • Welches Geschäftsmodell ist für Ihr Vorhaben hilfreich, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein?
  • Welches sind die ausschlaggebenden Kostenpunkte, um ihre Dienstleistung oder ihr Produkt zu finanzieren?
  • Wie, an welcher Stelle und wie oft stellen Sie ihren Kunden den Service in Rechnung?

Trendübersicht_WFBremen© aus dem Workshop-Handbuch, WFB_BRENNEREI next generation lab

Ganzheitlich denken und planen

In den Workshop wird rasch klar: Es geht nicht nur um neue Technologien. Die Kreativen führen den Teilnehmern vor Augen, dass bei neuen Geschäftsmodellen auch Business-Trends und soziale Entwicklungen zu berücksichtigen sind. Die kreativen Stipendiaten sind weder Logistik- noch IT-Experten. Doch sie vermitteln den Wirtschaftsvertretern an diesem Tag ganzheitliches Denken und zeigen ganz praktisch, wie Innovation entsteht: durch offene Kooperation, durch kreative und interdisziplinäre Arbeitsweisen und durch die persönliche Professionalisierung, indem sich jeder Akteur neue Methoden aneignet.

402589_web_R_K_B_by_Freya Diepenbrock_pixelio.de © Freya Diepenbrock, Pixelio.de

Geschäftsidee: Online-Verleih-Service im Musikbereich

Sven Hermann ist Leiter des Bereichs Marketing, Solution und IT Strategy bei der Bremer PTS Logistics GmbH. Mit rund 170 Mitarbeitern und zahlreichen Standorten steht das mittelständische Unternehmen für Qualität, Flexibilität und Innovation im Bereich der seemäßigen Exportverpackung. Hermanns Projektgruppe entwickelt beim Workshop einen Online-Verleih-Service für hochwertige Instrumente und Liebhaberstücke im Musikbereich (Motto: „Be King of Rock `n`Roll for a Day“), er erklärt das Vorgehen: “In den Diskussionen ging es um intelligente Verpackungen und Transporttechnologien, wie z. B. Green Packaging, Drohnen, Tracking und Sensorik.” Leihinstrumente sollen letztlich sicher und schnell versandt und ausgetauscht werden und den Kunden ein leichtes Handling bieten. “Die Geschäftsidee des Online-Verleih-Services”, so Hermann, “basiert auf Kooperationen mit Musikhändlern und Privatpersonen, die nach Nutzungstagen entlohnt werden. Kunden sollen zwischen unterschiedlichen Abo-Angeboten auswählen können. Eine erste Anschubfinanzierung könnte über Crowdfunding gestartet werden.”

Das interdisziplinäre Team mit Vertretern aus Logistik, IT sowie Kultur- und Kreativbranche berücksichtigt bei den Überlegungen  folgende Trends: Cloud Logistics, autonome und faire Logistik, Internet der Dinge, lokale Intelligenz, preisgünstige Sensoren, Individualität, Shareconomy. Jede Branche bringt ihre eigenen, besonderen Kompetenzen ein:

  • Teammitglieder der Kultur- und Kreativbranche regen Perspektivwechsel an, hinterfragen und bewerten Trends. Sie gestalten das Marketing und finden Ideen für ergänzende Produkte und Dienstleistungen, um die Geschäftsidee mit zusätzlichen Mehrwerten zu unterstützen (Value Added Services).
  • Vertreter der IT Branche fokussieren mit ihrer technologischen Kompetenz die Anwenderfreundlichkeit bei der Entwicklung (Software-Ergonomie). Im Zentrum steht die Frage, wie sich Ausleihprozesse über die Online-Plattform optimal gestalten lassen und welche weiteren IT-Entwicklungen der Zukunft dabei zu  berücksichtigen sind.
  • Die Akteure der Logistik-Branche sind Experten für die Organisation von Waren- und Informationsflüssen und die damit verbundene Nutzung digitaler Technologien. Sie gewährleisten, dass Verpackung und Transport sicher, effizient und umweltfreundlich gestaltet und als zentrales Alleinstellungsmerkmal vermarktet werden.

RZ_PTS_Online-Banner_Troja_800x500px4 © PTS Logistics GmbH

Ergebnisse

Am Ende der Workshops präsentieren sich die Akteure gegenseitig ihre innovativen Ideen und Geschäftsmodelle. Und erhalten sofort Rückmeldung aus den anderen Gruppen. Eine hervorragende Möglichkeit der Erprobung und Simulation! Was ist realistisch, was ist noch ausbaufähig? Per digitaler Cloud in Schaufenster zu blicken, übte auf mehrere Gruppen einen starken Reiz aus. Daraus ergaben sich bei der Präsentation folgende Fragen: Können Produkte per Cloud-Schaufenster oder über Drohnen tatsächlich die Aufmerksamkeit der Kunden wecken? Werden berufliches und privates Leben noch stärker verschwimmen? Mit welchen Softwarelösungen können Lieferaufträge auch nachts aktiviert werden und Verlässlichkeit sichern. Für welche Aufgaben bzw. Teillösungen wird der Mensch nach wie vor unersetzlich sein?

Transportale_Drohnen_WFBremen © WFB_BRENNEREI next generation lab

Erkenntnisgewinn

Als Innovationsmanagerin Andrea Kuhfuss eine Woche nach dem Workshop die Feedbackbögen zurück erhält, erklären viele Teilnehmer, sie hätten am meisten von neu erlernten Kreativitätstechniken profitiert. Dieses Rüstzeug hätte maßgeblich dabei geholfen, neue Ideen für Produkte, Serviceangebote und Wertschöpfungsketten zu (er-)finden, sie zu bewerten und zu modifizieren. Die branchenübergreifende Mischung der Teams und den gegenseitigen Austausch beurteilten alle durchweg positiv. Als inspirierend werden rückblickend auch die neuen Perspektiven empfunden, die die Kreativen den Logistikern und ITlern im Workshop eröffnet hätten. Die Sprachlosigkeit zwischen beiden Branchen konnte zumindest an diesem Tag überwunden werden. Der Plan der Stipendiaten als Brückenbauer ist aufgegangen!

 

Inspirationstipps:

  • Der interaktive Workshop Transportale fand am 17.9.2015 in Bremen statt.
  • BRENNEREI next generation lab begreift sich als Think Tank und Werkstatt der WFB Wirtschaftsförderung Bremen GmbH. Die Programme vermitteln Wissen und machen Innovation erfahrbar. Von aktuellen Fragestellungen ausgehend richten sich die Angebote an Nachwuchskräfte aus aller Welt, an Unternehmen und an Institutionen, die sich professionalisieren und den Blick über den Tellerrand wagen wollen.

Mittler zwischen Unternehmen und Künstler: Intermediäre

Unternehmen und Künstler – passt das zusammen?

Ja, denn die Wirtschaft braucht dringend mehr Kreativität! Es gibt verschiedene Gründe und Motivationen, Wirtschaft und Kunst zusammen zu bringen. Perspektivwechsel braucht jeder. Kommunikation lässt Menschen einander näher kommen. Der Zusammenprall von sehr unterschiedlichen Arbeitskulturen und Tätigkeitsbereichen erweitert den Horizont für das Handeln und Tun des Anderen. Neu erworbenes Wissen und gewonnene Sympathien motivieren. Kreativität beflügelt uns und schafft die Basis für Innovationen.

Wenn die Personal- oder Geschäftsführung eines Unternehmens Probleme oder Defizite diagnostiziert, entsteht daraus eine Fragestellung, die häufig mit Unterstützung von außen näher betrachtet und untersucht werden muss. In der Regel bittet man klassische Unternehmensberater um Hilfe. Eine innovative Alternative sind “Künstlerische Interventionen”, bei denen Unternehmensmitarbeiter und Künstler im Rahmen kreativer Aktionen aufeinander treffen. Damit geeignete Künstler und passende Unternehmen zusammenfinden, engagieren sich sogenannte Intermediäre, z. B. am Nordkolleg Rendsburg.

© Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de

Intermediäre 

Schleswig-Holstein geht voran. In den letzten 12 Monaten haben hier gleich drei regionale Unternehmen eine “künstlerische Intervention” gewagt, unter anderem das Unternehmen Holm & Laue aus Westerrönfeld, das Produkte rund um die Aufzucht und Fütterung von Kälbern entwickelt und vertreibt.

Die Projektbegleitung, das heisst die Vermittlung zwischen Unternehmen und Künstlern, hat das EU-geförderte Projekt “Unternehmen! KulturWirtschaft” vom Nordkolleg Rendsburg übernommen. Die Projektleiterin, Lena Mäusezahl, akquiriert interessierte Unternehmen, wählt passende künstlerische Aktionen aus und schafft einen Rahmen für die neuartige Kooperation. Mäusezahl sieht sich als Mittlerin, als “Intermediär” und ihre Kernkompetenz darin, “ein passendes Matching und eine gute Prozessbegleitung zu gewährleisten. Jede Intervention ist auf eine individuelle Fragestellung ausgerichtet und wird maßgeschneidert. Standard-Rezepte und -formate gibt es für die Interventionen nicht.”

Pink it up!: Vernetzungen und Verstrickungen

Das Team von “Unternehmen! KulturWirtschaft” hat sogar eine Intervention im Selbstversuch gewagt. Gemeinsam mit der Künstlerin Inga Momsen ging es darum, das eigene Tun unter die Lupe zu nehmen, Handeln und Prozesse zu reflektieren und zu verstehen, wie Netzwerke, Verbindungen und Verstrickungen entstehen. Transportmittel, um Zusammenhänge sichtbar zu machen, sind pinkfarbene Maurerschnüre, die in der künstlerischen Arbeit von Inga Momsen eine wichtige Rolle spielen.

© MassivKreativ

Zwischen Kultur und Wirtschaft

Lena Mäusezahl kennt beide Welten, Wirtschaft und Kultur. Nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau hat sie an diversen europäischen Hochschulen studiert: internationale Betriebswirtschaft, Freizeitmanagement sowie “European Urban Cultures”. Ihre Lieblingsschnittstelle bearbeitet sie am Nordkolleg bei der Initiative “Unternehmen! KulturWirtschaft” seit 2009.

© Tim Eckhorst, purefruit-magazin.de

Vier Blickwinkel

Mit der Einbindung kreativer und kommunikativer Prozesse in Unternehmen beschäftigen sich nicht nur Vermittler, Unternehmer und Künstler, sondern auch Wissenschaftler. Die Ergebnisse künstlerischer Interventionen sollen dokumentiert und erforscht werden. Ariane Berthoin Antal und Anke Strauß vom WZB, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung forschen international zum Thema “künstlerische Interventionen in Organisationen” und sorgen für die Evaluierung.

Die Wissenschaftler initiieren im Verlauf der Projekte mehrere Befragungen der beteiligten Akteure: Mitarbeiter, Künstler, Personal- und Geschäftsführung, Intermediär: “Wir interessieren uns sowohl für die Erfahrungen, die während der Intervention gemacht werden”, erklärt Strauß, “als auch für Auswirkungen, die sich erst später am Arbeitsplatz ergeben, wie zum Beispiel veränderte Sicht- und Herangehensweisen, neue Einfälle oder eine Erweiterung des professionellen Netzwerks. Jeder Fall ist einzigartig, deshalb ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, was die TeilnehmerInnen im Prozess entdecken.”

Quellen und Inspirationstipps:

• Initiative »Unternehmen! KulturWirtschaft« am Nordkolleg Rendsburg

Schleswig-Holstein. Die Kulturzeitschrift für den Norden. Verschiedene Artikel über Künstlerische Interventionen.

Pure Fruit – Zeichenkollektiv von vier freiberuflichen Illustratoren, Tim Eckhorst, Gregor Hinz, Franziska Ludwig und Volker Sponholz. Sie realisieren vielseitige Zeichenprojekte, geben das gleichnamige, kostenlose Comic- und Illustrationsmagazin “purefruit” heraus und gehen für kunstbasierte Interventionen in Unternehmen.
Einen Film über den Workshop von Pure Fruit im Unternehmen finden Sie unter diesen Tipps.

Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Medienbeiträge über verschiedene Künstlerische Interventionen