Aufbruch bei der Otto Group: Kulturwandel und digitale Transformation

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„Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein Prozess“. Diesen Satz hört man in der Otto Group immer wieder. Und: „Digitale Transformation geht nicht ohne Kulturwandel“. Den ersten sichtbaren Schritt ist das Unternehmen nun mit Collabor8 gegangen, einem neuen multifunktionalen Coworking Space für Mitarbeiter und zukünftig vielleicht auch für kreative Köpfe von außen.

Der Mensch im Mittelpunkt

Menschenorientierung: Das ist der Otto Group seit seiner Gründung 1949 in Hamburg wichtig. Auch wenn der Markt im Kerngeschäft von Otto, eCommerce, Finanzdienstleistungen und Serviceangeboten Logistik und Reise, härter geworden ist, die Mitarbeiter bleiben im Fokus der Unternehmenspolitik, etwa 4.000 Mitarbeiter in der Unternehmenszentrale in Hamburg und etwa 50.000 Mitarbeiter weltweit. Jeder im Team sorgt mit seinen Kompetenzen und Ideen dafür, dass Otto weiterhin erfolgreich agieren kann. Damit jeder den Prozess der Digitalisierung versteht, muss jeder Mitarbeiter auf dem Weg der Veränderungen mitgenommen werden. 2016 hat die Otto Group einen Kulturwandel eingeläutet. Kommunikation läuft jetzt auf Augenhöhe, nicht zuletzt mit dem direkten Gespräch „per Du“. Ein Angebot und Vorschlag, kein Zwang. Die Mitarbeiter berichten von mehr Transparenz. Regelmäßig informiert die Unternehmensleitung, was in Strategie- und Betriebsversammlungen diskutiert und beschlossen wird. Am Wandel ist das gesamte Personal beteiligt. Jeder, der mag, kann sich einbringen, wird nach seiner Meinung gefragt. Digitalisierung lässt sich nur realisieren, wenn alle im Unternehmen mitziehen.

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Mitgestaltung erwünscht

Teilhabe ist ein entscheidendes und richtungsweisendes Mittel für den Kulturwandel bei Otto. Gelebt wird er schon seit längerem in divers besetzten Seminaren und Workshops, quer durch alle Hierarchien, Abteilungen, Altersgruppen, Geschlechter und Nationalitäten. Jetzt kommt ein neuer Ort des offenen Dialogs hinzu. Damit sich die Mitarbeiter besser vernetzen, sich über Ideen und Strategien austauschen können, hat Benjamin Otto, Enkel des Unternehmensgründers Werner Otto und als gestaltender Gesellschafter treibende Kraft für die digitale Transformation, die Einrichtung eines Coworking Spaces initiiert. In nur drei Monaten wurde die obere Etage im 8. Stock eines älteren Fabrikgebäude zu einem Ort für kollaboratives Arbeiten umgestaltet.

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Welche Anforderungen soll der Raum erfüllen, welche Bedarfe gibt es für die Nutzung? Verschiedene Abteilungen und Teams haben hunderte Ideen und Vorschläge eingereicht – „in einer bemerkenswerten Qualität“, wie der David Einsiedler, Geschäftsführer vom ausführenden Gestaltungsbüro PLY – unestablished furniture betont. Auch den Namen für die neue Coworking-Fläche hat ein Mitarbeiter vorgeschlagen: „Collabor8“. Das Thema Nachhaltigkeit bei der Umgestaltung zu berücksichtigen, war ein übergreifender Wunsch im Unternehmen. David Einsiedler und das PLY-Team haben daher Upcycling-Aspekte mit einbezogen, älteres Mobiliar genutzt, Industrielampen umgestaltet und schon vorhandene Lichtquellen mit LEDs umgerüstet. Collabor8 ist ein innovativer Ort des Aufbruchs in einem architektonischen Ensemble, das vor gut 50 Jahren entstand und daher schon etwas Patina angesetzt hat. Schritt für Schritt wird das Otto-Gelände aufgefrischt: mit einem bepflanzten Boulevard, einem neuem Fitnessstudio, mit neuen Toiletten, Bistro, Kantine und dem neuem Coworking-Space.

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Effekte von Coworking

„Collabor8“, die Freifläche auf etwa zweieinhalb Fußballfeldern (1700 qm), soll bei Otto das vernetzte Denken beflügeln, „Schnittstellen schaffen“, wie Gesa Heinrichs sagt, die federführende Direktorin des Facility-Managements. Benjamin Otto beschreibt es so: „Collabor8 bietet Raum für Potentialentfaltung und Lebensfreude, Innovation und Kreativität, Flexibilität und Vielfalt.“ Im Zentrum haben die Planer bewusst eine Arena platziert – mit einer Café-Bar gleich nebenan für das Kennenlernen, Aufeinandertreffen, den  lebendigen Austausch. Größere Loungeflächen mit variablen Tischen (Flex-Bench) und Meetingbereichen laden zum Dialog ein, während Telefonboxen, Bibliothek und gläserne Büros Rückzugsorte bieten. Freie Sichtachsen ermöglichen neue Perspektiven und Horizonterweiterung

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Mehrwerte schaffen

Im Zuge des Kulturwandels wächst auch das Bewusstsein für immaterielle Werte. Benjamin Otto glaubt, dass sie bei der Digitalisierung immer wichtiger werden. „Es geht einem Programmierer nicht nur um seine Bezahlung“, sagt Otto. „Es geht ihm auch um zwischenmenschliche Werte: Ob er Spaß hat an seinem Job, ob er hier gewisse Vorzüge hat, die er in einem anderen Unternehmen nicht hätte.“ Mit Mehrwerten will Otto die Mitarbeiter beflügeln und damit zugleich die digitale Transformation des Unternehmens. Qualität statt Quantität, nachhaltige Effektivität statt blinder Effizienz. Schon Albert Einstein bemerkte: „Nicht alles, was zählt, kann man zählen, und nicht alles, was man zählen kann, zählt.“ Gesundheit und Wohlbefinden, Wertschätzung und soziale Bindung, Vertrauen und Selbstwirksamkeit. Und ebenso Anregungen von außen. So entstanden Startups wie Collins bzw. die Mode-Marken About you und Edited. „Ist Otto auch offen für Impulse von Künstlern, Vor- und Querdenkern?“ frage ich Benjamin Otto. „Absolut ja, weil sie das gesamte Ökosystem in Wallung bringen können.“ sagt er. „Ich glaube, durch Flächen wie Collabor8 schaffen wir auch Raum für solche Menschen. Wir können mit ganz vielen Einzelinitiativen und Impulsen zum Ziel kommen.“

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Mehr zum Thema Kulturwandel bei der Otto Group: Was sich in der Unternehmenskultur von Steinen lernen lässt … 

Smart City und Kreativwirtschaft: Wem gehört die Stadt?

Smart City_Infogram_Antje© Antje Hinz, MassivKreativ

Smart City: Ist es die große Verheißung, die Politik und Verwaltung in den Großstädten vollmundig verkünden? Oder ist es eher ein Marketing-Tool für IT-Unternehmen, die ein neues big business auf den Weg bringen wollen? Dieser Hintergrundbericht klärt am Beispiel der Hansestadt Hamburg auf.

Mindestens 28 Megacities gibt es aktuell mit mehr als 10 Millionen Einwohnern. 2030 sollen es schon 40 Megacities sein. 2050 werden fast zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Dies stellt die Gesellschaften vor große Herausforderungen. Smart City soll darauf Antworten finden, das Leben in der Großstadt effizienter, grüner und sozial inklusiver gestalten, digitalisiert, technologisch, fortschrittlich.

Doch „smart“ ist ein ambivalenter Begriff, der doppeldeutig übersetzt und umschrieben werden kann. Im positiven Sinn bedeutet er: elegant, intelligent, clever, schlau, klug, pfiffig, gescheit, adrett, gepflegt, schick, modisch, aufgeweckt, tüchtig, gewandt, flink, schnittig, munter. Andere Übersetzungen zeigen die Kehrseite der Medaille: gerissen, listig, durchtrieben, mit dem Zusatz to (smart): brennend, schmerzend.

438173_web_R_K_B_by_Jürgen Nießen_pixelio.de438175_web_R_K_B_by_Jürgen Nießen_pixelio.de © Jürgen Nießen, pixelio.de

Smart City als Weltverbesserin

Smart City ist ein diffuser und inflationär gebrauchter Sammelbegriff für verschiedene digitale, urbane Entwicklungskonzepte, die im Wesentlichen diese Bereiche berühren:

  • Verkehr bzw. intermodale Mobilität, der Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln (Smart Mobility)
  • Gesundheit und Leben (Smart Health and Living)
  • Bildung (Smart Education)
  • Wirtschaft (Smart Economy)
  • Verwaltung (Smart Governance)
  • Umwelt (Smart Environment)
  • Bevölkerung (Smart People)

Smarte Dienstleitungen

Die Hansestadt Hamburg lässt noch weitgehend offen, wie die Smart City einmal aussehen soll. Sie nennt auf der eigens eingerichteten Website  hamburg.de/smart-city/ im Wesentlichen sechs Bereiche: Hafen (smartPORT), Verkehr sowie Bürgerdienstleistungen, wie Mobilität, Gesundheit und Bildung. Im Begleittext heißt es:

„Die Smart City, also die vernetzte und kluge Stadt, verbessert die Lebensqualität der Menschen durch intelligente, innovative Infrastrukturen, die helfen, Mobilität effizienter zu machen, Ressourcen zu schonen und negative Umwelteinflüsse zu reduzieren. Sensorik und Informationstechnologien werden dabei zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen … Wir müssen Antworten auf die Fragen nach Mobilität, öffentlicher Infrastruktur, Service, Energieverbrauch, Schadstoffausstoß und Lebensqualität finden. Dieser Prozess ist in vollem Gange. Politik ist aktiv eingebunden und hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen.“

FabLab HH_02_Antje © MassivKreativ

Kritisches Hinterfragen

Ob die Smart City tatsächlich im Sinne und zum Wohle der Bürger zu einer „lebenswerten Metropole“ wird, besagt der schwammige Begriff allein nicht. Das Großprojekt „Smart City“ lässt sich erst beurteilen, wenn feststeht, wieviel die Stadt für ihre Bürger investieren will, wie gut sie dabei ihre vorhandenen Ressourcen nutzt und wie sich die Zivilgesellschaft einbringen kann. Greifen die Initiatoren die Fragen und Probleme der Bürger tatsächlich auf? Und mit wem kooperiert die Stadt? Nur wenn das Beziehungsgeflecht zwischen Bürgern, Politik, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft wirklich kooperativ und transparent ist, kann sich das Potential der Smart City zum Wohle der Zivilgesellschaft entfalten.

Partnerschaft zwischen Hamburg und Cisco

Am 30. April 2014 hat die Stadt Hamburg für die Dauer von vier Jahren ein „Smart City Memorandum of Understanding (MoU) mit Cisco geschlossen, mit dem das Pilotprojekt zunächst gestartet wurde und an dem weitere assoziierte Partner beteiligt sind: z. B. AGT International, avodaq, InnoTec Data, Philips, Streetline, T-Systems und Worldsensing.

Das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen Cisco wurde 1984 in San Francisco von einer Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford University gegründet – mit dem Ziel, die Vernetzung von Computern zu vereinfachen und sie effektiver zu nutzen. Heute entwickelt und handelt Cisco in erster Linie Internet-Router und IT-Switches, um zwischen verschiedenen Computer-Hardwaregeräten zu wechseln. Seit seiner Gründung hat Cisco über 160 andere Unternehmen gekauft und integriert und gehört damit zu den Marktführern weltweit. In Deutschland beschäftigt Cisco 850 Mitarbeiter an acht vorwiegend großstädtischen Standorten.

Datensicherheit

Im Januar 2014, also drei Monate vor Vertragsschluss zwischen Hamburg und Cisco, hatte das Online-Portal heise Security aufgedeckt, dass in den Routern von Cisco eine sogenannte „Backdoor“ eingebaut worden war. Sie ermöglicht es Internetdienstanbietern (ISP) sowie externen Dritten, sämtliche Konfigurationsdaten des Routers auszulesen und zu manipulieren, u. a. auch Passwörter für den Administratorzugang des Routers, für WLAN, DSL-Zugang, Proxy-Server usw. Möglich macht dies ein undokumentierter Dienst, der direkt in die Router-Software integriert ist. heise Security deckte auf, dass es damit möglich sei, den gesamten Datenverkehr des Routers umzuleiten und vollständig zu überwachen.

Welcher Partner ist empfehlenswert?

Der Exkurs zum Thema Cisco ist aufschlussreich: Sind die Stadtväter in Anbetracht der Fakten sorglos, ahnungslos, ignorant? Trauen sie keinem anderen, lokalen Unternehmen zu, das Großprojekt Smart City vertrauenswürdig zu stemmen? Wäre es nicht ohnehin sinnvoller, wenn die Hansestadt einen unabhängigen, regionalen Partner mit Investitionen unterstützen würde?

Finanzielle Budgets werden derzeit noch nicht bewegt. Doch Cisco und weitere multinationale Konzerne, wie IBM, Siemens und Co., wittern in der Zukunft große Geschäfte und wollen sich zumindest in Stellung bringen. Und Hamburg? Die Hansestadt will auf jeden Fall im internationalen Vergleich mithalten und mitspielen – in der Riege der anderen Smart Cities, wie z. B. New York, Rio de Janeiro, Barcelona, das koreanische Songdo und die Ökostadt Masdar in Abu Dhabi. Indien hat angekündigt, in den nächsten Jahren 100 Smart Cities bauen zu wollen. In Deutschland rührt der Bundesverband Smart City e.V. die Werbetrommel, die sich als „Plattform für Smart City Experten“ und als „Unternehmensschaufenster“ versteht und für den Austausch untereinander verschiedene smarte Gruppen bietet.

Versprechen der Stadt

Die Stadt Hamburg wirbt für das Projekt mit smarten Worten. Bürgermeister Olaf Scholz kündigt eine „Verbindung von technologischem und sozialen Fortschritt“ an. Wirtschaftssenator Frank Horch versichert: „Die künftigen Möglichkeiten durch die Vernetzung von Menschen, Prozessen, Daten und Objekten werden nicht nur Städte und Kommunen in ihrer Entwicklung nach vorn bringen, sondern auch den Bürgern mehr Komfort und damit Lebensqualität bieten. Unsere Verantwortung ist es, durch entsprechende Rahmenbedingungen diese Entwicklungen in die richtigen Bahnen zu lenken, damit Chancen genutzt und Herausforderungen bewältigt werden.“

  © Midas Kempcke, MassivKreativ

Menschen oder Technologie?

Smart City habe eine „verführerische“ und „erzählerische“ Komponente, sagt Charles Landry, Stadtforscher und Autor der Publikationen The Art of City Making und The Digitized City. Die Digitalisierung bringe Befreiung und Einschränkung zugleich. Der digitale Wandel habe das Konzept von Raum und Zeit tiefgreifend verändert, das „Hier- und Dort-Phänomen“ hervorgebracht, virtuell jederzeit und überall sein zu können. „Die Welt ist aufregender, aber auch invasiver geworden, der Druck ist enorm“, konstatiert Landry beim Forum d’Avignon Ruhr 2016 in Essen.

Die aktuellen Transformationen seien tiefgreifender als bei der letzten industriellen Revolution. „Geht es beim digitalen Wandel um den Menschen oder die Technologie?“, hinterfragt Landry. Damit die Smart City eine kreative und intelligente Stadt für die Menschen sein kann, brauche es mindestens fünf Kriterien, sagt der Brite.

  1. Verankerung: Menschen brauchen Heimat, Identität, Erbe und Tradition
  2. Verbindung: Menschen mögen sozialen Austausch und Netzwerke
  3. Möglichkeiten: Menschen wollen sich beteiligen, denken, planen und handeln
  4. Lernen: Menschen schätzen es, durch Herausforderungen zu wachsen
  5. Inspiration: Menschen wünschen sich neue Impulse und Anregungen

Smart City und Kreativwirtschaft

Nur wenn diese Bedürfnisse berücksichtigt werden, kann der urbane Raum mit Kreativität und Leben gefüllt werden, mit sozialem Austausch und starken Geschichten. Akteure der Kultur- und Kreativwirtschaft sind gefordert: Sie müssen das Wort ergreifen und die richtigen Fragen stellen: Wie wollen wir in Zukunft leben? 

Das weite Feld der Smart City darf nicht nur kommerziellen Anbietern überlassen werden. Stadtentwickler und Architekten sollten bei ihren Planungen auf Vielfalt und Lebensqualität (Umwelt!) achten und auf gemischte Nutzungskonzepte (Wohnen, Arbeiten, soziale udn kulturelle Durchmischung). Welchen wertsteigernden Einfluss haben Kreativschaffende auf die Stadtrendite? Wie profitieren andere Wirtschaftsbranchen, z. B. Immobilien, Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel, Nahverkehr – in ihrer Wertschöpfung von der Kultur- und Kreativwirtschaft?
Wer hat Anspruch auf die Nutzung öffentlicher Räume und Werbeflächen (Fassaden)? Stadtverwaltungen und Eventplaner müssen dabei neben gewerblichen auch nichtkommerzielle Anbieter berücksichtigen, damit der Austausch zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Netzwerken im Fluss bleibt. Ebenso müssen Medien und Werbeagenturen auf einen ausgewogenen Mix achten. Denn: Monokulturell und monopolistisch betriebene Städte verlieren rasch an Reiz. Bürger könnten in andere Städte abwandern, Touristen anderswo hinreisen. Ohne Arbeitskräfte und kreative Menschen müssen Unternehmen ihre Standorte verlegen, Investoren würden sich umorientieren.    

Weitere Tipps:

Chirine Etezadzadeh: Smart City – Stadt der Zukunft?: Die Smart City 2.0 als lebenswerte Stadt und Zukunftsmarkt. Springer Vieweg Fachmedien, Wiesbaden 2015.

Smart Cities: Deutsche Hochtechnologie für die Stadt der Zukunft, hg. von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Springer Heidelberg/Berlin 2011.

Charles Landry: The Digitized City, 2016.

Charles Landry: The Art of City Making, 2006.

Charles Landry: The Creative City: A Toolkit for Urban Innovators. 2000.

Anthony M. Townsend: Smart Cities – Big data, civic hackers and the quest for new utopia. Norton, New York / London 2014. 978-0-393-34978-8.

Renata Paola Dameri, Camille Rosenthal-Sabroux (Hg.): Smart City – How to Create Public and Economic Value with High Technology in Urban Space.

Film: Über die Bedeutung von Städten https://www.youtube.com/watch?v=1rXeJO7Q0gc – Urban Thinkers Campus in Mannheim

Rundum-Sorglos-Pakete mit mehr Kundenservice

415692_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio.de

Wer neue Märkte erobern will, sollte nicht nur seine Produkte erweitern, sondern den Service gleich mitdenken. Im Trend liegen Rundum-Sorglos-Pakete und individualisierte Angebote, die den Kunden zum König machen. Wer die Bedürfnisse seiner Käufer im Blick hat und ihre speziellen Wünsche berücksichtigt, verschafft sich Luft gegenüber Konkurrenten.

Der Ditzinger Konzern Trumpf liefert Baumaschinen und die passende Software gleich mit dazu sowie Kurse für die richtige Bedienung. Alles aus einer Hand zu erhalten, ist zeitsparend, effizient und nachhaltig. Es sichert Kundenbindung und Vertrauen. Es muss nicht immer um Produkte oder Technik gehen. Manchmal ist es sinnvoll, gezielt den Kundenservice in den Fokus zu nehmen und das Ohr ganz dicht an den Vorstellungen oder den Problemen der Nutzer und Käufer zu haben.

MyBoshi: Stricken und Häkeln in der Community
Dass sich Kunden neben Produkten auch Service wünschen, haben Thomas Jaenisch und Felix Rohland aus dem oberfränkischen Hof schnell verstanden. Beim Skilaufen in Japan kam den beiden Freuden 2009 die Idee, trendige Mützen zu häkeln, japanisch: Boshi. Zunächst häkelten sie selbst. Die Nachfrage nach individuell gestalteten Modellen wurde so groß, dass sie sich Unterstützung suchen mussten. Sie fragten die, die sich mit dem Häkeln naturgemäß auskennen: Omas. Heute beschäftigen die Jungunternehmer etwa 30 Renterinnen, die sich so ihre Pension aufstocken. 80.000 Mützen haben die MyBoshi-Gründer bislang verkauft.

677552_web_R_K_B_by_Petra Bork_pixelio.de © Petra Bork, Pixelio.de

Neben gestrickten und gehäkelten Mützen bieten sie auch Schals, Taschen und Deko-Artikel an sowie – wegen wachsender Nachfrage nach Material und Designs – inzwischen auch Komplett-Sets: Wolle, Häkelnadeln, Anleitungen. Geliefert wird in 15 verschiedene Länder. Die anfängliche Geschäftsidee des Mützenverkaufs erweiterte sich in eine Do-It-Yourself-Ideenplattform rund ums Häkeln und Stricken. Grundanleitungen werden auf der Website gratis geliefert, auf youtube gibt es kleine Film-Tutorials. Für weitere Details werden Bücher verkauft, sogar in verschiedenen Sprachen. Prominente zeigen sich auf der Website und in sozialen Netzwerken gern mit den trendigen Kopfbedeckungen. Empfehlungsmarketing wie man es sich kaum besser wünscht.
Was lässt sich davon lernen? Es ist ratsam, den Service vom Anfang bis zum Ende zu denken.

682496_web_R_K_B_by_Dirk Kruse_pixelio.de © Dirk Kruse, Pixelio.de

Individualisierung des Konsums

Die Akteure der Do-it-yourself- und Makerspace-Kultur gehen direkt auf individuelle Wünsche der Community ein. Mit einem 3D-Drucker zaubert funky3Dfaces ein dreidimensionales Abbild des eigenen Kopfes für die Lego-Figur und  Namensschriftzüge werden in Fruchtgummimasse verewigt. Jeder erhält genau das, was er sich wünscht. Mit dieser Idee sind einst auch die Macher von MyMuesli angetreten. Kunden können sich die einzelnen Zutaten für ihre Müsli-Kreationen individuell und portionsweise zusammenstellen. Das einstige Start-Up, das 2007 von drei Studenten gegründet wurde, beschäftigt heute bereits mehr als 300 Mitarbeiter, davon rund 150 Mitarbeiter in Passau und Umgebung.

mymuesli.de_DieJungs© mymuesli.com die Gründer (v.l.): Philipp Kraiss, Max Wittrock und Hubertus Bessau

Sichtbarkeit für Kundenservice

Im Rahmen von BRENNEREI next generation lab sind es junge Absolventen, die frischen Wind in unternehmerische Fragen bringen. Das Stipendiatenprogramm der Wirtschaftsförderung Bremen ist ein Think Tank. Er bringt Wirtschaft und Kreative zusammen. Die Firma HEC Software z. B. wollte herausfinden, wie sie ihren Dienstleistungen für IT- und Softwarelösungen mehr Sichtbarkeit beim Kunden geben kann.

In den kreativen Prozess wurden Angestellte und Geschäftsleitung einbezogen und ausführlich befragt. Die SWOT-Analyse (Strengths=Stärken/ Weaknesses=Schwächen, Opportunities = Chancen, Threats=Gefahren) brachte wichtige rationale Erkenntnisse, weitere kreative Methoden rückten emotionale Aspekte in den Mittelpunkt. Das interdisziplinäre Team aus Autoren, Grafikern, Psychologen und Kommunikationsdesignern gab didaktische Hinweise, wie die Softwarefirma ihre Kompetenzen und Unternehmenswerte klarer formulieren sollte und entwickelte ideenreiches Material für die Außendarstellung.

Produktrückruf_Antje Hinz365766_web_R_K_B_by_Kurt Michel_pixelio.de © links: MassivKreativ, rechts: Kurt Michel, Pixelio.de

Krisenmanagement bei Rückrufaktionen
In einem anderen Projekt der BRENNEREI haben Stipendiaten das Thema Verbraucherschutz bearbeitet. Ziel war es, bei einem Produktrückruf die Kommunikation zwischen Unternehmen, Verbrauchern und Behörden zu verbessern. In Kooperation mit dem Software-Unternehmen „consider it GmbH“ wurde der Prototyp für eine übergreifende Internet-Plattform entwickelt, um einen informativen und hilfreichen Austausch zwischen Herstellern und Konsumenten zu ermöglichen. Als praktische Gebrauchsanleitung produzierten die Stipendiaten einen Erklärtrickfilm.

Inspirationstipps:

MyBoshi: Do-It-Yourself Ideenshop rund ums Häkeln und Stricken

MyMuesli: Unternehmensgeschichte – Wie alles begann

● Das BRENNEREI next generation lab ist ein Stipendiatenprogramm der WFB Wirtschaftsförderung Bremen. Kreative Nachwuchskräfte erarbeiten unter Anleitung von Experten und im Dialog mit ihren Auftraggebern aus der Wirtschaft oder öffentlichen Einrichtungen Grundlagen für neue unternehmerische Ansätze.

Arbeit als Spiel: Gamification für die Industrie

IndustryGamification-MVM3 © Centigrade GmbH

Jörg Niesenhaus ist „User Experience Engineer“ und damit Experte für Interaktionen zwischen Maschine und Mensch. Er ist außerdem Leiter des Standorts Mülheim beim Unternehmen „Centigrade“ und sorgt mit seinem Team für ein übersichtliches Schnittstellendesign an Maschinen und technischen Geräten und für benutzerfreundliche Interaktionsformen.

Routinen durchrechen

Niesenhaus plädiert dafür, mehr spielerische Elemente (Gamification) in den Arbeitsalltag einzubeziehen. So lassen sich z.B. die Motivation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern, vor allem bei eintönigen Routinevorgängen. Um Abläufe greifbarer zu machen und zu visualisieren, nutzen er und seine Kollegen auch schon mal Legosteine bzw. -Figuren und simulieren damit Szenarien aus der Arbeitswelt der Industrie. Wird Gamification richtig eingesetzt, können Prozesse effizienter ablaufen.

IndustryGamification-ProductionStation IndustryGamification-ProductionStation5 © Centigrade GmbH: Prozess-Simulationen mit Lego

Erfahrungen aus der Gamesbranche

Vor seiner Zeit bei Centigrade war Jörg Niesenhaus 11 Jahre lang in der Spieleindustrie tätig, u. a. bei den Firmen Blue Byte, Similis und Ubisoft. Auch an der Universität Duisburg-Essen setzte er sich in der Forschungsgruppe Interaktive Systeme und Interaktionsdesign mit digitalen Spielen auseinander und beschäftigte sich mit Fragestellungen aus dem Bereich Mensch-Maschine-Interaktion und Usability Engineering.

IndustryGamification-LoadingStation IndustryGamification-TeamScore2 © Centigrade GmbH

Maschine motiviert Mensch

Jörg Niesenhaus leitet für die IT-Firma Centigrade den Standort in Mülheim. Sie hat ihren Sitz in der „Games Factory Ruhr“ – seit 2009 Kompetenzzentrum und Treffpunkt für die Gamesbranche. Ich habe mit Jörg Niesenhaus ausführlich über das Thema Gamification gesprochen und darüber was seine Firma „Centigrade“ erforscht und woran sie aktuell arbeitet. Im Interviews geht es u. a. um das kollektive Computerspiel Foldit, das Wissenschaftlern bei der Optimierung von Proteinen helfen soll. Mehr zum Thema auch im Blogartikel von Jörg Niesenhaus Maschine motiviert Mensch. Empfehlen möchte ich außerdem;: 

Sight – ein kritischer futuristischer Kurzfilm über unsere spielefizierte Zukunft von Eran May-raz and Daniel Lazo

• taz-Artikel: Weil wir alle Spielkinder sind. Wie man Menschen dazu bringt, Dinge zu erledigen, auf die sie keine Lust haben.

Gamification und Motivation

Ein Pionier in Gamification ist Roman Rackwitz. Er sagt: „Das einzige was zählt ist ‚Engagement‘. Im Spiel ist der Mensch auf der Jag nach dem ‚Besseren Ich‘: Er verlangt nach Herausforderungen, liebt Veränderungen und befindet sich auf der ständigen Suche nach neuem Wissen & Fortschritt.“

Rackwitz leitet die Gamification-Agentur Engaginglab und beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Social Media und Engagement. Sind wir Menschen intrinsisch motiviert, können wir bei unseren Vorhaben – egal ob beruflich oder privat – enorme innere Triebkräfte entwickeln. Der intrinsische Motor wirkt weitaus besser und stärker als ein klassisches Belohnungssystem, das von außen aufgezwungen wird. Mehr dazu in diesen Präsentationen von Rackwitz- Slideshare 1 und Slideshare 2.

Weitere Inspirationstipps:

 

 

 

„take part in art“: Was macht uns ticken, wie wir ticken ?

Foto HJKassel © Künstler Hermann J Kassel, Foto: Tameer Gunnar Eden

Hermann J Kassel ist Künstler und beschäftigt sich vor allem mit Installationen, Objekten und Bildhauerei. Staatliche Museen und private Galerien zeigen seine Werke. Unternehmen haben seine Arbeiten angekauft bzw. Werke bei ihm in Auftrag gegeben, z. B. Deutsche Telekom, Robert Bosch GmbH, RWE/ELE, Hypo Vereinsbank und GETRAG International. Sein künstlerisches Selbstverständnis schöpft Hermann J Kassel auch aus künstlerischen Interventionen. Über dieses Tätigkeitsfeld und weitere Leidenschaften habe ich mit Hermann J Kassel gesprochen.

A.H. Herr Kassel, für Ihre künstlerischen Interventionen haben Sie ein Konzept erdacht, das Sie „take part in art“© nennen. Können Sie Ihre Intentionen dazu erläutern?

Hermann J Kassel
Ich bin davon überzeugt, dass die Integration künstlerischer Kompetenzen, Strategien und Denkweisen einen Perspektivwechsel bewirkt und Denk- und Gestaltungsräume von Führungskräften und Mitarbeitern zu erweitern vermag. Die kreativ inspirierten Mitarbeiter schöpfen anschließend aus einem größeren Ideenpool und begegnen den Herausforderungen mit mehr Offenheit, Selbstvertrauen und Mut. Damit sich dies dauerhaft im Bewusstsein der Mitarbeiter verankert, dürften regelmäßig angeregte Perspektivwechsel und „kreative Irritationen“ von Vorteil sein.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf das äußerst lesenswerte Buch „Theorie U – Von der Zukunft her führen“ von C. Otto Scharmer hinweisen. Der Autor beschreibt darin u.a. die Bedeutung der Intuition, des schöpferischen Tätigwerdens, der Intelligenz unseres geöffneten Denkens, Herzens und Willens. Scharmer zieht dabei auch immer wieder Vergleiche zur Arbeit des Künstlers.

Atelier 1 Atelier 2 © Hermann J Kassel: Blick in das Atelier des Künstlers

Wann und warum sind Sie darauf gekommen, neben Ihrer schöpferischen künstlerischen Arbeit auch Interventionen in Unternehmen und im öffentlichen Sektor anzubieten?

Hermann J Kassel
Dies ist eher zufällig passiert, so um das Jahr 2000. Ich hatte als ursprünglich ein Meeting als Betriebsausflug für Mitarbeiter der Telekom Köln-Bonn in die Fabrik geplant, in der ich mein Atelier habe. Im Laufe der Vorbereitungen veränderten sich die Planungen für diesen Ausflug dahingehend, dass auch ein kreatives Arbeiten mit den MitarbeiterInnen gefragt war. Als weitere Anfragen diesbezüglich folgten, erarbeitete ich das Konzept für “take part in art“©

Bearbeiten Sie bei einer künstlerischen Intervention eine konkrete Fragestellung? Wie wird sie entwickelt?

Hermann J Kassel
In den meisten Fällen ja. Häufig stehen die Interventionen in inhaltlichen Zusammenhängen und Fragestellungen mit und für Meetings oder für Konferenzen der Unternehmen oder Institutionen. Ich werde darüber in Vorabgesprächen informiert und setze mich dann inhaltlich damit auseinander, transformiere die Fragestellung in das Interventionsgeschehen und seine formale Umsetzung.

Können Sie über eine konkrete künstlerische Intervention berichten?

Hermann J Kassel
Eine Intervention im Unternehmen GETRAG Ford Transmissions, möchte ich näher vorstellen. Es ist Teil der GETRAG International GmbH, einem der weltweit größten Systemlieferanten für Getriebesysteme (Anmerkung A.H.: Im Juli 2015 wurde Getrag vom kanadisch-österreichischen Konzern „Magna International“ übernommen.)
Wichtige Herausforderungen standen für das Unternehmen im Jahr 2012 in Verbindung mit Begriffen wie „Wurzeln“ bzw. „Verwurzelung bei gleichzeitiger Diversität und Globalisierung“, „Veränderung“ sowie „Wandel vom Jetzt in die Zukunft“.

_tpia_ 5 _tpia_ 4 © Hermann J Kassel: „tpia“ 4-5″ – „Erd-Arbeiten“ und Leinwände, entstanden im Rahmen der Intervention mit 45 Managern bei der Führungskräftekonferenz der GETRAG International

Diese Punkte und Themen sollten möglichst auch im Rahmen der „take part in art“©-Intervention behandelt werden und führten mich so zu meiner Werkgruppe der „Erd-Arbeiten“, mit der ich mich seit 1993 auseinandersetzte. In geschlossenen Stahl-Glas-Skulpturen werden auf Papier, Leinwand und Folien aufgetragene Inhalte durch die ebenfalls hierin mit eingeschlossener Erde kontinuierlich verändert. Inhalte und Schriften auf Papier oder Leinwand erfahren dabei eine schnellere Veränderung bis hin zur Unkenntlichkeit. Im Laufe der Zeit werden diese ersetzt durch ein natürliches Bild (durch Photosyntheseprozesse innerhalb der Arbeit). Die leicht feuchte Erde bedingt – durch ihre photosynthetischen und biologischen Prozesse – einen stetigen Wandel und eine Veränderung in den hierauf liegenden Leinwänden, Papieren und Folien.
Die auf Folien aufgebrachten Inhalte hingegen werden von diesem Prozess nicht verändert und bleiben konstant sichtbar vor dem Hintergrund der stetigen Veränderung.

An der Intervention nahmen 45 Manager teil – und zwar im Rahmen der Getrag Führungskräftekonferenz der GETRAG International. Jeder brachte von seinem jeweiligen Heimatstandort der GETRAG Erde mit zur Konferenz. Im Workshop wurden die Inhalte der Tagung, angeregt durch Monotasking-, Speeddating- und Reflektionsrunden, auf Papieren und Folien verewigt und in Stahlsäulen eingesetzt. Während die Texte auf Papier sich mit der Zeit verändern, bleiben sie auf den Folien dauerhaft lesbar.

Auf Glasplatten hielten die Führungskräfte die am Vormittag bearbeiteten Themen zusammen mit ihren eigenen Gedanken, Visionen, Hoffnungen und Wünschen für ihre Arbeit und das Unternehmen fest. Als verdichtetes Kompendium all dieser Idee entstand ein grünlich schimmernder Block, eingefügt in die Stahlsäule und von LEDs beleuchtet.

Hermann J Kassel_tpia_ 1 _tpia_ 3 Hermann J Kassel_tpia_ 2 © Hermann J Kassel: Im Rahmen der Intervention mit GETRAG Ford Transmissions entstanden „tpia“ 1-3″ – die Stahl-Glas-LED-Lichtsäule „shining future“.

Welche Auswirkungen hat das jeweilige Budget auf die Intervention?

Das zur Verfügung stehende Budget hat z. B. Einfluss auf die formalen Umsetzung, also z. B. auf das Objekt, das am Ende entsteht. Aufwendigere Stahl-Glas-Licht-Objekte schlagen hier natürlich anders zu Buche als weniger aufwendige. Mein Impetus, mit dem ich an eine jede “take part in art“©-Intervention herangehe, ist aber unabhängig vom Budget gleich intensiv.

Ich las, dass Sie auch Konferenzen mit Interventionen begleiten: Wie funktioniert so etwas in einem zeitlich sehr eng gesteckten Rahmen, wenn die Teilnehmer inhaltlich ohnehin schon stark gefordert und deren Aufnahmekapazitäten vielleicht daher begrenzt sind?

Hermann J Kassel
Das ist in der Tat schon eine besondere Aufgabe und Herausforderung. Es gab Interventionen, die ich während der Pausen oder in bewusst offen gehaltenen Zeitfenstern mit den Teilnehmern durchgeführt habe. Bei anderen Konferenzen war die Intervention ein feststehender Programmpunkt. Die Teilnehmer in einem solchen Rahmen einzuladen und mitzunehmen, erfordert innere Überzeugung für das, was ich bereichernd vermitteln möchte.
Eine nachhaltige Wirkung erzeugt das gemeinschaftliche Werk, das die Teilnehmer gemeinsam entstehen lassen. Auch eigene Arbeiten, die in Einzelaktion im Rahmen der Intervention anfertigen, können die Teilnehmer in ihr privates Umfeld mitnehmen.

Sie haben auch für die Sir Peter Ustinov Stiftung gearbeitet. Ustinov hat sich ja stark gegen Vorurteile engagiert … War dies auch Thema Ihrer Intervention?

Hermann J Kassel
Im Rahmen des Weltkindertages gab es hier Interventionen für und mit Kindern, wovon
ca. 50% einen Migrationshintergrund hatten. Das vorurteilsfreie, offene und gemeinsame Arbeiten stand hier im Vordergrund. Wenn das gelingt, ist doch schon einiges erreicht.

Wenn Sie eine Intervention vorbereiten, welche Fragen stellen Sie sich dann am Anfang? Wie recherchieren Sie, um sich dem Unternehmen zu nähern?

Hermann J Kassel
Die ersten faktischen Fragen betreffen die Rahmenbedingungen: die Zeit, die zur Verfügung steht, die Anzahl der Teilnehmer, woher diese kommen, wo die Intervention stattfinden soll, also bei mir im Atelier oder vor Ort. Parallel dazu arbeite ich am inhaltlichen Bezug. Interventionen stehen meist in einem inhaltlichen Zusammenhang mit relevanten Fragestellungen. Die Vorbereitungsphase für eine Intervention dauert in der Regel einige Wochen. In dieser Zeit sammle ich möglichst viele Informationen. In der Regel bitte ich die Unternehmen, mir möglichst viel „Futter“ zu geben; hierzu gehört nicht zuletzt auch immer die intensive Auseinandersetzung mit Materialien, Produkten, mit denen die jeweiligen Unternehmen arbeiten oder die sie herzustellen.

Für mich als Objekt-Künstler ist gerade das immer wieder sehr spannend, denn ich komme mit zum teil ungeahnten Materialien in Kontakt. Aus all dem formt sich dann die Idee, der Leitfaden und schließlich das formale Aussehen der Intervention. In der Regel erarbeite ich das „skulpturale Gehäuse“ für eine Intervention im Vorfeld. Die inhaltliche Aufladung erfolgt dann gemeinsam während der Intervention.

Wie bauen Sie bei einer Intervention den Kontakt zu Teilnehmern bzw. Mitarbeitern auf? Wie erlangen Sie ihr Vertrauen?

Hermann J Kassel
Mit Authentizität – „ich meine das, was ich da mache“ – und das spüren die Teilnehmer. Ich bin „Überzeugungstäter“!

Künstlerische Interventionen haben den Vorteil, dass die Teilnehmer durch die kreative Arbeit beim Workshop die Dinge anders betrachten können als sonst im Alltag. Es wird ein Perspektivwechsel ermöglicht. Haben Sie eine Rückmeldung von einem Workshop in Erinnerung, bei dem er einen besonderen Aha-Effekt gab?

Hermann J Kassel
Mir geht es darum, dass die Teilnehmer sich selbst anders und neu kennenlernen; dass sie etwas Neues von und in sich entdecken. Hier ergeben sich immer wieder AHA-Erlebnisse. Sie sind – neben der inhaltlich thematischen Bearbeitung – dauerhaft abrufbar und wirksam, nicht zuletzt durch die bei der Intervention entstandenen Arbeiten, die j auch dauerhaft im Unternehmen verbleiben.

Was nehmen Sie für sich persönlich aus einer Intervention mit? Was gibt Ihnen die Interaktion mit „normalen Menschen“ für Ihre eigene künstlerische Arbeit?

Hermann J Kassel
Meine künstlerische Arbeit entsteht aus und in mir. Ich mache diese Arbeit sicher aus einem inneren Drang, aber letztlich ja für „normale“ Menschen. Bei meiner Arbeit interessiert mich die Frage: „Was macht uns ticken, wie wir ticken?“. Das interaktive Arbeiten mit Menschen ist für mich manchmal anstrengend, aber immer hochspannend und lehrreich.

Einige Künstler lassen ihre Interventionen von einem Vermittler begleiten, der als Bindeglied zwischen ihm und dem Unternehmen bzw. der Institution agiert und den Prozess begleitet. Sie arbeiten – soweit ich weiß – ohne Intermediär. Gehen Sie bewusst Ihren eigenen Weg allein oder würden Sie sich zuweilen Unterstützung wünschen und konkret bei welchen Aspekten?

Hermann J Kassel
Das habe ich schon so und so geplant und durchgeführt. Ich mag es durchaus, wenn meine Interventionen von einem „Vermittler“ begleitet und auch schon einmal moderiert werden. Eine zusätzliche weitere Reflexionsebene kann in dem einen oder anderen Fall durchaus willkommen sein.

Der Drang, „auf einer Bühne stehen zu müssen“ ist bei mir sicher nicht übermäßig stark ausgeprägt. Die klassische „Rampensau“ bin ich da ganz sicher nicht. Natürlich gehört eine Art Anmoderation von mir zu einer Intervention dazu. Ich halte sie aber eher kurz, um dann in den eigentlichen Teil meiner Arbeit zu kommen – hier bin ich dann wirklich zu Hause. Manchmal ist es auch hilfreich, wenn Ergebnisse einer Intervention von „anderer Seite“ aus reflektiert und vermittelt werden. Das dauerhafte Verbleiben des Werkes an einem „prominenten“ Ort im Unternehmen schafft die wichtige „Nachhaltigkeit“ in Wirkung und Auswirkung.

Wenn ein Künstler für Unternehmen arbeitet, wird oft vermutet, dass er dort instrumentalisiert und funktionalisiert wird. Wie sehen Sie das im Hinblick auf Ihre eigenen künstlerischen Interventionen?

Hermann J Kassel
Solange ich nicht in dem eingeschränkt werde, wie ich etwas ausdrücken, transformieren und vermitteln möchte, kann ich mich kaum instrumentalisiert oder funktionalisiert fühlen. Wenn die Art und Weise gefragt ist, wie ein Künstler bestimmte Fragestellungen sieht und bearbeitet, so scheint mir das doch sinnvoll und wünschenswert. Darin sehe ich eher eine Chance – für beide Seiten. Denn auch ich lerne immer weiter dazu. Meine Interventionen wären nicht gefragt, wenn es schlichtweg darum ginge, „das Letzte“ aus den Mitarbeitern herauszukitzeln, um schlicht -weg „bessere Zahlen“ anschließend schreiben zu können. Außerdem habe ich jederzeit die Möglichkeit, eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen abzulehnen.

4. Polymobile vor Stahlrelief und Korrosionsabdruck © Hermann J Kassel: 4. Polymobile vor Stahlrelief und Korrosionsabdruck

Sie schreiben auf Ihrer Website „Kultur ist heute kein ‚nice to have‘, sondern eine bedeutende Voraussetzung für Erfolg.“ Was bewirken Kunst und Kultur? Welche Beobachtungen haben Sie bei Ihren Interventionen gemacht.

Hermann J Kassel
Die Integration künstlerischer Kompetenzen, Strategien und Denkweisen ermöglicht Perspektivwechsel und erweitert die Denk- und Gestaltungsräume von Führungskräften in Wirtschafts- und Wissenschaftssystemen.
Steht am Anfang einer Intervention noch das ängstliche „ich kann doch nicht malen …“, verwandelt sich das in ein „ich bringe mich mit einem/meinem „wichtigen inhaltlichen“ Einfluss in die Gesamtarbeit mit ein.“ Menschen öffnen sich!

Auf Ihrer Website schreiben Sie außerdem: „Kunst eröffnet die Möglichkeit, unternehmensrelevante Themen in neuer Weise zu erfahren und zu bearbeiten und damit neue Denkräume und Gestaltungspotenziale zu schaffen.“ In diesem Zusammenhang ist die nachhaltige Wirksamkeit von Kunst ein wichtiges Thema. Gibt es auch Institutionen bzw. Unternehmen, mit denen Sie mehrfach zusammengearbeitet haben und daher auch die Nachhaltigkeit Ihrer Arbeit prüfen konnten? Inwiefern hat die Institution die Erkenntnisse aus Ihrer Intervention nachhaltig in ihren Arbeitsalltag eingebettet?

Hermann J Kassel
Ja, es gibt Unternehmen wie Institutionen, mit denen ich wiederholt gearbeitet habe.
Es ist schwierig, hier eine Art Gleichung “Input-Output“ aufzumachen. Für solche faktischen „eins zu eins“-Gleichungen eignen sich vielleicht andere Instrumente eher, Strategieberatungen oder anderes mehr, eben Instrumente aus dem klassischen Trainer- oder Coachingbereich. „take part in art“© setzt und wirkt vielleicht eher „subkutan“, weil es in andere, nicht weniger wichtige Ebenen und Schichten eindringt.
Die gemeinsam geschaffene und inhaltlich aufgeladene, dann an signifikantem Ort dauerhaft präsente Arbeit aktiviert diese Ebenen stets neu, lässt Frageräume auch offen, regt an und inspiriert.

In welchem Alter waren Sie sich sicher, Kunst zum Mittelpunkt Ihres Lebens zu machen bzw. auch Ihren Lebensunterhalt mit Kunst zu bestreiten?

Hermann J Kassel
Das war schon recht früh. Zunächst noch schwankend zwischen Musik und der Bildenden Kunst … Dann irgendwann um die 16 Jahre ging es die Richtung Bildende Kunst – nicht wissend, was das auch für das Bestreiten des Lebensunterhaltes immer wieder mal bedeuten kann – aber daran wächst man. „Überzeugungstäter“ zu sein, ist da sicher hilfreich.

Eine Frage zur Kreativität: Werden Sie aus sich selbst heraus kreativ? Oder bedarf es äußerer Impulse? Wenn ja: Welche Impulse nehmen Sie von außen auf? Wie reagieren Sie darauf?

Hermann J Kassel
Sowohl als auch. Äußere Impulse passieren ja ehedem. Es ist ein Wechselspiel, eine Korrelation von äußeren Impulsen, deren Reflektion und Transformation. Die Frage ist sicher auch die, wie ich mit diesen permanenten äußeren Impulsen umgehe, sie verarbeite, auszuschließen versuche, mich ihnen bewusst aussetze, filtere, ……da sind „sie“ immer und überall –sei es die wunderbar würzige Luft an einem noch feuchten Morgen im Wald. Auch das ist ein äußerer starker Impuls, Einfluss…..Natürlich setze ich mich auch sehr bewusst äußeren Impulsen aus.Hier ist ganz sicher die Musik zu nennen. Johann Sebastian Bach z.B. ist für mich hier immer wieder eine wichtige Einflusssphäre.

Fühlt sich das Kreativsein bei einem Auftragswerk anders an als bei der Schaffung eines freien Kunstwerkes? Anders gefragt: Unterscheidet sich die Kreativität in der freien Kunst von der Kreativität in der angewandten Kunst?

Hermann J Kassel
Die Kreativität unterscheidet sich nicht – es ist „die eine Kreativität“, aus der oder mit der ein freies oder ein „Auftragswerk“ entsteht. „Auftragswerk“ meint ja auch nicht, oder zumindest nicht bei mir und meinem Interventionen, das ich gefragt werde, diese oder jene Arbeit so oder so auszuführen. Der „Auftrag“ besteht in einer inhaltlichen Fragestellung, einem Thema. Bisher waren und sind es Themen, die interessant und spannend sind, zu bearbeiten – z.B. der Bereich „Human Ressource“ (irgendwie schüttelt es mich auf einer Seite auch immer wieder ein wenig bei dem Begriff „menschliche Ressource“– habe aber eine Ahnung, was damit „gemeint“ sein soll). Es geht um Menschen, um uns! Und das ist doch ein „großes Thema“. Ein Thema, dass mich grundsätzlich in meiner künstlerischen Arbeit interessiert: „Was macht uns ticken, wie wir ticken ?“ Dann komme ich über solche Anfragen immer wieder auch mit neuen Materialien in Kontakt – also tatsächlich, handgreiflichen Materialien – und das finde ich immer wieder auf´s Neue sehr spannend, anregend, kreativ inspirierend…

In diesen Prozessen der „Auftragsarbeiten“ läuft also vieles so wie in kreativen Prozessen der „freien Kunstwerke“. Etwas anders mag es mit den Arbeiten sein, die „einfach so“, ohne jede Themenvorgabe, rein intuitiv passieren. Hier laufen noch einmal ein paar andere Prozesse in mir ab.

Welche äußeren und inneren Bedingungen, welches Umfeld benötigen Sie, um kreativ zu sein?

Hermann J Kassel
Kreativität ist für mich nichts, was ich an- und abschalte, mal (professionell) beruflich kreativ bin und dann wieder nicht……. Es ist ein generelles Bewusstsein, „Zustand“…
Also passiert Kreatives überall, an und in jedem inneren wie äußeren Ort…
Wichtig für mich ist, allein zu sein, mich „abzuschließen“ – nicht zuletzt um die äußeren Einflüsse, Eindrücke, Überlegungen zu verinnerlichen, zu bearbeiten, zu transformieren…

Innerliche Empfangsbereitschaft, Leere zu schaffen, das ist für mich die wichtigste Voraussetzung für Kreativität, für Inspiration. Musik spielt in diesem Prozess ebenfalls eine inspirierende Rolle. Das hört sich vieleicht „esoterisch“ an, aber es ist tatsächlich für mich schon eine Art des meditativen Zustands …

Gibt es so etwas wie einen roten Faden in Ihrer künstlerisch-kreativen Arbeit, ein Thema, das sich durch Ihr Gesamtwerk zieht und Ihnen besonders wichtig ist?

Hermann J Kassel
Schlüsselbegriffe oder Themen sind Veränderungs- und Transformationsprozesse.
Das „Dazwischen“ meint auch die Trennschicht „Bewegung“ auf verschiedenen Ebenen sowie die Erforschung der Grenzen und der „Trennschicht“, also dem, was das Dazwischen ist und seiner Diffusion, Durchdringung.

Eine weitere Frage beschäftigt mich stetig: Was macht uns ticken wie wir ticken? Das findet sich bei mir in den unterschiedlichsten Arbeiten, z. B. neben drei Werkgruppen, die ich seit ca. 25 Jahren bearbeite, in immer wieder neuen Medien, Materialien etc.
Mich treibt auch die Frage nach dem geeigneten Material, der Umsetzung, des „Transportmittels“. Und das bringt immer wieder neue Ausdrucksformen, Installationen etc. mit sich.

Wenn Sie kreativ tätig sind, haben Sie dann einen Adressaten vor Augen oder im Kopf?

Hermann J Kassel
Das ist sehr unterschiedlich. Bei den Interventionen ganz sicher (geradezu „zwangsläufig“) … Ein Adressat vor Augen kann sehr wohl „etwas“ auslösen, eine Arbeit, ein Werk in Gang setzen. Und dann gibt es Arbeiten, die „einfach“ entstehen wollen, ohne dass es während des Entstehungsprozesses einen Adressaten gibt.

Haben Sie in Ihrer künstlerisch-kreativen Arbeit Flow-Momente erlebt? Wie fühlt sich das für Sie an? Wie würden Sie es jmd. beschreiben, der das noch nie erlebt hat?

Hermann J Kassel
Dankbarerweise Ja. Hier könnte ich wieder ein wenig ins „Esoterische“ gleiten.
Das Gefühl aus und in innerer Leere und in Bereitschaft zu empfangen, „Ideen zu gebären“, das berauscht, macht glücklich und wirklich reich.

Wie sehen Sie die Rolle des Künstlers in der heutigen Zeit im Spannungsfeld der aktuellen Herausforderungen in unserer Gesellschaft?

Hermann J Kassel
Natürlich sehe mich als Künstler auch in der Aufgabe und es drängt mich, mich mit gesellschaftsrelevanten Fragen, intensiv auseinanderzusetzen. Dass mich sehr interessiert, wie wir als Menschen ticken, was uns an- und umtreibt und warum wir tun was wir tun, hat ja sehr viel mit „Gesellschaft“ zu tun. Ich denke, dass wir als Künstler seismografisch denken, fühlen und arbeiten.
Ich bin davon überzeugt, dass ein gutes Kunstwerk im Moment der Betrachtung etwas im Menschen radikal auslösen und wirklich verändern kann; auch wenn mir schon einmal die Frage durch den Kopf geht, ob z.B. durch oder wegen Picasso´s „Guernica“ ein Krieg weniger geführt worden, ein Toter weniger zu beklagen ist?
Das kann mich aber nicht davon abhalten, als „Überzeugungstäter“ die Rolle des Künstlers mit Herz und Hirn selbstbestimmt zu übernehmen und zu gestalten.

Inspirationstipps:

Künstlerische Interventionen von Hermann J Kassel „take part in art“©

Sympathische Videobotschaften für Social Media

© Björn Kempcke, BusinessMedien

Klassische Imagefilme sind aufwendig und kosten viel Geld. Doch es geht auch anders. Ich berichte über ein innovatives Filmprojekt, das dank kreativer Ideen auch für kleine Firmen finanzierbar wurde.

Vor 5 Jahren gründete die Journalistin Sylvia Karasch das Portal „Bei-Uns-In-Neuwulmstorf.de“, um Bürgern in der gleichnamigen Gemeinde in Niedersachsen eine Stimme zu geben: ein Serviceportal, das über Ereignisse im Ort informiert und auf dem Geschäftsleute und Unternehmen für ihre Produkte und Dienstleistungen werben können – mit Texten, Fotos und neuerdings auch mit kurzen Webfilmen und einer App.

Innovative Konzeptidee

Die Mischung aus Information und Reklame kommt bei den rund 23.000 Bürgern gut an. Das Portal verzeichnet bis zu 300 Seitenaufrufe pro Tag – mit steigender Tendenz, seit Karasch zusätzlich den Videojournalisten Björn Kempcke und den App- und Website-Experten Hannes Wirtz hinzugeholt hat. Karasch erklärt: „Zusammen haben wir die Idee entwickelt, engagierte Bürger in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort kommen zu lassen bzw. die von ihnen geleiteten Firmen oder Institutionen zu portraitieren – zu einem Preis unter 1.000 €.“

© Hannes Wirtz: Videojournalist Björn Kempcke

Charmante Filmportraits

Neben dem Preis hat die Auftraggeber vor allem das Konzept überzeugt. Im Film kommen Geschäftsleute und Bürger in jeweils zweieinhalb Minuten zu Wort und portraitierten die von ihnen geleitete Firma oder Institution selbst. Björn Kempcke traf pro Tag bis zu drei Protagonisten in ihrer gewohnten Umgebung und befragte sie in kurzen Interviews über ihren Werdegang, ihren Berufsalltag, über Mitarbeiter, Kunden und Partner, über das, was sie täglich antreibt.
Die so entstandenen elf Kurzfilme wurden mit kleinen Zwischenmoderationen bei einem Spaziergang durch den Ort mit Thomas Grambow, dem 1. stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde, zu einem gemeinsamen Film verbunden. Über ein Kapitelmenü lassen sich die Portraits einzeln anwählen. Wer mag, kann sich den gesamten Film wie eine informative Stadtführung durch Neu Wulmstorf anschauen. Man lernt dabei Geschäftsführer, Handwerker, Ärzte, Apotheker, Markt- und Pflegeleiterinnen kennen, ebenso das ehrenamtliche Team des Sozialkaufhauses, den Shantychor, und man erfährt vom Vizebürgermeister auch etwas über die Geschichte des Ortes. Eingeleitet wird der Film mit einem kleinen Grußwort von Sylvia Karasch.

Still Hartmann Elektrotechnik_GF_Willi NeumannFoto Dennys Bull Physio © Björn Kempcke, BusinessMedien

Akteure im Neu Wulmstorf-Film: Hartmann-Elektrotechnik, Geschäftsführer Willi-Neumann (li) sowie Dennys Bull und sein Physiopraxis-Team (re)

Gemeinsam werben

Die Mischung aus Information und Reklame kommt gut an. Dank der gemeinsamen Werbung aller Akteure wurde der Webfilm innerhalb von 2 Monaten über 1700 mal angeklickt. Über das Portal und über youtube kann der Film auch auf den Websites der portraitierten Firmen und Institutionen eingebettet sowie auf Facebook geteilt werden. Björn Kempcke erklärt: „Ich finde es wichtig und zugleich charmant, die Kräfte auf diese Weise zu bündeln. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann der erwünschte Werbeeffekt leichter erzielt werden.“

Karten-Widget als Sahnehäubchen

Hannes Wirtz hat für die Aktion als Sahnehäubchen ein mediales Zusatzangebot entwickelt. Er ist Mitbegründer der Audio-Plattform, -Community und -App „audioguideMe“. Sie bietet auf dem Smartphone tausende kleine Geschichten und wird an den Orten ihrer Handlung erzählt. Wirtz hat für Neu Wulmstorf ein Spezial-Widget entwickelt, das jeder Filmakteur auf seine Website stellen kann. Das interaktive Bedienfenster zeigt eine Landkarte – in dem Fall von Neu Wulmstorf – mit kleinen Ortsmarkierungen. Wenn man die Markierungen bzw. Pins anklickt, kann man sich kurze Audio-Ausschnitte aus den Film-Interviews anhören. „Als ich den Film zum ersten Mal sah, war ich sehr berührt, wie sympathisch die Protagonisten rüberkommen“, erzählt Hannes Wirtz begeistert.

Audioguiode-me-Neu Wulmstorf-WidgetAudioguiode-me-Neu Wulmstorf-Mobile © audioguideMe

Es sind gerade die O-Töne, die dieses Projekt wirkungsvoller und überzeugender machen als künstliche Werbetexte. Professionelle Sprecher spulen häufig austauschbare Slogans seelenlos herunter. Engagierte Gewerbetreibende und Bürger hingegen präsentieren ihre eigenen, kleinen Geschichten, die auch für den Zusammenhalt der Gemeinde stehen, für eine Interessengemeinschaft im besten Sinne. Sympathische Videobotschaften für Social Media strahlen Leidenschaft, Authentizität und Herz aus.

In Neu Wulmstorf ist übrigens schon ein neuer Film in Planung. 23.000 Bürger und 1.000 Gewerbetreibenden der Region freuen sich auf möglichst viele Fortsetzungen. Inzwischen hat Björn Kempcke auch ein Video über die Flüchtlinge in der Gemeinde sowie über deren Unterstützer und Helfer im Treffpunkt „Courage“ produziert. Auf sein Honorar hat er verzichtet: „Ich möchte damit zeigen, dass Neu Wulmstorf eine echte Willkommenskultur hat.“


© Björn Kempcke: Die Akteure und Initiatoren des „Courage“ waren für den NDR-Hörerpreis nominiert.

Vielseitig aufgestellt

Björn Kempcke betreut seit 1998 auch die Ton- und Onlinemedien-Seminare an der Akademie für Publizistik. Als Dozent für Crossmedia-Journalismus verrät er die Tricks und Kniffe bei Aufnahme und Schnitt von O-Tönen und Interviews. Seit 25 Jahren ist er als Mediendesigner und Mediendozent, Toningenieur und Musiker tätig. Er betreibt u. a. als Crossmedia-Journalist das regionale Info- und Onlineportal Netzwerk Norddeutschland (bei-uns-in-neuwulmstorf.de/netzwerk-norddeutschland/). Zu seinen Auftraggebern gehören klein- und mittelständische Unternehmen, Verlage (u. a. silberfuchs-verlag.de/ sowie www.massivkreativ.de/, Agenturen (u. a. pilot), Rundfunkanstalten (u. a. NDR), Museen, Theater, Musikfestivals (u. a. VoovFestival) und verschiedene Musikbands (u. a. Komitee für Unterhaltungskunst: Rio Reiser-Cover). Björn Kempcke realisiert u. a. Business-Medien, zugeschnitten auf die gewünschte Zielgruppe: Bewegtbild- und Filmproduktionen, Videointerviews, 360-Grad-Panorama-Aufnahmen und virtuelle Rundgänge, Fotos, Slideshows, Stop-Motion, Musik-Clips, Sounddesign, klingende Visitenkarten, Audioguides (u. a. für die Metropolregion Hamburg), Jingle-,  Audio- und Hörbuchproduktionen sowie Vertonungen für Erklärtrickfilme. Björn Kempcke studierte in Hamburg Musikwissenschaften und absolvierte ebenfalls in Hamburg die School of Audio Engineering (SAE).

Hilfe zur Selbsthilfe

Auch das UnperfektHaus in Essen unterstützt klein- und mittelständische Unternehmer bei ihren medialen Aktivitäten und ermöglicht ihnen, mit überschaubarem Budget in der Social-Media-Welt mitzuspielen. Initiator Gerhard Schröder möchte „mediale Starthilfe“ geben. Er bietet Seminare und Veranstaltungen über Social Media an sowie Einführungskurse in das Fotografieren und Filmen. Gerade hat er eine VideoLabAcademy ins Leben gerufen. Bei kostenlosen Info- und Netzwerkabenden informiert er die Teilnehmer über das Thema „Virale Unternehmenskommunikation via Video“. „Dabei geht es nicht um einen langen teuren Imagefilm, sondern um mehrere kurze Webvideos, Clips für youtube, Instagram, Facebook, die über mehrere Wochen stetig im Netz veröffentlicht werden.“ Inhaltlich ist in diesen „Micro-Stücken“ vieles möglich: Rundgang durch die Firma, Interview mit dem Chef, ein Stellenanzeigen-Video mit einem Aufruf an neue Bewerber, Videos mit Produkterklärungen und Bedienungsanleitungen, also klassische Ratgeber-Inhalte zur Kundenbindung. „Das Interesse an dem Thema ist beim Mittelstand sehr groß“, sagt Schröder.

Suchen Sie sich in Ihrem Ort oder Ihrer Gemeinde Gleichgesinnte. Planen auch Sie das nächste Werbeprojekt gemeinsam mit anderen Unternehmen. Nutzen Sie die Kraft vieler Mitstreiter, um die virale Verbreitung zu steigern. So erreichen Sie mehr als ein Einzelkämpfer.

Inspirationstipps:

  • Audio-App und -Community mit Geschichten zum Hören: audioguide.me

 

Wir. Echt. Bunt: Unser immaterielles Kulturerbe

Wir. Echt. Bunt: Unser immaterielles Kulturerbe

© MassivKreativ, Antje Hinz

Unsere Welt ist global und virtuell geworden. Doch digitale Erlebnisräume können echte, reale Erfahrungen in einer Gemeinschaft nicht ersetzen. Ohne sie wird unser Leben schnell öde und sinnentleert. Weltweit wird nun nach „lebendigen“ kulturellen Praktiken und Ausdrucksformen gesucht, nach gemeinschaftlichen Erlebnissen, unserem „immateriellen Kulturerbe“.

Traditionelles Wissen weitergeben

Die Sicherheiten in unserem Leben schwinden. Was gestern innovativ war, ist heute veraltet. Was morgen kommt, ist nicht vorhersehbar. In einer Welt voller Ungewissheiten suchen wir nach Bodenhaftung und Stabilität, nach Gemeinschaft und Selbstvergewisserung. Doch unsere Gesellschaft ist technikverliebt. Nichttechnologische Ideen und handgemachte Leistungen werden unterschätzt. Traditionelles Wissen gerät aus dem Blickfeld. Kreative Leistungen und Konzeptideen werden selten vergütet, aber umso häufiger ohne Erlaubnis und schlechtes Gewissen kopiert. Soziales und ehrenamtliches Engagement wird gern gesehen, aber zu wenig wertgeschätzt (siehe weiter unten Citizen Science).

© Sylvia-Verena Michel, Pixelio
UNESCO-Siegel „Immaterielles Kulturerbe“ für das jährliche friesische Biikebrennen am 21. Februar

Initiative der UNESCO

Zur gesellschaftlichen Bewusstseinsförderung hat die UNESCO 2003 das Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (IKE) verabschiedet. Die Konvention soll dazu beitragen, das weltweit vorhandene traditionelle Wissen und Können zu erhalten. Mehr als 160 Staaten sind der Konvention inzwischen beigetreten. Bereits 1982 heißt es in der Deklaration der UNESCO-Weltkonferenz über Kulturpolitik in Mexico City: „Kultur kann in ihrem weitesten Sinn als die Gesamtheit der einzigartigen geistigen, materiellen, intellektuellen und emotionalen Aspekte angesehen werden, die eine Gesellschaft oder eine soziale Gruppe kennzeichnen. Dies schließt nicht nur Kunst und Literatur ein, sondern auch Lebensformen, die Grundrechte des Menschen, Wertsysteme, Traditionen und Glaubensrichtungen.“ 
Im bundesdeutschen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes stehen derzeit knapp 100 Einträge und zahlreiche Erhaltungsprogramme (Gute Praxis-Beispiele). Jedes Jahr kommen weitere Kulturformen hinzu, so wird das Verzeichnis stetig wachsen und die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in und aus Deutschland sichtbar machen. Verschiedene staatliche Akteure der jeweiligen Bundesländer und die Deutsche UNESCO-Kommission entscheiden in einem mehrstufigen Verfahren über neue eingereichte Anträge. Sie zeigen unseren Alltag in allen Facetten, z. B. das Hebammenhandwerk, das Mecklenburger Tonnenabschlagen, die Alltagskultur im Hamburger Stadtteil St. Pauli und die deutsche Friedhofskultur.

© Ruth Rudolph, Pixelio

Ergänzung zum materiellen Weltkulturerbe

Im englischen Sprachraum ist das „immaterielle Kulturerbe“ weniger sperrig. Hier heißt es „intangible cultural heritage“ = „unberührbares Kulturerbe“. Ergänzend zum „berührbaren“ bzw. „materiellen“ Kulturerbe, wie z. B. den Bauwerken Kölner Dom, den Pyramiden und dem Tadsch Mahal, geht es der UNESCO auch um nichtmaterielle Leistungen. In die deutsche Liste schafften es bis 2015 u. a. die Brotkultur, das Morsen und Reetdachdecken, der rheinische Karneval, das friesische Biikebrennen sowie sorbische Feste und Bräuche, Falknerei, Singen im Amateurchor und moderner Ausdruckstanz.
Im März hat Deutschland seine erste Nominierung für das internationale Verzeichnis der UNESCO eingereicht, für die sogenannte Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit: die Idee und Praxis der Genossenschaft. Gewürdigt werden alle Facetten des gemeinschaftlichen, demokratischen Entscheidens und Zusammenlebens, von denen es hierzulande vielfältige Beispiele gibt: Wohnungsbau- und Konsumgenossenschaften (z. B. REWE), Medien (z. B. taz), Bankgenossenschaften (z. B. Raiffeisen), Handwerker-, Land- und Forstwirtschaftsgenossenschaften, Energieversorger (Greenpeace energy), Krankenhäuser, Kulturzentren, Künstler- und Schülergenossenschaften.

Spiegelbild unserer Kultur

Die UNESCO möchte langfristig und nachhaltig unterschiedliche kulturelle Praktiken und Ausdrucksformen schützen: Traditionen, Rituale, Darstellungen, Wissen und Fertigkeiten. Um das begehrte UNESCO-Siegel können sich Musik- und Gesangsformen bewerben, Erzählungen und Dialekte, Tänze und Feste, Wein- und Gartenkultur, traditionelle Heilmethoden, Bau- und Handwerkstechniken sowie Gemeinschaften, die sich für die Verbindung von Kulturtraditionen und Natur engagieren. Ein konkreter Appell gegen Ignoranz und Vergessen ist darüber hinaus die „Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes“. Über Ziele und Sinn der UNESCO-Initiative sowie über das Siegel habe ich mit Benjamin Hanke gesprochen, Referent für das immateriellen Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission.

Traditionen und Werte als Lebenselixier

Warum brauchen wir überhaupt noch Traditionen und entsprechende Praktiken? Welchen Nutzen haben sie für uns? Während Bauwerke restauriert und konserviert werden, muss Immaterielles Kulturerbe lebendig bleiben und sich wandeln. Es wird von Gemeinschaften in sozialer Balance geschaffen. Sie sind Labore für eine zukunftsfähige Gesellschaft und für gemeinschaftliches, nachhaltiges Handeln! In einem Mikrokosmos leben die Akteure vor, was unseren Alltag lebenswert macht: Teilhabe, Geborgenheit, Sinnstiftung, Identität, Wertschätzung, Würde, Vertrauen, Empathie, Kommunikation, Austausch, Gemeinsinn, Selbstbestimmung, Hilfsbereitschaft, Engagement, Kontinuität, Motivation, Freude, Lebendigkeit, Vielfalt, Toleranz, Entfaltung und Entwicklung.

Identität und Kontinuität

Die Trägergemeinschaften, die immaterielles Kulturerbe schaffen, sind Treibhäuser für das WIR-Gefühl. Es sind zugleich Lern-, Erfahrungs- und Erlebnisorte sowie Erkenntnis-Labore für die aktuellen Herausforderungen. Es geht um grundlegende gesellschaftliche Fragestellungen: Welche Wurzeln haben wir? Welche Identität-(en) tragen wir in uns? Was prägt uns? Welche Werte sind uns wichtig? Welches Wissen möchten wir weitergeben?

Bürger schaffen Wissen: Citizen Science

Engagierte Bürger leisten als forschende Laien einen enormen Beitrag für unsere Gesellschaft. In Geschichtswerkstätten, Wissenschaftsläden, in Vereinen und Trägergruppen, sorgen Sie für die Aufarbeitung und Weitergabe von Wissen, um das sich die staatlich finanzierte Profi-Wissenschaft nicht kümmert. Mit hoher intrinsischer Motivation investieren Laien enorm viel Zeit und Herzblut,  um beispielsweise Vögel in ihrer Region zu zählen, Pflanzen der Umgebung zu bestimmen, die Geschichte des eigenen Stadtteils zu recherchieren, Zeitzeugen zu befragen und der nächsten Generation das erworbene Wissen zu vermitteln und weiterzugeben. Citizen Science zeigt vorbildhaft, wie lebenslanges Lernen schon heute Zwang oder Einwirkung von außen mit großer Wirkung erfolgreich praktiziert wird. Die Plattform Bürger schaffen Wissen zeigt ausgewählte Beispiele, wobei naturwissenschaftliche Projekte die Plattform zu Unrecht dominieren. Hier müssten die vielen kulturellen und geisteswissenschaftlichen Bürgerprojekte in Deutschland dringend nachgetragen werden!

© Rainer Sturm, Pixelio
UNESCO-Siegel „Immaterielles Kulturerbe“ für die deutsche Brotkultur und das Bäckerhandwerk

UNESCO-Bewerbungsverfahren

Damit eine Bewerbung für die Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland erfolgreich verläuft, müssen konkrete Kriterien erfüllt werden. Der Antragsteller muss Mitglied einer sogenannten Trägergemeinschaft sein, die das Kulturerbe aktiv ausübt. Nur im fruchtbaren Klima gegenseitiger Wertschätzung können Ideen wachsen und gedeihen. Mit viel Zeit, Konzentration und Ausdauer perfektionieren die Akteure Fähigkeiten und Können. Mit Sachverstand und Leidenschaft geben sie ihr besonderes Wissen an neue Akteure weiter. Sie inspirieren einander, sorgen dafür, dass die Ausdrucksformen von einer Generation an die nächste weitergegeben. Das Erbe lebt von den Menschen, die es stetig neu gestalten und auch weiterentwickelt. In der Schweiz ist daher die Formulierung „lebendiges Erbe“ verbreitet.

Vielfalt

Die Gemeinschaft muss allen Menschen offen stehen, als Zeichen dafür, dass „Wir. Echt. Bunt“ sind und unser immaterielles Kulturerbe unsere „gemeinsame Sache“ ist. Der freie Zugang zur kulturellen Tradition ist wesentlich – ungeachtet der Herkunft, Religion, und Weltanschauung. In den Trägergemeinschaften sollen sich Generationen und Geschlechter, Minderheiten und Benachteiligte, Kulturen und Religionen mischen.
Das Schützenwesen wurde zunächst nicht in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen, weil es die christliche Tradition überbetonte und einem Bürger muslimischen Glaubens die Teilhabe verweigerte. Inzwischen wurde diese Entscheidung von den Schützen korrigiert und die Zusage für das Siegel von der UNESCO im zweiten Durchgang doch noch vergeben. Ausgrenzung und andere Verstöße gegen internationale Menschenrechtsübereinkünfte werden von der UNESCO abgestraft.
Längst bereichern auch migrantische und transkulturelle Einflüsse das Alltagsleben in Deutschland. Sie bringen neue Impulse in die Diskussion um Heimat, Vertreibung und den Umgang mit der Natur. Das deutsche Verzeichnis soll nicht nur „deutsches“ Kulturerbe abbilden, sondern möglichst vielfältige Identitäten, Wissens- und Ausdrucksformen in unserem Land. 

Sorbische junge Frau_Spreewald 2008 140Schloss_Lübbenau_Kahn_Spreewald 2008 197 © MassivKreativ, Antje Hinz: Auch die Feste und Bräuche der Sorben im Spreewald wurden in die UNESCO-Liste aufgenommen.

© MassivKreativ, Björn Kempcke: 360-Grad-Ansicht des Spreewaldortes Lehde mit Freilichtmuseum (dafür direkt auf das Foto klicken)

Qualitätssiegel und Inwertsetzung: Fluch oder Segen

Städte und Gemeinden buhlen überall um zahlungskräftige Touristen. „Regiobranding“ ist in aller Munde. Städtische Akteure, lokale Verbände, Vereine und Initiativen suchen eifrig nach Wegen, um Heimat „in Werte“ zu setzen. Und so wird immaterielles Kulturerbe auch zum Standortfaktor. Die UNESCO verleiht an erfolgreiche Bewerber für die Liste ein Siegel, mit dem sie für nicht-kommerzielle Zwecke werben dürfen.

Offene Fragen

Die UNESCO ist sich der Gefahren bewusst und bleibt mit den Trägergemeinschaften im Gespräch. Sie wird aufmerksam beobachten, wer vom Siegel profitiert. Sollte es tatsächlich zu Kommerzialisierung und Massentourismus führen, zu Romantisierung und Qualitätsverlust, wird das Siegel auch wieder aberkannt, so die klare Ankündigung. Die Entscheidung könnte im Ernstfall schwer fallen, denn die Grenzen zwischen Kunst und Kommerz, Kitsch und Kultur sind fließend. Die Praxis wird zeigen, ob die Trägergemeinschaften mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement unabhängig und selbstbestimmt bleiben können. 

Quellen und Inspirationstipps:

In Planung in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission:

Wanderausstellung „Gemeinsame Sache: Unser Immaterielles Kulturerbe“

Inhaltliche Konzeption: Antje Hinz, Silberfuchs-Verlag

Szenografie: Sven Klomp, Impuls-Design

Projektleitung: Annette Hasselmann,  Impuls-Design

Innovationen mit Papier-Design: Pop-Up und Origami

Kristina Wißling_studentische Kopfarbeit_Burg GiebichensteinKristina Wißling_mit Origami
© Kristina Wißling: Studentische (Kopf-)Arbeit, Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle

„Design ist die passende Kombination von Materialien, um ein Problem zu beheben.“
Charles Eames, Designer

In Japan findet Papier seit Jahrhunderten als Baumaterial Verwendung, z. B. mit Shojis, den verschiebbaren Leichtbauwänden. Langsam setzt sich der unschlagbar leichte Stoff auch hierzulande durch. Forscher des Fraunhofer-Instituts haben kürzlich einen Fahrradsattel aus Papier-Composite hergestellt. Dem Material wird viel Potential zugeschrieben: für Möbel und Innenausbau, Automobil- und Elektroindustrie.

Pop-Up mit Papier
Der Designer Peter Dahmen macht Papier zum Star. Die spektakulären Pop-Up-Skulpturen des „Paper-Engineers“ füllen ganze Bühnen und sorgen bei Events für großes Aufsehen, etwa bei der New Media Award Gala 2013. Auch jenseits von Events ist Dahmen als Botschafter und Berater unterwegs. Er regt Perspektivwechsel an und gibt Industrie und Mittelstand Impulse, um über Material und Herstellungstechniken neu nachzudenken. Großkunden wie BMW zählten zu seinen Auftraggebern.

Kristina Wißling_Star Twist Tesselation_rot © Kristina Wißling: Origami-Reihe „Star Twist Tesselation“

Papier-Design mit Origami
Die Designerin Kristina Wißling beschäftigt sich mit der Verarbeitung von Papier. Ihr erstes Origami-Buch zum Nachfalten bekam sie mit 6 Jahren von ihrer Mutter. Seitdem faltet sie Blätter aller Art. Leichtes Kinderspiel ist Origami allerdings nicht. Man muss jeden Schritt genau durchdenken. Wenn schon die erste Faltung daneben geht, kann das Ergebnis verheerend sein.
Kristina Wißling ist zu verdanken, dass innovative Falttechniken Eingang in die Industrie finden, inspiriert von Origami aus Japan. „Origami ist nicht nur Kunst, sondern vor allem Mathematik“, sagt Wißling. Analytisches Denken und geometrische Vorstellungskraft sind dringend gefordert, wenn komplexe Bauteile aus einem Stück gefertigt werden sollen. Herstellungsprozesse ohne Kleben, Nieten oder Schweißen werden in der Industrie immer wichtiger. Falten spart Zeit und Geld, vor allem bei der Lagerung und beim Versand, wenn Produkte im Designprozess von Anfang an richtig geplant werden.

Kristina Wißling_Origami-Vögel für Messestand Kristina Wißling_Origami für einenn Messestand
© Kristina Wißling: Fantasievolle Falt-Objekte für einen Messestand

Innovationen mit Papier-Design
Im Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen in Dortmund hat Wißling neue Verfahren zur Minimierung und Maximierung von Objekten und Oberflächen entwickelt. Gemeinsam mit anderen Kreativen fand sie branchenübergreifend neue Einsatzmöglichkeiten von Origami: im Leichtbau, in der Medizin für minimal-invasive Chirurgie und für Implantate, in der Automobilindustrie für Airbags und in der Weltraumforschung für Sonnensegel. Die strukturelle Vorarbeit wird mit Computer-Modellen und entsprechender Software geleistet.

Kristina Wißling_3D_Origami-Pot © Kristina Wißling: „Origami Pot“

Glanzvolles Falten in Hollywood
Dank ausgeklügelter Animationen ist das Falten auch im Film populär geworden. Die der Transformers-Reihe zeigt: Mit 3D-Technik lässt sich auch Schwermetall auseinander- und ineinanderfalten. Erdacht wurden die mechanischen Verwandlungswelten ursprünglich im Comic. Dort waren die Transformers zunächst Spielzeugfiguren. Ein harmloser Roboter klappte sich mehrfach auseinander und wurde zum Ghettoblaster und auch zu militanteren Gegenständen, wie Düsenflugzeuge oder Panzer.
Im wahren Leben spielt Schwermetall beim Falten keine Rolle. Industrielles Origami ist dort sinnvoll, wo dünne Materialien bearbeitet werden, wie Bleche, Kunststoffe, Papier und Kartonagen. Auch platzsparendes Kartenmaterial ist nach wie vor gefragt.

Kristina Wißling_Faltplan_Morphing_Structure © Kristina Wißling: Faltplan “ Morphing Structure“

Inspirationstipps:

● Pop-up-Papierdesigner Peter Dahmen: Filmdokumentation in englischer Sprache „The Magic Moment“

● Origami-Designerin Kristina Wißling

● Das INNOVATIONSLABOR – Virtueller Innovationsinkubator für technologiebasierte Verwertungs- und Geschäftsideen, Projekt von „Der Innovationsstandort e.V.“, koordiniert von der Stadt und der Wirtschaftsförderung Dortmund

Künstler als Ermutiger und Magier

© Peter Bast, Pixelio

Künstler sind Magier. Wenn sie in Unternehmen gehen, entlocken sie den Mitarbeitern Fähigkeiten und Talente, von denen die nicht im Geringsten geahnt hätten. „Die Wirtschaft sollte ihre Querdenker deshalb dort suchen, wo sie der Natur nach präsent sind: unter Künstlern! – sagt Management-Expertin Helga Stattler. Seit über 10 Jahren vermittelt sie als Beraterin zwischen den Welten Kunst und Wirtschaft. Im Interview erzählt sie mir u. a., warum Künstler Veränderungsprozesse in Unternehmen hervorragend begleiten können und was sie bei Mitarbeitern bewegen.

Helga Stattler und Karin Wolf_2015 © Corinna Eigner
Helga Stattler (l.) und Karin Wolf (r.) erforschen im Institut für Kunst und Wirtschaft Wien das Thema „Künstlerische Interventionen“ und begleiten die Aktionen als Intermediäre.

Frau Stattler, wie wichtig sind heute Innovationen für die Gesellschaft?

Helga Stattler:
Es wird immer nach Innovation gesucht – vor allem bei Produkten und Leistungen. Mindestens genauso wichtig und erforderlich ist die Innovation im Zusammenleben in den Organisationen. Es hat noch nie so viel burnout und Frust gegeben und zugleich Suche nach Sinn. Es herrscht sehr viel Druck und dagegen muss dringend etwas unternommen werden.

Warum sind soziale Innovationen ebenso wichtig wie technologische Innovationen?

Helga Stattler:
Das Thema Fusion z. B. funktioniert ja bis heute nicht. Unternehmen glauben, wenn sie zwei Teile miteinander verbinden und Menschen miteinander mischen, funktioniert das automatisch ab dem nächsten Tag. Das ist jedoch ein großer Irrtum. Menschen mit verschiedenen Erfahrungshorizonten zusammenzubringen: dem sollte bei einer Fusion strategisch noch mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden als dem Aushandeln von Kaufpreisen für ein Unternehmen oder wie man die Produktpaletten sinnvoll miteinander verbindet. Doch das wird leider oft übersehen.
Man glaubt, dass Menschen wie Maschinen funktionieren. Die Firma ist keine Maschine und die Menschen schon gar nicht. Sie sind soziale Wesen und Gemeinschaftswesen und wollen auch als solche beachtet werden. Der Mitarbeiter, der eine Veränderung verkraften muss, braucht das Gefühl, dass er ernst genommen wird. Die Unternehmensleitung muss verstehen, dass es nicht leicht für ihn ist, dass es eine Herausforderung ist. Und wenn er merkt, dass es wirklich ehrlich gemeint ist, dann wird er sich in die neuen Aufgaben mit Elan hineinstürzen und wird sagen: Ich schaffe das! Aber wenn man ihm das Gefühl gibt, dass es selbstverständlich sein muss nach dem Motto „Sei froh, dass Du den Job hast!“, dann wird er frustriert sein.

Anmerkung von Antje Hinz:
Die aktuelle repräsentative Studie des Gallup-Instituts zur Mitarbeiterzufriedenheit (2015) ist nach wie vor ernüchternd. Nur 15 Prozent der Mitarbeiter sind Feuer und Flamme für ihren Job und identifizieren sich mit ihrem Unternehmen. Die große Mehrheit von 70 Prozent der Beschäftigten leistet Dienst nach Vorschrift. 15 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. In qualitativen Umfragen werden vor allem mangelnde Führungsqualitäten der Geschäftsleitungen und Vorgesetzten als Ursache genannt.

Welche Wirkung und welche positiven Effekte können Künstlerische Interventionen auf Mitarbeiter in Unternehmen haben?

Helga Stattler:
Künstler spüren, was in den Mitarbeitern steckt. Sie entdecken Potenziale, die Vorgesetzte nicht sehen, auch wenn sie mit Mitarbeitern schon lange arbeiten. Wie Künstler das machen, ist noch ein Geheimnis, aber es funktioniert auf jeden Fall. Sie laden Mitarbeiter ein, sich etwas zu trauen. Sie machen das so, dass die oft vorherrschende Angst „Das kenne ich nicht, das kann ich nicht“ überwunden werden kann. Sie laden ein zu lustvollem Tun. Und dann entdeckt der Mitarbeiter selber: „Hoppla, das kann ich ja doch!“ In der Schule hat ihm bzw. ihr mal jemand gesagt: „Du kannst nicht singen“ oder „Du kannst nicht zeichnen“. Und das glaubt er oder sie von Kindesbeinen an. Und plötzlich kommt da jemand und sagt: „Kein Problem. Versuch es einfach!“ Und so entsteht etwas.

662148_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, Pixelio

Was zeichnet einen Künstler grundsätzlich aus?

Helga Stattler:
Ein Künstler ist jemand, der aus dem Nichts heraus etwas erschafft. Er hat die leere Leinwand und malt ein Bild. Er hat ein Notenblatt und komponiert eine Melodie. Genau das braucht die Wirtschaft: Schöpfen aus dem Nichts.

Was beherrschen Künstler über ihre eigentliche kreative Tätigkeit hinaus?

Helga Stattler:
Ein Künstler sieht Dinge, die Berater und Manager nicht sehen. Das ist das Geheimnis. Künstler gehen an Probleme anders heran. Sie lassen Widersprüche zu und können querdenken. Querdenker sind zwar sehr gefragt, aber man sucht sie in den eigenen Reihen der Unternehmen, statt sie dort zu suchen, wo sie naturgemäß zu finden sind.

Wann kommt ein Unternehmer zu der Überzeugung, dass eine Künstlerische Intervention in seiner Firma sinnvoll ist. Welche Szenarien gibt es?

Helga Stattler:
Irgendein Anlass ist meistens schon da, eine aktuelle Veränderung. Es ist oft ein Bauchgefühl, dass man sagt: Es geht uns zwar gut, aber wir merken: Die Mitarbeiter sind nicht so recht glücklich. Wir haben schon Trainings versucht und Berater im Haus gehabt, aber es hat sich nicht viel geändert.

Was genau macht der Künstler denn anders als z. B. ein Berater?

Helga Stattler:
Ein Künstler macht etwas, das nicht erwartet wird. Und daher ist auch der Widerstand der Mitarbeiter nicht da. Es gibt ja Firmen, wo die Mitarbeiter ganz klar sagen: Bitte, nicht schon wieder eine Beratung! Oder trotzig sagen: Diesen Berater werden wir auch noch überstehen!
Und dann kommt ein Künstler und schlägt etwas vor und lädt ein zu einer Aktivität, wo das aktive Mitwirken plötzlich Freude macht, etwas zu tun, wo man auch selber seine Ideen einbringen kann. Und plötzlich ist alles anders: Künstler wirken als Ermutiger und Magier!

Worin lässt sich dann letztlich konkret der Erfolg einer Künstlerische Intervention messen?

Helga Stattler:
Sicher nicht in Prozentzahlen, aber in den Einstellungen der MitarbeiterInnen und in der Qualität der Kommunikation zum Beispiel. Die Führungskräfte sagen: Meine Mitarbeiter schauen mir plötzlich in die Augen. Die sind offen und sagen: Ja – da mache ich mit! – wenn es um neue Dinge oder Veränderungen geht. Sie kooperieren wirklich miteinander. Sie haben gemeinsame Projekte, wo sie sich einbringen und sagen, da bleiben wir heute mal länger, das wollen wir fertig machen. Erreicht wird demnach ein lustvolleres Arbeiten, weil sie Wertschätzung und Sinn in diesen Tätigkeiten gefunden haben.

Wie lässt sich die Idee der Künstlerische Intervention in die Welt hinaustragen, also breiter bekannt machen?

Helga Stattler:
Erfreulicherweise gibt es jetzt inzwischen schon einige sehr gute Beispiele für Künstlerische Interventionen. Und am Glaubwürdigsten sind die Aussagen der Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter, die schon mal eine Künstlerische Intervention in ihrem Unternehmen erlebt haben. Und auch der Künstler natürlich. Die berichten, was sie erlebt haben und was dabei herausgekommen ist.

Antje Hinz: Ein schönes Schlusswort! Vielen Dank, Frau Stattler für das Interview.

Helga Stattler leitete von 1980 bis 1998 das Hernstein International Management Institute in Österreich und begegnete als Beraterin und Personal- und Organisationsentwicklerin vielen charismatischen Persönlichkeiten, die sie beeindruckten und prägten, u. a. Peter Drucker, Paul Watzlawick, Peter Senge, Charles Handy, Henry Mintzberg, Chris Argyris und Edgar Schein. Stattler entwickelte innovative Lern- und Veranstaltungskonzepte zu Zukunftstrends, gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Themen.

Seit über 10 Jahren vermittelt Stattler als Beraterin zwischen den beiden Welten Kunst und Wirtschaft. Zunächst mit Theaterproduktionen für Unternehmen, um Führungskräften und Mitarbeitern einen Spiegel vorzuhalten, sowie mit Workshops und Seminaren mit Theatermethoden. Bei diesen Projekten musste sie selbst viel lernen, weil sie als Beraterin gewohnt war ganz andere Fragen zu stellen und andere Dinge wahrzunehmen als die Künstler. Das war anfangs irritierend, das Ergebnis aber immer überzeugend, wie ihre Projektbeispiele aus dem Veranstaltungsdesign zeigen.

Gerade die Verbindung aus Expertise in der Wirtschaft und in künstlerischen Bereichen mit der Lebenserfahrung empfindet Stattler als ihren größten Schatz. Was ihre Arbeit ausmacht: der Blick aufs Ganze und Liebe zum Detail, Neugierde und Mut für Neues. All das bringt sie in ihre Projekte ein.
2012 gründete sie gemeinsam mit Karin Wolf, der Direktorin des Instituts für Kulturkonzepte, das Institut für Kunst und Wirtschaft, das künstlerische Interventionen beforscht und als Intermediär begleitet. In ihrem Blog Kunst und Wirtschaft berichtet sie regelmäßig über gelungene internationale Beispiele.

Flowerpower und Lasershow VooV-Festival

VuuV Trailer 2015 Still2 VuuV Trailer 2015 Still3 © VooV 2014, Björn Kempcke

Jeden Sommer findet im beschaulichen Brandenburg das VooV-Festival (früher: VuuV) statt. Auf halber Strecke zwischen Hamburg und Berlin treffen sich dort zwischen 10.000 und 20.000 begeisterte Musikfans von PsyTrance und Goa. Vier Tage lang verwandeln sich idyllische Wiesen in ein riesiges Camping- Musik- und und Event-Areal.

Flowerpower

Das VooV Festival gilt als das älteste und bekannteste internationale GoaTrance-Festival für diese Musikrichtung, die Wurzeln reichen bis in Jahr 1991 zurück. Aus einer Gartenparty mit einst wenigen 100 Leuten wurde eines der größten Goa-Festivals in Europa. Seit 2001 hat die VooV nach einigen Ortswechseln seine Zelte im brandenburgischen Putlitz aufgeschlagen.

VooV

Begleitend zum Festival findet auch ein Rahmenprogramm begeisterten Zuspruch, das den Ort mit einbezieht. 2005 erreichte das gleichnamige Fußballteam ‚VooV‘ ein Unentschieden gegen die Auswahlmannschaft von Putlitz.

VuuV Trailer 2015 Still1 © VooV 2014, Björn Kempcke

Lasershow

Der besondere Reiz des Festivals liegt in der Verbindung von Sound, atemberaubender Illumination und aufwändiger Dekoration, wie im eingebetteten Video zu sehen ist. 2015 eröffnete das Trio von S.U.N. Project das Festival, nachdem die legendären „Firedancers“ die Fans zum Kochen brachten. 2017 feierte die VooV ihr 25jähriges Jubiläum. 

Kamera, Schnitt, Bildmontage: Björn Kempcke, MassivKreativ (mit additionals der VooV)

Flowerpower und Lasershow: GoaTrance-Festival VooV-Festival