Lichtenhagen Dorf: vom Wandel einer Gemeinde durch Nachhaltigkeit

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Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien sind in aller Munde. Was das konkret im Alltag bedeutet, z. B. für eine Kirchengemeinde, habe ich mir in Mecklenburg-Vorpommern angesehen, in Lichtenhagen Dorf etwa 10 km nordwestlich von Rostock. Hier engagieren sich die Gemeinde-Mitglieder in besonderer Weise für den Klimaschutz. In Kooperation mit der Nordkirche hat die Gemeinde Lichtenhagen Dorf 2014 einen spannenden Prozess zur eigenen Neuausrichtung begonnen.

Sanierung der alten Pfarrscheune

Auf Wunsch vieler Bürger*innen in Lichtenhagen Dorf sollte das Gemeindeleben gestärkt und mit neuen Impulsen belebt werden. Und es gab außerdem den Wunsch, neue Räume für Veranstaltungen und zum gegenseitigen Austausch zu schaffen. Beste Voraussetzungen bot dafür die alte Pfarrscheune. Sie sollte saniert und umgenutzt werden. Die Pfarrscheune entstand im Jahr 1895, ist inzwischen denkmalgeschützt und Teil eines Ensembles mit Kirche und Pfarrhaus innerhalb des historischen Dorfkerns von Lichtenhagen. Was der Gemeinde besonders am Herzen lag: Die historische Bausubstanz sollte bei der Sanierung erhalten bleiben, auf ressourcenschonendes Bauen geachtet und ein hoher energetischer Standard umgesetzt werden.

Barrierefreiheit

2015 begannen die Planungen für die Sanierung und Umnutzung der Pfarrscheune. Drei Jahre später 2018 wurde mit einem großen Scheunenfest der Baubeginn gestartet. Immer wieder packten Gemeindemitglieder engagiert mit an und warben Spenden ein. Am 13. September 2020 konnte die Pfarrscheune als neues Kommunikations- und Begegnungszentrum eröffnet werden. Neben den Gemeinderäumen und einer professionell ausgestatteten Küche wurden auch zwei barrierefreie Mietwohnungen eingebaut. Die Pfarrscheune bietet viele verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten für ein gutes Miteinander und für soziale Daseinsvorsorge in einem liebens- und lebenswerten Dorf.

Ausstattung der Pfarrscheune

Die Pfarrscheune bietet multifunktional vielfältige Möglichkeiten der Nutzung. Ein großer Saal  mit 150 m² eignet sich für Veranstaltungen aller Art, drei unterschiedlich große Gruppenräume (25 – 70 m²) für Treffen, Workshops und Seminare mit allen Gruppen und Kreisen in den Gemeinden, mit Chor, Gospelchor, Jugendchor, mit der Grundschule, mit Vereinen aus Lichtenhagen, für regionale kirchenmusikalische Projekte mit Chören aus Rostock und Umgebung. Die Pfarrscheune hat drahtloses Internet „WLAN für alle“ und ist barrierefrei ausgestattet, d. h. rollator- und rollstuhlgerecht, mit Hörschleife und automatischen Eingangstüren. Die hellen und offenen Räume sind klimagerecht gestaltet und besitzen eine sehr gute Energiebilanz.

Themen-Cafés

Auch im Café im Foyer gibt es Treffen zu verschiedenen Themen: Kuchen aus Omas Zeiten, Sammeltassen-Café, Rund um den Apfel. Lesestube und das öffentliche Bücherregal „Geben und Nehmen“ laden zum Schmökern ein, der Welt-Laden bietet Produkte des fairen Handels. In der Pfarrscheune sind Filmabende und Reiseberichte von Gemeindereisen zu erleben, Koch-, Back- und Kartoffelfeste sowie Pflanzentauschbörsen.

Vielfältige Nutzung

Nutzer der Pfarrscheune sind: der Förderverein zur Erhaltung des Kirchenensembles Lichtenhagen e.V., Lichtenhäger Findlingsgarten e.V., Kulturverein Elmenhorst/Lichtenhagen e.V., Förderverein Denkmale Elmenhorst/Lichtenhagen e.V., Schulverein, Grundschule Lichtenhagen: Nutzung des Saales als Schul-Aula, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

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Podcast Sommercafé

Sommercafé

Im wunderschönen Pfarrgarten zwischen alten Obstbäumen hat sich seit 2016 ein Sommercafé etabliert. Von Juni bis August sorgen viele rührige Ehrenamtliche dafür, dass jeden Donnerstag zwischen 14 und 17 Uhr Menschen aus der Gemeinde und aus dem Dorf einen Platz zum Reden, Austauschen, für Kaffee und Kuchen finden. Inzwischen kommen bis zu 200 Gäste, sogar Touristen finden den idyllischen Ort und sind begeistert von der Offenheit der Gemeindemitglieder. Die Ehrenamtlichen sind mit Seele und Engagement dabei, erzählt Gemeindepädagogin Conny Buck. Sie hat den Überblick über die Kuchen und Torten und nimmt die Anmeldungen der Gäste entgegen. Die Männergruppe baut Tische, Stühle und Pavillons auf, die Frauen sorgen für Kaffee und Kuchen, deren Vielfalt kaum größer sein könnte. Bis zu 40 Blechkuchen, Obst- und Sahnetorten zaubern die freiwilligen Bäcker donnerstags aufs Kuchenbuffet. Das Sommercafé hat neue Verbindungen und Freundschaften ermöglicht als Ort einer offenen Gesellschaft

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Interviews und Filmproduktionen

Ich habe mit den Akteur*innen Interviews geführt und gemeinsam mit dem Kameramann Björn Kempcke mehrere Filme produziert. Seit 1994 ist Anke Kieseler, Pastorin der Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf. Sie erzählt im Interview gemeinsam mit Gemeindepädagogin Conny Buck, wie das Sanierungsprojekt Bewegung in die Gemeinde gebracht hat. Friedrich Heilmann vom Kirchengemeinderat erklärt die bautechnischen Details und gibt einen Überblick über die Haustechnik nach ökologischen Standards.

Den Prozess der Sanierung und Umnutzung hat die Nordkirche mit Herz und Engagement begleitet. Was die Mitarbeiter und Mitglieder unter Nachhaltigkeit, sozialer Teilhabe und Wirtschaftlichkeit verstehen, darüber berichten jetzt Annette Piening, sie ist Klimaschutzmanagerin im Umwelt- und Klimaschutzbüro der Nordkirche und Jörg Stoffregen, Diakon und Referent im Netzwerk Kirche inklusiv. Die Orgelmusik in den Filmen steuerte Andreas Hein, Kantor der Kirchengemeinde Lichtenhagen Dorf.

Links

Bewegen – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #1: https://youtu.be/cz4VTwfws0M / Nordkirche https://youtu.be/MvphEJHnOME

Wachsen – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #2: https://youtu.be/dAoQJ-V7nGs / Nordkirche https://youtu.be/jKQs9fYKVpg

Wandeln – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #3: https://youtu.be/ujVXjH-jBjc / Nordkirche https://youtu.be/EZJs5KuqCY4

Verbinden – Pfarrscheine Lichtenhagen Dorf #4: https://youtu.be/-YrBBXddmGI / Nordkirche https://youtu.be/Ynz9dHv-wuE

Haustechnik – Pfarrscheine Lichtenhagen #5 – nachhaltig und erneuerbar: https://youtu.be/HrFd_FBgxr8  / Nordkirche: https://youtu.be/T8X6BdUooBc)

Kurztrailer – Pfarrscheine Lichtenhagen #6: Was ist Nachhaltigkeit aus Perspektive der Nordkirche: Bauen und Entwicklung von Kirchengemeinden: https://youtu.be/J-p2RmZ2yTU

Nachhaltigkeit aus Perspektive der Nordkirche #7: https://youtu.be/NkLO5Jwf6yE  / Nordkirche: https://youtu.be/IegPCIcQrXQ)

Sommercafé – Ort einer offenen Gesellschaft #8: https://youtu.be/v0YPQkLukGs

 

Netzwerk-Kirche-Inklusiv

Kirche-fuer-Klima

Kirche-MV.de/Lichtenhagen-Dorf

Pfarrscheune/Bautagebuch-2017-2020

Lokaljournalismus im Aufwind: Kreativquartier Schwerin-Görries

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Schon während der Diplomarbeit wird Manuela Heberer klar: Die reine Wissenschaft ist nichts für mich. Heberer entdeckt den Journalismus für sich und findet den Quereinstieg über „learning by doing“. Sie jobbt im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, schreibt Artikel für die Thüringer Allgemeine, steigt dort intensiver mit einem Praktikum ein und schließt dann ein Volontariat in der Pressestelle der Hochschule an. Hier erhält sie eine Redakteursausbildung: „Das passte ganz gut, weil wir uns natürlich schon im Studium ganz viel mit Wissenschaftsthemen beschäftigt hatten. Durch mein Biologiestudium wusste ich natürlich auch, wie Wissenschaftler so ticken und wie Wissenschaftskommunikation geht. Das ist ein ganz wichtiges Thema heute, die Wissenschaft aus dem elitären Elfenbein herauszubringen und in die Öffentlichkeit zu tragen. 

Vielfältige Medienformate

Folgerichtig gründet Heberer 2012 ihr Medien-Startup alles-mv. Unter diesem „Dach“ realisiert sie vielfältige Formate, vor allem das Online-Magazin VielSehn mit Reportagen, Porträts und Ideen über engagierte Menschen, die in MV etwas bewegen. „Ich möchte damit die Vielfalt im Nordosten Deutschlands sichtbar machen und einen Gegenpol zu den gängigen Klischees setzen“, sagt Heberer. Spannende Gespräche bereitet sie für ihren Podcast Erste Generation auf. Auch die Lesereihe MV liest soll als Podcast und ebenso live in Kooperation mit der Hörspiel- und Begegnungsscheune Cramon langfristig weiter wachsen. Ein beliebtes Service-Angebot ist ihr Veranstaltungskalender Wohin Ihr wollt, der von vielen Mecklenburger gern genutzt wird. Auch der Natur fühlt sich Heberer verbunden, seit 2012 verantwortet sie die Redaktion für den Naturschutzbund in MV.

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Vielsehn – Geschichten aus der Region

„VielSehn“ ist als Selbstverständnis von Heberer zu verstehen. Naheliegend, dass es zum Titel ihres gleichnamigen Online-Magazins wurde, das Themen, Menschen und deren Vorhaben in der Mecklenburgischen Seenplatte sichtbar macht: „Wir machen uns auf die Suche nach den Menschen, die dort leben, den Unternehmen, die dort wirtschaften, den Initiativen, die sich dort engagieren, nach all denjenigen, die in der Region etwas bewegen. Es gibt also viel zu sehen!“ Kokreative Partnerin beim VielSehn-Magazin ist die Grafikerin Antje Siggelkow. Ihre gemeinsame Mission: professionelle Gestaltung und Design verbunden mit journalistischem Handwerk. Lokaljournalismus ist aktuell im Aufwind, auch in MV. Hier weht einiges an Gründergeist, häufig angefacht, weil engagierte Menschen Leerstellen erkennen und einfach machen. Aus Unzufriedenheit über Berichterstattung der Neubrandenburger Tageszeitung “Nordkurier” haben Heberers Kollegen vom Katapult-Magazin in Greifswald mit dem umtriebigen Chefredakteur Benjamin Fredrich gerade die Regionalzeitung Katapult MV auf den Weg gebracht. In nur vier Tagen kamen 19.000 € zusammen, damit können nun fünf Redakteure und Grafikerinnen pro Monat finanziert werden, um zunächst aus Greifswald und Stralsund zu berichten. Je nach Entwicklung des Zuspruchs und der Abonnentenzahl sollen weitere Büros in MV folgen.    

Aus eigenem Antrieb

In MV lässt sich noch Neuland beackern. Diese Erkenntnis treibt auch Heberer an. Wer mutig ist und langen Atem hat, kann viel bewegen. Die Anfänge waren 2012 mühsam, aber auch erfüllend, weil es keine Vorlagen gab: „Ich wollte damals einfach ein Medium haben, wo ich Beiträge über Themen schreiben kann, die ich sonst nicht lese oder vielleicht auch sonst in den etablierten Medien nicht unterbekomme als freie Journalistin. Themen, die ich mir selber suche und umsetze. Heberers Berichterstattung wird von den Portraitierten und den Protagonisten begeistert und dankbar aufgenommen. Sie beobachtet immer wieder, wie schwer es kleine Akteur*innen und Unternehmer*innen haben, weil sie nicht die Kapazitäten haben, in die Öffentlichkeit zu gehen. „Klar, die pflegen ihren Facebook- und Instagram-Account und haben meistens auch einen Online-Shop. Aber für Öffentlichkeitsarbeit, also dass man rausgeht und von sich erzählt, dafür bleibt dann oft gar keine Zeit. Und daher freuen sich die Leute dann umso mehr, wenn mal jemand vorbeikommt, Fragen stellt und das dann in einem entsprechenden Rahmen auch veröffentlicht wird. Ich merke an der Resonanz und am Zuspruch bei den Lesern: Das sind wirklich Themen, die wollen die Leute wirklich lesen.“

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Mecklenburgische Seenplatte

Der aktuelle Wirkungsradius ist für Heberer wegen des VielSehn-Magazins vor allem die Mecklenburgische Seenplatte. Der größte Landkreis Deutschlands erstreckt sich über 5.000 Quadratkilometer und bietet eine Fülle spannender Geschichten und Orte: von der Müritzregion im Südwesten über die Feldberger Seenlandschaft bis an die Uckermark im Osten, das Trebeltal um Demmin und das Peenetal bei Loitz im Norden. Eine wunderschöne und vielfältige Region mit Flüssen und Seen, mit viel Freiraum und viel Land. Das lässt nicht nur Touristen schwärmen, auch Einheimische wie Heberer wissen die Natur und die zauberhaften Orte zu schätzen. Durch ihre Online-Artikel möchte sie ihre Erlebnisse in herrlicher Umgebung mit anderen teilen: „Ziel ist es, die Vielfalt zu zeigen, um auch potenzielle Zuzügler von der Region zu überzeugen. Von den Menschen, der Kultur und der Lebensart.“    

Lebensmotto

„VielSehn“ ist zu einem  Lebensmotto von Manuela Heberer geworden. Als Journalistin ist sie viel unterwegs, hat Augen und Ohren stets nah an den Menschen, ihren Geschichten und ihren Vorhaben. Heberer ist überzeugte Mecklenburgerin. Sie wurde in der Landeshauptstadt Schwerin geboren, arbeitet und lebt hier glücklich mit ihren Kindern und ihrem Ehemann. Die Dauerliebe zu Mecklenburg wurde nur kurz unterbrochen – von einem Gastspiel in Thüringen für ihr Biologiestudium und ihr Volontariat. Mecklenburg ist für Heberer Heimat durch und durch: „Hier bin ich zu Hause, hier fühle ich mich wohl, hier komme ich mit den Menschen am besten klar.“

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Kreativquartier Schwerin-Görries

Visionäre Ideen entstehen in kreativer Umgebung. Schon seit 2012 arbeitet Heberer etwas außerhalb der Landeshauptstadt – im Kreativquartier Schwerin-Görries an einem geschichtsträchtigen Ort. Vor etwa 100 Jahren haben findige Köpfe hier einen Flugplatz mit angeschlossener Flugschule eröffnet. Die beiden Weltkriege haben allerdings die zivile Luftfahrt beendet. Das Rollfeld wurde zum Gewerbegebiet, das sogar einen Anschluss an die Regionalbahn hatte. Übrig geblieben sind zwei Gebäude: die ehemalige Flugschule im Bauhausstil, und das Offizierskasino. Hier ist das Herzstück des Kreativquartiers untergebracht. Hier entwickelt Heberer in ihrem Büro ihre Medienformate neben weiteren Kreativschaffenden, Künstler*innen, Freiberufler*innen. Außerdem arbeiten hier Handwerker und proben hier Musiker*innen, weit genug entfernt vom benachbarten Wohngebiet im Stadtteil Görries. So steht auch der nächtlichen Nutzung nichts entgegen – was auch die angrenzenden Clubs und Theaterprobenräume zu schätzen wissen. Zwischen ehemaligen Textilfabriken und Autohäusern genießen Clubkultur und Graffitikunst den vorhandenen Freiraum, um sich zu entfalten und zu verwirklichen. Das Kreativquartier wird immer weiter ausgebaut und findet Stück für Stück neue Bewohner*innen. Aber: Platz für weitere kreative Macher, für Tüftler und Visionäre ist noch vorhanden.

Ideale Bedingungen am Stadtrand  

Heberer ist nicht nur Journalistin und Gründerin, sondern auch Raumpionierin. Gemeinsam mit ihrem Vater will sie weitere kreative Köpfe in das Kreativquartier nach Schwerin-Görries locken. Sie ist überzeugt: „Gerade die Lage in der Peripherie mit Parkplätzen vor der Tür und guter Verkehrsanbindung bietet mir gute Voraussetzungen. Schon viele Jahre kenne ich das Quartier und habe mir immer vorgestellt, dass hier ein Ort entsteht, an dem viele verschiedene Freelancer, Unternehmen, Kreativschaffende unter einem Dach arbeiten und sich gegenseitig austauschen, vernetzen und vielleicht sogar gemeinsam Projekte durchführen. Das Quartier bietet dafür ganz vielfältige, vielleicht sogar ungeahnte Möglichkeiten und wartet auf Mitgestalter.“

Der Boden in Schwerin-Görries ist bereitet: für visionäre und mutige Macher, für Kunst und Handwerk, für digitale Startups und Werbeagenturen, für Design- und Architekturbüros, für Vereine und Bildungsangebote, für Clubs und Gastronomie.

PODCAST

 

 

Renaissance der bayerischen Porzellanstraße: Kreative im Fichtelgebirge

 © KÜKO Fichtelgebirge

Die Region im bayerischen Fichtelgebirge kämpft gegen Landflucht, Fachkräftemangel und Leerstand. Um neue Perspektiven zu eröffnen, setzt die dortige Entwicklungsagentur auf die systematische Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Erfolge sind vielversprechend! Ich habe mit ChancenergreiferInnen, MöglichmacherInnen und Weiterdenkerinnen der Region gesprochen.

Kreativwirtschaft als Motor

Der Landkreis Wunsiedel liegt an der bayerischen Porzellanstraße. Nach dem wirtschaftlichen Einbruch in den traditionellen Industrien im Kunsthandwerk und schwierigen wirtschaftlichen Jahren geht es jetzt wieder aufwärts. Die Abwärtsspirale ist gestoppt. Wie das gelungen ist, fasst Thomas Edelmann zusammen, er leitet die Entwicklungsagentur Fichtelgebirge: „Wir haben erkannt: Wir brauchen Kreativschaffende und deren Querdenken für die Fortentwicklung des Landekreises. Daher haben wir mit Kreativen der Region ein Verbundprojekt gestartet. Unser Landkreis Wunsiedel arbeitet eng mit der Künstlerkolonie Fichtelgebirge zusammen. Wir wollen gemeinsam das Thema Kreativwirtschaft nach vorne bringen. Da ist es förderlich, wenn wir die Kräfte bündeln. Weil die Kreativ-Unternehmen häufig klein sind, haben wir zusätzlich die Plattform KÜKO-Fichtelgebirge [=Künstlerkolonie] geschaffen, wo die Akteure der Branche sichtbar werden und sich noch stärker vernetzen können.“

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Netzwerkmanagerin

Die Entwicklungsagentur Fichtelgebirge verfolgt einen breit gefächerten, holistischen Ansatz. Sie kümmert sich nicht nur um Wirtschaftsförderung und Fachkräftesicherung, sondern auch um Regionalmanagement und Digitalisierung, Klimaschutz- und Bildungsthemen sowie um die Sichtbarkeit und Wahrnehmung der Region. Seit Februar 2019 Jahren finanziert die Entwicklungsagentur eine Netzwerkmanagerin im Forum Kreativwirtschaft Fichtelgebirge. Astrid Köppel widmet sich ausschließlich der Kreativwirtschaft und fungiert als Schnittstelle zwischen Landkreis und Kreativ-Akteuren. Sie vernetzt, informiert, vermittelt zwischen Kreativen einerseits und dem Landkreis andererseits sowie gegenüber Wirtschaftspartnern, Banken, Behörden, Gremien und Institutionen und findet überall die richtigen Ansprechpartner. 20% der Kosten für die Netzwerkstelle übernimmt der Landkreis (50.000 € pro Jahr per Kreistagsbeschluss), 80% kommen als Zuschuss aus Mitteln des Regionalmanagements im Freistaat Bayern durch das Bayerische Wirtschaftsministerium. Thomas Edelmann: „Ich empfehle auch anderen Regionen so wie bei uns einen festen Mitarbeiter zu installieren und zu finanzieren, der die Kreativen unterstützt, berät und für ihre Interessen eintritt. Das ist auch politisch betrachtet ein Ausrufezeichen, dass man in diesen Wirtschaftszweig der Kreativschaffenden speziell investiert.“

 © KÜKO Fichtelgebirge

Raumwohlstand

Leerstehende Gebäude machen eine Regionen unattraktiv. Doch sie bieten zugleich auch Freiraum, Raumwohlstand wenn man so will. Es ist eine Frage der Perspektive: Ist das Glas halb leer oder halb voll? Die Kreativen sehen eher die Chancen und Möglichkeiten und haben großartige Ideen für neue Nutzungskonzepte. Mittlerweile werden in ganz Oberfranken entsprechende Investitionen angeregt. Städtebauförderung, Förderung durch das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) sowie Sonderförderprogramme, z. B. die Förderoffensive Nord-Ost Bayern, geben inzwischen auch Geld dazu. Um neue Impulse von Kreativschaffenden zu erhalten, lädt der Landkreis Wunsiedel sie gezielt in die Region ein, wie Sabine Gollner, Vorsitzende im KÜKO e.V. erzählt: „Umworben werden kreative Menschen, die ihren Raum mitgestalten und teilhaben wollen am gesellschaftlichen Wandel. Hier in den kleinen Orten und Gemeinden kann man die Resultate der eigenen Arbeit viel direkter spüren und sehen, was passiert, wenn man sich einbringt. Das ist in den Metropolen sehr viel schwerer. Auf dem Land rufe ich einfach den Bürgermeister an, wenn mir wieder irgendeine Aktion einfällt.“ Gollner weist auch auf den wirtschaftlichen Schneeballeffekt hin. Wenn eine Region nach und nach attraktiver wird, ziehen mehr Menschen dorthin: „Vielleicht können wir hier sogar teilhaben an einer positiven Gentrifizierung: Jetzt günstig ein Haus kaufen und es in einigen Jahren möglicherweise mit Gewinn weiterverkaufen. Dann eventuell weiterziehen und helfen, andere Orte zu beleben. Eine Gentrifizierung, von der auch Kreative profitieren, kann auch im ländlichen Raum funktionieren.“

Sanierung statt Neubau

Bei der Leerstandsverwaltung und einer nachhaltigen Orts- und Stadtentwicklung hilft das cross-sektorale Netzwerk und Portal Freiraumleben.Fichtelgebirge. Leerstehende Immobilien und deren Eigentümer können darüber ausfindig gemacht werden: von Einzelhandelsobjekten in der Innenstadt über ehemalige Gewerbeflächen, Bauernhöfe bis zu gastronomischen Objekten. Kreative vernetzen sich mit Eigentümern, um gemeinsam neue kreative Nutzungskonzepte zu entwickeln. Das Kernteam des Netzwerkes besteht aus geschulten MitarbeiterInnen der Städte, Gemeinden, des Landkreises sowie der gKU Winterling Immobilien und der KÜKO-Künstlerkolonie. Auf der Website verlinkt ist ein Online-Verzeichnis mit Datenbank, die das Auffinden von Kreativen und deren Dienstleistungen erleichtert.

 © Freiraumleben.Fichtelgebirge / KÜKO Fichtelgebirge

Ausstrahlung nach außen

Bau- und Sanierungsprojekte, die bereits erfolgreich realisiert wurden, macht eine Film-Kampagne sichtbar. Sie entstand im Auftrag des Landkreises Wunsiedel, gefördert vom Regionalmanagement Bayern, Bayerisches Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat. Gute Beispiele strahlen über die Region hinaus und ziehen neue Fachkräfte und Kreative an. Sabine Gollner: „Es gibt genug Kreative in der Region, die porträtiert werden können und die Mut und Lust auf die Region machen. Menschen, die zeigen können, hier ist eine andere Art des Arbeitens möglich: weniger Hektik, mehr Freiraum, entspannte Wege und – vor allem – günstiger Arbeits- und Lebensraum. Abgesehen von dem Werbeeffekt nach außen können solche Portraits der Kreativen auch nach innen wirken. Regionale Kreativschaffende werden gestärkt und ermutigt, auch sich selbst sichtbarer zu machen.“

Raumwohlstand auf Reisen

Neben medialen Kampagnen setzte der Landkreis Wunsiedel auch auf Aktionen zum Anfassen, um Menschen von außerhalb auf die Region hinzuweisen und das Thema Raumwohlstand versus Raumknappheit greifbar zu machen. Mit Unterstützung kreativer Berater hat die Entwicklungsagentur ein analoges spielerisches Tool geschaffen: zwei unterschiedlich große transparente Glaswürfel, in die sich Menschen hineinbegeben können. Die Glaswürfel touren durch verschiedene Orte und sorgen auf Marktplätzen für Furore und Aufmerksamkeit von interessierten Neubürgern. Thomas Edelmann ist begeistert, wie gut das Gamification-Tool von den Leuten angenommen wird: „Das ist eine Bildsprache, die die Menschen sofort verstehen. Mit der Kampagne sprechen wir einerseits neue Unternehmen an, die in ihrer Heimatregion keine Expansionschancen mehr zu haben glauben und die sich nach neuen Wirkungsstätten umsehen. Andererseits zielen wir auf Familien, denn wir haben hier im Landkreis einen Naturpark, das ist ein Tourismusgebiet mit hervorragenden Lebensumständen. Und wir richten uns an Kreativschaffende, die nach neuen Flächen suchen, nach einem Büro oder einer kleinen Werkstatt.“

 © Sabine Gollner, KÜKO Fichtelgebirge

Kräfte bündeln im Kreativ-Netzwerk

Sabine Gollner kam im Jahr 2011 mit ihrer Familie nach Bad Berneck. Sie hatte zuvor im britischen Birmingham Architektur studiert und auch einige Jahre in der  Film- und Fernsehproduktion gearbeitet. Im Fichtelgebirge gründet sie mit ihrem britischem Partner ein neues Unternehmen: die Kreativagentur It’s About Time. Sie konzipieren kreative Projekte  speziell für den ländlichen Raum im Bereich Tourismus, Stadt- und Regionalentwicklung mit dem Fokus auf das Fichtelgebirge und Oberfranken. Die Projekte realisieren sie mit Partnern aus dem Netzwerk. Die QR-Tour Bad Berneck & Goldkronach z. B. ist ein europäisch gefördertes Pilotprojekt für Kultur- und Tourismus, das 2016 mit dem ADAC Tourismuspreis Bayern ausgezeichnet wurde. Im November 2011 hat Gollner die Künstlerkolonie-Fichtelgebirge initiiert und ist seitdem  Vorsitzende des Vereins – mit über 130 Mitgliedsunternehmen und Selbstständigen, eine Plattform und ein Netzwerk für Austausch und gegenseitige Inspiration. Das Community building erfolgt über Facebook mit derzeit 875 Abonnenten. Die Kreativen beweisen, dass Kultur die Regionalentwicklung beflügelt, dass sie als Motor und Impulsgeber wirkt. KÜKO initiiert immer wieder neue Kampagnen und Aktionen mit dem Ziel, Kreativschaffende vor allem mit der lokalen Wirtschaft zu verbinden. Ein Film-Clip gibt einen Überblick über die Vielfalt der Kreativschaffenden im Fichtelgebirge.

 © Sabine Gollner, KÜKO Fichtelgebirge

Kreative Traditionen

Astrid Klöppel und Sabine Gollner sind viel in der Region unterwegs. Sie ermutigen Zweifler, eröffnen Perspektiven, werben für Kooperationen und weisen unermüdlich auf den großen Nutzen hin: „Von Kreativen gehen entscheidende Impulse aus, die der ganzen Region gut tun“, sagt Gollner. Das Fichtelgebirge ist schon traditionsgemäß eine Kreativregion – mit einer kulturellen Geschichte voller Porzellan und historischer Baukultur. Ideenreichtum, Gestaltungskraft, handwerkliches und technisches Geschick seiner Bewohner haben die nordbayerische Region wieder auf einen erfolgreichen Kurs gebracht. Das östliche Oberfranken kann zum kreativen Innovationsinkubator werden. Gollner: „Was wir haben sind Geschichte, Kreativität, Zeit, Platz. Wohlstand in vielerlei Hinsicht also. Das alles gilt es jetzt positiv zu vermarkten. Und eine historische Zusammenarbeit: Dass die Landkreise und Städte Hof, Wunsiedel und Bayreuth landkreisübergreifend arbeiten.“

 © KÜKO Fichtelgebirge

Coworking

Gemeinsam mit der Entwicklungsagentur und dem Forum Kreativwirtschaft Fichtelgebirge entwickeln die Kreativen der Künstlerkolonie immer wieder neue Angebote, Formate und Kampagnen – sowohl für die eigene Branche als auch cross-sektoral und interdisziplinär mit anderen Wirtschaftspartnern. In Bad Berneck wurde die Schaltzentrale Bayern eröffnet, ein Coworking-Space, der kreative Kleinstunternehmen fördern und die Wirtschaftskraft der Region stärken soll. Das Konzept wurde von KÜKO im Auftrag des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) entwickelt. Sabine Gollner erklärt die Bedeutung dieser Zusammenarbeit: „Kommunen und Unternehmen in der Region können konkret etwas für die Kreativwirtschaft tun, indem sie Aufträge vergeben. Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) machte 2016 einen mutigen Schritt, indem das Modellprojekt Coworking-Spaces im ländlichen Raum an unser Netzwerk KÜKO vergeben wurde. Verwaltung und Kreativschaffende nähern sich durch solche Prozesse an, steigern die Wertschätzung und Wahrnehmung der Arbeit auf beiden Seiten.“

Wirkung von außen nach innen

Das Fichtelgebirge bietet unterschiedliche Räume für verschiedene Bedürfnisse: neben dem Freiraum Natur gibt es günstige Wohnungen und Häuser, Ateliers und Büroräume, Ausstellungsflächen und dazu eine gut organisierte kreative Community! Um die vielen Vorteile auch außerhalb der Region bekannter zu machen, initiierte KÜKO eine Kreativ.Bustour nach Wunsiedel. Die Reise-Kampagne brachte viele interessierte Neubürger ins Fichtelgebirge. Heimische Kreativakteure führten die BesucherInnen an einem Wochenende in verborgene Häuser und Orte, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind. Höhepunkt war eine sehenswerte abwechslungsreiche Kunstausstellung der besonderen Art.

Die positive Außendarstellung des Landkreises unterstützen auch inzwischen 24 Botschafter des Fichtelgebirges, engagierte Einheimische, die beruflich viel unterwegs sind. Ihre Reisen und Gespräche nutzen sie, um für das Fichtelgebirge überregional, national und international zu werben. Sie kommunizieren die Potentiale und Schönheiten der Region und vermitteln Kontakte in die Region vermitteln. Die Kampagne wird von der Entwicklungsagentur Wunsiedel betrieben.

  © Stefan Heerdegen, Pixelio.de

Identitätsbildung nach innen

Die Kreativen binden gerne die BewohnerInnen der Region in ihre Aktionen ein, z. B. um wichtige identitätsstiftende Orte im Landkreis zu ermitteln. KÜKO startete dafür ein internationales Artist-in-Residence-Programm, bei dem Künstler von außerhalb auf einheimische BewohnerInnen treffen: Blicke von außen schärfen den Blick nach innen. Die Bad Bernecker fanden über die Kunstaktion heraus, welche Orte ihnen in ihrer Heimat wichtig sind und wie sie ihr Selbstverständnis prägen: die glanzvolle Kurgeschichte, die Kommunikation untereinander, die Natur und die Mobilität. Ausgewählt wurden am Ende ein historisches Wetterhäuschen, eine Kneippstatue, ein Telekom-Hotspot, ein Parkautomat und eine „Knutschbank“. „Wer sind Wir?“ fragte kürzlich auch das Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel und hatte KÜKO als Partner eingeladen, eine Aktion im Landkreis Bayreuth durchzuführen. Gefördert wurde das Projekt im Fonds Stadtgefährten der Kulturstiftung des Bundes.

Sichtbarkeit und Storytelling

Das Fichtelgebirge hat sympathische und tatkräftige BewohnerInnen, die mit Kopf, Herz und Hand schon viel erreicht haben. Die kreativen Alltagshelden werden in medialen Geschichten präsentiert und bekannt gemacht. Die Medien-Kampagne und das Online-Portal Freiraum für Macher zeigen, was das Fichtelgebirge zu bieten hat: für Chancenergreifer, Möglichmacher, Weiterdenker, Traumverwirklicher, Familiengründer, Naturliebhaber. Es gibt Texte, Fotos und Filme über Stammbürger, Rückkehrer und Neubürger, über ihr Leben, ihre  Arbeit und Freizeit in der Region. Die Kampagne wird vom Landkreis Wunsiedel betrieben und als Projekt gefördert vom Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forst sowie vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

 © KÜKO Fichtelgebirge

Kreative Produkte als „Erinnermich“

Wenn Touristen Urlaub machen, möchten sie etwas Bleibendes mit nach Hause nehmen, das sie an die Region erinnert: ein kreatives Produkt, dass unverwechselbar ist, dass es nicht überall gibt. Mitglieder des KÜKO-Netzwerks haben neue, kreative Souvenirs für das Fichtelgebirge entwickelt. Im Pop-Up-Store SOUVENIR in Bad Berneck im ehemaligen NKD-Markt im Maintalcenter werden sie temporär zum Verkauf angeboten. Der Ort kombiniert Werkausstellung, Kulturraum und ein Magazin mit utopischen Visionen für die Region. Die Tourismuszentrale Fichtelgebirge sponsert zusammen mit KÜKO die Erstellung von Prototypen von Souvenirs und lobt auch einen Fachpreis aus.

 © KÜKO Fichtelgebirge

Überregionaler Austausch

Die Erfahrungen in der Regionalentwicklung teilt KÜKO gerne mit anderen Kreativnetzwerken in Deutschland, z. B. über Kreative Deutschland, den Bundesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland e.V., sowie über seine Landesverbände. Vom Austausch profitieren die Kreativen deutschlandweit, auch um gegenüber der Politik. 2019 fand die deutschlandweite Jahreskonferenz des Bundesverbandes in Röslau im Fichtelgebirge statt. Die Filmkampagne Peripher und ganz zentral entstand in Nachbereitung. Sie soll die Sichtbarkeit der kreativen AkteurInnen verbessern und eine mehrwertstiftende Verknüpfung herstellen – zwischen Kreativbranche und anderen Wirtschaftszweigen, ebenso zu Verwaltung, Politik und Fördergebern. Gemeinsam lässt sich besser Druck machen, auch außerhalb von Bayern mit erfolgserprobten Formaten und Modellen, z. B. einer Netzwerkmanagerin für Kreative, die Kultur- und Kreativwirtschaft mehr zu unterstützen. Die Investitionen in der Kreativen wirken sich in jedem Falle positiv auf die Regionalentwicklung aus. Das Fichtelgebirge beweist dies in vielerlei Hinsicht.

KreativLandTransfer: best practice

2020 wurde KÜKO im bundesweiten Programm KreativLandTransfer als best-practice-Projekt ausgewählt, denn: KÜKO ermöglicht mit besonderen Ansätzen kulturelle und lebendige Orte im ländlich Raum und stärkt die Region sozial, wirtschaftlich und kulturell. Die ausgewählten Projekte haben durch ihr herausragendes Engagement Vorbildswirkung für AkteurInnen in ganz Deutschland. In den kommenden Monaten werden sie ein Konzept erstellen, um ihre Erfahrungen an entstehende aussichtsreiche Projekte weiterzugeben. Mit fachlicher und organisatorischer Unterstützung von ExpertInnen und Coaches werden die Kenntnisse zudem in einem virtuellen Lernraum an die NachahmerInnen weitergegeben.

PODCAST

Jörg Klingohr – Coach, Comedian, Moderator, Unternehmer

 © Rainer Sturm, pixelio.de

Jörg Klingohr ist in Mecklenburg geboren und will für sein Heimatland Verantwortung tragen. Er ist nach dem Studium der Wirtschaftspsychologie nach MV zurückgekehrt und ist dort in vielen Rollen aktiv: als Coach, Comedian, Moderator und Unternehmer.

Alte Substanz neu belebt

Im Jahr 2000 kauft er symbolisch für eine D-Mark eine alte Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG), baut sie mit viel Herzblut und Engagement zum Bauernhof und Familienhotel um. Den Namen Bauer Korl‘s Golchener Hof lehnt er an seine Kunstfigur Bauer Korl an.

Offenes Ohr

Mit “Bauer Korl” tourt Jörg Klingohr an Wochenenden als Comedian durch das Mecklenburger platte Land. So lernt er nicht nur viele neue Dörfer, sondern auch die Befindlichkeiten, Sorgen, Nöte, Ängste der BewohnerInnen in Mecklenburg kennen. Was ihm wiederum in seinem Hauptberuf zugute kommt: Als Wirtschaftspsychologie und Coach arbeitet er seit 2002 mit Führungskräften und Mitarbeitern taucht in regionale Wirtschaftskreisläufe ein und trägt Verantwortung für die Gemeinschaft, nicht zuletzt auch in seinem Golchener Hof.

 © Golchener Hof, Jörg Klingohr

Mischnutzung mit vielen Ideen

Er bietet dort viel Raum für Konzerten und Comedy, Hochzeiten und Betriebsfeiern, Tagungen und Seminare, wo er auch als Moderator nachfragt und zuhört. Und die Pläne gehen immer weiter: Neben einem Heuhotel ist 2015 eine soziale Betreuungseinrichtung für Jugendliche entstanden, 2016 die erste Bauernhof-Kita in der Region „De Dörpkinner“ und 2017 eine kleine Bauernhofkirche, die Besuchern und Gästen für Trauungen und innere Einkehr zur Verfügung steht.

  © Jörg Klingohr

Sozialhydrauliker

Was fasziniert Jörg Klingohr am Leben und Arbeiten in Mecklenburg? Auf welche Hürden trifft er bei seinen Unternehmungen? Mit welchen Denkblockaden seiner Mitmenschen in MV wird er konfrontiert? Und was braucht MV, damit es viel mehr murige Raumpioniere wie ihn gibt, die das Bundesland mit viel Energie gestalten? Das frage ich Jörg Klingohr – den Macher mit vielen Talenten, Interessen, der immer ein offenes Ohr hat. Und der sich selbst “Sozialhydrauliker” nennt.

Podcast-Interview

Links

Golchener Hof: https://www.golchenerhof.de/

Bauer Korl: https://www.golchenerhof.de/veranstaltungen-und-events.html        

wi.ps – Wirtschaftspsychologisches Institut: https://www.wips24.de/profil.html