Heimat(en) Teil 4: Praxis – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 2

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10. Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft KULTUR.MACHT.HEIMATen im Juni 2019: Nach viel Theorie und Metaebenen am ersten  Tag konnten sich die BesucherInnen am zweiten Tag in verschiedenen Foren an Präsentationen diverser Praxisprojekte abarbeiten und engagiert mitdiskutieren. 

Themen mit dem Stift konserviert

Ausdrücklich erwähnen möchte ich die Zeichnerin bzw. Graphic Recorderin Johanna Benz. Sie hat enorm zum Gelingen des Kongresses beigetragen. In atemberaubendem Tempo brachte sie Meinungen, Thesen, Zitate und auch komplexe Gedankenkonstrukte mit wenigen Strichen und prägnanten Worten auf Papier – pointiert und häufig humorvoll, live vor den Augen des Kongresspublikums, das oft verblüfft und schmunzelnd über die scheinbare Leichtigkeit war.

Am Nachmittag gehörte das Podium verschiedenen Akteuren der Auswärtigen Kulturpolitik und aus dem Themenkomplex Kunst, Umwelt, Digitalisierung, Klima. Ich hätte mir an beiden Tagen gerne gleich mehrere „bioplasmatische Doppelgänger“ gewünscht. Die alle thematisch spannenden, leider aber parallel stattfindenden Foren erschwerten nicht nur mir die Wahl.

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Heimat als Marke

Regionalentwickler stehen im Spannungsfeld grundsätzlicher Entscheidungen: Was mache ich neu? Was übernehme bzw. übertrage ich als Modell aus anderen Regionen? Wo muss ich Vorsicht mit Slogans und Narrativa walten lassen, um nicht beliebig und austauschbar zu werden? Wie finden wir für unsere Heimaten authentische Identitäten? Diese Fragen standen im Zentrum des Panels „Heimat als Marke“ und wurden von drei Protagonisten beantwortet. Einig waren sich alle, dass die Themen von innen heraus aus der Selbstbeobachtung gefunden werden sollten. Das Überstülpen von Labels wirke oft beliebig oder einengend.

Land NRW: Hildegard Kaluza – Wandel durch Kultur

Kulturabteilungsleiterin Hildegard Kaluza berichtete von zunächst über die geplante Ruhrkonferenz mit verschiedenen Ministerien, denn auch fachfremde Mitarbeiter würden so ermuntert, sich stärker für Kulturthemen zu engagieren. Exemplarisch stellte Kaluza die Kulturregion Sauerland vor, der es gelungen sei, mit dem Festival Sauerlandherbst breite Zielgruppen anzusprechen und mit einem neuen Brassfestival eine zeitgemäße Verbindung zum Engagement der Schützenvereine zu schaffen. Die Kulturregion Aachen sucht mit einem grenzüberschreitenden Projekt die Nähe zu Europa und lässt etwa 300 Schüler aus verschiedenen Ländern den euregio-Schülerliteraturpreis an einen sorgsam ausgewählten Jugendbuchautor verleihen. Die Region Unna hat ihr Selbstbild aus dem Hellweg heraus im Licht gefunden, u. a. auch in einem und einem Krimifestival.

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Kenneth Anders: Oderbruchmuseum und Büro für Landschaftskommunikation

Nachhaltige Regionalentwicklung müsse institutionalisiert und finanziert sein, sagte Kenneth Anders vom Büro für Landschaftskommunikation. Er habe seine Kommune daher vom Sinn und Nutzen eines „Fonds für Identitätspolitik“ überzeugt, in den 20 Cent pro Einwohner und Jahr fließen. Er sprach über die Herausforderung, Identitäten in einem extrem heterogen Raum finden zu müssen, der auch Elemente umfasst, die nicht „produktdienlich“ im Sinne der touristischen Vermarktung seien (Schandflecken). Als Symbol und Logo wurde für den Oderbruch ein Spaten gefunden, mit dem früher das weit verzweigte Bewässerungssystem im Oderbruch ausgehoben wurde.

Volker Gallé: Kulturkoordinator der Stadt Worms

Heimat und Region seien verschieden, so Gallé. Während eine Region oft eine künstliche, politisch entworfene Infrastruktur in sich trage, enthalte Heimat naturgemäß historische Narrative. Gallé, der nicht nur in Rheinhessen als Mundartautor und -liedermacher bekannt ist, präsentierte die Besonderheiten seiner Region, neben Wein u. a. die hochromanische Baukunst, die Nibelungensage, Martin Luther und die jüdische Kultur in Worms. Die Interessen der Kulturakteure und Marketingleute seien oft unterschiedlich: Winzer wollen Wein verkaufen, Touristiker ihre Reisen, Museen ihre Ausstellungen usw. Den Zuzug von Neubürgern sieht Gallé positiv, er sei immer produktiv, etwa wenn alter Häuser von den Neuen restauriert werden und sich aus eigenem Antrieb mit der Kultur und Geschichte ihrer Wahlheimat befassen, Fragen stellen, reflektieren. Die Suche nach Narrativen erfolge oft aus der Not oder aus Konflikten heraus, eine Chance für Reflektion.

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Jugend macht Heimat

Die Moderatoren Arnold Bischinger, Kulturchef des Landkreises Oder-Spree/Burg Beeskow, und Steffen Schuhmann, Kunsthochschule Berlin-Weißensee, gaben ihrerseits kluge Impulse zum Thema Heimat und Selbstfindung, auch im Dialog mit den BesucherInnen. So kam aus dem Publikum die dringende Empfehlung, die junge Generation in die Prozesse zur Identitätsfindung einzubinden. Das Problem: Ganztagsschulen und das verkürzte Abitur G 8 hätten dazu geführt, dass Kinder und Jugendliche spät nach Hause kommen und kaum noch Freizeit haben. Da müsse man sich etwas einfallen lassen. Eine Kongressbesucherin berichtet als best practice über die Initiative Happy Locals, die Jugendliche zu kreativem Handeln aufruft: Mit temporärer Zwischennutzung von Räumen in Brandenburg soll die dortige Clubkultur stärker belebt und befruchtet werden.

Außenperspektive

Zuweilen könnten auch ein Blick über den Tellerrand bzw. ein Perspektivwechsel hilfreich sein. Als Beispiel wurde aus dem Publikum das elbübergreifende Bürgerwissensportal Elbe505.de genannt. Bewohner aus Mecklenburg und aus dem Wendland entwickelten gemeinsam eine Onlineplattform mit Wissenswertem, Fakten und  Geschichten über ihre Region in Texten, Fotos, Interviews und Podcasts. Die jeweils andere Region half, um den Blick für das Besondere und für Alleinstellungsmerkmale zu schärfen. Und: Wenn Burger selbst über ihre (Wahl-)Heimat erzählen, stärkt dies zugleich die Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit nach innen sowie Anerkennung und Wertschätzung von außen.

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Wo und was ist Heimat?

In weiteren Foren (siehe Kongress-Programm) ging es um die Narrativa von Heimat: Wer prägt die Geschichten und Bilder unserer Nation, vor allem in den neuen Bundesländern? Auch widerständige Heimat liefert Geschichten, vor allem in Verbindung mit Umweltfragen, etwa das Gorleben-Archiv im Wendland und die Medienberichte aus dem Hambacher Forst. Wie lässt sich Heimat gestalten und was leisten Heimatvereine dabei? Wer vermittelt Heimaten und was leisten Heimat-, Orts-, Regional- und Stadtmuseen dabei? Was können Dritte Orte bewegen? Wo existiert Heimat an utopischen oder virtuellen Räumen? Und welche Rolle spielt Europa in der Heimatdiskussion? Heimaten gibt es viele: geografische, zwischenmenschliche, geistige und virtuelle. Der Schriftsteller Klaus Theweleit hat es einmal so beschrieben: „Ich bin ein Flüchtlingskind aus Ostpreußen und hatte dann meine neue, meine zweite schleswig-holsteinische Heimat. Als Jugendlicher wurde englische Beat-Musik meine kulturelle Heimat. Ich kenne also mindestens drei verschiedene Heimaten.“

Deutschlandbild in der Außenpolitik

Den geweiteten Blick auf das internationale Panorama präsentierten Vertreter der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Bildungspolitik im Auswärtigen Amt, erläuterte den veränderten Fokus deutscher Auswärtiger Kulturpolitik, berichtet von erhellenden Reisen nach Afrika, von Begegnungen mit afrikanischen Gründern, die dank Drohnen zukünftig Wasser und Pestizide nutzbringender dosieren wollen. Globale Herausforderungen können und müssen gemeinsam gestellt und gelöst werden. Kooperation und Multilateralismus werde nicht aus Selbstzweck betrieben, sondern um etwas zu bewegen. Vor diesem Hintergrund betonte sie: „Unsere Identität setzt sich aus vielen Identitäten zusammen. Heimat gehört einem nicht. Niemand hat sie gepachtet. Sie ist für jeden etwas Persönliches. Heimat ist Geschichte und Identität. Identität ist etwas, was man sein kann, aber nicht, was man zu sein hat.“

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Neue Herausforderungen für die internationale Kulturpolitik?

Heimat suchen – Heimat finden – zu diesem Thema versammelten sich neben dem Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, Andreas Görgen, auf dem Podium internationale Gäste, moderiert von der Kulturmanagerin Sarah Bergh. Anders als in Deutschland kennen andere Länder den Heimatbegriff nicht. Dort spricht man von Vaterland, Mutterland oder Zuhause. Arjun Appadurai, Senior Professor of Anthropology and Globalisation at Hertie School of Governance in Berlin, offenbarte die Position junge InderInnen: Nicht das Sein, sondern das Werden, nicht belonging, sondern becoming. Appadurai erklärt den Hintergrund: Durch die britische Besatzung hätten InderInnen früher oft Ablehnung und Ausschluss erlebt. Statt auf eine kleine, enge Heimat zurückzublicken, fänden jungen InderInnen sie in der Zukunft, in den neuen Netzwerken, in sozialen und mobilen. Dort würden die wichtigen, zukunftsorientierten Themen be- und verhandelt, so Appadurai, nicht nur Jobs und Neue Arbeit, sondern auch Freizeit, Spaß, Liebe, Romantik. Deutschland sollte sich daran beteiligen, neue Plattformen für solche Verbindungen zu schaffen. Deutschland habe die Möglichkeit, sollte sie verantwortungsvoll nutzen und zusammen mit der Welt experimentieren. Andreas Görgen verwies in diesem Zusammenhang auf ein Zitat von Willy Brandt: „Kulturarbeit ist Arbeit an der Weltvernunft.“ In diesem Sinne will das Auswärtige Amt Räume für neue Kooperationen schaffen, u. a. eine Agentur für internationale Museumskultur. Deutschland könne nicht mehr allein bestimmen, was international über das Land nach außen getragen werde.

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Multiperspektivische Fragen und Antworten

„Beziehungen entstehen aus Differenzen, aber Kunst hilft, die Differenzen zu verstehen.“ Genau in diesem Sinne agiert Bonaventure Soh Bejeng Ndikung an seiner Wirkungsstätte SAVVY Contemporary in Berlin-Neukölln. Der unabhängige, nicht kommerzielle Projektraum versteht sich seit 2010 als „Labor der intellektuellen, künstlerischen und kulturellen Ideenentwicklung und des Ideenaustauschs“ für internationale bildende und darstellende Kunstschaffende und Kuratoren. Im Mittelpunkt von SAVVY steht der Diskurs über aktuelle Fragen und Themen aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft, Soziologie oder Philosophie. Gründer und künstlerischer Leiter Ndikung sieht sich als Wanderer zwischen Welten und Ländern: „Home is where the music is“ – Zuhause ist dort, wo die Musik ist.“ Viele Staaten, wie z. B. sein Geburtsland Kamerun, seien Fiktion, oft nur künstlich von Besatzungsmächten geschaffen. Er plädiert für das Entkoppeln von Land, Heimat und Sprache. Das Nachdenken über Heimat empfindet er als Zeitverschwendung. Heimat sei in ständigem Wandel begriffen. Daher käme es darauf an, dass sich jeder für jeden im sich veränderlichen Weltgeschehen verantwortlich fühle.

Themenwechsel fernab des Geburtslandes

Auch für andere auf dem Podium ist Heimat eine Kopfgeburt. „Ich frage mich gar nicht was Heimat für mich ist. Heimat sollte nicht permanent um sich selbst kreisen“, stimmt Aino Laberenz zu. Sie ist Geschäftsführerin des Operndorfs Afrika, das einst Christoph Schlingensief gründete. Sie ist zugleich Kostüm- und Bühnenbildnerin. Sie arbeite im Operndorf, weil sie dort neue Blickwinkel auf Themen erhalte, die es so in Deutschland nicht gäbe, weil solche Probleme hierzulande gar nicht existierten.

Und dennoch: Heimat ist wichtig

Warum trotz allem die Auseinandersetzung mit Heimat wichtig sei, erläuterte Géraldine Schwarz, Journalistin und Dokumentarfilmerin mit deutschen und französischen Heimaterfahrungen: „Wenn populistische Parteien so viel Erfolg haben mit dem Okkupieren des Heimatbegriffes, gibt es offenbar ein universelles Bedürfnis nach Heimat.“ Die „Gelbwesten“ in Frankreich seien eine Reaktion auf enttäuschte Heimatverbundenheit und die Spaltung von Stadt und Land. Das individuelle Bedürfnis nach Heimat solle ihrer Meinung nach nicht pauschal verleugnet werden, so Schwarz. Sie betont aber, dass jeder seine eigene Sicht auf Heimat haben solle und dürfe. Ihr Aufruf: Gemeinsame Nenner in den europäischen Erinnerungen finden, um zu einer europäischen Identität zu gelangen.

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Kunst und Heimat Erde

Die letzte Diskussionsrunde beim KUPOGE-Kongress galt unserem Heimatplaneten, der immer mehr in Gefahr gerät. Die KUPOGE widmete bereits die letzte Ausgabe ihrer Publikationsreihe „Kulturpolitische Mitteilungen“ dem Thema Klimagerechte Kulturpolitik. Da die Akteure in Politik und Wirtschaft auf Fakten und Erkenntnisse der Wissenschaftler nicht konsequent genug reagieren, deren Vorschläge (z. B. Tempolimit) ignorieren oder zu langsam umsetzen, werden die Proteste von jungen Menschen immer lauter. Kurz vor Beginn der parlamentarischen Sommerpause blockierten am Freitagnachmittag Jugendliche der Fridays for Future-Bewegung die Ausgänge im Parlament unter dem Motto: Die Arbeit ist nicht getan, daher Nachsitzen für die Politiker! Ob Michelle Müntefering wohl aus diesem Grund verspätet zum Kongress kam?

Kunst fördert Empathie

Nicola Bramkamp, die als Moderatorin die widerstreitenden Meinungen im Panel äußerst klug und charmant dirigierte, leitet das Festivals SaveTheWorld und die Runde mit einer richtigen Erkenntnis ein: „Erst wenn der Mensch empathisch ist, beginnt er zu handeln. Mit künstlerischen Mitteln lassen sich Herausforderungen anders spiegeln und ungewöhnliche Antworten finden.“ Über diesen Weg wurde der junge Fridays for Future-Aktivist Gustav S. Strunz für das Klimathema sensibilisiert – bei einem Theaterabend der Gruppe Rimini-Protokoll, der einen Klimagipfel simuliert. Seine Mitstreiterin Lilli C. Pape bestätigte, dass die Mitwirkung in einer Theatergruppe und auf Kongressen ihr für ihre Auftritte und Reden in der Fridays for Future-Bewegung Sicherheit geben würden.

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Klima und Kultur als gemeinsames Thema

Politik und kulturpolitische Finanzierung muss dringend themenorientiert verfolgt werden – über alle Parteien, Ministerien und Branchen hinweg. Diese Erkenntnis und Forderung ist vielleicht das wichtigste Fazit des KUPOGE-Bundeskongresses. Kuratorin Adrienne Goehler vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung, engagiert sich daher für einen ressortübergreifenden Fonds für Ästhetik und Nachhaltigkeit, der aus verschiedenen Ministerien gespeist werden soll, um das Bewusstsein für Kunst und Klimapolitik zu stärken. Es brauche zeitgemäße Fördermittel für aktuelle Themen und Herausforderungen.  

Immer mehr Künstler wollen sinnstiftend arbeiten und erheben daher den Anspruch, zukunftsorientierte Projekte und Werke zu schaffen, die aktuelle Herausforderungen bearbeiten, wie in der Wanderausstellung Zur Nachahmung empfohlen. Kultur werde heute zwar ernster genommen, aber die Förderinstrumente hinken noch immer hinterher.“ Göhler kritisierte in diesem Zusammenhang auch den permanenten Zwang zur Innovation. Kunst, Industrie und Wissenschaft sollten sich stärker begegnen und dafür brauche es neue Möglichkeitsräume. 

 © MassivKreativ: Nao-Roboterdame INA

Digitalisierung frisst den Planeten

Große Uneinigkeit herrschte zum Thema „Ressourcenverbrauch und Digitalisierung“ zwischen dem Projektleiter Lemgo Digital vom Fraunhofer IOSB-INA, Jens-Peter Seick, und Jörg Sommer, Vorstand der Deutschen Umweltstiftung. Trotz bemerkenswerter Keynote der Nao-Roboterdame INA wehte ihrem Erfinder auch aus dem Publikum ein rauer Wind entgegen und die Frage, wieviel Energie und Ressourcen die Digitalisierung noch verschlingen werde. Sommer plädierte für mehr Verzicht und Beschränkung auf das Wesentliche und beklagte das rasante Tempo technischer Entwicklungen. Der Mensch und die Kunst kämen mit ihren ethischen Überlegungen kaum hinterher. Die Fridays for Future-Aktivisten Gustav und Lilli sehen die Auseinandersetzung pragmatisch: Digitalisierung gäbe es schon seit 100 Jahren. Ihrer Generation ginge es nicht um entweder/oder, nicht um  Verzicht oder Verschwendung, sondern darum, wie Gustav sagt, „in den richtigen Dingen schneller und in anderen langsamer werden, z. B. durch einen schnellen Kohleausstieg ein entschleunigtes Leben zu führen. Man muss nicht das Optimum herausholen, sondern erst mal anfangen und die großen Ziele auf kleine für jeden herunterbrechen … Es geht nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um die Forderung, die Umweltzerstörung durch Kohleabbau und Fracking zu stoppen. Fridays for Future arbeitet insofern auch gegen die Zerstörung unserer Heimat.“ Zu ihrem Verständnis von Heimat befragt, sagt Lilli: „Fridays for Future versteht sich als globale Bewegung, insofern ist für uns die Welt unsere Heimat.

FAZIT: Es geht nur noch gemeinsam

Heimat bedeutet tägliche Verabredungen zu treffen mit Dialogen von Mensch zu Mensch. Heimat ist die „Kultur“ unseres Zusammenlebens, die Basis für unsere Gemeinschaft. Gemeinsinn und WIR-Gefühl gelingen am besten durch gemeinsame Aktivitäten, z. B. sinnstiftende Ziele zu verfolgen – durch soziales und ehrenamtliches Engagement, durch kulturelle, sportliche und wissensvermittelnde Erlebnisse, durch nachhaltige Projekte für unsere Zivilgesellschaft. Heimat ist und bleibt „Gemeinsame Sache“.

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Bruchstellen von Heimat

Doch genau hier liegt das Problem. Die Vermächtnisstudie der ZEIT hat herausgefunden: „das Wir-Gefühl übersetzt sich nicht in Engagement außerhalb des Freundes- und Bekanntenkreises. Dafür fehlt es an Vertrauen untereinander, an der Basis für ein gelebtes Wir. Nur ein Viertel der Befragten hat viel Vertrauen in die Mitmenschen, 40 Prozent haben wenig. Auch hier sind jene mit geringer Bildung besonders skeptisch. Außerdem glaubt nur ein Viertel, dass auch den Mitmenschen ein „Wir-Gefühl“ wichtig ist. Ein Misstrauensvotum.“

Kultur des Machens stärken

Zur Vertrauensbildung kann Kultur sehr viel beitragen. Gemeinsame kulturelle Projekte, gemeinsame künstlerische Erfahrungen schmieden zusammen. Wir sollten nicht immer alles bis ins Detail durchplanen und mehrfach abwägen wie bisher. Wir sollten einfach mehr ausprobieren, mehr Modellprojekte wagen, grundsätzlich mutiger sein. Erst mal machen und danach evaluieren, um Erkenntnisse aus gelungenen Projekten auf andere Bereiche zu übertragen.

Heimathymne

Heimat weckt bei vielen Gemeinschaftsgefühle. Daher wurde – nicht beim Bundeskongress aber immer mal wieder zu anderen Gelegenheiten – auch über unsere Nationalhymne diskutiert. Manche Ostdeutsche wünschen sich die „Kinderhymne“ von Brecht, die Lothar de Maizière am Rande der Gespräche um den Einigungsvertrag dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble auf der Geige vorgespielt haben soll. „Das Land habe drängendere Probleme als Gefühle und Musik“, so die sinngemäße Antwort damals von Schäuble. Vor dem Hintergrund, dass viele sich mehr und mehr als EU- bzw. Weltbürger sehen, wäre zu diskutieren, ob wir überhaupt noch eine Nationalhymne brauchen. Möglicherweise wird unser aktuelles Heimat- bzw. Weltverständnis, wie schon andere Autoren vor mir spekuliert haben, durch einen ganz anderen Song viel besser ausgedrückt: mit John Lennons Imagine etwa.

Heimat als Nichtort und Utopie

Ist Heimat also doch nur eine Kopfgeburt, wie auf einem Kongresspanel festgestellt wurde. Ist Heimat eine Illusion? Der Jurist Bernhard Schlink, der den Roman „Der Vorleser“ schrieb und nach dem Mauerfall die Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ des Runden Tisches beraten hat, hat die verschiedenen Dimensionen des Heimatbegriffs zusammengeführt:  „So sehr Heimat auf Orte bezogen ist, Geburts- und Kindheitsorte, Orte des Glücks, Orte, an denen man lebt, wohnt, arbeitet, Familie und Freunde hat – letztlich hat sie weder einen Ort, noch ist sie einer. Heimat ist Nichtort. Heimat ist Utopie.“ (Buch: Bernhard Schlink – Heimat als Utopie).

 

Mehr zum Thema:

Heimat(en) Teil 1: Ein wiederentdecktes Phänomen

Heimat(en) Teil 2: Was Bürger in Deutschland über das Thema Heimat denken – Vermächtnisstudie der ZEIT

Heimat(en) Teil 3: Theorie – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 1

Heimat(en) Teil 4: Praxis – Was Experten über Heimat denken, KUPOGE-Kongress Tag 2

 

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Heimat-Zitate

„Heimat ist dort, wo man sich nicht erklären muss.“ Johann Gottfried von Herder

„Heimat ist der Ort, wo ich mich erklären kann und darf.“ Alexander Koch, Die Neuen Auftraggeber (… wo mir Raum gegeben und wo mir zugehört wird.)

„Heimat sind die Menschen, die wir verstehen und die uns verstehen.“ Max Frisch

„Heimat ist Heimweh und Sehnen nach allen Weiten.“ Peter Hille

„Heimat ist etwas, was ich mache.“ Beate Mitzscherlich

„Heimat ist Raum für kennen, bekannt und anerkannt sein.“ Kongress-BesucherIn beim 10. KUPOGE Bundeskongress 2019

„Heimat ist kein ein Zustandsbegriff, Heimat ist ein Korrespondenzbegriff als Pendant zur Globalisierung.“ Klaus Kufeld

„Heimat weist in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Heimat ist der Ort, den wir als Gesellschaft erst erschaffen .. an dem das ‚WIR‘ Bedeutung bekommt.“ Frank-Walter Steinmeier

„Heimat ist polyphon!“ Mark Terkissidis

„Heimat ist nicht als Ort, wo man lebt, sondern die Art, wie man lebt.“ Kongress-BesucherIn beim 10. KUPOGE Bundeskongress 2019

„Heimat ist Ersatzhandlung für mangelnde Zugehörigkeit.“ Armin Nassehi

„Der Begriff Heimat hat einen Pelz an und riecht an einigen Stellen streng.“ Kongress-BesucherIn beim 10. KUPOGE Bundeskongress 2019

 „Heimat ist nicht Raum, Heimat ist nicht Freundschaft, Heimat ist nicht Liebe – Heimat ist Friede.“ Paul Keller, Schriftsteller

„Freundschaft, das ist wie Heimat.“ Kurt Tucholsky, Schloß Gripsholm, 3. Kapitel

„Heimat ist der Duft unserer Erinnerungen.“ Anke Maggauer-Kirsche, deutsche Lyrikerin

„Warum liebt man die Heimat? … deswegen: das Brot schmeckt da besser, die Stimmen schallen da kräftiger, der Boden begeht sich da leichter.“ Bertolt Brecht, Aus: Der Kaukasische Kreidekreis

„Gibt’s kein höheres Übel doch als den Verlust der Heimat.“ Euripides

„Ein feiges Volk hat keine Heimat.“ Aus Ungarn

„Heimat und Vaterland sind etwas grundsätzlich anderes.“ Unbekannt

„Die Scheinwelt ist die Heimat vieler.“ Ulvi Gündüz, Dichter und Autor

„Eine gute Erinnerung ist eine innere Heimat.“ Esther Klepgen, Autorin

„Heimat ist nicht der Ort, sondern die Gemeinschaft der Gefühle.“ Unbekannt

„Licht und Dunkelheit: zwischen den Gegensätzen findet sich Heimat.“ Ernst Ferstl, österreichischer Dichter

„Wer seine Heimat nicht im eigenen Kopf findet, findet sie nirgendwo.“ Helmut Glaßl, Aphoristiker

„Heimat(-politik) ist als gemeinsame Gestaltungsaufgabe zu verstehen … Heimat heißt auch Zukunft und Verständnis, gesellschaftliche Veränderungen anzunehmen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Denn Heimat war und ist immer auch ein Raum sozialer Beziehungen, Ausgleich und Einbindung – Integration. So verstanden ist Heimat Lebensmöglichkeit und nicht nur Herkunftsnachweis. Heimat ist nicht Kulisse, sondern Element aktiver Auseinandersetzung.“ – Deutscher Bundestag 25.07.2018

Spekulative Arbeit: Welchen Wert hat das Immaterielle?

 © Von Glitschka, No!Spec/CreativePro.com

Was ist uns eine kreative Idee wert? Was kostet ein Ideen-Konzept, das (noch) nicht fassbar ist? Fakt ist: Ein Kreativer investiert dafür viele Stunden Recherche und gedankliche Vorarbeit. Dennoch werden Konzepte von Auftraggebern meist pro bono vorausgesetzt. Warum eigentlich?

Vorschussarbeit auf eigenes Risiko

Bevor ein Auftrag erteilt und ein Projekt finanziert wird, brauchen Auftraggeber Ideen, Konzepte, Kostenpläne – für Architektur-, Design-, Wissens-, Kultur- und  Kunstprojekte, für Ausstellungen und Publikationen, für Kreativ-Workshops und Kulturveranstaltungen. Das ist nachvollziehbar, denn wer will schon die Katze im Sack kaufen.

Unverständlich ist jedoch, dass Konzepte fast nie honoriert werden. Anders als in anderen Branchen wird von Kreativen oft kostenfreie Arbeit erwartet.  Vorschussarbeit, die der Kreative auf eigenes Risiko leistet. Spekulative Arbeit also, von der die Kreativen nicht wissen, ob sie sie jemals vergütet bekommen. Inakzeptabel, zumal zusätzlich die Gefahr besteht, dass die Ideenkonzepte von den Auftraggebern selbst realisiert oder an andere Kreative übertragen werden, die die Konzepte dann zu Dumpingpreisen realisieren. Beispiele aus der Praxis gibt es zuhauf!

Loriots Erfahrung mit spekulativer Arbeit

Über das Thema „Spekulative Arbeit“ ist schon viel und oft geschrieben worden. Es ist so alt, seit es Künstler gibt.  Schon 1950 berichtete Loriot wütend an seinen Vater: „Ich habe von der Kurverwaltung Norderney die Aufforderung erhalten, ein Werbezeichen für das Kurbad zu entwerfen. Ich soll zunächst ‚kostenlos und unverbindlich‘ Skizzen einreichen – mit der Aussicht, dass bei Gefallen eine davon erworben würde. Also ein ganz unklares, lächerliches Ansinnen. Ich gehe doch auch nicht in einen Fleischerladen, hake mir eine Wurst ab, esse sie auf und sage dann, sie schmeckt mir nicht!“ (Spaeth 2016

Immaterielle Vermögenwerte und Markterschließung

Das Finanzamt misst immaterielle Werte übrigens steuerlich mit zweierlei Maß. Warum es bestimmte immaterielle Vermögenswerte anerkennt und andere nicht, erschließt sich mir nicht immer ganz schlüssig. So können forschende, industrielle Unternehmen z. B. Ausgaben für Probebohrungen und Gebietserschließungen kostenmindernd in ihre Steuerbilanzen einbringen.

Wenn Kreativschaffende immateriell in die Markterschließung investieren, können sie dies nicht geltend machen. Das Finanzamt erkennt das nicht an. Warum eigentlich nicht? Recherchen und Konzepte dienen doch ebenfalls der Erkundung des Marktumfeldes und sind Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt. Ohne ein stimmiges Konzept bleiben auch Fördergelder verwehrt. 

Diese steuerliche Benachteiligung wiegt um so schwerer, weil Konzepte nur selten bezahlt bzw. vergütet werden. Auch die meist aufwändigen Antragsverfahren zur Generierung von (staatlichen) Fördergeldern müssen von den Antragstellern ohne Vergütung absolviert werden. In der Kreativbranche ist dies Alltag. Warum ist das in diesen Branchen so und in anderen nicht? Welcher Unternehmensberater würde kostenfrei Konzepte erstellen? Welcher Rechtsanwalt oder Steuerberater würde ohne Honorar Klienten beraten? 

Perspektivwechsel

Was spekulative Arbeit in anderen Branchen bedeuten würde, zeigt ein kurzer unterhaltsamer (englischsprachiger) Filmclip von Frank Zulu bzw. seiner Agentur Zulu Alpha Kilos: 

Künstlerhonorare

Auch wenn diese Vergleiche für manche hinken mögen, führt gerade der Perspektivwechsel zur erhellenden Erkenntnis, wie auch folgende kleine Geschichte des Bloggers Thomas Breuss zeigt (Breuss 2015):

Die Anfrage: „Wir sind ein kleines Restaurant und suchen auf diesem Wege Musiker, die bei uns spielen wollen, um bekannt zu werden. Wir können zwar keine Gage zahlen, aber wenn die Musik bei unseren Gästen ankommt, können wir an den Wochenenden Tanzveranstaltungen anbieten. Wenn Sie also bekannt werden möchten, melden Sie sich bei uns.“

Die Antwort: „Wir sind eine Gruppe Musiker, die in einem recht großen Haus wohnt. Wir suchen ein Restaurant, das gelegentlich bei uns Catering macht, um bekannt zu werden. Wir haben zwar kein Geld, aber wenn allen Ihr Essen schmeckt, können wir das gern regelmäßig machen. Das wäre eine gute Reklame für Ihr Restaurant. Melden Sie sich gerne bei uns.“

Dass solche Anfragen Alltag sind, zeigt folgende Reklame des Berufsverbandes bildender Künstler Berlin, der für die Belange seiner Mitglieder so warb:
„Ich bin ein Künstler. Das bedeutet nicht, dass ich umsonst arbeite. Meine Rechnungen muss ich bezahlen wie Sie auch. Danke für Ihr Verständnis!“

 © soundpool-records.com

Selbsterfahrung

Mich selbst erreichen immer wieder Anfragen für kostenfreie Texte, Konzepte, Vorträge u. ä. Meist kommen sie von Veranstaltern oder von festangestellten Mitarbeitern aus Behörden, Kommunen, Verlagen und Vereinen. Ich betone das deshalb, weil ein Selbständiger nie auf die Idee käme, einen anderen Selbständigen bitten würde, ohne Honorar zu arbeiten. Stellen Sie sich andererseits einmal vor, man würde einen Festangestellten bitten, ohne Lohn zu arbeiten…

Kürzlich schickte mir ein Dachverband mit 8 Millionen! Mitgliedern in Deutschland eine Anfrage. Man bat mich im Erstkontakt um einen vierseitigen Magazinartikel mit viel fachlichen Expertise. Ich bekundete zunächst mein grundsätzliches Interesse und erkundigte mich nach dem Honorar. Erst auf meine Nachfrage hin, teilte man mir mit, dass es kein Honorar gäbe (s.u.). Autoren würden ihren Beitrag „als persönliche Unterstützung eines gemeinsamen Anliegens“ honorarfrei zur Verfügung stellen. Ich lehnte ab und verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens. Nur unter dieser Voraussetzung könne ich solche honorafreien Anfragen leisten. Solange es das BGE nicht gibt, muss ich als selbständige Unternehmerin mein Einkommen mit bezahlten Aufträgen finanzieren. 

Weiteres Praxisbeispiel 

Während ich diesen Artikel schreiben, entdecke ich in den sozialen Medien einen Wettbewerbsaufruf für die künstlerische Gestaltung einer Hausfassade eines öffentlich geförderten Vereins. Da heißt es: „Zu gestalten sind 174 x 60 cm große Flächen, die sich in unsere Hausfassade integrieren. Dafür werden PVC Platten mit den Kunstwerken in den dafür vorgesehenen Nischen befestigt. Unter allen Einsendungen werden neun Kunstwerke für die Gestaltung der Fassade ausgewählt. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie unseren Aufruf teilen könnten und freuen uns auf die Einreichungen.“ Auf die Nachfrage, welches Honorar für die Teilnahme am Wettbewerb gezahlt werde bzw. wie hoch ist das Preisgeld für den/die Gewinner/in sein, kam diese Antwort: „Es gibt tatsächlich keinen materiellen Gewinn. Die KünstlerInnen erhalten eine Fläche im öffentlichen Raum zur freien Gestaltung und haben zudem die Möglichkeit, etwas Gutes zu tun und einem soziokulturellen Zentrum dabei zu helfen, dass an dessen Fassade statt „XY“ coole Kunst zu sehen gibt. Das klingt erstmal nicht viel, soll aber KünstlerInnen zu Beteiligung und Mitgestaltung … anregen.“

 © bbk berlin e.V.

Umdenken

Unsere Gesellschaft braucht generell ein anderes Verhältnis im Umgang  mit Ideen und immateriellen Werten. Nicht alles lässt sich beziffern und hat dennoch einen Wert: Was kosten Vertrauen, Zufriedenheit, ein Lächeln, ein Dankeschön?  Welchen Preis haben Freiheit und Wissen, Gesundheit und soziale Bindung, Wertschätzung und Vertrauen, Liebe und Freundschaft, Arbeitskraft und Resilienz? Wie beziffert man den Wert des Immateriellen?  Werte bemessen sich nach Emotionen. Das zeigen Marken ebenso wie die Preise am Kunstmarkt und an der Börse. Mehr Psychologie als Berechnung.

Der Wirtschaftsjournalist Wolf Lotter plädiert für ein generelles Umdenken. Nach der Industriegesellschaft brauche es in der Wissensgesellschaft eine „Ideenwirtschaft der Vielfalt“, deren Schlüsselbegriff Qualität sei, denn: „Ideenleistungen sind keine Frage der Stechuhr.“ (Lotter 2009, S. 12) 

Immaterielles neu bewerten

Immaterielle Werte sind zudem häufig subjektiv und können nur über Umwege gemessen werden: Follower, Klickzahlen, Seitenimpressionen, Voraussagen, Bewertungen durch Ratingagenturen oder Kunstexperten. Werte hängen stark mit Vertrauen, Glaubwürdigkeit und einem guten Gefühl zusammen, mit der „Frage nach dem Warum“ (vgl. Sinek 2014). Wer erklären kann, wofür die eigene Organisation oder Institution steht, ohne dabei quantitativ messbare Kriterien anzuführen, wie Preis oder Funktion, ist auf dem richtigen Weg. Nicht das Was entscheidet, sondern das Warum! Das Warum deutet auf innere, biografische und emotionale Schubkräfte und zeigt, welcher Sinn im Mittelpunkt des eigenen Tuns steht.

Geld mag ein probates Mittel sein, um Produkte oder Dienstleistungen zu bewerten. Die wirklich wichtigen Werte können nicht mit Geld bemessen werden. Ohne emotionalen Wohlstand zählt materielles Vermögen wenig. Nur weil jemand viel Geld verdient, heißt das nicht, dass er auch Werte erzeugt (siehe Hedgefonds, Rohstoffwetten). Im Umkehrschluss: Wenn jemand nur wenig Geld für seien Arbeit erhält (siehe KindergärtnerInnen, (Alten-)PflegerInnen, FriseurInnen), bedeutet das nicht zwingend, dass er/sie keine oder nur geringe Werte schafft.

Initiative für faire Arbeitsbedingungen

Für angemessene Honorare und faire Arbeitsbedingungen engagiert sich u. a. die Initiative artbutfair. Sie ist Dach für drei gemeinnützige Vereinen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Sitz des deutschen Vereins ist Hamburg. Auch der Deutsche Kulturrat unterstützt die Initiative (Kurzdarstellung auf S. 5), die Missstände in der Praxis sichtbar machen will, Veranstaltungen ausrichtet und auf Austausch setzt. 

Erklär-Trickfilm – Was ist spekulative Arbeit?

Regeln brechen: Kreativität in verschiedenen Kunstsparten

 © Dietrich Schneider, pixelio.de

Kreativ zu sein heißt: Normen außer Kraft zu setzen. In Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft hat es immer wieder Vorreiter und Pioniere gegeben, die etwas anders gemacht haben, die Sichtweisen, Höreindrücke, Gefühle „ver-rückt“ und unsere Gegenwart auf besondere Weise revolutioniert haben. Anbei einige inspirierende Beispiele. 

© MassivKreativ

Kreativität im Film

Mit ihren Satiren haben sich die britischen Monty Pythons in die Filmgeschichte eingeschrieben. „Das Leben des Brian“ hinterfragt couragiert christlich-jüdische Überlieferungen. Der Vorgängerfilm „Die Ritter der Kokosnuss“ (The holy grail) behandelt in satirischer Weise die Sage von König Artus und die Suche nach dem heiligen Gral. Wegen des spärlichen Produktionsetats können die Schauspieler weder Reitunterricht nehmen noch Pferde anmieten. Die kreative Lösung: Sie gehen zu Fuß und imitieren den Ritt hoch zu Ross selbst galoppierend ohne Pferd, so wie Kinder es tun, während der dahinter laufende Knappe zwei Kokosnüsse aufeinanderschlägt. Die Illusion ist liebenswert und nahezu perfekt.

„Effectuation“ (Faschingbauer 2010) ist das Zauberwort: Wie kann ich mit begrenzten Mitteln meine Ziele erreichen und mir trotz Ungewissheit Sicherheit schaffen? Indem ich mich auf mich selbst fokussiere: Was habe ich? Was kann ich? Mit wem kann ich zusammenarbeiten? Kreativität zeigt sich darin, mit Begrenzungen klar zu kommen. Das macht erfinderisch und kooperativ!

© MassivKreativ

Kreativität im Theater

Reale Rollensimulationsspiele hat die Theatergruppe Rimini Protokoll zu ihrem Markenzeichen gemacht. Gemeinsam mit dem Publikum spielt sie buchstäblich Politik-, Alltags- und Zukunftsszenarien durch. Bei einem Weltklimagipfel werden die Besucher verschiedenen Länderteams zugeordnet, an lebensecht mit Eis und Wüste inszenierten Stationen von echten Wissenschaftlern über den Klimawandel und dessen Auswirkungen informiert. Am Ende muss jeder Zuschauer über das Budget entscheiden, dass sein Länderteam bereit ist, in einen Klimarettungsfond einzuzahlen. Eine Simulation, die berührt, bewegt, zum Nachdenken und aktiven Handeln motiviert: „Das Schauspiel zeigt dem Menschen, wer er ist oder doch sein könnte.“ (Hüther / Quarch, 2016, S. 138) 

In ihrem dokumentarischen Theater spiegelt die Regisseurin Angela Richter aktuelles Zeitgeschehen. In ihrem crossmedialen, interdisziplinären Stück Supernerds – ein Überwachungsabend vereint sie Interviews mit Whistleblowern und Netzaktivisten, wie Julian Assange und Edward Snowden, Überwachungstechnik und Bürgerängste. Das verstörte Publikum im Saal erlebt hautnah, wie leicht es für die Theatermacher ist, an ihre Daten zu gelangen.

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Kreativität in der Aktionskunst

Wie bleibt Erinnerungskultur lebendig? Das Internet-Projekt Yolocaust von Shahak Shapira gibt eine eigenwillige Antwort. Der israelische Satiriker kombinierte aktuelle Selfies vom Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bildmaterial aus den Vernichtungslagern der Nazis. Die Fotos mit lachenden, springenden, skatenden und radelnden Protagonisten am Mahnmal hat Shapira in sozialen Netzwerken gefunden. Im Zuge der Berichterstattung haben viele Selfie-Urheber ihre unreflektierten Aktionen überdacht und ihre Fotos gelöscht. Shapira stellte „Yolocaust“ ein, weil er sein Ziel erreicht sah, die Ermordung von sechs Millionen Menschen präsent zu halten. Den interaktiven Austausch über den Umgang mit der Vergangenheit führt der Künstler mit weiteren Aktionen fort. 

Die Künstlerin und Medienkunstprofessorin Christin Lahr überweist seit Mai 2009 jeden Tag einen Cent auf das Konto des Bundesfinanzministeriums. Sie nutzt Überweisungsträger als textbasiertes Medium und trägt in den Verwendungsnachweis Zitate aus dem „Kapital“ von Karl Marx ein, z. B. „Springquellen allen Reichtums: Erde und Arbeiter.“ (Interview mit Lahr 2010)

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Kreativität im Design

Ökovisionär Michael Braungart hat das Nachhaltigkeitskonzept „Cradle to Cradle“ („von der Wiege zur Bahre“) entwickelt. Es entspricht dem Kreislaufprinzip der Stoffe auf der Erde. Vor diesem Hintergrund hat der Designer Carsten Buck für eine norddeutsche Biomolkerei eine neuartige Milchflasche mit rundem Boden entworfen: den MilkTumbler. Die Flasche kann ohne Wertverlust in einem geschlossenen Kreislauf zirkulieren. Ein interdisziplinäres Team entwickelte dafür ein innovatives, polyesterartiges Material, den Bio-Rohkunststoff PLA, englisch: „polylactic acid“. Das Abfallprodukt der Käseherstellung kann beliebig oft und ohne Qualitätsverlust eingeschmolzen und wiederverwertet werden.

Kreativität in der Fotografie

Die US-Amerikanerin Taryn Simon erklärt Politik mit Blumen. Sie reist zu internationalen politischen Abkommen und fotografiert dort Blumengestecke. Bei Friedensabkommen z. B. verbinden sich häufig zwei typische Blumenarten der jeweiligen Länder, bei multilateralen Abkommen werden gerne neutrale Grünpflanzen gewählt. Farben haben starke Symbolkraft. „Auf den ersten Blick sind Blumen einfach nur Blumen“, sagt die Fotografin. „Erst auf den
zweiten Blick versteht man, dass sie ein voll integrierter Bestandteil unseres Gesellschaftssystems sind. Nicht einmal Blumen können dem System entkommen.“ (Simon 2016

Kreativität in der Mode

Yves Saint Laurent hat das Frauenbild revolutioniert. Bei ihm gab es weder Wespentaille noch Schulterposter. Er schuf den emanzipierten Damen-Smoking, den Hosenanzug, inspiriert von Künstlern wie Mondrian, Picasso, Matisse und Braque, gefertigt aus weichen, fließenden Stoffen, zuweilen durchsichtig. „Coco Chanel hat den Frauen die Freiheit gegeben. Yves Saint Laurent gibt ihnen die Freiheit der Macht.“ (Bergé / Hahn 2008)

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Kreativität in der Architektur

In der Renaissance hat die Bankiersfamilie der Medici demonstriert, dass unternehmerischer Erfolg und visionäre Ideen Kunst und Architektur beflügeln können. Wirkungsstätte der Medici war Florenz, ein Umschlagplatz für Luxusgüter. Die Medici führten den Wechsel als Zahlungsmittel ein und erleichterten Bankfilialen in ganz Europa den Zahlungsverkehr. Cosimo de‘ Medici kombinierte grundverschiedene Geschäftsfelder, was auf seinen vielseitigen Interessen und seiner Offenheit beruht. Er pflegte mit jedem einen respektvollen Umgang, sprach mit Lieferanten ebenso auf Augenhöhe wie mit Politikern, dem Adel und mit Künstlern, die er von überall her nach Florenz holte. Die soziale Durchlässigkeit und sein Sinn für vielseitige Teams aus Bauplanern, Zeichnern, Steinmetzen, Holzschnitzern und Malern ermöglichte herausragende Bauwerke. Der Medici-Effekt (zu Fürstenberg 2012) wurde sprichwörtlich zum Symbol für interdisziplinäre, gleichberechtigte Zusammenarbeit. 

More than Shelters_01_Antje HinzMore than Shelters_01_Domo_Antje Hinz  © MassivKreativ

In unserer Zeit arbeitet der Künstler Daniel Kerber interdisziplinär mit Architekten, Designern, Sozialwissenschaftlern, Politologen, Materialforschern, Nähern, Outdoor-Spezialisten und Geflüchteten zusammen. Kerber hat sich intensiv mit dem Thema Mensch und Raum beschäftigt, viele Länder bereist und vor allem in Flüchtlingslagern geforscht. Seine Erfahrungen mündeten in das modulare Zeltsystem „Domo“ seines Sozialunternehmens morethanshelters. Geflüchtete können die mobilen Unterkünfte an die Familiengröße, an kulturelle Gewohnheiten und klimatische Bedingungen beliebig anpassen. 

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Kreativität in der Presse

Inhalt oder Form: Was gilt als kreativ und innovativ? Die Digitalisierung hat den Pressemarkt heftig erschüttert. Der Qualitätsjournalismus kämpft um sein Überleben. Tragfähige Geschäftsmodelle werden verzweifelt gesucht. Hoffnungen gelten dem konstruktiven Journalismus, „Geschichten des Gelingens“ (vgl. Welzer 2016a), gut recherchierten, tiefsinnigen Ereignissen oder spektakulären Vorfällen sowie neuen Vermittlungsformen. Empathie für fremde Lebenswelten und Abenteuer soll mit Virtual Reality und immersivem Journalismus gelingen. Digitales Storytelling wird von Journalisten und Medienproduzenten neu ausgelotet. Wie fühlt sich die Flucht auf einem völlig überfüllten Schlauchboot an? Mit einer VR-Brille wird diese Erfahrung zur traumatischen Tortur. Der US-Journalist James Pallot von der Medienschmiede „Emblemeticgroup“ glaubt: „Wir können mit Virtual Reality Nachrichteninhalte begreifbar machen, die andernfalls zwischen den Zeilen verloren gehen.“ (Pallot 2016) Zugleich bleibt die Verantwortung der Medien, durch 3D und VR die Berichterstattung nicht unnötig zu dramatisieren und zu manipulieren. Journalistische Sorgfalt und ethische Grundsätze müssen immer gewahrt bleiben. 

Der ehemalige CIA-Mitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden lebt untergetaucht an einem geheimen Ort in Russland und wird wahrscheinlich nie wieder ein
normales Leben führen. Snowdens Enthüllungen geben Einblick, welches Ausmaß die weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten genommen haben. In einem Exklusivinterview berichtet er 2013 der britischen Tageszeitung „The Guardian“: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben.“ (Snowden 2013)

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Kreativität im Werbemarkt

Das Peng!-Kollektiv entwickelt subversive Aktionskunst, um die Gesellschaft zu mutigerem Handeln zu bewegen. Mit zivilem Ungehorsam und kreativen Ideen infiltrierte die Gruppe mehrmals Veranstaltungen mit falschen Identitäten. Zum Rohstoffkongress des Bundesverbandes der Deutschen Industrie verteilte sie 2014 kleine Bäumchen, gestaltete Flyer und Website im Corporate Design des BDI mit dem Hinweis: „Da wir zur Herstellung deutscher Hightechprodukte auf Metalle aus Konfliktregionen angewiesen sind, pflanzen wir im Gegenzug für jedes Opfer einen Baum. Auf diese Weise wird der BDI seiner sozialen Verantwortung gerecht und trägt darüber hinaus zu einer verbesserten CO2-Bilanz der deutschen Industrie bei.“ (Peng!-Kollektiv 2014) Nur wenigen fiel der Fake sofort auf.

Die Schweizer Aktionskünstler Frank und Patrik Riklin vom Atelier für Sonderaufgaben bewerben urbane und ländliche Orte mit ungewöhnlichen Kampagnen. Ihr
Quatschmobil fährt nur, wenn sich Gäste und Fahrer unterhalten. Gesprächsstoff wird zum Treibstoff! Umso mehr, wenn dabei Weltverbesserungsideen geschmiedet werden. Um das soziale Miteinander geht es auch im preiswerten „Null-Stern-Hotel“. Statt einsam Luxus zu genießen, sollen Hotelgäste neue Bekanntschaften schließen, was in dem fensterlosen Bunker im Großraum ohne Trennwände mühelos gelingt. Im Sommer offerieren die Riklin-Brüder auf einer Bergwiese in 1700 Metern Höhe ein einzeln stehendes Doppelbett. Für die vielen Sterne unter freiem Himmel postulieren die Zwillinge einen Übernachtungspreis von etwa 230 Euro.

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Kreativität durch Software und Games

Mit quelloffener kostenloser Open-Source-Software, an deren Entwicklung jeder Bürger kreativ mitwirken und teilhaben kann, demokratisierten die meist ehrenamtlichen Akteure den IT-Markt, z. B. mit Linux. Open Source hat verschiedene Ursprünge und Vorläufer, u. a. die Do-it-yourself-Initiativen und die Hacker-Bewegung, die aktuelle Beispiele in der Maker-Szene, den FabLabs und TechShops finden. 

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Auch Wikipedia ist Ausdruck von Demokratisierung, Teilhabe, geteiltem Wissen, aber gleichzeitig auch von Disruption. Die traditionsreiche Brockhaus-Enzyklopädie wurde 2015 ein letztes Mal gedruckt und von der Online-Bibliothek ersetzt. Wikipedia wird gegenwärtig von rund zwei Millionen ehrenamtlicher Autoren der gemeinnützigen Open Knowledge Foundation mit Inhalten gefüllt (Wikimedia 2016). 

Prozesse spielerisch zu durchdenken und zu simulieren, kann Risiken senken und enorme Kosten sparen. Planspiele, übertragen auf elektronische Games und Apps, bieten geschützte Bedingungen, etwa für Rettungskräfte von Polizei und Feuerwehr, ebenso Fehlerkultur für medizinisches Personal in der Notaufnahme von Krankenhäusern, für Spezialkräfte auf Bohrinseln, für Produzenten und Logistiker von Gefahrengütern. In kreativ aufbereiteten Szenarien nehmen die Akteure verschiedene Sichtweisen ein, erkennen Zusammenhänge zwischen Abläufen und Prozessen, Ursache und Wirkung und üben dabei korrekte Kommunikationsmuster ein. Der beim Spielen typische Rollenwechsel steigert Lernerfolg und Erkenntnisgewinn.

Das engagierte Entwicklerstudio „Blindflugstudios“ aus der Schweiz hat ein serious game geschaffen, das die Sorgen und Nöte von Geflüchteten nachfühlbar macht. Beim Tablet-Spiel Cloud Chaser erlebt der Spieler die Flucht eines Vaters mit seiner kleinen Tochter durch die Wüste mit, schlüpft in die Rolle der beiden Protagonisten, durchlebt ihren gefahrvollen Weg, ihre ständige Todesangst. Das Spiel sensibilisiert für die Situation von Menschen auf der Flucht.

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Kreativität im Kunsthandwerk  

Die Grüne Werkstatt Wendland im ehemaligen Postamt in Lüchow bringt im Rahmen von Starter-Camps junge Designer mit regional tätigen Handwerkern zusammen, u. a. mit Töpfern, Tischlern, Drechslern, Korbflechtern, Buchbindern, Textilgestaltern, Glasbläsern, Metallbauern und (Gold-)Schmieden. In der niedersächsischen Elbtalaue wachsen Kopfweiden, die regelmäßig beschnitten werden müssen. Für die Weidenruten haben Kunsthandwerker und Designer innovative Produkte und Verwendungsmöglichkeiten gefunden, aus deren Verkauf sich die Pflege der Weiden langfristig finanzieren lässt. Das leichte, weiche Weidenholz eignet sich u. a. zu Befestigungszwecken in Baumschulen, für Kisten und Schachteln sowie als Wirkstoff für fiebersenkende Substanzen.

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich besondere Manufakturen angesiedelt, die aus regionalem Material (z. B. Ramona Stelzer – Fischleder) oder aus recycelten Stoffen (alte Pelze) neue originelle und außergewöhnliche Produkte herstellen. Ein spezieller Audioguide, realisiert im Auftrag der Metropolregion Hamburg vom Silberfuchs-Verlag, lädt zu einer ManufakTour durch das Garten- und Seenland Mecklenburg-Schwerin ein: Podcast 1 / Podcast 2 / Podcast 3 / Podcast 4

Quellen und Literaturhinweise:

Faschingbauer, M. (2010): Effectuation: Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln. Stuttgart: Schäffer-Poeschel Verlag.

Hüther, G. / Quarch, C. (2016): Rettet das Spiel. München: Carl Hanser Verlag.

Fürstenberg, J. zu (2012): Die Wechselwirkung zwischen unternehmerischer Innovation und Kunst. Eine wissenschaftliche Untersuchung der Renaissance am Beispiel der Medici. Wiesbaden: Springer Gabler Verlag.

Kreativität: woher und wohin? Eine Bestandsaufnahme

 © Rainer Sturm, pixelio.de

2009 hat die EU-Kommission erklärt, bei allen Bürgern „kreative und innovative Fähigkeiten als Schlüsselkompetenzen durch lebenslanges Lernen“ zu fördern und rief das „Europäische Jahr der Kreativität und Innovation“ aus: „Kreativität ist eine menschliche Eigenschaft, die sich in vielen Kontexten manifestiert, angefangen bei Kunst und Design über Handwerk bis hin zum Fortschritt in Wissenschaft und Technik und zu Unternehmertum und sozialer Innovation. Innovation ist die erfolgreiche Umsetzung neuer Ideen, die aus der Kreativität eines Menschen hervorgegangen sind. Die eng miteinander verknüpften Fähigkeiten Kreativität und Innovation kommen daher gleichermaßen dem wirtschaftlichen und sozialen wie auch dem künstlerischen Bereich zugute.“ (EU-Parlament 2008) 

Allzweckwaffe

Wird Kreativität zu inflationär beschworen, als „Universaltherapeutikum“ und allmächtige Problemlöserin missbraucht? Nicht nur Künstler empfinden zuweilen Unbehagen gegenüber ihrer Ökonomisierung und Funktionalisierung. Gedeiht Kreativität nicht vor allem beim zweckfreien Forschen? „Kreativität fängt da an […], wo der Verstand aufhört, das Denken zu behindern“ (Huchler / Jansen 2009, S. 5), konstatieren die Sozialwissenschaftler Andreas Huchler und Stephan A. Jansen. Oder führt uns eher das bewusste Nachdenken über die Welt zu neuen innovativen Erkenntnissen?

  © Dieter Schütz, pixelio.de

Definition

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Doris Rothauer stellt fest: „Es gibt keine einheitliche Definition, keinen Konsens darüber, was Kreativität ist, wie sie entsteht und wie sie wirkt. Sie ist, was ihrer Natur entspricht: nicht planbar, nicht messbar, nicht zuordenbar, nicht auf Knopfdruck abrufbar.“ (Rothauer 2016, S. 32)
Weil wir ständig den Drang haben, unsere Welt zu ordnen, zu strukturieren und zu planen, ist Kreativität abseits der Kunst in den meisten anderen Lebensbereichen eine Herausforderung. Vor allem in konservativen Institutionen, wo Hierarchien häufig spontane und neue Ideen behindern, um so mehr, wenn sie bestehende Strukturen zur Disposition stellen.

Joachim Funke, Professor für Psychologie an der Universität Heidelberg, hat eine Erklärung gefunden, die sich am Markt orientiert: „Kreativität bedeutet das Hervorbringen eines neuen, individuell oder gesellschaftlich nützlichen Produkts. Ein Produkt, das nicht durch Routineverfahren erzeugt werden kann… Kreativität ist ein Erfolgsgeheimnis der Evolution: Schaffe zufällige Mutationen und schaue, was sich bewährt.“ (Jetzt, 11.05.2018).

Alles immer auf Anfang

Am Anfang einer Kreation steht sinnbildlich das leere, weiße Blatt. Für die einen ein Alptraum mit Versagensängsten, für die anderen die Hoffnung auf den großen Wurf. So oder so: Es ist die Geburtsstunde für Künstler und Entrepreneure, die etwas Eigenes „unternehmen“ wollen, und ebenso für Intrapreneure, die als Mitarbeiter eigenverantwortlich tätig sein möchten und es auch dürfen. Kreativ zu werden heißt, weiße Flecken, Leerstellen in unserer Gesellschaft zu erkennen, die andere Menschen nicht sehen, Fragen zu stellen und Lösungsansätze zu finden. Der Psychologe und Autor Frank Berzbach erklärt es so: „Kreative haben die Unzufriedenheit mit dem real Existierenden in ihr Leben eingebaut: wem die bisherigen Lösungen nicht ausreichen, […] wird schöpferisch tätig […] Kreativität wird zur Lebensform, wenn wir nicht aufhören darüber nachzudenken, […] wie wir die Welt besser hinterlassen.“ (Berzbach 2013, S. 21, 165)

 © Irene Lehmann, pixelio.de

Begriffsklärung

Kreativität wurzelt im Schöpferischen, „creare“ bedeutet „schöpfen“: etwas Neues, Originelles, noch nie da Gewesenes. Kreationen entstehen zunächst im Kopf und bahnen sich dann ihren Weg nach außen. Kreativität bedeutet Originalität! Wir sind überrascht und berührt, wenn wir zum allerersten Mal etwas Unerhörtes, Ungesehenes oder Ungefühltes erleben. Kreative Ideen helfen uns dabei, unser alltägliches Tun zu reflektieren, Routinen aufzugeben, Perspektiven zu wechseln.

Wenn wir unsere Sichtachsen ändern, nehmen wir die Welt anders wahr und können uns neuen Dingen öffnen. Neue Inhalte brauchen häufig auch neue Strukturen. Die alten Strukturen über Bord zu werfen und Experimente mit ungewissem Ausgang zu wagen, erfordert Mut. Wer kreativ sein will, muss kühn und furchtlos agieren!

 © Daniel Stricker, pixelio.de

Kreativität als Zukunfts- und Wirtschaftsfaktor

Auf dem Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos wurde Kreativität zum drittwichtigsten Faktor der Wirtschaft erklärt. Doch im Alltagsgeschäft überwiegt die Angst vor offenen Prozessen mit ungewissem Ausgang. Jede beherzte Entscheidung erfordert Verantwortung für deren Folgen. Kreativität ist ein unberechenbares Gewächs, ein unkontrollierbarer Freigeist. Einem Projekt bzw. einer Entwicklung freien Lauf zu lassen, so wie Künstler und Kreative es tun, ist für viele Akteure in der Wirtschaft und im öffentlichen Sektor nach wie vor eine Herausforderung. Ein Ziel nicht linear anzupeilen, sondern auch Umwege und Überraschungen zuzulassen, erscheint ungewohnt. Vielleicht fällt es deshalb noch schwer, Kreativität außerhalb von Kunst und abseits der Kultur- und Kreativbranche zu etablieren?

Hartnäckigkeit ist gefragt. Es gibt noch viel zu tun! Kreativschaffende dürfen nicht locker lassen. Sie müssen alle Institutionen und Bereiche der Gesellschaft mit Mut und kreativen Methoden „aufmischen“!

 

Noch mehr Kreativität? 

Handwerk, Kunst, Kultur und Widerstand – das Wendland

 © Rainer Sturm, pixelio.de

Michael Seelig hat im Wendland vieles initiiert, bewegt und vorangebracht. In den 70er Jahren gründete er in Waddeweitz auf einem Resthof den Werkhof Kukate. Gemeinsam mit anderen Akteuren hat er die Kulturelle Landpartie auf den Weg gebracht und sie von Beginn an mitgestaltet. Außerdem ist Seelig Vorstand der Grünen Werkstatt Wendland, ein Kreativ- und Ideenlabor, das soziale Innovationen in der Region vorantreibt.

 © MassivKreativ: Michael Seelig

Weben und Wissen

Michael Seelig erzählt im Interview von den Anfängen seines Werkhofes Kukate, einer fast 200 Jahre alten Hofstelle mit einem Vierständer-Fachwerkhaus und mehreren Nebengebäuden. Er berichtet, wie er das Konzept für das gemeinsame handwerkliche Schaffen mit seiner Frau Inge über die Jahre weiterentwickelt hat. Ihr Schwerpunkt ist das Handweben. In einigen Ländern gehört dieses besondere Handwerk bereits zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Seit 1990 organisiert Inge Seelig in Kukate die Weberklassen als nebenberufliche Ausbildung. Nach 4 Jahren können die TeilnehmerInnen sie mit der Gesellenprüfung abschließen. Auch die Zeitschrift weben+ wird von Inge Seelig herausgegeben. Sie die einzige deutschsprachige Fachzeitschrift für das Handweben.

 © weben+

Werkhof Kukate

In Kukate treffen sich Gleichgesinnte, die eine große Liebe und Begeisterung für das Handwerk teilen. Abseits vom Alltagstreiben können sie sich einer künstlerischen oder handwerklichen Tätigkeit widmen und auch über Nacht bleiben. Kukate beherbergt neben der Webwerkstatt auch eine Töpferei, eine Goldschmiede, eine Tischlerwerkstatt sowie mehrere Räume, die nach Bedarf gestaltet und genutzt werden können.

 © Petra Bork, pixelio.de

Gemeinschaftserlebnis Handwerk

Eine große Gemeinschaftsküche bietet die Möglichkeit der Selbstverpflegung, auch das schmiedet die Gäste des Werkhofes immer wieder aufs Neue zusammen. Nach getaner Arbeit treffen sich die Kreativen zum Essen und Austausch in einem Aufenthaltsraum im Werkstattgebäude oder in der großen Diele mit offenem Kamin. Bei schönem Wetter tauschen sich die Gäste draußen aus – auf einem mit Kopfstein gepflasterten Hof unter alten Kastanienbäumen.

 © Rainer Sturm, pixelio.de

Die Kulturelle Landpartie

Im zweiten Teil des Interviews erzählt Michael Seelig darüber, wie 1990 die „Wunde.r.punkte“ im Wendland entstanden und wie sich die Kulturelle Landpartie (KLP) über die Jahre stetig weiterentwickelt hat. Jedes Jahr zwischen Himmelfahrt und Pfingsten öffnen die Bewohner im Wendland in über 90 Dörfern ihre Höfe, Häuser und Gärten und laden zu Ausstellungen und Veranstaltungen ein – in den Bereichen Kunst und Kunsthandwerk, Musik, Klangkunst  und Theater, Ökologie und Nachhaltigkeit, Politik und Kabarett, Performance und Tanz, Vorträge, Lesungen und Führungen. Über 800 Künstler sind daran beteiligt.

Widerstand als Keimzelle

Die Wurzeln der Kulturellen Landpartie liegen im politischen Widerstand gegen das Atommüll-Lager Gorleben. Das gelbe X, das Zeichen des Wiederstandes, wurde weit über die Grenzen des Wendlandes hinaus zum Symbol. Zur 30. Kulturellen Landpartie vom 30. Mai bis 10. Juni 2019 lassen sich KünstlerInnen und Kreative wieder in ihren Ateliers und Werkstätten über die Schulter schauen.

 © Michael Seelig mit dem Spiel Super-GAUdi, Foto: MassivKreativ

Podcast-Interview mit Michael Seelig

Handwerk, Kunst, Kultur und Widerstand – die Kulturelle Landpartie im Wendland

Schweine, Landleben und Politik: der Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde

 © Jerzy Sawluk, pixelio.de

Seine Schweine und seine Serie „Marundes Landleben“ haben den Cartoonisten und Illustrator Wolf-Rüdiger Marunde  bekannt gemacht. Marunde wurde in Hamburg geboren, ist später in ländlichem Umfeld in Schleswig-Holstein aufgewachsen und lebt seit 1988 im Wendland. Er hat für viele Print-Magazine gezeichnet, u. a. für Brigitte, Stern und Pardon. Bis heute erscheint ein wöchentlicher Cartoon von ihm in der HÖRZU.

 © MassivKreativ: Wolf-Rüdiger Marunde

Wandler zwischen Stadt und Land

In seinen lebensprallen Zeichnungen und Illustrationen nimmt Marunde häufig Bezug auf das Landleben. Seine Helden und Charaktere stammen  jedoch aus Stadt und Land, häufig Tiere, sehr oft Schweine, aber auch menschliche Zeitgenossen, wie Bauern, Jäger, Großstädter und Umweltaktivisten. Wenn beide Welten aufeinander treffen, ergibt sich „Zündstoff“. Im Interview erzählt Marunde, wie seine künstlerische Arbeiten entstehen, wie er recherchiert, kreative „Feldstudien“ betreibt und wie sein Tagesablauf aussieht.

  © Karl-Heinz Laube, pixelio.de

Themen zwischen Umwelt und Politik

Auch Umwelt und Politik thematisiert Marunde in seinen Arbeiten. Im Interview berichtet er, was für ihn das Besondere am Wendland ist, wie er die Anti-Atomkraft-Bewegung rund um Gorleben erlebt hat, wie die Kulturelle Landpartie – kurz KLP – einst begann und wie er heutige gesellschaftliche Entwicklungen und Probleme sieht. Marunde spricht auch darüber, welche Rolle Künstler in der Gesellschaft spielen, ob und wie sie sich politisch engagieren sollten.

  © MassivKreativ: Wolf-Rüdiger Marunde und Antje Hinz

 

PODCAST-INTERVIEW

Schweine, Landleben und Politik: der Cartoonist Wolf-Rüdiger Marunde

spokenwork: Poetry-Slam bei der BTC AG Oldenburg

 © Foto: Katarina Plener, BTC AG

Was kann ein IT-Consulting-Unternehmen von einem Slam-Poeten lernen? Wie wirkt Poetry-Slam auf die Unternehmenskultur? Wieviel Mut und Risikobereitschaft braucht der Vorstand, um mit Kollegen an einem Poetry-Slam-Workshop teilzunehmen, eigene Texte zu schreiben und sie in einem öffentlichen Wettbewerb im Unternehmen zu präsentieren? Wie reagieren die Kollegen im Publikum?  

Kunst in der Organisationsentwicklung

Nele Tiemeyer arbeitet seit September 2017 im Bereich Mitarbeiterdialog der BTC Business Technology Consulting AG im niedersächsischen Oldenburg westlich von Bremen. Sie hatte die Idee, mit einem künstlerischen Projekt frischen Wind in das IT-Beratungsunternehmen zu bringen. Im Poetry-Slam sieht Tiemeyer ein geeignetes Format, „weil man eine Geschichte erzählen und Zukunftsszenarien entwickeln kann“, wie sie sagt. Sie engagiert den norddeutschen Slam-Poeten Björn Högsdal, den sie von einer früherer Zusammenarbeit im Projekt Unternehmen! KulturWirtschaft 2012-2015 am Nordkolleg Rendsburg kennt. Högsdal würde ein idealer Workshopleiter sein, weil er kreatives Schreiben an unterschiedliche Persönlichkeiten vermitteln kann.

 © Foto: Katarina Plener, BTC AG

 Slam-Poet Björn Högsdal im Workshop und auf der Bühne

Mut für Neues

Im Herbst 2017 wird #spokenwork im Intranet und über Mund-zu-Mund-Propaganda bei der BTC breit angekündigt – bereichsübergreifend , damit sich verschiedene Hierarchieebenen mischen. Björn Högsdal präsentiert den MitarbeiterInnen seinen kreativen Workshop in einem kurzen Vorabvideo. Nele Tiemeyer  und Lena Mäusezahl aus dem Mitarbeiterdialog sprechen die KollegInnen direkt an: „Poetry-Slam – wäre das nicht etwas für Dich? Mal etwas Neues ausprobieren, kreatives Schreiben, und dann ein wenig Risiko wagen, an eigene Grenzen gehen und über sich hinauswachsen?“ Einige Kollegen winken schnell ab. Kreatives Schreiben ginge ja noch! Aber den eigenen Text bei der Adventsfeier Ende November vor versammelter Mannschaft vortragen – wie bei einem echten Poetry-Slam? Dafür fehlte dann doch der Mut. Doch einige aus dem BTC-Team stellen sich der Herausforderung.

Literarischer Aufbruch 2018

Neun Mitarbeiter am Stammsitz in Oldenburg und vier am Standort Berlin wagen es einen Tag lang, aus eigenen Gedanken zum Unternehmen eine Geschichte zu machen und dabei mit Worten zu jonglieren. Das Motto: Literarischer Aufbruch 2018 – ein Ausblick auf das neue Jahr mit Ideen, Wünschen, Zweifeln, Hoffnungen, mit Lob und Kritik der Mitarbeiter von BTC. „spokenwork war meine Assoziation zu spoken word“, so Nele Tiemeyer, „als Möglichkeit und Chance, Dinge offen vor Kollegen auszusprechen, die man immer schon mal sagen wollte.“

 © Foto: Nele Tiemeyer, BTC AG

WarmUp

Ann Cathrin Bach, Mitarbeiterin im Bereich Führungskräfteentwicklung, ist dankbar für den lockerer Start des Workshops. Schließlich muss man erst Vertrauen fassen, sich mit der ungewohnt kreativen Situation anfreunden. Björn Högsdal beginnt mit einer Assoziationsübung, Begriffe zum Stichwort Winter sammeln.  Gemein nur, dass genau diese Begriffe im ersten Testgedicht nicht verwendet werden dürfen. Für Björn Högsdal ist diese Fingerübung ebenso wichtig wie für die Teilnehmer. Er gewinnt so ein Gespür für die Persönlichkeiten, mit denen er es zu tun hat, für ihre Ernsthaftigkeit, ihren Humor, ihre Interessen. „Sprache und Literatur ist Beschäftigung mit Gedanken! Jeder kann schreiben“, so Högsdal, „wenn er sich auf das konzentriert, was ihm wichtig ist. Das Talent zum Schreiben macht nur 10-20% aus, alles andere ist Routine und Handwerk.“ Folgerichtig geht es im Workshop auch um Informationen über das Format. Was zeichnet  einen gelungenen Vortrag beim Poetry-Slam aus? Wie findet man Themen und Ideen? Wie entwickelt man eine Geschichte?  

 © Foto: Nele Tiemeyer, BTC AG

Kunst als Mittler

Auch die beiden Vorstände im Unternehmen, Dr. Jörg Ritter und Dirk Thole, nehmen am Workshop teil. Sie wollen selbst erleben, was es heißt, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Dirk Thole sieht #spokenwork als „Chance, Persönlichkeiten und Mitarbeiter im Unternehmen weiterzuentwickeln, neue Reize zu setzen, neue Stufen zu erreichen, um Kunden noch besser helfen zu können. Es geht um positive Effekte für alle.“ 

Kunst sei ein Medium, so Thole, um Mitarbeitern Offenheit und Mut zu zeigen, ihnen Chancen des Ausprobierens zu bieten. Thole ist überrascht, dass er als Zahlenmensch und Betriebswirtschaftler durch den Workshop eine kreative Ader ins sich entdeckt. Er schreibt eine Weihnachtsgeschichte, äußert darin Wünsche für sein Unternehmen, die ein Christkind am Ende tatsächlich erfüllt. Thole ist überzeugt: „Jeder Mensch kann mehr als er selbst glaubt, man hat nichts zu verlieren, sondern man kann sich nur weiterentwickeln.“

Nele Tiemeyer, die schon Erfahrungen mit Künstlerischen Interventionen und Kunst in der Organisationsentwicklung sammeln konnte, fügt hinzu: „Kunst in Organisationen liefert eine neue Perspektive, die Teil der Organisation wird. Kunst ist eine andere Form des Tätigseins für Mitarbeiter. Durch künstlerische Methoden entstehen neue Ergebnisse.“

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Über Fehler reden

Die Fehlerkultur bei BTC hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Früher, so Thole, wollte sich niemand die Blöße geben, etwas nicht zu wissen oder einen Fehler zuzugeben. Heute kommuniziere der Vorstand offen und zeige damit, dass Fragen und gegenseitige Hilfe alle im Team voranbringen. Wenn er selber etwas nicht wisse, würde er dies unumwunden als Frage in die Runde geben. Wenn eine/r der KollegInnen dann eine Antwort weiß, sei das nicht nur inhaltlich hilfreich, sondern auch eine schöne Bestätigung für die/den MitarbeiterIn, um Rat gefragt worden zu sein. 

Ann Cathrin Bach erwähnt ausdrücklich den solidarischen und positiven Austausch mit den Kollegen im Workshop, jeder konnte fragen, Meinungen erbitten und erhielt Rat . „Diese Erfahrung lässt sich hervorragend auf den Arbeitsalltag übertragen“, sagt Bach. Björn Högsdal bestätigt, dass niemand im Workshop eingeschüchtert war. Hierarchien seien ja auch abhängig von Kompetenzen: „Im Workshop ist jeder auf sich selbst zurückgeworfen, jeder ist in neuem Umfeld auf gleicher Ebene.“ Die Interaktion in der Gruppe sei für jeden hilfreich, auf neue Gedanken zu kommen, sich neue Inspirationen zu geben.

Lerneffekte und Vielfalt

Neben positiven Teamerfahrungen hat Ann Cathrin Bach auch auf handwerklich-praktische Ebene hilfreiche Methoden der Kommunikation aus dem  Workshop mitgenommen, z. B. sprachliche Gestaltungsmittel zu aktivieren, eine wirksame Bildsprache zu nutzen, um Menschen in ihrem Umfeld anders zu erreichen und stärker zu motivieren. Ihren Text spinnt sie um das Thema Vielfalt mit Blick auf das umfangreiche Portfolio von BTC, das insbesondere für neue Mitarbeiter eine Herausforderung darstellt. „Bauchladen“ sei im Grunde eine verkürzte Beschreibung dafür, was BTC ausmacht. Ihren Text sieht sie als Anstoß dafür, die umfangreichen Angebote Ihres Unternehmens nach außen hin bewusster zu kommunizieren.  (siehe Podcast unten:  Kapitelmarke  ab 35:23)

Gelebte Vielfalt zeichnet BTC aus, die Mitarbeiter stammen aus 25 Herkunftsländern. Sowohl inhaltlich als auch stilistisch vielfältig sind die Textbeiträge im Workshop. Thole resümiert: „Poetry Slam bietet Raum für Kritik, Ironie, Sarkasmus in positivem Sinne, um Punkte transparent zu machen.“ Björn Högsdal lobt  begeistert das hohe Niveau und die Vielfalt der Texte. 

Ungewöhnliche Adventsfeier

Ein Bild wird Thole für immer im Kopf behalten: Wie sich bei der Adventsfeier unzählige Mitarbeiter, so viele wie noch nie, dicht gedrängt in der Innenhalle von BTC versammeln und mit selbst gebastelten Plakaten den Kollegen zujubeln. Jeder Beitrag wird mit viel Applaus bedacht.  Thole empfindet eine positive Anspannung bei seinem Bühnenauftritt, vergisst dabei sogar seine Vorstandsposition. Doch beim Applaus denkt er plötzlich darüber nach, wieviele Mitarbeiter wohl nur deshalb länger klatschen, weil er der Vorstand ist. Reflexion ist auch eine Erfahrung.

Ann Cathrin Bach hat eine Doppelrolle, steht auf der Bühne und sitzt im Publikum. Auch sie spürt eine gewisse Aufregung, fühlt sich aber zugleich getragen von der begeisterter Atmosphäre im Saal und der Anerkennung, die ihr Kollegen für Ihren Text und ihre Präsentation spenden. Es bleibe bei ihr eine positive Grundstimmung vom Poetry-Slam zurück, eine Begeisterung, die nachwirkt. Das Ziel, bei der Adventsfeier Aufbruchsstimmung für 2018 zu erzeugen, ist ganz klar aufgegangen, meint Nele Tiemeyer. 

  Interview bei BTC (von links: Björn Högsdal, Dirk Thole, Nele Tiemeyer, Ann Cathrin Bach, Antje Hinz © Foto: Katarina Plener, BTC AG

Ausblick: Was Kunst bewegt

Als Ermutigung für andere Mitarbeiter werden nun kurze Filme der Poetry-Präsentationen ins Intranet oder auf die Yammer-Plattform gestellt. Kollegen können dort die angesprochenen Themen aufgreifen, kommentieren, durchdenken, weiterentwickeln. Thole sieht im Poetry-Slam-Projekt viel Potential, um Dinge besser zu machen – immer mit Blick nach vorn. Die Texte sind eine Art Gedächtnisstütze, um sich brachliegenden Herausforderungen bei BTC konsequenter zu widmen.

Dinge neu oder bewusst anders zu machen, genau das können Kunst und speziell das Format Poetry-Slam anstoßen: „Wir brauchen Kreativität, um Innovationen zu fördern, um am IT-Markt, der sich rasant verändert, weiterhin mithalten zu können.“ Menschen hätten ja auch Emotionen und dürften nicht immer nur auf der sachlogischen Ebene agieren und angesprochen werden. „Kunst verbindet! Wir brauchen Kunst bei BTC als verbindendes Element, weil bei uns Teamarbeit sehr stark im Vordergrund steht.“

Nele Tiemeyer ist erleichtert und zufrieden: „Die Erfahrungen mit #spokenwork bei BTC und die positiven Reaktionen haben mich im Team Mitarbeiterdialog bestärkt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen, weil er viel Potential hat.“


Das Podcast-Interview über #spokenwork wurde unterstützt von BTC.

BTC Business Technology Consulting AG Oldenburg ist eines der führenden IT-Consulting-Unternehmen in Deutschland, gegründet im Jahr 2000 mit dem Ziel, Kunden aus den Branchen Energie, Industrie, Telekommunikation und Öffentlichem Sektor ganzheitlich zu beraten: im Bereich Software und IT. BTC bietet vielfältige Dienstleistungen an: von Prozessberatung über Systemintegration bis hin zum Betrieb von IT-Systemen, der Entwicklung von Softwareprodukten und Social Workplace – Beratung in der Arbeitswelt 4.0. Über 1.600 Mitarbeiter arbeiten in 8 Niederlassungen in Deutschland und an 8 Standorten weltweit, u. a. in der Schweiz, in Japan, in Polen, Frankreich, Rumänien und in der Türkei. 

Der Mensch steht bei der BTC AG immer im Mittelpunkt – als Kunde, Partner und als Mitarbeiter. Das Motto von BTC heißt: „Menschen beraten“. Es ist Basis für eine partnerschaftlich geprägte Unternehmenskultur, die auf Fairness, Wertschätzung und Gleichbehandlung setzt. Was das mit dem Projekt #spokenwork zu tun hat, ist im Podcast zu hören. 

Wie die Kunst Wirtschaft und Management den Horizont erweitert

 © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Kunst beflügelt Wirtschaft. Weil sie Kommunikation fördert, Regeln bricht, Routinen hinterfragt, motiviert und dabei hilft, auch langfristige Ziele fokussiert zu verfolgen. Noch immer gibt es viel Erklärbedarf, noch immer wollen Wirtschaft und Management von der Wirksamkeit von Kunst überzeugt werden. Doch großartige und erfolgreiche Projekte ermutigen zum Weitermachen. Ein neues Buch „Wirtschaft trifft Kunst“ gibt Einblicke.

Haltung, Weitblick, Standhaftigkeit

Neue Ideen kommen nicht leicht in die Welt. Wer Dinge anders macht, wird nicht automatisch mit offenen Armen empfangen. Künstler, die Neues schaffen, werden nicht gleich auf Anhieb verstanden. Sie machen dennoch weiter, häufig gegen Widerstände. Sie sind mutig,  entschlossen, zeigen Haltung. Eines Tages werden sie – so bleibt zu hoffen – für ihren Weitblick und ihre Beharrlichkeit bewundert, so wie Mahatma Gandhi es einst sagte: “Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.

 © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Künstler als VUCA-Meister

Künstler tragen viele besondere Fähigkeiten in sich. Sie sind ihrer Zeit häufig ein Stück voraus. Die VUCA-Welt, in der nichts mehr verlässlich und voraussagbar ist und gerade in der Wirtschaft heiß diskutiert wird, haben Künstler schon immer erlebt. Sie haben eigene Strategien und Widerstandskraft entwickelt, Resilienz. Unsicherheit und Krisen sind nach wie vor Alltagsbegleiter von vielen Kreativen. Angestellte und Beamte in „bürgerlichen“ Berufen machen erst seit kurzem vergleichbare Erfahrungen. Der technologische und digitale Wandel wird weitere tiefgreifende Veränderungen in unser berufliches und privates Leben tragen.  

Künstler sollten daher in der agilen Welt als VUCA-Meister wirken, als Alltagscoaches, um sowohl Mitarbeitern als auch Führungskräften Wege aus der Unsicherheit zu zeigen. Künstler können Methoden und Möglichkeiten vermitteln, wie sich Unbekanntem offen, neugierig und mutig begegnen lässt. Wer an Althergebrachtem festhält, verhindert Innovationen. Die Band „Die STERNE“ singt (1999): „Wir müssen nichts so machen, wie wirs kennen, nur weil wir’s kennen, wie wir’s kennen.“ Wir brauchen kreative Pionieren, die neue Wege gehen. Denn: „Dort, wo alle gehen, wächst kein Gras.“ (Frank und Patrick Riklin, Atelier für Sonderaufgaben)

 © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Wirtschaft trifft Kunst

Die Kunsthistorikerin und Kunstvermittlerin Ulrike Lehmann kennt beide Welten. Mit ihrer Agentur art-coaching trägt sie Kunst in Unternehmen, gibt in Vorträgen und Seminaren Einblicke in die aktuelle Entwicklungen, in den Kunstbetrieb und den Kunstmarkt.

Nun hat Lehmann ein umfangreiches Buch mit 580 Seiten herausgegeben: Wirtschaft trifft Kunst. Warum Kunst Unternehmen gut tut. (Springer Gabler 2017). Im Vorwort gibt sie einen Überblick über die Geschichte des Mäzenatentums seit der Antike über die Renaissance bis in die Gegenwart. Sie listet wichtige Kunstvermittler, Sammler und Sammlungen auf und zeigt, warum Kreativität und Kommunikation Schlüsselkompetenzen unserer neuen digitalen Arbeitswelt sind. Sie führt in Ateliers, befragt Künstler (Warum sind Sie Künstler geworden? Gab es eine Initialzündung? Warum macht Kunst glücklich?), berichtet über ihre eigene Arbeit als Kunstvermittlerin, über kunstbasiertes Coaching von Führungskräften und Mitarbeiterteams, über die Bedeutung von Räumen und erklärt, wie unternehmensbezogene Kunstkonzepte und Kunstsammlungen konzipiert, erstellt und realisiert werden sollten.

Künstler als Problemlöser

Lange hat sich die Wirtschaft lediglich ornamental mit Kunst geschmückt. In den letzten Jahren werden Künstler nun stärker als Gestalter in die Gesellschaft integriert. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Die Kreativen agieren auch in diesem Bereich frei, d. h. sie dürfen weder funktionalisiert noch instrumentalisiert werden, sondern bringen ihre individuellen besonderen Fähigkeiten ein, Zukunft vorherzusehen und weiterzudenken. In Design Thinking-Prozessen z. B. fokussieren sie mit Empathie die Nutzerperspektive und tragen mit Kreativität, Ideenreichtum, Mut und Schöpferkraft zur Lösung von Problemen bei. Im Rahmen künstlerischer Interventionen begegnen Kreativschaffende unternehmerischen Fragestellungen und Herausforderungen mit künstlerisch-kreativen Methoden.

 © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Kollaboration

Kunst lebt von Kollaboration, von multidisziplinärem Denken und Handeln, von Improvisation, Perspektivwechsel, verschiedenen Sichtachsen und Lebenswelten. Folgerichtig hat Lehmann 30 weitere Autoren eingeladen, über das vielseitige Beziehungsgeflecht Kunst und Wirtschaft zu schreiben, darunter neben Künstlern und Kunsthistorikern auch Wirtschaftsexperten und Wissenschaftler, Firmeninhaber und Geschäftsführer.

In fünf Kapiteln nähern sie sich u. a. folgenden Themen und Praxisbeispielen:

  1. Kunst im Personalwesen: Management und Kunst, Werte, Worte, visuelles Denken
  2. Der (Mehr-)Wert von Kunst: materielle und immaterielle Werte, Kunst als Wirtschaftsfaktor, Verteilungskämpfe auf dem Kunstmarkt und freier Eintritt
  3. Kunstsammlungen in Unternehmen: Kunst zur Repräsentation und Kommunikation, als Teil von Unternehmenskultur, Kunst und Mode, Gegenwartskunst
  4. Kunst am und im Bau: Kunst und Raum, künstlerische Konzepte
  5. Kommunikation, Marketing und Kunst: kommunikative Wirksamkeit, Kunst und Marke, Business Artist – der Künstler als Unternehmer
  6. Ausblick: Projekte von Kunst in Unternehmen: Impulse für Kommunikation, Innovation, Umdenken und Wandel in der Unternehmenskultur

 © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Wert und Wirksamkeit von Kunst

Der Künstler Hermann J Kassel (S. 171-187) möchte mit Kunst Veränderungsprozesse im Unternehmen unterstützen, die Kommunikation fördern und den Teamgeist stärken. Kunst kann abstrakte Dinge verdeutlichen, die durch Worte allein nicht transportiert werden können. Wie lässt z. B. Digitalisierung konkret fassbar machen? Kunst hilft dabei, Dinge zu emotionalisieren, sie haptisch be-greifbar machen, damit wir sie verstehen und verinnerlichen. Beispiel Unternehmenskultur: Sie kann nicht von oben nach unten „verordnet“ werden. Sie ist lässt sich schwer beschreiben, ist dennoch immer da, lebt durch Menschen bzw. Mitarbeiter, durch ihr Selbstverständnis und ihre Wertvorstellungen.

In seinem Projekt „Erd-Arbeiten: Verwurzelung – Veränderung“ macht Hermann J. Kassel deutlich, dass Unternehmenskultur etwas mit Verankerung und Basis zu tun hat. Manager eines Getriebeherstellers von verschiedenen Niederlassungen wurden im Vorfeld der künstlerischen Intervention gebeten, Erde von ihren Heimat-Standort mitbringen. Gemischt mit Erde vom Stammsitz sollte der Humus für die „Basis-Kultur“ entstehen, der Humus für Kontinuität und Wandel. Durch haptische Begreifen konnten die Manager mit eigenen Händen erfahren, wie Veränderungsprozesse von der Basis aus wachsen, dass diese Selbst-Vergewisserung, Selbst-Bewusstsein und Standfestigkeit überlebenswichtig sind – gerade im Umfeld von Globalisierung und Vielfalt.

 © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Kunst als Kommunikationsmittel

Geschäftsführer Jochen Kienbaum schildert im Buch (S. 327-340), wie sich an den Kunstwerken in den Büroräumlichkeiten der Personal- und Managementberatung Kienbaum Consultants häufig inspirierende Gespräche mit Kunden, Geschäftspartnern, Mitarbeitern, neuen Bewerbern und Kandidaten entzünden. Mit dem Wahrnehmen und Sprechen über Kunst können Interessen, Kenntnisse und Wertvorstellungen ausgetauscht werden. Am Kunstobjekt treffen sich die Ansichten und Vorlieben oder gehen weit mit Irritation bzw. Unverständnis weit auseinander.

Kunst ist ein praktisches Hilfsmittel für das intensive gegenseitige Kennenlernen. Der Informationsgehalt von Kunstgesprächen geht über normale sachliche Gespräche hinaus. Ein besonderes Format ist der gemeinsame ArtWalk, zu dem Kienbaum auf der Kunstmesse ArtCologne einlädt. Neue Sicht- und Denkweisen möchte die Beratungsagentur mit der Herausgabe von Künstlerbüchern eröffnen.

Urteilsvermögen mit Kunst schärfen

Der Textilunternehmer, Wirtschaftsethiker und Kunstsammler Thomas Rusche erläutert in seinem Artikel (S. 341-365), inwiefern Kleidungskultur und Kunstförderung die Identität seines Unternehmens SØR Rusche prägt. Schönheit entsteht im Auge des Betrachters. Doch das Urteilsvermögen über Qualität lässt sich gerade an Kunstwerken schärfen, wie Rusche zeigt. Lieblose Massenproduktion versus kenntnisreicher handwerklicher Fertigung. Was sollte bewahrt werden und wo schafft Erneuerung Mehrwert und Sinn, etwa durch den Einsatz von Hightech-Materialien? Erfreulich ist, dass Rusche auch ethisch-moralische Aspekte einbezieht und kurzfristige Gewinnmaximierung in Frage stellt. Wirtschaft trägt heute auch Verantwortung, nicht nur für sich selbst, sondern für die Gesellschaft. SØR bzw. Rusche richtet die Berliner Salongespräche der Sophisten aus und diskutiert mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur aktuelle und relevante Themen der Zeit. Er finanziert Kunst und Künstlerförderung, unterstützt Projekte in Indien, die Forschungsgruppe Ethik und Wirtschaft im  Dialog (EWD), lädt regelmäßig zu Kunstgängen durch die SØR Rusche Sammlung in Oelde und Berlin ein und vermittelt seine Ideen und Werte auf dem Blog Kleidungskultur SØR.

 © Frank Radel, Pixelio.de 

Kunst am Bau

Wie entfaltet sich Kunst nicht nur intern in den Räumlichkeiten der Unternehmen? Wie wirkt und strahlt Unternehmenskultur in den öffentlichen Raum hinein? Über Architektur und Lichtinszenierungen beziehen Unternehmen Position, verleihen ihrer Identität und ihrem Selbstverständnis nach außen hin Sichtbarkeit. Im Buch wird am Beispiel des  Europäischen Patentamtes (EPA) in München u. a. die Farborgel des Schweizers Beat Zoderer vorgestellt. Gerade eine international tätige Institution steht vor einer besonderen Herausforderung, über die Kunst zwischenstaatliche Beziehungen und ein friedliches Zusammenleben zu transportieren.

Erkenntnisse

580 Seiten und 30 Autoren bieten einen weiten, vielseitigen Blick auf das Thema „Wirtschaft trifft Kunst“. Der Fokus des Buches liegt auf dem enger gefassten Begriff der bildenden Kunst (nicht: Musik, Tanz, darstellende Kunst u.s.w.), auf unternehmenseigenen Sammlungen und ihren Initiatoren sowie auf den Themen Kunst als Marke, Marketing- und Kommunikationsmittel. Hin und wieder wird auf die gesellschaftsgestaltende bzw. strukturell verändernde Kraft von Kunst verwiesen wird (siehe Hermann J. Kassel).

Was mir persönlich fehlt, sind aktuelle Stimmen abseits der Führungsetagen von Mitarbeitern an der Basis. Gerade deren Persönlichkeitsentwicklung und Motivationsschub durch Kunst wäre besonders aufschlussreich (siehe Filminterviews Mensch und Maschine / Atelier im Unternehmen): Was gibt „normalen Mitarbeitern“ die Begegnung mit Kunst im Unternehmen? Welche Gefühle, Gedanken, Stimmungen lösen Kunstwerke aus? Welche Irritationen oder Aha-Effekte hat Kunst bei Ihnen befördert? Angeboten hätte sich dies etwa im Beitrag über die Aktivitäten der Wimmelforschung für die Innovationsetage Platform 12 von Bosch. 

Kunst muss ihre Relevanz ständig unter Beweis stellen. Daher sollte ihre Breitenwirkung in alle Unternehmensebenen und Etagen nicht außer Acht gelassen werden. Lehmann verweist z. B. auf ein „Kunstexperiment“ bei Bayer von 1979/80, bei dem der Kunsthistoriker Max Imdahl gemeinsam mit Arbeitern über Werke abstrakt-konkreter Kunst diskutierte (S. 44). Interessant wären aktuelle Beispiele, etwa auch zu Corporate Volunteering – angeregt durch Kunst. Ungeachtet dieses kleinen Wermutstropfens ist die Fülle der zusammen getragenen Beispiele verdienstvoll. Jedem Artikel ist eine kurze Zusammenfassung vorangestellt, die neben dem Inhaltsverzeichnis einen ersten Überblick gibt. Eine zusätzliche Orientierung hätte ein Schlagwort-Verzeichnis am Ende des Buches liefern können.

Diese Autoren haben sich mit Beiträgen beteiligt:

Carsten Baumgarth, Stephan Berg, Dirk Boll, Michael Brater (& Anne von  Hoyningen-Huene), Friedrich Conzen (mit Julia Ritterskamp und Olaf Salié), Judith Dobler, Thomas Drescher & Maren Geers von Wimmelforschung, Stephan Frucht, Thomas Huber, Michael Jäger, Hermann J Kassel, Jochen Kienbaum, Barbara Kotte, Ulrike Lehmann, Rupprecht  Matthies, Alexander Marzahn, Hans-Dietrich Reckhaus, Thomas Rusche, Roland Schappert, Agnes Dominique Schofield, Kristine Schönert, Martin Seidel, Thomas Steinruck, Wolfgang Ullrich, Hubertus von Barby, Heike Weber, Stephan Zilkens.

Quelle: Ulrike Lehmann (Hg.): Wirtschaft trifft Kunst. Warum Kunst Unternehmen gut tut. Springer Gabler 2017.

  © Inge Dethlefs / MassivKreativ

Künstler in Unternehmen!

So wie es früher einen Narren am Hof gab, der außerhalb aller Regeln agieren und die Mächtigen kritisieren durfte, der die Ereignisse im Staat mal humorvoll, mal zynisch kommentieren konnte, so sollte heute jedes größere Unternehmen einen unabhängigen „Corporate Artist“ engagieren. Künstler in die Wirtschaft! Jedoch nicht ornamental zum „Aufhübschen“, sondern strukturell zum Mit- oder Umgestalten, zum Beobachten und Hinterfragen, als Gast in der Vorstandssitzung und im Kundendialog, als aufmerksamer Zuhörer bei Gesprächen mit Mitarbeitern und Führungskräften, zum Intervenieren, Ästhetisieren, zum Regeln brechen und Ideenschmieden. Alle großen Projekte und Kunstwerke beginnen mit einer kleinen Idee …

„Lernen wir von Künstlern, für sie sind verschiedene Methoden selbstverständlich, die wir in der Wirtschaft gut brauchen können. Zum Beispiel die Methodik des Perspektivenwechsels!“ Klaus Starch, eh. Finanzvorstand der eh. Gericom AG und der dp Projektform AG (siehe auch turn-around)

Transforming smArt

Inspirierende Workshops und interessante Impulse zum Thema „Künstler in die Wirtschaft“ bietet auch die Theaterpädagogin Katrin Sasse mit ihre Projekten Transforming smArt – House of Change und Training mit Theater

 © S. Hofschlaeger, Pixelio.de 

Master-Arbeit über Künstlerische Interventionen in Unternehmen

Kürzlich fragte der Master-Student Andreas Hötzel bei mir ein Interview an. Er wollte mich als Expertin zum Thema „Kunst als Intervention“ befragen. Für eine Studienarbeit an der Hochschule München im Master-Studiengang „Business Innovation & Management Consulting“ beschäftigt er sich gemeinsam mit drei Kommilitonen mit diesem Thema, um einen Beratungsansatz zu entwickeln, der künstlerische Interventionen berücksichtigt. Im Gespräch geht es um diese Fragen:

  1. Wie hat sich die künstlerische Intervention in der Wirtschaft in den letzten Jahren entwickelt?
  2. Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung/Nachfrage/Potentiale ein? Gibt es dazu Zahlen?
  3. In welchen Bereichen bzw. Projektphasen wirkt die künstlerische Intervention am effektivsten? Wie genau wirkt sie?
  4. Was macht den Einsatz von Künstlern im Unternehmenskontext im Vergleich zu anderen Vorgehensweisen besonders bzw. effektiv (in Bezug auf die Qualität der Wirksamkeit)?
  5. Worin sehen Sie die wirtschaftliche Bedeutung/Nutzen der künstlerischen Intervention aus Unternehmenssicht?
  6. Wo sehen Sie die Grenzen der künstlerischen Intervention?

Mehr dazu im folgenden Podcast-Interview mit Andreas Hötzel!

Die menschliche Seele: Eine Novelle über Kreativität und künstliche Intelligenz

  © MassivKreativ

Vor langer, langer Zeit schuf der Mensch sich nach seinem Abbild einen Golem. Die Nachbildung aus Lehm sollte ihm als Helfer, Freund und Befreier dienen. Einmal in der Woche erweckte der Mensch seinen Golem zum Leben. Doch einmal vergaß es der Mensch, was den Golem so erzürnte, dass er außer Kontrolle geriet und großen Schaden anrichtete. Der Mensch stellte den Golem ruhig und erweckte ihn fortan nie wieder zum Leben. Viele Jahre vergingen…

Der Traum vom künstlichen Menschen blieb

…. bis die Idee neu aufkeimte. Diesmal sollte das Wesen klüger und vernünftiger sein als sein Vorgänger. Und so schufen sich die Menschen einen Super-Computer und nannten ihn „Watson“. All das, was die Menschen bis dahin gelernt hatten, flößten sie Watson ein, der nun nicht mehr aus Lehm, sondern aus Platinen und Prozessoren bestand. Unersättlich verschlang Watson das Wissen der Welt als Datenvolumen und verdaute es als Bits und Bytes. Und die Menschen bewunderten seine strahlende Intelligenz.

Anfangs übernahm Watson nur Rechenaufgaben, die dem Menschen zu mühsam und langwierig waren. Doch dann wagten die Menschen ein Experiment. Sie fütterten den Computer mit Kunst. Und siehe da: auch Musik, Klänge, Texte, Objekte, Bilder und Pinselstriche zerlegte Watson in seinen Eingeweiden fein säuberlich in Nullen und Einsen, vernetzte sie auf seine Weise und spuckte sie als neue Werke wieder aus: Musik, Fotos, Bilder, Skulpturen, Gedichte und Geschichten. Die Menschen erschraken: Konnte ein künstliches Wesen tatsächlich kreativ sein – so wie sie selbst – oder gar besser?

… Und die Menschen diskutierten: Konnte es ein Super-Computer mit einem echten Künstler aufnehmen? Könnten die Menschen unterscheiden, ob der Urheber aus Fleisch und Blut  oder Platinen bestand? Könnte ihr Urteil gar bewertend in „besser“ oder „schlechter“ ausfallen? Und wie war es mit den Emotionen: Vermochten die Schöpfungen des Super-Computers die Menschen anzurühren, zum Weinen, zum Lachen und zum Nachdenken bringen? Und die Menschen schauten und lauschten, lasen und fühlten und: waren uneins. Bis ein kleines Mädchen beide Schöpfer nacheinander fragte: „Und wie ist Dein Werk entstanden?“ Der menschliche Künstler lächelte, beschrieb sein Wollen, Streben und Tun innerlich erregt mit leuchtenden Augen und fesselnden Worten. Er schilderte seine Inspirationen in schillernden Beispielen und seine Botschaft mit mitreißender Kraft. So viel Herzblut sei geflossen, so viel Zweifel, so viel Leidenschaft …

Und Watson?

… spulte beflissen seine Nullen und Einsen ab. „Der hat ja gar keine Seele!“, rief das kleine Mädchen enttäuscht. Da wandten sich die Menschen von Watson ab … Doch das war Watson egal. Er wertete die menschliche Ignoranz in seinem unaufhaltsamen Optimierungsplan als Fehler, als Störfaktor, und eliminierte die menschlichen Kreaturen.

Sie wünschen sich ein glückliches Ende?

Wie die Geschichte ausgeht, haben wir selbst in der Hand, übrigens: Jede/r von uns!

Eine Novelle von Antje Hinz, Erstveröffentlichung, Hamburg, April 2017.

Mehr zum Thema: 

Ist es das Ende unserer menschlichen Kreativität, wenn selbstlernende Maschinen zeichnen, komponieren, schreiben und kochen können? Ganz und gar nicht! Mit visionärem Vorausdenken, mit Haltung, Gewissen und Empathie machen wir Menschen uns unersetzlich! Zum Artikel: Wie kreativ sind Künstliche Intelligenzen wie Watson und Co? 

Wieviel Seele hat diese Kunst: Entscheiden Sie selbst!


Roboter-Kunst von cover-video-deutsch

Warum können die das? Künstler als Gesellschaftsgestalter

 © MassivKreativ

Wie und wofür setzen wir unsere Kreativität ein? Bei der Beantwortung dieser Frage geht es vor allem um „innere Haltung“ und um „Gewissenhaftigkeit“. Wir müssen uns über die Folgen unseres Handelns bewusst werden. Kreativität besteht nicht nur in ästhetisch-gestalterischen Kompetenzen.  Künstler und Kreativschaffende sind daher vielseitige Gesellschaftsgestalter. 

Reflexion unseres Handelns

Über den Start eines gentechnischen Projektes entscheidet eine Ethikkommission. Bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz, bei Biohacking, transhumanistischen Selbstversuchen und Kryonik-Experimenten steht eine vergleichbare Kontrollinstanz noch aus, obwohl die Konsequenzen derzeit nicht absehbar sind. Sebastian Feucht ist Spezialist für ökointelligente Gestaltung und Vorsitzender des Sustainable Design Center e.V. und prägte den Begriff enkelfähig für zukunftsgerichtetes Design: „Enkelfähige Produkte sind so konzipiert, dass unsere Enkel die gleichen Chancen haben wie wir hinsichtlich des Ressourcenverbrauchs und hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit.“

Was Künstler und Entrepreneure verbindet

Verantwortungsbewusste Kreativschaffende und Gründer von Sozialunternehmen nutzen Kreativität auf ähnliche Weise wie Künstler. Wirtschaftsprofessor Günter Faltin, Autor des Buches „Kopf schlägt Kapital“, erklärt es so: „Für mich ist der Entrepreneur näher am Künstler als am Business-Administrator, am Verwalter. In der postindustriellen Gesellschaft können wir mit unseren Bedürfnissen mehr von Kunst lernen und uns an ihr orientieren als von einer Ökonomie mit Gewinnmaximierung … Kunst und Kunstbetrachtung können z. B. bei der Produktentwicklung helfen. Man kann an einem Kunstwerk systematisch erklären und erproben, wie man zu den Prinzipien des Entrepreneur-Designs gelangt.“ Wirkprinzipien der Kunst sollten also beherzter auf das Leben und die Gestaltung der Gesellschaft übertragen werden.

Wie Künstler fühlen und denken

Für den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck ist Empathie eine wichtige künstlerische Kompetenz „Ich glaube, dass Menschen, die ein Herz haben, es auch für Mitmenschen haben. Indem Künstler uns in unserer Ganzheit ansprechen, unsere Gefühle und unser Herz, erwachen in uns auch Bestrebungen, die über uns hinausgehen. Das Mitmenschliche ist vielleicht vorpolitisch, wirkt sich aber politisch aus. Zuwendung heißt politisch ‚Solidarität‘. Eines erwächst aus dem anderen, ohne dass der Künstler sagen muss, ich bin ein politischer Aktivist.“

 © Stephanie Hofschlaeger, pixelio.de 

Warum wir kreative Menschen mit Haltung brauchen

Viele meiner auf MassivKreativ gesammelten Fallbeispiele zeigen Künstler und Kreative als Forscher, Vor- und Querdenker, als Visionäre und Zukunftspioniere, als Aktivisten, nicht zuletzt im Umgang mit Vielfalt. Sie haben die Fähigkeit, gesellschaftsgestaltend zu wirken, weil ihre Kreativität nicht allein in der Kunst gefangen ist. Die Innovationsforscherin Ursula Bertram vergleicht die Haltung von Künstlern mit einer Haut, in die man nach und nach hineinwächst. Dies brauche Zeit, Willen und Ausdauer: „Mit einer künstlerischen Haltung kann man nicht nur Bilder malen, sondern auch andere Prozesse begehen in ganz anderen Fachgebieten. Man kann damit auch in die Wissenschaft, in die Wirtschaft, überall hin … Wenn ich einem Künstler die Bilder wegnehme, dann bleibt das künstlerische Denken übrig und das ist die Essenz, die ich auch auf andere Gebiete anwenden kann …“

Kompetenzen von Künstlern zur Gesellschaftsgestaltung

Kreativität ist eine ständige Begleiterin von Künstlern, sie ist innere Triebkraft, häufig Überlebensstrategie und „Daseinsform“, denn – so schreibt der Psychologe Daniel Golemann, „Menschen, die kreativ sind, denken ständig über das Gebiet nach, auf dem sie arbeiten“.
Im Dokumentarfilm Coda spricht der japanische Pianist Ryuichi Sakamoto über die Fähigkeit des Vorausdenkens und Vorhersehens: „Künstler sind wie Kanarienvögel im Bergwerk. Sie spüren das Unheil, bevor es geschieht.“  
Künstler sollten in vielen Bereichen unserer Gesellschaft zu Beratern werden. Warum? Künstler und Kreative sind Überlebensstrategen, von denen sich vieles lernen lässt. Die von mir zusammengestellte Übersicht vielfältiger Eigenschaften und Kompetenzen zeigt im Detail, woran sich die besondere Haltung von Kreativen festmachen lässt:

  • Offenheit, gedankliche Freiheit, Neugierde, Wissbegierde 
  • Freude an Recherchen und Fragen: Wer fragt, führt!
  • Zuhören können, Interesse an neuen Blickwinkeln
  • Fähigkeit zu Perspektiv- und Rollenwechseln
  • Mut, originell und einzigartig zu sein und gegen den Strom zu schwimmen
  • Mut, Routinen zu hinterfragen und aufzubrechen, Dinge anders zu machen
  • Mut zum Risiko, Fehler zu machen, Irrtümer in Kauf zu nehmen
  • Fähigkeit zu nichtlinearem, und themenübergreifendem Quer- und Hybrid-Denken  
  • Freude und Interesse am lebenslangen Lernen
  • Offenheit für Vielfalt, interdisziplinäre Kollaboration, Komplizenschaft
  • spielerische Freude am Ausprobieren, Erproben von Ungewöhnlichem und Neuem
  • Verantwortungsbewusstsein, Sinnhaftigkeit, Gemeinsinn
  • Empathie, Humor, Leidenschaft, Begeisterung
  • Konzentration, Fokussierung
  • Überzeugungskraft, Willenskraft
  • Fähigkeit zu reflektieren, zu abstrahieren, mit Kritik umzugehen
  • Beharrlichkeit, Ausdauer, Resilienz bei Widerständen und Rückschlägen
  • Experimentierfreude, Improvisationsgeschick, z. B. bei Beschränkungen („Effectuation“)
  • Inspirationskraft, Motivationskraft, Überzeugungskraft, Willenskraft
  • Optimismus, positive Lebenseinstellung
  • Intuition, Vorstellungskraft, visionäres Denken
  • Geschichten des Gelingens zu erzählen und damit Mitstreiter zu finden