Summer of Pioneers: Wie Großstadt-Nomaden das Land entdecken

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Während die Großstädte über Raumnot klagen, bieten ländliche Regionen Raumwohlstand, die kreative Form des Leerstands. Wittenberge in Brandenburg hat diese Herausforderung in eine Erfolgsgeschichte verwandelt. Wie das dank des „Summer of Pioneers“ gelungen ist, hat mir Regionalentwickler Christian Fenske erzählt. Er setzt auf Kreativität und Coworking. 

Aktivierendes Grundrauschen

Vor einem Jahr gab es den Coworking-Space in der Alten Ölmühle noch gar nicht. Da reiften gerade die ersten Ideen. Wittenberge will kreative Köpfe aus Berlin und anderen Metropolen nach Wittenberge locken – in die Prignitzer Provinz. Prignitz kommt aus dem Slawischen und heißt so viel wie „ungangbares Waldgebiet“. Die Brandenburgische Region ist waldreich, ländlich und leidet unter Abwanderung. Die BewohnerInnen stecken den Kopf jedoch nicht in den Sand. Sie packen die Probleme an und denken voraus, so wie Christian Fenske. Er ist Regionalentwickler im TGZ, dem Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz. Fenske ist erster Ansprechpartner für Start-ups, Existenzgründer, Unternehmer und Investoren. Wenn er von Wittenberge spricht, spürt man sofort: Er liebt die Region, die seine Heimat ist. Damit sie auch in Zukunft reizvoll und lebenswert bleibt, sucht er nach neuen Impulsen: „Wir brauchen ein gewisses Grundrauschen, um die kreative Masse zu aktivieren, die hier schon vor Ort ist. Wir wollen die Einheimischen inspirieren und aus ihren heimischen Gefilden rauslocken, damit sie sich mit auswärtigen Kreativen vernetzen.“

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Kreative Beratung

Fenske sucht Rat bei einem kreativen Großstädter, der selbst den Wechsel aufs Land plant. Frederik Fischer war als Tech-Journalist in der Startup-Szene aktiv und hat u. a. den Nachrichten-Aggregator piqd mitgegründet. Doch irgendwann stellt er sich die Sinnfrage. Heute baut er als Gründer der KoDorf-Bewegung neue Dörfer für Großstadtmüde. Die geplanten Siedlungen sollen aus 50 kleinen, hochwertig gestalteten Häusern mit Gemeinschaftsflächen für alle bestehen: Coworking Space, Gemeinschaftsküche, Gästewohnungen, Kino. Das erste KoDorf Wiesenburg entsteht gerade 100 km südwestlich von Berlin. Vier weitere Standorte sind in Vorbereitung. Frederik Fischer wird zum Berater von Fenske und zugleich zum Initiator des ersten Summer of Pioneers in Wittenberge.

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Umgenutzte Industriekultur

Der „Sommer der Pioniere“ ist der erste Testballon, der in Wittenberge Kreative aufs Land holen und ausprobieren will, wie sich Coworking abseits der Großstädte anfühlt. Das Format ist gleichzeitig ein Ansatz, um leerstehende Gebäude neu zu nutzen. In Wittenberge stehen ungenutzte Flächen in der Alten Ölmühle zur Verfügung, ein Industriedenkmal aus solider Backsteinarchitektur, die der Berliner Kaufmann Salomon Herz um das Jahr 1856 bauen ließ. Heute beherbergt das denkmalgeschützte Gebäude – idyllisch am Elbe-Radweg gelegen – eine Erlebnisgastronomie mit Restaurant und Schaubrauhaus im ehemaligen Saatenspeicher und Angebote für Sport, Kultur und Unterhaltung. Der Saugturm wird in der Saison als Strandbar und Café mit Beachvolleyballanlage genutzt. In der Fabrikantenvilla und einem weiteren Speichergebäude ist ein modernes Hotel entstanden. In ein weiteres leerstehendes Gebäude ist im Sommer 2019 der neue Coworking-Space für die kreativen Pioniere eingezogen.

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Bewerber-Marathon

Im Frühjahr 2019 entwickeln Fischer und Fenske innerhalb weniger Wochen eine Kampagne und schreiben einen Wettbewerb für Kreative aus. Weit mehr Kandidaten als erwartet wollen das Landleben auf Zeit testen. Mit ihrer Bewerbung müssen die Kreativen auch eine Idee einreichen, womit sie das Leben in Wittenberge bereichern wollen. Neben eigenen Aufträgen soll jeder auch ein Projekt in und um Wittenberge realisieren – im Austausch mit Kreativen aus der Region. In Barcamps und weiteren Veranstaltungen wird später diskutiert, was die Region konkret beleben könnte. Die BewerberInnen kommen vor allem aus Großstädten: Berlin, Hamburg und Zürich.

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Vielfältige Persönlichkeiten

22 kreative DigitalarbeiterInnen werden schließlich ausgewählt. Sie erhalten einen Platz im neu eingerichteten Coworking-Space mit Blick aufs Wasser. Die möblierten Wohnungen kosten pauschal 300 Euro, Zimmer 150 Euro im Monat inklusive Nebenkosten, Internet und Coworking-Nutzung. Doch wer sind diese Stadtflüchtigen auf Zeit? Vielfalt ist auf jeden Fall erwünscht, die Professionen sind entsprechend unterschiedlich:  Autoren und Journalisten, Grafiker und Medienproduzenten, PR- und Unternehmensberater, Coaches, Fintechs-Gründer, die Menschen dabei unterstützen, ihre Altersvorsorge mit digitalen Tools selbst zu regeln. Christian Fenske erklärt, welche Mehrwerte die Kreativen nach Wittenberge bringen: „Die kreativen Digitalarbeiter sollen unsere heimischen Kreativen in Wittenberge aktivieren, inspirieren, auch digitale Kompetenzen vermitteln. Wir wollten Leute auf Augenhöhe zusammenbringen, die in der gleichen Gedankenwelt unterwegs sind und den gleichen Arbeitsrhythmus haben.“ Und was treibt die Kreativen aufs Land? Natur, Wasser, Ruhe. In Wittenberge können sie tagsüber produktiv, konzentriert und entspannt arbeiten und abends den Sonnuntergang an der Elbe erleben. „Was gibt es Schöneres?“, sagt Fenske.

 Coworking mit Blick auf die Elbe © MassivKreativ

Halbzeit-Bilanz und Erfolgsstrategien

„15 von den 20 Kreativen können sich eine Verlängerung vorstellen“, erzählt Fenske stolz nach nur 3 Monaten. Fünf wollen sich sogar auf Dauer einbringen. Nach so kurzer Zeit ist das ein riesiger Erfolg! „Wir sind eigentlich nach der Halbzeit schon viel weiter, als wir nach sechs Monaten sein wollten, das ist bemerkenswert“, sagt Fenske. Doch was sind die Faktoren, die das Projekt zum Erfolg werden ließen? „Weil das Projekt wirklich alle wollten“, sagt Fenske. Es gibt viele starke Partner am Standort: das Hotel und das Brauhaus, die alte Ölmühle. Der Betreiber hat binnen vier Wochen eine noch leere, im Rohbauzustand verbliebene Etage umgebaut und ausgestattet: mit Fußböden, Einbauten, Bädern, Besprechungsraum, Heizung, Küche, Möblierung, Elektrik, Präsentationstechnik, Beamer und Leinwand. Bei der Ausstattung stand die CoWorkLand-Genossenschaft der Heinrich Böll Stiftung in Kiel beratend zur Seite. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft stellte Zimmer bereit inklusive Möblierungspaketen, Internet kam von einem Breitbandanbieter. Stadt, Stadtverwaltung, städtisches Bauamt und das Technologie- und Gewerbezentrum sind die Treiber, die bis heute alles zusammenhalten.

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Corona-Krise

Wie überall im Land hat die Corona-Krise auch für den „Summer of Pioneers“ einige Reglementierungen erzeugt. Das Projekt läuft weiter – unter Beachtung und Anwendung spezieller Hygiene-Vorschriften. Die Abstände zwischen den Arbeitsplätzen im Coworking Space wurde vergrößert bzw. die Zahl der gleichzeitigen Nutzer begrenzt. Vor allem aber musste der Zugang für die Öffentlichkeit ausgesetzt werden. Mit Öffnung der Bibliotheksstrukturen Anfang Mai 2020 können Interessenten voraussichtlich den Ort wieder besuchen. 

Medienrummel

Was alle Akteure in der Stadt überrascht hat, ist das enorme Interesse der Medien am temporären Gastspiel der Kreativen im neuen Coworking-Space. Nicht nur regional wurde über den „Summer of Pioneers“ berichtet, auch deutschlandweit. Sogar die BBC war zu Besuch. „In der gesamten Berichterstattung, z. B. bei Spiegel online, waren wir sogar mal auf Platz eins“, erzählt Fenske. „Wir haben Anfragen aus der gesamten Republik, sind im Gespräch auf Landes- und Bundesebene. Es vergeht keine Woche, wo nicht mal ein Bürgermeister anruft und fragt: Wie habt ihr das gemacht? Und wir fragen zurück: Wie geht Ihr mit Fördertöpfen um? Auch Hochschulen melden sich, die sich mit Ansiedlungen von Kreativwirtschaft in ländlichen Räumen beschäftigen. Dieser fruchtbare Austausch geht von der Ostseeküste im Norden bis zum Bayerischen Wald. Das ist für alle ein toller Lernprozess.“  

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Digitalsommer Prignitz

Wo andere Städte teure Werbeagenturen mit Kampagnen beauftragen, überzeugt das kreative Projekt in Wittenberge mit Authentizität. Um über die Grenzen von Wittenberge hinaus weitere interessierte Menschen zu erreichen, wurde an das Coworking-Format im August 2019 das Wochenend-Erlebnisformat Digitalsommer Prignitz angedockt. Über 500 interessierte Gäste aus ganz Deutschland erleben hier zahlreiche innovative Veranstaltungen, Workshops und Diskussionen zu neuen digitalen Arbeits- und Lebenswelten im ländlichen Raum sowie Informationen zur Digitalisierung im Touristikbereich, in den Medien und in der Wirtschaft. Austausch ist wichtig, sagt Christian Fenske. Auch er verlässt regelmäßig seine Wittenberger Scholle und sucht nach neuen Impulsen, um sie ggf. auf Wittenberge zu übertragen: „Im Rahmen des Digital Sommers sind wir Wirtschaftsförderer auch ins Wendland, in den Landkreis Ludwigslust-Parchim und in die Altmark gegangen, um uns mit anderen Regionen auszutauschen. Das Kirchturmdenken ist schon lange vorbei, das können wir uns gar nicht mehr erlauben. Aber: viele Sachen, die irgendwo anders funktionieren, funktionieren nicht automatisch überall. Da muss man sich wirklich Zeit nehmen, um das zu analysieren. Oft liegt es an den Menschen, ob die etwas wollen und bewegen oder auch nicht.“

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Substanz aus früheren Zeiten

Abwanderung und Demografiewandel sind Themen, die viele Regionen bewegen. Wittenberge hat viel Bevölkerung verloren: 1970 gab es 34.000 EinwohnerInnen, 2018 sind es mit 17.000 nur noch die Hälfte. Im Zuge der Wende ist der einstigen Industriestadt Wittenberge die Industrie abhanden gekommen und mit ihr die Menschen. Einst liefen hier Nähmaschinen und Fahrräder vom Band. Wie es damals war, werden die älteren BewohnerInnen heute wieder öfter gefragt, nach Jahren des Schweigens, als niemand an früheren Zeiten interessiert war. Um einen Austausch zwischen den Generationen, zwischen Alt- und Neubürgern anzuregen, haben die Kreativen einen Stadtsalon eingerichtet – im Safari am Bismarckplatz 6. Hier  berichten die Senioren im Erzählcafé über ihre Arbeit im früheren Singer-Nähmaschinen-Werk und dass sie selbstverständlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhren. Damals nicht aus Umweltgründen, sondern weil es zu DDR-Zeiten schlicht kein Auto zu kaufen gab. Neben der alten Industriekultur hat Wittenberge auch hochwertige Wohnsubstanz zu bieten. Es gibt wunderschöne Jugendstilbauten, von denen schon viele neu herausgeputzt und restauriert sind. Doch es gibt noch immer viel zu tun. Die Wittenberger packen alles nach und nach beherzt an.

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Profilbildung mit Kultur

Der erste kreative Ruck ging bereits zur Jahrtausendwende durch den Ort an der Elbe. Als klar war, dass die Region sich neu aufstellen muss, setzten die Stadtentwickler zur Überraschung vieler auf Kultur. Eine ebenso mutige wie visionäre Entscheidung. Das schmucke neoklassizistische Kultur- und Festspielhaus, in den 50er Jahren erbaut und nach der Wende saniert, lädt jeden Tag zu Konzerten und Veranstaltungen ein. Seit 2002 ziehen die Elblandfestspiele jedes Jahr mehr Besucher an. Wittenberge führt damit eine Musiktradition zeitgemäß weiter, die der Berliner Operettenkomponist Paul Lincke aufgebracht hatte. Die Grundlagen für seine späteren Erfolge legte er von 1880-84 mit seiner Ausbildung als Militärmusiker an der Wittenberger „Stadtpfeiferei“ in der Mohrenstraße 14/15. Der Platz vor dem Kultur- und Festspielhaus wurde nach Lincke benannt und eine Büste von ihm aufgestellt.

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Neuer Bevölkerungsschub durch Kreativität

Der „Summer of Pioneers“ führt die kulturellen Traditionen von Wittenberge auf neue, innovative Weise weiter. Christian Fenske: „Die Kreativen bringen einen hohen Faktor an Lebensqualität in eine Region. Das suchen Fachkräfte, die sich neu ansiedeln wollen. Wir alle brauchen einen hohe Freizeitfaktor, ein gesundes Kulturangebot, eine offene Vereinsstruktur. Kreative bringen außerdem frische Ideen, freie Gedanken, Lebensqualität und Innovationsfähigkeit. Die braucht man in einem kleinen und mittelständisch geprägten Unternehmensumfeld.“ Wittenberge spielt dabei die gute Logistik in die Hände, es ist in mehrfacher Hinsicht ein privilegierter Ort. Idyllisch direkt an der Elbe gelegen und auf halber Strecke zwischen den Metropolen Berlin und Hamburg bietet Wittenberge vor allem ein Plus: Es gibt einen Bahnhof, an dem ICE-Züge halten. Für die Redaktion des ZEIT-CAMPUS-Magazins ist das im Februar 2020 Grund genug, um mal in anderer Umgebung die Köpfe rauchen zu lassen. Die JournalistInnen, die sonst in Hamburg und Berlin arbeiten, mieten sich im neuen Coworking-Space in der Alten Ölmühle ein. Und sind ziemlich überrascht, was Wittenberge alles zu bieten hat: unzählige schmucke Jugendstil-Häuser, eine quirlige Innenstadt, ein großes Kultur- und Festspielhaus, Museum, Schwimmhalle, Kino.

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Ausstrahlung auf interessierte Neubürger

Marketingberaterin Esther Schmidt-Bohländer, die vor 2 Jahren aus Hamburg nach Wittenberge zog, beobachtet ein wachsendes Interesse an ihrer neuen Wahlheimat: „Viele auswärtige Freunde interessieren sich tatsächlich für den Coworking-Space hier und nehmen die Gelegenheit vom Summer of Pioneers wahr, mich endlich hier in Wittenberge zu besuchen. Bisher waren alle positiv überrascht, wie schön es hier ist. Ich kenne viele, die gerne aus der Großstadt weg würden… Was für Wittenberge spricht: Hier gibt es leistungsfähiges Internet durch Breitband und Glasfaseranschluss und zentral zwischen Berlin und Hamburg ein ICE-Anschluss: Das ist ganz besonders für eine 17.000 Einwohner Stadt.“ Schon kurz nach ihrer Ankunft hatte Bohländer Ideen, um Wittenberge neu zu beben. Sie kontaktierte Christian Fenske und stieß bei ihm sofort auf offene Ohren. Anknüpfend an ihre beruflichen Erfahrungen in Hamburg bietet sie nun im Stadtsalon  „Safari“ Bierverkostungen an und führt die Teilnehmerinnen mit ihrem Expertenwissen in die Welt  von Hopfen, Malz und Gerste ein. So bereichert jeder Neubürger Wittenberge auf seine besondere Weise.

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Modell mit Lerneffekt für andere

Regionalentwickler Christian Fenske ist zukunftshungrig und hat noch viel vor in Wittenberge. Der Summer of Pioneers ist ein Modellversuch, von dem andere Regionen lernen können, z. B. zum Thema Coworking und Geschäftsmodelle: „Ist das vielleicht auch eine gesellschaftliche Aufgabe?“, fragt Fenske. „Muss vielleicht die Kommune das unterstützen, selbst wenn es nicht wirtschaftlich tragfähig ist. Wir in Wittenberge machen das, weil wir es als hilfreich für unsere hiesige Wirtschaft ansehen. Wir brauchen ein angenehmes Klima. Innenstadt ist vor allem Kultur. Eine tote Innenstadt ist auch eine tote Kultur!“  Inzwischen hat auch die Politik den Mut und Erfolg des kreativen Projektes gewürdigt. Es erhielt eine Anerkennung vom Bundesinnenministerium im Rahmen des Wettbewerbs „Menschen und Erfolge“. Die Stadt ist begeistert von den Ergebnissen und hat wegen weiterer Nachfragen von neuen Kreativen das Projekt um 6 Monate verlängert. Es läuft nun bis Juni 2020 und bekommt weitere Ableger – coronabedingt erst 2021. Dann soll das Coworking-Abenteuer im hessischen Homberg und in Altena in NRW nördlich von Lüdenscheidt weiter ziehen. Darüber hinaus soll das Format im Sommer 2021 auch in Westmecklenburg Station machen – bei den Kreativen von WIR BAUEN ZUKUNFT. Großartige Aussichten!

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PODCAST

 

Kreative Ideen für das Dorf: Rüterberg an der Elbgrenze in Mecklenburg

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Rüterberg hat eine besondere Geschichte: Zu DDR-Zeiten war der kleine Ort an der östlichen Elbgrenze komplett von Grenzanlagen umzäunt und nur über ein kleines Tor passierbar. Bis unerschrockene Bürger einen Tag vor dem Mauerfall am 8. November 1989 die „Dorfrepublik Rüterberg“ ausriefen. Seitdem hat sich einiges im Ort getan, dank kreativer Ideen engagierter Bürger.

Das umzäunte Dorf der DDR

Wegen seiner besonderen Lage hat Rüterberg Geschichte geschrieben. Zu DDR-Zeiten war der kleine Ort von der Außenwelt nahezu abgeschlossen. Die 140 Bewohner konnten nur durch ein Tor in die Außenwelt gelangen, zwischen 5 Uhr morgens und 23 Uhr abends. Nachts blieb das Tor geschlossen. Wer zu spät kam, musste außerhalb des Ortes übernachten. Tagsüber wurde das Tor von Grenzsoldaten streng bewacht. Passkontrollen waren für die Dorfbewohner allgegenwärtig. Besuch musste sechs Wochen vorher angemeldet werden. „Wenn ein Baby schneller auf die Welt kam als geplant, hatten die Eltern das Nachsehen. Sie mussten den Nachwuchs alleine feiern, weil die auswärtigen Gäste so kurzfristig keinen Passierschein bekamen“, erzählt Meinhard Schmechel. Er war von 1981 bis 2004 Bürgermeister von Rüterberg. Selbst bei Todesfällen blieb die Staatsmacht unbarmherzig. Sondergenehmigungen wurden nicht erteilt. So fiel der Kreis der Trauergemeinde in Rüterberg oft kleiner aus als anderswo im Land. 

  © Carola Borchers; Meinhard Schmechel im Interview

Dorfrepublik Rüterberg

„Ich konnte mir meinen Besuch immer aussuchen“, erinnert sich Schmechel augenzwinkernd. Mit Galgenhumor reagierten die Rüterberger häufig auf das abgeschiedene Leben an der Elbgrenze. Spontan passierte hier nichts. Manchmal blieb sogar tagsüber das Tor geschlossen, so dass die Rüterberger nicht pünktlich zur Arbeit kamen. Begründungen lieferte die Staatsmacht nie, Fragen war nicht erwünscht. Doch kurz vor dem Mauerfall wagten die Bürger den Aufstand. 

Wende

Am 8. November 1989 riefen die Rüterberger auf einer Einwohnerversammlung nach dem Vorschlag des Schneidermeisters Hans Rasenberger die „Dorfrepublik Rüterberg“ aus – nach dem Vorbild der Schweiz. Rasenberger hatte sich intensiv mit der Schweizer Geschichte und Verwaltung beschäftigt. Seit 1988 durfte er mit einer Sondergenehmigung Verwandte in Westdeutschland besuchen, reiste auch in die Schweiz und erfuhr dort im Umfeld der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag vom Rütlischwur. Langsam reifte der Plan, aus Rüterberg eine Dorfrepublik zu machen.  Auf der Einwohnerversammlung verteilte er ein Papier  und schlug darin vor, die Dorfrepublik als Urform der „Direkten Demokratie“ zum Modell für Rüterberg zu machen. So sollte die Basis dafür geschaffen werden,  dass sich die Rüterberger ihre eigenen Gesetze für ihr Dorf schaffen konnten. Die Bürger stimmten geschlossen zu. 

  © MassivKreativ: Elbblick vom Aussichtsturm

Erinnerungen

„Die Apparatschiks waren ziemlich irritiert und fragten einen Tag später – also am Tag des Mauerfalls am 9. November noch mal nach, ob das Ausrufen der „Dorfrepublik“ wirklich ernst gemeint gewesen sei,“ erinnert sich Meinhard Schmechel. „Kurios war, dass wir bereits am 10. November in den Westen reisen durften, aber nach Rüterberg noch immer kein Fremder hinein durfte.“ 

Der Titel „Dorfrepublik“ wurde später offiziell „genehmigt“. Am 14. Juli 1991 erteilte der Innenminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern der Gemeinde das Recht, die Bezeichnung „Dorfrepublik 1961–1989“ (ab 2001 „Dorfrepublik 1967–1989“) auf allen Ortsschildern als Zusatzbezeichnung zu führen. 100 Jugendliche aus 19 Nationen waren anwesend, als der Gemeinde die Urkunde überreicht wurde. Seit 21. Oktober 2002 heißt das Dorf wieder Rüterberg, das außergewöhnliche Schild steht noch immer am Eingang des Ortes. 

  © Uta Sander; Carmen M. Borchers  im Interview

Rüterberg heute

184 Einwohner leben heute in Rüterberg. 50% Einheimische und 50% Zugezogene, viele aus den alten Bundesländern. Beim Miteinander gibt es noch Luft nach oben, findet Carmen M. Borchers. Sie hat nach der Wende ein traditionelles Klinkerhaus in Rüterberg gekauft und ist quasi als Neubürgerin in den Ort gezogen. Zuvor hatte sie in Hamburg ein bewegtes Berufsleben geführt, war u. a. als Übersetzerin, interkulturelle Trainerin und Bildungscoach tätig. An den Wochenenden zog sie sich zum Auftanken nach Rüterberg zurück, bis sie ihr Domizil ganz nach Rüterberg verlegte.

  © Carmen M. Borchers: Produkte der Elbgoldmanufaktur   

Regionale Köstlichkeiten

Heute erfindet und vermarktet sie heute kleine Delikatessen aus der Natur. Ihre Elbgoldmanufaktur auf der rechten Seite der Klinkerstraße produziert aus eigener „Pflückung“ oder aus der Ernte der Nachbarn Marmeladen, Gelées, Chutneys, Essig-Essenzen, Öle, Liqueure, Kräutersalz und weitere Köstlichkeiten. Borchers sieht es als Hobby. Denn ein neues wichtiges Vorhaben im Ort fordert ihre Aufmerksamkeit. Aus der alten Schule bzw. dem ehemaligen Gasthaus soll ein neues Gemeinschaftshaus werden. 

   © Carmen M. Borchers: Gemeinschaftshaus Rüterberg 

Umnutzung der alten Schule

Gemeinsam mit etwa 50 weiteren MitstreiterInnen, unter ihnen auch Meinhard Schmechel, hat Carmen Borchers einen Verein gegründet, der das Projekt „Gemeinschaftshaus“ zur Chefsache erklärt hat. „Durch das Haus und das gemeinsame, schöpferische Tun sollen alte und neue Rüterberger enger zusammenwachsen“, wünscht sich Borchers, einen Treffpunkt und Raum für kreative Initiativen von und für die Dorfbewohner. Die örtlichen Vereine – Karneval-, Feuerwehr-, Bootsverein und der Förderverein der Tongrube (siehe Artikel unten) – hätten wieder die Möglichkeit, dort Treffen und Veranstaltungen durchzuführen.

Soziales Miteinander

Alle, die im Ort kreativ und kulturell tätig sind, könnten die Räume im Gemeinschaftshaus nutzen, um ihre Arbeiten zu präsentieren und Veranstaltungen, Lesungen, Literarische Salons, Kinovorführungen, Sportkurse und Treffen von Kreativgruppen anzubieten. Borchers fasst das Anliegen des Vereins so zusammen: „Wir glauben, dass wir durch ein Gemeinschaftshaus, an dem alle, Jung und Alt, Einheimische und Zugezogene, Kreative und handwerklich Tätige sich beteiligen können, damit der soziale Zusammenhalt und das Zusammenleben positiv befördert werden. Wir glauben, dass es einen „Ort für alle“ geben sollte, an dem durch ehrenamtliche Mitarbeit das „Gesicht des Dorfes“ noch ein anderes bzw. schöneres Profil bekommen könnte.“ 

  © Carmen M. Borchers: Heimatstube

Geschichte(n) in der Heimatstube

Auch ein kleines Heimatmuseum – die „Heimatstube“ –  soll wiederbelebt werden. Sie zeigt Alltagsgegenstände und historische Zeugnisse aus der Zeit der DDR. Das Museum kann aus Personalgründen im Moment nur stundenweise auf Anfrage geöffnet werden, z. B. wenn Schulkassen anfragen. Die jungen Besucher lauschen dann oft staunend den Zeitzeugen-Schilderungen von Meinhard Schmechel. Borchers hofft, dass das Museum bald aktualisiert werden kann, denn die neuere Geschichte von Rüterberg nach 1989 fehlt noch im Museum.

   © Carmen M. Borchers: Heimatstube 

Ein neues Gemeinschaftshaus 

Das neue Nutzungskonzept der Rüterberger liegt schon eine ganze Weile in der Stadtverwaltung von Dömitz. Zu lange, findet Schmechel. Die Ungeduld wächst, nicht nur bei ihm. Die Bürger stehen in den Startlöchern, um die alte Schule gemeinsam zu restaurieren und ihr als Gemeinschaftshaus neues Leben einzuhauchen. Doch die Stadt Dömitz braucht dringend Geld und würde das alte Haus am liebsten verkaufen. Die Rüterberger hingegen hoffen, dass sie ihr Gemeinschaftshaus mit eigenem Nutzungskonzept selbst verwalten und „bespielen“ dürfen. Eine Bearbeitung des Antrags der Rüterberger ist trotz Nachfrage der Rüterberger bislang in Dömitz nicht erfolgt. Der Ausgang ist im Juni 2018 noch offen …

  © Carmen M. Borchers: Gastronomie im Gemeinschaftshaus

   © Carmen M. Borchers: Gastronomie im Gemeinschaftshaus

Sanfter Tourismus  

Viele Rüterberger hoffen, dass sich auch ein neuer, motivierter Pächter für das Gasthaus und die vier Zimmer findet, die ebenfalls in der alten Schule ansässig sind. Eine gut gehende Gastronomie mit Herz ist wichtig! Ziel ist für Rüterberg ein maßvoller Tourismus, der den Charme und die Idylle im Ort bewahrt. Manche wollen einfach nur ihre Ruhe, weiß Borchers. Doch Meinhard Schmechel berichtet: „Schon heute radeln im Sommer zwischen 400 und 500 Besucher durch den Ort. Die Gäste bewundern die einzigartige Natur an der Elbe und würden sich freuen, wenn sie hier auch eine Kleinigkeit essen oder trinken und vielleicht über Nacht bleiben könnten“, sagt Borchers. 

  © Carmen M. Borchers: Kunst aus der Natur

  © Carmen M. Borchers: Kunst aus der Natur

Kunst und Kreatives  

Zu Pfingsten öffnet Carmen M. Borchers ihr Haus für Kunst offen. Sie lädt Künstler in ihr hübsches Klinkerhaus ein, die den Besucher ihre Werke zeigen und über ihr kreatives Schaffen Auskunft geben: „Auf Augenhöhe, ganz unakademisch, so als würde man mit einem Freund oder einer Freundin plaudern“, erzählt Borchers. Fragen sind ausdrücklich erwünscht. So können sich nicht nur Kontakte zwischen Künstlern und Besuchern entwickeln, sondern auch zwischen den Bewohnern  untereinander. Diese Chance könnten die Rüterberger noch stärker nutzen, findet Borchers. Ihr Haus stehe jederzeit offen, bekräftigt sie.  

  © Carmen M. Borchers

Tongrube

Ein idyllisches Refugium für Naturliebhaber ist die ehemalige Tongrube am linken Ortseingang von Rüterberg. Wo früher Ton für das Klinkerwerk gewonnen wurde, hat sich über die Jahre ein kleiner See gebildet, der von den Rüterbergern gerne zum Baden genutzt wird. Der Förderverein Naturschutz Elbetal e.V. hat einen Natur-Erlebnispfad angelegt und mit Informationstafeln versehen.

Rüterberg ist ein Traum für Naturliebhaber und Ausgangspunkt für den Sprung über die Elbe ins Wendland. Den haben schon die Ahnen von Rüterberg gewagt. Das Wappen von Rüterberg zeigt einen Ritter, der einst vom Rüterberg mit seinem Pferd hinüber gesprungen sein soll, um Rüterberg von Räubern zu befreien. Heute kann der Sprung über die Elbe völlig zweckfrei unternommen werden … 

PODCAST-INTERVIEW

Kreative Ideen für das Dorf Rüterberg an der Elbgrenze in Mecklenburg


Neue Lebenswelten: Das Dorf ist kreativ und innovativ

 © Rainer Sturm, Pixelio.de 

Was früher Bürde und Einengung war, gilt heute als neuer Freiraum und Luxus: das Leben auf dem Lande. Immer mehr Menschen kehren dem urbanen Leben bewusst den Rücken. Meine Verlagskollegin Corinna Hesse ist 2010 von Hamburg ins mecklenburgische Tüschow umgezogen, ein winziges Örtchen mit 12 Häusern im Altkreis Ludwigslust. Seitdem genießt sie die Idylle und nutzt den Freiraum, das Dorfleben aktiv und kreativ zu gestalten. Ein Gastbeitrag von Corinna Hesse.

Vom Potenzial ländlicher Räume

Der digitale Wandel bringt es mit sich, dass Menschen dort arbeiten können, wo sie leben möchten – und nicht umgekehrt. Tüschow ist für mich der schönste Ort der Welt. Ein Paradies am Naturschutzgebiet Schaalelauf, mit totaler Stille und üppigstem Sternenhimmel. Ein Dorf mit 28 Einwohnern und einem schmucken Herrenhaus. Die Internetleistung ist passabel, naja: ausbaufähig. Im Mobilfunknetz ist allerdings noch sehr viel Luft nach oben. Die „Kreativquote“ ist dennoch hoch: 21% der Einwohner arbeiten in kreativen Berufen, selbständig oder als Kleinunternehmer. Mein Mann als Musikjournalist und ich als Kultur-Verlegerin sind zwei davon. Alle Kreativen hier sind Stadtflüchtige. Sie verbinden den Wunsch nach einer (für sie selbst) sinnstiftenden beruflichen Tätigkeit mit einer neuen Idee von Lebensqualität – der Idee, dass der Mensch vielleicht doch nachhaltig in Einklang mit der Natur leben kann anstatt die Ressourcen unseres Planeten dauerhaft zu zerstören.

 Herrenhaus Tüschow © kallebu

Verändern oder Bewahren

Die Erkenntnis wächst in Politik und Verwaltung, dass in der kreativen Gestaltung des Wandels in ländlichen Räumen ein riesiges Potenzial liegt. Natürlich sind die Beharrungskräfte in einem Dorf stark: Es gibt auch Bewohner, die sich nach den „guten alten Zeiten“ zurücksehnen. Doch der Wandel ist längst da und lässt sich nicht aufhalten. Also: Wollen wir ihn aktiv gestalten oder lassen wir uns von der digitalen, globalisierten Welt überrollen? Zum Wandel gehört auch, dass wir uns überlegen, was wir bewahren wollen. Was uns etwas „wert“ ist. Und vielleicht ist Beharrungsvermögen manchmal auch ganz gut und das Neue nicht um jeden Preis besser als das Alte? 

  Solardächer sind auch in Dörfern längst selbstverständlich, wie auf dem Passivhaus von Corinna Hesse. © kallebu

peer to peer: voneinander lernen

Alteingesessene und Zugezogene lernen hier viel voneinander. Ich zum Beispiel bewundere die Alt-Tüschowaner für ihre handwerklichen und gärtnerischen Fähigkeiten. Und von uns Kreativen lernen die Alt-Tüschowaner vielleicht, dass Innovationen durchaus ihren Reiz haben, wenn man sie selbst gestalten kann. Es ist extrem spannend zu beobachten, wie produktiv das freundschaftliche Zusammenspiel der heterogen Sozialisierten im engen Radius eines Dorfes wirken kann.

 © Jerzy Sawluk, Pixelio.de 

Hilfe zur Selbsthilfe: bürgerschaftliches Engagement

Wir müssen uns von der Idee verabschieden, dass der Staat eine Full-Service-Agentur ist. Das brauchen wir nicht, aber wir brauchen auch keine Bevormundung und schablonenhaft fixierte Entwicklungskonzepte. Die Dorfbewohner in Tüschow sind stolz auf ihre gestalterischen Kompetenzen: Mit vereinter Kraft haben sie nach der Wende eine Brücke über die Schaale gebaut, die lächerlich wenig gekostet hat. Obwohl „unsere“ Brücke sicherlich noch viele Jahrzehnte halten wird, wäre diese Art der bürgerschaftlichen Selbsthilfe heute nicht mehr möglich. Sicherheitsvorschriften, Bauauflagen…

Experimentierfeld für kreative Raumpioniere

Mein Vorschlag für eine kreative Regionalentwicklung wäre, mehr Freiräume für die Gestaltungskraft der Einwohner zu schaffen und kreative Raumpioniere mehr zu unterstützen. Vorbild für eine neue Art von regionaler Verwaltung ist der Gärtner: Er sorgt für guten Boden und ausreichend Wasser. Aber das Wachsen überlässt er den Pflanzen selbst. Wachstum lässt sich nicht erzwingen. Und Überdüngung führt selten zu nachhaltigem Erfolg. In der Natur gibt es kein ewiges Wachstum, nur ewige Wandlung. Aber wenn wir uns vom Paradigma des ewigen Wachstums endlich verabschieden, können wir das Dorf zu einem Experimentierfeld machen, um herauszufinden, was das Leben lebenswert macht.

  © Rainer Sturm, Pixelio.de 

Plädoyer fürs Dorf: Vorzüge realer Realitäten

Für mich persönlich war der größte „Verlust“ im Dorfleben übrigens nicht, dass man hier nicht asiatisch Essengehen kann oder das nächste Kino weit weg ist. Eine sonnenwarm gepflückte, vollreife Erdbeere hat die Aromen derart optimiert, dass Sterneköche vor Neid erblassen. Und das abendliche künstlerische Lichtspiel im tausendfach variierten Grün und die jahreszeitlich wechselnden Duftkulissen im Garten fluten die Sinne, so dass ich die „reale“ Realität der virtuellen allemal vorziehe. Nein, der größte Verlust war, dass vor drei Jahren die Nachtigall ausblieb, die uns die ersten Frühlinge hier in Tüschow mit ihrem bezaubernden Gesang verwöhnt hat. Die industrielle Landwirtschaft forderte ihren Tribut. In der Stadt hätte man es vielleicht nicht mal bemerkt.

 © kallebu 

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Corinna Hesse ist geschäftsführende Mitgesellschafterin im Silberfuchs-Verlag und setzt sich als Sprecherin der Kreative MV – dem Netzwerk für Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern – und Vorstandsmitglied der Kreative Deutschland – Bundesverband für Kultur- und Kreativwirtschaft – in zahlreichen Projekten für die kreative Gestaltung des ländlichen Raums ein. Sie ist Pionier einer Neuen Ländlichkeit.

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Weiterführende Informationen in diesem Artikel: 

Kreative als Atemspender für ländliche Regionen – Wettbewerb für soziale Innovationen in ländlichen Räumen in Mecklenburg-Vorpommern „Kreative für MV – MV für Kreative“ (2017-2019)