Glaubwürdig, authentisch, sympathisch: Mit Podcasts voll im Trend

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Podcasts liegen im Trend und erleben gerade eine Renaissance – nicht erst durch Corona. Die erste Welle von Audio-Produktionen großer Radio- und Fernsehsender startete bereits um 2010. Podcast ist ein Medienformat, das ausschließlich zum zeitversetzten Hören (auf Abruf) für das Internet entwickelt wurde. Podcasts erscheinen oft als Reihe, d. h. als regelmäßig veröffentlichte Audiobeiträge zu einem bestimmten Thema. Interessierte Hörer bzw. Nutzer können sie kostenlos abonnieren und jederzeit auf dem Smartphone, Tablet oder PC abrufen. Einige Podcasts haben inzwischen mehr ­Hörer als bekannte Radiosender in Deutschland. Bei der “Online Marketing Rockstars”-Konferenz wurden Podcasts zum neuen Online-Trend erklärt.

Nutzerzahlen

Laut einer aktuellen Studie von ARD und ZDF (2021) hat die online-Audionutzung im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen. 85% der Bevölkerung ab 14 Jahren nutzt täglich für 177 Minuten Audioinhalte, also knapp 3 Stunden. Etwas mehr, 222 Minuten, nutzen die Menschen Filmangebote bzw. Bewegtbild. Zum Vergleich: Nur 52 Minuten am Tag widmen sich die Menschen dem Lesen von Texten. Podcasts und Radiosendungen bzw. Beiträge aus Radiosendungen auf Abruf werden im Jahr 2021 von 53 Prozent der Menschen ab 14 Jahren genutzt. Podcasts und Radiosendungen bzw. Beiträge aus Radiosendungen auf Abruf im Internet werden von 69 Prozent der 30- bis 49-Jährigen gehört, von 66 Prozent der unter 30-Jährigen, 44 Prozent der 50-69jährigen und 28 Prozent der über 70jährige.

Nutzer nach Alter und Geschlecht

Die konkreten Zahlen: Mehr als ein Viertel (53 Prozent) der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren nutzt regelmäßig Audiopodcasts, die Zahlen haben  sich gegenüber 2018 mehr als verdoppelt, Männer etwas häufiger als Frauen. In der Altersgruppe 14-29 Jahre liegt die Dauer bei 169 Minuten, bei 30-49 Jahren sind es 174 Minuten, bei 50-69 Jahre sind es 189 Minuten, bei denen über 70 Jahren 166 Minuten.

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Beliebte Themen

Im Vorfeld der Online-Innovationskonferenz  scoopcamp 2018  führte statista im Auftrag von nextMedia.Hamburg im Mai 2018 eine repräsentative Studie zur Podcastnutzung durch. Immer mehr private Nutzer hören demnach Podcasts: 51 Prozent der Deutschen haben bereits einen Podcast gehört, 11 Prozent haben dies zukünftig vor. Thematisch setzen die Nutzer vor allem auf Unterhaltung (54%), Wissenschaft und  Weiterbildung (49%), Politik und Wirtschaft (46 %), Interviews und Talkrunden (37%), Technik (33%).

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Zielgruppen und Nutzerverhalten

Die Nutzer von Podcast sind gebildet, neugierig  offen und interessiert. Ihre Verweildauer und Aufmerksamkeitsspanne liegt mit bis zu drei Stunden Zuhördauer weit über der von Film- und Video-Nutzern bei youtube oder Vimeo. Die Herausforderungen unserer Welt sind komplexer geworden, sie benötigen daher auch eine ausführlichere Darstellung. Die längere Spieldauer von Podcasts ermöglicht es, Inhalte und Botschaften detailliert darzustellen und nicht nur Ausschnitte der Realität wiederzugeben, wie in unserer schnelllebigen Medienwelt oft üblich. Podcast sind ein hervorragendes Tool für das lebenslange Lernen.

Corporate Podcast

Inzwischen hat auch die Wirtschaft das Thema Podcast für sich entdeckt, nicht zuletzt um jüngere, digitale Zielgruppen zu erreichen und Menschen, die beruflich viel unterwegs sind. Mit Podcasts können Unternehmen Geschichten erzählen, die sich über andere Medien nicht transportieren lassen. Über Stimmen lassen sich Emotionen transportieren, die extrem wichtig sind, damit Inhalte vom Hörer wahrgenommen und erinnert werden.

Beispiele für Unternehmens-Podcasts

Regelmäßig werden Podcasts von Mercedes-Benz, Telekom, Microsoft Deutschland, BMW, Edeka, TUI – Mein Schiff, DFB, brandeinsMagazin, Spiegel Online, Zeit Online, made in germany – das Wirtschaftsmagazin der Deutschen Welle, WuV – Werben und Verkaufen sowie viele unabhängig produzierte Podcasts zu agilem Arbeiten, Coaching, IT und Digitalisierung, CSR, Kreativität, Innovation, Kommunikation, Management, eCommerce, Personalentwicklung, Führung, StartUp- und Unternehmenskultur  u.a.m. Auch in der Politik hat sich Podcast als Medium längst etabliert, wie die Reihe von Kanzlerin Angela Merkel zeigt.

Zielgruppenspezifische Ansprache

Podcasts können die Kundenbindung stärken, wenn sie den Bedarf der Zielgruppe treffen. Über eine Abo-Funktion wird der Hörer unkompliziert über jede neue Folge informiert, kann sie abrufbar und auf dem Smartphone/Tablet/PC speichern. Abonnenten können eine engere Beziehung zu Unternehmen und Marken aufbauen. Firmen erhalten direkten Zugang genau zu der Zielgruppe, die sich für die Themen des Podcasts und das Unternehmen interessiert. Der Streuverlust bei Abonnenten ist gering und die Relevanz hoch.

Themen für Corporate Podcasts

Firmen können Podcasts u. a. für ihr recruiting nutzen, um neue Fachkräfte und Nachwuchs aufmerksam zu machen und für das Unternehmen zu gewinnen. Denkbar sind Interviews mit Mitarbeitern über Teamgeist im Unternehmen, Förderung von Nachwuchs und High Potentials, Vielfalt, Innovationen, besondere Marketingaktionen, Nachhaltigkeit und CSR, Digitalisierung, Corporate Volunteering, Engagement in der Region am Unternehmenssitz, Förderung von Kunst und Kultur. Interviews mit Kunden über deren Zufriedenheit mit besonderen Dienstleistungen oder mit dem Kundenservice des Unternehmens dienen als erfolgreiche Tools zur Kundenbindung.

Auch für die interne Kommunikation sowie für die Aus- und Weiterbildung sind Podcasts ein hervorragendes Medium. Kurze knackige Audio-Lektionen lassen sich rasch anfertigen, um Neuerungen im Unternehmen zu verkünden oder Mitarbeiter im Sinne des lebenslangen Lernens fortzubilden. Vorteilhaft ist auch die Produktion von Reportagen über Veranstaltungen, Messen, Events oder einen Tag der offenen Tür.

  © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio.de

Podcast-Produzenten

2021 haben Wissenschaftler der Universität Bamberg sich näher mit den Autoren und Produzenten von Podcasts befasst, also mit den über die Menschen hinter dem Mikrofon. Grundlage war eine Online-Befragung, auf die knapp 1.100 Podcaster antworteten. Sie waren im Schnitt 19 bis 39 Jahre alt, der Jüngste in der Befragung war 15, der Älteste 72. 65 Prozent waren männlich, 33 weiblich.

Mehr als ein Drittel der Befragten nutzt das Medium, um sich selbst oder die eigene Dienstleistung zu vermarkten. Etwa 20 Prozent erstellen die Podcasts im Zusammenhang mit dem eigenen Jobs, 48 Prozent sehen den Podcast als private Beschäftigung in der Freizeit an, d. h. fast die Hälfte der  Podcasts in Deutschland werden mit nicht-kommerziellem Hintergrund Kontext realisiert. Hier mehr zur Podcaster-Studie.

Mobiles Medium

Podcasts sind das ideale Medium für Nutzer, die mobil und viel unterwegs sind. Denn Audios können im Auto, in der Bahn, im öffentlichen Nahverkehr und im Flugzeug gehört werden, ebenso in der Freizeit: beim Joggen oder im Fitnessstudio, zu Hause, in der Küche, im Wohnzimmer oder abends vor dem Einschlafen.

Unverfälscht ohne Schnitt

Podcast-Interviews werden nicht geschnitten oder nachträglich „geschönt“. Sie sind zu 100 Prozent authentisch, weil Äußerungen nicht im Schnitt zurechtgebogen werden, wie es oft bei Imagefilmen geschieht. Die Inhalte und Botschaften der Gesprächspartner werden 1:1 unverfälscht zum Empfänger bzw. Nutzer geschickt.

Audioqualität

Bei Interviews sollte darauf geachtet werden, dass der Gesprächspartner nah genug am Mikrofon positioniert ist bzw. ein Headset-Mikro trägt und dass die Lautstärke gut gepegelt ist. Störgeräusche und Lautstärkeschwankungen durch Bewegungen des Gesprächspartners vom Mikrofon weg können nachträglich nur noch zu einem gewissen Maße nachkorrigiert werden – etwa durch Entfernen der Lautstärkepeaks und durch Komprimierung.

Authentizität und persönliche Ansprache

Das Fachmagazin WuV – Werben und Verkaufen erklärt im Frühjahr 2017, warum Podcast ein charmantes und nachhaltiges Medium für Unternehmen und Marken ist. Vorteile bieten vor allem Sichtbarkeit und Reichweite, die erfolgreichsten Episoden würden über 150.000 Mal angehört. Im Vergleich zu Videos/Filmen erreichen Podcasts die Aufmerksamkeit der Nutzer einfacher und schneller, weil sich das Hören mit anderen Tätigkeiten kombinieren lässt. Ein Plus für Nutzer mit ständiger Zeitknappheit. Zuhören ist weniger anstrengend als selbst zu lesen. Das gesprochene Wort wirkt sehr persönlich. Naturgemäß hören wir gerne Geschichten von anderen Menschen, wenn sie mit angenehmer Stimme erzählt werden. Im Vergleich zu aufwändigen Filmproduktionen ist Podcast ein vergleichsweise günstig herzustellendes Medium. Im April 2021 veröffentlicht das Fachmagazin ein Heft zum Thema SOUND.

Werbespots in Podcast

In Amerika nutzt u. a. der Matratzen-Hersteller Casper Podcasts als wichtigen Werbehebel. Kurze Audio-Werbespots, zielgruppengerecht an den Anfang von deutschsprachigen Podcasts platziert, haben Casper auch zum Siegeszug in Deutschland verholfen. Podcastwerbung ist in Deutschland noch Neuland, wie WuV berichtet: „Von den 50 erfolgreichsten unabhängigen Shows wird nicht einmal ein Viertel vermarktet. Eine Platzierung im Podcast kostet zwischen 1.000 und 3.000 Euro. Zum Vergleich: Bucht man einen Instagram-Post bei einem Influencer mit 100.000 Follower kostet dieser im Schnitt 1500 Euro. Ein Podcast, der nicht einfach übersehen wird und dessen Moderator nicht noch für 3 weitere Produkte am gleichen Tag wirbt, hat also einen ähnlichen Preis.

Vielfalt

Podcasts gibt es inzwischen zu unzähligen Themen: Wirtschaft, Politik und Finanzen, Bildung und Forschung, Gesundheit und Medizin, Management und Marketing, IT und Digitalisierung, Internet und Netzwelt, Astronomie und Weltwissen, Sex und Sport, Medien und Kultur, Kunst und Museen, Comedy und Unterhaltung und zur Kultur-und Kreativwirtschaft, z. B. MassivKreativ.

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Podcast-Plattformen

Zu den erfolgreichsten Podcast-Plattformen gehören Spotify, Audible, iTunes bzw. Apple Podcast, die Audiothek(en) von ARD und ZDF mit Deutschlandradio, TunIn, AudioNow, Youtube, Stitcher, FYEO – For Your Ears Only und Earli Audio.

Podcast-Verzeichnisse

Einen guten Überblick über Podcasts geben verschiedene Podcast-Verzeichnissen. Nach der Produktion müssen neue Podcast-Reihen dort angemeldet werden, damit die Verzeichnisse auf den Podcast verweisen und neue Folgen und Informationen automatisch aus dem sogenannten Podcast-Feed übernehmen und aktualisieren. Spotify bietet seit 2016 ein eigenes Podcast-Verzeichnis. Zu den weiteren bekannten Podcastverzeichnissen gehören u. a. iTunes Connect, fydd-HoersuppePodcast.de, Podster.de, PodList.de, Podcast.at, PodcasterInnen.org sowie die Podcast-Suchmaschine ListenNotes. Bei Stitcher / TunIn / AudioNow kann man Podcasts automatisiert bzw. per e-mail oder Online-Formular melden.

Upload und Audiostreaming

Als Upload-Plattformen eignen sich neben speziellen Hostern auch Soundcloud, Mixlr und YouTube, wo Audios mit Standbildern zu Filmen gewandelt später auch bei Facebook hochgeladen werden können. Musikplattformen wie iTunes, Spotify, Deezer u. ä. lassen sich über Podlove (kostenlos) oder Podigee (kostenpflichtig) vereinfacht bzw. automatisiert “bestücken”. Was bei Video bereits Standard ist, kommt langsam auch im Audio-Bereich. Facebook hat angekündigt, nach FacebookLive für Videostreaming bald auch Audio-Livestreams ins Netzwerk zu integrieren.

Auffindbarkeit und Sichtbarkeit: Kapitelmarken, Shownotes, Audiodeskription

Podcast-Produzenten investieren zum einen in gute Aufnahmetechnik, zum anderen aber auch viel Zeit, um die Containersysteme beim Hosting mit ausführlichen Informationen zu füllen. Klug gewählte thematische Tags sowie Infotexte für Kapitelmarken, die jede Minute den Inhalt des Podcasts beschreiben, geben dem Hörer Orientierung über die im Podcast besprochenen Inhalte. Sie gewährleisten darüber hinaus die Auffindbarkeit und Sichtbarkeit des Podcasts über die Google-Suche. Häufig werden Podcasts zusammen mit ergänzenden Sendungsnotizen zur aktuellen Episode veröffentlicht. Diese sogenannten Shownotes können neben einem beschreibenden Text auch Bilder und Links zu den besprochenen Themen enthalten.

Audiotranskription, Audiodeskription

Zeitsparend und zugleich sehr sinnvoll für die Google-Suche beim Auffinden von Keynotes ist eine Audiotranskrption- bzw. deskription. Es gibt inzwischen viele Anbieter, die eine  automatisierte Verschriftlichung anbieten, z. B.

f4x wurde im Umfeld vom Fraunhofer Institut entwickelt, läuft direkt im Browser, die hochgeladenen Daten sind entsprechend der DSGVO Richtlinien sicher; jeder neu registrierte Account erhält 30 Minuten Spracherkennung kostenfrei: https://f4x.audiotranskription.de/  (Kosten je Paket: 15 h = 99 € )  / sonix.ai/ (10 € je h) / Happyscribe.co (12 € je h) / amberscript.com (20 € je h / 75 € für 5 h je Monat) / simonsays.ai /   Trint.com (teurer) / Auphonic – weitere Infos /
Text2speach mit Google Docs  / Software: Dragon mit Audiotranskription nur Premium: 399 €  / Zuweilen erfolgt die Transkription auch kostenfrei von begeisterten HörerInnen bzw. Fans aus der eigenen Podcast-Community.

Wissenschaft, Bildung, Stiftungen

Wissenschafts- und Bildungsinstitutionen sowie Stiftungen setzen vermehrt auf die Verbreitung von Audio-Informationen, u. a. das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit FONA, Bertelsmann-Stiftung, Körber-Stiftung, Mercator-Stiftung, Heinrich-Böll-Stiftung, Stiftung entrepreneurship, Toepfer-Stiftung, Stiftung Warentest, Helmholtz-Gesellschaft, Helmholtz-Zentrum Potsdam, Fraunhofer-Gesellschaft sowie die erfolgreiche Interviewreihe Forschergeist von Tim Pritlove für den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft sowie Raumzeit mit Unterstützung des Zeiss-Großplanetariums in Berlin. Pritlove gilt als Pionier der deutschen Szene, der nicht nur Podcasts produzierten, sondern auch aktiv an der Software- und Tool-Entwicklung für Podcasts mitwirkt.

Geschichte

Die ersten Erfolge feiern Podcast-Serien in den USA und Großbritannien, über 20% der US-Amerikaner hören mindestens einen Podcast pro Monat. Die spannende Podcast-Reihe Serial wurden mit über 5 Millionen Abrufen zu einem Blockbuster, in dem es um Nachforschungen in einem Mordfall geht. In Deutschland wurde der Fluchtkunst-Fall #kunstjagd zu einem preisgekrönten Publikumserfolg und u. a. in der Kategorie “Beste Innovation” für den Deutschen Radiopreis nominiert. Die transmediale Spurensuche mit eingebundener Podcast-Reihe machte Zuhörer, Zuschauer und Leser zum Teil des Recherche-Teams. Der NDR sorgte 2017 für Schlagzeilen mit investigativen Podcasts über die Paradise Papers, im Zuge der Corona-Pandemie erhielt der NDR Info-Wissenschaftspodcast mit Christian Drosten den Grimme Online Award .

 © Rainer Sturm, Pixelio.de

Live

Die aktive Podcast-Community organisiert auch Live-Events mit Podcasts, z. B. regionale MeetUps und Veranstaltungen sowie die jährliche Konferenz SUBSCRIBE, die aus dem Podlove-Podcaster-Workshop hervorgegangen ist. Am 15. November 2017 fand in Hamburg die erste Podcast-Nacht in der Elbphilharmonie statt. Die Besucher  erlebten live die Aufzeichnung mehrerer Podcasts, präsentiert von Gastgeber Philipp Westermeyer von den Online Marketing Rockstars, einer der erfolgreichsten Podcastreihen in Deutschland. Mit dabei waren am Abend u. a. Internetunternehmer Frank Thelen und Tagesschau-Sprecherin Linda Zervakis.

Arbeit als Spiel: Gamification für die Industrie

IndustryGamification-MVM3 © Centigrade GmbH

Jörg Niesenhaus ist „User Experience Engineer“ und damit Experte für Interaktionen zwischen Maschine und Mensch. Er ist außerdem Leiter des Standorts Mülheim beim Unternehmen „Centigrade“ und sorgt mit seinem Team für ein übersichtliches Schnittstellendesign an Maschinen und technischen Geräten und für benutzerfreundliche Interaktionsformen.

Routinen durchrechen

Niesenhaus plädiert dafür, mehr spielerische Elemente (Gamification) in den Arbeitsalltag einzubeziehen. So lassen sich z.B. die Motivation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigern, vor allem bei eintönigen Routinevorgängen. Um Abläufe greifbarer zu machen und zu visualisieren, nutzen er und seine Kollegen auch schon mal Legosteine bzw. -Figuren und simulieren damit Szenarien aus der Arbeitswelt der Industrie. Wird Gamification richtig eingesetzt, können Prozesse effizienter ablaufen.

IndustryGamification-ProductionStation IndustryGamification-ProductionStation5 © Centigrade GmbH: Prozess-Simulationen mit Lego

Erfahrungen aus der Gamesbranche

Vor seiner Zeit bei Centigrade war Jörg Niesenhaus 11 Jahre lang in der Spieleindustrie tätig, u. a. bei den Firmen Blue Byte, Similis und Ubisoft. Auch an der Universität Duisburg-Essen setzte er sich in der Forschungsgruppe Interaktive Systeme und Interaktionsdesign mit digitalen Spielen auseinander und beschäftigte sich mit Fragestellungen aus dem Bereich Mensch-Maschine-Interaktion und Usability Engineering.

IndustryGamification-LoadingStation IndustryGamification-TeamScore2 © Centigrade GmbH

Maschine motiviert Mensch

Jörg Niesenhaus leitet für die IT-Firma Centigrade den Standort in Mülheim. Sie hat ihren Sitz in der „Games Factory Ruhr“ – seit 2009 Kompetenzzentrum und Treffpunkt für die Gamesbranche. Ich habe mit Jörg Niesenhaus ausführlich über das Thema Gamification gesprochen und darüber was seine Firma „Centigrade“ erforscht und woran sie aktuell arbeitet. Im Interviews geht es u. a. um das kollektive Computerspiel Foldit, das Wissenschaftlern bei der Optimierung von Proteinen helfen soll. Mehr zum Thema auch im Blogartikel von Jörg Niesenhaus Maschine motiviert Mensch. Empfehlen möchte ich außerdem;: 

Sight – ein kritischer futuristischer Kurzfilm über unsere spielefizierte Zukunft von Eran May-raz and Daniel Lazo

• taz-Artikel: Weil wir alle Spielkinder sind. Wie man Menschen dazu bringt, Dinge zu erledigen, auf die sie keine Lust haben.

Gamification und Motivation

Ein Pionier in Gamification ist Roman Rackwitz. Er sagt: “Das einzige was zählt ist ‘Engagement’. Im Spiel ist der Mensch auf der Jag nach dem ‚Besseren Ich‘: Er verlangt nach Herausforderungen, liebt Veränderungen und befindet sich auf der ständigen Suche nach neuem Wissen & Fortschritt.”

Rackwitz leitet die Gamification-Agentur Engaginglab und beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Social Media und Engagement. Sind wir Menschen intrinsisch motiviert, können wir bei unseren Vorhaben – egal ob beruflich oder privat – enorme innere Triebkräfte entwickeln. Der intrinsische Motor wirkt weitaus besser und stärker als ein klassisches Belohnungssystem, das von außen aufgezwungen wird. Mehr dazu in diesen Präsentationen von Rackwitz- Slideshare 1 und Slideshare 2.

Weitere Inspirationstipps: