Kultur- und Kreativwirtschaft vor der Bundestagswahl 2017

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Der Bundesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland – Kreative Deutschland – setzt sich für die Förderung und Wahrung der Interessen der hiesigen Kultur- und Kreativwirtschaft ein. Darunter fällt insbesondere die Förderung der Akzeptanz von Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, ihre bessere Wahrnehmung und Sichtbarkeit sowie die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Kreativschaffenden. Die Erarbeitung von Standards für die Branche ist ein besonderes Anliegen.

Aus diesem Grund hat der Bundesverband eine Reihe von Fragen erarbeitet, die in Form von Wahlprüfsteinen bundesweit an die Spitzenkandidaten der politischen Parteien übermittelt werden. Versandt werden die Fragen über Kultur- und Kreativschaffende aus dem Netzwerk der „Kreative Deutschland“.  

Die Politiker sind aufgefordert, die folgenden Fragen im Sinne der Positionen ihrer Partei zu beantworten, sowohl von ihren wirtschaftspolitischen als auch kulturpolitischen Sprechern.

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Wahlprüfsteine

Die nachfolgenden Wahlprüfsteine hat der Branchenverband der Kultur- und Kreativwirtschaft Deutschland – Kreative Deutschland –  entwickelt, um sie den aktuell im Bundestag vertretenen Parteien (inklusive der FDP) zur schriftlichen Beantwortung vorzulegen. Die Antworten der Parteien werden in der Woche vor der Wahl, ab dem 11. September 2017, auf den Website von Kreative Deutschland unbearbeitet veröffentlicht.

Stellenwert der Kreativbranche im Parteiprogramm

Frage 1: In den vergangenen Jahren wuchs insbesondere durch die Arbeit der Kultur- und Kreativwirtschaftsverbände in den Städten, Regionen und Ländern Deutschlands sowie durch die Mitglieder des Netzwerks öffentlicher Fördereinrichtungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland die volkswirtschaftliche und wirtschaftspolitische Anerkennung der aus vielen Kleinst- und
Einzelunternehmen bestehenden Kreativökonomie. Welchen Stellenwert nimmt die Branche im Programm Ihrer Partei ein?

Investitionen für die Kreativbranche

Frage 2: Die Initiative Kultur und Kreativwirtschaft der Bundesregierung hat zum Ziel, „die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu stärken und die Erwerbschancen innovativer kleiner Kulturbetriebe sowie freischaffender Künstlerinnen und Künstler zu verbessern“. Seit Abschluss der Regionalberatungen 2014 findet jedoch keine direkte Förderung der Akteure im Rahmen des Programms mehr statt. Wie beabsichtigt Ihre Partei die vorhandenen Bundesmittel zukünftig einzusetzen, um insbesondere die Akteure vor Ort zu unterstützen?

Netzwerkförderung

Frage 3: Zahlreiche Studien zur Branche kommen zu dem Ergebnis, dass die Zusammenarbeit in Netzwerken für die kleinteilige Branche der Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg der Akteure ist. Dennoch erhalten die meisten Netzwerke keine institutionelle Förderung. Welche Position vertritt Ihre Partei beim Thema Netzwerkförderung?

Nichttechnische und sozialer Innovationen

Frage 4: Innovationsförderung bezog sich in Deutschland bislang bislang vor allem auf Investitionsförderung bei technischen Innovationen. In der aktuellen Studie über Ökonomische und verwaltungstechnische Grundlagen einer möglichen öffentlichen Förderung von nichttechnischen Innovationen im Auftrag des BMWi liegen „Schwerpunkte der Untersuchung auf der Kreativwirtschaft“ (z.B. Gamesbranche), der Energiewirtschaft, der digitalen Gesundheitswirtschaft sowie auf weiteren „digital industries“ (S.4). Damit werden breiten nichttechnischen und sozialen Innovationen der Kultur- und Kreativwirtschaft eine geringere Priorität eingeräumt. Welchen Fokus
legt Ihre Partei bei der zukünftigen Förderung von nichttechnischen Innovationen?

Urheberrechte und Leistungsschutz

Frage 5: In den vergangenen Jahren fand in Deutschland und Europa eine intensive Auseinandersetzung über den Schutz von Urheberrechten im digitalen Zeitalter statt. Diese Diskussion ist für die Kreativökonomie, zu der sowohl Urhebende (bspw. JournalistInnen,
KomponistInnen, TexterInnen) als auch Verwertende (z.B. Blogger, DJs) gehören, von hoher Bedeutung. Welche Standpunkte vertritt Ihre Partei in Bezug auf den Urheber und Leistungsschutz?

Altersvorsorge

Frage 6: Anders als für abhängig Beschäftigte gibt es für junge Selbständige und UnternehmerInnen keine attraktiven Angebote zum Aufbau einer Altersvorsorge. Wie möchte Ihre Partei diese Situation ändern?

Künstlersozialkasse

Frage 7: Viele schöpferisch tätigen KreativunternehmerInnen sind in der Künstlersozialkasse (KSK) abgesichert. Wie möchte Ihre Partei das System der Sozialversicherung für diesen Personenkreis künftig gestalten?

 

Bitte senden Sie uns Ihre Antworten als Textdatei (max. 500 Zeichen, nicht als PDF) bis spätestens 6. September 2017 per E-Mail an: lars.fassmann@kreative-deutschland.de. Vielen Dank für Ihre Mitwirkung!

 

Übrigens: Auch der BBK – der Bundesverband bildender Künstler – hat in seinem Heft 2-2017 zur Bundestagswahl Fragen an die Parteien gestellt,  u. a. zu Urheberrecht, Altersversorgung und Steuern, zur Künstlersozialversicherung und Ausstellungsvergütung. Darüber hinaus fordert der BBK die Verankerung von Kultur im Grundgesetz, die Schaffung eines eigenen Bundesministeriums für Kultur und Fördrrprogramme für kulturelle Integration. 

Bürgerteilhabe und Kreativität in Politik und Verwaltung

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Trampelpfade machen verfehlte Verwaltung sichtbar. Wenn Bürger nicht gefragt werden, ignorieren sie die behördlich angelegten offiziellen Wege. Gelingt hingegen die Einbindung der Öffentlichkeit, die Kommunikation und der Perspektivwechsel führen Aktivitäten von Anfang an in die richtige Richtung und begrenzen Kosten, etwa bei der Verkehrsplanung, bei der Jugendbeteiligung in den Quartieren oder bei der Verständigung über Tourismus-Leitbilder, um austauschbare Slogans zu vermeiden (z. B. Brandenburg: „Neue Perspektiven entdecken“). Teilhabe verringert geistige Einbahnstraßen, weckt Phantasie und Toleranz und erhöht die Akzeptanz von Entscheidungen. Wenn Kreativschaffende und Künstler beteiligt werden, kann das nur von Vorteil sein, wie die folgenden Beispiele zeigen.  

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Kreatives Bürger-Atelier in Bonn

Im Viktoriakarree in Bonn stoppte ein Bürgerbegehren den Verkauf von Grundstücken an einen Investor, der dort eine Shopping-Mall bauen wollte. Auf der Bürgerbeteiligungsplattform Bonn macht mit kann man die Aktivitäten der Initiatoren verfolgen. Das Künstlerteam CommunityArtWorks mit Daniel und Jennifer Hoernemann ergriff die Initiative, um sich innerhalb des weiteren Beteiligungsverfahren zu engagieren. Sie erhielten den Zuschlag und gründeten ein kreatives Bürgeratelier in der Innenstadt. Seitdem schaffen sie über künstlerisches Wahrnehmen, Denken und Handeln Raum für Kreativität und Fehlerkultur. Das Bürgerbeteiligungsverfahren zur Neugestaltung des Viktoriakarrees in Bonn läuft seit Herbst 2016 in Kooperation mit den Architekten von neubighubacher und den Stadtentwicklern von zebralog. Das Künstlerteam von CommunityArtWorks bearbeitet seit langem gesellschaftliche und unternehmerische Herausforderungen mit künstlerischen Methoden und Interventionen im öffentlichen Raum. Es greift mit dem „Büro für die Nutzung von Fehlern und Zufällen“ aktiv in Prozesse ein, fördert Kommunikation und Reflexion. Ich habe mit Daniel Hoernemann ein Podcast-Interview geführt:

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Soziale Dorfentwicklung: KREATIVE für MV

In Mecklenburg-Vorpommern hat Corinna Hesse den Wettbewerb „Soziale Dorfentwicklung: Kreative für MV – MV für Kreative“ initiiert und interagiert als Projekt- und Workshop-Leiterin. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung unterstützt das Modellvorhaben, das die Potenziale von Kreativen stärker bei der Gestaltung von Gesellschaft und bei lösungsorientierten Herausforderungen nutzen möchte, z. B. durch Perspektivwechsel und Querdenken, Mut und Experimentierfreude.

Corinna Hesse ist Sprecherin von „Kreative MV“ – Netzwerk der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Verlegerin im Silberfuchs-Verlag: „Gesucht werden für den Wettbewerb zivilgesellschaftliche Projekte zwischen Kreativschaffenden und Bürgern.“ In interdisziplinären Kreativworkshops und Coachings vor Ort können Kreativschaffende und Bürger – angeleitet und unterstützt u. a. von Vermittlern wie Corinna Hesse – ihre Projektideen weiterentwickeln und verfeinern. Ich werde redaktionell über das Projekt berichten, denn ich bin überzeugt, dass ländliche Regionen von kreativen Ideen für ein sinnstiftendes Zusammenleben profitzieren. Im Fokus des Wettbewerbs stehen künstlerisch-kreative Methoden für gesellschaftsgestaltende Prozesse, die auf besondere Herausforderungen in der Region eingehen. Die besten 3 Projekte werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt und mit Projektmitteln von insgesamt 10.000 € unterstützt. Details zum Wettbewerb werden am 23.11.2017 bei der KREATOPIA in der IHK Rostock bekannt gegeben, der Branchenkonferenz der Kultur- und Kreativwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Ab Ende November 2017 können sich Künstler und Kreative mit einer Projektidee bewerben.

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Antibürokraten in Kopenhagen

Im dänischen Kopenhagen haben Wirtschafts-, Finanz- und Justizministerium das Innovationslabor MindLab gegründet. Die Mitarbeiter sollen den Alltag in der Metropole lebenswerter und kreativer machen. Sie begleiten Bürger bei Behördengängen und ermitteln deren Probleme beim Ausfüllen von Formularen. Sie hören den Bürgern zu und fragen direkt nach, was verbessert werden kann. 130 Projekte haben die Vordenker landesweit angestoßen, in den Bereichen Mobilität, Bildung und Wissensmanagement, bei der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt und der Müllvermeidung: Grüne Fußabdrücke auf Bürgersteigen, die den Weg zu Mülleimern zeigen, halfen dabei, den Abfall auf Straßen um beachtliche 40 Prozent zu reduzieren. 

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Nudge-Methode

Die US-amerikanische Regierung versuchte es 2008 unter Barack Obama, die britische Regierung 2010 unter David Cameron 2010 und ebenso die Bundesregierung unter Angela Merkel: Sie engagierten kreative Mitarbeiter für Verhaltenseinblicke (The Behavioural Insights Team), um mit der „Nudge“-Methode das Verhalten der Bürger auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote, Gebote oder ökonomische Anreize zu setzen. Die vom Staat eingesetzten Psychologen sollen Bürger mit kleinen „Anstupsern“ animieren, sich besser zu verhalten: Energie zu sparen, Steuern zu zahlen, für das Alter vorzusorgen, sich gesünder zu ernähren. Die Briten gehen derzeit der Frage nach, wie sich bei Bürgern Gewissenhaftigkeit, Verantwortung, Motivation, Kreativität und Offenheit am besten unterstützen lassen.

In Österreich erarbeiten Akteure aus Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft im GovLab gemeinsam übergreifende Lösungsansätze. Die Erkenntnisse werden über Prototypen an andere Bürger weitergegeben. In der Schweiz unterstützt das gemeinnützige Staatslabor die öffentliche Verwaltung mit innovativen Lösungen. In die Modellprojekte sollen Bevölkerungsgruppen eingebunden werden, die in der Schweiz nicht über Stimm- und Wahlrecht verfügen.

Community als Spiel

Im US-amerikanischen Salem nutzt die Stadtverwaltung spielerische Ideen, um das heruntergekommene, brachliegende Viertel „Point Neighborhood“ neu zu beleben und von Müll zu befreien. Gamedesigner vom Institut EngagementLab entwickelten das Community-Spiel PlanIt, eine Mischung aus Kontaktbörse, sozialem Netzwerk, Umfrage-Instrument und Wettbewerb. Die Bewohner können sich über ihr Viertel austauschen und dabei Punkte sammeln: Motivation mit spielerischen Elementen. Dank Gamification übernehmen die Bürger mehr Verantwortung für Müll, während die Stadt Flächen für neue Geschäfte schafft und Zuschüsse für die Renovierung historischer Gebäude vergibt. Das Konzept wurde auch auf andere Orte und Projekte übertragen.

Rostock hilft

In Rostock übernahmen im September 2015 kurzerhand die Bürger das Ruder, als die Verwaltung mit den ankommenden Flüchtlingen überfordert war. Anfangs gab es Widerwillen gegen das bürgerliche Engagement, dann doch Anerkennung von Senator Steffen Bockhahn für die kreativen Ideen, der 2016 sagt: „Ohne die Zivilgesellschaft hätten wir es damals nicht geschafft.“ Akteure vom Verein Rostock hilft und vom Rostocker Kreativzentrum projekt:raum haben die Aktionen maßgeblich getragen, logistisch über digitale Einsatzlisten und Facebook organisiert und viele kreative Programme für Geflüchtete entwickelt, wie „Kochen über den Tellerrand“.

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Finding Places

Hamburg rief 2016 in Kooperation mit der HafenCity Universität und dem MediaLab des Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Beteiligungsprojekt Finding Places zu 34 Workshops An einem interaktiven Stadtmodell konnten Bürger geeignete Orte für neue Flüchtlingsunterkünfte benennen. Eine Bürgerbeteiligung mit Lerneffekt, denn vielen wurde zum ersten Mal bewusst, wieviele Bestimmungen und Vorschriften im städtischen Raum zu beachten sind.

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Umdenken: Wie Banken und Banking sexy werden

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Banking ist nicht sexy und müsse es auch nicht werden, meinte kürzlich KPMG-Bankexperte Sven Korschinowski in einem Interview: „Banken erbringen keine Primärleistung [Hauptleistung]. Finanzdienstleistungen sind ein Mittel zum Zweck, z. B. zur Erfüllung eines Konsumwunsches.“ 

Haben Banken eine Zukunft?

Leider viel zu kurz gedacht – in meinen Augen. Wenn Banken ihr Selbstverständnis auch zukünftig allein auf Finanzdienstleistungen gründen, verspielen sie über kurz oder lang ihre Existenzberechtigung. Banken steht ein massiver Arbeitsplatzabbau bevor. Mit Blick auf Blockchain, FinTechs und Finanz-Apps (Banking to go / Banking für die Hosentasche), fragen sich bereits heute viele Kunden, warum sie für die Regelung ihrer finanziellen Verpflichtungen Gebühren zahlen sollen, wenn sie die Leistungen anderswo gratis bekommen. Microsoft-Gründer Bill Gates sagte schon 1998: „Banking is necessary, Banks are not”.

Warum heutige Banken nicht sexy sind

Der Hype um FinTechs, neue Technologien und digitale Geschäftsmodelle verstellt den Blick auf die wahren Probleme von Banken und zugleich auch auf ihre Chancen und Potentiale. Warum ist Banking nicht sexy? Weil die Verwaltung von Geld genau genommen leblos ist. Ganz anders ist es, wenn der Mensch ins Spiel kommt. Wie wäre es, wenn Banken zum Lebens- und Potenzialberater ihrer Kunden werden würden und dabei nicht nur Kapitalvermögen und Immobilien im Blick hätten?

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Potentiale des Immateriellen

Seit Jahrhunderten wird der Bankkunde auf sein materielles Vermögen reduziert! Warum soll das zukünftig so bleiben, frage ich mich. Wir leben in einer Informations- und Wissensgesellschaft, die sich auf Talente, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gründet! Wäre es nicht weitaus nachhaltiger gedacht, eine Bank würde ihren erwachsenen und heranwachsenden Kunden begleitende Beratung bei der Berufs- und Lebensplanung anbieten? Sie könnten Schülern mit Hilfe von Partnern aus Wirtschaft und Kultur kostenfreie kreative Workshops offerieren – zur Talenterprobung und Potentialentfaltung. Stattdessen werden minderjährige Bankkunden bzw. deren Eltern phantasielos mit Zinsen geködert (Mäusesparen & Co.). Zukunftsorientierte Banken sollten ihre Kunden von morgen lieber mit spannenden Erlebnissen locken, bei denen Kinder und Jugendliche Offenheit, Mut, Kreativität und Vielfalt erfahren und erspüren können. Das, was die Arbeitswelt zukünftigen Generationen stärker abfordern wird und das, was uns Menschen trotz Künstlicher Intelligenzen unersetzlich macht. Gewohnte Denkmuster müssen daher dringend aufgebrochen werden!

Fragen an die Bank der Zukunft

Warum muss sich die Dienstleistung einer Bank auf die Verwaltung von materiellen Dingen (Vermögen, Kredite usw.) beschränken? Kein Wunder, dass der Kunde das wenig sexy findet! Warum investiert diese – wie andere bedrohte Branchen auch – meist nur in technologische Innovationen? Warum denkt eine Bank der Zukunft nicht primär über eine soziale Innovation nach und setzt erst später unterstützend und begleitend auf neue Technologien? Der Mensch sollte Treiber für die Technologie sein und nicht umgekehrt! Warum lassen Banken das immaterielle Kapital und Vermögen ihrer Kunden derzeit völlig außer Acht?

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Nachhaltigkeit

Wer seine Kunden umfassend bei Bildung und Potentialentfaltung unterstützt und in ihre Talente investiert, wird zukünftig vermutlich über finanzstarke, solvente und zufriedene gesunde Kunden verfügen. Und nicht nur das: Er wird Kunden haben, die gesund und resilient sind, weil sie durch Talent- und Potentialentfaltung gelernt haben, zukünftigen Veränderungen im Leben oder am Arbeitsmarkt flexibel, offen und angstfrei zu begegnen.

Wer seine Kunden nach ihren Neigungen, Leidenschaften, Ideen und Lebensträumen befragt und sie bei der Realisierung unterstützt, vom Denken und Planen zum Handeln zu kommen, wird sie dauerhaft an sich binden. Wer in immaterielle Potentiale seiner Kunden investiert, sorgt für ein nachhaltiges Geschäftsmodell. Wer seinen Kunden hingegen weiterhin unmoralische Spekulationsgeschäfte mit Hedgefonds und risikoreichen Derivaten aufschwatzt und Vermögen gewissenlos verzockt, wird verdient untergehen.

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Soziale Innovationen

Wo Märkte und Branchen versagen, bilden sich Freiräume und Chancen für soziale Innovationen und für die Bank von morgen, der sie getrost ihr Vertrauen schenken dürfen. Stellen Sie sich folgende Szenarien vor:

Szenario 1: Angebote für Heranwachsende

Sie erhalten Post von Ihrer Hausbank: „Sehr geehrte/r Kunde/in, in wenigen Tag für Ihr/e Sohn/Tochter 14 Jahre alt. Wir freuen uns mit Ihnen und möchten Ihr Kind zu einem Erlebnis- und Entdeckertag mit einer kostenfreien eintägigen Talent- und Potentialberatung einladen. Der Gutschein ist beigefügt! Wir freuen uns auf Ihr Kind und einen ereignisreichen Tag. Mit freundlichen Grüßen – Ihre Potential-Bank der Zukunft!“

Ein interdisziplinäres Team erfahrener Pädagogen, Psychologen, Künstler und Sozialwissenschaftler unterhält sich ausführlich mit Ihrem Kind, lässt es spielerisch verschiedene geistige, kreative und empathiebezogene Herausforderungen bearbeiten und Fragebögen ausfüllen. Am Ende erhalten Sie und Ihr Kind eine ausführliche Auswertung und ein persönliches Beratungsgespräch, um Ihrem Kind und Ihnen verschiedene Vorschläge für ein künftiges sinnerfülltes und glückliches Leben zu unterbreiten, an welchem Ort, in welcher Branche, in welcher Funktion auch immer, entsprechend der besonderen Talente, Fähigkeiten und Neigungen, egal ob in einer Erwerbsarbeit oder in einem Ehrenamt.

Bereits heute bieten Institute in jeder größeren Stadt Potentialanalysen für Jugendliche an, allerdings zu stolzen Preisen um die 1.500 €. Eine Investition, die nicht jeder aufbringen kann.

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Szenario 2: Angebote für Erwachsende

Sie sind an einem Wendepunkt in Ihrem Leben (völlig normal!) und denken über eine Veränderung nach. Sie rufen bei Ihrem persönlichen empathiekompetenten Bankberater an, dem Sie ihre Situation schildern. Er stellt für Sie persönlich ein interdisziplinäres Kompetenzteam zusammen, das der Bank verbunden ist, und vereinbart für Sie eine kostenlose ganzheitliche Beratung, die Ihre besondere Situation von allen Seiten beachtet. Zum Team gehören: ein Branchenexperte, ein Arbeitsmarkt- bzw. Personalexperte, ein Journalist, ein Psychologe, ein Allgemeinmediziner, ein Experte für lebenslanges Lernen und ein Künstler bzw. Kreativschaffender. Nach der Erstberatung wird das weitere Vorgehen entschieden. Das Expertenteam hört Ihnen zu und berät sie, Sie fühlen sich wertschätzt, angenommen, aufgefangen. Und finden früher oder später eine Lösung, die Sie glücklich macht und gesund bleiben lässt.

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Szenario 3: Herzensprojekte

Sie haben eine Projekt- oder Geschäftsidee bzw. planen ein soziales oder ehrenamtliches Projekt. Neben Kapital benötigen Sie zunächst einmal Informationen: Kontakte zu Fachjournalisten und Branchenkennern, zu potentiellen Kunden zur Testung Ihrer Ideen und Prototypen, zu Künstlern und Designern sowie weiteren Wissensträgern, u. a. zu Studenten aus Universitäten und (Fach-)Hochschulen, zu Azubis passender Fachbereiche. Sie brauchen kommunikativen Austausch in einem Netzwerk mit Creator, Owner und Broker. Sie rufen Ihren Bankberater an. Mit Hilfe seiner Kontakte und einer digitalen Matching-Plattform stellt er Ihnen eine Vorschlagsliste mit einem interdisziplinären, fachkundigen Team zusammen und unterstützt damit Ihr Lebensprojekt mit ideellen Werten und immateriellem Kapital. Wer für Sie Beratungs- und Unterstützungsleistungen erbringt, wird hälftig von Ihnen, dem Kunden, und Ihrer Bank vergütet – über Micropayment bzw. ein Punktesystem, das der Hilfe-Erbringende später selbst rückinvestieren kann. Banken können zu ThinkTanks und zu sozialen Treffpunkten werden, für kommerzielle Vorhaben ebenso wie für soziale und ehrenamtliche Projekte.

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Wie soll das funktionieren?

Schon heute werden in Personalabteilungen Künstliche Intelligenzen eingesetzt, um die Auswahl geeigneter Bewerber bzw. zukünftiger Mitarbeiter zu erleichtern, zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. Ob dies immer im Interesse der Bewerber geschieht, ist ein anderes Thema. Fakt ist, dass Personalabteilungen zukünftig weniger Mitarbeiter benötigen. Die überzähligen Personalexperten könnten sich als Lebenssinn- und Potentialberater neu aufstellen, um vom Kind bis zum Rentner jeden Bürger zu unterstützen, eigene Talente und Fähigkeiten aufzuspüren und den individuellen Lebenssinn zu finden. Mentoring durch persönliche Zuwendung!

Der Mensch im Mittelpunkt

Der Ökonom Tomás Sedlácek war wirtschaftspolitischer Berater des früheren tschechischen Staatspräsidenten Václav Havel. In seinem philosophischen Buch Die Ökonomie von Gut und Böse schreibt er: „Die Menschen haben von den Ökonomen schon immer vor allem wissen wollen, was gut und was böse oder schlecht ist, und das ist bis heute so geblieben … Wir [Ökonomen] haben zu viel Gewicht auf das Mathematische gelegt und unser Menschsein vernachlässigt. Das hat zu schiefen, künstlichen Modellen geführt, die uns kaum dabei helfen, die Realität zu verstehen.“

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Die Bank als Lebensbegleiterin

Statt einen Menschen mit Druck zu entmutigen, sollten wir ihm mit positiver Sogwirkung Auftrieb geben. Wenn wir unser Potential bestmöglich entfalten können, werden wir den richtigen Platz für uns im Leben finden. Wenn die Bank dazu beiträgt, sorgt sie nachhaltig dafür, einträgliche und rentable Kunden zu gewinnen und dauerhaft an sich zu binden.

Wir können der eigenen Berufung und dem Herzensthema hochmotiviert bis ins hohe Alter folgen. Voraussetzung ist, dass uns jemand dabei unterstützt und uns die richtigen Fragen stellt:

  • Was könnte meinem Leben Sinn geben?
  • Womit möchte ich mir oder anderen Menschen Freude bereiten?
  • Wo und wie kann ich in der Gesellschaft Unterstützung leisten?

Warum sollte nicht eine Bank diese individuelle Lebenssinn- und Potentialberatung übernehmen bzw. sie zumindest anstoßen und begleiten? Könnten Banken auf diese Weise zu einem neuen Selbstverständnis finden – als Potentialförderer für uns Bürger? Sie könnten ihr häufig verspieltes Vertrauen zurückgewinnen, indem sie nicht nur materielles, sondern auch geistiges Vermögen treuhänderisch verwalten, also immaterielles Kapital analysieren, bewahren und vermehren.

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Kreativität und Lebenssinn

Es geht im Leben mehr denn je darum herauszufinden, wo die eigenen Talente und Fähigkeiten liegen, an welchem Ort und in welcher Funktion wir sie sinnvoll einsetzen möchten. Kreativitätsexperte Sir Ken Robinson hat es in einem Interview so erklärt: „You create your life and you can recreate it too. In times of economic downturn and uncertainty it’s more important than ever to look deep inside yourself to fathom the sort of life you really want to lead and the talents and passions that can make that possible.“ (Forbes)

Banken werden ihre Relevanz und Überlebenschance zukünftig daran messen lassen müssen, inwiefern sie den Austausch zwischen Menschen und die Vermehrung von sozialem Kapital fördern und das Geflecht persönlicher wertschätzender Beziehungen zum Blühen bringen. Das Saguaro Seminar der Harvard University hat 150 Strategien entwickelt, die zeigen, wie wir soziales Kapital vermehren können. Von diesen Ideen und Strategien können Banken sehr viel lernen! 

Peter Fox, der Sänger der Berliner Band Seeed, hat es im Song Alles neu auf seiner Solo-CD „Stadtaffe“ so formuliert:

„Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehn wo’s hingeht. Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.“

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Rettet Blockchain Kreativschaffende und ihre Wertschöpfungen?

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Blockchain heißt übersetzt Block- bzw. Kasten-Kette. Mit dieser Technologie werden Dateninformationen bzw. Datentransaktionen auf vielen Computern in einem Netzwerk gleichzeitig gespeichert, wie in einem Register. Die abgespeicherten Transaktionen können im Nachhinein nicht mehr verändert werden. Der Erfinder der Blockchain nennt sich Satoshi Nakamoto, er oder sie hat sich allerdings noch nie öffentlich zu erkennen gegeben.

Wie arbeitet die Blockchain?

Jede virtuelle Transaktion wird in Datenblöcke unterteilt, die als identische Kopien parallel auf vielen Rechnern verteilt und gespeichert werden (Bitcoin Miners s.u.). Alle Blöcke enthalten eine verschlüsselte Information über die vorhergehenden Blöcke, daher der Name „Block-Kette“.

Sicherheit

Die Datenbank-Informationen sind für jeden einsehbar, jedoch verschlüsselt und daher fälschungssicher. Neue Eintragungen in die Blockchain müssen von Teilnehmer-Netzwerk verifiziert werden. Versucht ein Teilnehmer seine Kopie der Blockchain zu verändern, würde das beim automatischen Vergleich mit den Kopien anderer Teilnehmer im Netzwerk sofort auffallen. Dennoch hat im März 2017 die US-Börsenaufsicht dem ersten Bitcoin-Fonds die Zulassung verweigert, die Risiken für Manipulation und Betrug u. a. durch Hackerangriffe seien derzeit noch zu groß. In Deutschland gibt es bisher noch kein reguliertes Wertpapier-Produkt mit einer Kenn-Nr. bzw. International Securities Identification Number (ISIN). In der Schweiz will in Kürze die Crypto Fund AG einen Fonds für Kryptowährungen anbieten (Juni 2017). 

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Blockchain für Geldtransfer

Mit der Blockchain-Technologie wird im Moment vor allem als digitales Kassenbuch genutzt, indem virtuelles Geld über das Internet hin- und hergeschickt wird, direkt von einer Person zur anderen, ohne Banken, Finanzvermittler, Börsen oder Zwischenhändler. Der Transfer der sogenannten Kryptowährungen erfolgt dezentral, sekundenschnell und wegen fehlender Zwischenhändler nahezu gebührenfrei (ca 1% der Transfersumme). Die erste und bekannteste Kryptowährung ist der Bitcoin. Er wurde 2009 eingeführt und basiert auf der Blockchain-Technologie. Die „Bitcoin Miners“ sind unternehmerisch geführte Rechenzentren mit unzähligen Anteilseignern, die in einem peer-to-peer-Netzes darum konkurrieren, den nächsten Block von Bitcoins herstellen zu dürfen und Nachweise über Bitcoin-Transaktionen zu führen. Sie erhalten Bitcoins als Belohnung für erbrachte Rechenleistungen. China ist aktuell Vorreiter. Zur Zeit sind über 13 Millionen Bitcoins im Umlauf. Mehr als 21 Millionen sollen nicht hergestellt werden. Analog zum Goldbestand soll auch die gezielte Beschränkung an Bitcoins vor Inflation schützen.

Insgesamt soll es bis über 800 verschiedene Kryptowährungen geben, neben Bitcoin auch Ether (s.u.), Monero und ZCash. Der Wert der Währungen kann sich innerhalb kurzer Zeit auf den Krypto-Tauschbörsen rapide verändern. Bis Mitte des Jahres 2017 legte Ether z. B. um 3000 % zu, Bitcoin hingegen „nur“ um knapp 200 %.  MtGox ging 2014 pleite, BitFinex musste nach einem Diebstahl von 120.000 Bitcoins (ca 58 Mio. Euro) Anfang August 2016 den Betrieb vorläufig einstellen. Die wichtigste deutsche Handelsplattform ist bitcoin.de. Die Fidor Bank bietet ihren Kunden direkte Bitcoin-Konten und den Handel dazu an, dank Bafin sogar einlagensicherungsgeschützt im Falle einer Insolvenz von Bitcoin.de (Quelle: ntv).  

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Verbreitung und Nutzung von Bitcoins

Laut Branchenportal btc-echo akzeptieren weltweit bislang etwa hundert Unternehmen Bitcoins als Zahlungsmittel, im deutschsprachigen Raum nur an die zwanzig Firmen, u. a. der Frankfurter Onlineshop Keycoon für 3D-Drucker-Zubehör und 4electric, der Zulieferer von Ladezubehör für Elektroautos. In Berlin-Kreuzberg bietet die Science-Fiction-Buchhandlung Otherland Lesbares und die Burgerbar Room 77 Ess- und Trinkbares gegen Bitcoins an. Die Bitcoin-Firma Bitwala mit 12 Mitarbeitern (März 2017) transferiert inzwischen Bitcoins für 20.000 Kunden in 120 Ländern. Vor allem Löhne werden mit Bitcoins länderübergreifend kostensparend gezahlt. Die zukünftige Vision von Bitwala: Maschinen sollen Maschinen bezahlen, indem sie sich gegenseitig scannen. Seit 17. Juli 2017 kann man auf der deutschen Börse Tradegate mit Bitcoin handeln

Neue Anwendungsbereiche

Als besonders zukunftsträchtig gilt die Blockchain-Plattform Ethereum, entwickelt von Vitalik Buterin (seit 2013) sowie der schweizerischen Non-profit-Stiftung Ethereum Foundation im schweizerischen „Kryptovalley“ in Zug. Ethereum verwendet die Kryptowährung Ether, die im Mai 2017 eine Marktkapitalisierung von 12 Milliarden Dollar verzeichnete. Während Bitcoins lediglich Geldtransaktionen ermöglichen, können über die Ethereum-Plattformen verschiedene Vermögens- und Wertgegenstände ausgetauscht werden – über „smart contracts“. Daraus ergeben sich viele Anwendungen, u. a. für Versicherungen und FinTech, für Logistik, Verkehr und Energiewirtschaft, für die Sharing Economy, das Internet der Dinge und Industrie 4.0, für Datensicherheit und Transparenz, für Verwaltung und eGovernment, z. B. E-Voting-Systeme, virtuelle Organisationen, Identity-Management und Crowdfunding. 

Teilhabe und Nachhaltigkeit

Die Blockchain ermöglicht es, die Gesellschaft neu und vor allem dezentral zu organisieren, damit wir unser Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich gestalten können. Von den Gewinnen der Plattformökonomie könnten Kulturproduzenten und Urheber endlich in dem Maße partizipieren, wie es ihnen zusteht. Auch nachhaltiges Handeln lässt sich direkt belohnen. Wer bewusst und ökologisch einkauft, Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens mit anderen teilt und seinen Abfall recycelt, könnte mit digitaler Währung belohnt werden. 

 © Etherum.org

Beispiele für smart contracts

Mit „smart contracts“ sollen vor allem administrative Prüfvorgänge automatisiert werden, z. B. von digitalen Identitäten, Bonitäten, Kreditvergabe, Schadensforderungen, Versicherungen, Medienvertrieb. Inzwischen beteiligen sich eine ganze Reihe von Institutionen und Startups an Ethereum, u. a.  die Entwickler von slock.it im thüringischen Mittweida, RWE, Thomson Reuters, Santander Bank, Microsoft, J.P. Morgan und die dezentrale Organisation Bitnation, die traditionelle Staaten überflüssig machen will. Estland, in Digitalisierungsfragen und eGovernment besonders progressiv, nutzt Bitnation bereits seit Ende 2015. Auch Griechenland soll aktuell mit der Blockchain experimentieren, Korruption, Verschwendung, Betrug in Zukunft vermieden werden. Hinterlegte Codes in der Blockchain sollen garantieren, dass Steuergelder nur zweckgebunden ausgegeben werden dürfen. Die in Berlin lebende Wirtschaftsinformatikerin Shermin Voshmgir gründete den BlockchainHub Berlin und will mit der bahnbrechenden Technologie die Finanzbranche ebenso revolutionieren wie die staatliche Verwaltung (siehe Studie am Ende des Artikels).

Szenarien für Nutzer

Ethereum ermöglicht „smart contracts“, die z. B. für dezentrale Autovermieter und Energieerzeuger ebenso interessant werden könnten wie für Komponisten, Fotografen und Journalisten, mit positiven und negativen Szenarien. Hat ein Kunde die monatliche Lizenzrate für sein Auto nicht bezahlt, wird er den Wagen beim nächsten Fahrantritt nicht mehr starten können. Ein Auftraggeber für kreative Leistungen erhält dann Zugang zu urheberrechtlichen Werken,  wenn er die Produzenten in ausreichendem Umfang vergütet. Und wer auf dem Dach seines privaten Hauses Solarstrom erzeugt, kann die nicht verbrauchte Energie automatisiert in einem Netzwerk anbieten und verkaufen. „Blockchain verwandelt Daten zu Fakten“, sagt der Blockchain-Rechtsexperte Florian Glatz.

Chancen für die Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Ethereum-Blockchain sollals eine Art „Vertrauensmaschine“ den Austausch von Wertschöpfungen revolutionieren, denn auch immaterielle Werte sollen verwaltet und auf neue Weise vergütet werden. Ethereum weckt daher besonders in der Kultur- und Kreativwirtschaft große Hoffnungen. Während die Produktion kreativer Werke in den letzten Jahren demokratisiert und damit kostengünstiger wurde, läuft der Vertrieb nach wie vor über zentralisierte Plattformen (youtube, audible, spotify, Netflix, Instagram, Facebook usw.). Von den Gewinnen und Werbeeinnahmen profitieren meist nicht die Kreativen, sondern die Plattform-Monopolisten selbst.

Von der Ethereum-Blockchain könnten endlich die kreativen Produzenten profitieren, indem über die neue Plattform z. B. Patente für Ideen und Lizenzen für schöpferisch-kreative Werke verwahrt, ausgetauscht und vergütet werden, z. B. Musik, Fotos, Bilder, Logos, Texte, Filme usw. Kreative Urheber und auch Künstler sollen ihren Anteil am Werk sofort erhalten, wenn es konsumiert wird und nicht, wie derzeit üblich, erst Monate später.

Herausforderungen für Ethereum

Kreative Werke bzw. Daten können in der Blockchain nicht verwahrt werden, lediglich Lizenzen lassen sich verwalten. Klar ist auch: Noch bleiben viele Fragen offen. Die aktuellen Marktanteile der bekannten Plattformen sind immens und nicht zu unterschätzen. Ethereum wird eine Menge in Marketing investieren müssen, um youtube und Co. die Stirn zu bieten. Doch jede Revolution hat einmal im Kleinen angefangen: „Zweifle nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Menschen die Welt verändern kann – tatsächlich ist dies die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“ (Margaret Mead, US-amerikanische Anthropologin und Ethnologin)

Unter Hochdruck arbeiten Forscherteams daran, die Blockchain resistenter gegen Hackerangriffe zu machen. Ein russisches Team soll derzeit ein unzerstörbares, verteiltes Datenspeichersystem entwickeln, das durch Quantenkryptographie-Methoden besser geschützt ist. In der Quantenkryptografie werden keine klassischen Bits wie Nullen und Einsen übertragen, sondern einzelne Quanten. Auch Quantencomputer greifen auf Quantenbits (Qubits) zurück. Diese können sich bei null oder eins, aber auch in einem Status dazwischen befinden. Ob die Quanten-Technologie bisherige Systeme überflügeln kann, muss sich noch erweisen.

Eine weitere Plattform ist IOTA, nach eigenen Angaben die erste öffentliche „Blockchain“, die skalierbar ist – mit dem Ziel, dass Maschinen untereinander Daten, Ressourcen und Services kaufen und verkaufen werden, siehe IOT = Internet der Dinge.

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Blockchain-Aktivitäten von Kreativen

Großbritannien

Benji Rogers gründete bereits 2009 in London PledgeMusic.  Mit seinem Team entwickelt er  ein neues Format für die Musikbranche, das sogenannte .bc-Format, basierend auf dem smart contract der Blockchain. In diesem Datenpaket, vergleichbar mit einer Zip-Datei, will er nicht nur den Musiktitel selbst, sondern auch weitere Metadaten speichern (MVD = Minimum Viable Data). Sie sollen zu Komponisten, ausübenden Musikern und weiteren Firmen führen, die an der Produktion beteiligt waren. Auch Nutzungsformen des Songs sollen hinterlegt werden, wer den Song zu welchem Zweck und zu welchem Preis verwenden darf.

Die britische Sängerin Imogen Heap und die Firma Ujo Music arbeiten an einem Prototypen auf Blockchain-Basis für die Musikindustrie. Ziel ist eine transparente und effiziente Form der Musiklizensierung. Gebühren für Künstlerlizenzen sollen anonym und in Echtzeit transferiert werden.

Österreich

Das Wiener Museum für Moderne Kunst (MAK) hat im Rahmen seines MAK NITE Lab im März 2015 ein Kunstwerk mit Bitcoins gekauft, geschaffen von dem niederländischen Künstler Harm van den Dorpel. Es wurde von den Künstlern Valentin Ruhry und Andy Boot auf ihrer kuratierten Plattform Cointemporary.com zum Verkauf angeboten – zu einem festen Bitcoin-Preis unabhängig von seinem aktuellen Wechselkurs. 

Deutschland

Das Berliner Startup BigchainDB bietet mit dem Dienst ascribe für Kunstwerke bzw. Musik im Internet ein digitales Wasserzeichen  an („Ownership Layer” / „Hash Key“). Bei der Registrierung eines Werkes vergibt ascribe eine eindeutige ID. Sie setzt sich aus dem jeweiligen Datenfile und der Identität des Urhebers zusammen. Alle Informationen über Kopien des Werkes und deren Verbreitung werden in der Bigchain gespeichert. Künstler können so per Mausklick die Rechte an ihren Kunstwerken verwalten und Musik, Texte, Bilder, Filme zeitlich befristet vermieten oder verkaufen. Der Dienstleister asribe erhält dafür eine Provision. Eine unerlaubte Verbreitung des Werkes kann bisher nicht verhindert werden, aber zumindest kann der Urheber und Eigentümer des Werkes nachverfolgt werden. Zu den ersten Nutzern von ascribe gehören der bereits erwähnte Künstler Harm van den Dorpel, außerdem Titanium Comics. 

Der deutsche Künstler Stephan Vogler möchte seine digitalen immateriellen Schöpfungen als Unikate vertreiben, via Bitcoins. Gemeinsam mit Kunstrechtsexperten hat er eine Lizenz für digitale Kunstwerke als limitierte und eigenständig handelbare virtuelle Güter entwickelt. Die Werke werden mit einer eindeutigen elektronischen Signatur versehen. Der Eigentümer ist in der Blockchain registriert. Die der Nutzungsrechte werden durch eine Transaktion über Bitcoins vergeben. So können nicht nur haptische, sondern auch digitale, nichtmaterielle Kunstwerke zu Sammler- oder Handelsobjekten werden.

USA 

2014 gründeten die Künstler Anil Dash und Kevin McCoy die Plattform Monegraph, um Möglichkeiten der Blockchain für digitale Kunstproduktion auszuloten. Die Blockchains Proof-of-existence und Blockai wollen eine Art Patentschutz anbieten. Wenn Nutzer einen Betrag bezahlen, erhalten Sie einen Zeitstempel, ähnlich wie es schon digitale Bibliotheken beim Verleih  von Medien regeln.

Der Unterhaltungskonzern Disney experimentiert auf seiner Plattform Dragoncoin mit der Blockchain, um Erkenntnisse sowohl im Bereich Rechtemanagement (z. B. Filmlizenzen) als auch in seinen Unterhaltungsparks einzusetzen. Eine weitere Blockchain-Plattform für Kreative ist Binded.

Kanada

Blockchain-Plattform für Musik: dotBlockchain

 © slicer, Pixelio.de

Micropayment

Die Idee ist nicht neu: Schon Internet-Pionier Jaron Lanier, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2014, fordert in seinem Buch Wem gehört die Zukunft, dass jeder Urheber über Micropayment mit Kleinstbeträgen honoriert wird. Dabei geht es nicht nur um kreative Werke, sondern auch um die Vielzahl derjenigen, die Informationen und Bewertungen an Plattformen liefern, wie Amazon, Apple, Alphabet/Google, Facebook, Dating-, Gastronomie- und Übernachtungs-Portale: „Wir sind daran gewöhnt, Informationen als ‚kostenlos‘ zu betrachten, aber das funktioniert nur, solange der Großteil der Wirtschaft nicht auf Informationen basiert, ansonsten würden wir für diese Illusion einen hohen Preis bezahlen.“ 

Grundeinkommen durch Ethereum-Blockchain

Die internationale Non-Profit-Kunstinitiative The.Art möchte über die Ethereum-Blockchain ein Grundeinkommen für Kunst- und Kulturschaffende generieren, jenseits von Spekulationen und einem risikoreichen Auf und Ab der Kryptowährungen. Initiatoren sind die britische Künstlerin Maris Palmi und der Changemanagement-Berater und Ökonom Chirt Koese. In einem Team mit weiteren Privatakteuren wollen sie ohne staatliche Hilfe einen autarken digitalen Kreislauf schaffen, der Werte und Gelder für das Gemeinwohl generiert. Mit Künstlern, Wissenschaftlern und digitalen Erneuerern soll in einem offenen Dialog ein sozio- ökonomischer Prototyp entstehen. „Wir Künstler bringen das spielerische, experimentelle Moment hinein“, erklärt Maris Palmi, „und wir sind froh, mit Chirt Koese einen Initiator zu haben, der sich mit ökonomischen Prinzipien auskennt und uns dabei hilft, zukünftige Technologien wie Blockchain nicht zu verschlafen, sondern sie im Namen der Kunst für möglichst viele aktiv zu nutzen“.

© The.Art

The Art hat Künstler dazu aufgerufen, Werke für die Ausstellungsreihe „Thoughts Become Art“ einzureichen, die 2016 in Oxfort startete, im Juni 2017 im Berliner Baumhaus mit über 30 Künstlern Station machte (Launching Luvcoin) und weiter nach Hongkong, London und New York zieht. Kuratorin Maris Palmi hat die Ausstellung zusammengestellt. Chirt Koese erklärt das weitere Vorgehen: „Wir wählen einige der ausgestellten Werke aus und kaufen sie dem Künstler mit den nagelneu gestalteten Luvcoinchecks ab“. Anschließend können sich gemeinnützige Organisationen, Universitäten oder Krankenhäuser, melden und sich um eine kostenlose Leihgabe der Kunstwerke bewerben. Die Künstler setzen die Preise für ihre Werke selbst fest. Koese: „Alles, was The.Art jetzt und zukünftig initiiert, passiert im geschützten Kreislauf, über den alle Akteure per transparenten Blockchain-Protokollen wachen.“

Noch kann der Künstler mit den Luvcoins keine Miete zahlen oder im Supermarkt einkaufen. Die Coins sammeln sich in Form eines digitalen Sparbuchs an, die später auf Tauschbörsen gegen andere Krypto-Coins oder traditionelle Gelder (FiatGeld: Euro, Dollar) getauscht werden können. So soll ein autarker Kreislauf im Handel mit Kunstwerken entstehen, deren Erlöse den Künstlern und sozialen Institutionen/Projekten zugute kommen.

 © Alfred Krawietz, Pixelio.de

Blockchain als Multi-Innovation

Die Blockchain wird der neue Megatrend werden, prophezeien Experten. Sie ist eine technologische, ökonomische und soziale Innovation zugleich, die zu einer Demokratisierung durch dezentrale Marktplätze führen soll.

Technologisch: Über Micropayments können Bezahlprozesse, Kreditvergabe, Versicherungen, Bonitätsprüfungen und Crowdfunding kostengünstiger und schneller abgewickelt werden. Automatisierte Vorgänge (Internet der Dinge und miteinander kommunizierende Maschinen) sichern Effizienz.

Ökonomisch: Smart contracts ermöglichen neue dezentrale Abwicklungs- und Verwaltungsprozesse. Niedrige Betriebskosten und disruptive Organisationsformen verändern bestehende Geschäftsmodelle und schaffen neue. 

Sozial: Strukturen werden demokratisiert, weil Monopole zentraler Vermittler entfallen. Vertrauen und Kontrolle werden Netzwerke und Gemeinschaften der Blockchain übertragen.

Forschung und Wissenschaft

Anfang 2017 wurde die IPDB Foundation (Interplanetary Database Foundation) gegründet. Sie verfolgt nach eigenen Angaben ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke  und will Wissenschaft und Forschung rund um das Thema Blockchain fördern. Laut Satzung soll es darum gehen: „Die Forschung an der Realisation und an Anwendungen der „Blockchain“-Technologie, insbesondere der Erforschung und Entwicklung dezentralisierter Organisationsstrukturen und der Umsetzung einer dezentralisierten Datenbankplattform, welche die dezentrale permanente Speicherung von Daten unabhängig von einer zentralen Instanz ermöglicht („Dezentrale Datenbank“). Die IPDB Foundation zielt darauf ab, jedermann Zugang zur Dezentralen Datenbank zu ermöglichen …“ (Satzung IPDB).

Quellen und weitere Informationstipps zum Thema:

Bedingungsloses Grundeinkommen BGE

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„Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln“

Die Diskussion um das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wird oft von ideologischen Grabenkämpfen bestimmt. Wo immer es bislang mutig ausprobiert wurde, haben sich positive Effekte gezeigt. Der dreiteilige Artikel fasst bisherige Erkenntnisse zusammen. Teil 1 erklärt die verschiedenen Modelle und zeigt Argumente, die für und gegen das BGE sprechen. In Teil 2 werden die Thesen prominenter Befürworter vorgestellt, best-practice-Projekte, die den Erfolg des BGE darlegen, sowie künftig geplante Projekte mit dem BGE zum Weiterlesen. In Teil 3 geht es um Effekte und Wirkungen des BGE auf die Kreativbranche und damit für die gesamte Gesellschaft.

Ein Grundeinkommen ist ein Einkommen, das jedem Mitglied einer politischen Gemeinschaft gewährt wird. Es wird bedingungslos garantiert, d. h. ohne Bedürftigkeitsprüfung und ohne Zwang zu Arbeit oder anderen Gegenleistungen. Damit stellt es einen individuellen Rechtsanspruch dar. Es sichert die Existenz und ermöglicht gesellschaftliche Teilhabe.

Auf dem diesjährigen Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos diskutierten die Konferenzteilnehmer, inwiefern ein Grundeinkommen das zunehmende soziale Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern könne. Nach vielen Experimenten in Ländern der Dritten Welt prüfen nun immer mehr Industriestaaten die Einführung eines Grundeinkommens, u. a. die Schweiz, Finnland und die Niederlande.

686228_web_R_K_B_by_Maik Schwertle_pixelio.de © Maik-Schwertle, pixelio.de

Finanzierbarkeit des bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) – aktuelle Situation:

In der Bundesrepublik hat sich eine gigantische Sozialbürokratie herausgebildet. In 38 unterschiedlichen Behörden und behördenähnlichen Institutionen werden 155 verschiedene Sozialleistungen verwaltet, allesamt steuer- und beitragsfinanziert.

Das Gesamtvolumen für diese Transferleistungen beziffert Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau im Februar 2010 auf eine exorbitante Summe: „Dieses Land gibt einschließlich der Sozialversicherungen etwa eine Billion Euro Sozialleistungen im Jahr aus.“

Die tatsächliche Summe liegt allerdings etwas niedriger: Das Arbeits- und Sozialministerium veröffentlichte jährlich seine Sozialbudgets, demnach wurden im Jahr 2015 888 Milliarden Euro an Sozialleistungen finanziert. 2015 lebten laut statista 82,2 Millionen Menschen in Deutschland. Teilt man das Sozialbudget durch die Anzahl der Einwohner ergäbe sich für das bedingungslose Grundeinkommen ein Jahresbetrag von 10.803 Euro bzw. 900,25 Euro im Monat.

Dieser Betrag soll die Grundbedürfnisse des Lebens – Wohnen, Nahrungsmittel und Kleidung – abdecken, außerdem Kranken- und Unfallversicherung. Im Gegenzug werden alle bisherigen Leistungen wie Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Sozialhilfe, Ausbildungshilfen (BAföG), Elterngeld, Kindergeld, Wohngeld usw. gestrichen.

Würde man all diese Transferleistungen aussetzen, könnten schon heute an jeden Bürger monatlich 871,30 Euro ausgezahlt werden. Das Geld langt für alle, nur die Arbeit eben nicht. Wenn keine Anträge mehr über Transferleistungen geprüft werden müssten, könnten die Löhne, die bisher in die Verwaltung flossen, dafür genutzt werden, den Beschäftigten neue Orientierung zu geben. So können sie ihre Talente, Fähigkeiten und Stärken neu bzw. erstmalig entdecken und in andere Tätigkeitsfelder verlagern, in denen die Gesellschaft dringend Bedarf hat. Mit einem BGE könnten sich die Bürger sozialen Aufgaben zuwenden, die Maschinen z. B. nicht übernehmen können und die nicht zwangsläufig in Erwerbstätigkeit führen müssen, unserer Gesellschaft aber trotzdem dienen, z.B. Forschung, Kultur, Medien.

Auf den US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Milton Friedman geht die Idee der „negativen Einkommenssteuer“ aus dem Jahr 1960 zurück. Friedman schlug vor, dass der Staat für Erwerbseinkommen einen Schwellenwert festlegen solle: Wer darüber liege, müsse Steuern bezahlen, wer darunter liege, habe Anspruch auf einen Existenz-Zuschuss.

737529_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, pixelio.de

Was spricht für das bedingungslose Grundeinkommen?

Mehr Eigenverantwortung und Selbstermächtigung

  • Bürger erhalten mehr Eigenverantwortung statt Bevormundung und Fremdbestimmung
  • Ermutigung, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, es unabhängig und selbstbestimmt zu gestalten
  • Stärkung von Unabhängigkeit, Selbstermächtigung, Selbständigkeit und Selbstbefähigung
  • ein einzeln koordiniertes Grundeinkommensprogramm ist wesentlich effizienter ist als eine Palette von staatlichen sozialen Programmen, da die notwendige Bürokratie anders als derzeit überschaubar ist
  • Ermutigung der Bürger, die eigenen Stärken, Kreativität und Talente zu entdecken, damit ihr Potenzial besser auszuschöpfen, ihre Aufgabe im Leben und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, das würde auch die Arbeitswelt „humanisieren“

Mehr Chancen für nachhaltige Geschäftsmodelle

  • Freiheit, Ideen zu tragfähigen und nachhaltigen Geschäftsmodellen reifen zu lassen
  • wenn Geschäftsideen marktfähig und nachhaltig sind, steigert das die Qualität der Produktion und mindert die negative Begleiterscheinungen eines Produktes oder einer Dienstleistung, was wiederum der Gesellschaft und der Umwelt zu Gute kommt
  • Förderung von nachhaltigem und sozialem Unternehmertum bzw. Entrepreneurship
  • mehr Existenzgründungen

Mehr Bewusstsein für soziale Herausforderungen und Probleme

  • Fokussierung auf sozialen Ausgleich in der Gesellschaft
  • mehr Förderung und Anerkennung für ehrenamtlich Tätige
  • mehr Unterstützung für Familien, Alte, Kranke, Kinder und Geflüchtete

Verbindung von Theorie und Praxis schon in Schulen

  • Bessere Bildung durch mehr Praxisnähe: Kreative könnten als Praktiker in Schulen gehen, und gemeinsam mit  Heranwachsenden Lösungsansätze und -ideen für gesellschaftliche Herausforderungen zu erarbeiten – mit echtem Praxisbezug und branchenübergreifend bzw. interdisiplinär, Schüler und Lehrer z. B. gemeinsam mit  Mittelständlern und  Handwerkern der Umgebung, mit Stadtplanern, Politikern, Wissenschaftlern. So würden die Praktiker in Kontakt mit der jungen Generation kommen und Rückmeldung auf eigene Denkansätze erhalten. Die Win-Win-Projekte würden Politikverdrossenheit, Mangel an Nachwuchskräften, Abwanderung, Verödung von Regionen sowie Wirklichkeitsferne entgegenwirken.

Vor allem für Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 27 Jahren würde sich das Grundeinkommen positiv auswirken. Mit beispielsweise 1.000 € monatlich hätten sie wesentlich bessere Startbedingungen für Schule, Ausbildung und Studium als derzeit. Ältere Mitbürger, die Kinder großgezogen und dennoch von ihrer Rente nicht existieren können, könnten mit einem BGE würdevoll am gemeinschaftlichen Leben in unserer Gesellschaft teilnehmen.

Positive Mehrfach-Effekte durch „sozialen Multiplikator

  • Wenn Menschen sich stärker entsprechend ihren Befähigungen und Talenten sowie für soziale Belange einsetzen können, sind sie zufriedener. Gesundheitskosten werden durch weniger Burnout sinken: Die Menschen haben weniger Angst, werden daher vor allem psychisch weniger krank und arbeiten motivierter, wenn sie eigenverantwortlich einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen können.

Das Jugendmusical Linie 1, das jahrelang im Berliner Grips-Theater aufgeführt wurde, bringt es auf den Punkt: „Ick will jebraucht werden, vastehste?!“

Was spricht gegen das bedingungslose Grundeinkommen?

Angst: In einer Zeit, in der Sicherheiten schwinden, wächst die Angst: nicht nur vor Terrorismus, Einbrüchen und Überfällen, sondern auch vor Überforderung und sozialen Verteilungskämpfen. Nur wenn wir frei sind, verlieren wir unsere Angst. Ein Grundeinkommen würde vielen Menschen deutlich mehr soziale und geistige Freiheit geben als sie sie im Moment haben. Wer mit einem gesicherten Grundeinkommen mehr Freiheiten besitzt, hat weniger Angst. Dies würde den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft stärken. Doch Kriktiker befürchten, die Einführung eines Grundeinkommens führe zum Einstieg in die Niedriglohngesellschaft.

Daumen runter_weisser HG © MassivKreativ

Misstrauenskultur: Genau genommen ist es nicht eine Frage des Geldes, sondern eine Frage des Vertrauens und des Menschenbildes, ob man für oder gegen das BGE ist.  Vertrauen ist die stillste Art von Mut. Doch viele Bürger befürchten, dass ihre Mitmenschen bei der Zahlung eines BGE keiner geregelten Arbeit mehr nachgehen würden. Wie ist es tatsächlich mit dem Thema Arbeitsmoral? Würden wir nur noch faul in der Hängematte liegen, wenn unser Einkommen gesichert wäre? Nein! Studien zufolge würden gerade mal 2 Prozent der Menschen nicht mehr arbeiten, wenn sie nicht müssten. Das sind deutlich weniger Menschen als heute, die Sozialleistungen erhalten, wobei die meisten von ihnen sicher über einen bezahlten Job froh wären. Denn: Es ist ein Urtrieb des Menschen, produktiv zu sein!

Vermutlich wird der Anreiz, Einkommen über das Grundeinkommen hinaus zu erwirtschaften, nach der Einführung des BGE größer sein als jetzt. Derzeit werden Hartz-IV-Empfängern geringste Zuverdienste gleich wieder abgezogen, was die Motivation für ein Mehrengagement schrumpfen lässt. Mit dem BGE lohnt sich jeder noch so kleine Verdienst.

Eine finanzielle Grundausstattung, insbesondere für Menschen ohne Einkommenssicherheit, führt zur mehr Eigenverantwortung, Aktivität und Unabhängigkeit, wie auch das Beispiel der Mikrokredite von Muhammad Yunus zeigt.  Auch Projekte der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ haben belegt, dass das Vorurteil der Faulheit unbegründet ist. Umfragen zeigen: Die meisten Menschen wollen arbeiten. Nicht nur wegen des Einkommens, sondern aus dem Bedürfnis heraus, in einem sozialen Umfeld nützlich zu sein und etwas zu bewirken: siehe Maslowsche Bedürfnispyramide.

Maslowsche Bedürfnispyramide Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow

Unklarheit über Vergabe-Prozedere: Soll tatsächlich jeder Bürger ein BGE erhalten, auch einer, der es gar nicht braucht? Viele Menschen sind unsicher, wie die Vergabe in der Praxis tatsächlich aussehen soll.

In der Schweiz, wo die Lebenshaltungskosten deutlich über denen in Deutschland liegen, war geplant, dass die Bürger monatlich 2500 Franken erhalten sollten aber nur diejenigen, die in ihrem Einkommen darunter liegen. Wer mehr als 2.500 Franken verdient, dem wird das Grundeinkommen komplett abgezogen. Bei der letzten Volksabstimmung über das BGE in der Schweiz am 5. Juni 2016 haben sich allerdings 76,9 % gegen das BGE ausgesprochen.

Wie werden ungeliebte Arbeiten trotzdem erledigt, wie z. B. Müllabfuhr, Pflege? Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: 1) sie besser bezahlen 2) sie selbst machen 3)  sie automatisieren.

750213_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.de © I-vista, pixelio.de

Drei Modelle des Grundeinkommens

Der Autor Timo Reuter erläutert in einem Artikel der Wochenzeitung DIE ZEIT drei verschiedene Modelle für das BGE: ein neoliberales, ein humanistisch-linksliberales und ein sozialistisches.

Die Befürworter des neoliberalen Modells streben ein „solidarisches Bürgergeld“ an, das fast alle bisherigen Sozialleistungen ersetzen und den Staatshaushalt in „zweistelliger Milliardenhöhe“ entlasten soll.

Die Schweizer BGE-Initiative um die  Volksabstimmung im Juni 2016 agiert auf den Grundfesten eines linksliberalen, humanistischen Menschenbildes. Ihre Akteure sind überzeugt, dass fast alle Menschen auch mit Grundeinkommen weiterarbeiten würden – nicht weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Im Sinne der Selbstermächtigung sollen die „individuellen Entscheidungsspielräume“ der Bürger vergrößert werden.

Das sozialistische Modell wird von der Linkspartei in Deutschland propagiert. Sie fordert ein monatliches Grundeinkommen von 1.080 Euro bei Beibehaltung der Sozialleistungen und des Mindestlohnes, verbunden mit Arbeitszeitverkürzungen und einer Steuerreform. Die Finanzierung soll durch eine grundlegende Umverteilung von oben nach unten erreicht werden. Da dieser gesamtgesellschaftliche Umwandlungsprozess mit sehr hohen Kosten verbunden wäre, wird dieses Modell derzeit kaum diskutiert.

Timo Reuter erklärt in seinem Buch „Das bedingungslose Grundeinkommen als liberaler Entwurf – Philosophische Argumente für mehr Gerechtigkeit“ ausführlich, warum das BGE als liberaler Entwurf als gerecht gelten kann. Durch die gewährte materielle Grundlage ermögliche es jenseits neoliberaler Vorstellungen erst eine „wirkliche Freiheit“. Reuter zeigt außerdem, dass das BGE sehr wohl mit dem Leistungsbegriff kompatibel ist und es Chancengleichheit sowie Ressourcengerechtigkeit begünstigt: eine konkrete Vision für eine freiere und gerechtere Gesellschaft.

© Albrecht E. Arnold, pixelio.de

Erkenntnisse aus der Entwicklungshilfe

Investitionen in die klassische Entwicklungshilfe für Staaten der „Dritten Welt“ bzw. für Less Developed Countries (LDC) und Least Developed Countries (LLDC) haben weltweit zu Korruption geführt. Denn um Projekte überhaupt auf den Weg zu bringen, mussten Deals mit korrupten lokalen Machthabern geschmiedet werden, mit Despoten, Diktatoren, Clans und Warlords. All diesen Erkenntnissen zum Trotz: Wie das ARD-Magazin „Monitor“ im April 2016 berichtet, plant die EU neuerdings, Flüchtlinge in ihre ostafrikanischen Heimatländer zurückzusenden und den Regierungen dafür Rückkehrer-Kopf-Pauschalen zu zahlen sowie Ausrüstung für Überwachung und Grenzsicherung, z. B. in Eritrea, Äthiopien, Somalia und im Sudan.

Statt die Ursachen von Armut und Flucht mit einem bedingungslosen Grundeinkommen für alle Bürger zu bekämpfen, werden seit Jahrzehnten korrupte Tyrannen gestärkt. Dabei ist in den Richtlinien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) nachzulesen: „Die Rolle der Entwicklungspolitik hat sich zu Beginn des 21. Jahrhunderts unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September 2001 hin zu einer globalen Struktur- und Friedenspolitik verändert. Sie soll helfen, Krisen und Konflikte friedlich zu bewältigen, die knappen Ressourcen gerechter zu verteilen, die Umwelt zu bewahren und die weltweite Armut zu verringern.“ (Quelle IFA) Die Realität sieht leider völlig anders aus.

 © bedingungslos.ch

Szenarien und Forderungen für die Zukunft

Mit dem bedingungslosen Grundeinkommen können Menschen frei von Existenzangst in Ruhe arbeiten. Das Grundeinkommen wird an die Bürger als staatlicher Dauerauftrag ohne Prüfung entrichtet.

Verbindet man das BGE zugleich mit einer Umstellung auf die Konsumsteuer, sinken die Lohnkosten. So werden mehr Menschen ermutigt und motiviert, eine Arbeit anzubieten oder anzunehmen. Die Wirtschaftskraft der Bürger würde wachsen, durch die Konsumsteuer würde mehr Geld in die gemeinschaftliche Staatskasse zurückfließen, aus der das BGE finanziert wird.

Mit der Besteuerung des Konsums kann das Kapital in Ruhe arbeiten – bis die Wertschöpfung zu einem Abschluss gekommen ist und die Bürger die Produkte und Dienstleistungen konsumieren oder gegen Entgelte teilen können.

Die Besteuerung des Konsums schafft mehr Gerechtigkeit, vorausgesetzt Luxusprodukte und -dienstleistungen werden höher besteuert als Produkte des täglichen Bedarfs.

Armut schafft Ohnmacht und lähmende Angst. Anders als das Existenzminimum soll das höhere BGE als Kulturminimum den Menschen über den existenzsichernden Grundbetrag hinaus eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Das BGE ist kein Almosen, sondern ein Kulturimpuls!

Dank der bundesweit vertretenen Ein-Thema-Partei Bündnis Grundeinkommen ist das Vorhaben Grundeinkommen auch bei der Bundestagswahl 2017 wählbar!

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Teil 1: BGE – Boden unter den Füßen und Auftrieb unter den Flügeln

Teil 2: BGE – Befürworter und Praxisprojekte mit bedingungslosem Grundeinkommen

Teil 3: BGE – Was das Grundeinkommen für die Kreativszene bedeuten würde …

 

Inspirationstipps:

  • Schweizer Volksinitiative bedingungslos.ch, die am 5.6.2016 die Frage stellt: „Wollen Sie die Volksinitiative «Für ein bedingungsloses Grundeinkommen» annehmen?“
  • Initiative Mein Grundeinkommen von Michael Bohmeyer: 2015 Jahr hat der Berliner ein Crowdfunding-Projekt, das einem Menschen ein Einkommen von monatlich 1.000 Euro ermöglichen sollte. Die monatlichen Zahlungen aus Spenderhand werden regelmäßig an Bewerber verlost.
  • Timo Reuter: Das bedingungslose Grundeinkommen als liberaler Entwurf – Philosophische Argumente für mehr Gerechtigkeit. Springer Verlag 2016.
  • Daniel Häni und Philip Kovce: Was fehlt, wenn alles da ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt. Orell Füssli Verlage 2015.
  • Christian Müller, Daniel Staub, Enno Schmidt: Grundeinkommen vom A bis Z. Limmat, Zürich April 2016,
  • Götz Werner & Adrienne Goehler: 1000 € für jeden. Econ Verlag 2010.
  • Helmut Pelzer: Das bedingungslose Grundeinkommen. Finanzierung und Realisierung nach dem mathematisch fundierten Transfergrenzen-Modell. Lucius & Lucius Verlag, Stuttgart 2010. Helmut Pelzer ist Mitbegründer des seit 2004 bestehenden deutschen „Netzwerks Grundeinkommen“ und seitdem nominelles Mitglied im wissenschaftlichen Beirat.
  • Welchen gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen hätte das BGE? Persönliche Gedanken eines Krefelder Journalisten – ein Erfahrungsbericht.

Facebookgruppen:

Löwenzahn und Fahrraddisko: technologische und soziale Innovationen

398473_web_R_K_B_by_knipseline_pixelio.de © knipseline, pixelio.de

Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Häufig geht es um Ressourcen und Kosten. Doch immer mehr Menschen engagieren sich für mehr Verantwortung und Gemeinwohl. Anregungen für ein bewusstes und nachhaltiges Handeln kommen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft, durch technologische und soziale Innovationen, durch Bioökonomie und Kunst-Aktionen, mit lohnenden Übertragungseffekten für den Mittelstand …

1855 erfand der Engländer Alexander Parkes den ersten biobasierten Kunststoff der Welt: Celluloid. Dann kam der Erdölboom und die Biokunststoffe gerieten in Vergessenheit. Dafür wurde nicht abbaubares Plastik in Massen produziert. Der Müll zwingt nun zum Umdenken. Die Wanderausstellung Endstation Meer hat dem Besucher das ganze Ausmaß beeindruckend vor Augen geführt – mit wertvollen Informationen und einem gigantischen Berg aus Plastikmüll als „Hauptattraktion“, zusammengetragen aus drei Weltmeeren. In Hamburg war die Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe zu sehen, unterstützt von der Michael Otto Stiftung für Umweltschutz. Plastik ruiniert unsere Umwelt. Wir können das ändern, unsere heimische Natur bietet viele Alternativen. Nachwachsende Rohstoffe kann auch der Mittelstand nutzen, dabei verantwortungsbewusst handeln und Kosten sparen.

Technologische Innovation: Bioökonomie

Verpackt wird in nahezu jeder Branche, statt mit genoppter Luftpolsterfolie immer öfter mit Maisstärke oder Zellulose. Auch Müllbeutel aus Getreidestärke sind biologisch abbaubar. Die Firma Trigema hat ein komplett kompostierbares T-Shirt entwickelt. Giftstoffe lassen sich mit Blättern von Olivenbäumen reduzieren, etwa 40 % des weltweit produzierten Leders lässt sich so giftfrei gerben. Löwenzahn enthält gummiartige Inhaltsstoffe, die den teuren Kautschuk langfristig ersetzen können.

Löwenzahn_sfg.uni-hohenheim-de © Judith, sfg.uni-hohenheim.de

So genannte Composite-Verbundstoffe ermöglichen, Plastik zumindest in Anteilen zu reduzieren und durch Naturstoffe zu ersetzen: im Leichtbau, bei medizinischen Implantaten, in der Automobilindustrie. Ein Verfahrenstechniker und ein Designer der Dresdner Firma “LignoTube” tüftelten an gewickelten Furnierschichten aus Holz, um ein Fahrrad mit Leichtbaurohren auszustatten. Für das innovative Design ihres Nemus-Modells erhielten sie den „Red Dot Award“.

Riesen-Lego-Steine aus einem Holz-Plastik-Gemisch (WPC=Wood Plastic Composite) waren kürzlich am Messestand der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) zu sehen. Die Agentur will im Auftrag der Bundesregierung den Anteil biobasierter Werkstoffe in der Kunststoffproduktion deutlich erhöhen und eine nachhaltige Ressourcennutzung der Industrie vorantreiben, u. a. auch im Automobilbau (siehe Foto). Gabriele Peterek, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, meint: „Die Förderung von fossilen Rohstoffen wird immer schwieriger, teurer und umweltschädlicher. Biokunststoffe lassen sich hingegen aus nachwachsenden Rohstoffen produzieren.“

BCC_Bioverbund_16 © Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)

Soziale Innovation: Bewusstsein schaffen mit Kunst

Neben Ausstellungsmachern und Designern sorgen auch Künstler regelmäßig dafür, dass Ökologie und Umwelt im Bewusstsein der Öffentlichkeit bleiben. Robert Kessler hat ein interaktives Brunnenkunstwerk geschaffen – einen überdimensionalen Doppel-Löffel als Wippe, die zufließendes Wasser hin- und her bewegt: Gleichgewicht in einem Kreislauf. Mit seiner social kinetic art will Kessler nicht nur die Dinge selbst bewegen, sondern seine Betrachter zum Nachdenken und Verändern animieren.

Dieses Ziel verfolgt auch Björn Hansen. Seine Morgenwelt GmbH organisiert u. a. „Grüne Live-Events“, konzipiert nachhaltige Ideen für Messen und sorgt für leibliches Wohl mit feinem Bio-Catering. Die Mischung kommt bei Sponsoren gut an. Stadtwerke und Stadt Elmshorn sowie die örtliche Sparkasse unterstützen Hansens Events zum Thema Nachhaltigkeit regelmäßig. Den Strom für die Bühnenprogramme müssen die Besucher übrigens selbst erzeugen, indem sie auf Fahrrädern kraftvoll in die Pedale treten. Erst wenn die Muskeln brennen, wird dem einen oder anderen bewusst, wie kostbar Energie doch ist. Das muss man auf originelle Art vermitteln, meint Hansen: „Die Energiewende ist eine Ensemble-Leistung, bei der die Kommunikation ein entscheidender Erfolgsfaktor ist.“ Umweltschutz im Rock’n’Roll – Format! Morgenwelt bietet ebenfalls Bildungsworkshops und Beratung an – zu erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und nachhaltiger Entwicklung.

Fahrraddisko Vorne 2Fahrraddisko hinten 1 © morgenweltrocks.de

Vermittlung und Umsetzung

„Wachstum kann per se nicht nachhaltig sein“ – sagt der Soziologe Harald Welzer. In seinem Bestseller „Selbst denken: Anleitung zum Widerstand“ macht er klar, dass wir beim Thema Nachhaltigkeit kein Vermittlungsproblem haben, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Fakten sind weitgehend bekannt. Nun gehe es darum zu zeigen, welchen Beitrag jeder Bürger selbst leisten kann und dass das gar nicht so schwer ist, wenn jeder nachhakt und Behauptungen überdenkt.

Kontraproduktiv sind die Lobbyisten, die die Bürger einseitig verschrecken wollen – nach dem Motto: Wer nachhaltig leben wolle, müsse auf alles verzichten. Dahinter steht die Angst der Industrie, dass die Bürger längerfristig ihren Konsum einschränken würden. Dabei verschweigen Lobbyisten bewusst, dass mehr Nachhaltigkeit zu einem Zugewinn an Lebensqualität führt, wenn wir alle verantwortungsbewusster leben und handeln.

Inspirationstipps:

  • Beratung und Events für mehr Nachhaltigkeit: Morgenwelt
  • Internationaler Kongress für nachhaltige Unternehmensführung: fairpreneur.org
  • Harald Welzer: „Selbst denken: Anleitung zum Widerstand“, S. Fischer Verlag 2013.
  • Das Eco-Innovation Observatory (EIO) ist eine von der EU finanzierte Initiative, die Öko-Innovationen recherchiert, Trends in diesem Bereich ermittelt und Fallbeispiele „good practice“ vorstellt. 

Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

228791_web_R_K_B_by_Stephanie Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Mein großer Dank gilt der wissensgewaltigen Community: Viele weitere Ideen für Geflüchtete haben mich von Euch bzw. Ihnen erreicht, nachdem ich bei MassivKreativ zwei Wochen lang über engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden für Geflüchtete berichtet hatte. Dank der wunderbaren Resonanzen aus der Community kann die Liste der „guten Beispiele“ weiter wachsen …

Studieren für Geflüchtete in Deutschland

Erblina Musliu aus Mazedonien hat gemeinsam mit Studienkollegen aus Berlin hilfreiche Information zum Thema „Studieren in Deutschland“ in einem Blog zusammengetragen. Im Artikel In Deutschland als Flüchtling studieren informiert sie über Hochschulen und Studiengänge, Zulassungsvoraussetzungen, Einschreibung und Antragsverfahren sowie über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung für Geflüchtete. Darüber hinaus bietet die gemeinnützige KIRON-University Geflüchteten einen Studien-Einstieg und die Möglichkeit, nach zwei Jahren und dre Absoolvierung von Online-Kursen an eine der Partnerhochschulen zu wechseln. Kiron kooperiert mit 16 Hochschulen und Instituten (Stand: Juni 2017).

742254_web_R_K_B_by_I-vista_pixelio.de © I-vista, Pixelio

Refugee Law Clinics

Kostenlose juristische Beratung erhalten Geflüchtete von Studierenden der Rechtswissenschaften an verschiedenen Universitäten in Deutschland, u. a. in HamburgBerlin, München, Köln, Kiel, Leipzig, Giessen, Regensburg, Saarbrücken. Auskünfte und Rat gibt es sowohl zu universitären Fragen als auch zu alltäglichen Sachverhalten.  Die Refugee Law Clinics sind ein studentisch initiiertes Projekt.

754784_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim Reckmann, Pixelio

Willkommenstrunk Wendland

Das Wendland ist eine Vorzeigeregion im Hinblick auf Gemeinwohl und bürgerschaftliches Engagement. Im Umfeld des innovativen und nachhaltig handelnden Netzwerkes Grüne Werkstatt Wendland in Lüchow setzen sich unzählige Bürger für Geflüchtete ein – Unternehmer, Künstler und andere Vertretern dieser ländlichen Region, u. a. auch der ehrenamtliche Bürgermeister Manfred Liebhaber. Die Projekte sind ebenso vielfältig wie die Ideenstifter: Skateboarden, Sprach-, Musik- und Kochkurse. Eine kreative Gruppe um Webdesignerin Simone Walter erfand die Ernteaktion (und Website) Willkommenstrunk, um mit Geflüchteten aus der Lüchower Notunterkunft in Kontakt zu kommen. Gemeinsam mit Einheimischen ernteten sie Äpfel und pressten daraus einen Saft, der unter eigenem Label verkauft wird. Die Erlöse kommen den Geflüchteten zugute. Wer sich von Anfang einbringen kann, der übernimmt auch selbst Verantwortung und Risiko, so wie der ehemalige Polizist Ali Khodr. Er kam vor zwei Jahren aus dem Libanon nach Deutschland und hat jetzt einen kleinen Laden in Lüchow eröffnet, in dem er vor allem Halal-Lebensmittel nach islamischen Speisevorschriften verkauft. Vielen Dank an Nicole Servatius und Simone Walter für den Hinweis auf das Projekt.

willkommenstrunk-label_Wendland© Willkommenstrunk Wendland

In Hitzacker plant die Initiative ZuFlucht Wendland für 300 Menschen ein interkulturelles Mehrgenerationen-Dorf. Das Hitzacker-Dorf soll Heimat und Arbeitsplätze für Einheimische und Geflüchtete schaffen und dient als ebenso kreatives wie visionäres Modell für ein friedliches und gemeinschaftliches Leben mit Vorbildcharakter für andere Regionen in Europa. Das Sozialexperiment in dem extrem strukturschwachen Gebiet wächst stetig, vor allem  durch das außergewöhnliche Engagement der Bürger. Den organisatorischen und finanziellen Rahmen für die geplanten Wohnungen, Gewerbeflächen, Läden und Obstplantagen bildet die neu gegründete Genossenschaft Hitzacker Dorf eG iG, die auch das Bauland erworben hat.

Geflüchtete beim Filmfestival in Mecklenburg

2016 feiert das Internationale Dokumentarfilmfestival dokumentART im mecklenburgischen Neubrandenburg sein 25. Jubiläum. Im 24. Festivaljahr waren bereits 20 Geflüchtete ehrenamtlich im Team tätig. Dies soll nun in weitergeführt werden im Rahmen des Projektes ANKOMMER. Perspektive Deutschland mit Unterstützung des Vereins Latücht Film & Medien. Im Festivalbüro, im Kino und in der Medienwerkstatt sollen pro Jahr ca. 8-10 geflüchtete junge Menschen eine Ausbildung absolvieren bzw. einen Arbeitserfahrungsplatz“ erhalten. Geflüchtete sollen regelmäßig mit dem Neubrandenburger Publikum in Berührung kommen, ihre Deutschkenntnisse anwenden und weiterentwickeln, auf Dauer auch das Programm inhaltlich mit verantworten und als Multiplikatoren in der Flüchtlings-Community für das Festival, das Kino und die Medienwerkstatt agieren. Vielen Dank an Annelie Krumbein vom Festivalbüro dokumentART für den Hinweis auf das Projekt.

644109_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Geflüchteten Stimme und Gesicht geben

Bereits im Oktober 2015 besuchte Regisseur #Lars Becker mit einem Kamerateam das Flüchtlingslager in der Schnackenburgallee in Hamburg, sprach mit Geflüchteten und realisierte seinen Kurzfilm „Refugees Welcome“. Auszüge daraus verarbeitete er zu einem 75-sekündigen Spot, der auf dem Filmfest Hamburg jeweils vor den Hauptfilmen gezeigt wurde. Vielen Dank an die Journalistin Caroline Schmidt-Gross für den Hinweis.

Mode von Geflüchteten

Im Rahmen des Stipendienprogramms „Ankommer“ möchte die KfW Stiftung gemeinsam mit Social Impac Lab Flüchtlingen die Ankunft auf dem deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Unterstützt wird auch das Start-up-Projekt Stitch by Stitch – deutsch „Stich für Stich“. Die beiden Frankfurter Modedesignerinnen Claudia Frick und Nicole von Alvensleben wollen gemeinsam mit geflüchteten Frauen eine Schneider-Werkstatt aufbauen, dabei die besonderen Fähigkeiten und Fachkenntnisse der Näherinnen nutzen und vor allem mit kleineren, deutschen Mode-Labels zusammenarbeiten. Vielen Dank an das Kreativ-Netzwerk Kreative Deutschland für diesen Hinweis.

 © Hasan Anac, Pixelio

Familienkonzert für Geflüchtete

Das NDR Jugendsinfonieorchester hatte Familien aus Syrien, Afghanistan, dem Irak, Kenia und Hamburg in das Rolf-Liebermann-Studio eingeladen. Die kürzlich in Hamburg eingetroffenen Neubürger erlebten ein einzigartiges Konzert: Auf einer großen Leinwand lief der Stummfilm Der Schneemann – eine Geschichte, die sich auch ohne Worte vermittelte. Die Musik, gespielt vom NDR Jugendsinfonieorchester, sorgte für große Emotionen. Orchester wurde 2012 von der Akademie des NDR Sinfonieorchesters gegründet. Zwei Mal im Jahr können begabte Nachwuchsmusiker unter Leitung renommierter Dirigenten wichtige Orchesterwerke professionell erarbeiten und vor Publikum aufführen. Vielen Dank an die Musikerin Katrin Scheitzbach für diesen Hinweis.

Hightech-Praxis im Container

Seit Anfang November steht in Hamburg ein Container für die medizinische Versorgung von Geflüchteten. Das Refugee First Response Center (RFRC) ist ein Prototyp und wird derzeit im Praxisalltag auf Herz und Nieren geprüft. Das Besondere: Bislang mussten Übersetzer und Ärzte gemeinsam bei der Behandlung vor Ort sein. Im neuen Hightech-Container werden die Übersetzer über Breitband-Internet und Videoübertragung zugeschaltet. Kooperationspartner ist das Universitätsklinikum Eppendorf UKE. Kreative, engagierte Hamburger haben den Medizincontainer entwickelt und gebaut. Die gemeinnützige Hamburger Dorit und Alexander-Otto Stiftung spendete 900.000 Euro für Container und Videotechnik. Wenn die Testphase erfolgreich verläuft und sich Sponsoren finden, könnten bald mehrere Medizincontainer an Erstaufnahmeeinrichtungen für Geflüchtete eingesetzt werden. Vielen Dank an Harald Neidhardt von MLOVE Future City Campus für den Hinweis auf das Projekt.

 © MLOVE

Aktionsbündnis mit vielen Talenten: „Wir machen das!“

Tag für Tag flüchten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten nach Europa. Die Folgen und das Versagen der Politik werden auf diese Weise für uns alle erfahrbar. Das Aktionsbündnis WIR MACHEN DAS reagiert und macht sich für Geflüchtete stark. Das Bündnis von zunächst 100 Frauen um die Autorin Annika Reich aus Kunst, Wissenschaft und öffentlichem Leben wächst täglich weiter zu einer Gemeinschaft von Neuankommenden und Einheimischen, unterstützt von zahlreichen Initiativen, Personen und Institutionen. Jede und jeder macht das, was er oder sie kann: „vom Kleiderfalten bis zum Lobbyismus, von Sammelklage bis Seenotrettung, vom Beherbergen bis zum Bauvorhaben, von Rechtsberatung bis Sprachvermittlung, von kultureller Teilhabe bis Arbeitsplatzvermittlung vom persönlichen Statement bis zur breiten Medienkampagne.“ Die Akteure sind überzeugt von der Kultur des Teilens und der selbstbestimmten Gestaltung unserer Welt. Vielen Dank an die Journalistin Eva Györkös von Alsterklicks für den Hinweis auf die Initiative.

130984_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Unternehmer und Geflüchtete unter einem Dach

Murnau am Staffelsee ist mit rund 12.000 Einwohnern die zweitgrößte Gemeinde im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Jetzt erhält Murnau ein Kreativquartier. Das ehemalige Gemeindekrankenhaus soll zunächst bis Ende 2018 gemischt als Arbeits- und Wohnraum von Kreativen und von bis zu 50 Geflüchteten genutzt werden. Murnau setzt damit ein Zeichen für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung im kreativen und innovativen Bereich. Bürgermeister Rolf Beuting nennt mehrere Gründe für seine Entscheidung: „Wir wollen uns als Premium-Wirtschaftsstandort positionieren, als Motor für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Wir wollen Flüchtlinge schnell integrieren und ihnen Perspektiven in Murnau aufzeigen. Wir müssen Murnau für junge Menschen attraktiv halten, um so die Folgen des demografischen Wandels abzumildern.“ Vielen Dank an das Netzwerk bayerkreativ für den Hinweis.

709747_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Blogger-Engagement für Geflüchtete

Blogger für Flüchtlinge ist eine Initiative der Blogger Nico Lumma, Stevan Paul, Karla Paul und Paul Huizing auf betterplace.org. Die vier haben ursprünglich Spenden für den Verein Moabit hilft gesammelt und dann die Netzcommunity gebeten, ihre Botschaft der Spendenwerbung mit zu verbreiten. Die Aktion hat mit eingeworbenen knapp 100.000 € bis heute großen Erfolg. Jeder, der eine eigene Website betreibt, kann mitmachen: seine/ihre Meinung zur Flüchtlingssituation kundtun, z. B. darüber, warum es für unsere Gesellschaft und unser Land sinnvoll ist, sich für Geflüchtete einzusetzen. Verweise auf diese Spendensammlung. Bitte dafür Hashtag nutzen: #BloggerFuerFluechtlinge.

144075_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Der Sozialpsychologe Harald Welzer führt deutschlandweit einen interdisziplinären Austausch über unsere Werte und Visionen in Zeiten aktueller Umbrüche, wie wir sie gerade erleben. Die von ihm mitinitiierten und mitgetragenen Initiativen Futurzwei und Die-Offene-Gesellschaft sowie die Politikberater von adelphi geben Denkanstöße und Impulse, nicht zuletzt um Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung mit konkreten Handlungshilfen zu unterstützen. Getragen werden die Aktivitäten von der Überzeugung, dass Veränderung zu mehr Gemeinwohl(-Ökonomie) und Gerechtigkeit durchaus möglich ist und einen Gewinn an Lebensqualität für alle bedeutet. Vielen Dank an Harald Welzer für seine erhellenden Bücher, u. a. „Selbst denken: Eine Anleitung zum Widerstand“, „Transformationsdesign: Wege in eine zukunftsfähige Moderne“ und „Autonomie: Eine Verteidigung“.

415953_web_R_K_B_by_Uli Carthäuser_pixelio.de © Uli Carthäuser, Pixelio

Patenschaften gesucht! Frage an Sie und Euch …

Welche (Online-)Netzwerke gibt es, die Geflüchteten einheimische Paten vermittelt? Zehn Familien oder Einzelpersonen könnten sich zusammentun und gemeinsam eine Patenschaft über eine/n Geflüchtete/n bzw. eine geflüchtete Familie übernehmen. So würden Verantwortung und Zeit auf mehrere Schultern verteilt werden. Schreibt mir, wenn Ihr davon wisst. Vielleicht gibt es bereits eine Patenschafts-App bzw. evtl. wird gerade daran gearbeitet?! Infos bitte an: massivkreativ(et)gmail.com

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

725775_web_R_K_B_by_Christina Schmid_pixelio.de © Christina Schmid, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 10 – Medien für Geflüchtete

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

740411_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de © Wilhelmine Wulff, Pixelio

Medien I: „Refugee Guide“ der ARD

Die ARD bietet Geflüchteten als Wegweiser und erste Orientierungshilfe einen Refugee Guide, d. h. eine Sammlung von Texten, Audios und Filmen zum Ankommen in Deutschland, Spracherwerb, berufliche Orientierung und Alltagssituationen:

630464_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de © Juergen Jotzo, Pixelio

Medien II: Logo und Kiraka – Fernsehen und Radio für Kinder

Die Kindernachrichtensendung LOGO von KiKa und ZDF komplettiert ihre Meldungen mit englischen und arabischen Untertiteln für Flüchtlingskinder und erwachsene Migranten in Deutschland. Komplizierte Sachverhalte werden in einer leicht verständlichen und anschaulichen Sprache erklärt.

KiRaKa ist ein Angebot der Hörfunk-Kinderprogramme des WDR. Im Programm Flüchtlinge bei uns berichten Kinder über die Flüchtlingsthematik.

Medien III: „Lasst uns loslegen!“ – Fernsehen für syrische Flüchtlingskinder

„Yallah Nehna“ heißt: „Lasst uns loslegen!“ So begrüßt die Moderatorin ihre jungen Zuschauer. Die neue arabischsprachige Sendung möchte syrischen Flüchtlingskindern auf spielerische Weise die Welt der Wissenschaft und Technik näher zu bringen. Sie möchte den oftmals traumatisierten Kindern zugleich ein wenig Normalität bieten, auch in den Flüchtlingscamps außerhalb Syriens. Es sollen auch Fragen und Themen aus dem Flüchtlingsalltag thematisiert werden. Das Konzept für die Sendung hat das Team der Deutsche Welle-Akademie 2013 entwickelt und gemeinsam mit dem Sender Orient TV umgesetzt. Das Auswärtige Amt finanziert das Projekt mit rund 500.000 Euro.

678251_web_R_K_B_by_Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM)_pixelio.de © Initiative „Echte Soziale Marktwirtschaft“ IESM, Pixelio

Medien IV: Mobiles Angebot für Geflüchtete von ZDF und Telekom

Die Website für Flüchtlinge ZDFarabic bzw. ZDFenglish ist für Smartphones optimiert und soll deutsche Politik, Kultur und wichtige Themen für die Orientierung im Land vermitteln. Mit arabischen und englischen Untertiteln will das ZDF möglichst viele Flüchtlinge erreichen. Die Telekom, mit der das ZDF kooperiert, will bis Jahresende kostenloses WLAN an 60 Standorten zur Verfügung stellen. Das ZDF-Angebot wird Schritt für Schritt auf den Lokalseiten von Refugees Telekom verlinkt.

422888_web_R_K_B_by_Jerzy Sawluk_pixelio.de © Jerzy Sawluk, Pixelio

Medien V: Alltagssituationen für Geflüchtete aus der arabischen Welt

Der Nachrichtensender n-tv hat das arabische Videoangebot Marhaba – Ankommen in Deutschland gestartet – als erstes Programm in Deutschland, das sich in arabischer Sprache speziell an Flüchtlinge und Zuwanderer aus dem Nahen Osten richtet. Moderator Constantin Schreiber erklärt in der wöchentlichen Sendung auf Arabisch den Alltag in Deutschland und die Lebensgewohnheiten der Deutschen und gibt dazu praktische Orientierungshilfen und Informationen.

560166_web_R_K_B_by_twinmo_pixelio.de © twinmo, Pixelio

Medien VI: Artikel-Serie – Mein Einsatz für Flüchtlinge

Die Deutsche Welle hat Kulturschaffende in Deutschland zu Ihrem Engagement für Geflüchtete befragt: Schauspieler, Schriftsteller, Musiker, Künstler, Theaterleute, Designer berichten über ihre Aktivitäten, Meinungen und Gedanken.

297590_web_R_K_B_by_knipseline_pixelio.de © knipseline, Pixelio

Medien VII: Deutsch lernen – Erste Schritte

Die Deutsche Welle hat das kostenloses Angebot Erste Schritte zum Erlernen der deutschen Sprache ins Netz gestellt und bietet darüber hinaus auch langsam gesprochene Nachrichten.

172748_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien VIII: Hören und Lernen mit Musik

Der Ankommen und sich heimisch fühlen, geht leichter, wenn man die Sprache versteht. welcomegrooves ist ein ehrenamtliches Gemeinschaftsprojekt von 70 Kreativen aus Köln, das Deutschlektionen zum Hören bietet. Mit kurzen Audio-Lektionen können Geflüchtete erste Wörter, Sätze, Redewendungen und Fakten über die deutsche Kultur erlernen. Damit sich die Lektionen besser einprägen, enthält der kostenlose Einstiegskurs neben Sprache auch Musik. Zusätzlich zu den Audios hat die Initiatorin Eva Brandecker gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen die Sprachlektionen auch zweisprachig in schriftlicher Form erstellt – inzwischen in knapp 30 Sprachen. Audios (mp3) und Texte (pdf) können kostenlos heruntergeladen werden:

363441_web_R_K_B_by_Dieter Schütz_pixelio.de © Dieter Schütz, Pixelio© Tobias Zimmermann, Pixelio

Medien IX: Visuelle Orientierungshilfen für Flüchtlinge

Amelie Kim Weinert hat an der Hochschule Pforzheim Visuelle Kommunikation studiert. Weil sie auch in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, hat sie als Abschlussarbeit ein Set mit Infoblättern entwickelt, dass Flüchtlingen hilft, Deutsch zu lernen. Mein Deutschland ist eine visuelle Orientierungshilfe, mit der sich Asylbewerber auf einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs vorbereiten können. Sechs den sechs Kapiteln geht es zunächst um das gemeinsame Kennenlernen: Woher komme ich? Wie ist Deutschland? Was ist in unserer Kultur wichtig? Welche Sprache verwenden wir? usw. Anders als es mit herkömmlichen Lehrmitteln setzt die junge Kommunikationsdesignerin auf Bildern und Illustrationen. Sie will Wissen und Sprache spielerisch vermitteln im Austausch über die eigene Kultur. Ihre Mittel sind Würfel, Icons und Sticker, die die Lernenden an Gegenstände heften können.

315567_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Medien X: Überblick über ehrenamtliche Hilfsprojekte

Die Tagesschau der ARD hat einen deutschlandweite Liste erstellt – mit guten Ideen und hilfreichen Projekten für Geflüchtete:

293832_web_R_K_B_by_Stephanie  Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XI: Online-Sprachkurse und Sprachlernspiele

Das Goethe-Institut hat einen kostenlosen Online-Sprachkurs für verschiedene Sprachniveaus für Geflüchtete und Neubürger ins Netz gestellt. Mit einem spielerischen Konzept soll ferner das Deutschlernen erleichtert und ehrenamtliche Helfer bei der Spracharbeit unterstützt werdenn. Die „Sprachlernspiele. Deutsch für den Anfang“ lassen sich hier herunterladen: goethe.de/willkommen.

75317_web_R_K_B_by_S. Hofschlaeger_pixelio.de © Stephanie Hofschlaeger, Pixelio

Medien XII: Hinweise für den Alltag in Deutschland

Studenten und Doktoranden aus ganz Deutschland mit verschiedensten geographischen und kulturellen Hintergründen haben einen Alltagsführer in 15 verschiedenen Sprachen erstellt. Der Refugee-Online-Guide soll Besuchern, Geflüchteten und zukünftigen Bürgern in Deutschland als Orientierungshilfe dienen, vor allem in der ersten Zeit des Aufenthaltesm, in denen Geflüchtete noch nicht an staatlichen Integrations- und Deutschkursen teilnehmen können. Das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) bietet derzeit keine vergleichbare Orientierungshilfe an.

660764_web_R_K_B_by_Tim Reckmann_pixelio.de © Tim reckmann, Pixelio

Medien XIII: Digitale Medien für Geflüchtete

Die Hamburg Media School bietet Geflüchteten – unabhängig von ihrem jeweiligen Aufenthaltsstatus – ab April 2016 eine gebührenfreie Fortbildung im Bereich Digitale Medien an. Das sechsmonatige Weiterbildungsprogramm richtet sich an Geflüchtete, die in ihren Herkunftsländern einen Medienberuf gelernt, ein medienaffines Fach studiert oder mediale Berufserfahrung gemacht haben. Unterrichtssprache ist Deutsch. Dem modularen Kursprogramm an der HMS schließt sich ein Praktikum in einem Hamburger Medienunternehmen bzw. einer Filmproduktion an.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Kreative Aktionen für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

719492_web_R_K_B_by_Wilhelmine Wulff_pixelio.de© Wilhelmine Wulff, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 8 – Kreatives

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

629459_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives I: Integration, die durch den Magen geht

Das Berliner Projekt Über den Tellerrand kochen sorgt für interkulturelle Begegnungen auf Augenhöhe. Menschen verschiedener Kulturen lernen einander über ihre Küchenkultur kennen. Der Austausch wird beim gemeinsamen Kochen lebendig: Geflüchtete bereiten Gerichte aus ihrer Heimat zu. Die Teilnehmer müssen keine Zutaten mitbringen. Jeder zahlt am Ende einen Unkostenbeitrag, sodass der Einkauf refinanziert wird. Neben Kochevents bieten die weitere interkulturelle Aktivitäten, u. a. Kicken, Imkern, Tanzen, Quatschen, Tüfteln, Basteln, Gärtnern, Filmabende, Picknick, Ausflüge und Fahrradtouren. Jeder bringt sich, seine Fähigkeiten und Talente zum Nutzen aller ein. Die regelmäßigen Treffen schaffen soziale und freundschaftliche Netzwerke und legen den Grundstein für einen nachhaltigen Integrationsprozess. Inzwischen haben auch „Satelliten-Partner“ in anderen Städten das Projekt übernommen. z.B. die Künstler-Initiative und Cowork-Gemeinschaft ProjektRaum in Rostock.

Über den Tellerrand kochen_02_RostockÜber den Tellerrand kochen_01_Rostock © ProjektRaum, Rostock

337159_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives II: Fotografie, Kochen, Musik und Begegnung: DEIN NÄCHSTER

Begegnungen schaffen, Barrieren abbauen, zur Mithilfe anregen. Der Verein ART DES LEBENS organisiert Begegnungen und Gespräche mit Geflüchteten, mit „Deinem Nächsten“. Im Netzwerk sind Kreative, Künstler, Unternehmer und Medienleuten aktiv, die Kunst und Medien mit sozialem Engagement verbinden. Drei verschiedene Begegnungsabende führen Interessierte und Geflüchtete zusammen:

  • Ÿ 23. Januar 2016 ab 18 Uhr: Vernissage mit Flüchtlingsportraits, Musik & Buffet
  • Ÿ 20. Februar 2016 ab 18 Uhr: Begegnungsdinner mit gemeinsamen Kochen und Lebensgeschichten
  • Ÿ 22. März 2016 ab 19 Uhr: Info – und Themenabend mit Erfahrungsberichten und Hamburger Initiativen

Über eindrucksvolle Fotos und Geschichten soll eine persönliche Beziehung zu Geflüchteten ermöglicht werden. Viele Künstlern haben Bilder zur Verfügung gestellt, um das Foto- und Begegnungsprojekt zu realisieren, ganz nach dem Vereinsmotto: „MEHR bewegen- Kunst erleben.“ Die Fotografen Robin Jochem, Harald Geil, Tobias Hartl, Pierre Jarawan und Claudia Dewald stellen Fotos und Geschichten von Geflüchteten vor. Es geht um Unwissenheit und Angst, um Verfolgung und Unterdrückung, aber auch um Hilfsbereitschaft, Offenheit und Dankbarkeit. Die Ausstellung ist im Büro des Hamburgprojektes (Schulterblatt 73, 20357 Hamburg (Studio 2) ist vom 23.01.- 22.03.2016 kostenlos zugänglich: Die 14-17 Uhr, Mi und Do 10-17 Uhr, So von 18-21 Uhr.

527616_web_R_K_B_by_110stefan_pixelio.de © 110Stefan, Pixelio

Kreatives III: Interkulturelles Gärtnern

Der Trend zu Gemeinschaftsgärten wächst in Deutschland. Er ist ein Zeichen für das steigende Interesse an Natur, Umwelt, Teilhabe und am Austausch von Wissen. Gärten bieten eine hervorragende Chance, damit Geflüchtete und Deutsche ins Gespräch kommen, zusammen Hochbeete anlegen, säen, pflanzen und später auch gemeinsam ernten. Wenn sich jeder mit sichtbaren Ergebnissen einbringen kann, sorgt dies für eine enorme Motivation. Die Münchner Stiftungsgemeinschaft Anstiftung hat Informationen über konkrete Gartenprojekte und Anregungen gesammelt.

330359_web_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de  © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives IV: Musik, Kunst und Kulinaria

Das Café Zuflucht im niedersächsischen Dannenberg bietet Geflüchteten und Einheimischen Musik, Kunst, Tanz, Fotografie, internationale kulinarische Genüsse, Begegnungen und Gespräche.

590750_web_R_K_B_by_Juergen Jotzo_pixelio.de  © Juergen Jotzo, Pixelio

Kreatives V: Flüchtlingskonferenz

Die Akademie des interdisziplinären Kreativzentrums Unperfekthaus in Essen plant derzeit eine Flüchtlingskonferenz. Die Organisatoren sondieren Themen, Referentenvorschläge und Fragen, die die Tagung zu einem hochkarätigen Ereignis werden lassen. Die Konferenz soll dazu beitragen, Menschen zu vernetzen und mitzuhelfen, eine der derzeit wichtigsten Herausforderungen unserer Gesellschaft zu meistern. Es geht u. a. um diese Fragen:

  • Welche Organisationen verschaffen Flüchtlingen und gleichzeitig sich selbst Vorteile?
  • ŸHaben Privatpersonen schon Wege gefunden, um ihr eigenes Leben und gleichzeitig das der Flüchtlinge zu verbessern?
  • Wer kennt Geschäftsmodelle, die Einheimischen und(!) Flüchtlingen helfen?
  • ŸGibt es Wohnprojekte für Flüchtlinge, getrennt oder gemeinsam mit Einheimischen?
  • ŸHat der Einzelhandel schon Ideen, wie er die Flüchtlingssituation zum allseitigen Vorteil nutzt?
  • ŸGibt es Startups, die Geflüchtete unterstützen?
  • ŸWelche Ideen haben Kultureinrichtungen?
  • ŸGibt es Investoren, die konkret Geld für Flüchtlinge und deren Ideen bereitstellen?
  • ŸGibt es umgekehrt Flüchtlinge, die bei unüblichen Projekten Rendite in Aussicht stellen können, aber bisher keinen Investor finden?

Rundgang durch das UnperfektHaus und Filminterview mit Mitarbeiter Daniel R. Buchwald über die Aktivitäten, das Selbstverständnis und die Visionen der einzigartigen Kreativoase in Essen: www.massivkreativ.de/kreativquartiere/

496352_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Kreatives VI: Küche rollt zur Kultur

Eine mobile Container-Küche Refugeeskitchen, mit gebaut und mit betrieben von Geflüchteten und Neubürgern in Oberhausen, rollt seit Sommer 2015 durch verschiedene Revierstädte. Station machen die Gourmet-Experten vor allem dort, wo Kultur gespielt wird: bei Musikfestivals, an Filmschauplätzen und bei Kinderfesten. Das Motto: „Man isst, wo man ist!“ Das international besetzte Küchenteam möchte Kreative und Publikum von seiner Kochkunst überzeugen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Die fliegende Küche wird mit einem 7 ½-Tonner LKW transportiert. Die Idee hatten Agnieszka Wnuczak und Christoph Stark vom Oberhausener Verein Kitev – Kunst im Turm e.V., nachdem sie für die Kurzfilmtage 2010 ein Taschenkino auf einen LKW geladen hatten.

682496_web_R_K_B_by_Dirk Kruse_pixelio.de © Dirk Kruse, Pixelio

Kreatives VII: Flashmob mit Handarbeit für Geflüchtete

Brandenburger in Jüterborg haben bei einem Strick- und Häkelflashmob Decken für Flüchtlingskinder hergestellt. Die gefertigten Einzelteile wurden am Ende zusammengenäht. Das Motto der Aktion: Bunte Maschen für mehr Wärme.

400835_web_R_K_B_by_René Golembewski_pixelio.de © René Golembewski, Pixelio

Kreatives VIII: Studium im Tandem

Fachkräftemangel und fehlende Integration von Geflüchteten einerseits und Orientierungslosigkeit junger Studierender andererseits: Gründe genug für zwei junge Absolventinnen aus Frankfurt am Main, um nach einer Alternative zu suchen. Sie gründeten den Verein academic experience worldwide der mittlerweile in verschiedenen Städten aktiv ist. Die Idee: Studierende und fertig studierte Asylsuchende auf Augenhöhe zusammen zu bringen, damit sie voneinander lernen. Asylsuchende können ihre Erfahrungen an Jungstudenten weitergeben. Im Idealfall entwickeln sich aus diesen Kontakten Freundschaften, die die Integration sehr erleichtern. In „Offenen Sprechstunden“ und Coaching-Sessions steht der Verein den jungen Asylsuchenden mit Rat und Tat zur Seite, ebenso bei Sprachkorrekturen und bei bürokratischen Angelegenheiten.

531358_web_R_K_B_by_Katharina Wieland Müller_pixelio.de © Katharina Wieland-Müller, Pixelio

Kreatives IX: Logistische Höchstleistung „Kleiderkammer“

Seit Monaten engagieren sich Ehrenamtliche deutschlandweit in Kleiderkammern, sammeln, transportieren und sortieren Kleidung bis zur Erschöpfung. In Hamburg helfen die Freiwilligen zunächst in der Messehalle B7, aktuell in einer neuen Lagerhalle auf dem OTTO Campus in Bramfeld und im Bunker Wedel. Eventuell wird ein erneuter Umzug nötig, da Annahme und Sortierung der Kleidung ein besonderes Umfeld braucht.  Doch mit kreativen Ideen und großer Eigenverantwortung meistern die Ehrenamtlichen jede logistische Herausforderungen und alle Umzüge. Koordiniert werden die Aktivitäten vom Verein Hanseatic Help e.V.  Bei Vernetzung und Austausch hilft die Plattform zusammenschmeißen.

Wer helfen möchte, kann Termine über Doodle-Listen organisieren:

Bramfeld Lagerhalle
Bannwarthstraße 5 / Tor 2 / Gebäude 6 / Mo.-Fr. 10:00 – 20:00
http://doodle.com/poll/zeefk7c293ci6xex

Bunker Wedel
Pinnebergerstr.23-27 22880 Wedel / Di. + Sa.
Tel 040 – 812000
http://doodle.com/poll/hwzegnixki7msf2n

Kreatives X:   Markt der Möglichkeiten „Neue Nachbarn mittendrin“ II 
2015 hat das Theater Vorpommern in Greifswald den ersten „Markt der  Möglichkeiten“ mit viel Resonanz und Erfolg durchgeführt. Nun sollen ähnliche  Veranstaltungen auch an den Spielstätten in Stralsund und Putbus stattfinden.
Flüchtlinge sollen neue Nachbarn werden! Neben dem Spracherwerb ist das gegenseitige Kennenlernen und die Integration in die Stadtgesellschaft eine zentrale Aufgabe. Der „Markt der Möglichkeiten“ stellt Bürgern und Neubürgern konkrete Initiativen und Angebote vor, z. B. in den Bereichen Sprache,  Kultur und Sport. Akteure sollen sich vernetzen und neue Engagierte können jederzeit hinzukommen.
Nächster Termin: Theater Stralsund: MONTAG, 7. März von 14 Uhr- 18.30 Uhr, Eintritt ist frei

709014_web_R_K_B_by_Bernd Kasper_pixelio.de © Bernd Kasper, Pixelio

Sonderpreis des Bundesministeriums für Kultur und Medien für Projekte mit Geflüchteten

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte drei Preise für Projekte kultureller Integration ausgelobt. Prämiert wurden am 21. Mai 2016 vom Bundesministerium für Kultur und Medien aus 150 Bewerbern und 10 Nominierten folgende drei herausragende künstlerische Projekte bzw. Netzwerke:

1. Die Dresdner Brass-Band „Banda Internationale“ setzte sich aus deutschen und geflüchteten Musikern verschiedener Länder zusammen. „Banda Internationale“ ging aus der Dresdner Kombo „Banda Comunale“ hervor, die seit vielen Jahren bei Anti-Nazi-Demos spielt und Willkommenskonzerte für Flüchtlinge gibt.

2. In der Münchner Initiative „Kino Asyl“ engagieren sich filmbegeisterte Flüchtlinge als Kuratoren eines Filmfestivals. Junge Menschen aus Syrien, Afghanistan oder Sierra Leone präsentieren Filme über das „normale Leben“ in ihren Heimatländern.

3. Im Berliner Projekt „Multaka“ agieren Flüchtlinge als Museumsführer: Geflüchtete aus Syrien und dem Irak führen auf Arabisch durch verschiedene Museen der Berliner Museumsinsel, u. a. durch das Deutsche Historische Museum, in dem die Preisverleihung erstmals im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Kultur öffnet Welten“stattfand. Die drei Preise sind mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst und Design: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com

Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

491912_web_R_K_B_by_Rainer Sturm_pixelio.de © Rainer Sturm, Pixelio

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche, Teil 7 – Web, Apps, Games

Künstler und Kreativschaffende aus unterschiedlichen Branchen unterstützen überall in Deutschland Geflüchtete: egal ob im Theater oder auf der Opernbühne, in Film- oder Tonstudios, in Architektur- oder Designwerkstätten, in Kunst-Ateliers oder in multikulturellen Küchen, bei Flashmobs, Tanzperformances oder in Game-, App- und Web-Laboren. Die Beispiele der folgenden 10teiligen Blogreihe zeigen, dass Deutschlands Kreativszene ein starker Innovationsmotor für eine gelungene Integration ist, die Parallelgesellschaften vorbeugt und damit uns allen hilft.

Flüchtlinge-Willkommen.de © Flüchtlinge Willkommen

Web I: Internet-Portal vermittelt WG-Zimmer für Asyl-Suchende

Flüchtlinge Willkommen – so heißt ein Webportal von Mareike Geiling, Jonas Kakoschke und Golde Ebding. Die drei Kreativen möchten Geflüchteten mit der Vermittlung von WG-Zimmern eine Alternative zu Massenunterkünften bieten: „Wir sind der Auffassung, dass geflüchtete Menschen durch Massenunterkünfte nicht stigmatisiert und ausgegrenzt werden sollten, sondern dass wir ihnen einen warmen Empfang bieten sollten. Wir sind der Meinung, dass wir gemeinsam eine andere Willkommenskultur in Deutschland etablieren sollten.“ Freie Zimmer können auf der Website angemeldet werden. Die drei Initiatoren stellen dann den Kontakt zwischen dem Vermieter und dem Geflüchteten her. Die Miete wird mit Hilfe von Spenden finanziert. Knapp 250 Geflüchtete fanden bisher mit Hilfe des Portals ein WG-Zimmer.

Workeer.de  © workeer, Foto: Alessandra Schelnegger

Web II: Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse

Die Plattform workeer soll dabei helfen, dass arbeitssuchende Geflüchtete und passende Arbeitgeber zueinander finden. Die Jobbörse entstand als Abschlussprojekt im Rahmen des Bacheler-Kommunikationsdesignstudiums an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Die Studenten und Absolventen planen, das Portal dauerhaft weiterzuentwickeln. Die Betreiber schreiben auf der Website „5 gute Gründe, Flüchtlingen Jobs zu geben“:

  • Geflüchtete sind motivierte und engagierte Arbeitskräfte.
  • Eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt fördert auch die weitere erfolgreiche Integration von Menschen.
  • Geflüchtete haben oft eine besondere Lebensgeschichte und bereichern dadurch Unternehmen mit ihrem Wissen, ihren Erfahrungen und ihren unterschiedlichen kulturellen Prägungen.
  • Geflüchteten wird es durch einen Arbeitsplatz ermöglicht, ein eigenständiges Leben zu führen ohne von Sozialleistungen abhängig zu sein. Das hat für sie positive psychische Effekte und entlastet außerdem das deutsche Sozialsystem.
  • Viele von ihnen verfügen über Ausbildungen oder Studienabschlüsse in Branchen, in denen es in Deutschland an Fachkräften mangelt.“

Willkomenkultur-Hamburg.de © Willkommenskultur Hamburg

Web III: Willkommensplattform

In Hamburg kommen aktuell täglich bis zu 260 Flüchtlinge an (1-2016). Die Hamburger Kultur will Geflüchtete mit Herz und Kompetenz willkommen heißen. Mit Hilfe der Plattform Willkommenskultur Hamburg können sich Akteure und Unterstützer vernetzen, die kulturelle Angebote für Geflüchtete planen und organisieren – mit Infos zu Aktionen, Terminen, Förderstrukturen u.v.m. Die Website ist ein gemeinsames Projekt von STADTKULTUR HAMBURG, Dachverband für Lokale Kultur und Kulturelle Bildung, und der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendkultur.

680484_web_R_K_B_by_Maik Schwertle_pixelio.de © Maik Schwertle, Pixelio

Web IV: Freies WLAN für Geflüchtete

Das Mobiltelefon ist für viele Geflüchtete oft die einzige Verbindung zu Angehörigen und Freunden in der Heimat. Umso wichtiger ist ein guter Internetzugang in den Unterkünften. Die Initiative Freifunk versorgt Geflüchtete in verschiedenen deutschen Städten per WLAN mit einem Internetzugang. Die Kosten werden meist aus Spenden finanziert. Die Freifunker installieren die WLAN-Infrastruktur und versorgen ganze Einrichtungen mit Netz. Die Mitglieder von Freifunk engagieren sich seit Jahren für offene Funknetze.

bei-uns-in-neuwulmstorf-fluechtlinge © Bei uns in Neu Wulmstorf

Web V: Internet-Portal mit Aktionen und Filmberichten über Flüchtlingsfragen

Videojournalist und Toningenieur Björn Kempcke hat ehrenamtlich Geflüchtete, deren Helfer und Politiker in Neu Wulmstorf bei Hamburg befragt – für das Regionalportal Bei uns in Neu Wulmstorf. Der Film entstand in Kooperation mit Portalgründerin Sylvia Karasch, dem Silberfuchs-Verlag und dem SEO-Berater Hannes Wirtz.

„Hauptdarsteller“ dieses Filmprojekts sind u. a. Majid Shuqer, der aus Syrien flüchtete und seit einem Jahr in Deutschland lebt, Dr. Constanze Hock-Warmuth, Leiterin des Mehrgenerationenhauses COURAGE in Neu Wulmstorf, die das Flüchtlingsnetzwerk Willkommen in Neu Wulmstorf mit ins Leben gerufen hat, sowie Thomas Grambow, 1. stellv. Bürgermeister der Gemeinde. Björn Kempcke, der auch als Schlagzeuger in verschiedenen Musikprojekten aktiv ist, organisiert aktuell ein großes Benefizkonzert, zu dem Geflüchtete und Einheimische eingeladen sind.

App Ankommen © Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Mobile I: App „Ankommen“ soll Geflüchteten helfen

Mit der umfangreichen App Ankommen sollen Geflüchtete Unterstützung beim Einleben in Deutschland erhalten. Der Wegbegleiter dient der schnellen Orientierung und ist auf die Lebensbedürfnisse der Geflüchteten während der ersten Wochen zugeschnitten: Was muss ich beim Asylverfahren beachten? Wie finde ich Arbeit? Wann muss mein Kind zur Schule? Für das Absolvieren des Sprachkurses und das Lesen der Informationstexte wird der Nutzer mit kleinen runden Plaketten (badges) belohnt. Das kostenfreie Angebot wurde für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge vom Bayerischen Rundfunk und vom Goethe-Institut entwickelt, derzeit auf Arabisch, Farsi, Deutsch, Französisch und Englisch.

App helphelp2 © helphelp2

Mobile II: App für Spenden

Der Münchner Fotograf Rüdiger Trost hat die App helphelp2 initiiert, die Organisationen mit Menschen zusammen bringt und dabei unterstützt, genau mit den Spenden zu helfen, die gebraucht zu werden. Startet man die App, sieht man die Annahmestellen für Spenden in seiner Gegend und was dort aktuell gebraucht wird. Möchte man etwas Gutes tun, startet man während seines Einkaufs die App, kauft benötigte Produkte ein und bringt sie an den angezeigten Standort der Spendenannahme. Organisationen können tagesaktuell hinterlegen, welche Spenden gebraucht werden. Zusätzlich wird angezeigt, wo man welche Spenden zu welchen Uhrzeiten abgeben kann.

App_Iconery © Iconary

Mobile III: App als Bildwörterbuch

Wo Sprache (noch) fehlt, können Bilder Brücken bauen. Iconary ist eine einfache Sprach-App, mit der Geflüchtete die allerersten Basis-Vokabeln für den Alltag erlernen können. Als reines Bildwörterbuch basiert die App auf Zeichen bzw. Symbolen, die mit echten Audio-Sprachaufnahmen verknüpft sind. So können sich die Nutzer die einzelnen Begriffe „vorsprechen lassen“. Die erste Version bietet rund 300 Begriffe in 10 Kategorien, wie Zahlen, Farben, Transport, Lebensmittel, in fünf Sprachen: deutsch, englisch, spanisch, italienisch, französisch. iconary ist kostenlos, werbefrei und offline nutzbar sowie verfügbar für Android und iOS. Die App wurde in einem ehrenamtlichen Team in Bremen ohne Budget realisiert.

Piaget_Educarpet Lingo © PIAGET Institute

Games – analog: Wissen auf dem Lernteppich

Der Lernteppich EduCarpet Lingo bietet auf einer Fläche von 3 x 1 Meter viel Spielfreude. Er erleichtert Geflüchteten das Erlernen der deutschen Sprache, garantiert Lernen mit Geist und Geschicklichkeit und berücksichtigt sowohl sprachpädagogische Aspekte als auch Geschicklichkeitselemente. der Lernteppich wird in Gruppen unter Beteiligung einer Lehrkraft bespielt. Unterschiedliche Buchstaben, Wort- und Bildarten lassen auf dem EduCarpet immer neue Spiel- und Lernwelten entstehen. 15 Zielplatten aus weißem Plexiglas können beliebig beschriftet bzw. zum Aufkleben von Bildern und Symbolen genutzt werden. Wurfbälle aus Stoff motivieren zur Bewegung. Der EduCarpet wurde vom PIAGET Institute in Nürnberg in Zusammenarbeit mit der Beruflichen Schule 5 Nürnberg und dem Verband SpieleGilde entwickelt.

Game_Cloud Chasers © Blindflugstudios

Games – digital: Exkurs Schweiz

Das engagierte Entwicklerstudio aus der Schweiz Blindflugstudios hat ein serious game entwickelt, das die Sorgen und Nöte von Geflüchteten nachvollziehbar und nachfühlbar macht. Beim Tablet-Spiel Cloud Chaser spielt der User die Flucht eines Vater mit seiner kleinen Tochter durch die Wüste nach. Mit den beiden Protagonisten Francisco und Amelia durchlebt man den gefahrvollen Weg und ihre ständige Angst vor dem Tod unmittelbar mit. „Cloud Chaser“ erzählt vom Traum zweier Menschen, in einem entfernten Land besser zu leben. Es sensiblisiert für die Situation von Menschen auf der Flucht.

 

Reihe: Hilfe für Geflüchtete – Ideen und Impulse aus der Kreativbranche

Teil 1. Prolog: Hilfe aus der Kreativbranche für Geflüchtete

Teil 2. Theater: Neue Heimat auf der Bühne

Teil 3. Musik: Bridges – Musik verbindet

Teil 4. Museum: Mit Kunst gegen den Hass

Teil 5. Kunst: Geschichten aus dem Automaten

Teil 6. Architektur: „Instant Home“ mit Origami-Technik

Teil 7. Web, Apps, Games: Flucht als Selbsterfahrung

Teil 8. Kreatives für Geflüchtete: Kochen, Gärtnern, Flashmobs

Teil 9. Kulturarbeit mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

Teil 10. Medien für Geflüchtete: Ankommen und Lernen

Teil 11. Bürgeridee: Schulungsprogramme über Monitore für Geflüchtete

Teil 12. Nachlese: Kreative Ideen für Geflüchtete aus der Community

 

Aufruf: Noch mehr kreative Ideen für Geflüchtete gesucht!

Was können Künstler für Geflüchtete tun? In meinem Blog MassivKreativ stelle ich engagierte und nützliche Projekte von Kreativschaffenden vor. Die Liste der guten Beispiele soll weiter wachsen und anderen Mut machen, die ebenfalls Aktivitäten planen! Wenn Sie weitere kreative Projekten für Geflüchtete kennen, die ich bislang nicht erwähnt habe, schicken Sie mir gerne Ihre Infos. Ich sammle sie und berichte in einem neuen Artikel über weitere innovative Projekte.  Infos bitte an mich: massivkreativ2015(at)gmail.com